freuen und seine Frau auch , die so was Unberührtes hat . Und Gräfin Melusine ! Na , die wird sich wohl auch freun . Und die darf auch . Aber ich wiederhole meine Frage , wie kommst du zu dem Kind ? « » Ich hab es kommen lassen . « » Haha . Sehr gut ; kommen lassen . Der Klapperstorch hat es dir wohl von der grünen Wiese gebracht und natürlich auch gleich für die roten Beine gesorgt . Aber ich kenne dich besser . Die Leute hier tun immer so , wie wenn du dem alten Kortschädel sittlich überlegen gewesen wärst . Ich für meine Person kann ' s nicht finden und sagte dir gern meine Meinung darüber . Aber ich nehme häßliche Worte nicht gern in den Mund . « » Adelheid , du regst dich auf . Und ich frage mich , warum . Du bist ein bißchen gegen die Buschen - nun gut , gegen die Buschen kann man sein ; und du bist ein bißchen gegen die Karline - nun gut , gegen die Karline kann man auch sein . Aber ich sehe dir ' s an , das Eigentliche , was dich aufregt , das ist nicht die Buschen und ist auch nicht die Karline , das sind bloß die roten Strümpfe . Warum bist du so sehr gegen die roten Strümpfe ? « » Weil sie ein Zeichen sind . « » Das sagt gar nichts , Adelheid . Ein Zeichen ist alles . Wovon sind sie ein Zeichen ? Darauf kommt es an . « » Sie sind ein Zeichen von Ungehörigkeit und Verkehrtheit . Und ob du nun lachen magst oder nicht - denn an einem Strohhalm sieht man eben am besten , woher der Wind weht - , sie sind ein Zeichen davon , daß alle Vernunft aus der Welt ist und alle gesellschaftliche Scheidung immer mehr aufhört . Und das alles unterstützt du . Du denkst , wunder wie fest du bist ; aber du bist nicht fest und kannst es auch nicht sein , denn du steckst in allerlei Schrullen und Eitelkeiten . Und wenn sie dir um den Bart gehn oder dich bei deinen Liebhabereien fassen , dann läßt du das , worauf es ankommt , ohne weiteres im Stich . Es soll jetzt viele solche geben , denen ihr Humor und ihre Rechthaberei viel wichtiger ist als Gläubigkeit und Apostolikum . Denn sie sind sich selber ihr Glaubensbekenntnis . Aber , glaube mir , dahinter steckt der Versucher , und wohin der am Ende führt , das weißt du - soviel wird dir ja wohl noch geblieben sein . « » Ich hoffe « , sagte Dubslav . » Und weil du bist , wie du bist , freust du dich , daß diese Zierpuppe ( schon ganz wie die Karline ) rote Strümpfe trägt und sich neue dazustrickt . Ich aber wiederhole dir , diese roten Strümpfe , die sind ein Zeichen , eine hochgehaltene Fahne . « » Strümpfe werden nicht hochgehalten . « » Noch nicht , aber das kann auch noch kommen . Und das ist dann die richtige Revolution , die Revolution in der Sitte - das , was sie jetzt das Letzte nennen . Und ich begreife dich nicht , daß du davon kein Einsehn hast , du , ein Mann von Familie , von Zugehörigkeit zu Thron und Reich . Oder der sich ' s wenigstens einbildet . « » Nun gut , nun gut . « » Und da reist du herum , wenn sie den Torgelow oder den Katzenstein wählen wollen , und hältst deine Reden , wiewohl du eigentlich nicht reden kannst ... « » Das is richtig . Aber ich hab auch keine gehalten ... « » Und hältst deine Reden für König und Vaterland und für die alten Güter und sprichst gegen die Freiheit . Ich versteh dich nicht mit deinem ewigen gegen die Freiheit . Laß sie doch mit ihrer ganzen dummen Freiheit machen , was sie wollen . Was heißt Freiheit ? Freiheit ist gar nichts ; Freiheit ist , wenn sie sich versammeln und Bier trinken und ein Blatt gründen . Du hast bei den Kürassieren gestanden und mußt doch wissen , daß Torgelow und Katzenstein ( was keinen Unterschied macht ) uns nicht erschüttern werden , uns nicht und unsern Glauben nicht und Stechlin nicht und Wutz nicht . Die Globsower , solange sie bloß Globsower sind , können gar nichts erschüttern . Aber wenn erst der Buschen ihre Enkelkinder , denn die Karline wird doch wohl schon mehrere haben , ihre Knöpfstiefel und ihre roten Strümpfe tragen , als müßt es nur so sein , ja , Dubslav , dann ist es vorbei . Mit der Freiheit , laß mich das wiederholen , hat es nicht viel auf sich ; aber die roten Strümpfe , das ist was . Und dir trau ich ganz und gar nicht , und der Karline natürlich erst recht nicht , wenn es auch vielleicht schon eine Weile her ist . « » Sagen wir vielleicht . « » Oh , ich kenne das . Du willst das wegwitzeln , das ist so deine Art. Aber unser Kloster ist nicht so aus der Welt , daß wir nicht auch Bescheid wüßten . « » Wozu hättet ihr sonst euern Fix ? « » Kein Wort gegen den . « Und in großer Erregung brach das Gespräch ab . Noch am selben Nachmittag aber verabschiedete sich Adelheid von ihrem Bruder und fuhr nach Wutz zurück . Verweile doch Tod - Begräbnis - Neue Tage Vierzigstes Kapitel Agnes , während oben die gereizte Szene zwischen Bruder und Schwester spielte , war unten in der Küche bei Mamsell Pritzbur und erzählte von Berlin , wo sie vorigen Sommer bei ihrer Mutter auf Besuch gewesen war . » Eins war da « , sagte sie , » das hieß das Aquarium . Da lag eine Schlange , die war so dick wie ' n Bein . « » Aber hast du denn schon Beine gesehn ? « fragte die Pritzbur . » Aber , Mamsell Pritzbur , ich werde doch wohl schon Beine gesehn haben ... Und dann , an einem andern Tag , da waren wir in einem Tiergarten , aber in einem richtigen , mit allerlei Tieren drin . Und den nennen sie den Zoologischen . « » Ja , davon hab ich auch schon gehört . « » Und in dem Zoologischen , da war ein ganz kleiner See , noch viel kleiner als unser Stechlin , und in dem See standen allerlei Vögel . Und einer , ganz wie ' n Storch , stand auf einem Bein . « Als die Mädchen das Wort » Storch « hörten , kamen sie näher heran . » Aber die Beine von dem Vogel , oder es waren wohl mehrere Vögel , die waren viel größer als Storchenbeine und auch viel dicker und viel röter . « » Und taten sie dir nichts ? « » Nein , sie taten mir nichts . Bloß , wenn sie so ' ne Weile gestanden hatten , dann stellten sie sich auf das andre Bein . Und ich sagte zu Mutter : Mutter , komm ; der eine sieht mich immer so an . Und da gingen wir an eine andere Stelle , wo der Bär war . « Das Kind erzählte noch allerlei . Die Mädchen und auch die Mamsell freuten sich über Agnes , und sie trug ihnen ein paar Lieder vor , die ihre Mutter , die Karline , immer sang , wenn sie plättete , und sie tanzte auch , während sie sang , wobei sie das himmelblaue Kleid zierlich in die Höhe nahm , ganz so , wie sie ' s in der Hasenheide gesehen hatte . So kam der Nachmittag heran , und als es schon dunkelte , sagte Engelke : » Ja , gnäd ' ger Herr , wie is das nu mit Agnessen ? Sie is immer noch bei Mamsell Pritzbur unten , un die Mächens , wenn sie so singt und tanzt , kucken ihr zu . Sie wird woll auch so was wie die Karline . Soll sie wieder nach Haus , oder soll sie hierbleiben ? « » Natürlich soll sie hierbleiben . Ich freue mich , wenn ich das Kind sehe . Du hast ja ein gutes Gesicht , Engelke , aber ich will doch auch mal was andres sehn als dich . Wie das lütte Balg da so saß , so steif wie ' ne Prinzeß , hab ich immer hingekuckt und ihr wohl ' ne Viertelstunde zugesehn , wie da die Stricknadeln immer so hin und her gingen und der rote Strumpf neben ihr baumelte . So was Hübsches hab ich nicht mehr gesehn , seit zu Weihnachten die Grafschen hier waren , die blasse Comtesse und die Gräfin . Hat sie dir auch gefallen ? « Engelke griente . » Na , ich sehe schon . Also Agnes bleibt . Und sie kann ja auch nachts mal aufstehn und mir eine Tasse von dem Tee bringen , oder was ich sonst grade brauche , und du alte Seele kannst ausschlafen . Ach , Engelke , das Leben is doch eigentlich schwer . Das heißt , wenn ' s auf die Neige geht ; vorher is es soweit ganz gut . Weißt du noch , wenn wir von Brandenburg nach Berlin ritten ? In Brandenburg war nich viel los ; aber in Berlin , da ging es . « » Ja , gnäd ' ger Herr . Aber nu kommt es . « » Ja , nu kommt es . Nu is Katzenpfötchen dran . So was gab es damals noch gar nicht . Aber ich will nichts sagen , sonst wird die Buschen ärgerlich , und mit alten Weibern muß man gut stehn ; das is noch wichtiger als mit jungen . Und , wie gesagt , die Agnes bleibt . Ich sehe so gern was Zierliches . Es is ein reizendes Kind . « » Ja , das is sie . Aber ... « » Ach , laß die Abers . Du sagst , sie wird wie die Karline . Möglich is es . Aber vielleicht wird sie auch ' ne Nonne . Man kann nie wissen . « Agnes blieb also bei Dubslav . Sie saß am Fenster und strickte . Mal in der Nacht , als ihm recht schlecht war , hatte er nach dem Kinde rufen wollen . Aber er stand wieder davon ab . » Das arme Kind , was soll ich ihm den Schlaf stören ? Und helfen kann es mir doch nicht . « So verging eine Woche . Da sagte der alte Dubslav : » Engelke , das mit der Agnes , das kann ich nich mehr mit ansehn . Sie sitzt da jeden Morgen und strickt . Das arme Wurm muß ja hier umkommen . Und alles bloß , weil ich alter Sünder ein freundliches Gesicht sehn will . Das geht so nich mehr weiter . Wir müssen sehn , daß wir was für das Kind tun können . Haben wir denn nicht ein Buch mit Bildern drin oder so was ? « » Ja , gnäd ' ger Herr , da sind ja noch die vier Bände , die wir letzte Weihnachten bei Buchbinder Zippel in Gransee haben einbinden lassen . Eigentlich war es bloß ' ne Landwirtschaftliche Zeitung , und alle , die mal ' nen Preis gewonnen haben , die waren drin . Und Bismarck war auch drin un Kaiser Wilhelm auch . « » Ja , ja , das is gut ; das gib ihr . Und brauchst ihr auch nich zu sagen , daß sie keine Eselsohren machen soll ; die macht keine . « Wirklich , die » Landwirtschaftliche Zeitung « lag am andern Morgen da , und Agnes war sehr glücklich , mal was andres zu haben als ihr Strickzeug und die schönen Bilder ansehn zu können . Denn es waren auch Schlösser drin und kleine Teiche , drauf Schwäne fuhren , und auf einem Bilde , das eine Beilage war , waren sogar Husaren . Engelke brachte jeden Morgen einen neuen Band , und mal erschien auch Elfriede , die Lorenzen , um nach Dubslavs Befinden fragen zu lassen , von der Pfarre herübergeschickt hatte . » Die kann sich ja die Bilder mit ansehen « , sagte Dubslav ; » am Ende macht es ihr selber auch Spaß , und vielleicht kann sie dem kleinen Ding , der Agnes , alles so nebenher erklären , und dann is es so gut wie ' ne Schulstunde . « Elfriede war gleich dazu bereit . Und nun standen die beiden Kinder nebeneinander und blätterten in dem Buch , und die Kleine sog jedes Wort ein , was die Große sagte . Dubslav aber hörte zu und wußte nicht , wem von beiden er ein größeres Interesse zuwenden sollte . Zuletzt aber war es doch wohl Elfriede , weil sie den wehmütigen Zauber all derer hatte , die früh abberufen werden . Ihr zarter , beinahe körperloser Leib schien zu sagen : » Ich sterbe . « Aber ihre Seele wußte nichts davon ; die leuchtete und sagte : » Ich lebe . « Das mit den Bilderbüchern dauerte mehrere Tage . Dann sagte Dubslav : » Engelke , das Kind fängt heute schon wieder von vorn an ; es ist mit allen vier Bänden , so dick sie sind , schon zweimal durch ; ich sehe , wir müssen uns was Neues ausbaldowern . Das is nämlich ein Wort aus der Diebssprache ; soweit sind wir nu schon . Übrigens ist mir was Gutes eingefallen : hol ihr eine von unsern Wetterfahnen herunter . Die stehn ja da bloß so rum , un wenn ich tot bin und alles abgeschätzt wird - was sie ordnen nennen - , dann kommt Kupperschmied Reuter aus Gransee und taxiert es auf fünfundsiebzig Pfennig . « » Aber , gnäd ' ger Herr , uns ' Woldemar ... « » Nu ja , Woldemar . Woldemar ist gut , natürlich , und die Comtesse , seine junge Frau , is auch gut . Alles is gut , und ich hab es auch nicht so schlimm gemeint ; man redt bloß so . Nur soviel is richtig : meine Sammlung oben is für Spinnweb und weiter nichts . Alles Sammeln ist überhaupt verrückt , und wenn Woldemar sich nich mehr drum kümmert , so is es eigentlich bloß Wiederherstellung von Sinn und Verstand . Jeder hat seinen Sparren , und ich habe meinen gehabt . Bring aber nich gleich alles runter . Nur die Mühle bring und den Dragoner . « Engelke gehorchte . Den ersten Tag , wie sich denken läßt , war Agnes ganz für den Dragoner , der , als man ihn vor Jahr und Tag von seinem Zelliner Kirchturm heruntergeholt hatte , frisch aufgepinselt worden war : schwarzer Hut , blauer Rock , gelbe Hosen . Aber sehr bald hatte sich das Kind an der Buntheit des Dragoners satt gesehen , und nun kam statt seiner die Mühle an die Reihe . Die hielt länger vor . Meistens - wenn sie nur überhaupt erst im Gange war - brauchte das Kind bloß zu pusten , um die Mühlflügel in ziemlich rascher Bewegung zu halten , und der schnarrende Ton der etwas eingerosteten Drehvorrichtung war dann jedesmal eine Lust und ein Entzücken . Es waren glückliche Tage für Agnes . Aber fast noch glücklichere für den Alten . Ja , der alte Dubslav freute sich des Kindes . Aber so wohltuend ihm seine Gegenwart war , so war es auf die Dauer doch nicht viel was andres , als ob ein Goldlack am Fenster gestanden oder ein Zeisig gezwitschert hätte . Sein Auge richtete sich gerne darauf ; als aber eine Woche und dann eine zweite vorüber war , wurd ihm eine gewisse Verarmung fühlbar , und das so stark , daß er fast mit Sehnsucht an die Tage zurückdachte , wo Schwester Adelheid sich ihm bedrücklich gemacht hatte . Das war sehr unbequem gewesen , aber sie besaß doch nebenher einen guten Verstand , und in allem , was sie sagte , war etwas , worüber sich streiten und ein Feuerwerk von Anzüglichkeiten und kleinen Witzen abbrennen ließ . Etwas , was ihm immer eine Hauptsache war . Dubslav zählte zu den Friedliebendsten von der Welt , aber er liebte doch andrerseits auch Friktionen , und selbst ärgerliche Vorkommnisse waren ihm immer noch lieber als gar keine . Kein Zweifel , der alte Schloßherr auf Stechlin sehnte sich nach Menschen , und da waren es denn wahre Festtage , wenn Besucher aus Näh oder Ferne sich einstellten . Eines Tages - es schummerte schon - erschien Krippenstapel . Er hatte seinen besten Rock angezogen und hielt ein übermaltes Gefäß , mit einem Deckel darauf , in seinem linken Arm . » Nun , das ist recht , Krippenstapel . Ich freue mich , daß Sie mal nachsehn , ob unser Museum oben noch seinen Chef hat . Ich sage Chef . Der Direktor sind Sie ja selber . Und nun kommen Sie auch gleich noch mit ' ner Urne . Hat gewiß Ihr Freund Tucheband irgendwo ausgegraben . Oder is es bloß ' ne Terrine ? Himmelwetter , Krippenstapel , Sie werden mir doch nich ' ne Krankensuppe gekocht haben ? « » Nein , Herr Major , keine Krankensuppe . Gewiß nicht . Und doch is es einigermaßen so was . Es ist nämlich ' ne Wabe . Habe da heute mittag einen von meinen Stöcken ausgenommen und wollte mir erlaubt haben , Ihnen die beste Wabe zu bringen . Es ist beinah so was wie der mittelalterliche Zehnte . Der Zehnte , wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf , war eigentlich was Feineres als Geld . « » Find ich auch . Aber die heutige Menschheit hat für so was Feines gar keinen Sinn mehr . Immer alles bar und nochmal bar . Oh , das gemeine Geld ! Das heißt , wenn man keins hat ; wenn man ' s hat , ist es soweit ganz gut . Und daß Sie gleich an Ihren alten Patron - ein Wort , das übrigens vielleicht zu hoch gegriffen ist und unser Verhältnis nicht recht ausdrückt - gedacht haben ! Lorenzen wird es hoffentlich nicht übelnehmen , daß ich Sie , wenn ich mich Ihren Patron nenne , so gleichsam avancieren lasse . Ja , das mit der Wabe . Freut mich aufrichtig . Aber ich werde mich wohl nicht drüberher machen dürfen . Immer heißt es : Das nicht . Erst hat mir Sponholz alles verboten und nu die Buschen , und so leb ich eigentlich bloß noch von Bärlapp und Katzenpfötchen . « » Am Ende geht es doch « , sagte Krippenstapel . » Ich weiß wohl , in eine richtige Kur darf der Laie nicht eingreifen . Aber der Honig macht vielleicht ' ne Ausnahme . Richtiger Honig ist wie gute Medizin und hat die ganze Heilkraft der Natur . « » Is denn aber nicht auch was drin , was besser fehlte ? « » Nein , Herr Major . Ich sehe die Bienen oft schwärmen und sammeln und seh auch , wie sie sammeln und wo sie sammeln . Da sind voran die Linden und Akazien und das Heidekraut . Nu , die sind die reine Unschuld ; davon red ich gar nicht erst . Aber nun sollten Sie die Biene sehn , wenn sie sich auf eine giftige Blume , sagen wir zum Beispiel auf den Venuswagen , niederläßt . Und in jedem Venuswagen , besonders in dem roten ( aber doch auch in dem blauen ) , sitzt viel Gift . « » Venuswagen ; kann ich mir denken . Und wie sammelt da die Biene ? « » Sie nimmt nie das Gift , sie nimmt immer bloß die Heilkraft . « » Na , Sie müssen es wissen , Krippenstapel . Und auf Ihre Verantwortung hin will ich mir den Honig auch schmecken lassen , und die Buschen muß sich drin finden und sich wohl oder übel zufriedengeben . Übrigens fällt mir bei der Alten natürlich auch das Kind ein . Da sitzt es am Fenster . Na , komm mal her , Agnes , und sage , daß du hier auch was lernst . Ich hab ihr nämlich Bücher gegeben , mit allerlei Bildern drin , und seit vorgestern auch eine Götterlehre , das heißt aber noch eine aus guter , anständiger Zeit und jeder Gott ordentlich angezogen . Und da lernt sie , glaub ich , ganz gut . Nicht wahr , Agnes ? « Agnes knickste und ging wieder auf ihren Platz . » Und dann hab ich dem Kind auch unsern Dragoner und die Mühle gegeben . Also unsre besten Stücke , soviel ist richtig . Ich denke mir aber , mein Museumsdirektor wird über diesen Eingriff nicht böse sein . Eigentlich is es doch besser , das Kind hat was davon als die Spinnen . Und was macht denn Ihr Oberlehrer in Templin ? Hat er wieder was gefunden ? « » Ja , Herr Major . Münzenfund . « » Na , das is immer das Beste . Vermutlich Georgstaler oder so was ; Dreißigjähriger Krieg . Es war ja ' ne gräßliche Zeit . Aber daß sie damals aus Angst und Not soviel verbuddelt haben , das is doch auch wieder ein Segen . Is es denn viel ? « » Wie man ' s nehmen will , Herr Major ; praktisch und profan angesehen , ist es nicht viel , aber wissenschaftlich angesehen , ist es allerdings viel . Nämlich drei römische Münzen , zwei von Diokletian und eine von Caracalla . « » Na , die passen wenigstens . Diokletian war ja wohl der mit der Christenverfolgung . Aber ich glaube , es war am Ende nicht so schlimm . Verfolgt wird immer . Und mitunter sind die Verfolgten obenauf . « Dabei lachte der Alte . Dann rief er Engelke , daß er den Honig herausnehme . Krippenstapel aber verabschiedete sich , seine leere Terrine vorsichtig im Arm . Einundvierzigstes Kapitel Dubslav hatte sich über Krippenstapels Besuch und sein Geschenk aufrichtig gefreut , weil es ja das Beste war , was ihm die alte treue Seele bringen konnte . Er bestand denn auch darauf ( trotzdem Engelke , der ein Vorurteil gegen alles Süße hatte , dagegen war ) , daß ihm die Wabe jeden Morgen auf den Frühstückstisch gestellt werde . » Siehst du , Engelke « , sagte er nach einer Woche , » daß ich mich wieder wohler fühle , das macht die Wabe . Denn man muß jedes Fisselchen mitessen , Wachs und alles , das hat er mir eigens gesagt . Das is gradso wie beim Apfel die Schale ; das hat die Natur so gewollt und is ein Fingerzeig und muß respektiert werden . « » Ich bin aber doch für abschälen « , sagte Engelke . » Wenn man so sieht , was mitunter alles dran ist ... « » Ja , Engelke , ich weiß nicht , du bist jetzt so fein geworden . Aber ich bin noch ganz altmodisch . Und dann glaub ich nebenher wirklich , daß in dem Wachs die richtige gesamte Heilkraft der Natur steckt , fast noch mehr als in dem Honig . Krippenstapel übrigens is jetzt auch so furchtbar gebildet und hat so viele feine Wendungen , wie zum Beispiel die mit der gesamten Heilkraft . Aber so fein wie du is er doch noch lange nicht , darauf will ich mich verschwören . Und auch darauf , daß er sich keine Birne schält . « In dieser guten Laune verblieb Dubslav eine ganze Weile , sich mehr und mehr zurechtlegend , daß er sich die Quälerei mit all dem andern Zeug eigentlich hätte sparen können ; » denn wenn alles drin ist , so ist doch auch Bärlapp und Katzenpfötchen drin und natürlich auch Fingerhut oder , wie Sponholz sagt : Die Digitalis . « Engelke freilich wollte von diesen Sophistereien nichts wissen ; sein Herr aber ließ sich durch solche Zweifel nicht stören und fuhr vielmehr fort : » Und dann , Engelke , macht es doch auch einen Unterschied , von wem eine Sache kommt . Die Katzenpfötchen kommen von der Buschen , und die Wabe kommt von Krippenstapel . Das heißt also , hinter der Wabe steht ein guter Geist , und hinter den Katzenpfötchen steht ein böser Geist . Und das kannst du mir glauben , an solchen Rätselhaftigkeiten liegt sehr viel im Leben , und wenn mir Lorenzen seine Patsche gibt , so ist das ganz was anders , wie wenn mir Koseleger seine Hand gibt . Koseleger hat solche weichen Finger und auf dem vierten einen großen Ring . « » Aber er is doch ein Superintendent . « » Ja , Superintendent is er . Und er kommt auch noch höher . Und wenn es nach der Prinzessin geht , wird er Papst . Und dann wollen wir uns Ablaß bei ihm holen ; aber viel geb ich nicht . « Als Dubslav und Engelke dies Gespräch führten , saß Agnes wie gewöhnlich am Fenster , mit halbem Ohre hinhörend , und sowenig sie davon verstand , so verstand sie doch gerade genug . Krippenstapel war ein guter Geist , und ihre Großmutter war ein böser Geist . Aber das alles war ihr nicht mehr , als ob ihr ein Märchen erzählt würde . Sie hatte schon so vieles in ihrem Leben gehört und war wohl dazu bestimmt , noch viel , viel andres zu hören . Ihr Gesichtsausdruck blieb denn auch derselbe . Sie träumte bloß so hin , und daß sie dies Wesen hatte , das war es recht eigentlich , was den alten Herrn so an sie fesselte . Das Auge , womit sie die Menschen ansah , war anders als das der andern . Engelke hatte sich in die nebenan gelegene Dienststube zurückgezogen ; ein heller Schein fiel von der Veranda her durch die Balkontür und gab dem etwas dunklen Zimmer mehr Licht , als es für gewöhnlich zu haben pflegte . Dubslav hielt die » Kreuzzeitung « in Händen und schlug nach einem Brummer , der ihn immer und immer wieder umsummte . » Verdammte Bestie « , und er holte von neuem aus . Aber ehe er zuschlagen konnte , kam Engelke und fragte , ob Uncke den gnädigen Herrn sprechen dürfe . » Uncke , unser alter Uncke ? « » Ja , gnäd ' ger Herr . « » Na , natürlich . Kriegt man doch mal wieder ' nen vernünftigen Menschen zu sehn . Was er nur bringen mag ? Vielleicht Verhaftung irgendwo : Demokratennest ausgenommen . « Agnes horchte . Verhaftung ! Demokratennest ausgenommen ! Das war doch noch besser als ein Märchen » vom guten und bösen Geist « . Inzwischen war Uncke eingetreten , Backenbart und Schnurrbart , wie gewöhnlich , fest angeklebt . In der Nähe der Tür blieb er stehen und grüßte militärisch . Dubslav aber rief ihm zu : » Nein , Uncke , nicht da . So weit reicht mein Ohr nicht und meine Stimme erst recht nicht . Und ich denke doch , Sie bringen was . Was Reguläres . Also ran hier . Und wenn es nicht was ganz Dienstliches is , so nehmen Sie den Stuhl da . « Uncke trat auch näher , nahm aber keinen Stuhl und sagte : » Herr Major wollen entschuldigen . Ich komme so bloß ... Der alte Baruch Hirschfeld hat mir erzählt , und die alte Buschen hat mir erzählt ... « » Ach so , von wegen meiner Füße . « » Zu Befehl , Herr Major « » Ja , Uncke , wollte Gott , es stünde besser . Immer denk ich , wenn wieder ein Neuer kommt , nu wird es . Aber es will nicht mehr ; es hilft immer bloß drei Tage . Die Buschen hilft nicht mehr , und Krippenstapel hilft nicht mehr , und Sponholz hilft schon lange nicht mehr ; der kutschiert so in der Welt rum . Bleibt also bloß noch der liebe Gott . « Uncke begleitete dies Wort mit einer Kopfbewegung , die seine respektvolle Stellung ( aber doch auch nicht mehr ) zum lieben Gott ausdrücken sollte . Dubslav sah es und erheiterte sich . Dann fuhr er in rasch wachsender guter Laune fort : » Ja , Uncke , wir haben so manchen Tag miteinander gelebt . Denke gern daran zurück - sind noch einer von den Alten . Und der Pyterke auch . Was macht er denn ? « » Ah , Herr Major , immer noch tüchtig da ; schneidig « , und dabei rückte er sich selbst zurecht , wie wenn er die überlegene Stattlichkeit seines Kollegen wenigstens andeuten wolle . Dubslav verstand es auch so und sagte : » Ja , der Pyterke ; natürlich immer hoch zu Roß . Und Sie , Uncke , ja , Sie müssen laufen wie ' n Landbriefträger . Es hat aber auch sein Gutes ; zu Fuß macht geschmeidig , zu Pferde macht steif . Und macht auch faul . Und überhaupt , Gebrüder Beeneke is schon immer das Beste . Da kann man nicht zu Fall kommen . Aber jeder will heutzutage hoch raus . Das is , was sie jetzt die Signatur der Zeit nennen . Haben Sie den Ausdruck schon gehört , Uncke ? « » Zu Befehl , Herr Major . « » Und die Sozialdemokratie will auch hoch raus