du so fahren willst ? « fragte der Mann . » Oh , der ist es ganz recht , « antwortete Uli und erzählte , wie sie eine sei , so eine adeliche , daß man meine , sie sei eine Bauerntochter gewesen aus dem vornehmsten Hause , und doch so tätig , rühre alles an , und wie er längst ein armer Mann wäre , wenn er die nicht hätte ; wie sie sich in alles schicke und ihn tröste , wenn sie sich doch eigentlich am meisten zu beklagen hätte . » Aber das hat sie von der Base selig , die hat sie erzogen und bis auf die letzte Stunde lieber gehabt als die eigenen Kinder und geraten und geholfen , es hätte ein Engel es nicht besser können . Es war mir manchmal zuwider und ich ärgerte mich , daß die Weiber immer ihre Köpfe zusammensteckten , bildete mir ein , sie reiseten einander auf . Man erkennt gar oft erst , was ein Mensch war , wenn er im Grabe ist . « » Also die Bäuerin in der Glungge ist gestorben , « sagte der Mann , » ich hörte nichts davon . He nun , einmal muß es sein , und gewöhnlich geht es niemandem übel und denen wohl , die sterben können . « Nun erzählte Uli , wann sie gestorben , wie Vielen es übel gegangen und namentlich ihrem Mann , für den sie immer gesorgt wie eine Mutter , wie wüst er auch gegen sie gewesen sei . Sie sei schon lange nicht recht gesund gewesen , aber daß das Sterben so nahe sei , daran habe sie kaum gedacht . In der Nacht habe man seine Frau geholt , da hätte sie schon nicht mehr reden können . Sie hätte noch gerne was gesagt , es sei allen himmelangst geworden dabei ; man habe nicht gewußt , wolle sie Hand oder Haus oder Hals sagen , und auch aus dem Denken habe man nicht kommen können , so daß sie gestorben sei , ohne daß man begriffen , was sie gewollt . Das habe seiner Frau grausam weh getan . Er wolle nicht einmal davon reden , wie übel es ihnen gegangen , da die Base selig dafür gesorgt , daß alles in Ordnung bleibe ; jetzt wisse man von heute auf morgen nicht , was geschehen könnte , sie liefen alle Augenblicke Gefahr , aus dem Hof vertrieben zu werden . Sein Begleiter fragte dies und jenes , und treulich gab Uli Bericht , und zwei Stunden oder mehr waren dahin , ehe er sichs versah . Endlich frug er , wie hoch er die Kühe im Preise habe ? » Hundertunddreißig Taler wären sie unter Brüdern wert , « sagte Uli . » Ob ich es lösen werde , weiß ich nicht . Aber da es nicht anders geht , kann ich auf einige Taler nicht sehen , heimführen täte ich sie sehr ungerne . « » Weißt was ? « sagte der Mann . » Ich habe einen Nachbar , der Kühe kaufen will und nicht nötig hat , auf ein paar Taler zu sehen ; wenn er nur recht versorget ist , das ist alles , was er will . Ist nun alles , wie du gesagt , und ich will es dir glauben , so sind das gerade Kühe für ihn . Ich gehe bald da ab und will es ihm sagen . Fordere dann aber herzhaft hundertvierzig Taler , er zahlt sie , und zwar noch gerne . « » Ja , « sagte Uli , » wäre wohl gut so , aber wie machen , daß wir zusammenkommen ? Es gibt heute dort so viele Leute , und ich bin gar nicht bekannt . « » Weißt was , « sagte der Mann , » stelle dort beim Wildenmann ein , er ist gleich , wenn du zum Tore hineinkommst , links . Sage weiter niemanden was , iß ruhig deine Suppe in der Gaststube , bis dir jemand nachfrägt , dem Mann mit den zwei Kühen . Längstens bis um acht Uhr soll er dort sein . Kömmt er bis um diese Zeit nicht , so fahre auf den Markt , es ist noch frühe genug , Kühe wie diese verkaufen sich immer . « Uli dankte und fragte , ob er nicht auch auf den Markt käme ? Würde der Handel richtig , so gebe er ihm gerne ein schönes Schmausgeld oder zahle ihm das Mittagessen und eine gute Halbe . » Bin kein Jude , « sagte der Andere , » indessen habe Dank für den guten Willen . Möglich ists , daß wir einander sonst noch antreffen . « » Wo ? « frug Uli . » Wollen ja sehen , « antwortete der Mann , schwenkte rechts um , und verschwunden war er im dichten Tannenbusch . Der Mann gab Uli viel zu denken . Es dünkte ihn , es sei an ihm etwas Bekanntes , aber er wußte nicht was . Die Züge konnte er nicht sehen , denn diese zu erkennen , war es zu dunkel . Der Mann war ihm überhaupt ein Rätsel , er war sehr geneigt , ihn für einen Räuberhauptmann zu halten , welche ja ebenso erscheinen und verschwinden , Gutes und Böses tun nach ihren Launen . Er wurde mißtrauisch und spintisierte , was wohl hinter dem Vorschlag , beim Wildenmann einzukehren , stecken möge ? Vielleicht daß dort der Wirt mit dem Unbekannten im Bunde sei und , während er Suppe esse , die Kühe aus dem Stalle stehlen lasse . Er hatte gute Lust , den Wildenmann zu lassen und direkt auf den Markt zu fahren . Die Kühe hatte er wohl gefesselt und die Stricke gut um die Hand gewickelt . Er konnte nicht klug werden aus der ganzen Sache und namentlich daraus nicht , daß er des Mannes Nachbar zehn Taler mehr abfordern solle und der Mann doch keinen Vorteil wolle , weder Schmaus noch Mittagessen . Solche Uneigennützigkeit wird sonst sehr selten gefunden in Israel . Er konnte bloß denken , der Mann hasse seinen Nach , bar und möge ihm es wohl gönnen , wenn er zehn Taler mehr zahlen müsse als ein Anderer , wenn nämlich überhaupt an der Geschichte mit dem Nachbar was Wahres sei . Der im Reden so offenherzige Uli wurde , als es zum Handeln ging , plötzlich mißtrauisch , wozu die so selten vorkommende Uneigennützigkeit des Mannes nicht wenig beitrug . Es ist wirklich eigen , daß man bei gewissen Klassen von Menschen sich mit nichts mehr verdächtigt als mit Uneigennützigkeit . Wer ungestraft gemeinnützig oder uneigennützig sein will , muß wenigstens ( wer es über sich bringen kann ) der Person oder der Gemeinde , welcher er Gutes tut , wacker den Balg streichen , sagen , ihr und keiner andern täte er das , denn sie sei eine , wie keine mehr gefunden werde zwischen Himmel und Erde . Das ist aber dann auch ein gültiger Grund , der zwischen Himmel und Erde allenthalben begriffen und hie und da selbst dankbar beinahe anerkannt wird . Die Nacht verschwand allmählich , es zeigten sich Schweinhändler , ja Menschen auf den Straßen . Da man auf Markt , wegen Gespräche beginnen darf , wenn man sich schon nicht gegenseitig vorgestellt ist , so war Uli alsbald wieder in vollen Mitteilungen . Er wollte sich verblümt nach dem Wildenmann erkundigen und lief , um unverdächtig bis zu diesem zu kommen , erst das Register aller wilden Tiere durch bis zum Ochsen herab , von welchem der Sprung bis zum Wildenmann ziemlich unverdächtig konnte unternommen werden . Der Wildenmann wurde sehr gerühmt , der Wirt sei Ratsherr , hieß es . Das wolle heutzutage nicht viel sagen , meinte Uli . Nur wer nicht arbeiten möge , nicht mehr mit Ehren durchkommen könne und dem man nichts nehmen könne , wenn der Schuß hintenaus gehe , sehe auf solche Pöstlein . Es komme noch dazu , daß wenn man einem Ratsherr sage , der vermahne , weil er es für eine grobe Scheltung nehme . Potz Himmeltürk , jetzt hätte Uli , der in letzter Zeit bloß seinem Hause vorgestanden war , den Geist der Zeit in den Wirtshäusern nicht eingeschlürft hatte , also auch nicht auf der Höhe der Zeit stund , bald erfahren , was es heißt , mit unbekannten Menschen politisieren auf der Straße . Der Schweinhändler , mit dem Uli sprach , war eben neugebackener Ratsherr , kehrte den Geißelstecken um und wollte Uli einen Begriff von neugebackener Würde beibringen . Uli dagegen war kein ABC-Kind mehr , verstund bloß noch etwas vom gegenseitigen Unterricht und versuchte nun seinerseits , dem Ratsherrn den Begriff von Freiheit im allgemeinen und den Begriff von der Redefreiheit insbesondere so recht vaterländisch einzuölen . Offenbar hatte Uli mehr Lehrtalent und größere Eindringlichkeit im Vortrag , wahrscheinlich waren auch seine Lehrmittel bündiger und kürzer gefaßt , kurz der Schweinhändler schrie : » Willst aufhören , du Vieh , weißt wen du vor dir hast ? Ich bin Ratsherr . « » Meinethalben Ratsherr , Schweinhändler oder Schinder « ( ein solcher sitzt wirklich jetzt im Großen Rate des Kantons Bern , männiglich zur Erbauung und zum Nachdenken ) , » wir sind ja alle gleich vor dem Gesetz « , sagte Uli , dem das Blut heiß war und dem daher mehr einfiel , als wenn es kalt war . » Hol der Henker das Gesetz , « sagte der Ratsherr , » und schweigst nicht und gehst deiner Wege , so kömmst ins Gefängnis , bis du vergessen hast , wie Sonne und Mond eine Nase haben . « » Mach , was kannst , « sagte Uli , » Streit hast du angefangen , und wir haben Preßfreiheit , auf der Straße kann jeder machen , was er will . Komm verbinde mir das Maul , wenn du darfst . « » Mach , was du willst , schreib , was du willst , aber dsRede , das will ich dir , du verfluchter Aristokrat und Jesuit , zeigen , was das zu bedeuten hat « , schrie der Schweinhändler . Da , von der stillschweigenden Preßfreiheit Gebrauch machend , maß ihm Uli noch einen zweieinhalb Fuß langen Artikel auf , stillschweigend , versteht sich , und trieb darauf seine Kühe zum Wildenmann , obgleich derselbe Ratsherr war . Es war aber wirklich ein braves Haus , ein ererbtes , mit altem Schilde und alten , wohlanständigen Sitten . Es war ein bedeutender Verkehr da und ein starkes Zutrauen . Gar manchen Gurt voll Geld sah Uli dem Wirte übergeben zur Aufbewahrung . Kauften sie was , so kämen sie mit den Leuten hieher , sie wollten lieber hier bezahlen als draußen auf dem Markte , sagten die Händler . Nun begriff Uli wohl , daß er bei keinem Mitglied einer Räuberbande sei , und doch war es ihm nicht so recht behaglich hinter seinem guten Kaffee , denn es kam ihm immer wahrscheinlicher vor , der Mann habe bloß eine Probe machen wollen , wie gescheut oder wie dumm er sei . Hier könne er vielleicht die beste Zeit verpassen , dann komme hintenher einer und presse ihm die Kühe , welche er nicht heimführen wolle , wohlfeil ab . Juden schwirrten herum mit der ihnen eigenen Geschäftigkeit , beschnoberten ganz ohne Komplimente Menschen und Vieh , um zu erfahren , ob nicht e Handel zu machen sei . Bald trat einer zu Uli und frug , ob er nicht ein Roß kaufen wolle , er könne ihn versorgen , wolle tauschen , begehre nicht bar Geld ; ein anderer pries ihm Uhren an , wie keine noch auf der Welt gewesen , und wollte sie garantieren bis eine Woche nach dem jüngsten Tage ; ein dritter hatte Schnupftücher , Halstücher von echter Seide und sonst noch Tuch von allen Sorten , wollte allen alles halb schenken aus reiner Liebe und gerade weil sie es seien und weil ihm das Artikelchen verleidet sei . Uli war fast seines Lebens nicht sicher , sein Kaffee wurde kalt , weil er ob dem Bescheidgeben nach allen Seiten nicht Zeit fand , ihn zu trinken . » Was kommt er denn auf den Markt , wenn er nichts kaufen will ? « frug endlich ein Jude hässig . Er habe zwei Kühe da , antwortete Uli . » Wo hat er die zwei Kühe , wo sind die zwei Kühe ? « frugen Zwei , Drei . Sie seien unten im Stalle , antwortete Uli . » Komm zeige sie , Bauer ! Wollen sie schauen , kaufen sie dir ab , tauschen mit dir e Roß , e Kuh , wie du willst . « Als Uli sagte , jetzt komme er nicht runter , er müsse hier auf jemanden warten , wollten sie wissen , wo die Kühe stünden , wollten sie schauen , sagten , wollten e Handel mit ihm machen . Nicht lange ging es , so kam ein schlichter Bauersmann daher und frug , ob nicht einer mit zwei Kühen da sei ? Da fiel Uli ein Stein von dem Herzen ; im Ring der Juden war ihm ordentlich bang geworden , er wußte , wie man oft wider Willen auf einem Markte in ihre Hände gerät und nie anders drauskömmt als geschoren und beschnitten . » Mein Nachbar hat mir gesagt , du hättest zwei Kühe , welche mir dienen könnten . Zeige sie mir , wollen sehn , ob wir Handels eins werden , wo nicht , ist Keiner versäumt « , sagte der Mann zu Uli . Als sie hinunterkamen , hörten sie großen Streit . Ein Jude hatte Ulis Kühe abgelöst und wollte mit ihnen aus dem Stalle , um draußen bei Licht sie besser beschauen zu können als drinnen im finstern Stall , wie er sagte . Der Stallknecht wollte es nicht geschehen lassen , bis der da sei , welcher sie ihm übergeben . Er sei verantwortlich dafür und lasse nicht jeden Schelm aus dem Stalle nehmen , was ihm beliebe , da käme er sauber an . Als Uli kam , hingen sie an ihm wie Kletten . » Wie teuer , Bauer ? « frug einer . » Sind magere Kühe , « sagte ein Anderer , » für die ist kein Kauf « , ein Dritter ; ein Vierter wollte Ulis Begleiter , der unterdessen die Kühe untersuchte , von denselben wegjagen . Sie seien mit dem Manne im Handel , sagte er , die Kühe gingen ihn also nichts an , er solle gehn , das sei keine Manier , zwischen einen Handel zu kommen . » Nun , Bauer , was willst du für die Kühe ? « Doch Beide , Uli und der Andere , waren nicht zum ersten Male auf einem Markte . Uli schätzte die Kühe nicht , der Andere ließ sich nicht stören , und als er fertig war , befahl Uli dem Stallknecht , die Kühe wieder anzubinden , einstweilen gingen sie niemanden was an als ihn , und Beide verließen den Stall , um das Geschnatter sich nicht kümmernd . Hui , die Juden ihnen nach , sortierten sich alsbald in zwei Hälften ; die eine rühmte zuhanden des Verkäufers die Tiere , die andere machte zugunsten der Käufer die Kühe runter , daß man hätte glauben sollen , es seien zwei miserable Ziegen , welche noch dazu kein gesundes Haar am Leibe hätten . Da der Handel ihnen einstweilen gefehlt , zielten sie jetzt nach Schmausgeld und zwar hartnäckig , so daß der fremde Mann , der in dem Hause bekannt schien , Uli in ein besonderes Zimmer winkte , wohin denn doch die Juden nicht nachkamen . Hier wurden sie wirklich Handels alsbald einig . Mit schönem Gelde zahlte der Käufer aus , legte noch einen blanken Taler als Trinkgeld für die Frau zu und sagte , wenn er diesmal gut versorget sei , so solle es nicht das letztemal sein , daß sie mit einander handelten . Er hätte ein großes Hauswesen , müsse viel ändern und sei froh , ohne viel Geläufe aus versorgter Hand seine Ware zu kaufen . Da es Uli wunder nahm , wer der Mann gewesen , der ihm nachts begegnet war , so sagte ihm der Andere , er sei ein Metzger , der aber das Geschäft nur noch für seine Freunde treibe , nötig hätte er es nicht mehr . Er sei ein wenig wunderlich , aber ein guter Mann ; sie seien gute Freunde , und wenn Einer dem Andern dienen könne , so spare es Keiner . Diese Auskunft setzte Uli über alles , was ihm dunkel war , ins Klare . Er dachte , solche Wunderlichkeit , die einem Freunde zehn Taler abnimmt und sie einem Fremden in die Tasche jagt , möchte er alle Tage erleben . Es mögen vom selben Markte wahrscheinlich Wenige fröhlicher aus gutem Grunde heimgekehrt sein als Uli . Von Markten kehrt freilich gar Mancher frohgemut heim , jauchzt das Land voll , tut , als sei er nun Hans oben im Dorfe . Aber das ganze Glück kommt aus dem Weingrunde , ist der verdunstet , wird das Gemüt zu einer jämmerlichen Pfütze , über welcher wie ein stinkender Nebel eine elende Stimmung schwebt , welche das Publikum mit dem Ausdruck Katzenjammer bezeichnet . Nun , der geht in einem oder zwei Tagen vorüber , aber Mancher trägt einen Katzenjammer im Gewissen davon und der geht nicht vorüber , regt sich immer neu , und wenn er auch vergangen , besonders bei schönem Wetter , kehrt er doch zurück , wenn es donnert . Und Mancher und Manche trägt das Gift heim , welches ihr Lebensglück für ihre ganze Lebenszeit zerstört und vielleicht noch hinüber ins Jenseits wirkt . Uli freute sich nicht bloß der zehn Taler wegen , sondern als er im Heimwege das Vergangene überschlug , fiel es ihm ein , der Mann habe ihm deswegen zehn Taler mehr zugeschlagen , weil er ehrlich sein und punktum bei der Wahrheit habe bleiben wollen ; den Mann aber habe ihm recht eigentlich Gott gesandt , um ihm Freude über seine Umkehr zu bezeugen und zum Zeichen , daß Ehrlichkeit immerhin die größte Klugheit sei . Uli war weit entfernt zu glauben , nun müsse und werde Gott ihm allemal , wenn Ehrlichkeit die Versuchung überwinde , ein besonderes Zeichen tun und den Lohn ihm immer gleich bar auszahlen . Aber es freute ihn diesmal , das so aufzufassen , er glaubte , er habe das Recht , was ihm begegne , aufzufassen , wie es ihm am wohlsten tue , sein Gemüt am meisten stärke , also je frömmer , desto besser . Er wußte wohl , daß gar Viele höhnisch ihn auslachen würden , wenn er ihnen die Sache erzählte , als hätte Gott sich ihm da eigens geoffenbart und ihn gestärket , aber er glaubte , wie sie das Recht zum Lachen hätten , hätte er das Recht , Gottes Segen zu erkennen in allen Dingen und daran sich zu erbauen . Und wie sie das Recht hätten , um seines frommen Sinns ihn auszulachen , habe er das Recht , von ganzem Herzen sie zu bedauern , daß alles ihnen bloßer Zufall sei , daß sie des trostlosen Glaubens seien , sie seien nichts als Rohre im Sumpfe , aufs Ungefähr von jeglichem Winde hin- und hergetrieben . Als er heimkam so früh , wäre Vreneli fast ob ihm erschrocken , denn wenn es mit rechten Dingen zugegangen , konnte er noch nicht schon da sein , meinte es . Als es nun den Verlauf hörte , hatte es große Freude , denn es nahm die Sache gerade wie Uli , zu großer Erbauung und zur Stärkung im Vertrauen , daß am Ende alles zum Besten sich wenden werde . Diese Stärkung hatten sie aber auch sehr nötig . Dreiundzwanzigstes Kapitel Joggeli erlebt auch was und was Altes : daß was einer säet , er auch ernten muß Joggeli ließ eines Abends Vreneli hinüberrufen . Es müsse ihm da etwas lesen , sagte er ; er möge Brille nehmen , welche er wolle , so könne er nichts daraus machen , er verstehe sich gar nicht auf die neue Gschrift , welche aufkäme , man sehe es allem an , wie der Glaube abnehme und bald keiner mehr sei . Vreneli verstand sich , wie es schien , besser darauf , denn es ward blaß , las einmal , las zweimal , sagte endlich : » Das ist kaum , das kann nicht sein . « » Was nicht , « sagte Joggeli ungeduldig , » was nicht ? Sage es doch und stürme nicht . « » Vetter , da steht , Ihr hättet Elisis Mann eine Gschrift gegeben , gut für fünfzehntausend Taler , die habe er eingesetzt oder versilbert und jetzt wolle man das Geld . « Joggeli begehrte mit Vreneli gräßlich auf , es könne nicht Geschriebenes lesen und wolle ihn zum Besten halten . Man ließ Uli kommen . Mit großer Not und vielem Buchstabieren brachte derselbe ungefähr das Gleiche heraus . Das sei ein abgeredet Spiel , sagte Joggeli , um solche Sachen ihm abzulesen , hätten sie nicht gebraucht zu kommen . Wie sie das hätten abreden wollen ? fragte Vreneli ; sie seien ja Einer nach dem Andern gekommen , Uli hätte nicht gehört , was es gelesen . Wenn sie einen Narren haben wollten , so sollten sie sich einen eisernen machen lassen ; das begreife ja jedes Kind , daß sie gewußt , was im Briefe sei , sie hätten ihn sonst nicht so punktum gleich ablesen können , wenn sie ihn nicht auswendig gewußt hätten , belferte Joggeli . » Komm , Uli , « sagte Vreneli , » der Vetter ist aber so wunderlich , da ist nichts mit ihm zu machen . Morgen hat er vielleicht sich anders besonnen , daß wieder mit ihm zu reden ist . « Sie gingen und kümmerten sich , was da für ein neuer Schelmenstreich abgekartet worden , rieten , was sie machen sollten , und wurden endlich einig , nichts zu sagen , bis Joggeli wieder anfange oder die Sache sich von selbst mache . Joggeli sagte nichts mehr , sie also auch nichts . Einige Tage darauf kam Elisi daher und zwar zu Fuß in einem schrecklichen Aufzuge , heulend und schreiend . Es suchte den Mann , der war verloren gegangen . Er hatte eine kleine Reise vorgegeben , nun war er seit vierzehn Tagen fort , niemand wußte wohin . Das Gerede schwoll an , er hätte sich mit dem Schelmen davongemacht . Dort , wohin er vorgeblich gereist , sei er nie gewesen , an einem andern Orte hätte er viel Geld auf Joggeli hin genommen und sei damit voraus , wahrscheinlich den Weg aller Spitzbuben , das heißt nach Amerika . So heulte Elisi in Absätzen und wollte seinen Mann haben , oder weil er nicht da sei , solle man ihm ihn herschaffen . Nun , der Mann war nicht da , aber ein bös Licht ging Uli und seiner Frau auf , doch enthielten sie sich , ihre Gedanken zu äußern . Sie dachten , jetzt sollte es doch dem Joggeli einfallen , was der Brief zu bedeuten hätte , es sei denn , er hätte ihn vergessen . Aber Joggeli hatte ihn nicht vergessen und sagte doch nichts . Er schweige dazu , dachte er . Wenn er nichts sage , so werden sie auch schweigen , und er wollte ein Narr sein , da Bescheid zu geben , wo er nichts schuldig sei . Wollten sie im Ernst etwas , so könnten sie ihn aufsuchen wie üblich und bräuchlich . Da kam Johannes dahergefahren wie aus einer Kanone und blies Tabakswolken von sich , daß man von weitem hätte glauben können , sein Charabanc sei eine Höllenmaschine oder ein kleiner feuerspeiender Berg und blase Rauch von sich . Er hatte auch vernommen , der Schwager sei zum Teufel und zwar mit hunderttausend Gulden vom Vater . Man kann denken , wie der schnaubte und tobte . Joggeli wollte nichts von allem wissen , und das kam Elisi wohl . Johannes hätte es zwar nicht gefressen , aber doch halb zerrissen im ersten Zorn . Joggeli wollte auch nicht glauben , daß der Tochtermann fort sei , er werde nur dem Geheul ein wenig aus dem Wege gegangen sein ; auch er hätte Lust , zu gehen , so sei es ihm erleidet , und doch hätte er es noch nicht so lange gehört . Er wollte lieber , man ließe ihn endlich ruhig und plagte ihn nicht bis auf den letzten Tag . Geplagt zu werden , werde ihm beschieden sein . Viele Jahre hätte ihn die Frau geplagt , es sei nie recht gewesen , was er gemacht , zu guter Letzt plagten ihn nun die Kinder und seien ihm immerfort vor der Türe . So kifelte Joggeli , während die Kinder heulten und tobten . Der Alte sei ein Kind , brüllte Johannes den Uli an , man könne kein vernünftig Wort mehr aus ihm herausbringen . Sie hätten besser zu ihm sehen sollen oder Bescheid machen , als sie gesehen , wie er sei , und den Schelm nicht zu ihm lassen . Wenn etwas geschehen sei , so mache er sie dafür verantwortlich . Jetzt wolle er der Sache nachfahren , bis er wisse , woran er sei , das werde nicht so schwer zu erfahren sein . Und hätte er es mal , dann schone er niemand . Da solle er machen , was er könne , sagte Uli ; an Joggeli hätten sie nichts Besonderes bemerkt , ihn auch nicht zu hüten gehabt . Sie , die nächsten Verwandten , seien gekommen und gegangen , wann es ihnen gefallen ; ihm und seiner Frau wäre es übel angestanden , wenn sie ihnen hätten den Zugang verwehren wollen . Er hätte es ihm doch befohlen , sagte Johannes . » Selb hast , « sagte Uli , » aber ich und die Frau dir wiederum gesagt , daß wir mit der Sache nichts zu tun haben wollen und können . « Johannes ging ab , ganze Mäuler voll Lumpen und Schelmenpack , dem er es eintreiben wolle , vor sich herstoßend . Es war Johannes allerdings nicht wohl bei der Sache , und er hatte Ursache dazu ; was der Bock an sich selbsten weiß , trauet er der Geiß . Er ließ anspannen und fuhr dem Gerücht nach . Das ist ein Ding , welches oft weit schwerer ist als das Verfolgen eines flüchtigen Hirsches durch amerikanischen Urwald . Diesmal war es Johannes viel leichter , denn das Gerücht war nicht bloß ein leises Gemurmel , sondern ein lautes Geschrei , und nicht Johannes allein , sondern gar Viele jagten ihm nach und suchten den wahren Grund . So vernahm man bald , daß der Bursche wirklich einen nicht sehr alten Paß habe , den man ihm ohne Bedenken gegeben , da er immer mit einem versehen gewesen sei , angeblich wegen Handelsgeschäften , den er regelmäßig , wenn er nach dem Gesetze ausgelaufen gewesen , mit einem neuen vertauscht habe . Man vernahm , wo er Geld aufgenommen haben solle . Johannes fuhr darauf los , dort fand er den wahren Grund und ein Papier mit seines Vaters Unterschrift , auf welchem dem Schwager fünfzehntausend Taler zugeschrieben stunden . Dem Johannes verging eine ganze Weile das Fluchen , selbst die Pfeife löschte aus . Als er wieder Atem hatte , ging es freilich wieder los , und das Versäumte hatte er bald reichlich eingeholt . Erst ging es über den Schwager los , dann über den Vater und endlich über den Herrn Handelsmann oder Banquier oder wie man ihm sage , der auf das Papier hin das Geld gegeben hätte . Dem sagte er alle Schande , drohte ihm mit Galgen und Rad , und als dies nichts half , wollte er ihn prügeln . Der aber war nicht dumm , hatte zu rechter Zeit für Hülfe gesorgt , und Johannes mußte abmarschieren , tat es aber nur unter Donner und Blitz und mit dem Drohen , wann er wieder komme , so bringe er dann Leute mit Handschellen und Stricken . Nun kam er auf die Glungge wieder gefahren , wie eine gejagte Seekuh durch den Schilf fährt . Der Vater wollte nichts unterschrieben haben , wenigstens nichts solches . Ein paarmal hätte der Tochtermann ihm Päcklein von der Post gebracht , und da hätte er die Quittung unterschrieben , sonst wisse er von nichts . Wahrscheinlich hatte ihm einmal der Spitzbube das Papier als Postschein untergeschoben , nach , dem er ihn früher einige Postscheine über Päcklein , welche durch seine Vermittelung Joggeli zukamen , unterschreiben lassen . Wenigstens hatte die Schrift Ähnlichkeit mit einem solchen Postschein , und Joggeli hatte schwache Augen , einen schwachen Sinn und war sein Lebtag kein Held im Geschriebenen gewesen . Wahrscheinlich stak der sogenannte Banquier mit dem Spitzbub unter einer Decke , sonst hätte er wohl bei Joggeli selbst über den Wert des Papiers sich näher erkundigt , ehe er Geld darauf gab . Aber bei solchen Händeln ist was zu profitieren und weit mehr als bei ehrlichen ; wieviel in seine Tasche floß , vernahm man nicht , auch würde es kaum in seinen Büchern zu finden gewesen sein . Was das nun für einen fürchterlichen Spektakel auf der Glungge gab , kann man sich denken . Vreneli mußte Elisi ins Haus nehmen , um es vor Johannes und der Trinette , welche nachgefahren kam , zu sichern . Nun