jedoch , daß die Sagen der Völker sich immer grauer färben , im Herzen der Liebenden die versunkene Zeit immer goldener wird , wie auch oft das Abendrot immer dunkler erglüht , je tiefer die Sonne geht , je weiter es vom Westen steht . In sich trug er , je heller das Abendrot erglühte , um so fester den Entschluß , keinen Versuch zu machen , das versunkene Liebesland heraufzuzaubern aus des Meeres Grund . Aber eben deswegen verbarg er es in den Tiefen seiner Seele und verhüllte es mit finsterm Schweigen ; er wußte der Menschen Art , die so gerne heraufbringen möchten das Versunkene , die so gerne denen , welche sie lieben , wieder geben möchten das Verlorne und oft mehr verlieren im Suchen , als sie wiederfinden , wenn sie das Verlorne finden . Er kannte seiner Mutter Milde , ihre Liebe , die , wenn sie erkennen würde sein inneres Leben , ihr eigen Leben opfern würde , um wieder anzuknüpfen das zerrissene Band , um ihm wieder zu gewinnen , was er als verloren so hoch im Herzen trug . Es war seine heilige Überzeugung , daß es also gut sei ; diese Überzeugung stand ihm wie ein Fels in der Brandung , vom schönen Abendrot gerötet , von der Liebe Weh umbrandet . Er vermied alles Reden davon , alles Fragen darnach ; er fühlte , wie leicht ein Wort zum Zauberwort wird , das Schranken sprengt , Felsen zerstäubt , wie leicht es zum Taucher wird , der Versunkenes zutage bringt , zur bewegenden Gewalt , die den Willen der Menschen dahinrollt nach ihrem Belieben . Aber wenn er alleine war , so durchlebte er immer wieder das erlebte Liebesleben , und allemal erglühte es in neuen Farben , und süßer schien sein Mädchen und süßer die Liebe , die sie verbunden . Darum war er auch so gerne alleine , und so oft stand er auf des Nachts , legte sich unters Gadenfenster und versank in süßes Träumen . Wenn seine Augen den Wagen am Himmel sahen , wie er so ehrenfest und sonder Wanken durch den Himmel fährt , himmlische Geister führt , ohne Halt , ohne Umleeren , so dachte er des dunkeln Hauses im Dorngrüt , über das der Wagen lautlos dahinfuhr in hehrer Majestät , dachte an sein Mädchen unterm grünen Dache und wie es ihm ums Herz und ob auch er darin noch lebendig sei und das vergangene Leben zuweilen erblühe in wehmütigem Glanze ? Die Antwort hätte er für sein Leben gerne vernommen . Oh , wenn es so wäre , wie gerne wäre er nicht mit seiner Seele aus seinem Leibe gezogen ; er hätte Haus und Hof verlassen und sich im Bilde angesiedelt , welches das Mädchen im Herzen trug , hätte da im dunkeln Grunde seine Wohnung aufgeschlagen und ein süßes Leben geführt mit des Mädchens Gedanken in freundlichem Kosen , wäre verschwunden gewesen für die Welt und hätte die Welt nicht gemißt , denn auf Erden schon hätte er im Himmel gelebt in des Mädchens Liebe , in dessen liebender Seele . Oh , wie es da ein Leben sein müßte voll holder Wonne , die kein menschlicher Blick befleckt , kein Wort sie auszudrücken vermöchte ! Des Morgens zu lauschen , wie das Mädchen seine Augen aufschlägt , wie die ersten Strahlen der Sonne in seinem Auge flimmern ; der Erste zu sein , den dessen Liebe begrüßt , den es wecket im Herzen , mit dem es tändelt und spricht , für den es betet zu Gott und ihn vertrittet vor den Menschen ; den ganzen Tag mit ihm gehen zu können Schritt und Tritt , in jedem einsamen Orte sich rufen zu hören , küssen zu fühlen , ja mitten im Gedränge , selbst mitten unter höfelnden Menschen vom treuen Mädchen mit Innigkeit umfaßt zu sein , sein Alles zu sein , in seinem innersten Heiligtum zu sein und zu sehen und zu hören , wie dessen Augen blind , dessen Ohren taub werden , wie dessen Sinnen und Sehen sich nach innen zieht , auf das Bild im Herzen sich richtet , in ihm aufgeht : wer möchte das Bild nicht sein im Herzen seines treuen Mädchens ? Und wenn der Abend kömmt , des Mädchens Sehnen wächst , allein zu sein mit seinem lieben Bilde , wenn es dasselbe endlich ungestört tausendmal herzt und küßt , dann seine Augen schließt , vertauensvoll sein Herz dessen Hut überläßt , um nun zaubern zu können liebliche Träume in des Mädchens weichen Schlaf : welch ein Reich voll Wonne öffnet da nicht seine Tore ! Oh , wer möchte nicht so wohnen als liebes Bild in des lieben Mädchens reinem Herzen , mochte da nicht sein Lebenlang warten , bis der Vater aus diesem Himmel in den seinen uns nimmt ! Lebensjahre hätte Resli darum gegeben , wenn er dort oben in den großen Sternen , gleich als wie in einem Spiegel , es hätte sehen können , was da unten in seines Mädchens Herz sich rege , ob er auch noch in selbem sei und in welchem Glanze . Gar oft dachte er : Wenn wir einander nicht mehr sehen in dieser Welt und Beide sterben , sehen wir uns dann wohl wieder in einer andern Welt , erkennen wir uns wohl und ist da auch noch etwas zwischen uns , oder können wir dort bei einander sein in ungetrübter Liebe ? So sinnete , so träumte er , und mancher abenteuerliche Plan ging an ihm vorüber , wie er erfahren könne , was im Dorngrüt gehe und wie dort die Sachen stünden . Er konnte dort als Bettler erscheinen oder als Kiltbub bei den Mägden , konnte bei der Wirtin in eigener Gestalt sich einschleichen und vernehmen oder Bericht machen lassen , er konnte als stilles Unghür das Haus umkreisen und bewachen jeden Eingang und Ausgang . Dieses und eine Menge anderes bedachte er und tat nichts , nicht aus Unschlüssigkeit und weil er werweisete zwischen diesem und jenem , sondern weil er eben nichts tun wollte und seine Überzeugung feststund , daß es so bleiben müsse . Hundertmal juckte es ihn , mit seiner Mutter zu reden über seine Gedanken , aber weil er wußte , wie sie sich verbünden würde mit seiner Sehnsucht , hielt er das Wort gefesselt an ehernen Banden . Dieses stille Liebesleben ward nachgerade doch Annelisi langweilig , und es erwachte in ihm die Sehnsucht nach etwas Lustigerem , Lebendigerem . Und es ist seltsam , wie es Buben und Wespen fast gleich haben . Solange eine Birne hart und bitter ist , da fliegen die Wespen wohl darum , aber rasch vorbei , sobald sie aber nur gäb wie zu mürben beginnt , so ists , als wenns die Tilders Wespen von weitem schmöckten ; sie kommen scharenweise daher und stechen an und geben nicht lugg , bis die ganze Birne kaput ist . So machens die Wespen nämlich . Nicht ganz gleich die Buben ; die merken also auch fast auf hundert Stunden , wenn Birnen mürben , aber jeder möchte die ganze Birne für sich und frißt nicht gerne in Gemeinschaft mit Andern sie an . Und wenn das Mädchen nicht gleich gekapert wird , so ist oft nur das große Gedränge schuld und weil das Mädchen nicht ins Klare kömmt , wer ihns am angenehmsten und zärtlichsten fressen würde . So ging es auch um Annelisi wie wild . Ja sogar einige Fürsprecher ließen sich herbei , gleichsam wie große Raubvögel ( denn je größer das Aas , desto großer die Vögel sind , welche es herbeilockt ) , und breiteten rotverbrämte Mäntel stattlich aus und schlenggeten die Haare oder strichen den Schnauz und redeten zärtlich nach neuer Mode , welche freilich zuweilen ans Kannibalische streift . Sie machten aber keinen Eindruck , strichen umsonst Schnäuze und ließen Mäntel flattern und wedelten mit den Haaren , eine neue Art ungebundener Zöpfe , nur daß man sie jetzt vornen trägt statt wie ehedem hinten . Ein junger Bauer , mit dem Annelisi aufgewachsen war , über den es von seinem ersten Schuljahr an bis zum letzten geschimpft , sich mit ihm gezankt , gekratzt , gestriegelt , über den es von dort an beständig zu lachen und zu spotten hatte , der schlich sich auch unter die Wespen , welche um die Birne flatterten . Annelisi spottete nur ärger und richtete alle Pfeile des Witzes und der Bosheit auf ihn , daß ihm die Mutter oft abwehrte und ihns bat , es solle doch schweigen und denken , es könne sich versündigen . Dann bat es wohl ab , aber handkehrum fiel es in den gleichen Fehler , nur noch ärger . Da kam derselbe eines Sonntags , als Christen alleine hütete , zum Haus , setzte sich zu Christen und bat ihn um seine Tochter . Der horchte natürlich gewaltig auf und sagte : » Hans Uli , du kömmst mir ungsinnet , an dich habe ich afe nicht gedacht . Meinetwegen hätte ich nichts darwider , aber bigryfst , ehe ich etwas sagen kann , muß ich doch mit meinen Leuten reden , und was ds Meitschi seyt , weiß ich nicht . « » Was selb ist « , sagte Hans Uli , » wir wären neue richtig . « » Das wär arig « , sagte Christen , » es wird öppe nit sy . « » Wohl wäger ists « , sagte Hans Uli , » es het mrs emel verheiße , u sövli e Schalk wirds öppe nit sy . « » Öppe selb nit « , sagte Christen , » mit sellige Dinge ist nit z ' gspasse . Aber wunder nimmts mich doch , daß es so ist , und wenn du es nicht selbst sagtest , so glaubte ich es nicht . « » He « , sagte Hans Uli , » es ginge mir selbst so , wenn es mir jemand anders sagte . Nit , gfalle hets mr geng u wär mr lieb gsi . Aber es het immer nur ds Gspött mit mir triebe un z ' zanke gha , nüt hätt ih dra dörfe sinne , ds Gunträri , ih ha mängist denkt , wenn das einist heirate , so müsse dem ghornet , gklepft , ta sy , daß es e grüsligi Sach syg . Da bin ich letzthin im Neuenbad zHerrlige und stande e so u luege u ha nit gwüßt , will ih oder will ih nit oder wos mr fehlt , da klopft mr neuer uf dAchsle u seit : Hest aber ds Öl vrschüttet , du arms Tröpfli ? Aber weißt ih wüßt dr öppis . Wennd drei mit mr hest und de e Plätz wyt mit mr heychunst , so zahl ich dir e Halbi , u wes sy mueß , no für e Krüzer Käs u für e halbe Brot , aber meh nit . Und ih ha ds Mul längs Stück off vrgesse u nit gwüßt , was das bidüte söll , vo wege , es ist Eues Annelisi gsi , wo mih süst ume usglachet ha un ds Gspött mit mr triebe , u ha gmeint , es well jetz o. U won ih nüt säge , seyt es du : Los Hans Uli , kannst mir es Gfalle tue , es sy da zweu Raubtier hinger mr , grüslig Burste , ih weiß nit , sys Ratsherresühn oder sust Unghür , eys git sih für e Dokter us u ds angere für e Mediziner ; weiß nit , was das ist , aber eine ist zottleter as dr Anger , u wüester u uflätiger tuet üse Melcher nit un ist doch e Länder . Vor dene förchte ih mih , und ih bigehre dSchang nit , daß mih dLüt by ne bim Wy gseh oder mit ne tanze . Ih ha ds Zuetraue zu dr , du layist mich öppe nit im Stich . Ih ha nit gwüßt , wos so mit mr gredt het , stange ih uf em Kopf oder uf de Füeße , aber es ist emel du mit mr zfriede gsi , un eys het ds anger gä , un ih ha müesse gseh , daß ih ihm nit sövli zwider bi , as ih geng glaubt ha . Aber hundert Ränk ha es doch gha , bis es mir endlich nachegseit un erlaubt ha , daß ihs abfordere dörf . Aber dabei hat es nicht sein wollen , wie es öppe anständig gewesen und ich es auch gemeint . Gehen könne ich seinethalb , aber vor Mitternacht sehe es dann niemand daheim , hat es gesagt . « » Es ist immer das Gleiche « , sagte Christen , » nit es Bös , selb nit , es ist mr lieb , und wenn es sih öppe gsetzt het , su gits no e rechti Husfrau . Aber jetz hets dr Kopf no voll Fuge und es meint , wenn me nit dr Narr tryb all Tag , su syg das nit glebt . Aber das wird ihm auch vergehen , noch wie mancher Andern , ohne Wallisbad . We dus wage witt mit ihm , su ist mr dSach recht , aber bsinn dih recht , es ist es Ketzers Meitschi . « » He ja « , sagte Hans Uli , » ih has erfahre « - da war es Christen , der dem Tenn zunächst saß , er höre awas hinter dem verschlossenen Tore . Es könnte etwa eine ihrer Jungfrauen sein , dachte er , die müßten doch ihre Nasen in allen Ecken haben , stand auf , rascher als gewöhnlich , tat ds Töri auf ; da dünkte es ihn , einige Burden Roggenstroh , welche in der Ecke aufgeschichtet waren , bewegten sich , er deckte ab , und siehe da , hinter denselben saß sein Töchterlein und horchte aufs Scheltwort . Christen mußte herzhaft lachen , und das Meitschi war nicht einmal verlegen . Es hätte es wunder genommen , wie so ein Bürschli einem Vater einen Heiratsantrag mache und was man nebenbei von ihm sage , es werde da wohl etwas zum Vorschein kommen , das es sonst nicht zu hören bekäme , und akkurat so sei es gegangen , sagte es . » Du « , wandte es sich zu Hans Uli , » du hättest dann nichts zu sagen brauchen , daß ich dich geheißen , mit mir zu kommen , und gäb ich dich wolle , ist auch noch die Frage ; es kommt darauf an , was der Vater sagt , bestimmt verheißen habe ich dir nichts . « Verlegen stund der arme Hans Uli da , bis Christen sagte , es hätte gehört , was er gesagt , und Gspaß treibe man mit solchen Dingen nicht . Aber er hülfe es noch nicht vor die Leute lassen und einstweilen davon schweigen . Es sei nächstens heilig , da könne man ohnehin nicht verkündigen lassen , und dann sei es ihm auch wegen Resli , dem würde sein Unglück neu aufrüchen , wenn es schon jetzt eine Hochzeit geben sollte . Öppe der Mutter müsse man es sagen und zwar noch diesen Abend , es werde ihr ein Trost sein , von wegen , wenn man so leichtsinnige Meitscheni habe , so wüßte man nie , was man noch an ihnen erleben müsse . Hätten sie einmal gemannet , so könne der Mann zusehen und hüten . Da ward Annelisi halb böse und meinte : » So , Vater , wenn ich euch so viel Kummer gemacht habe , so ist es Zeit , daß ich gehe , aber ich habe doch gemeint , ich führe mich auf , daß ihr öppe nicht viel z ' förchte hättet . « » Ich klage nicht über dich « , sagte Christen , » aber wie schwach ein Mensch ist , weiß er selbst gewöhnlich zuletzt , und wenn er mit Ehren durchkömmt , so hat man es unserm Herrgott z ' danke , nicht ihm , ghörst ! « Es war die sogenannte heilige Zeit im Herbst , die der Bettag schließt , welcher vor der Türe stand . Heilige Zeit - als ob nicht jede Zeit und jeder Tag zu unserer Heiligung uns gegeben , Gott geweiht sein sollte ! Aber der Mensch findet so gerne mit Gott sich ab , gibt ihm etwas , das Übrige will er apart haben und gebrauchen nach seinem Sinn . Einige Tage nimmt er sich etwas in acht , nennt dieses heilige Tage , glaubt damit Gott einstweilen abgefunden , geht getrost ans alte Leben wieder hin und treibt es mit um so größerer Lust , fast wie es Schlemmer treiben , die expreß einige Stunden fasten , um nachher mit um so größerem Appetit zu fressen . So wird alles verkehrt dem verkehrten Gemüte , und selbst die heilige Zeit wandelt sich für ein solches in einen Fluch um . Schön aber sind unsere vier heiligen Zeiten , unsere vier geistigen Jahreszeiten , wo jede die andere gebiert , jede aufs Gemüt der Menschen eigens wirkt und in beständigem Wechsel und Wiederkommen den Menschen vor geistigem Schlafe wahren soll . Wenn im Herbste die Ernte in den Scheuern liegt , junge Saaten einer neuen Ernte entgegengrünen , an den Bäumen die Blätter gelben und zwischen ihnen die hellen Früchte glänzen , dann soll der Mensch es sich bewußt werden , daß auch er ein Baum sei , von dem Früchte gefordert werden , daß die Menschheit sei der große Weltenacker und gerichtet werde nach den Früchten , die auf selbigem stehen . Es soll im Geiste der Mensch den Herrn sehen , wie er alle Tage am Baume vorübergeht und nach Früchten sucht , soll nun selbst seine Augen richten nach diesen Früchten , soll schauen nach dem , was der Herr sucht . Da wird ein Weh im Herzen geboren , ein göttliches Leid , denn wie wenig trägt der Mensch , die sogenannte Krone der Schöpfung , dem Baume gegenüber , und das Wenige ist wurmstichig und befleckt , wie krankhaft und spärlich steht die Saat auf dem großen Acker und wie üppig und reich das Unkraut , welches der Feind dazwischen gesäet ! Da soll der Strom der Buße anschwellen in seinem Herzen , da soll das innige Verlangen geboren werden nach dem , der da kömmt , das Verlorne zu suchen , der den Himmel öffnet , daß die Engel Gottes niedersteigen mit reichen Geistesgaben , der den guten Samen bringt , uns das Mangelnde ergänzt mit seiner Fülle . Es ist ein Gedenkfest , daß wir noch in der Irre wandeln und verloren gingen in der Wüste , wenn Gott uns nicht einen Führer senden würde ; es ist eine Mahnung , getrost zu bleiben in der Wüste , denn hinter ihr liege das verheißene Kanaan , und zu ihm gelange , wer dem Führer folge . Dieser Tag hat noch immer seine hohe Bedeutung unter uns , feierlich wird es uns zumute , und je näher wir ihm kommen , desto demütiger werden wir , desto klarer stellt das Bewußtsein sich heraus , daß wir vor Gott des Ruhmes mangelten , daß all unsere Gerechtigkeit sei wie ein unflätig Kleid . Es gibt freilich Leute unter uns , welche sich dieses sich aufdringenden Bewußtseins mit aller Macht zu erwehren suchen . Es sind hier nicht die gemeint , welche theoretisch Christus und die Sünde abschaffen wollen , sich selbst zum Götzen machen möchten , welche , bei Lichte besehen , akkurat dem Kalbe gleichen , welches die Juden anbeteten , mit dem Unterschiede jedoch , daß diese Kälber dato noch nicht golden sind , aber um so unverschämter an die Welt die Forderung stellen , daß dieselbe sie vergolde und bis dahin wenigstens reichlich füttere und tränke , und das Letztere lieber mit Wein als mit Bier , und diesen ebenfalls je besser desto lieber . Das sind die , welche in ihrer stupenden Anmaßung singen können : Und vor der Menschheit schreit ich groß noch durch Jahrhunderte daher , und die eben deswegen nichts sind als Zeugen der Wahrheit des Evangeliums , welches sie vernichten wollen , als Denksteine , daß wer sich selbst erhöht , erniedrigt werden werde , daß sie eben nicht länger dauern als das Kalb , das noch dazu golden war , das zu Pulver gestoßen ward und welches Pulver verschlucken mußten die , welche das Kalb angebetet hatten , welches ihnen sehr übel bekam , denn es machte ihnen Bauchweh und einer erwürgete den Andern . Akkurat wie es heute geht , wo , wer heute der Götze war , morgen zu Pulver zerstampft wird , und übermogen die , welche ihn zerstampft , sich gegenseitig erwürgen . Und jener arme Tropf , der die schmählichen Worte sang : » Und vor der Menschheit schreit ich groß noch durch Jahrhunderte daher « , um den bei Lebzeiten kaum tausend Menschen wußten von tausend Millionen , von dem nur einige Kameraden Lärm machten und ihn herumführten und zeigten , wenn er irgendwo durchkam - ( Apropos , die Literaten haben den Schneidern etwas abgeguckt . Wenn nämlich so ein Schneider auszieht , so singen alle Schneider um ihn her , einer trägt ihm die Stiefel nach , ein anderer die Flasche , er selbst hat das Glas in der Hand , bedankt sich ringsum , indem er vortrinkt und hintendrein brüllt , was die andern vorgebrüllt . Wer so ein Schneiderlein hat ausziehen sehen und ihn nach zehn Jahren sitzen sieht , krummbeinig , erlahmt , an Leib und Seele ersiecht , der hat was gesehen , der hat gesehen , was jetzt die sogenannten Literaten auch machen , die ziehen gerade so aus und rum wie ehedem die Schneider . Obs ihnen wohl auch nach zehn und abermal zehn Jahren ergehen wird wie dem armen Schneiderlein , daß in zehn Jahren nicht Zehne mehr etwas von ihnen wissen werden , einige Bibliothekare in fürstlichen Bibliotheken ausgenommen ? ) - jener arme Mensch ist ein lebendiger Denkstein von diesem grenzenlosen Übermut , und jetzt wird er es in dem verschmähten Jenseits erfahren haben , was der Hochmut kann , was an der Selbstvergötterung ist und wie tief die Selbsterhöhung stürzt . Wer weiß , ob er nicht auch gebeten hat , zurückkehren zu dürfen , denn er habe Brüder und die seien wie er und wohl noch ärger ! Ob er zurückgekehrt ist , wissen wir nicht , seine Brüder haben weder etwas davon gesagt noch ein Beispiel genommen ; wir zweifeln aber , denn Einem recht , dem Andern billig , und was der reiche Mann vernommen , das wird wohl auch ein aufgeblähter Wissender vernehmen müssen . Von denen , die ich hier beschrieben , kann ich in Beziehung auf den Bettag nicht reden , er macht ihnen weder kalt noch warm , und wie sie ihn zubringen wollen , darüber sind sie nicht in Verlegenheit ; sie bringen ihn zu wie das vergangene Jahr , und daß man ihn so zubringen kann , dafür ist beizeiten gesorgt . Die Leute , von denen ich reden möchte , sind die , denen er störend in ihr Leben trittet , Handwerker , die in den gewohnten Pinten nicht schöppeln , Agenten , die in Wirtshäusern nicht auf gut Schick passen , Gebildete , die nicht in Lesezimmer können und in sich nichts zu lesen haben , und endlich unglückliche Leistherren , deren Zusammenkunftsort an diesem Tage ebenfalls verschlossen ist . Es gibt Leute , sie sind von unglücklicher Furcht geplagt ; wenns Nacht wird oder wenn sie alleine sind , so haben sie Angst , furchten sich vor dem Teufel oder einem Gespenst und schreien Zetermordio um Hülfe ; die Leute bedauert man . Es gibt aber Leute , die dürfen nie mit sich selbst alleine sein , sie furchten sich vor sich selbst , sie sind sich selbst ihr Teufel ; es gibt Leute , deren größter Graus es ist , mit ihrer Familie alleine zu sein im eigenen Hause , ohne Wein und ohne Klang , es wird ihnen wie in der Hölle ; das sind unglückliche Leute , die sind zu bedauern . Es ist auf dem Lande wohl mehr Sinn für das Ernste , und im Hause unter den Seinen ists dem Landmann wöhler , und mit dem Betrag weiß mancher Bauer weit mehr anzufangen und empfindet mehr seine Bedeutung als gar Mancher , der viel von Geist zu reden weiß , aber doch eigentlich nur von Fleisch , Brot , Wein und ähnlichen Dingen lebt . Ruhig geht schon der Vorabend ein , und eine wunderbare Stille liegt am Tage selbst überm ganzen Land . Man hört kein Geräusch als nur hie und da ein Chaischen , in dem Stadtleute sind , welche ihrem eigenen Teufel entrinnen möchten . Es wird an rechten Orten wenig Bauern geben , welche an diesem Tage ein Roß aus dem Stalle nehmen würden . Man sieht nichts als Predigtleute , vielleicht solche , welche die Neugierde in eine entferntere Gemeinde getrieben , um zu hören , wie den Nachbarn der Text gelesen wird , wie man denn allerdings lieber Andern abkapiteln hört als sich selbst und seltsamerweise eine Predigt in einer fremden Kirche nicht auf sich bezieht , als ob das Wort Gottes nur in unserer eigenen Kirche das Recht hätte , unser Herz zu züchtigen . Hie und da sieht man bei einsamen Häusern wohl eine Wäsche flattern , die irgend eine verwahrloste Frau an die Sonne gehängt und die da ruhig hängen bleibt , obgleich es eigentlich verboten ist . Aber es ist halt die Welt eine Kugel und dreht bekanntlich sich um ; was oben war , kömmt unten , und wie man zu Zeiten beim Erlaubten ruhig war , beim Verbotenen gestört wurde , so dreht sich natürlich mit der Welt auch dieses Ding um , bald wird man ganz getrost das Verbotene treiben können , aber sich wohl in acht zu nehmen haben vor dem , was erlaubt , gesetzlich einem zugesichert war . Und wer kann was dafür , daß die Welt sich dreht ? Und wie die Gemeinde in feierlicher Stille des Wortes harret , das zur Buße rufen , eine tiefe Furche reißen soll ins eingerissene Leben , so sinnet der Prediger auch mit Ernst und Andacht über diesem Worte , schaut über das Saatfeld schaut die Krankheiten an , die auf demselben sichtbar werden , der Ernte die größte Gefahr drohen , und was er tief und ernst erwogen , das legt er seiner Gemeinde vor , nicht in Anschwellungen des Zornes als ein Oberherr , da seine Sklaven züchtigt , nicht als ein Schweinehirt , der seine Schweine peitscht , sondern ernst und bewegt , im Bewußtsein , daß auch er der Gemeinde Glied und vielleicht nur dadurch über den andern Gliedern , daß sein Auge schärfer schaut , sein Mund genauer bestimmt die Krankheiten , die durch die Saaten gehen . In Liebiwyl war dieser Tag von je ein heiliger gewesen , den man in der Stille zubrachte und wo , Krankheitsfälle ausgenommen , keinem Menschen im Hause es nachgesehen worden wäre , wenn er nicht wenigstens einmal die Kirche besucht hätte , und zumeist waren die Predigten des Pfarrers noch lange der Gegenstand ernster Unterhaltungen . An diesem Tage gehen die Leute nicht langsam , gemächlich zur Kirche , sie eilen , die zahlreichen Züge gleichen Strömen , die Niederungen zueilen , zu spät will niemand sein , jeder Platz noch finden ; je älter die Leute sind , desto früher machen sie sich auf den Weg , und längst , wenigstens bei schönem Wetter , ist die Kirche angefüllt , wenn der Prediger kömmt , ernst und feierlich , im Bewußtsein , daß was in seiner Brust sich rege , auch in den meisten Andern lebe , und auf den Herrn hoffend , daß der Herr das rechte Wort ihn finden lasse , das , was sich innen regt , äußerlich zum Leben zu bringen . Christen und Änneli hatten darüber nachgedacht , wie das Jahr ein so wichtiges für sie geworden und wie der Herr in demselben sie gesegnet und gezüchtiget wie noch in keinem , und wo wohl noch die Sünde sei bei ihnen , und wie es mit Resli gehen , Gott ihn führen werde . Lange hatten sie am Abend vorher ernste Gedanken gewechselt , und die bewegte Seele wollte lange sich nicht in des Schlafes Ruhe finden . So verschliefen sie sich fast am Morgen , und ungern hatte es Änneli , denn an solchen Tagen hatte es Hasten und Jagen nicht gerne , denn gar schwer wird es dann dem in die häuslichen Wirren versenkten Gemüte , zu der Ruhe zu kommen , welche alleine der fruchtbare Schoß für des Herrn Wort ist . Aber zu seiner großen Verwunderung war schon die meiste Morgenarbeit abgetan und das Meiste zweg , so daß die Haushaltung nicht versäumt war und Änneli seine Zeit auf sich verwenden konnte . Dieses Vortun war ihm eine seltsame Sache , weil die Jungen wegen dem Aufstehen sich zumeist auf die Alten verlassen ; darum fragte es auch verwundert die Tochter , welche geschäftig am Herde waltete : » Wer het dih gweckt ? « » He guete Tag , Muetter « , sagte Annelisi , mit gerötetem Gesichte sich umwendend , » bist auch erwacht « » Guten Tag gebe dir Gott « , antwortete Änneli , » aber sag mir doch , warum bist du schon auf , und wer hat dich geweckt ? « » Mutter , niemere , aber ich habe auch etwas gsinnet und an mich gedacht , und da hat es mich düecht , es würde mir wohl