zu der , was Euch das Herz schwellt . Aber umsonst sollt Ihr kein Spielmann geworden sein . « Sie pfiff durch die Finger und tat einen schönen Lockruf zu der niedern Hütte auf der Klus hinüber , da kam ihr Liebster , der Senn , das Alphorn umgehangen , ein frisches junges Blut , im rechten Ohr trug er den schweren silbernen Ring , des Sennen Ehrenzeichen , die Schlange , die an silbernem Kettlein den schwanken Milchlöffel hält , und um die Lenden glänzte der breite Gürtel , drauf in getriebenem Metall ein kuhähnlich Ungetüm zu schauen war273 ; scheu neugierig stund er vor Ekkehard , aber Benedicta sprach : » Jetzt spielet uns einen Tanz auf , Bergbruder ; wir haben uns schon lang ' geärgert , daß wir ' s nicht selber können , aber wenn er das Alphorn bläst , kann er mich nicht zugleich fassen und lustig umschwingen , und wenn ich die Schwegelpfeife tönen lasse , hab ' ich auch keinen Arm frei . « Und Ekkehard erquickte sich an der gesunden Fröhlichkeit der Kinder vom Berg und griff wacker in die Saiten , und sie tanzten im weichen Gras der Matten , bis der Mond in gelber Schöne sich über die Maarwiese hob , den grüßten sie mit Jauchzen und Zauren274 und tanzten weiter in vergnüglichem Wechselgesang : » Und das Eis kam gewachsen Bis zur Alpe daher , Wie schad ' um das Mägdlein , Wenn ' s eingefroren wär ' ! « summte Benedictas Tänzer in den leichthinschwebenden Reigen ; » Und der Föhn hat geblasen , Kein Hüttlein mehr steht - Wie schad ' um den Buben , Wenn ' s auch ihn hätt ' verweht ! « sang sie antwortend in gleicher Tonart . Und wie sie müde vor dem angehenden Dichter ausruhten , sprach Benedicta : » Ihr sollt auch Euern Lohn überkommen , herzlieber Harfeniste . Es geht ein alt Gerede auf unsern Bergen , daß alle hundert Jahr ' auf kahlem Hang eine wundersame blaue Blume blühe , und wer die Blume hat , dem steht plötzlich Ein- und Ausgang des Berges offen , drinnen glänzt es mit hellem Schein und die Schätze der Tiefe heben sich zu ihm herauf , davon mag er greifen , so viel sein Herz begehrt , und seinen Hut bis zum Rande füllen . Wenn ich die Blume finde , bring ' ich sie Euch , dann werdet Ihr ein steinreicher Mann , ich kann sie doch nicht brauchen « - sie schlang ihren Arm um den jungen Senn - » ich hab ' den Schatz schon gefunden . « Aber Ekkehard sprach : » Ich kann sie auch nicht brauchen ! « Er hatte recht . Wem die Kunst zu eigen ward , der hat die echte blaue Blume : wo für andere Stein und Fels sich auftürmt , tut sich ihm das weite Reich des Schönen auf , dort liegen Schätze , die kein Rost verzehrt , und er ist reicher als die Wechsler und Mäkler und Goldgewaltigen der Welt , wenn auch in seiner Tasche oftmals der Pfennig mit dem Heller betrüblich Hochzeit feiert . » Ja , was fangen wir dann mit der Wunderblume an ? « sprach Benedicta . » Gib sie den Ziegen zu fressen oder dem großen Stierkalb « , lachte der Senn , » denen ist auch was zu gönnen . « Und wiederum hoben sie die Füße zum Tanz und schwangen sich im Mondschein , bis Benedictas Vater heraufgestiegen kam . Der hatte nach vollbrachtem Tagewerk den seither von der Sonne gebleichten Schädel des Bären über die niedere Tür seiner Sennhütte genagelt275 und ihm mit einem Tropfstein den Rachen aufgesperrt , daß Ziegen und Kühe scheu vor der neuen Wandverzierung davonliefen . » Ihr gumpet und ruguset276 ja , daß der Säntis zu wanken und schüttern anhebt « , rief der alte Alpmeister schon von weitem , » was ist das für ein Gelärme ? « Gutmütig scheltend trieb er sie in die Hütte . Das Waltharilied schritt rasch vorwärts . Wenn das Herz erfüllt ist von Sang und Klang , hat die Hand sich zu sputen , dem Flug der Gedanken nachzukommen . Eines Mittags wollte Ekkehard seinen schmalen Felssteig entlang wandeln : da kam ihm ein sonderbarer Gast entgegen . Es war die Bärin , die er aus dem Schnee gegraben , langsam stieg sie den Pfad herauf , sie trug etwas in der Schnauze . Er sprang zur Höhle zurück und griff seinen Speer , aber die Bärin kam nicht als Feind , achtungsvoll machte sie Halt am Höhleneingang und legte auf die vorspringende Felskante ein fettes Murmeltier , das sie beim Spielen im sonnigen Gras erschnappt . War ' s ein Geschenk für die Lebensrettung , war ' s Ausdruck anderweiter Anwandlungen , wer weiß es ? Ekkehard hatte freilich mitgeholfen , die sterblichen Reste des Ehgemahls der Verwitibten zu verzehren ; - ob dadurch ein Stück Neigung auf ihn übergelenkt werden konnte ? - wir kennen die Gesetze der Wahlverwandtschaft zu wenig . Die Bärin setzte sich schüchtern vor der Höhle nieder und schaute unbeweglich hinein ! Da ward Ekkehard gerührt , er schob ihr , immer den Speer in der Faust , ein hölzern Schüsselein mit Honig in die Nähe , aber sie schüttelte gekränkt das Haupt , der Blick aus ihren kleinen Augen , denen das Augenlid fehlte , war traurig erheiternd , so daß Ekkehard seine Harfe von der Wand holte und anfing , den Reigen zu spielen , den sich Benedicta von ihm erbeten . Das labte der Verlassenen Gemüt , sie erhob sich und ging aufrecht in rhythmischer Grazie bald vorwärts , bald zurück , und Ekkehard spielte schneller und stürmischer , aber da blickte sie verschämt zur Erde ; zu tanzen gestattete ihr dreißigjähriges Bärengewissen nimmer , sie streckte sich wieder wie zuvor vor der Höhle , als wollte sie das Lob verdienen , das der Verfasser des Hymnus zu Ehren des heiligen Gall einst den Bären gezollt , da er sie Tiere von bewundernswerter Bescheidenheit nannte277 . » Wir passen zueinand « , rief Ekkehard , » du hast dein Liebstes im Schnee verloren , ich im Sturm , - ich will dir noch eines harfen . « Er spielte eine wehmütige Weise , des war sie wohl zufrieden und brummte beifällig ; er aber , immer seiner Dichtung gedenkend , sprach : » Ich hab ' mich heut eine lange Zeit auf den Namen besonnen für die Hunnenkönigin , in deren Obhut jung Hiltgund zu stehen kam , itzt weiß ich ihn : sie soll Ospirin heißen , die göttliche Bärin278 ! Verstehst du mich ? « Die Bärin sah ihn an , als wäre sie einverstanden , da griff Ekkehard seine Pergamentblätter und fügte den Namen ein . Das Bedürfnis , einer lebenden Seele die Schöpfung seines Geistes mitzuteilen , war schon lange rege in ihm : hier in der ungeheuern Bergwelt , dachte er , mag auch eine Bärin die Stelle einnehmen , zu der sonst ein gelehrtes Haupt erforderlich wäre , und er trat an sein Blockhaus , und auf den Speer gestemmt , las er der Bärin die Anfänge des Waltharilieds , und las mit lauter Stimme und begeistert , und sie lauschte mit löblicher Ausdauer . Da las er denn weiter und weiter , wie die Wormser Recken den Walthari verfolgend im Wasgauwald nachritten und an seiner Felsburg mit ihm stritten - noch horchte sie geduldig , aber wie des Einzelkampfes gar kein Ende ward , wie Ekkefrid von Sachsen erschlagen ins Gras sank zu seiner Vorgänger Leichen , und Hadwart und Patafrid , des Hagen Schwestersohn , das Los der Genossen teilten , da erhub sich die Bärin langsam , als wäre selbst ihr des Mordens zuviel für ein lieblich Gedicht , und schritt würdigen Ganges talab . Auf der Sigelsalp drüben in einsamer Felsritze stund ihre Behausung ; dorthin entkletterte sie , sich zum Winterschlaf vorzubereiten . Das Heldenlied aber , das von allen sterblichen Wesen zuerst die Bärin auf der Sigelsalp vernommen , hat der Schreiber dieses Buches zur Kurzweil an langen Winterabenden in deutschen Reim gebracht , und wiewohl sich schon manch anderer wackerer Verdeutscher derselben Aufgabe beflissen , so darf er ' s doch im Zusammenhang der Geschichte dem Leser nicht vorenthalten , auf daß er daraus ersehe , wie im zehnten Jahrhundert ebensogut wie in der Folge der Zeiten der Geist der Dichtung sich im Gemüt erlesener Männer eine Stätte zu bereiten wußte . Fußnoten A1 Die bei des Abtes Zellen Sind heidnische Gesellen , Grobe , ungescheite , Hochmüt ' ge Bauersleute . Vierundzwanzigstes Kapitel . Das Waltharilied279 . Das war der König Etzel im fröhlichen Hunnenreich , Der ließ das Heerhorn blasen : » Ihr Mannen , rüstet euch ! Wohlauf zu Roß , zu Felde , nach Franken geht der Zug , Wir machen zu Worms am Rheine uneingeladen Besuch ! « Der Frankenkönig Gibich saß dort auf hohem Thron , Sein Herze wollt ' sich freuen , ihm war geboren ein Sohn , Da kam unfrohe Kunde gerauscht an Gibichs Ohr : Es wälzt ein Schwarm von Feinden sich von der Donau vor , Es steht auf fränkischer Erde der Hunnen reisig Heer , Zahllos wie Stern ' am Himmel , zahllos wie Sand am Meer . Da blaßten Gibichs Wangen . Die Seinen rief er bei Und pflog mit ihnen Rates , was zu beginnen sei . Da stimmten all ' die Mannen : » Ein Bündnis nur uns frommt , Wir müssen Handschlag zollen dem Hunnen , wenn er kommt ; Wir müssen Geiseln stellen und zahlen den Königszins , Des freuen wir noch immer uns größeren Gewinns , Als daß , ungleiche Kämpfer , wir Land zugleich und Leben Und Weib und Kind und alles dem Feind zu Handen geben . « Des Königs Söhnlein Gunther war noch zu schwach und klein , Noch lag ' s an Mutterbrüsten , das mocht ' nicht Geisel sein ; Doch war des Königs Vetter , Herr Hagen hochgemut Von Trojer Heldenstamme , ein adlig junges Blut . Sie richteten viel Schätze und fassen drauf den Schluß , Daß der als Pfand des Friedens zu Etzel ziehen muß . Zur Zeit als dies geschah , da trug mit fester Hand Den Szepter König Herrich in der Burgunden Land . Ihm wuchs die einzige Tochter , benamst jung Hildegund , Die war der Mägdlein schönstes im weiten Reich Burgund . Die sollt ' als Erbin einst , dem Volk zu Nutz und Segen , So Gott es fügen wollt ' , der alten Herrschaft pflegen . Derweil nun mit den Franken der Friede gefestigt war , So rückt ' auf Herrichs Grenzmark der Hunnen kampfliche Schar . Voraus mit flinkem Zügel lenkt ' König Etzel sein Roß , Ihm folgt ' im gleichen Schritte der Heeresfürsten Troß . Von Rosseshuf zerstampft die Erde gab seufzenden Schall , Die zage Luft durchtönte Schildklirren als Widerhall . Im Blachfeld funkelte ein eherner Lanzenwald , Wie wenn die Frührotsonne auf tauige Wiesen strahlt , Und so ein Berg sich türmte : er wurde überklommen , Die Saone und die Rhone : es wurde durchgeschwommen . Zu Chalons saß Fürst Herrich , da rief der Wächter vom Turm : » Ich seh ' von Staub eine Wolke , die Wolke kündet Sturm , Feind ist ins Land gebrochen , ihr Leute , seht euch vor , Und wem ein Haus zu eigen , der schließe Tür und Tor ! « Der Franken Unterwerfung , dem Fürsten war sie kund ; Er rief die Lehenträger und sprach mit weisem Mund : » Die Franken , niemand zweifelt ' s , sind tapfre Kriegesleute , Doch mochte keiner dort dem Hunnen stehn zum Streite , Und wenn die also taten , da werden wir allein Dem Tode uns zu opfern auch nicht die Narren sein . Ich hab ' ein einzig Kind nur , doch für das Vaterland Geb ' ich es hin , es werde des Friedens Unterpfand . « Da gingen die Gesandten , barhäuptig , ohne Schwert , Den Hunnen zu entbieten , was Herrich sie gelehrt . Höflich empfing sie Etzel , es war das so sein Brauch , Sprach : » Mehr als Krieg taugt Bündnis , das sag ' ich selber auch , Auch ich bin Mann des Friedens , nur wer sich meiner Macht Töricht entgegenstemmt , dem wird der Garaus gemacht . Drum eures Königs Bitte gewähret Etzel gern . « Da gingen die Gesandten , es kündend ihrem Herrn . Dem Tor entschritt Fürst Herrich , viel köstliches Gestein Bracht ' er den Hunnen dar , dazu die Tochter sein - Der Friede ward beschworen , - fahr ' wohl , schön Hildegund ! So zog in die Verbannung die Perle von Burgund . Wie dort Vertrag und Bündnis geordnet war zum besten , Entführte König Etzel sein reisig Volk gen Westen . Im Land der Aquitanen herrscht Alpher , der strenge Mann , Dem wuchs ein Sohn Walthari im Jugendschmuck heran . Herrich und Alpher hatten sich manch einen Boten geschickt Und sich mit feierlichem Eidschwur einand verstrickt : Sobald die Zeit des Freiens dereinst sich stellet ein , So sollen unsre Kinder ein fröhlich Brautpaar sein . Betrübt saß König Alpher itzt bei der Hunnen Not : » O weh mir , daß ich Alter nicht finde Schwertes Tod - Ein schlechtes Beispiel gaben Burgund und Frankenland , Itzt muß ich gleiches tun , und ist doch eine Schand ' . Ich muß Gesandte schicken und Friede heischen und Bund , Und muß den eignen Sprossen als Geisel stellen zur Stund ' . « So sprach der strenge Alpher , und also ward ' s getan , Mit Gold belastet traten die Hunnen den Rückzug an , Sie führten Walthari und Hiltgund und Hagen in sichrer Hut Und grüßten wildfroh jauchzend die heimische Donauflut . Nachdem nun König Etzel der Heimat sich erfreut , Pflegt er die fremden Kinder mit großer Biederkeit , Wie seine eignen Erben ließ er sie auferziehn , Die Jungfrau anempfahl er der Königin Ospirin . Die jungen Recken aber behielt er scharf im Auge , Daß jeder zu des Krieges und Friedens Künsten tauge . Die wuchsen auch an Jahren und Weisheit wohl heran , Ihr Arm bezwang den stärksten , ihr Witz den witzigsten Mann . Derwegen liebt der König die beiden Knaben sehr Und schuf sie zu den ersten in seiner Hunnen Heer . Es ward mit Gottes Beistand auch die gefangene Maid Der trutzigen Hunnenfürstin ein ' wahre Augenweid ' , An Tugend reich und Züchten , so ward Hiltgund zuletzt Als Schaffnerin dem Schatze der Hofburg vorgesetzt . Und wenig fehlte nur , so war sie in dem Reich Die höchste - was sie wünschte , erfüllt ward ' s allsogleich . Derweil starb König Gibich , ihm folgte Gunther sein Sohn , Der brach das Hunnenbündnis und weigert den Zins mit Hohn , Die Kunde kam geflogen zu Hagen in der Fern ' , Da nahm er nächtlich Reißaus und floh zu seinem Herrn . Am Tag , da er verschwunden , erfreute sich nur wenig Frau Ospirin und listig sprach sie zu Etzel dem König : » O königliche Weisheit , habt Acht , habt scharfe Acht , Daß unsres Reiches Säule zu Fall nicht werde gebracht , Ich fürchte , auch Walthari , der Hunnen bester Held , Sucht wie der schlaue Hagen , sein Freund , das weite Feld . Ihr müßt ihn seßhaft machen , durch süße Bande und Haft , Ihr müßt mit solchen Worten bereden Waltharis Kraft : Du trugst in unserm Dienste viel Müh ' und Fährlichkeit , Drum merk ' , wie dein Gebieter huldvollen Dank dir beut , Der Hunnentöchter beste sollst du zum Weib erkiesen Und reich an Land und Ehren verdienter Ruh ' genießen . Und was du gehrst an Gute , umsonst nicht sei dein Bitten , Gewährt sei volles Maß dir , du hast es wohl erstritten . « Das Wort gefiel dem König , es deucht ' ihm fein und schlau , Es weiß in derlei Dingen das Weiseste stets die Frau . Der König jung Walthari mit solchem Rat empfing , Doch dessen Dichten auf ganz andre Dinge ging , Er merkte , daß ihm Etzel die Wege wollt ' verlegen , Drum kam dem Prüfenden ablenkend er entgegen : » O Fürst , was ich getan , ist großen Ruhmes ledig , Daß Ihr so hoch es anschlagt , ist huldvoll zwar und gnädig , Doch muß ein Weib ich wählen nach Eurem Machtgebot , Werd ' ich umstrickt von Sorge und süßer Minne Not . Da muß ein Haus ich zimmern und muß den Acker baun , Ich kann des Herren Auge nur selten wiederschaun . Und wer der Lieb ' gekostet , dem fehlet Kraft und Stärke , Mit Freuden obzuliegen dem edeln Kriegsgewerke . Nichts Süßeres auf Erden , als hold gewärtig und treu Dem Dienstherrn überall folgen , drum bitt ' ich , laßt mich frei . So Ihr am späten Abend , so Ihr in Mitternächten Befehl schickt , bin ich willig , wo Ihr nur wollt , zu fechten . Mir soll im Schlachtenwetter nicht Sorg ' um Kind und Weib Die Blicke rückwärts wenden und lähmen meinen Leib . Bei Eurem Leben fleh ' ich , bei Eurem tapfern Land : Laßt mir die Hochzeitsfackel , o König , ungebrannt . « Da weichte Etzels Herze , das Wort behagt ' ihm sehr , Er sprach getrost : » Walthari entfleucht mir nimmermehr . « Inzwischen hatte sich ein fernes Volk empört , Da ward des Schwertes Schneide gen diesen Feind gekehrt , Da wurde jung Walthari zum Feldhauptmann gemacht , Und dauerte nicht lange , so schlugen sie die Schlacht . Vorwärts drang ihre Heerschar als wie ein spitzer Keil , Es zitterten die Lüfte von wildem Schlachtgeheul . Hellauf klang die Drommete , die Speere flogen wild , Aufleuchtet ' s wie ein Blitzstrahl von manch gespaltnem Schild , Und wie bei Nordsturms Sausen ein dichter Hagel fällt , So ward zahlloser Pfeilschwarm herüber hinüber geschnellt . Dann ging ' s zum Handgemenge , gezogen ward das Schwert , Da lag zerspellten Hauptes manch ein gewappnet Pferd , Da lag zerspellten Hauptes beim Schild manch fester Ritter . Hei , wie das Feld durchmähst du , Walthari , tapfrer Schnitter ! Als stünd ' mit seiner Sense der Tod leibhaft im Streit , So schauten ihn zag die Feinde bei seiner Blutarbeit . Zur Linken und zur Rechten , wohin er sich gewendet , Hub sich ein jähes Flüchten , so ward der Kampf geendet , Dem Hunnenvolke war ruhmvoller Sieg bereitet Und von erschlagenem Feind manch preislich Stück erbeutet . Drauf ließ der Führer blasen zur Ruh ' vom Waffentanz , Er schmückte seine Schläfe mit grünem Eichlaubkranz , Und Fahnenträger und Mannschaft , sie taten all ' wie er , So zog im Siegesschmucke bekränzt nach Hause das Heer . Jedweder suchte froh des Hauses gastlich Dach , Zu König Etzels Hofburg Walthari schritt gemach . Sieh da , wie eilig rannten die Diener aus dem Schloß , Sie labten sich des Anblicks und hielten ihm das Roß ; Derweil aus hohem Sattel Walthari niederstieg , So frugen sie neugierig : » Gewannen wir den Sieg ? « Er warf just für die Neugier ein mäßig Bröcklein hin Und ging zum Königssaale , gar müd ' war ihm zu Sinn . Hiltgund traf er alleine , da küßt ' er sie und sprach : » Beschaff ' mir einen Trunk , das war ein heißer Tag . « Da füllte sie den Becher , er trank den Firnewein , Jach , wie den Wassertropfen einsaugt der glühe Stein , Dann schloß er in die seine der Jungfrau weiße Hand , Beid ' wußten , daß von alters verlobt sie seien einand . Errötend stand und schwieg sie . Da sprach er zu der Maid : » Schon lange tragen wir der Fremde herbes Leid Und sollten doch nach Rechten einander sein zu eigen : Ich hab ' das Wort gesprochen ! nicht länger mag ich ' s schweigen . « Die Jungfrau stand betrüblich , als wär ' s nur Spott und Hohn , Aufflammt ihr blaues Auge , sie sprach mit herbem Ton : » Was heuchelt deine Zunge , was nie dein Herz begehrt ? Viel besserer Verlobten hältst , Schlauer , du dich wert . « Da blickte treu und minnig , da sprach der tapfre Mann : » Fern sei , was du gedenkest , o hör ' mich huldvoll an : In meines Herzens Grunde haust weder Falsch noch Arg , Niemal ich mit dem Munde den wahren Sinn verbarg . Kein Späher weilt im Saale , nur wir zwei beid ' allein , Ich wüßt ' ein süß Geheimnis , wollt ' st du verschwiegen sein . « Da stürzte ihm zu Füßen Hiltgund und weint ' und sprach : » Wohin du mich berufest , o Herr , ich folge dir nach . « Er hob sie auf mild tröstend : » Ich bin der Fremde müd ' , Ein süßes Heimatsehnen die Seele mir durchglüht , Doch ohne Hiltgund nimmer steht mir zur Flucht mein Sinn , So du zurückebliebest , des schöpft ' ich Ungewinn . « Da lacht ' sie in die Tränen : » O Herr , du sprichst mit Fug Das Wort , das ich seit Jahren geheim im Busen trug , Gebiete denn die Flucht , mit dir will ich sie wagen , Durch Not und Fährlichkeit muß uns die Liebe tragen . « Und weiter sprach Walthari , doch flüsternd nur , nicht laut : » Dieweil sie dir zu hüten den Hunnenschatz vertraut , So stell ' des Königs Helm mir und Waffenhemd zurück Und seinen Riemenpanzer , des Schmiedes Meisterstück . Dann fülle du zwei Schreine mit Spangen und Gold zu Hauf , Daß du sie kaum vom Boden zur Brust magst heben auf , Auch sollt du mir beschaffen vier Paare starker Schuh ' , - Der Weg wird lang - gleichviele richt ' für dich selber zu ; Darüber magst du weiter kostbar Gefäß verpacken , Beim Schmiede aber heische krummspitze Angelhaken , Du wirst auf unsern Fahrten erschauen deinen Gesellen , Wegzehrung uns gewinnen mit Fischen und Vogelstellen . Dies all sei vorbereitet heut über sieben Tage , Da sitzt mit seinen Mannen der König beim Gelage Und schlafen weinbewältigt sie all ' in trunkner Ruh ' ... Glück auf ! dann reiten wir dem Land im Westen zu ! « Die Stunde kam des Schmauses . Mit Tüchern mannigfalt Verhänget war die Halle . Eintrat Herr Etzel bald , Er setzte auf den Thron sich , den Woll ' und Purpur deckt , Auf hundert Polstern rings die Hunnen lagen gestreckt . Schier beugten sich die Tische den Speisen sonder Zahl , Viel süßer Labtrank dampfte im güldenen Pokal , Mit bunten Fähnlein waren die Schüsseln ausgeziert , So hub die Mahlzeit an - Walthari machte den Wirt . Und wie der Schmaus zu Ende , die Tische weggeräumt , Da sprach zu König Etzel Walthari ungesäumt : » Nun , edler Herr und König , erteilt uns Euren Segen , Daß alle hier im Saale der Zechlust mögen pflegen . « Der Humpen allergrößten reicht er ihm knieend dar , Darauf aus alten Mären manch Bild geschnitzet war . Da lacht ' der alte Zecher : » Fürwahr , Ihr meint es gut , Als wie ein Meer im Sturme entgegenschäumt mir die Flut . « Doch sonder Zagen stand er , ein Fels am wogenden Strand , Und lüpft ' den Riesenhumpen und wiegt ' ihn in der Hand , Und trank mit tapferm Zuge ihn bis zum Grunde leer Und macht ' die Nagelprobe . Da floß kein Tropfen mehr . » Itzt tut mir ' s nach , ihr Jungen ! « so rief der alte Held , Da war ein lobwert Beispiel den andern aufgestellt . Hurtig und hurtiger , dem Winde gleich , dem schnellen , Sah man den Saal durchrennen den Mundschenk samt Gesellen . Sie nahmen die Pokale , sie füllten sie aufs neu ' , Da hub sich in dem Saale ein scharfes Weinturney . Bald lallte manche Zunge , die sonst viel Ruhm gewann , Bald wankte in den Knieen manch heldenkühner Mann ; Es kam die Mitternacht , noch zechten sie und sungen , Dann sanken sie zur Beute dem Schlafe , weinbezwungen . Und hätt ' Walthari itzt die Burg in Brand gesteckt : Kein Mann war da so nüchtern , daß er ihn drob entdeckt . Walthari rief Hiltgunden fürsichtig nun zu sich : » Wohlauf bring ' das Geräte , wohlauf und rüste dich ! « Dann führt er aus dem Stall sein Roß , der Löwe hieß es , Hufscharrend stand ' s und schäumend in seine Zügel biß es . Er wappnete mit Erze des Rosses Stirn und Seite , Vom Bug hernieder hing er goldschwer die Schreine beide , Dazu ein Körbchen Speise - dann gab er die wallenden Zügel Der Jungfrau in die Hand und hob sie in den Bügel , Er selber saß zu Rosse , vom roten Helmbusch umwallt , Bepanzert und beschienet in riesiger Gestalt . Zur Linken hing gegürtet ein Schwert , zur Rechten auch Ein scharfer krummer Säbel nach hunnischem Gebrauch . Jetzt schwang er Schild und Lanze , es ritten auf einem Roß Walthari und Hiltgunde aus König Etzels Schloß . Sie ritten aus dem Schlosse , sie ritten die ganze Nacht . Die Jungfrau lenkt ' das Streitroß und hatt ' der Schätze acht , Und sorgsam auch zuhanden hielt sie die Fischergerte , Dieweil das viele Gewaffen Walthari schier beschwerte . Als nun die Morgensonne aufging mit lichtem Funkel , Entbogen sie der Heerstraß ' zu tiefem Waldesdunkel , Und hätte Haß der Fremde und Heimweh nicht gedrängt , So hätte schier Hiltgunde das Roß nicht weiter gelenkt . Wo nur ein Lüftlein rauschte , wo ein Waldvogel sang , Wo schrill ein Baumast knarrte , da seufzete sie bang . So mieden sie der Menschen Behausung und Gehege Und suchten in bahnlosem Gebirg ' sich Weg und Stege . Noch schwieg der Hunnen Hofburg . Es war schon hoch am Tag , Da wurde König Etzel von allen der erste wach . Er wiegt ' in beiden Händen sein Haupt , das nebelschwere , Und schritt aus dem Gemach : » Ruft mir Walthari here , Er teile als Genosse heut seines Königs Jammer , Er soll den Frühtrunk reichen mir in der Waffenkammer . « Da rieben sich die Diener die Augen und liefen und sahn Und suchten allerorten , sie trafen ihn nicht an . Jetzund kam auch die Fürstin Frau Ospirin gehinkt : » Wo säumt und träumt denn Hiltgund , daß sie kein Kleid mir bringt ? « Da flüsterten die Diener , da ward ' s der Königin klar , Daß Hiltgund mit Walthari nächtlich entflohen war . Da hub sie an : » O Fluch dem Gastmahl , und dreimal Fluch Dem Wein , der meine Hunnen so schwer darnieder schlug ! Was ich den König warnte , liegt offen itzt zutag ' , Von unsres Reiches Stützen die stolzeste Säule brach ! « Der alte König Etzel , von bösem Zorn entbrannt , Zerriß den Purpurmantel und warf ihn an die Wand , Und wie der Staub vom Sturme gewirbelt wird zuhauf , So wirbelte ihm im Herzen ein Schwarm von Sorgen sich auf . Kein Wörtlein konnt er sprechen , zu mächtig war sein Grimm , Und Speise und Getränk stund unberührt vor ihm . Die Nacht kam angeflogen , noch fand er keine Ruh ' , Er lag auf seinem Pfühle und schloß kein Auge zu , Er warf sich bald zur Rechten , bald zu der Linken nieder , Als hätt ' ein Pfeil durchschossen die stolzen Heldenglieder , Dann saß er wieder aufrecht , der grambetörte Greis , Dann sprang er aus dem Lager , er lief herum im Kreis . So ward dem Hunnenkönig der süße Schlaf verleidet , Derweil das Flüchtlingspaar schweigsam dem Land entreitet . Doch wie am andern Morgen aufstieg der lichte Tag , Hieß er der Hunnen älteste zusammenkommen und sprach : » Wer mir in Banden brächte , Walthari , den schlauen Fuchs , Als wie vom Wald der Jäger den hinterlistigen Luchs , Dem schüfe ich zur Stunde ein golddurchwirkt Gewand Und wollt mit Gold ihn decken von Haupt zu Fuß so sehr , Daß ihm von Goldeshaufen der Weg gesperret wär ' . « Doch in den weiten Landen fand sich kein einz ' ger Grafe , Kein Heerfürst oder Ritter , kein Knappe oder Sklave , Der sich vermaß , Walthari verfolgend nachzugehn Und mit des Schwertes Schneide dem Zürnenden zu stehn . Und was der König flehte , gesprochen war ' s in Wind , Die hohen Goldeshaufen - sie blieben unverdient . Walthari ritt bei Nachtzeit weiter und weiter in Hast , Des Tags in dichtem Walde und Buschwerk hielt er Rast , Nah flogen ihm die Vögel , lieblich klang sein Gelock , Er fing sie mit Leimruten und mit gespaltnem Stock , Und wo in krummem Laufe ein Strom vorüberfloß , Eintaucht ' er seine Angel und reiche Beute genoß . So kürzten sich die Tage mit Fischfang und Gejaid , Das schafft dem Hunger Stillung , dem Herzen Nüchternheit , Und auf der ganzen Fahrt hat nimmermehr begehrt Die Jungfrau zu umarmen der Recke ehrenwert . Schon vierzig Male war der Sonne Lauf vollendet , Seit daß er sonder