in mächtigen , ungetrübten Wogen . Er zog das teure Mädchen an sich , und wie die Wellen des Brunnens plätscherten und Bläschen warfen in blankem Troge , so flüsterte Uli dem Mädchen seine Freude zu , versuchte ein leises Küssen , und kein Stoß warf ihn diesmal zurück von dem holden Ufer , dem er zugesteuert . » Willst du meins sein ? « hörte der Brunnen ; » bist du mein ; « koste es wieder . Und noch manches hörte der Brunnen , aber er sagte es niemand wieder . Ein eigenes Gefühl durchströmte Beide , das Gefühl , ein teures Kleinod gefunden zu haben , das Verlangen , bei diesem Kleinod zu sein für und für und sonder Unterlaß . Wenn jemand einen lieben Brief erhält , wie oft fährt seine Hand in die Tasche und liest ihn von neuem ! Wenn jemand einen Acker gekauft hat , wie oft geht er hin des Tages und beschauet seinen Kauf ! Wenn jemand eine liebe Seele gefunden und an sich gebunden nicht nur für diese Zeit , sondern auch für die Ewigkeit , soll es ihn dann nicht hin zu dieser Seele ziehen mit Himmelsgewalt , soll es ihn nicht in ihre Augen , die Tore der Seele , hineinziehen , um das Gefühl lebendig zu erhalten , eins mit einer Seele zu sein in Zeit und Ewigkeit ? Dieses Einswerden mit einer Seele von ganzem Herzen , ganzem Gemüte und allen Kräften , in welcher Vereinigung alle Ichsucht untergeht , ist das nicht auch ein Vorläufer des Einswerdens mit Gott , welchem ebenfalls unsere Selbstsucht zum Opfer fallen muß ? Und wie der , der eins geworden ist mit dem Vater im Himmel , denselben vor Augen hat , wenn die Sonne scheinet und wenn die Nacht Finsternis bringt in jedes Land und jede Kammer , soll dann dem , der eine Seele gewonnen , nicht auch vergönnt sein , diese Seele zu suchen und wieder zu suchen , so oft die Räume und Geschäfte der Erde sie ihm aus den Augen tragen ? Der tiefe Seelenzug in diesen Zeiten wird selten recht verstanden , bringt daher auch selten die rechten Früchte . » Sie machen recht närrisch mit einander , « hört man sagen , » sie machen einem Längizyt . « Das glaube ich gerne , aber warum gönnt man ihnen nicht die ungestörte Freude an einander ? Ach Gott , die Welt und die Furcht der Welt vor ihrem eigenen Fleische ! Ach Gott , die Welt und ihre Neugierde , die sehen will , wie Zwei zusammen tun , und dann , wenn sie keinen rechten Sinn zu einander haben , sagt : » Die Beiden lob ich mir , die sind recht vernünftig ; wenn man es nicht wüßte , man merkte es ihnen gar nicht an , daß sie Brautleute wären . « Ich möchte fast sagen , das sei eine vermaledeite Vernünftigkeit , welche für die Seele und ihr Sehnen keine Empfänglichkeit hat , höchstens für des Leibes Reize , deren Empfänglichkeit man allerdings lieber im Dunkeln zeigt , meistens nur für des Geldes verhängnisvolles Klingen . Vreneli und Uli hätten kaum verstanden , was da geschrieben steht , aber diesen Zug der Seelen empfanden sie . Kaum waren sie getrennt worden , so suchten sie sich wieder , und der Brunnen war die heilige Stätte , wo so oft sie sich suchten und fanden . Noch nie hatte Vreneli so viel Wasser in die Küche gebraucht , Uli noch nie so viel zu waschen oder zu tränken gehabt . Während beim Brunnen ein junges Glück aufging , hielt ein altes Ehepaar im Stübli seine Zwiegespräche . Joggeli und seine Frau erwachten frühe , und den alten Gliedern die nötige Ruhe gönnend , erachteten sie diese Stunde am schicklichsten , ein vertrautes Wort zu wechseln . Nachdem die Frau an Joggelis unruhigem Drehen dessen Erwachen wahrgenommen , fragte sie : Ob er seither nichts von einem Knechte vernommen , ob gestern keiner dagewesen sei ? Weihnacht rücke , so könne das doch nicht gehen . Nun begann Joggeli sein altes Klagelied über Elisis Heirat , an der er nicht schuld sei und die ihm Uli forttreibe . Seit der da sei , trage ihm der Hof jährlich tausend Pfund mehr ein . Wenn doch das Meitschi habe heiraten müssen , so wollte er zuletzt lieber , es hätte Uli genommen als so einen ungefütterten Baumwollenhändler . Er hätte keinen Magen , einen andern Knecht zu suchen ; wenn er nur Uli wieder haben könnte , es reute ihn kein Geld . Sie wisse nicht , wie das gehen solle , sagte die Frau ; sie habe mit Uli geredet , allein er habe nichts davon hören wollen , länger hier Knecht zu sein . So hätte mans , sagte Joggeli , die Frauen machten alles , wie sie wollten ; sie begehrten alles zu regieren , und wenn etwas krumm gehe , so sollten es die Männer gerade machen . Er hätte vorausgesagt , das käme so , sie könne seinethalb jetzt selbst einen Knecht suchen . Wenn das so gemeint sei , sagte sie , so wolle sie mit allem nichts mehr zu tun haben . Wer am Ende bös hätte , wenn alles schlecht ginge , als sie , die die Haushaltung machen müßte ? Das Beste wäre , sie würden das Gut zu Lehen geben ; sie wüßte eigentlich nicht , für wen sie bös haben sollte bis ins Grab . Es danke ihr doch zuletzt niemand dafür , sondern je mehr sie zusammengehüselet habe , desto mehr lache man sie aus . Das sei ihm auch recht , sagte Joggeli , er begehre nicht länger zu pflanzen , damit ihr Tochtermann komme , die Sache nehme und das Geld für sich behalte . Aus freien Stücken habe er ihm eine Ehesteuer gegeben , größer als mancher Landvogt sie gebe ; es schiene ihm , der könnte zufrieden sein und ihn jetzt ruhig lassen . Wenn sie ihm einen anständigen Lehnsmann wüßte , so wollte er noch heute mit ihm die Sache richtig machen . Sie wüßte keinen bessern als Uli , sagte sie . » Uli ? « sagte Joggeli . » Ja , wenn der besser hintersetzt wäre und eine anständige Frau hätte , so wäre mir der der Rechte , aber so kann er kein solches Gut übernehmen . « He , sagte die Mutter , eine bessere Frau als Vreneli wüßte sie nicht , und sie glaube , sie hätten nichts wider einander . Daneben sei Uli auch nicht mittellos , und vielleicht würde Vetter Johannes ihm helfen , wenn man es begehrte ; es dünke sie , derselbe habe gar viel auf Uli . » So , so , « sagte Joggeli , » es ist also schon alles richtig ! « » Was richtig ? « fragte sie . » Glaubst du , « sagte Joggeli , » ich solle nichts merken ? Du bist nicht umsonst nach Erdöpfelkofen gefahren so mir nichts dir nichts , daß ich mich fast zu Tode gewundert habe , und hast Vreneli und Uli mitgenommen . Du mußt doch nicht meinen , daß ich so dumm sei und nichts merke , was hinter meinem Rücken abgekartet wird . Aber ich bin auch noch da und es ist nicht bravs von dir , so mich zum Narren zu halten und mit fremden Leuten unter dem Hütli zu spielen gegen mich . Aber warte nur , ich will es dir reisen . Ich will zeigen , wer Meister ist . « Nun bekam die gute Frau keine Antwort mehr , sie mochte vorbringen , was sie wollte , so daß sie endlich sagte : » He nun dann , so sei meinethalben Meister und arbeite meinethalben den Hof selbst und mache die Haushaltung auch noch dazu , ich aber will nichts mehr damit zu tun haben . « Brummend wälzte sie sich auf die andere Seite , schlief wieder ein und stund am Morgen später als sonst , schweigend und schmollend auf . Lustig tanzte Vreneli im Hause herum , es war , als ob es über Nacht Federn in die Beine bekommen hätte und eine Mundharmonika zwischen die Zähne . Ganz verwundert sah die Base dem Wesen zu und sagte ihm endlich , als sie allein waren : » Ist es dir über Nacht anders gekommen , willst du ihn jetzt ? « » O Base , « sagte Vreneli , » wenn Ihr mich zwingen wollt , was will ich dagegen machen als mich zwingen lassen ? Und so , wenn Ihrs zwingen wollt , so zwingts ; aber ich will nicht schuld daran sein , es mag kommen , wie es will ! « » Du bist eine gottlose Dirne , mir den Mann zu verspotten , « sagte die Base . » Aber das Lachen wird dir schon vergehen , wenn du hörst , daß Joggeli nichts vom Lehen hören will . Er ist bös darüber , daß alles hinter seinem Rücken abgekartet wurde , und sagt jetzt , er sei Meister , er wolle es uns reisen . « Aber das Lachen verging Vreneli nicht , sondern es lachte nur : Der Vetter wolle auch gezwungen sein , wie es zum Heiraten . Am besten käme man zurecht mit ihm , wenn man nichts mehr von der Sache sage und sich stelle , man wolle fort . Es mache ihm jetzt schon angst , was er um Weihnacht anfangen wolle , zu einem andern Knecht könne er sich nicht entschließen . Wenn er in acht Tagen noch nicht selbst mit der Sache komme , so wolle es den Tischmacher kommen lassen und ihm ein Trögli zu machen befehlen , wie Mägde zu tun pflegen , wenn sie zügeln wollen . Helfe dieses nicht , so müsse man ihm sagen , Uli komme zum Johannes , man habe neuis gemerkt ; dann fange er von selbst von der Sache an und sage : » So zwängets , wenn ihrs zwängen wollt , aber ich will an nichts schuld sein , es mag gehen , wie es will . « » Du bist eine Tüfels Hex « , sagte die Base ; » ich glaube , du wärest imstande , ein ganzes Chorgericht zum Narren zu halten . Das wäre mir nie in den Sinn gekommen , und sind wir doch jetzt bald vierzig Jahre bei einander . « Und richtig : wie Vreneli , das dem Uli eingeschärft hatte , es anzusehen , wie wenn er lauter taub wäre , gesagt hatte , ging es . Der Tischmacher brauchte nicht zu kommen . Lange vor Verlauf der acht Tage fing Joggeli mit seiner Alten zu zanken an : Wie sie alles hinter seinem Rücken mache , zu allen Leuten Vertrauen habe und nur zu ihm keines ; er möchte doch endlich wissen , was sie jetzt mit dem Uli ausgemacht habe . Es wäre Zeit , daß er auch etwas davon wüßte . Da sagte sie , sie habe nichts mit ihm ausgemacht und nichts angefangen , das sei seine Sache , sie mische sich nicht darein . Er habe ja gesagt , er sei Meister . Da begehrte Joggeli noch mehr auf , daß seine Frau ihn so im Stich lasse und sich gar nicht darum bekümmere , wie es gehe ; es sei doch ihre Sache so gut als seine und er wüßte nicht , warum immer alles an ihn kommen solle . Er wollte , sie solle gehen und mit Uli reden , und wenn er schon eine andere Frau nähme als ds Vreni , so sei es ihm gleich ; das sehe ihn seit einiger Zeit so unverschämt und spöttisch an , daß es ihn schon manchmal gelüstet habe , ihm die Hand ins Maul zu geben . Aber seine Frau wollte nicht , nach Vrenelis Instruktionen ; das sei Mannssache , behauptete sie . Da sagte er , wenn sie nicht gehen wolle , so schreibe er dem Tochtermann , er solle ihm einen Knecht oder einen Lehenmann senden , der werde ihm das schon machen . Da ließ die Alte das Herz fallen und übernahm den Auftrag . Als sie mit demselben zu Vreneli kam , sagte dieses : » O du gute Mutter , hast du dich zwingen lassen ! Aber Mutter , Mutter , wie konntest du glauben , daß es Joggeli Ernst sei , vom Tochtermann einen Knecht oder einen Lehenmann zu nehmen ! Hättest du nur noch einmal herzhaft Nein gesagt , so hätte er gesagt : He nun , wenn du mir nichts zu Gefallen tun willst , so will ich mit Uli reden , aber ds Vreni , die Täsche , begehre ich nicht , und es mag herauskommen , wie es will , so bin ich nicht schuld daran , mir wäre es nie in Sinn gekommen . Schicke ihm aber Uli hinein , er soll und muß doch mit ihm zuerst z ' grechtem davon reden . « So geschah es auch . Die Weitläufigkeiten der ganzen Unterhandlung zu beschreiben , wäre für manchen Lehenmann belehrend , allein für diesmal aus guten Gründen nur Folgendes . Joggeli war die ganze Sache mehr als recht , und doch machte er Umstände und Vorbehälte , an denen die ganze Sache hätte scheitern müssen , wenn er fest darauf bestanden hätte ; aber so wie er erfinderisch war im Ersinnen , so war er wieder schwach im Nachgeben , sobald man ihn zu fassen wußte , und das verstund der Vetter Johannes , der als Mittelsmann und Bürge recht gefällig sich finden ließ . Und wenn alle an waren , so wußte Vreneli noch den besten Rat und fand den Ausweg . Joggeli sagte aber oft : Er könne nicht begreifen , warum Uli so eine nähme mit einem blutten Füdle und einem Maul wie eine Schlange . Wenn er so ein Bursch wäre und ein solches Lehen in den Händen hätte , er wollte viel tausend Pfund erwyben . So eine Gexnase würde er nicht mit dem Rücken an , sehen , und dreißig Kronen wollte er ihm das Lehen wohlfeiler geben , wenn das Ketzer Meitschi ihm wegkäme ; das würde dem lieben Gott Blau für Weiß machen , wenn sie je zusammenkämen , was er aber nicht glaube . Man war fast richtig , als der Tochtermann die Sache vernahm und einen Mordsspektakel begann . Der wolle erst gar nichts davon wissen und behauptete , sie hätten ja die Verabredung getroffen , daß er ihnen die Produkte abnehme und zu hohen Preisen seinen Bekannten verkaufe . Er hätte deshalb Akkorde getroffen und könne nicht zurück . Endlich wollte er den Hof selbst ins Lehen nehmen trotz seinem brillanten Geschäft , von dem er behauptete , es trage mehr ab als sechs solcher Höfe . Er tat so wüst , drohte auf solche Weise und ds Elisi mußte wüst tun und mit allem Gräßlichen drohen , daß die ganze Geschichte fast rückgängig geworden wäre . Den beiden Alten kam es gräßlich vor , wenn sie an einem Unglück schuld sein sollten , wenn ds Elisi mit seinem Mann deswegen in Streit käme oder es krank würde oder es ihm sonst schadete in seinen Umständen . Ein jedes sagte : » Mach , was du willst , aber gib mich dann zuletzt nicht an die Axt , ich will nicht schuld sein . « Da gab Vreneli dem Sohn Johannes einen Wink , daß es darauf und daran wäre , daß sein geliebter Schwager Lehenmann in der Glungge würde . Johannes , dem es , seit er Gaden und Spycher durch seinen Schwager gefährdet sah , sehr reche war , daß das Gut in eines Lehenmanns Hände kam , und Uli als einen guten Landwirt recht gerne darauf sah , indem er einst den Hof lieber gut als schlecht zuhanden nahm , kam mit Trinette dahergefahren wie eine Bombe und traf es eben , daß ds Elisi und sein Mann auch da waren . Das gab nun Donnerwetter um Donnerwetter , obgleich es mitten im Winter war . Der Tochtermann machte sich zuerst sehr aufbegehrisch und wollte den Johannes von oben herab traktieren und ihn einschüchtern mit Oberarm Dreinreden . Aber Johannes kannte als Wirt diese Sorte von Leuten auch und redete noch mehr Oberarm drein , zudem hatte er eine gewaltige Faust , die dem Baumwollenhändler abging ; mit dieser schlug er auf die Tische , daß alle Türen aufsprangen . Auch hielt er dem Baumwollenhändler Sachen vor , die dieser lieber hier nicht gehört hätte , seine vielen Schulden und vielen Streiche . Woher er den Landbau kennen wolle , da er im Bettel aufgewachsen ? Sie hätten seinen Vater oft hier in der Glunggen über Nacht gehabt im Stall , sie sollten sich nur an den alten , verhudelten Mann mit der Drucke und den Schuhen ohne Sohlen erinnern . Er möchte nur die Alten aushäuteln , den Lehenzins könnten sie im Himmel suchen . Uli müßte das Lehen haben , und sollte er den Donners Bauelebueb mit eigenen Händen erwürgen , brüllte er und manövrierte demselben mit seinen dicken Händen so nahe am Halse herum , daß alles Zetermordio schrie und ds Elisi sicher ohnmächtig geworden wäre , wenn es gewußt hätte , wie man das mache . Aber der Baumwollenhändler hatte eine zähere Natur als seine Bauele . Kaum war er nicht mehr blau im Gesicht , so gab er mit Verachtung den Gedanken , selbst Lehenmann zu werden , auf . Er wollte ein Narr sein , sagte er , ihnen seine Hülfe aufzudringen , sein Geschäft trage ihm hundertmal mehr ab als so ein Schyßgüetli . Gerade ihretwegen , damit sie nicht mir fremden Leuten es machen müßten , hätte er es übernehmen wollen . Wenn man ihm seine Guttätigkeit so aufnehme , so könnten sie machen was sie wollten , er sei recht froh darüber . Aber das fordere er , daß man das Gut an eine Steigerung bringe und es dem Meistbietenden gebe , das hätte er das Recht zu fordern . Er wüßte nicht , warum man einem solchen Lümmel , da nicht fünfe zählen könnte , ohne fünfmal zu verirren , den Vorzug geben wolle . Da ging der Streit von vornen an , in den nun auch Joggeli sich mischte , da er sich vom Sohn unterstützt sah . Das gehe ihn hell nichts an , sagte Joggeli seinem Tochtermann ; er könne verleihn , wie er wolle , er sei denn doch noch nicht bevogtet . Solange er lebe , solle in der Glungge keine Steigerung sein , und auch nach seinem Tode nicht ; er wolle es ihm vermachen , daß es hafte , er sei ihm gut dafür . So einer , von dem man noch jetzt nicht wisse , wo er jung gewesen , solle ihm nicht kommen und ihm hier in der Glunggen befehlen wollen . Er sei sein Lebtag dagewesen , und Vater und Großvater . So weit man sich hintern besinnen möge , sei der Hof in der Familie gewesen ; da solle Keiner kommen , der auf der Gasse jung gewesen , und ihm befehlen , was er auf demselben machen solle . Er solle ihm zahlen , was er ihm weggenommen . Es dünke ihn , er sollte für einmal genug haben und sich schämen , noch mehr zu begehren , und er solle nicht meinen , weil er so herrschelig daherkomme , so könnte er mit ihnen machen , was er wolle . Wenn er die Kleider nicht aus ihrem Gel , de bezahlt hätte , so wisse man nicht , ob er noch solche tragen würde . Der Tochtermann ließ sich aber nicht erschrecken . Er lasse sich das Geld nicht vorhalten , sagte er . Ob sie denn eigentlich so dumm seien , zu glauben , er hätte seine Frau wegen etwas anderem als wegem Geld genommen ? Daß sie ein halbwitzigen Schlärpli sei , hätte ihr ja jedermann angesehen . Aber wenn er eigentlich gewußt hätte , was sie für ein wüstes Reib , eisen , eine hässige Krot , eine faule Sau sei , er hätte sie mit keinem Stecklein anrühren mögen , und wenn sie noch einmal so viel Geld gehabt hätte . Jetzt hätte er sie ins Teufels Namen und müßte sie einstweilen behalten ; jetzt wolle er dazu sehen , daß er auch zu dem Geld komme , das ihm gehöre . Er lasse sich noch lange nicht absprengen , und sie sollten versichert sein , daß je wüster sie gegen ihn seien , er um so wüster tue und alles seine Plättere entgelten lasse ; die wolle er rangieren , daß es des Salzfaktors Jagdhunde besser haben sollten als sie . Da fiel dem Joggeli und der Mutter das Herz , und sie wären vielleicht dem aufbegehrischen Tochtermann hingekniet , aber Johannes war da . » Mach es nur , « sagte der , » je wüster , desto besser , wir wollen dir den Marsch bald gemacht haben . Je eher du abgesprengt wirst , desto besser ists . Denke an die Krone zu - und was du da treibst ! Du verfluechte Bueb ! Mit fünfzig Kronen scheiden wir , und dann wirst du zum Geltstag getrieben , das ist das Beste für einen solchen Donner , wie du bist ; dann kannst du ds Land ab und Rüben fressen . « Sie erschrecken ihn noch lange nicht , antwortete der Tochtermann . Mit dem Geltstag könnten sie es probieren , wenn sie wollten , sie kämen an den Unrechten . Was bei der Krone gegangen sei , gehe sie nichts an , er wolle es auf eine Untersuchung ankommen lassen , und wenn man zu Frevligen nachfragen wollte , so brächte man vielleicht viel ärgere Dinge heraus . Wenn sie die Schande haben wollten , daß ihre Tochter so bald sich scheiden müsse , so sei es ihm recht , er frage nichts darnach . Er wolle ihnen dann aber den Marsch machen . Indessen er so aufbegehrisch redete , zog er doch in etwas seine Pfeifen ein , besonders da Johannes sich nun auf seine Worte berief : Sie sollten jetzt sehen , was sie für einen Donner von Tochtermann hätten . Es geschehe ihnen aber recht , sie hätten nichts glauben wollen , und er sollte sie jetzt eigentlich im Stiche lassen mit ihm . Aber es sei ihm auch um seinetwegen ; wenn er den Donner machen lasse , so käme es bald dahin , daß die Glungge an eine Steigerung kommen müßte . Davor wolle er sein , er könne darauf zählen . Von einer Steigerung mußte der Tochtermann endlich schweigen ; aber nun wollte er sich in den Akkord mischen und ihn machen nach seinem Sinn , also auf eine Weise , daß Uli unmöglich hätte eintreten können . Er warf ihn aufs Papier , und Joggeli gefiel er so übel nicht ; er fand von manchem , daran hätte er nicht gedacht , die Mutter aber und Johannes widersetzten sich : Was wollte doch so ein baueliger tusigs Donner von einem Lehenakkord wissen : keinem Hund würde man einen solchen machen , und je wüstere Akkorde man mache , desto weniger würden sie gehalten und desto mehr müsse das Gut darunter leiden . Während man darüber stritt im Stübli , versuchte der Baumwollenherr Privatgeschäfte bei Vreneli , wollte mit ihm so unterhandeln , daß wenn es ihm nachgebe , so wolle er auch mit dem Akkord nachgeben , und ließ sich wohl nah zu ihm her , an . Das aber , nicht faul , nahm ein buchenes Scheit , fuhr auf ihn dar wie eine Furie und traktierte ihn jämmerlich . Das gab gräßlichen Spektakel . Vreneli schlug , der Tochtermann schrie die ganze Verwandschaft schoß zu allen Türen aus und sah den Herren vor Vrenelis Scheit in alle Ecken fliehen . Die Einen lachten , die Andern schrien , Johannes hatte gute Lust , zuzugreifen ; niemand gab Auskunft , es war wie beim Turmbau zu Babel . Endlich schoß der Herr in eine geöffnete Türe , und Vreneli wurde vom Verfolgen abgehalten . Wie eine glühende Siegesgöttin stund es da mit dem Scheit in der Hand oder wie ein Engel mit flammendem Schwerte vor dem Paradiese der Unschuld und rief dem fliehenden , blutenden Baumwollenhändler nach : » Weißt du jetzt , wie ein Bernermeitschi akkordiert und mit was es den Akkord unterschreibt , du keibelige Uflat ! « Und frankweg ohne Hehl erzählte es , was der Lumpenhund ihm für Anträge gestellt . Da öffnete dieser die Türe und rief : » Du lügst ! « Aber ehe das Wort noch recht aus dem Munde war , fuhr das buchene Scheit aus Vrenelis starker Hand akkurat durch die geöffnete Türe dem Lügner ins Gesicht mitten hinein , und rückwärts fiel er zurück , fuhr mit der Hand ins Gesicht , und drei ausgeschlagene Zähne rollten ihm entgegen . Nun neuer Lärm von allen Seiten . Des Johannese Stimme schallte vor allen in gewaltigem Lachen . Ds Elisi wußte nicht , sollte es auf den Mann los oder auf Vreneli und machte nach beiden Seiten hin seine kleberigen Fäustchen . Vreneli rief : » Sag noch einmal , ich lüge , wenn du darfst ! Es sind noch mehr Scheiter da ! « Die weiche Mutter lief nach Wasser und einem Lumpen , Trinette kickerte und sagte : So einen herrscheligen Mann , der meine , alle seien für ihn da , begehre es nicht . Joggeli schüttelte den Kopf , ging ins Stübli und las den Akkord wiederum . Sobald der Baumwollenhändler das Blut sich ausgewischt und recht wieder reden konnte , begehrte er auf über Vreneli , redete vom Verklagen und wie er es nicht tue , daß es hier auf dem Hofe bleibe , und Joggeli nickte mit dem Kopfe dazu . Vreneli aber stund ungesinnet vor ihm und hätte ihn gleich noch einmal in die Finger genommen , wenn die Mutter ihns nicht gehalten , aber seine Zunge konnte ihm niemand halten . » Verklag du nur , « rief es , » ich will dann mit den andern Jungfrauen kommen ; sie können auch sagen , was sie von dir er , fahren , vielleicht wissen die Knechte auch etwas . « » Beweise es , daß ich etwas mit dir gewollt oder mit den Jungfrauen . Ich kann beweisen , wie du mich geschlagen . « » Du Kuh ! Da ist einer nicht ein Esel und nimmt Zeugen mit , wenn er ein Mädchen verführen will . Aber es wäre böse , wenn ein Mädchen sich seiner Ehre nicht mehr wehren dürfte , so stark es mag , oder es hätte Zeugen , und wenn es einem den Grind ab , schlüge und nicht nur Zähne in den Hals ! « » Wir wollen sehen , was der Richter sagt « , rief der Baumwollenhändler . » Meinethalben kann er sagen , was er will , und wenn er ein Bock ist wie du und dir recht gibt , so mache ich es ihm wie dir . Wenn das Gesetz für die Hurenbuben und Diebe und Händler und Richter da ist , so schlägt man euch das Gesetz um dGringe , bis ihr gesetzlich zufriedengestellt seid . Ich bin nur ein Meitschi , aber es nimmt mich wunder , ob ich diesen Weg das Gesetz nicht noch viel kräftiger anwenden könnte als so ein abgejagtes Böcklein , wie du bist und mancher Andere . Hast du dich nicht still , so wollen wir sehen ! « Aber der Händler hatte sich nicht still , räsonierte fort und fort , jedoch ungefähr so , wie eine Kolonne , die sich zurück , ziehen will , um so hitziger feuert , um den Rückzug zu decken . Er sagte dem Elisi : In einem solchen Haus bleibe er nicht länger , wo er sei wie vogelfrei und ein jedes Rindvieh auf ihn schlagen dürfe und ein jedes ertaubete Mädchen ; dem wolle er es aber zeigen und ihm sagen , wie und mit wem er es angetroffen . Er machte einen Lärm mit seiner Unschuld , daß ds Elisi auch halb taub wurde , begriff , ds Vreneli hätte eigentlich seinen Mann verführen wollen , und eilenden Schrittes ging , diesem wüst zu sagen . Während es sich dort fast Schläge holte , ging er in den Stall , befahl anzuspannen und begegnete dabei dem Uli , der bereits von der andern Geschichte wußte , so puckt , daß der ihm sagte , wenn er sich nicht alsobald zum Stall aus mache , so werfe er ihn ins Bschüttiloch , a wolle ihm seine Hitz vertreiben . Derselbe begehrte auf und sagte Uli : Er solle nicht meinen , weil er eine unehliche , schlechte Dirne zöke , die etwas verwandt sei , so sei ihm alles erlaubt ; er sei der Knecht und sie ein schlecht Mensch und damit punktum . Da sagte Uli , er wisse ganz genau , welche das schlechter Mensch sei , ob ds Elisi oder Vreneli , und wenn er es hätte machen wollen wie er , so wäre Elisi nicht seine Frau geworden . Aber die Rechten seien aneinander gekommen , sie schickten sich zusammen wie Mist und Mistbähre . Er solle jetzt schweigen und gehen , sonst zeichne er ihn auch noch , obgleich es ihm zuwider sei , einen anzurühren , den ein Meitschi geprügelt . Der Baumwollenhändler wollte vielleicht Streit , aber Uli ließ sein Roß herausführen ; das trieb den Herrn aus dem Stall , und als er wieder hineinkam , war Uli nicht mehr da . Endlich reisten er und Elisi