einsam in der Nacht ihnen so ganz vertraue . Ich gehe den Weg , der mich ängstigt , um zu ihnen zu gelangen , ich komme zum dunklen Turm , da zittert mir das Herz , ich steig hinauf mit solcher Beklemmung - und auf der obersten Sprosse , wo ich mit der Hand mich aufstützen muß , um mich hinaufzuschwingen , da ist mir schon so leicht , - da leuchten mir alle Sterne entgegen , - und wen ich liebe , befehle ich ihrem Schutz , und Dich zuerst . - Wenn ich um Dich betrogen würde , dann wär ' s aus mit ihnen . - In den Schnee , der oben auf der Warte liegt , schreib ich Deinen Namen , daß sie Dich schützen sollen , das tun sie auch gewiß . - Dann setz ich mich auf die Brustwehr und verkehr mit ihnen lustig , nicht traurig . Du denkst wohl , ich wär da feierlich gestimmt ? Nein , sie necken mich . » Hast du das Herz , da auf der schmalen Mauer im Kreis herumzulaufen , vertraust uns , daß wir dich nicht herunterfallen lassen ? « - so fragen sie ; und denn ist ' s , als könnt ich sie mit der Hand greifen , so nah sind sie mir . Denn wenn ich auf ihren Wink das Leben in ihre Hut geb , das muß mich mit ihnen vertraut machen . Ich weiß wohl , was Menschen denken würden von mir , wenn die so was wüßten , ich sag Dir aber , es ist eine Saat , die sie mir ins Herz säen , das hält so still und ist so hingebend wie das Erdreich , und es sammelt seine Kräfte , diese Saat zu nähren . Meinst Du , ich würde je zagen vor dem Geschick , wenn ein guter Geist mich heißt vorwärts gehen ? - Gewiß nicht ! Die Sterne haben ' s in mich gesäet , dies Vertrauen in das Rechte , ins Große , was so oft unterbleibt aus Mangel an kühnem Mut . Das ist die Blume dieser Saat , die blüht hervor : und meiner Brust prägt sich ein , daß ich nicht mehr nach der Menschen Rat frag , oder auf ihre Meinung , ihren Willen mich berufe und mich so meiner inneren Stimme entziehe , die mir vielleicht befiehlt , was mich gefährdet , aber mir das Reine , Echte , Große , was auf kein Gerüste der Falschheit sich stützt , sondern rein aus der Brust mit Gottes Stimme einklingt , als heiligen Gegensatz aller menschlichen Vorsicht darstellt . Ein Inneres sagt mir : Wie du den Sternen zusagst , - so sage der innern Stimme auch zu , der nicht umsonst ein so dringender Laut eingeboren , die fühlbar macht das Unversöhnliche einer fremden Handlung mit diesem heiteren Umgang der Natur . Nie könnte ich etwas tun , wo nicht mein eigner Geist ja dazu sagte , und nie sollten mich Folgen kränken , schienen sie auch noch so herbe , wären sie diesem Vertrauen in die innere Stimme entsprungen . - Denn Erdenschicksal ! - Was ist Erdenschicksal ? - Erhaben kann der Menschengeist nie genug handlen ! - Alles kleinliche Denken und Treiben ist weit größeres Elend , vergeudet viel edleres Gut , als mir je könnt aus Schicksalstücke geraubt werden . Aber groß handlen heißt nichts als die reine Gewissensstimme mit der Harmonie der Geister , der Sterne , der Natur einklingen lassen ; klingt sie nicht ein mit ihr , so kann ich nimmermehr mich zu ihr wenden , nicht den Mond mehr zur Rede stellen , nicht die Sterne , nicht die Nebel , nicht die Finsternisse mehr durchwandlen und mit Geistern flüchtig durch Wies ' und Fluren schweifen wie mit bekannten und vertrauten Mächten ; ich hab kein lebendig Gefühl mehr zu ihr , zur Natur . Bescheint mich die Sonne , so ist ' s nicht , weil sie ihren Geist auf mich richtet und meinem Durst den Kelch der Wahrheit von ihren Strahlen erfüllt darbietet , und überschau ich wie heute die frisch gefallne Schneedecke über die Weite hingebreitet , so kann sie mich nur traurig anglänzen , die das Licht der Sterne so rein in ihren diamantnen Flächen spiegelt ; und in meinem Geist , der von Gott gebildet ist , sein Bild aufzunehmen , ist dann dies Licht erblindet . Was soll ' s , ob Jugend oder Alter mein Leben genannt werde , wenn die Natur ihre Sprache mir lehrt , die Geduld nicht mit ihrem Jünger verliert , wenn alles von Tag zu Tag feuriger mich begeistert bis zum letzten Tag ! Welcher von denen , die mir Jugend absprechen , wird so elektrisch aufblühen , auf welchem Herd werden so hohe Flammen lodern , und wo wird des Lebens Fülle in hohen Wellen dahin sich ergießen als in meinem Lebensstrom ? - Lasse sie doch , die was wissen von Jugend , lasse die kalte Welt , die dich berechnet , kleinlich nach Jahren sagen , Du seist alt oder jung , - wer der Natur vertraut , der läßt von ihr sich umschmelzen , sooft und wie sie will . » Willst du was , « sagen die Sterne , » komm zu uns . « - Das gelobe ich ihnen . - Wo sollt ich mich auch sonst noch hinwenden ? - Wo sollt ich suchen ? - Keines Menschen Arm ist so zärtlich umfassend als der Sterne Geist , er umfaßt mich und Dich , denn wenn ich mich sammle innerlich , so hab ich Dich im Sinn . Was ich mit ihnen spreche , das hör ich nicht , ich les es auch nicht , es ist ihr Geflimmer , das wirkt mir ' s ein , und mit meinem Zutrauen versteh ich ' s ; - und wer könnt mir meinen Glauben nehmen ? - Und wenn einer balsamtrunken ist und fühlt ' s in den Adern , wie könnt der zweifeln ? - Es ist auch nicht , daß sie mir treffende Wahrheiten mitteilen , oder daß ich was vernehm im Geist , was mir wie Weisheit dünkt . - Sie nicken nur meinen geheimen Wünschen Gewährung , - Du weißt wohl , was das ist . - Innerlich siegend wegfliegen über alles ; äußerlich nicht erkannt , nicht verstanden ; ja lieber verachtet als nur ahnen lassen , wie es ist . Diese göttliche Dreieinigkeit zwischen mir und Dir und den Sternen . - Wenn ich für Dich mit ihnen was vorhab - ich streck die Hände aus zu ihnen , sie wissen ' s. - Dein Brief hat heute einen Geisterring um mich gezogen , Du hast mich in einen tieferen Kreis eingelassen , das macht mich wehmütig und doch macht es mich eifersüchtig auch , ich empfind , daß Du mich hinter Dir läßt , wenn Du mit Deinen großen weiten Flügeln Dich aufschwingen wolltest . - Du hast recht in allem , was Du sagst . Das heißt , ich versteh Dich , - aber es drängt sich mir ein Gefühl auf , ein schmerzliches , das überwiegt alles Große , was Du mir über Dich sagst , allen heiligen Rat , den Du mir über mich gibst . - Der Freund , der weit über Land reisen wollt , würde so sprechen zum Abschied ! Es ist nicht wie Deine früheren Briefe , die mitten drin sind im Spiel meiner Gedanken , Du stehst auf der Höhe , übersiehst alles , befiehlst mir alles an , als wolltest Du von mir scheiden . Du sagst zwar , was ich von Dir schreibe , habe Dich gerührt , darum seist Du mir näher gerückt , und es ist auch eine tiefe Harmonie in dem , was Du von Dir sagst , mit meinem Gefühl von Dir , aber mich macht ' s traurig , daß Du willst , ich soll dem Clemens mehr schreiben , ich soll Dir heilige Versprechungen geben meiner Natur treu zu bleiben , und am meisten tut mir ' s weh , daß Du so deutlich die Verschiedenheit unserer Geisteswege bezeichnest und Dir den angestrengten dornenvollen aneignest , von mir aber sagst , ich dürfe mich nicht bemühen , ich sei in dem Land von Milch und Honig . Soll ich nicht mit Dir sein , soll meine Milch und Honig , meine Früchte nicht Dir darbringen , für wen fließt dann diese Milch und Honig ? - Ach , wenn nur diese Dreieinigkeit fortbesteht zwischen Dir und mir und dem Geist , der dem einen und dem andern mitteilt für beide , so bin ich befriedigt für immer , und mag mir geschehen was da will , nur das Schicksal soll sich mir nicht aufdrängen , was diese Dreiheit scheidet . - Mit Deinem Brief ging ich auf die Warte . - Zu wem soll ich gehen , mit wem soll ich sprechen von Dir ? - Mit welcher Sehnsucht ging ich hinauf , und die Sterne ! - Wie verwirrte mich da oben ihr Drängen um mich her , immer höher und höher hinauf unzählige , und alle winkten , soweit mein Auge reicht , und so ist ' s mit jedem Tag mehr , daß ich mich an sie wenden muß , und was Traum war , muß mit der Wirklichkeit vermählt werden , wenn ich mir durchhelfen soll . So ist ' s , wenn der Keim durchbricht , da genügt nicht mehr Wasser und Luft und Erde , da ist kein Wahrscheinliches mehr , kein Unwahrscheinliches , da ist kein Rat , kein Beweistum mehr gültig . - Glaube ist Aberglaube , - aber Geist ist Glaube . - Da könnte einer fragen , was mein Vertrauen in die Sterne ist , wenn nicht Glaube , und also Aberglaube ? Zwischen den Sternen und mir ist nur der Geist , ich fühl ' s , alle sind Spiegel des Geistes , der aus meiner Brust steigt , sie fangen ihn auf und strahlen ihn zurück ; was Du denkst , das einzig ist die Wahrheit , sagen sie , klemme nicht Deine Flügel ein , fliege so hoch und so weit Dich deine Flügel tragen , ihre Kraft zu proben ist nicht Sünde ; wie der Kolumbus dahinfuhr auf uferlosem Meer , so fürchte Du nicht die Ufer aus dem Aug zu verlieren , an denen Menschenwitz gelandet und furchtsam sich dran festklammert ; nicht umsonst ist Gott überall , so darf der Menschengeist auch überall sein ; denn er trifft mit Gott zusammen in der ungangbaren Wüste ; das Umherschweifen nach einer neuen Welt , die Deine Ahnung Dir weissagt , ist nicht Sünde , denn der Geist ist geschaffen , der Welten unzählige zu entdecken , und diese Welten sind , und sind das Leben des Geistes , ohne diese würde er nicht leben , denn des Geistes Leben ist Welten zu entdecken , und der Welten Leben ist im Geist aufzusteigen . Denn alle sind im Geist geboren , die wollen zu Schiff und fort , um neue Welten zu entdecken . Aber die Menschenfurcht ist so groß vor dem Geist , daß sie den Hafen sperrt , und duldet nicht , daß er die Segel ausspanne , sondern alle rufen : » Steiniget ihn , steiniget ihn , denn seht , er will den Hafen verlassen , in dem wir gelandet sind « , und so steinigen sie ihn und töten ihn , eh sie zugeben , daß er den Hafen verlasse , damit nie Gottes Weisheit den Menschenwitz auf freiem Meer geleite ; denn sie wollen der neuen Welten keine zugeben , aber gewiß : so unendlich der Sterne Zahl , so unendlich auch die Welten , die der Geist noch zu entdecken hat ; und wie aller Sterne Licht zu uns aus weiter Ferne niederstrahlt , so strahlt aller Welten Geist herab in den Menschengeist , und dies Licht ist der Keim , der aufgeht im Geist , daß er die Welten des Geistes entdecke . - Und wie alle Wahrheit Fabel ist , das heißt Gottesverheißung in der körperlosen Geistigkeit der Idee , und wie alle Geschichte Symbolik ist , das heißt Gottessprache mit dem Menschengeist , um ihn auf die Wahrheit steuern zu lehren , so ist denn auch die Geschichte des Kolumbus ein göttlich Bereden und Berufen des Menschengeistes , seine Segel aufzuspannen und kühn auf jene Welt loszusteuern , die er , sich selber weissagend , sehnsüchtig erreichen möchte ; - und die Fabel dieser wahrgewordnen Ahnung ist die Verheißung , daß auch der Menschengeist glücklich landen werde , wenn er seinem Mut vertraut , denn wie wollten wir den Mut wecken und erziehen in uns , vertrauten wir nicht der eingebornen Kraft - dem Genius . Was Tugend ist , hat keine Grenze , es umspannt die Himmel , wir können ihm kein Ziel setzen : so können wir dem Geist kein Ziel setzen , er ist göttliche Kraft , und dieser vertrauen , das ist der Geisteskeim , der ins Leben tritt . Was aber der Mut erwirbt , das ist immer Wahrheit , was den Geist verzagen macht , das ist Lüge . - Verzagtheit im Geist ist gespensterhaft und macht Furcht . - Selbstdenken ist der höchste Mut . - Die meisten Menschen denken nicht selbst ; das heißt , sie lassen sich nicht von der Fabel des göttlichen Geistes belehren , die alle Wirklichkeit durchleuchtet und zur Hieroglyphik sie bildet , durch deren weisheitbewahrende Rätsel der Mensch hinauftreibt zur Blüte und sich zeitigt in ihr , daß er vermöge , neue Welten organisch zu durchdringen und so sich selber ewig und ewig bis zur Gottheit zu erziehen . - Aber im engen Hafen eingeklemmt , aus Furcht vor dem Scheitern , da wird er die Gottheit auf hohem Meer nicht erkennen . Und ist doch alle Geschichte Symbolik , das heißt Lehre Gottes , und wenn das nicht wär , so würde den Menschen nichts widerfahren . Wer wagt , selbst zu denken , der wird auch selbst handeln , und wer nicht selbst denkt , nicht aufs freie uferlose Meer steuert mit seinem Geist , der wird die Gottheit nicht selbst erreichen , nicht selbst handeln , denn sich nach andern richten , das ist nicht handeln , handeln ist Selbstsein , und das ist : in Gott leben . - So hab ich heute gedacht auf der Warte , weil mich Dein Brief ergriffen hat ; ein Zorn ist in mir aufgelodert , der mir diese Gedanken zurief , es ist ein Fordern an Dich , Du sollst Dir und mir treu sein , da ein Geist sich mit uns beiden eingeschifft hat , so verlaß seine Flagge nicht , der Eid , den Du geschworen , heißt : freudiger Mut , da Geist in ihm nimmer verloren gehen kann und außer ihm aber erstirbt . - Nun versteh mich da heraus . - Der Traum leuchtet zu stark in mich hinein , als daß ich nicht etwas verwirrt sollte reden müssen . - Ich kehre zurück in tieferen Schlaf ; - wo ich ' s nicht mehr fasse wie eben , was in mir webt und will . - Wie wär das Wunderbare möglich ? - Ja wohl ! Wie wär der Geist möglich in der Menschenbrust , ohne alle Sterne ? - Sie alle leiten ihr Licht in ihn , sie alle sind seine Erzeuger , sie alle richten sich nach ihm , der in der Brust wie in der Wiege liegt , und sind Hüter seines Schlafs ; so er erwacht , so nährt er sich von ihrem Geist , schlafend saugt er ihr Licht . Und siehst Du , ich spanne die Segel auf und fahr vorwärts und sprenge die Ketten , die den Hafen sperren , denn mein Wille ist , dem Gott auf offnem Meere zu begegnen , und dieser Wille ist rein und frei von Sünde , so ist er die Wahrheit und kann nicht trügen und wird Gott finden . - Mein Geist wacht noch nicht , er schläft aber doch unter ganz leiser Schlummerdecke , wie ein Kind mit süßem Bewußtsein schläft in der Sonne und fühlt ihren Schein . Donnerstag Ich muß Dir alles sagen ; alles was mit luftiger Eile sich mir durch den Kopf schwingt . - Ist mir ' s doch , als fahren wir auf Wolken dahin , und meine Worte verhallen in der Weite , aber ich muß Dir rufen - wie ich Dich dahinschwimmen seh am Himmelsozean , als hätten Dich die Winde aufgerafft - und mich auch , und als flög Dein Wolkenpferd weit vor mir ; - meine Stimme flattert an Dich heran : Du hörst doch ? - So hell der Mond auch scheint im unendlichen Blau der Nacht , das Dich dahinnimmt ? - Es gibt nichts wie die Liebe ! - Doch weißt Du wohl ! - Menschen unterscheiden zwischen Lieb und Freundschaft und zwischen besonderer Treue für diesen oder jenen , aber nicht ich und Du ? - Was spricht mich an ? - Das sag mir doch ? - Vielleicht der Dämon - der findet mich hier auf der einsamen Warte und spricht mit mir von Dir - und lehrt mich beten für Dich . Dich denken , wie Dein Geist sich höher und höher entfaltet , das ist beten . - Und warum wüßt ich von Dir , wie Du bist , nach was Du dürstest , warum vernehm ich Dich so tief und fühlte Dein Sein ? - Lieb will ich das nicht nennen - wenn ' s nicht ist , daß ich vor Gott Dich aussprechen lerne ? - Denn alles Sein ist Geist Gottes , und Geist will sich aussprechen , sich in den Geist übertragen , und die Sprache ist der Widerhall , das Gedächtnis des Seins . Ich spreche Dich aus vor Gott , so ist mein Gebet rein vor Gott , so hat es mich Dein Genius heute gelehrt oben auf der Warte , - und hab ruhig , wie Du bist , mit den Sternen überlegt ; und dann hab ich Deinen Namen eingezeichnet in den Schnee ; und dann den Namen des Königs der Juden , der kindlich zu Gott ruft : Vater ! hab ich Dir als Wächter hinzugeschrieben und dies Zeichen von Dir im kalten Schnee ; da ist Dein Geist frei von bösem Wahn , da oben in reiner kalter Luft , die Dich anweht . Und der Geist Gottes über Dir , und der menschgewordene Geist der Liebe Dich umschwebend - daß Du sein mußt - und nicht Dich aufgeben wollend auf dieser leuchtenden Bahn . - Ja , so muß es sein , denn Du bist ein Schoßkind Gottes , denn wenn ich in der kalten Nacht hinaufseh , dann seh ich Dich sanft hinaufschreiten , als sei es Dein gewohnter Weg , und gehest ein und vorwärts , aber Dein Geist verzweifelt nicht . - Leb doch wohl , jetzt bin ich wieder still - und fürchte nichts für Dich - eins will ich Dir sagen von meinen Briefen , ich lese sie nicht wieder - ich muß sie dahinflattern lassen wie Töne , die der Wind mitnimmt , ich schreib sie hin , versteh ' s , wie Du willst , sie sind ein tiefes Zeichen , wie mein Geist durch den Deinen schreitet und von ihm wieder durchdrungen wird , und sonst ist ' s nichts . - Und wenn es kein Geist ist , was ich damit mein , so ist ' s Ton - Geschrei meines Herzens nach Dir hin , es verhallt oder es dringt bis zu Dir , - da denkst Du , das ist der Bettine ihre Stimme , das ruft Dich auf , daß Du im Geist meiner wahrnehmest , wie kann ich anders mit Dir reden , was kann ich Dir zurufen ? - Was versteht sich zwischen uns , als nur allein die Modulation des Gefühls , das andre wissen wir ja alle schon . - Bettine An die Bettine Du wirst mir doch nicht übel deuten , daß ich mich ein wenig vor Dir fürchte ? - Und machst mir auch Furcht vor mir selber ! - und dann fürchte ich auch für Dich , nimm Dich um Gotteswillen in acht , daß Du nicht fällst . Deine Turmbegeistrungen erfreuen mich , aber ich will gewiß sein , daß Du keiner Gefahr ausgesetzt bist , sonst machst Du mich krank , schreib mir gleich , daß Du nicht mehr auf der Mauer herumlaufen willst , sonst kann und will ich nichts mehr von da oben hören , mir war ' s wohltätig , Deine Stimme von da oben herab , so frei und leicht wie Wolken jagen , zu vernehmen , aber wollt ich doch , der Turm fiel eines Morgens ein , lieber als daß du am End in der Nacht selbst herunterfällst . - Ich weiß nicht , bist Du das Spiel böser Dämonen ? - Oder sichern Dich die Guten , so gib ihnen wenigstens nicht so viel zu tun , die bis zu mir dringen , ich soll Dich mahnen , nicht zu freveln . Liegt darin nicht schon der Beweis , daß sie Dich nicht schützen können ? - Nehme ich Deine Weissagungen in mich auf und ergrüble das Tonspiel Deines Geistes , in das der Zufall so oft eingreift wie der Wind , der alle Töne auseinandersprengt , und sammle gern , was Du zerstreuest in die Lüfte : so folg mir doch auch - und ich bitte Dich darum , sonst kann ich nicht ruhig denken an Dich ; - aber wenn Du es nicht lassen willst , oder wie Du meinst , daß Du es nicht lassen kannst , dann schweig lieber ganz , oder wie soll ich ' s machen , daß ich die Furcht überwinde , Du möchtest elend und unwillkürlich da hinab ins Grab stürzen . Du hast eine Bangigkeit um mich , als läge mir was Trauriges im Sinn ; das solltest Du ja nicht - es war im Gegenteil ein ganz freier Augenblick , wo alle störenden oder zerstreuenden Bilder erblaßt waren , wo ich mit hellen Sinnen mein Inneres vor Dir aufschloß . - Warum ich Dich mahnte , an den Clemens zu schreiben , das will ich Dir hier offenbaren . Du sagst , Du liebst den Clemens , der Idee nach kann ich ihm auch herzlich gut sein , allein sein wirkliches Leben scheint mir so entfernt von demjenigen , das ich ihm dieser Idee nach zumute , daß es mir immer ein wahres Ärgernis ist , deswegen kann ich auch nie eine feste Ansicht über ihn haben , - aber in Deiner Liebe zu ihm fasse ich auch wieder Glauben zu ihm und habe eine Art Zutrauen zu einem inneren Kern in ihm , der nur durch allerlei Unarten verborgen und zurückgehalten ist , wie wenn ein gesunder und reiner Born sich teilweise im Schlamm und Sand versickert ; nun mein ich , Dein Schreiben an ihn räumt diese trübenden und schmälernden Hindernisse wohl hinweg , da Du so grade an sein Herz gehest , wo ich vielleicht zu ungeschickt bin , durchzufinden . Es ist nur der Wille , mich selbst besser zu ihm zu stellen , und alles , was sich immer durch seine Briefe aufs neue zwischen uns drängte , zu überwinden , warum ich wünsche , daß Du ihn nicht versäumst ; dann ist es auch mein Gewissen , was mich auffordert , daß Dich ihm nichts entfremde , denn wenn ich ihn je als treu und aufrichtig fassen kann , so ist ' s Dir gegenüber ; um so mehr muß ihm dies erhalten bleiben , es ist die Quelle , aus der er verklärt aus dem Bad steigt . Hier hast Du seinen Brief an mich , was er von Dir sagt , ist so aufrichtig natürlich innig ; aber das andre ist um so wunderlicher , daß es mir ganz seltsam vorkam . Ich bestrebe mich immer , wenn ich an ihn schreibe , sehr faßlich zu sein und ganz wahr , allein es ist , als müsse grade dies dazu dienen , die verkehrtesten Ansichten bei ihm über mich hervorzubringen , es war mir , als ich den Brief gelesen hatte , und ist mir noch so , als ob er gar nicht für mich geschrieben sei . - Aber wenn ich ihm das schreibe , so muß ich schon gewärtigen , daß er es für eine künstliche Anstalt halte , obschon ich ihm versichere , daß es ganz von selbst so gekommen , denn er kann sich wohl unmöglich denken , daß sein tieferes Eingehen auf meine Natur , wo er mich lobt , und wo er mich tadelt , mir ganz fremd erscheine . - Ich verstehe nur den Augenblick , in dem er mir geschrieben hat ; - ich bin überhaupt nie weiter gekommen , als seine Augenblicke ein wenig zu verstehen , von dieser Augenblicke Zusammenhang und Grundton weiß ich gar nichts . Es kömmt mir oft vor , als hätte er viele Seelen , wenn ich nun anfange , einer dieser Seelen gut zu sein , so geht sie fort , und eine andre tritt an ihre Stelle , die ich nicht kenne , und die ich überrascht anstarre , und die statt jener befreundeten mich nicht zum besten behandelt , ich möchte wohl diese Seelen zu zergliedern und zu ordnen suchen . Aber ich mag nicht einmal an alle seine Seelen denken , denn eine davon hat mein Zutrauen , das nur ein furchtsames Kind ist , auf die Straße gestoßen ; das Kind ist nun noch viel blöder geworden und wird nicht wieder umkehren , darum kann ich ihm auch nicht eigentlich von mir schreiben ; sein Brief an Dich , über Wahrheit , hat mir viel Freude gemacht , und zugleich seh ich hell , was mir vorher nur dunkel und schwankend war , ich kann ihn viel besser durch Dich verstehen und ihm gerecht sein , und auch liebend , wie er es zu bedürfen scheint . Das alles macht mich wünschen , daß , was ich ihm liebend antun kann , durch Dich befördert werde , sprich ihm von mir , wie ich ihm recht natürlich vorkommen muß , daß es sich gut zwischen uns gestalte , denn durch unmittelbare Berührung kann nichts werden . Savigny hat mir selbst geschrieben , tue mir doch den Gefallen und schicke mir gelegentlich die Übersetzungen ins Französische , von denen er mir gesagt und sie mir auch versprochen hat . - Und nun möcht ich wohl diesen Raum an Papier hier mit etwas ausfüllen , was Du nicht erwartest , weil es etwas Altes und oft Wiederholtes ist ; aber doch liegt es mir auf der Zunge und auch immer im Geist , wenn ich Deine Briefe lese , mit denen mir ' s freilich ganz anders geht wie mit denen von Clemens , wo ich nur nachsinne und überlege , während ich bei den Deinen nur empfinde und zwar so wohltätig , als käme mir ein Luftstrom aus dem gelobten Land . Um so mehr wird Dich befremden , wenn ich frage , aber was wird bei Deinem zwischen Himmel und Erde Schweben , aus der Musik , aus dem Generalbaß , aus der Komposition ? - Ist es nicht dumm , daß ich so frage ? - Aber bedenk , wieviel Genuß es Dir schon in Offenbach gewährte , was Du Dir selber und dem , was Dir lieb war , schon zu Gefallen tun konntest , wie wohltätig wirkte es auf Dein Aufbrausen , wie oft beschwichtigtest Du es damit , wie schön versöhntest Du oft Deine Stimmungen in dem Unerreichbaren durch Dein Singen , - und was hast Du mir alles selbst beglaubigt , wie tief Musik in Dich eingreife ; sollte nun auf einmal dies alles verschwunden sein ? Oder hast Du nur versäumt , mir drüber zu schreiben ? - Lebe wohl , Liebe , und ermüde doch nicht mir zu schreiben . Caroline Deine Kolumbusansicht erfreut mich ungemein und macht mich ganz scharfsinnig , - schicke dem Clemens Deine rhythmische Vision , es macht ihm vielleicht Freude , ich empfinde darin mehr lebendige als gemalte Flamme , schon fließt die Abendschilderung und das Ganze aus lebendiger Erinnerung , die prophetischer Sang dem Untergang der Welt ist und dem neu erblühenden tausendjährigen Reich erwartet . Prophezeit doch Apoll auch aus der Vermählung der Poesie und Philosophie . Ich erinnere mich noch des seligen Übermuts in dem Liede von Arnim : Wie der trunkne Pag in warmen Nächten in geheimnisvoller Liebe Mantel wohl verkappt der Herrin Lager suchend , taumelnd in die Höhle war geraten , wo die Löwin ihre Jungen säugte . An die Günderode Hab ich Dir denn nicht vom Koch erzählt , der mich wöchentlich zweimal kreuzigt mit dem Generalbaßunterricht ? - und daß er mir alles korrigiert , was ich komponiere ? - Er schneidet mir alles zurecht , bis nicht ein Ton mehr , nicht ein Taktteil am alten Fleck sitzt , und wenn er ' s so weit verputzt hat , daß es sich ausnimmt wie ein geschorner Blumenstrauß , so hängt er ihm noch Manschetten an aus seiner eignen Garderobe . Arnims irdische Lieder werden da heilige Märtyrer unter meinem Musikstudium , und ihre Seligkeit kann ich weder durch Vor- noch Nachspiel ausdrücken und tröste mich damit , daß Seligkeit etwas ist , was nie eines Menschen Ohr gehört hat . - Aber mit meiner Musik geht es im ganzen schlecht , das leugne ich Dir nicht , das ist aber nicht far niente