diese Wohltat der Natur . Wie unglücklich wäret Ihr , wenn Ihr auch im Schlummer , der Eure Kräfte für das schwere Unglück stärken soll , Euren Verlust noch fühltet , auch da noch so düster darüber gebrütet hättet . Ihr seid finster und verschlossen eingeschlummert , jetzt sind Eure Züge freundlicher und milder , verdanken wir dies nicht auch Eurem Traum ? « » So hätte ich mögen nie erwachen ; oh , daß ich Jahrhunderte fortgeträumt hätte , und dann erwacht wäre ; es war so schön , so tröstlich was ich träumte ! « Er stützte die Stirne in die Hand und schien schmerzlich bewegt . Der alte Herr von Lichtenstein war von den Stimmen der Sprechenden erweckt worden ; er kannte Ulerich und wußte , daß man ihn nicht über seinen schmerzlichen Verlust brüten lassen dürfe ; er rückte ihm daher näher und sprach : » Nun , und wollt Ihr uns nicht auch sagen , was Ihr geträumt habt ? vielleicht liegt auch für uns ein Trost darin , denn wisset , ich glaube an Träume , wenn sie in einer wichtigen , verhängnisvollen Stunde in unsere Seele einziehen , und ich glaube sie kommen von oben , um uns zu trösten . « Der Herzog schwieg noch eine Weile , er schien über die Worte des Ritters nachzusinnen ; dann fing er an zu erzählen : » Mein Schwager , Wilhelm von Bayern , hat mir heute zur Probe seiner Freundschaft die Burg meiner Ahnen niedergebrannt . Dort hausten seit undenklichen Zeiten die Württemberger und das Land , das wir besitzen , trägt von diesem Schloß den Namen . Es scheint als habe er damit uns eine Todesfackel anzünden , und mit diesen Flammen unser Wappen und Gedächtnis , und selbst den Namen Württemberg vertilgen wollen . Und fast könnte er recht haben ; denn mein einziges Söhnlein , Christoph , ist in fernen Landen , mein Bruder Georg , hat noch keine Kinder , und ich - - bin geschlagen , verjagt , sie haben wiederum mein Land besetzt , und wo ist Hoffnung , daß ich es wieder einmal erlange ? ! - - Wie ich nun so ganz verlassen und elend hier am Feuer saß , wie ich nachdachte über mein kurzes Glück , und wie ich vielleicht mein Unglück selbst verschuldet habe ; wie ich bedachte auf welch schwachen Stützen meine Hoffnung beruhe , und wie selbst der Name Württemberg auslöschen könne , gleich den letzten Funken in der Asche meiner Stammburg , da übermannte mich der Jammer , und bitterer als je fühlte ich die Schläge meines Schicksals . Unter diesen Gedanken entschlief ich . Doch wie im Wachen meine Seele mit Sehnsucht und Trauer auf den Höhen des Rotenberges , und um die rauchenden Trümmer von Württemberg schwebte , so erging sich mein Geist auch im Traume dort . « Ulerich hielt inne ; es war als fülle ein Bild seine Seele , das zu schön , zu groß sei , um es mit sterblichen Lippen zu beschreiben ; ein milder Friede lag auf den Zügen des unglücklichsten Fürsten , und ein wunderbarer Glanz drang aus seinen aufwärts gerichteten Augen . Die Männer umher blickten ihn staunend an ; sie hingen an seinen Lippen und lauschten auf seine Rede , die ihnen so Wichtiges zu verkünden schien . » Höret weiter « , fuhr er fort ; » ich sah herab auf das schöne Neckartal . Der Fluß zog wie sonst in schönen blauen Bogen hin , aber das Tal und die Berge schienen mir lieblicher , glänzender , die Wälder auf den Höhen waren verschwunden , die Wiesen waren nicht mehr , sondern von Berg zu Berg zog sich ein großer Garten voll grüner Reben , und im Tal sah man Obstbäume und schöne blühende Gärten ohne Zahl . Ich stand entzückt und schaute und schaute immer wieder hin , denn die Sonne erschien freundlicher , der Himmel blauer und reiner , das Grün der Reben und Bäume glänzender als jetzt . Und als ich mein trunkenes Auge erhob und hinüberschaute über den Neckar , da gewahrte ich auf einem Hügel am Fluß ein freundliches Schloß , das im Glanz der Morgensonne sich spiegelte ; es lag so friedlich da , daß sein Anblick meiner Seele wohltat , denn keine Gräben und hohe Mauern , keine Türme und Zinnen , kein Fallgatter , keine Zugbrücke erinnerte an den Zwist der Völker , und an das unsichere , wechselnde Geschick der Sterblichen . Und als ich verwundert über den tiefen Frieden des Tales und jenes unbewachten Schlosses mich umsah , waren auch die Mauern meiner Burg verschwunden ; doch hier wenigstens log mir der Traum nicht , denn ich sah ja gestern die Zinnen stürzen und den Wartturm sinken , von welchem sonst mein Panier in den Lüften wehte . Kein Stein von Württemberg war mehr zu sehen , aber ein Tempel stand dort mit Säulen und Kuppel , wie man sie in Rom und Griechenland findet . Ich dachte nach , wie dies alles auf einmal so habe kommen können , da gewahrte ich Männer in fremder Kleidung , die nicht weit von mir standen und auf das Land hinabschauten . Der eine dieser Männer zog vor den übrigen meine Aufmerksamkeit auf sich ; er hatte einen schönen Knaben an der Hand , dem er das Tal zu seinen Füßen , und die Berge umher , und den Fluß und die Städte und Dörfer in der Nähe und Ferne , zeigte . Ich betrachtete den Mann , er trug die Züge meines Bruders Georg45 , und es war mir als müsse er zum Stamm meiner Ahnen gehören und ein Württemberg sein ; er stieg mit dem Knaben den Berg hinab ins Tal , und die andern Männer folgten ihm in ehrerbietiger Entfernung ; den letzten hielt ich auf und fragte ihn : wer jener gewesen sei , der dem Knaben das Land gezeigt habe ? Das war der König , sagte er , und stieg den Berg hinab . « Der Herzog schwieg und sah die Ritter forschend an , als wollte er ihre Meinung hören ; sie schwiegen lange , endlich nahm der Ritter von Lichtenstein das Wort und sprach : » Ich bin fünfundsechzig Jahre alt , und habe vieles gesehen und gehört auf Erden , und manches , worüber der menschliche Geist erstaunte , und wo ein frommer Sinn den Finger der Gottheit sah . Glaubet mir , auch die Träume kommen von Gott , denn nichts geschieht auf Erden ohne Ursache . Es hat in alten Zeiten Seher und Propheten gegeben , warum sollte nicht auch in unseren Tagen der Herr seiner Heiligen einen herabsenden , daß er einem Unglücklichen im Traume die dunkeln Pforten der Zukunft öffnen , und ihn einen Blick in künftige , schönere Tage tun lasse ? Drum seid getrosten Mutes , Herr ! Eure Feste hat der Feind verbrannt , Ihr habt an einem Tage ein Herzogtum verloren , aber dennoch wird Euer Name nicht verlöschen , und Euer Gedächtnis wird nicht verloren sein in Württemberg . « » Ein König - « sprach der Herzog sinnend , » ist es nicht vermessen , jetzt wo ich hinaus muß ins Elend , jetzt an einen König meines Stammes zu denken ? Kann nicht auch die Hölle solche Träume vorspiegeln um uns nachher desto bitterer zu täuschen ? « » Was zweifelt Ihr an der Zukunft ? « sagte Schweinsberg lächelnd . » Hätte einer Eurer ritterlichen Ahnen , die auf Württemberg hausten , hätte einer wissen können , daß seine Enkel Herzoge sein , daß das weite , schöne Land ihren Namen Württemberg tragen werde ? Nehmet Euren Traum als den Wink des Schicksals hin , daß Euer Name in ferner , ferner Zeit auf diesem Lande bleiben , daß die spätern Fürsten Württembergs die Züge Eures Stammes tragen werden . « » Wohlan , so will ich hoffen « , erwiderte Ulerich von Württemberg ; » will hoffen , daß Uns das Land verbleibe , wie dunkel auch jetzt Unsere Lose seien . Mögen Unsere Enkel nie so harte Zeiten sehen wie Wir ; möge man auch von ihnen sagen , sie sind - furchtlos ! « » Und treu ! « sprach der Bauer mit Nachdruck , und stand auf . » Doch es ist Zeit , Herr Herzog , daß Ihr aufbrechet . Das Morgenrot ist nicht mehr fern , und über den Neckar wenigstens müssen wir kommen , solange es noch dunkel ist . « Sie standen auf und waffneten sich ; die Pferde wurden herbeigeführt , sie saßen auf , und der Pfeifer ging voran den Weg aus der Schlucht zu zeigen . Die Reise des Herzogs zum Land hinaus war mit großer Gefahr verbunden , denn der Bund suchte seiner mit aller Mühe habhaft zu werden . Um auf einen Weg zu gelangen , wo er sicher seinen Feinden entgehen könnte , war der Herzog genötigt , noch einmal über den Neckar zu gehen . Dieser Übergang war nicht ohne Gefahr ; ein starker Gewitterregen hatte den Fluß angeschwellt , so daß es nicht möglich schien , ihn mit den Pferden zu durchschwimmen ; die Brücken aber waren zum größten Teil von dem Bunde besetzt worden ; doch auch hier wußte Hanns guten Rat , denn er hatte durch treue Leute ausgespäht , daß die Brücke von Köngen noch frei sei ; man hatte sich wohl nicht die Mühe genommen , sie zu besetzen , weil sie Eßlingen und dem feindlichen Lager allzu nahe war , als daß man hätte glauben können , der Herzog werde dort vorüberkommen . Dieser Weg schien wegen seiner großen Gefahr , die meiste Sicherheit zu gewähren ; ihn wählte Ulerich , und so zogen sie stille und vorsichtig dem Neckar zu . Als sie aus dem Wald ins Feld herauskamen , säumte schon das Morgenrot den Horizont . Sie ritten jetzt auf besserem Wege schärfer zu , und bald sahen sie den Neckar schimmern , und die hochgewölbte Brücke lag nicht ferne mehr von ihnen . In diesem Augenblick sah sich Georg um , und gewahrte eine bedeutende Anzahl Reiter , die von der Seite her , hinter ihnen , zogen ; er machte seine Begleiter darauf aufmerksam ; sie sahen sich besorgt um und musterten den Zug , der wohl fünfundzwanzig Pferde betragen mochte . Es schien bündische Reiterei zu sein , denn des Herzogs Völker waren gesprengt , und zogen nicht mehr in so geordneten Scharen wie diese . Noch zogen jene ruhig ihren Weg , und schienen die kleine Gesellschaft nicht zu bemerken , aber dennoch schien es ratsam , die Brücke zu gewinnen , wo sich drei Wege schieden , ehe man von ihnen angerufen und befragt würde . Der Pfeifer lief voran so schnell er konnte , der Herzog und die Ritter folgten ihm in gestrecktem Trab , und je weiter sie sich von den Bündischen entfernten , desto leichter wurde ihnen ums Herz , denn alle bangten nicht für ihr eigenes Leben , wohl aber für die Freiheit Ulerichs . Sie hatten die Brücke erreicht , sie zogen hinauf , aber in demselben Augenblick , wo sie oben auf der Mitte der hohen Wölbung angekommen waren , sprangen zwölf Männer mit Spießen , Schwertern und Büchsen bewaffnet , hinter der Brücke hervor und besetzten den Ausgang ; der Herzog sah , daß er entdeckt war , und winkte seinen Begleitern rückwärts ; Lichtenstein und Schweinsberg , die letzten , wandten ihre Rosse , aber schon war es zu spät , denn die bündischen Reiter , die ihnen im Rücken nachgezogen waren , hatten sich in Galopp gesetzt , und den Eingang der Brücke in diesem Augenblick erreicht und besetzt . Noch war es zu dunkel , als daß man den Feind genau hätte unterscheiden können , doch nur zu bald zeigten sich seine feindlichen Absichten . » Ergebt Euch , Herzog von Württemberg « , rief eine Stimme , die den Rittern nicht unbekannt schien ; » Ihr sehet , es ist kein Ausweg da zur Flucht ! « » Wer bist du , daß Württemberg sich dir ergeben soll ? « antwortete Ulerich mit grimmigem Lachen , indem er sein Schwert zog ; » du sitzt ja nicht einmal zu Roß ; bist du ein Ritter ? « » Ich bin der Doktor Calmus « , entgegnete jener , » und bin bereit , die vielen Liebesdienste zu vergelten , die Ihr mir erwiesen habt . Ein Ritter bin ich , denn Ihr habt mich ja zum Ritter vom Esel gemacht ; aber ich will Euch dafür zum Ritter ohne Roß machen . Abgestiegen , sag ich , im Namen des durchlauchtigsten Bundes . « » Gib Raum , Hanns « , flüsterte der Herzog mit unterdrückter Stimme dem Spielmann zu , der mit gehobener Axt zwischen ihm und dem Doktor stand , » geh , tritt auf die Seite ; ihr Freunde schließt euch an , wir wollen plötzlich auf sie einfallen , vielleicht gelingt es durchzubrechen ! « Doch nur Georg vernahm diesen Befehl des Herzogs , denn die andern Ritter hielten wohl zehn Schritte hinter ihnen den Eingang besetzt , und waren schon mit den bündischen Reitern im Gefecht , die umsonst dieses ritterliche Paar zu durchbrechen , und zu dem Herzog durchzudringen versuchten . Georg schloß sich an Ulerich an , und wollte mit ihm auf den Doktor und die Knechte einsprengen , aber diesem war das Flüstern des Herzogs nicht entgangen . » Drauf ihr Männer , der im grünen Mantel ist ' s ; lebendig oder tot ! « rief er , drang mit seinen Knechten vor und griff zuerst an . Sein langer Arm führte einen fünf Ellen langen Spieß ; er zückte ihn nach Ulerich , und es wäre vielleicht um ihn geschehen gewesen , da er ihn in der Dunkelheit nicht gleich bemerkte , doch Hanns kam ihm zuvor , und indem der berühmte Doktor Kahlmäuser nach der Brust seines Herrn stieß , war ihm die Axt des Pfeifers tief in die Stirne gedrungen ; er fiel , so lang er war , mit Gebrüll auf die Knechte zurück . Sie stutzten , der Bauersmann schien ein schrecklicher Kämpfer , denn seine Axt schwirrte immer noch in den Lüften , er bewegte sie wie eine Feder hin und her ; sie zogen sich sogar einige Schritte zurück . Diesen Augenblick benützte Georg , riß dem Herzog den grünen Mantel ab , hing ihn sich selbst um , und flüsterte ihm zu , sein Pferd zu spornen , und sich über die Brüstung der Brücke hinabzustürzen . Der Herzog warf einen Blick auf die hochgehenden Wellen des Neckars und hinauf zum Himmel ; es schien keine andere Rettung möglich , und er wollte lieber auf Leben und Tod den Sprung wagen , als seinen Feinden in die Hände fallen ; doch der Anblick , der sich ihm in diesem schrecklichen Moment darbot , zog ihn noch einmal zurück . Die Knechte hatten die Speere vorgestreckt und drangen vor ; der Pfeifer stand noch immer , obgleich aus mehreren Wunden blutend , und schlug mit der Axt ihre Speere nieder . Seine Augen blitzten , seine kühnen Züge trugen den Ausdruck von freudiger Begeisterung , und das Lächeln , das um seinen Mund zog , war nicht das der Verzweiflung , nein , seine mutige Seele erbebte nicht vor dem nahenden Tod , er blickte ihm mit stolzer Freude entgegen , als sei er der Kampfpreis , um den er so viele Sorgen und Gefahren auf sich genommen habe . Noch einen schlug er mit seiner starken Rechten zu Boden , da stieß ihm einer der Knechte von der Seite her die Hellebarde in die Brust , in diese treue Brust , die noch im Tod ein Schild für den unglücklichen Fürsten war , dem nie ein treueres Herz geschlagen hatte . Er wankte , er sank zusammen , er heftete das brechende Auge auf seinen Herrn : » Herr Herzog , wir sind quitt ! « rief er freudig aus , und senkte sein Haupt zum Sterben . An ihm vorüber ging der Weg der Knechte , die mit Freudengeschrei näher zudrangen - da warf sich Georg von Sturmfeder in die Mitte ; seine Klinge schwirrte in der Luft , und sooft sie niederfiel , zuckte einer der Feinde am Boden . Es war der letzte Schild Herzog Ulerichs von Württemberg ; sank dieser noch , so war Gefangenschaft oder Tod unvermeidlich . Drum wandte er sich zum letzten Mittel ; er warf noch einen tränenschweren Blick auf die Leiche jenes Mannes , der seine Treue mit dem Tod besiegelt hatte ; dann riß er sein mächtiges Streitroß zur Seite , spornte es , daß es sich hoch aufbäumte , wandte es mit einem starken Druck rechts , und - in einem majestätischen Sprung , setzte es über die Brüstung der Brücke , und trug seinen fürstlichen Reiter hinab in die Wogen des Neckars . Georg hielt inne zu fechten ; er sah dem Herzog nach ; Roß und Reiter waren niedergetaucht , doch das mächtige Tier kämpfte mit den Wirbeln , schwamm , arbeitete sich herauf , und wie die beste Barke schwamm es mit dem Herzog den Strom hinab . Dies alles war das Werk weniger Augenblicke , einige der Knechte wollten hinabspringen ans Ufer , um sich des kühnen Ritters zu bemächtigen , doch einer , der Georg am nächsten war , rief ihnen zu : » Laßt ihn schwimmen , an dem ist nichts gelegen , das hier ist der grüne Vogel , das ist der grüne Mantel ; den laßt uns fassen . « Georg blickte dankbar auf zum Himmel ; er ließ sein Schwert sinken und ergab sich den Bündischen . Sie schlossen einen Kreis um ihn , und ließen es willig geschehen , daß er abstieg und zu der Leiche jenes Mannes trat , der ihnen so schrecklich erschienen war . Georg faßte die Hand , welche noch immer die blutige Axt festhielt . Sie war kalt . Er suchte , ob das treue Herz noch schlage , aber der tödliche Stoß der Lanze hatte es nur zu gut getroffen . Das Auge , das einst so kühn und mutig blickte , war gebrochen , geschlossen der Mund , der auch in den trübsten Stunden einen ungebeugten , frohen Sinn verkündete ; seine Züge waren erstarrt , aber noch schwebte um seine Lippen jenes Lächeln , das den letzten Gruß , den er seinem Herrn entbot , begleitet hatte . Georgs Tränen fielen auf ihn herab ; er drückte noch einmal die Hand des Pfeifers , schloß ihm die Augen zu und schwang sich auf , um den Knechten in ihr Lager zu folgen . XI O schöner Tag , wann endlich der Soldat Ins Leben heimkehrt , in die Menschlichkeit - Oh ! glücklich wem dann auch sich eine Tür , Sich zarte Arme sanft umschlingend öffnen . Schiller Nach einem Marsch von beinahe drei Stunden näherte sich der Trupp der bündischen Knechte , den Gefangenen in ihrer Mitte , dem Lager . Sie hatten nicht gewagt sich laut zu unterreden , aber ihre Mienen verkündeten großen Triumph , und Georgs scharfem Ohr entging es nicht , wie sie flüsternd den Gewinn berechneten , den sie aus dem Herzog im grünen Mantel ziehen werden . Ein freudiges Gefühl bewegte seine Brust , er glaubte hoffen zu dürfen , daß der unglückliche Fürst durch seine kühne Aufopferung Zeit gewonnen habe , sich zu retten . Nur der Gedanke an Marie trübte auf Augenblicke seine Freude . Wie groß mußte ihr Kummer schon gewesen sein , als sie die Nachricht von dem Ausgang der Schlacht bekam ; er hatte ihr zwar durch treue Männer die Nachricht gesandt , daß er unverletzt aus dem Streit gegangen sei ; aber wußte er nicht , daß die traurige Entscheidung von Württembergs Schicksal ihre Seele tief betrüben , daß ihre Blicke ängstlich dem Geliebten auf den Gefahren der Flucht folgen werden , daß ihre Sehnsucht zu jeder Stunde seinen Namen nenne und ihn zurückrufe ? Und durfte er hoffen , vom Bunde zum zweitenmal so leicht entlassen zu werden , wie damals in Ulm ? Gefangen mit den Waffen in der Hand , bekannt als eifriger Freund des Herzogs - mußte er nicht fürchten , einer langen Gefangenschaft , einer grausamen Behandlung entgegenzugehen ? Die Ankunft an dem äußeren Posten des Lagers unterbrach diese düsteren Gedanken . Die Knechte schickten einen aus ihrer Mitte ab , um die Bundesobersten von ihrem Fang zu benachrichtigen und Befehle einzuholen , wohin man ihn führen solle . Es war dies eine peinliche Viertelstunde für Georg ; er wünschte wo möglich mit Frondsberg zusammenzutreffen , er glaubte hoffen zu dürfen , daß dieser edle Freund seines Vaters ihm seine gütigen Gesinnungen erhalten haben möchte , daß er ihn zum wenigsten billiger beurteilen werde als Waldburg-Truchseß und so mancher andere , der ihm früher nicht günstig war . Der Knecht kam zurück ; der Gefangene sollte so still als möglich und ohne Aufsehen in das große Zelt geführt werden , wo die Obersten gewöhnlich Kriegsrat hielten . Man schlug zu diesem Gang einen Seitenweg ein , und die Knechte baten Georg , seinen Helm zu schließen , daß man ihn nicht erkenne , ehe er vor den Rat geführt würde . Gerne befolgte er diese Bitte , denn es war ihm in einem solchen Falle nichts unerträglicher , als sich den Blicken neugieriger oder schadenfroher Menschen aussetzen zu müssen . Sie gelangten endlich an das große Zelt . Diener aller Art waren hier versammelt , und die verschiedenen Farben und Binden , mit welchen sie geschmückt waren , ließen auf eine zahlreiche Versammlung edler Herren und Ritter im Innern des Zeltes schließen . Schon mochte die Nachricht unter sie gekommen sein , daß einige Knechte einen Mann von Bedeutung gefangen haben , denn sie drängten sich nahe herbei , als Georg sich aus dem Sattel schwang , und ihre neugierigen Blicke schienen durch die Öffnungen des Visieres dringen zu wollen , um die Züge des Gefangenen zu schauen . Ein Edelknabe suchte Raum zu machen , und er mußte seine Zuflucht zu dem » Namen der Bundesobersten « nehmen , um diese dichte Masse zu durchbrechen , und dem gefangenen Ritter einen Weg in das Innere des Zeltes zu bahnen . Drei jener Knechte , die ihn begleitet hatten , durften folgen ; sie glühten vor Freude , und glaubten nicht anders als jene Goldgülden sogleich in Empfang nehmen zu können , die auf die Person des Herzogs von Württemberg gesetzt waren . Der letzte Vorhang tat sich auf , und Georg trat mutig und festen Schrittes ein , und überschaute die Männer , die über sein Schicksal entscheiden sollten . Es waren wohlbekannte Gesichter , die ihn so fragend und durchdringend anschauten . Noch waren die düsteren Blicke und die feindliche Stirne des Truchseß von Waldburg seinem Gedächtnis nicht entfallen , und der spöttische , beinahe höhnische Ausdruck in den Mienen dieses Mannes weissagte ihm nichts Gutes . Sickingen , Alban von Closen , Hutten - sie alle saßen wie damals vor ihm , als er dem Bund auf ewig Lebewohl sagte , aber wie vieles hatte sich verändert . Und eine Träne füllte sein Auge , als es auf jene teure Gestalt , auf jene ehrwürdigen Züge fiel , die sich tief in sein dankbares Herz gegraben hatten . Es war nicht Hohn , nicht Schadenfreude , was man in Georg von Frondsbergs Mienen las , nein , er sah den Nahenden mit jenem Ausdruck von würdigem Ernst , von Wehmut an , womit ein edler Mann den tapferen , aber besiegten Feind begrüßt . Als Georg diesen Männern gegenüberstand , hub der Truchseß von Waldburg an : » So hat doch endlich der Schwäbische Bund einmal die Ehre , den erlauchten Herzog von Württemberg vor sich zu sehen , freilich war die Einladung zu uns nicht allzu höflich , doch - « » Ihr irrt Euch ! « rief Georg von Sturmfeder , und schlug das Visier seines Helmes auf . Als sähen sie Minervas Schild und sein Medusenhaupt , so bebten die Bundesräte vor dem Anblick der schönen Züge des jungen Ritters . » Ha ! Verräter ! ehrlose Buben ! ihr Hunde ! « rief Truchseß den drei Knechten zu ; » was bringt ihr uns diesen Laffen , dessen Anblick meine Galle aufregt , statt des Herzogs ? Geschwind , wo ist er ? sprecht ! « Die Knechte erbleichten . » Ist ' s nicht dieser ? « fragten sie ängstlich . » Er hat doch den grünen Mantel an . « Der Truchseß zitterte vor Wut und seine Augen sprühten Verderben ; er wollte auf die Knechte hinstürzen , er sprach davon sie zu erwürgen , aber die Ritter hielten ihn zurück , und Hutten , zornbleich , aber gefaßter als jener , fragte : » Wo ist der Doktor Calmus , laßt ihn hereinkommen , er soll Rechenschaft ablegen , er hat den Zug übernommen . « » Ach Herr « , sagte einer der Knechte , » der legt Euch keine Rechenschaft mehr ab ; er liegt erschlagen auf der Brücke bei Köngen ! « » Erschlagen ? « rief Sickingen , » und der Herzog ist entkommen ? erzählte ihr Schurken . « » Wir legten uns , wie uns der Doktor befahl , bei der Brücke in Hinterhalt . Es war beinahe noch dunkel , als wir den Hufschlag von vier Rossen hörten , die sich der Brücke näherten , zugleich vernahmen wir das Zeichen , das uns die Reiter über dem Fluß geben sollten , wenn die Herzoglichen aus dem Wald kämen . Jetzt ist ' s Zeit , sagte der Kahlmäuser . Wir standen schnell auf und besetzten den Ausgang der Brücke . Es waren , soviel wir im Halbdunkel unterscheiden konnten , vier Reiter und ein Bauersmann ; die zwei hintersten wandten sich um und fochten mit unseren Reitern , die zwei vorderen und der Bauer machten sich an uns . Doch wir streckten ihnen die Lanzen entgegen , und der Doktor rief ihnen zu , sich zu ergeben . Da drangen sie wütend auf uns ein ; der Doktor sagte uns , der im grünen Mantel sei der Rechte ; und wir hätten ihn bald gehabt , aber der Bauer wenn es nicht der Teufel selbst war , schlug den Doktor und noch zwei von uns nieder . Jetzt stach ihm einer die Hellebarde in den Leib , daß er fiel und dann ging es auf die Reiter . Wir packten allesamt den im grünen Mantel , wie uns der Kahlmäuser geheißen , der andere aber stürzte sich mit seinem Roß über die Brücke hinab in den Neckar und schwamm davon . Wir aber ließen ihn ziehen , weil wir den Grünen hatten , und brachten diesen hieher . « » Das war Ulerich und kein anderer « , rief Alban von Closen » ha ! über die Brücke hinab in den Neckar ! das tut ihm keiner nach . « » Man muß ihm nachjagen « , fuhr der Truchseß auf ; » die ganze Reiterei muß aufsitzen und hinab am Neckar streifen , ich selbst will hinaus - « » O Herr « , entgegnete einer der Knechte . » Da kommt Ihr zu spät ; es ist drei Stunden jetzt , daß wir von der Brücke abzogen , der hat einen guten Vorsprung , und kennt das Land wohl besser als alle Reiter ! « » Kerl ! willst du mich noch höhnen ? ihr habt ihn entkommen lassen , an euch halte ich mich , man rufe die Wache ; ich laß euch aufhängen . « » Mäßigt Euch « , sagte Frondsberg , » die armen Bursche trifft der Fehler nicht ; sie hätten sich gerne das Gold verdient , das auf den Herzog gesetzt war . Der Doktor hat gefehlt und Ihr hört , daß er es mit dem Leben zahlte . « » Also Ihr habt heute den Herzog vorgestellt ? « wandte sich Waldburg zu Georg , der stille dieser Szene zugesehen hatte ; » müßt Ihr mir überall in den Weg laufen , mit Eurem Milchgesicht ? Überall hat Euch der Teufel , wo man Euch nicht braucht . Es ist nicht das erste Mal , daß Ihr meine Pläne durchkreuzet - « » Wenn Ihr es gewesen seid , Herr Truchseß « , antwortete Georg , » der bei Neuffen den Herzog meuchlings überfallen lassen wollte , so bin ich Euch leider in den Weg gekommen , denn Eure Knechte haben mich niedergeworfen . « Die Ritter erstaunten über diese Rede , und sahen den Truchseß fragend an . Er errötete , man wußte nicht aus Zorn oder Beschämung , und entgegnete : » Was schwatzt Ihr da von Neuffen ; ich weiß von nichts ; doch wenn man Euch dort niedergeworfen hat , so wünsche ich , Ihr wäret nimmer aufgestanden , um mir heute vor Augen zu kommen . Doch es ist auch so gut , Ihr habt Euch als einen erbitterten Feind des Bundes bewiesen , habt heimlich und offen für den geächteten Herzog gehandelt , teilet also seine Schuld gegen den Bund und das ganze Reich , seid überdies heute mit den Waffen in der Hand gefangen worden - Euch trifft die Strafe des Hochverrats an dem allerdurchlauchtigsten Bund des Schwaben- und Frankenlandes . « » Dies dünkt mir eine lächerliche Beschuldigung « , erwiderte Georg mit mutigem Ton ; » Ihr wisset wohl , wann und wo ich mich von dem Bunde losgesagt habe ; Ihr habt mich auf vierzehn Tage Urfehde schwören lassen ; so wahr Gott über mir ist , ich