und riefst ihn beim Namen . Er aber sprach : Wer ist das Weib ? ich kenne sie nicht ! - Und es ließ mich nicht mehr droben in den Bergen . Herab zog ' s mich : ich mußte sehen , wie mein Kind gehalten ist im Tal und überraschen wollt ' ich ihn - deshalb wollt ' ich nicht durchs Tor ins Haus . « » Vater , « sprach Rauthgundis zornig , » dergleichen soll man selbst im Traume nicht denken . Dein Mißtrauen - « » Mißtrauen ! ich traue niemand als mir selbst . Und in dem Blitzschlag und in dem Traumgesicht hat sich ' s mir deutlich gemeldet : dir droht ein Unglück ! Weich ' ihm aus ! Nimm deinen Knaben und geh mit mir in die Berge ! Nur auf kurze Zeit . Glaub ' mir , du wirst es bald wieder schön finden in der freien Luft , wo man über aller Herren Länder hinwegsieht . « » Ich soll meinen Mann verlassen ? Niemals . « - » Hat er nicht dich verlassen ? Ihm ist Hof- und Königsdienst mehr als Weib und Kind . So laß ihm seinen Willen . « » Vater , « sprach jetzt Rauthgundis , seine Hand heftig fassend , » kein Wort mehr ! Hast du denn meine Mutter nicht geliebt , daß du so reden kannst von Ehegatten ? Mein Witichis ist mir alles , Luft und Licht des Lebens . Und er liebt mich mit seiner ganzen treuen Seele . Und wir sind eins . Und wenn er für recht hält , fern von mir zu schaffen , zu wirken , so ist es recht . Er führt seines Volkes Sache . Und zwischen mich und ihn soll kein Wort , kein Hauch , kein Schatte treten . Und auch ein Vater nicht . « Der Alte schwieg . Aber sein Mißtrauen schwieg nicht . » Warum , « hob er nach einer Pause wieder an , » wenn er am Hof so wichtige Geschäfte hat , warum nimmt er dich nicht mit ? Schämt er sich der Bauerntochter ? « und zornig stieß er seinen Stock auf die Erde . » Der Zorn verwirrt dich ! Du grollst , daß er mich vom Berg ins Tal der Welschen geführt - und grollst ebenso , weil er mich nicht nach Rom mitten unter sie führt ! « » Du sollst ' s auch nicht tun ! Aber er soll ' s wollen . Er soll dich nicht entbehren können . Aber des Königs Feldherr wird sich des Bauernkindes schämen . « Da , ehe Rauthgundis antworten konnte , sprengte ein Reiter an das jetzt verschlossene Hoftor , vor dem sie eben standen . » Auf , aufgemacht ! « rief er , mit der Streitaxt an die Pfosten schlagend . - » Wer ist da draußen ? « fragte der Alte vorsichtig . - » Aufgemacht ! so lang läßt man einen Königsboten nicht warten ! « » Es ist Wachis « , sprach Rauthgundis , den schweren Riegelbalken im Ring zurückschiebend , » was bringt dich so plötzlich zurück ? « » Du bist es selbst , die mir öffnet ! « rief der treue Mann , » o Gruß und Heil , Frau Königin der Goten ! Der Herr ist zum König des Volks gewählt . Diese meine Augen sahen ihn hoch auf den Heerschild gehoben : er läßt dich grüßen : und entbittet dich und Athalwin nach Rom . In zehn Tagen sollst du aufbrechen . « In allem Schrecken und in aller Freude und zwischen allen Fragen durch konnte sich Rauthgundis nicht enthalten eines freudig stolzen Blicks auf ihren Vater : dann warf sie sich an seine Brust und weinte . » Nun , « fragte sie endlich sich losmachend , » Vater , was sagst du nun ? « » Was ich sage ? Jetzt ist das Unglück da , das mir geahnt ! Ich gehe noch heute Nacht zurück auf meinen Berg . « Zweites Kapitel . Während die Goten bei Regeta tagten , umklammerte in weit geschwungenem Halbkreis das mächtige Heerlager Belisars die hart bedrängte Stadt Neapolis . Rasch , unaufhaltsam wie ein Brand in getrocknetem Heidegras , hatte sich das Heer der Byzantiner von der äußersten Südostspitze Italiens bis vor die Mauern der pathenopeischen Stadt gewälzt , ohne Widerstand zu finden . Denn , dank den Befehlen Theodahads , waren nicht hundert Gotenkrieger in jenen Gegenden zu finden . Das kurze Vorpostengefecht am Passe Jugum war der einzige Aufenthalt , auf den die Griechen stießen : die römische Bevölkerung von Bruttien mit den Städten Regium , Vibo und Squyllacium , Tempsa und Croton , Ruscia und Thurii , von Calabrien mit den Städten Gallipolis , Tarentum und Brundusium , von Lucanien mit den Städten Vella und Buxentum , von Apulien mit den Städten Acheruntia und Canusium , Salernum , Nuceria und Campsä , und viele andre Städte nahmen Belisar mit Jubel auf , als er ihnen im Namen des rechtgläubigen Kaisers Justinian die Befreiung von dem Joche der Ketzer und Barbaren verkündete . Bis an den Aufidus im Osten , bis an den Sarnus im Südwesten war Italien den Goten entrissen , und erst an den Wällen von Neapel brach sich der Ungestüm dieser feindlichen Wogen . Und wohl ein herrliches Kriegsschauspiel waren diese Heerlager Belisars zu nennen . Im Norden , vor der Porta Nolana , dehnte sich das Lager Johannes des Blutigen . Diesem tapfern Führer war die Via Nolana anvertraut und die Aufgabe , die Straße nach Rom zu erzwingen . Hier in den breiten Wiesenflächen , auf den Saatfeldern fleißiger Goten , tummelten die Massageten und die gelben Hunnen ihre kleinen , häßlichen Gäule . Daneben lagerten leichte persische Söldner , in Linnenpanzern , mit Pfeil und Bogen ; dann schwere armenische Schildträger , Makedonen mit zehn Fuß langen » Sarissen « ( Lanzen ) und große Massen thessalischer und thrakischer , aber auch sarazenischer Reiter , zu verhaßter Untätigkeit in diesem Belagerungskampf verurteilt und ihre Muße nach Kräften ausfüllend mit Streifzügen ins Innere des Landes . Das mittlere Lager , gerade im Osten der Stadt , war von dem Hauptheer erfüllt : Belisars großes Feldherrnzelt von blauer sidonischer Seide , mit dem Purpurwimpel , ragte in seiner Mitte . Hier stolzierte die Leibwache , die Belisar selbst bewaffnete und besoldete , und zu der nur die erlesensten Leute , die sich dreimal durch Todesverachtung im Kampf ausgezeichnet , zugelassen wurden : - aus ihr gingen Belisars Schüler und beste Heerführer hervor - in reichvergoldeten Helmen mit roten Roßhaarkämmen , den besten Brust-und Beinharnischen , ehernen Schilden , dem breiten Schwert und der partisanen-gleichen Lanze . Hier bildeten den Kern des Fußvolks achttausend Illyrier , die einzige gute Truppe , die das Griechenreich noch selbst stellte ; hier aber lagerten auch unter dem Befehl ihrer Stammesfürsten die avarischen , bulgarischen , sarmatischen und auch germanischen Scharen , wie Heruler und Gepiden , die Byzanz um schweres Geld werben mußte , den Mangel der kriegsfähigen Mannschaft zu decken . Hier auch die ausgewanderten und die vielen tausend übergegangenen Italier . Endlich das südwestliche Lager , das sich dem Strand entlang dehnte , befehligte Martinus , der den Belagerungswerkzeugen vorstand : hier standen die Katapulten und Ballisten , die Mauerbrecher und Wurfmaschinen in Vorrat : hier wogten die isaurischen Bundesgenossen und die Scharen , die das neu von den Vandalen zurückeroberte Afrika stellte : maurische , numidische Reiter , libysche Schleuderer durcheinander . Aber vereinzelt waren Abenteurer und Söldner fast aus allen Barbarenstämmen der drei Erdteile vertreten : Bajuwaren von der Donau , Alamannen vom Rhein , Franken von der Maas , Burgunden von der Rhone , dann wieder Anten vom Dniester , Lazier vom Phasis , pfeilkundige Abasgen , Sabiren , Lebanthen und Lykaonen aus Asien und Afrika . So bunt zusammengesetzt aus barbarischen Haufen war die Kriegsmacht , mit der Justinian die gotischen » Barbaren « vertreiben und Italien befreien wollte . Den Befehl über die Vorposten hatten immer und überall die Leibwächter Belisars : und diese Kette zog sich um die Stadt her von der Porta Capuana fast bis an die Wogen des Meeres . Neapolis aber war schlecht befestigt und schwach besetzt . Nicht tausend Goten waren es , welche die ausgedehnten Werke gegen ein Heer von vierzigtausend Byzantinern und Italiern verteidigen sollten . Graf Uliaris , der Befehlshaber der Stadt , war ein tapfrer Mann und hatte bei seinem Bart geschworen , die Feste nicht zu übergeben . Aber auch er hätte der überlegnen Macht und Feldherrnkunst Belisars wohl nicht lange widerstehen können , wäre nicht ein glücklicher Umstand ihm zu Hilfe gekommen . Das war die unzeitige Rückkehr der griechischen Flotte nach Byzanz . Als nämlich Belisar , nachdem er sein gelandetes Heer in Regium eine Nacht geruht und gemustert hatte , den allgemeinen Aufbruch mit der Land- und Seemacht gegen Neapolis befahl , sandte ihm sein Nauarchos Konon einen bisher geheim gehaltnen Auftrag des Kaisers , wonach die Flotte sofort nach der Landung nach Nikopolis an der griechischen Küste zurücksegeln sollte , angeblich , neue Verstärkungen herüberzuholen , in Wahrheit aber nur , den Prinzen Germanus , Justinians Neffen , mit den kaiserlichen Lanzenträgern nach Italien zu führen , der die Siegesschritte Belisars beobachten , überwachen , nötigenfalls hemmen und , als Oberfeldherr , die Interessen des kaiserlichen Mißtrauens gegen den Unterfeldherrn Belisar wahren sollte . Zähneknirschend mußte Belisar seine Flotte im Augenblick , da er ihrer am meisten bedurfte , absegeln sehen : und nur mit vielen Bitten erlangte er , daß ihm der Nauarch vier Kriegstrieren , die noch bei Sizilien kreuzten , zu senden versprach . So hatte denn Belisar , als er sich anschickte , Neapolis zu belagern , die Stadt zwar von Nordost , Ost und Südost mit seiner Landmacht eng einschließen können : - den Westen , die Straße nach Rom , durch Castellum Tiberii gedeckt , hielt Graf Uliaris mit höchster Kraft frei : - aber den Hafen von Neapolis und seine Verbindung mit der See hatte er nicht zu sperren vermocht . Anfangs zwar tröstete er sich damit , daß ja auch die Belagerten keine Flotte hätten und also von ihrer Verbindung mit dem Meer nicht eben viel Vorteil würden ziehen können . Aber hier trat ihm zuerst die Begabung und die Kühnheit eines Gegners in den Weg , den er später noch mehr fürchten lernen sollte . Das war Totila . Kaum hatte dieser Neapolis erreicht , der Leiche des alten Valerius mit Julius die letzte Ehre erwiesen und die ersten Tränen Valerias getrocknet , als er mit rastloser Tätigkeit an der Aufgabe arbeitete , eine Flotte aus dem Nichts zu schaffen . Er war Befehlshaber des Geschwaders von Neapolis : aber dieses ganze Geschwader hatte König Theodahad schon vor Wochen , trotz Totilas Vorstellungen , Belisar aus dem Wege , nach Pisa beordert , wo es die Arnusmündung bewachen sollte . So besaß Totila von Anfang nichts als drei leichte Wachtschiffe , von denen er zwei bei Sizilien verloren hatte : und er war nach Neapolis gekommen , an jedem Widerstand zur See verzweifelnd . Aber da er das Unglaubliche vernahm , daß die byzantinische Flotte nach Hause gegangen sei , belebte sich sofort seine Hoffnung . Und nun ruhte er nicht , bis er auf großen Fischerbooten , Kaufmannsschiffen , Hafenkähnen und in der Eile notdürftig seetüchtig gemachten Wracks der Werften sich eine kleine Flottille von etwa zwölf Segeln gebildet , die freilich weder einem Sturm auf hoher See noch einem einzigen Kriegsschiff Trotz bieten konnte , aber doch vortreffliche Dienste leistete , die sonst völlig abgeschnittene Stadt von Bajä , Cumä und andern Städten im Nordwesten her mit Lebensmitteln zu versehen , die Bewegungen der Feinde an den Küsten zu beobachten und mit unaufhörlichen Angriffen zu quälen , indem Totila mit einer kleinen Schar oft im Süden , im Rücken der griechischen Lager , landete , sich ins Land schlich , bald hier , bald da einen Trupp der Feinde überfiel und zersprengte und solche Unsicherheit verbreitete , daß sich die Byzantiner nur in starken Abteilungen und nie zu weit von ihren Lagern zu entfernen wagten , während diese Erfolge die hart bedrängte , von steten Wachdiensten und Kämpfen angegriffene Mannschaft des Uliaris immer wieder ermutigten . Bei alledem konnte sich Totila nicht verhehlen , daß die Lage schon jetzt eine höchst bedenkliche und , sowie einige griechische Schiffe vor der Stadt erschienen , eine unhaltbare werde . Er verwandte daher einen Teil seiner Boote dazu , täglich eine Anzahl von wehrunfähigen Einwohnern aus Neapolis aufwärts nach Bajä und Cumä zu schaffen , wobei er die Anforderung der Reichen , daß diese Rettungsfahrten nur gegen Bezahlung stattfinden sollten , streng zurückwies und ohne Unterschied Arme wie Reiche in seine rettenden Schiffe aufnahm . Vergebens hatte Totila wiederholt und immer dringender Valeria gebeten , unter dem Schutz von Julius auf diesen Schiffen zu flüchten : noch wollte sie sich von dem Sarge ihres Vaters , noch von dem Geliebten nicht trennen , dessen Lob als des Schirmers der Stadt sie nur zu gern aus aller Munde einsog . Und ruhig fuhr sie fort , in dem väterlichen Hause ihrer Trauer und ihrer Liebe zu leben . Drittes Kapitel . In diesen ersten Tagen der Belagerung empfand auch Miriam die höchsten Freuden und die höchsten Schmerzen ihrer Liebe . Häufiger als je konnte sie sich in des Geliebten Anblick sonnen : denn die Porta Capuana war ein wichtiger Punkt der Befestigung , den der Seegraf oft besuchen mußte . In der Turmstube des alten Isak hielt er täglich mit Graf Uliaris den traurigen Kriegsrat . Dann pflegte Miriam , wann sie die Männer begrüßt und das schlichte Mahl von Früchten und Wein auf den Tisch gestellt , hinunterzuschlüpfen in das enge Gärtlein , das dicht hinter der Turmmauer lag . Der Raum war ursprünglich ein kleiner Hof im Tempel der Minerva , der Mauerbeschützerin , gewesen , der man gern an den Haupttoren der Städte einen Altar errichtete . Seit Jahrhunderten war der Altar verschwunden : aber noch ragte hier der alte , mächtige Olivenstamm , der einst die der Göttin geweihte Statue beschattet hatte : und ringsum dufteten die Blumen , die Miriams liebevolle Hand hier gepflegt und oft für die Braut des Geliebten gebrochen hatte . Gerade gegenüber dem riesigen Ölbaum , dessen knorrige Wurzeln über die Erde hervorstarrten und eine dunkle Öffnung in den Erdgeschossen des alten Tempels zeigten , war von dem Christentum ein großes , schwarzes Holzkreuz angebracht über einem kleinen Betschemel , der aus einer Marmorstufe des Minervatempels gebildet war : - man liebte , die Stätten des alten Gottesdienstes dem neuen zu unterwerfen und die alten Götter , die jetzt zu Dämonen geworden , durch die Sinnbilder des siegreichen Glaubens zu verscheuchen . Unter diesem Kreuz saß das schöne Judenmädchen oft stundenlang mit der alten Arria , der halbblinden Witwe des Unterpförtners , die , nach dem frühen Tod von Isaks Weib , wie eine Mutter das Heranblühen der kleinen Miriam mit ihren Blumen in dem öden Gestein der alten Mauern überwacht hatte . Da hatte diese viele Jahre lang still lauschend zugehört , wie die fromme Alte in fleißigem Gebet zu dem Gott der Christen flehte : und unwillkürlich war so mancher Strahl der mildern , hellern Liebeslehre des Nazareners in das Herz der Heranwachsenden gedrungen . Jetzt , da Alter und Erblindung die Witwe hilfsbedürftig gemacht , vergalt Miriam mit liebevoller Treue der Pflegerin ihrer Kindheit . Mit Rührung nahm Arria diese Treue hin ; ihr altes Herz umschloß mit Dank und Liebe und Mitleid das herrliche Geschöpf , dessen mächtige Liebe zu dem jungen Goten sie längst erkannt und beklagt , aber nie gegenüber der scheuen Jungfrau berührt hatte . Am Abend des dritten Tages der Belagerung schritt Miriam nachdenklich die breiten Mauerstufen nieder , die von der Turmpforte in den Garten führten : ihr edles , seelentiefes Auge glitt , in ernstes Sinnen verloren , über die duftigen Blumen der Beete hin : auf der letzten Stufe blieb sie träumend stehen , die linke Hand auf den Mauerrand lehnend . Arria kniete auf dem Betschemel , ihr den Rücken wendend , und betete laut . Sie würde die Nahende nicht bemerkt haben , wenn nicht geflügeltes Leben plötzlich den stillen Hof beseelt hätte : denn in den breiten Zweigen der Olive nisteten die schönsten weißen Tauben , der einsamen Miriam einzige Gespielinnen . Als diese die vertraute Gestalt auf den Stufen erscheinen sahen , erhoben sie sich alle , in schwirrendem Flug ihr Haupt umschwärmend ; eine ließ sich auf des Mädchens linke Schulter nieder , die andre auf das feine Gelenk der Rechten , die Miriam , aus ihrem Traume geweckt , lächelnd ausstreckte . » Du bist ' s , Miriam ! deine Tauben verkünden dich ! « sprach Arria sich wendend . Und das schöne Mädchen stieg die letzte Stufe nieder , langsam , die Vögel nicht zu verscheuchen ; die Abendsonne fiel durch die Blätter der Olive auf ihre pfirsichroten Wangen : es war ein lieblich Bild . » Ich bin ' s , Mutter ! « sagte Miriam , sich zu ihr setzend . » Und ich hab ' eine Bitte . Wie lautet , « fragte sie leiser , » dein Spruch vom Leben nach dem Tode , dein Glaubensspruch ? - ich glaube an die Gemeinschaft . « - - » An die Gemeinschaft der Heiligen , Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben . « - » Wie kömmst du auf diese Gedanken . « » Ei nun , « sagte Miriam , » mitten im Leben stehen wir im Tode , sagt der Sänger von Zion . Und jetzt wir besonders ! Fliegen nicht täglich Pfeile und Steine in die Straßen ? Aber ich will noch Blumen pflücken ! « sprach sie wieder aufstehend . Arria schwieg einen Augenblick . » Jedoch der Seegraf war heute schon da : mir ist , ich hätte seine helle Stimme gehört . « Miriam errötete leicht . » Sie sind nicht für ihn , « - sprach sie dann ruhig - » für sie . « - » Für sie ? « - » Ja , für seine Braut . Ich habe sie heute zum erstenmal gesehen . Sie ist sehr schön . Ich will ihr Rosen schenken . « - » Du hast sie gesprochen ? Wie ist sie geartet ? « » Nur gesehen , sie bemerkte mich nicht . Ich schlich schon lange um den Palast der Valerier , seit sie hier ist . Heute ward sie in die Sänfte gehoben , sie ward in die Basilika getragen . Ich lehnte hinter der Säule ihres Hauses . « » Nun , ist sie seiner würdig ? « » Sie ist sehr schön . Und vornehm . Und klug sieht sie aus : auch gut . Aber , « seufzte Miriam , » nicht glücklich . Ich will ihr Rosen schenken . - Mutter , « sagte sie , nach einiger Zeit sich wieder mit ihren duftigen Blumen zu ihr setzend , » was bedeutet das : die Gemeinschaft der Heiligen . Sollen nur die Christen dann beisammen leben ? Nein , nein ! « fuhr sie fort , ohne die Antwort abzuwarten , » das kann nicht sein . Entweder alle , alle Guten oder « - und sie seufzte . » Mutter , in den Büchern Mosis steht nichts davon , daß die Menschen erwachen aus dem Tode . O und es wäre auch so schrecklich nicht , « sprach sie , die Rosen zusammenfügend , » endlich ausruhn ! Ganz ausruhn ! In süßer , stiller , traumloser Nacht . Ausruhn vom Leben ! Denn gibt es Leben ohne Schmerz ? ohne Sehnen ? ohne leisen , niegestillten Wunsch ? Ich kann ' s nicht denken . « Und sie hielt inne im Flechten ihres Kranzes , und stützte das Haupt auf das Handgelenk . Die Tauben flogen weg : denn die Herrin achtete ihrer nicht . » Den Seinen hat der Herr , « sprach Arria feierlich , » die selige Stätte bereitet : sie wird nicht mehr hungern noch dürsten . Es wird auch nicht auf sie fallen die Sonne , oder irgendeine Hitze . Denn Gott der Herr wird sie leiten zu dem lebendigen Wasserbrunnen und abwischen alle Tränen von ihren Augen . « » Alle Tränen von ihren Augen , « sprach Miriam nach . » Rede weiter . Es klingt so gut . « » Dort werden sie leben , wunschlos , den Engeln gleich : und sie werden Gott schauen und sein Friede wird Palmenschatten über sie breiten : sie werden vergessen Haß und Liebe und Schmerz und alles , was ihre Herzen bewegt auf Erden . Und ich habe viel gebetet , Miriam , für dich : und auch deiner wird sich der Herr erbarmen und dich versammeln zu den Seinen . « Aber Miriam schüttelte leise das Haupt . » Nein , Arria , da ist fast besserer Trost der ewige Schlaf . Denn wie kann deine Seele lassen von dem , was deiner Seele Leben ist ? Wie kannst du abtun dein tiefstes Sein und doch dieselbe bleiben ? Wie soll ich selig sein und vergessen , was ich liebe ? Ach , nur das , daß wir lieben , ist ja des Lebens wert . Und hätt ' ich zu wählen : hier alle Seligkeit des Himmels und sollte abtun meines Herzens einzig Gut : oder behalten meines Herzens Liebe mit all ' ihrer ewigen Sehnsucht , - ich neidete den Seligen ihren Himmel nicht . Ich wählte meine Liebe und mein Weh . « » Kind , sprich nicht so ! lästre nicht . Sieh , was geht über Mutterliebe ? nichts auf Erden ! Doch wird auch sie im Himmel nicht mehr leben ! Die Liebe , die das Mädchen zieht zum Mann , sie ist ein Traum von Gold . Mutterliebe ist ein ehern Band , das ewig schmerzend bindet . O mein Jucundus , mein Jucundus ! Möchtest du bald wiederkommen , daß ich dich noch schauen kann hienieden , eh ' meine Augen volle Nacht bedeckt . Denn droben im Himmelreich wird auch die Mutterliebe untergehen in der ewigen Liebe Gottes und der Heiligen . Und doch möcht ich ihn noch einmal fassen und umfangen und mit den Händen betasten sein geliebtes Haupt . Und höre nur , Miriam : ich hoffe und vertraue : bald , bald werd ' ich ihn wiedersehen . « » Du darfst mir nicht sterben , Arria . « - » Nein , so mein ' ich ' s nicht ! hier auf Erden noch muß ich ihn wiedersehen . Ich muß ihn wiederkommen sehen des Weges , den er gegangen . « » Mutter , « sagte Miriam sanft , wie man einem Kinde einen Wahn ausredet , » wie magst du noch immer daran glauben ! Dein Jucundus ist seit dreißig Jahren verschwunden ! « » Und doch kann er wiederkommen ! Es ist nicht möglich , daß der Herr all ' meiner Tränen nicht geachtet , all ' meiner Gebete . Was war er für ein braver Sohn ! Mit seiner Hände Arbeit ernährte er mich , bis er erkrankte und Axt und Schaufel nicht mehr führen konnte : und wir litten Not . Da sprach er : Mutter , ich kann ' s nicht mehr mit ansehen , daß du darbest . Du weißt , in den Gängen des alten Tempels , dort unter dem Olivenstamm , sind Schätze der Heidenpriester vergraben : der Vater drang einmal hinein und brachte eine goldene Spange zurück . Ich will hineinschlüpfen , so tief ich kann , ob ich von dem verborgnen Gold nichts finde , und Gott wird mich beschützen . - Und ich sagte Amen . Denn die Not war schwer : und ich wußte wohl , der Herr werde den frommen Sohn der Witwe behüten . Und wir beteten miteinander eine Stunde , hier vor dem Kreuz . Und dann erhob sich mein Jucundus und drang in die Höhlung dort unter den Wurzeln der Olive . Ich horchte dem Schall seiner Bewegungen , bis er verhallte . Er ist noch immer nicht zurückgekommen . Aber tot ist er nicht ! O nein ! Kein Tag vergeht , daß ich nicht denke : heut ' führt ihn Gott zurück . War nicht auch Joseph fern lange Jahre in Ägyptenland ? und doch haben Jakobs Augen ihn wiedergesehen . Und mir ist , heut ' oder morgen sehe ich ihn wieder . Denn heute nacht im Traum hab ' ich ihn gesehen , wie er im weißen Gewand heraufschwebte aus der Höhlung dort : und beide Arme breitete er aus : und ich rief ihn beim Namen , und wir waren vereint auf ewig . Und so wird ' s werden : denn der Herr erhöret das Flehen der Betrübten , und wer ihm traut , wird nicht zuschanden werden . « Und die Alte erhob sich , drückte Miriams Hand und ging in ihr kleines Häuschen . Allmählich war der Mond voll aufgegangen und erhellte zauberisch das enge Gärtchen , in das des Turmes schwere Schatten fielen : und stark dufteten die Rosen . Miriam stand auf und blickte an dem Kreuz empor . » Welch mächtiger Glaube ! welch lebendiger Trost ! welch milde Lehre ! Ist es so ? Ist der Mann , der dort am Kreuz in Todesweh das Haupt gebeugt , ist er der Messias ? Ist er aufgefahren gen Himmel und sorget für die Seinen , wie ein Hirt , der seine Lämmer weidet ? - - - Ich aber zähle nicht zu seiner Herde ! An jenem Trost hat Miriam keinen Teil . Mein Trost ist meine Liebe mit all ihrem Weh : sie ist meine Seele selbst geworden . Und ich sollte einst dort oben über den Sternen hinschweben , ohne diese Liebe ? Dann wär ' ich nicht Miriam mehr ! Oder soll ich sie mit hinauftragen , und wieder zurückstehen ? und wieder durch alle Ewigkeit die Römerin an seiner Seite sehen ? Sollen sie dort wohnen und wandeln in der Fülle des Glanzes und ich im trüben Nebel einsam folgen und nur von ferne leuchten sehen den Saum seines weißen Gewandes ? Nein , o nein , viel besser , wie meine Blumen hier , erblühen am Sonnenblick der Liebe , duften und glühen eine kurze Weile , bis sie die Sonne versengt , die sie geweckt und geopfert hat : und verwehen in ewige Ruhe , nachdem der weiche , süße , unselige Drang nach dem Lichte gebüßt ... « - - » Gute Nacht , Miriam , lebe wohl ! « rief eine melodische Stimme . Und fast erschrocken blickte sie auf : und sah noch des Goten weißen Mantel vor der Treppe um die Ecke verschwinden . Uliaris ging nach der entgegengesetzten Seite . Rasch sprang sie die Stufen hinan und sah dem weißen Mantel , der silbern im Mondlicht glänzte , nach , lang , lang , bis er verschwand in fernen Schatten . Viertes Kapitel . Alle Tage zweimal traten so Uliaris und Totila zusammen , berichteten ihre Erfolge , ihre Verluste und prüften ihre Aussichten zur Rettung der Stadt . Aber am zehnten Tage der Belagerung etwa rasselte Uliaris vor Tagesanbruch auf das Verdeck von Totilas » Admiralschiff « , eines morschen Muränenfängers , wo der Seegraf von Neapel , von einem zerfetzten Segel gedeckt , schlief . » Was ist ? « rief Totila auffahrend , noch im Traum , » der Feind ? wo ? « - » Nein , mein Junge , diesmal ist ' s noch Uliaris , nicht Belisar , der dich weckt . Aber lange , beim Strahl , wird ' s nicht mehr dauern . « - » Uliaris , du blutest - dein Kopf ist verbunden ! « - » Bah , war nur ein Streifpfeil ! Zum Glück kein giftiger . Ich holt ' ihn mir heut ' nacht . Du mußt wissen : die Dinge stehen schlecht , schlechter als je seit gestern . Der blutige Johannes , Gott hau ' ihn nieder , gräbt sich wie ein Dachs an unser Kastell Tiberii : und hat er das , dann : gute Nacht , Neapolis ! Gestern abend hat er eine Schanze auf dem Hügel über uns vollendet und wirft uns Brandpfeile auf die Köpfe . Ich wollt ' ihn heute nacht aus seinem Bau werfen , ging aber nicht . Sie waren sieben gegen einen und ich gewann nichts damit als diesen Schuß vor meinen grauen Kopf . « » Die Schanze muß weg , « sagte Totila nachsinnend . » Den Teufel auch , aber sie will nicht ! Allein mehr . Die Bürger , die Einwohner fangen an , schwierig zu werden . Täglich schießt Belisar hundert stumpfe Pfeile mit seinem Aufruf zur Freiheit herein . Die wirken mehr noch als die tausend scharfen . Schon fliegt hier und da ein Steinwurf von den Dächern auf meine armen Burschen . Wenn das wächst - - ! - Wir können nicht mit tausend Mann vierzigtausend Griechen draußen abhalten und dreißigtausend Neapolitaner drinnen : drum meine ich « - und sein Auge blickte finster - » Was meinst du ? « » Wir brennen ein Stück der Stadt nieder ! Die Vorstadt , wenigstens ... « - » Damit uns die Leute lieber gewinnen ? Nein , Uliaris , sie sollen uns nicht mit Recht Barbaren schelten . Ich weiß ein besser Mittel - sie hungern : ich habe gestern vier Schiffsladungen Öl und Korn und Wein hereingeführt , die will ich verteilen . « - » Öl und Korn , meinethalben