Majestät . Er ist 1771 gestorben und es war was Besondres damit : in vierzehn Tagen starb er , seine Frau , die Fräulein , und vier Söhne . Die andern vier Söhne mußten dieselbe Krankheit ausstehen , die wie ein hitzig Fieber war , und obwohl die Söhne , weil sie in Diensten waren , in verschiedenen Garnisonen standen und kein Bruder zum andern kam , so bekamen sie alle viere doch dieselbe Krankheit und kamen nur so eben mit dem Leben davon . König . Das ist ein verzweifelter Umstand gewesen ! Wo sind die noch lebenden vier Söhne ? Fromme . Einer unter Zieten-Husaren , einer unter den Gensd ' armes ! Einer ist unter dem Prinz-Ferdinand ' schen Regiment gewesen , und wohnt auf dem Gute Dessow . Der vierte ist der Schwiegersohn vom Herrn General von Zieten . Er war Lieutenant beim Zieten ' schen Regiment ! Ihro Majestät haben ihm aber in diesem letzten Kriege , wegen seiner Kränklichkeit , den Abschied gegeben ; nun wohnt er in Ganzer . König . So ? Ist das schon einer von den Jürgassen ? – Macht Ihr sonst noch Proben mit ausländischem Getreide ? Fromme . O ja ! Dieses Jahr habe ich spanische Gerste gesäet . Allein sie will nicht recht einschlagen ; ich gehe wieder ab . Aber den holsteinischen Staudenroggen find ' ich gut ! König . Was ist das für Roggen ? Fromme . Er wächst im Holsteinischen in der Niederung . Unterm zehnten Korn hab ich ihn noch nie gehabt ! König . Nu , nu ! nicht gleich das zehnte Korn ! Fromme . Das ist nicht viel ! Belieben Ihro Majestät den Herrn General von Görz zu fragen , die werden Ihnen sagen , daß dies im Holsteinischen nicht viel ist . – Nun sprachen Sie in dem Wagen eine Weile von dem Roggen . Mit einemmal riefen Ihro Majestät aus dem Wagen : Na ! so bleibt bei den Holsteinischen Staudenroggen , und gebt den Unterthanen auch welchen . Fromme . Ja , Ihro Majestät ! König . Aber macht mir einmal eine Idee : wie hat das Luch ausgesehen , ehe es abgegraben war ? Fromme . Es waren lauter hohe Hüllen , dazwischen setzte sich das Wasser . Bei den trockensten Jahren konnten wir das Heu nicht herausfahren , sondern wir mußten ' s in großen Miethen setzen . Im Winter nur , wenn ' s scharf gefroren hatte , konnten wir ' s herausfahren . Nun aber haben wir die Hüllen herausgehauen , und die Gräben , die Ihro Majestät machen lassen , ziehen das Wasser ab . Nun ist das Luch so trocken , wie Ihro Majestät sehen , und wir können unser Heu herausfahren , wann wir wollen . König . Das ist gut ! Halten Eure Unterthanen auch mehr Vieh wie sonst ? Fromme . Ja ! König . Wie viel wohl mehr ? Fromme . Mancher eine Kuh , mancher zwo , nachdem es sein Vermögen verstattet . König . Aber wie viel halten sie wohl sämmtlich mehr ? ohngefähr nur ! Fromme . Bis einhundert und zwanzig Stück ! Nun mußten Ihro Majestät wohl den Herrn General von Görz gefragt haben , woher ich ihn kennte ? weil ich wegen des holsteinischen Roggens zu Ihro Majestät sagte : Sie möchten nur den General nach dem Roggen fragen ; und hat der Herr General vermuthlich , der Wahrheit gemäß , geantwortet : daß er mich im Holsteinischen kennengelernt , und daß ich daselbst Pferde gekauft hätte , auch in Potsdam mit Pferden gewesen wäre . Mit einemmal sagten Ihro Majestät : Hört ! Ich weiß , Ihr seid ein Liebhaber von Pferden . Geht aber ab davon und zieht Euch Kühe dafür ; Ihr werdet Eure Rechnung besser dabei finden . Fromme . Ihro Majestät , ich handle nicht mehr mit Pferden . Ich ziehe mir nur etliche Füllen alle Jahr . König . Zieht Euch Kälber dafür , das ist besser ! Fromme . Oh , Ihro Majestät , wenn man sich Mühe giebt , ist kein Schade bei der Pferdezucht . Ich kenne jemand , welcher vor zwei Jahren tausend Thaler für einen Hengst von seinem Zuwachs bekam . König . Der ist ein Narr gewesen , der sie gegeben hat ! Fromme . Ihro Majestät , es war ein Mecklenburgischer Edelmann . König . Er ist aber doch ein Narr gewesen . – Nun kamen wir auf das Territorium des Amts Neustadt , wo der Amtsrath Klausius , der das Amt in Pacht hat , auf der Grenze hielt , und Ihro Majestät vorbeireisen ließ . Weil mir aber das Sprechen schon sehr sauer wurde , Ihro Majestät immer nach den Dörfern fragte , so hier in Menge sind , und ich immer den Gutsbesitzer mit nennen und sagen mußte , welche von ihnen Söhne im K. Dienst hätten , so holt ' ich den Herrn Amtsrath Klausius an den Wagen heran und sagte : Ihro Majestät , das ist der Amtsrath Klausius vom Amt Neustadt , unter dessen Jurisdiktion die Kolonien stehen . König . So , so ! das ist mir lieb ! Laßt ihn herkommen ! 69 – Wie heißt Ihr ? Amtsrath . Klausius ! König . Klau-si-us . Na , habt Ihr viel Vieh hier auf den Kolonien ? Amtsrath : Achtzehnhundert sieben und achtzig Stück Kühe . Ihro Majestät ! Es würden weit über dreitausend sein , wenn nicht die Viehseuche gewesen wäre . König . Vermehren sich auch die Menschen gut ? giebt ' s brav Kinder ? Amtsrath : O ja , Ihro Majestät ; es sind itzt funfzehnhundert sechs und siebenzig Seelen auf den Kolonien ! König . Seid Ihr auch verheirathet ? Amtsrath : Ja , Ihro Majestät ! König . Habt Ihr auch Kinder ? Amtsrath : Stiefkinder , Ihro Majestät ! König : Warum nicht eigene ? Amtsrath . Das weiß ich nicht , Ihro Majestät , wie das zugeht . König ( zu mir ) . Hört : ist die Mecklenburgische Grenze noch weit von hier ? Fromme . Nur eine kleine Meile . Es sind aber nur etliche Dörfer , die mitten im Brandenburgischen liegen . Sie heißen Netzeband und Rossow . König . Ja , ja ! sie sind mir bekannt . Das hätt ' ich aber doch nicht geglaubt , daß wir so nah am Mecklenburgischen wären . ( Zum Herrn Amtsrath Klausisus . ) Wo seid Ihr geboren ? Amtsrath . Zu Neustadt an der Dosse . König : Was ist Euer Vater gewesen ? Amtsrath . Prediger . König . Sind ' s gute Leute , die Kolonisten ? die erste Generation pflegt nicht viel zu taugen ! Amtsrath : Es geht noch an . König : Wirthschaften sie gut ? Amtsrath . O ja , Ihro Majestät ! Ihro Excellenz , der Minister von Derschau , haben mir auch eine Kolonie von fünf und siebenzig Morgen gegeben , um den andern Kolonisten mit gutem Exempel vorzugehen . König ( lächelnd ) . Haha ! mit gutem Exempel ! Aber sagt mir , ich sehe ja hier kein Holz ; wo holen die Kolonisten ihr Holz her ? Amtsrath : Aus dem Ruppinischen . König . Wie weit ist das ? Amtsrath . Drei Meilen . König . Das ist doch sehr weit ! da hätte müssen gesorgt werden , daß sie ' s näher hätten ! ( Zu mir . ) Was ist das für ein Mensch , der da rechts ? Fromme . Der Bauinspector Menzelius , der hier die Bauten in Aufsicht gehabt hat . König . Bin ich denn hier in Rom ? es sind ja lauter lateinische Namen ! Warum ist das hier so hoch eingezäunt ? Fromme . Es ist das Maulthiergestüte . König . Wie heißt die Kolonie ? Fromme . Klausiushof . Amtsrath . Ihro Majestät , sie kann auch Klaushof heißen . König . Sie heißt Klau-si-ushof . Wie heißt da die andere Kolonie ? Fromme . Brenkenhof . König : So heißt sie nicht . Fromme . Ja , Ihro Majestät , ich weiß es nicht anders ! König . Sie heißt Bren-ken-ho-fi-ushof ; – Sind das die Stöllnschen Berge , die da vor uns liegen ? Fromme . Ja , Ihro Majestät ! König . Muß ich durch ' s Dorf fahren ? Fromme . Es ist eben nicht nöthig ; aber der Vorspann steht drinn . Wenn Ihro Majestät befehlen , so will ich vorreiten und den Vorspann aus dem Dorf heraus nehmen , und hinter die Berge legen . König . O ja , das thut ! Nehmt Euch einen von meinen Pagen mit . – Nun besorgte ich den Vorspann , richtete mich aber doch so ein , daß , sobald Ihro Majestät auf den Bergen waren , ich auch da war . Als Ihro Majestät ausstiegen aus dem Wagen , ließen Sie sich einen Tubum geben und besahen die ganze Gegend , und sagten dann : Das ist wahr , das ist wider meine Erwartung ! das ist schön ! Ich muß Euch das sagen , alle , die Ihr daran gearbeitet habt ! Ihr seid ehrliche Leute gewesen ! ( Zu mir . ) Sagt mir mal : Ist die Elbe weit von hier ? Fromme . Ihro Majestät , sie ist zwo Meilen von hier ! Da liegt Werben in der Altenmark , dicht an der Elbe . König . Das kann nicht sein ! Gebt mir den Tubum noch einmal her . – Ja , ja ; es ist doch wahr ! Aber was ist das andre für ein Thurm ? Fromme . Ihro Majestät , es ist Havelberg . König . Na ! Kommt alle her ! ( Es waren der Amtsrath Klausius , der Bauinspector Menzelius und ich . ) Hört einmal , der Fleck Bruch , hier links , soll auch noch urbar gemacht werden , und was hier rechts liegt , ebenfalls , soweit als der Bruch geht . Was steht für Holz drauf ? Fromme . Elsen und Eichen , Ihro Majestät ! König . Na ! die Elsen können gerodet werden , und die Eichen , die können stehen bleiben ; die können die Leute verkaufen , oder sonst nutzen ! Wenn ' s urbar ist , dann rechne ich so dreihundert Familien und fünfhundert Stück Kühe ; nicht wahr ? Nun antwortete keiner ; zuletzt fing ich an und sagte : Ja , Ihro Majestät ; vielleicht ! König . Hört mal , Ihr könnt mir sicher antworten : Es werden mehr oder weniger Familien ! Das weiß ich wohl , daß man das so ganz genau sogleich nicht sagen kann . Ich bin nicht da gewesen , kenne das Terrain nicht ; sonst versteh ich ' s so gut wie Ihr , wie viel Familien angesetzt werden können . Bauinspector . Ihro Majestät , das Luch ist aber noch in großer Gemeinschaft . König . Das schadet nicht ! Man muß eine Vertauschung machen , oder ein Aequivalent dafür geben , wie sich ' s thun läßt am besten . Umsonst verlang ich ' s nicht . ( Zum Amtsrath Klausius . ) Na ! Hört mal , Ihr könnt ' s an meine Kammer schreiben , was ich urbar will gemacht haben ; das Geld dazu geb ich ! ( Zu mir . ) Und Ihr geht nach Berlin und sagt es meinem Geheimen Rath Michaelis mündlich , was ich noch urbar will gemacht haben . – Nun setzten Ihro Majestät sich in den Wagen , und fuhren den Berg hinunter ; es wurd ' umgespannt . Weil nun Ihro Majestät befohlen hatten , daß ich bis an die Stöllnschen Berge Sie begleiten sollte , so ging ich an den Wagen und fragte : Befehlen Ihro Majestät , daß ich noch weiter mit soll ? König . Nein , mein Sohn ; reitet in Gottes Namen nach Hause ! – So weit die Unterredung , die Fromme größtenteils direkt mit dem Könige geführt . Er fügt aber seinem Bericht noch einiges hinzu , was er nachträglich über den Verlauf der Reise erfahren hat . Dies lautet in Frommes Aufzeichnungen ( an Gleim ) wie folgt : Herr Amtsrath Klausius brachte sodann Ihro Majestät bis nach Rathenow , wo Sie im Posthause logirt haben . In Rathenow sind Ihro Majestät über Tafel ungemein vergnügt gewesen , haben mit dem Herrn Obristlieutenant von Backhoff von den Karabiniers gespeist und haben der Herr Obristlieutenant von Backhoff selbst erzählt , daß Ihro Majestät gesagt hätten : Mein lieber Backhoff ! ist Er lange nicht in der Gegend von Fehrbellin gewesen , so reise er hin ! Die Gegend hat sich ungemein verbessert . Ich hab ' in langer Zeit mit solch einem Vergnügen nicht gereist . Ich nahm die Reise mir vor , weil ich keine Revüe hatte , und es hat mir so sehr gefallen , daß ich gewiß wieder künftig solch eine Reise vornehmen werde ! – Hör ' Er mal : wie ist es ihm gegangen im letzten Kriege ? Vermuthlich schlecht ! Ihr habt in Sachsen auch nichts ausgerichtet ... Ich hätte können was ausrichten ; allein ich hätte mehr als die Hälfte meiner Armee aufgeopfert und unschuldig Menschenblut vergossen . Aber dann wär ' ich werth gewesen , daß man mich vor die Fähndel-Wache gelegt , und mir einen öffentlichen Produkt gegeben hätte . Die Kriege werden fürchterlich zu führen . – Nachher haben Ihro Majestät gesagt : » Von der Schlacht bei Fehrbellin bin ich so orientiert , als wenn ich selbst dabei gewesen wäre ! Als ich noch Kronprinz war , und in Ruppin stand , da war ein alter Bürger , der Mann war schon sehr alt ! der wußte die ganze Bataille zu beschreiben und kannte den Wahlplatz sehr gut ! Einmal setzt ' ich mich in den Wagen , nahm meinen alten Bürger mit , welcher mir dann alles zeigte , so genau , daß ich sehr zufrieden war mit ihm . Als ich nun wieder nach Hause reiste , dacht ' ich , du mußt doch deinen Spaß mit dem Alten haben ! Da fragte ich ihn › Vater , wißt ihr denn nicht , warum die beiden Herren sich miteinander gestritten haben ? ‹ › O jo , Ihro Königliche Hoheiten , dat will ick se wohl seggen . As unse Chorförst is jung west , hat he in Utrecht studeert , und doa is de König von Schweden as Prinz ok west . Doa hebben nu de beede Herrn sich vertörnt und hebben sich bi de Hoar ' kricht . Un dat is nu de Pike davon ! ‹ « Ihro Majestät haben wirklich so plattdeutsch gesprochen . Weiter kann ich von der Reise keine Beschreibung machen . Denn Ihro Majestät haben zwar noch viel gesagt und gefragt , es würd ' aber wohl schwer sein , es alles zu Papier zu bringen . Neustadt a. D Prinz Friedrich von Hessen-Homburg Prinz Friedrich von Hessen-Homburg Nehmt den besten Reiterhaufen , Folgt dem Feind und macht ihn laufen , Aber laßt Euch nicht verleiten , Ernstlich Euch herumzustreiten . Prinz Friedrich von Hessen-Homburg , dies sei voraus bemerkt , war vor allem nicht der , als der er uns in dem Heinrich von Kleistschen Schauspiel entgegentritt . Der Heinrich von Kleistsche und der historische Prinz von Homburg verhalten sich zueinander wie der Goethesche und der historische Egmont . Sie waren in der Zeit , wo sie hervortraten , keine Liebhaber und keine Leichtfüße mehr , vielmehr ernste Leute von mittleren Jahren und reichem Kindersegen , überhaupt ebenso gute Ehemänner wie Patrioten . Unser Prinz Friedrich ward am 9. Juni 1633 geboren . Er war der zweite Sohn des Landgrafen Friedrich von Hessen , des Stifters der Homburgischen Linie . Er trat jung in schwedischen Dienst , war 1659 mit vor Kopenhagen und verlor bei dieser Belagerung ein Bein . Dasselbe wurde künstlich ersetzt , weshalb er seitdem der » Prinz mit dem silbernen Bein « hieß . Neben Götz von Berlichingen wohl der einzige Fall einer derartigen Namensgebung . Die Belagerung von Kopenhagen fiel in die glänzende Regierungszeit Karl Gustavs von Schweden , nach dessen plötzlichem Tode , 1660 , unser Homburger Prinz sich zurückgesetzt fühlte , weshalb er denn auch den Abschied nahm . Wahrscheinlich 1661 . Um eben diese Zeit ( 1661 ) hatte er sich mit der Gräfin Margarete Brahe , die übrigens bereits Witwe zweier Grafen Oxenstierna war , vermählt , und übersiedelte nach Weferlingen , einem schönen Gute im Magdeburgischen , das ihm durch seine Gemahlin zugebracht worden war . Hier , von Weferlingen aus , kam er an den Berliner Hof , trat in die Armee des Kurfürsten , erhielt ein Regiment und wurde später , 1670 , zum General der Kavallerie erhoben . Ziemlich gleichzeitig mit seinem Eintritt in unsere Armee hatte er sich auch im Brandenburgischen ansässig gemacht und Amt Neustadt , das , wie wir wissen , seit 1644 in Händen des Grafen Hans Christoph von Königsmarck war , von eben diesem erstanden . Dies war 1662 . Er nahm nun , wenigstens zeitweilig , seinen Aufenthalt an genanntem Ort , und alles , was Neustadt in diesem Augenblick ist , ist es im wesentlichen durch Prinz Friedrich von Hessen-Homburg . Er besaß es zweiunddreißig Jahre lang , aber nur sechzehn Jahre ( bis 1678 ) konnte er ihm seine besondere Aufmerksamkeit widmen . Diese sechzehn Jahre genügten jedoch . Ja , wenn dieser Zeitabschnitt auch noch wieder halbiert worden wäre , würde dadurch an dem Gesamtresultate seines Schaffens an eben dieser Stelle nichts Erhebliches geändert worden sein , denn er griff so rasch und energisch ein , daß bereits zwei , höchstens vier Jahre nach Übernahme des Besitzes all das begonnen war , was spätere Jahrzehnte nur glänzender hinausführten . Auf dies » erste Beginnen « kommt es allezeit an . Ob dasselbe , mal auf mal , bei ihm selber oder bei seiner Gemahlin , der Gräfin Brahe , oder aber bei dem schon rühmlich erwähnten Amtsverwalter Liborius Eck lag , den er , als einen höchst fähigen Administrator aus der Königsmarckschen Zeit her , mit übernommen hatte , gilt gleich ; die oberste Herrschaft gibt den Namen und die Hessen-Homburgische Zeit ist und bleibt die große Epoche von Neustadt . Bei Übernahme des Gutes bestand es aus sieben Bauernhöfen , einer Schmiede und einer Mühle , war also kleiner als das kleinste Dorf . Die Bewohner zahlten keine Abgaben , hatten aber Dienste auf dem Amte zu leisten . Das war das Neustadt von 1662 . Zwei Jahre später ( 1664 ) bestand es bereits aus siebenundvierzig Bürgerhäusern und einer Vorstadt , in welcher letzteren sich weitere fünfundzwanzig Familien niedergelassen hatten ; dem Orte selbst aber war auf Antrag des rastlosen und bei Hofe einflußreichen Prinzen Stadtgerechtigkeit und das Recht , zwei Jahrmärkte abhalten zu dürfen , zugestanden worden . Das gleich zeitig empfangene Wappen setzte sich links aus einem Elentier , rechts aus einem springenden Löwen zusammen , wovon sich der Löwe mutmaßlich auf den Prinzen , das Elentier auf die Stadt bezog . Aber bei dem bloßen Bauen und Stellenbesetzen ließ es der Prinz nicht bewenden , vielmehr ging durch seine ganze Tätigkeit ein organisatorischer Zug , dem es nicht genug war , überhaupt etwas zu tun , sondern vor allem das praktisch Richtige zu tun . Das nächste war eine Regulierung der Dosse , die damals , wie noch jetzt die Spree im Spreewald , in zahllosen Armen durch die Dosseniederung floß . Der herrliche Wiesenstand , der auf diese Weise gewonnen wurde , leitete zu sorgsamer und eifriger Pferdezucht und dadurch zu den Anfängen der späteren Gestüte hinüber . Der Raseneisenstein , der sich vorfand , ließ eine Eisenhütte , der reiche Holzbestand eine Glashütte entstehen , an der Dosse selbst hin aber erwuchsen einerseits Schleifereien für das gewonnene Glas , andererseits Papier-und Schneidemühlen . Wer Kolonisierung studieren will , muß die Geschichte von Mark Brandenburg studieren . Aber wenn die ganze Provinz nach dieser Seite hin ein sehr lehrreiches Beispiel bietet , so bietet vielleicht unser Neustadt von 1662 – 1666 ein Muster unter den Musterstücken . Das Jahr 1666 schien freilich ausersehen , alles wieder in Frage zu stellen . Die siebenundvierzig Bürgerhäuser brannten nieder , mit ihnen das Amt , das mutmaßlich dem Prinzen als Wohnung gedient hatte . Zugleich auch die reformierte Kapelle . Eine Stadtkirche gab es noch nicht . Erhalten blieben ( vorläufig ) nur die vorstädtischen Fabrikbezirke , soweit von » Vorstadt « und » Fabrikbezirken « damals die Rede sein konnte . Prinz Friedrich indes , tapfrer Soldat der er war , ließ sich diesen Unheilstag nicht allzuschwer anfechten , und die niedergebrannte Stadt wurde schöner und größer wieder aufgebaut . Von einem Rathausbau sah er vorläufig ab und nur der Errichtung eines Gotteshauses schenkte er seine volle Aufmerksamkeit . Schon 1673 konnte der Grundstein zur Kirche gelegt , 1686 dieselbe geweiht werden . Lange vorher jedoch hatten sich Ereignisse zugetragen , zu denen – wenn auch nicht die Stadt Neustadt als solche – so doch ihr Besitzer , der Prinz , in die nächsten Beziehungen getreten war . Diesen Ereignissen wenden wir uns jetzt zu . Der Dienst , selbstverständlich , hielt den Prinzen monatelang von seinem geliebten und mit Vorliebe gepflegten Neustadt fern . War dies schon in ruhigen Zeiten der Fall , so vollends in Kriegszeiten , wie sie seit 1674 wieder angebrochen waren . Der Prinz befand sich ( 1675 ) mit seinem kurfürstlichen Herrn im Elsaß , danach in Franken , allwo den 18. Mai , im Lager vor Schweinfurt , die Nachricht vom Einfall der Schweden in die Mark Brandenburg eintraf . Der Kurfürst brach sofort auf , mit ihm der Prinz . Am 11. Juni war er in Magdeburg , am 14. vor Rathenow , und nahm von hier aus , nach Erstürmung eben dieser Stadt durch Derfflinger , an jener berühmt gewordenen Verfolgung teil , die der schwedischen Armee schon am 16. und 17. in verschiedenen Avantgarden-Gefechten erhebliche Verluste beibrachte . Am 17. waren die verfolgenden Brandenburger bis Nauen gekommen . Von hier aus schrieb unser Prinz , dem für den nächsten Tag eine so bedeutende Rolle vorbehalten war , an seine Gemahlin folgenden Brief : » Meine Engelsdicke 70 , wir seint braff auf der jacht mit den Herren Schweden , sie seint hier beim passe Nauen diesen morgen übergegangen , musten aber bei 200 Todten zurückelassen von der arrier guarde ; jenseits haben wir bei Fer-Berlin alle brücken abgebrannt und alle übriche paesse so besetzet , das sie nun nicht aus dem Lande wieder können . Sobald unsere infanterie kombt , soll , ob Gott wolle , die ganze armada dran . Der schwedische Feldherr 71 war mit 3000 Mann in Havelberg , wollte die Brücke über die Elbe machen lassen , aber nun ist er von der armada abgeschnitten und gehet über Hals und Kopf über Ruppin nach pommern . Sein Bruder commandirt diese 12000 mann hier vor uns . Wo keine sonderbare straff Gottes über uns kombt , soll keiner davon kommen , wir haben dem Feind schon über 600 todtgemacht und über 600 Gefangene . Heute hat Hennig wohl 150 pferth geschlagen , und gehet alleweil Lüttique mit 1500 Mann dem Feindt in ricken . Morgen frihe werden sie ihnen den 1. morgensegen singen . Wir haben noch kein 60 Mann verlohren , und unsere leite fechten als lewen . – In zwei Tagen haben wir unsere infanterie und morgen den Fürsten von Anhalt mit 4000 Mann , die Kayserlichen werden alle Tage erwartet mit 8000 Mann . Dann gehen wir gerath in pommern , und wenn die battaglie vorbey , gehe ich nach Schwalbach , habe schont Urlaub . – Adieu , mein Engel , dein trewer Mann und diner sterb ich . Friedrich L. z. Hessen . « » Ich kann wegen affaires unmöglich mehr schreiben . « Nichts kann uns eine bessere Vorstellung geben von der Stimmung , welche im brandenburgischen Heere herrschte , zumal auch von der des Prinzen selbst , der nunmehr auf vierundzwanzig Stunden in die vorderste Linie trat . Am folgenden Tage , am » Tage von Fehrbellin « führte er die Avantgarde , hing sich mit dieser an die Schweden , brachte sie zum Stehen und wurde so die vorzüglichste Ursache zum Siege über dieselben . Verfuhr er anders , so entkam der Feind . Er selber hat über diese glänzende Aktion am Tage darauf ( 19. ) von Fehrbellin aus , abermals in einem Briefe an seine » Engelsdicke « berichtet . Der Brief lautet : » Allerlibste Frawe ! Ich sage nun E. L. hiermit , das ich gester morgen , mit einichen Tausent mann in die advanquart commandiret gewesen , auff des Feindtes contenance achtung zu haben , da ich denn des Morgens gegen 6 Uhr des Feindtes gantzer armé ansichtig wurde , der ich dann so nahe ging , das er sich muste in ein Scharmützel einlassen , dadurch ich ihn so lange aufhielte , bis mir J. Dl. der Churfürst mit seiner gantzen Cavallerie zu Hülfe kam . Sobalten ich des Churfürsten ankunft versichert war , war mir bang , ich möchte wider andere ordre bekommen , und fing ein hartes treffen mit meinen Vortruppen an , da mir denn Dörffling soforth mit einichen Regimentern secontirte . Da ging es recht lustig ein stundte 4 oder 5 zu , bis entlichen nach langem Gefechte die Feindte weichen musten , und verfolgten wir sie von Linum bis Fer-Berlin , und ist wohl nicht viel mehr gehört worden , daß eine formirte armee , mit einer starken infanterie und canonen so wohl versehen , von bloßer Cavallerie und tragonern ist geschlagen worden . Es hilte anfenglich sehr hart ; wie denn meine Vortruppen zum zweidten mahl braff gehetzet wurden , wie noch das anhaltische und mehr andere regimenter . Wie wir denn entlichen so vigoureusement drauff gingen , das uns der Feind le champ de battaglie malgré hat lassen , und sich in den passe Fer-Berlin retiriren muste , mit Verlust von mehr als 2000 Todten ohne die plessirten . Ich habe , ohne die zweitausend im Vortrupp commandirten , mehr als 6 oder 8 escatronen angeführet . Zuweilen must ich lauffen , zuweilen machte ich laufen , bin aber diesesmahl Gottlob ohn plessirt davongekommen . Auf schwedischer seiten ist gepliben der Obrist Adam Wachtmeister , Obr.-Liet. Malzan von General Dalwichens ( Regiment ) und wie sie sagen noch gar viele hohe officirer ; Dalwig ist durch die achsel geschosen , und sehr viele hart plessirt . Auf unser seiten wurde mir der ehrliche Obrist Mörner an der Seiten knall und falle todt geschossen , der ehrliche Frobenius todt mit einem stücke , kein schrit vom Kurfürsten . Strauß mit 5 Schossen plessirt ; Major Schlapperdorf blib diesen Morgen vor Ferberlin ; – es ging sehr hart zu ; da wir gegen die biquen Compani fechten musten , ich bin etzliche mahl ganz umringet gewesen , Gott hat mir doch allemahl wider drauss geholfen , und wehren alle unsere stücke und der Feld-Marschalk selbsten Verlohren gewesen , wenn ich nicht en personne sencundiret hette . Darüber denn der retliche Mörner blieb . Hetten wir unsere infanterie bey uns gehabt , solte kein mann von der gantzen armée davon gekommen sein , es ist jetzo eine solche schreckliche terreur panique unter der schwedischen Armee , das sie auch nur braff lauffen können . – – Nachdeme alles nun vorbey gewesen , haben wir auff der Walstett , da mehr als 1000 Todten umb uns lagen , gessen und uns braff lustig gemacht ; der Hertzog von Hannover wird nun schwerlich gedenken über die Elbe zu gehen , und ich halte davor , weilen die schweden nun so eine harte schlappe bekommen , er werdte sich eines besseren bedencken . Wangelin , der durch Uebergab von Ratenau viel daran schultig ist , dörffte grose Verantwortung haben , wo er nicht gar den Kopf lassen mus . Gegeben im Feldlager bei Fer-Berlin , den 19. Juni 1675 . « Dieser Brief ( an einer Stelle vielleicht lückenhaft ; es scheint ein Nachsatz zu fehlen ) , ist , wie der vorige , nicht nur bezeichnend für die Frische und Anspruchslosigkeit des Schreibers , er ist auch historisch wichtig , weil er die älteren Berichte über diese Schlacht , wie sie sich im Theatrum Europaeum , im Pufendorf usw. finden , bestätigt und die erst um die Mitte des vorigen Jahrhunderts auftretende Sage von Insubordination , kurfürstlichem Zorn und Kriegsgericht aufs evidenteste widerlegt . » Wir haben uns nachher recht lustig auf der Wahlstatt gemacht . « Diese Worte des Briefes passen schlecht zu einem angedrohten Kriegsgericht . Nicht Angeklagter , wohl aber Kläger scheint er später gewesen zu sein . Wenigstens finden wir in einem Briefe , den seine Schwägerin am 19. Oktober 1675 an den Grafen von Schwerin schreibt , folgende Stelle : » dem redlichen Landgrafen ist nicht eins gedankt , vor dem das er bei Fehrbellin gethan ; also geht es in der Welt , die Pferde , die den Haber verdienen , bekommen am wenigsten . « Alle diese Verstimmungen können aber nicht ernster Art gewesen sein . 1676 sehen wir den Prinzen aufs neue mit seinem kurfürstlichen Herrn im Felde , und nachdem er sich bei der Eroberung von Pommern an der Seite desselben abermals ausgezeichnet hat , erhält er von ihm die erledigten Wachtmeisterschen und Rheinschildschen Lehne als ein Geschenk . Der Verwaltung dieser aber ( ebenso wie der seines vielgeliebten » Amtes Neustadt « ) konnte er sich von da ab nicht mehr unterziehen . Zwei Jahre später schon , 1678 , fiel ihm , nach dem Ableben seines Bruders Wilhelm , die