den Weg hin wurden Späher gestellt . Da die Erquickung für Menschen und Tiere schon fast vollendet war , kam einer der Späher von der unteren Spitze des Waldes , und meldete , daß sich Reiter auf dem Wege von Prag her näherten . Witiko und Odolen hießen ihre Leute sich rüsten , die Pferde besteigen , und ruhig stehen bleiben . Sie aber faßten den Entschluß , daß sie die Reiter , wenn sie Feinde , und in nicht zu großer Zahl wären , an dem Walde vorüber lassen , und ihnen dann nachreiten wollten . An den Waldrand wurden noch mehr Späher gestellt . Da kam einer von ihnen , und sagte , die Reiterschar sei um vieles kleiner als die ihrige , es müssen Feinde sein , weil man kein Abzeichen des Herzogs an ihnen sehe . Sie reiten sehr langsam , und haben keine Vorreiter . Nun stiegen Witiko und Odolen von ihren Pferden , ließen dieselben unter die Bäume führen , und dort von Knechten bewachen . Sie aber gingen gegen den Weg an den Saum des Waldes , um die Reiter kommen zu sehen . Diese kamen , und ritten in ruhigem Gange ihrer Pferde an dem Rande des Waldes dahin . An ihrer Spitze war Wratislaw , der Herzog von Brünn , Otto , der Herzog von Olmütz , und Wladislaw , der Sohn des verstorbenen Herzoges Sobeslaw . Sie hatten keine Zierden an sich . Dann war Bogdan mit der Rabenfeder , dann der rothaarige Benes mit weißen Federn , dann Domaslaw mit seinem roten Gefieder , dann der ältere Bohus mit der Feder aus einem Schwanenfittiche . Sonst waren Männer , die als Mährer erkannt wurden , und einige , die von Böhmen stammten . Die Reiter gingen bis gegen die Mitte des Gehölzrandes . Dort blieben sie stehen , als hielten sie Beratung . Witiko und Odolen gingen gegen die Stelle so weit vorwärts , daß sie die Worte der Reiter vernehmen konnten . Es sprach nur zuweilen einer von ihnen . Sie sandten dann einen Mann vorwärts an die Spitze des Waldes , der dort stehen blieb . Es war an dem Orte eine Krümmung des Weges gegen Pilsen , und der Mann stand vielleicht als Späher . Nach einer langen Zeit sah man ein Häuflein Reiter auf einem Wege zwischen den Feldern gegen den Wald heran reiten . Sie kamen näher , und man sah , daß sie in Gewänder der Landleute gekleidet seien . Sie ritten zu den Mährern , und einer grüßte gegen Wratislaw . » Swak , du hast Jarohnew verlassen « , sagte Wratislaw zu ihm . Der Mann antwortete : » Er wird mit den Seinigen sogleich kommen , wir haben verschiedene Wege eingeschlagen . « » Und wann seid ihr umgekehrt ? « fragte Wratislaw . » Heute nach Mitternacht , der Weg von Milin her ist weit und beschwerlich « , antwortete der Gefragte . » Und warum bist du abseits nach Milin gegangen ? « fragte Wratislaw . » Damit Zeugen sind , welche uns in Milin gesehen haben « , antwortete der Mann . » So fürchtest du Gefahr ? « fragte Wratislaw . » Ja « , entgegnete der Mann , » und Jarohnew ist gegen Manetin geritten , davon er noch weiter hieher hat . « » Und wo seid ihr gestern gewesen ? « fragte Wratislaw . » In Pilsen , und auf dem Felde vor Pilsen sind wir auseinander gegangen « , antwortete der Mann . » Und seid umgekehrt ? « sagte Wratislaw . » Der König Konrad ist nach Pilsen gekommen « , entgegnete der Gefragte , » wir sind in seinen Scharen gewesen , dann haben wir das weite Feld gesucht , und haben uns getrennt . « » Nun ? « fragte Wratislaw . » Hoher Herr ! « antwortete der Mann , » der Kriegsbann der Deutschen ist dreimal und viermal größer als das Heer vor der Stadt Prag , sie tragen blanke Harnische von Stahl oder von Gold , und da sie auf dem ebenen Boden vor Pilsen standen , erglänzte das Feld und der Wald von ihrem Scheine . Dann hat Wladislaw noch eine große Schar . « » Du bist ein kluger Mann , Swak « , sagte Otto , der Herzog von Olmütz , » und es ist gut , Wratislaw , daß wir selber gekommen sind . « » Es ist gut « , sagte Wladislaw , der Sohn Sobeslaws , » es müssen unsere Augen schauen , und unsere Herzen dabei sein . « Da sie noch sprachen , gab der Mann an der Spitze des Waldes ein Zeichen , und bald darauf kam ein Häuflein anderer Reiter auf dem Pilsener Wege zu den Fürsten . Wratislaw sagte : » So bist du auf dem Rückwege , Jarohnew ? « » Wir haben in Manetin nur eine Stunde gerastet « , antwortete der Mann , » wir sind in der finsteren Nacht und auf den ungefügen Wegen geritten , und die Tiere haben kaum eine Handvoll Futter verzehrt . « » Und warum bist du so geritten ? « fragte Wratislaw . » Weil mein Weg weiter ist als der von Swak « , antwortete der Mann , » und weil ich nicht wissen konnte , ob er nicht gefangen worden ist ; denn darum haben wir uns getrennt , und weil ich die Botschaft zu dem Herzoge bringen wollte . « » Ist deine Botschaft so nötig ? « fragte Wratislaw . » Sie ist nötig « , antwortete der Mann , » der König Konrad ist bei Pilsen , seine Macht ist sechsmal größer als die eurige , alles glänzt von Helmen , Harnischen , Schilden , Schwertern . « » Hast du sie gezählt ? « schrie Otto , der Herzog von Olmütz . » Die deutsche Macht ist zehnmal größer als die mährische « , rief ein Mann aus den Reitern Jarohnews . » Zehnmal , zwölfmal größer , und sie wird noch größer « , rief einer von dem Geleite Swaks . » Ja , immer größer « , rief ein anderer . » Ihr seid Tröpfe , und also , lieben Brüder , vorwärts « , rief Wratislaw . » Vorwärts « , rief Wladislaw , der Sohn Sobeslaws . » Wir müssen nach vorwärts « , rief Bogdan . » Vorwärts , vorwärts « , riefen mehrere . » Nehmt die Männer Swaks und Jarohnews in die Mitte « , sagte Wratislaw , » sie müssen mit uns gegen Pilsen . « » Wir können nicht gegen Pilsen « , sagte Jarohnew , » wir sind im Dienste des Herzogs Konrad , und müssen ihm die Botschaft bringen . « » Ihr bringt sie nicht « , sagte Wratislaw , » ich werde den Herzog Konrad bedeuten . « » Ach , hoher Herr « , sagte Jarohnew , » reitet nicht gegen Pilsen , der König Konrad zieht heran , Wladislaw wird wie ein Sturmwind daher reiten , ihr könnt ihm nicht entrinnen , und er wird euch die Häupter von den Leibern hauen . Nehmt in der Gegend jemanden gute Pferde , gebt sie uns , daß wir eilig mit der Meldung an die Stadt Prag kommen , damit der Herzog Konrad die Stadt erobere , und sich auf den Herzogstuhle setze , und daß der König Konrad dann Prag belagern muß . Der Hunger wird die Deutschen töten , oder ihr wollt euch dem Herzoge Wladislaw ergeben . « » Du Hund « , schrie Wratislaw , » ich lasse dich mit deinen Genossen an diesen Föhren aufhängen . « » Habt Barmherzigkeit « , rief Swak , » ich habe Weib und Kinder . « » Nehmt sie unter euch « , rief Wratislaw , » und vorwärts . « » Vorwärts « , riefen mehrere . Die Männer der Reiterschar umringten die von Swak und Jarohnew , die Pferde derselben wurden gewendet , und der Zug ging auf dem Heerwege gegen Pilsen weiter . Odolen und Witiko verließen jetzt ihre Stelle an dem Waldsaume , gingen zu ihren Pferden , und ritten zu den Ihrigen , um sie zu ordnen , und den Feinden nachzueilen . Witiko hatte eine größere Zahl , und brauchte eine längere Zeit . Als er nun seine Männer von der Wiese auf den Heerweg hinaus geführt , und Odolen eingeholt hatte , standen die Scharen schon zum Streite . Die Männer drohten und die Pferde drängten zum Kampfe , und das Schwert Odolens war gegen Wladislaw gerichtet . Da sprengte Witiko mit einem Satze seines Pferdes zwischen die Reihen , und rief : » Odolen , töte ihn nicht . « » Gib Raum « , schrie Odolen . » Ich gebe nicht Raum « , rief Witiko , » töte ihn nicht , ich habe das Brod seines Vaters gegessen , und die Hand seiner Mutter hat auf meinem Haupte geruht . Sobeslaw hat das Land beglückt , und Adelheid hat darauf geschienen wie eine Sonne . Du darfst das Kind dieser beiden nicht töten . « » Der Krieg hat seine Art « , schrie Odolen , » man frägt nach nichts , man kann siegen oder unterliegen , es ist alles gleich . Gib Raum , daß dich die Schärfe des Schwertes nicht trifft . « » Ich weiche nicht , Odolen « , rief Witiko , » Odolen , du hast gesagt , du liebest mich wie einen Bruder , und wollest mir einen Bruderdienst tun , wenn ich ihn nenne : ich habe ihn nicht genannt , jetzt nenne ich ihn . Gib Frist , daß mit diesen Männern gesprochen werden kann . « » Sie stehn nicht Rede « , sagte Odolen , » aber weil ich dir den Dienst tun will , so rede , wenn du Worte weißt , die diese Menschen rühren können . « » Sie werden wohl einen Führer haben « , sagte Witiko . » Der dort ist Wratislaw von Brünn « , sagte Odolen , » ein abtrünniger Sprosse Premysls ; der da ist Otto , der Fürst von Olmütz , der mit Verrat dankt ; und dieser ist Wladislaw , der Knecht des Knechtes der Lechen . « » Das sind nicht die Worte , Odolen « , sagte Witiko , » höret mich , erlauchte Herren . Ich sage : Erhabene Söhne Premysls , ich kann nicht denken , daß ihr leichthin von der Belagerung Prags in das Land hinaus reitet , ich muß erkennen , daß ihr einen großen Vorsatz habt . Wenn die Reue in euer Herz gekommen ist , und ihr zu Wladislaw zieht , um euch zu unterwerfen , so werden wir euch mit Ehrerbietung geleiten , und das Herz des Herzogs wird voll Freude sein . « » Wer bist du denn , der du zu reden wagst wie ein Gebieter « , schrie Bogdan , » du Landstreifer ! « » Ich rede nicht zu euch , und doch will ich dir antworten , Bogdan , ihr habt mich einst zu eurer Versammlung geladen « , sagte Witiko . » Damit du uns verraten konntest « , schrie Bogdan . » Ich habe nichts versprochen « , entgegnete Witiko . » Er will Worte machen , wie auf dem Wysehrad « , schrie Bohus . » Nicht um Worte ist es zu tun « , sagte Witiko , » und um den , der sie redet , sondern daß sie Gutes wirken , und daß ihnen dazu die Kraft gegeben sein möchte . Aber ich rede nicht mit euch , und eure Antwort gilt mir nichts . « » Du Gauch ! « schrie jetzt der rothaarige Benes , » den wir selber auf dem Wysehrad übermütig gemacht haben , statt ihn auf den Pfahl zu hängen , wie der arme Milhost geraten hat . Wähnst du denn , daß die Fürsten dir antworten werden , der du hier weniger bist als die Lehmscholle , die ihr Hufschlag schleudert , wenn sie über ihre Länder reiten ? « » Es ist niemand unter euch , mit dem die Herzoge sprechen wollen « , sagte Domaslaw . » Hohe , erlauchte Herren « , sprach jetzt Witiko wieder , » möge es euch gefallen , mir ein Zeichen zu geben , ob ihr mir antworten wollet oder nicht . « Die Fürsten schwiegen . » Hast du nun Zeichen genug ? « schrie Odolen mit tönender Stimme , » bei allen Heiligen im Himmel , bei Gott dem Vater , und bei allen Götzen , die unsere Vorfahren angebetet haben , und die ihr etwa noch anbetet , hier ist einer , der wirklich ein Gebieter ist , und dieser bin ich . Seht her , unsere Macht ist zehnmal , zwölfmal , fünfzehnmal größer als die eurige , in fünf Augenblicken kann ich euch vertilgen . Wratislaw , der du Herzog von Brünn gewesen bist , Otto , der du durch Wladislaws Gnade Herzog von Olmütz gewesen bist , und du , Wladislaw , der du des besten Vaters Sohn bist , und die ihr alle nur bettelhafte Sünder seid : ich befehle euch , legt eure Schwerter nieder , und folgt mir als Gefangene zu dem erlauchten Herzoge Wladislaw , der euer Richter ist , und der nur immer zu gelinde richtet , was bei euch Gott verhüten möge . Mit euch andern , die ihr hier wie allwärts unnütz seid , rede ich nicht . Ihr folgt als Troß in das Lager . « » So haut ihn doch in tausend Stücke « , schrie Bogdan . » Haue « , rief Odolen , indem er sein Schwert schildgemäß über dem Haupte hielt , und an der Spitze seiner Männer stand . » Du Hund , du Katze , du Scheusal « , rief Benes . Bohus und Domaslaw aber drangen in diesem Augenblicke durch ihre Leute gegen Odolen vor . Doch Witiko stellte sein Pferd in ihren Weg , hielt sein Schwert zur Abwehr , und rief : » Um die Barmherzigkeit Gottes und die Fürbitte des heiligen Adalbert ! haltet inne , es darf kein Kampf hier sein . Männer , ihr seid in unserer Gewalt . Fünfzehnfach stehen wir gegen euch , ihr könnt nicht entrinnen , ein Kampf ist hier nur ein Mord , und wir morden nicht . Er ist auch ganz unnütz . Wir machen euch eine Gasse , geht zu Konrad , und sagt ihm , daß sein Kampf vergeblich ist , und zerstreut das Herr . « » Bist du sinnlos ? « schrie Odolen , » ich gebe keine Gasse . Und ehe man ein Auge hebt und senkt , erfüllet meinen Befehl . « » Odolen , der Herzog selber verabscheut unnützes Blutvergießen « , rief Witiko , » und diese , wenn sie zurückkehren , und berichten , wie die Sache ist , werden den Streit enden , wie kein Mensch denken kann . « » Das ist Sache des Herzogs « , rief Odolen , » der Herzog kann sie entlassen . « » Was kann indessen in Prag geschehen , augenblicklich müssen sie fort « , rief Witiko . » Du feiges Tier « , schrie Benes herüber , » wir werden den Mut zu den Unsrigen tragen , und wir werden wie Samo heran ziehen und euch vertilgen . « » Benes « , rief Witiko , » ihr werdet den Mut nicht zu den Eurigen tragen , ihr und eure Boten werdet die Sache erzählen , und wenn ihr auch lügen wollt , so wird die Wahrheit durchscheinen . Und von Samo reden wir nicht . « In diesem Augenblick erhielt Witiko von einem Manne der Mährer unversehens einen Schlag , daß Blut aus seiner Schulter floß . Sogleich wendete er sich gegen den Mann , und stürzte ihn von dem Pferde . Er drang nun gegen die andern vor , seine Männer scharten sich um ihn , und es wurde der heißeste Kampf . » Jetzt haltet fest , ihr Brüder « , schrie Wratislaw , » macht die Spitze , wir werden die Übermacht besiegen wie oft , ihr seid Helden , sie Gesindel . « » Jetzt haben die Hundeherzoge die Sprache « , schrie Odolen . » Auf , und in sie . « Sofort war er an den Feinden , und seine Männer mit ihm . Die Mährer ließen ihre Boten zurück , machten einen Schlachtkeil , und drängten vor . Sie hatten die Kriegserfahrung und die Kunst , die andern den Mut , und Odolen und Witiko beteuerten ihn noch mehr . Die Schwerter mischten sich in dichter Nähe , Blut floß durch die Gewänder , Blut floß auf die Pferde , Männer sanken , und in die große Tapferkeit der Mährer kam die Müdigkeit schneller ; immer neue Streiter drangen gegen sie , sie wankten . Da gab Witiko seinen Reitern den Befehl zu einer Wendung der Umgehung der Feinde , es entstand eine Lücke , und die Feinde flohen durch dieselbe auf dem Wege gegen Prag davon . » Verrat , Verrat , Verrat ! « schrien die Männer Odolens , und drangen gegen Witiko vor . Auch die Leute Witikos riefen : » Verrat , Verrat « , und wendeten sich gegen ihn . Augustin , Lambert , Urban und der Knecht Jakob suchten ihn zu schützen . Da sprengte Odolen durch die Scharen , deckte Witiko mit seinem Leibe , und rief : » Haltet ! Er ist nur ein Tor , ich werde ihn zum Gerichte führen . « Witiko rief : » Männer , hört mich nur einen Augenblick . « Und da es stiller geworden war , rief er : » Alles wird zur Klarheit kommen . Odolen , ich gebe mich dir gefangen , und übergebe dir den Befehl über meine Leute . Ich werde mit dir gehen , und wenn du kämpfst , werde ich mitkämpfen , und Gott mag verfügen , was ihm gefällt . « » So ist es gut , Witiko , wie du tust « , rief Odolen , » und ihr , verworrene Männer , ihr habt in euerm Durcheinanderstürmen dem Feinde einen Vorsprung gegeben , wir müssen ihn erreichen , stellt euch in Ordnung . Die Pfleger bleiben bei den Verwundeten und Toten . « Die Männer machten schnell ihre Reihen , und in dem nächsten Augenblicke ritten sie , was die Pferde zu rennen vermochten , auf dem Wege gegen Prag den Mährern nach , die vor ihnen waren . Sie sahen den Staub , den sie erregten , und sie erregten selber Staub , und beständig sahen sie auf den Abstand dieser zwei Staubsäulen . Nach einer Stunde erkannten sie , daß der Abstand sich mindere . Da kamen sie in den Wald von Holaubkau . Sie sahen in dem Walde die Feinde nicht ; erkannten aber an dem Staube , daß sie durchgeritten seien . Sie durchritten den Wald . Da sie sein Ende erreichten , brannte vor ihnen das Dorf Holaubkau , und Menschen und Geräte und Wägen und Haustiere waren vor ihnen auf dem Wege , und die Flammen von den hölzernen Häusern wehten über denselben . Odolen ritt gegen die Menschen , und rief : » Zeigt einen Weg um das Dorf . « Eine Menge Stimmen antworteten , daß man die Antwort nicht verstehen konnte . » Der mit den weißen Haaren und dem blauen Gewande antworte allein « , schrie Odolen . » ES geht kein Weg um das Dorf « , sagte der alte Mann , » die Wege gehen alle von den Wiesen und Feldern in die Häuser . « » Nur einen festen Grund , einen festen Grund , auch ohne Weg « , rief Odolen . » Ich zeige einen « , » ich zeige einen « , riefen mehrere Stimmen . » Fünf Reiter folgen einem jeden , der sich gemeldet hat « , rief Odolen , » und wo sie Boden für die ganze Schar finden , kommen sie zurück , und zeigen es an . « Die Reiter sonderten sich ab , und folgten den Boten . Odolen ritt selber mit dem Greise und mit vier Männern rechts an dem Dorfe hin , und forschte . Es waren meist weiche Wiesen , und wo er Boden für die Schar fand , war er wieder unterbrochen , und an dem Greise sah er , daß derselbe nicht wisse , welchen Grund eine Reiterschar brauche . Eine Richtung , die er endlich erkannte , war ein langer Bogen . Er ritt wieder zurück , die Reiter kamen auch , und jeder sagte , wie man es versuchen könne , und jeder sagte , daß man vorüber könne . » Man kann vorüber « , rief Odolen , » ich habe es selber gesehen , und ich kann euch auch führen ; aber Brüder , Freunde , Kampfgenossen , das andere ist auch vorüber . Mehr als eine Stunde ist vergangen , seit wir hier angekommen sind , ihr seht es an dem Niederbrennen des Feuers . Und wenn wir den Abstand von den Feinden in jeder Viertelstunde um tausend Ellen kürzen könnten , erreichen wir sie in fünf Stunden , und sind in der Steinschlucht am Wasser , oder in der Nähe ihres Lagers . Pflegt die Pferde , nehmt Nahrung , ruhet , und wir kehren um . « Die Männer führten ihre Pferde in die Waldschatten , und bereiteten sich zu dem , was Odolen gesagt hatte . Witiko blickte in das Feuer , und sprach kein Wort . Dann ließ er seine Wunde , die gering war , von Jakob verbinden . Als Menschen und Tiere erquickt waren , ließ Odolen den Vorstand des Dorfes kommen , und sagte , daß er die armen Leute der Gnade des Herzogs empfehlen werde , und dann begann die Schar den Rückweg . Auf dem Platze des Kampfes fanden sie nichts mehr . In der Nacht kamen sie in das Lager des Herzogs . Odolen ging zu ihm , und berichtete ihm den Hergang . Dann besuchte er die Verwundeten , und fragte nach den Toten . Nach Odolen ging Witiko zu dem Herzoge in das Gezelt , und sagte : » Hoher Herr ! du weißt , was geschehen ist . Ich übergebe dir mein Schwert mit dem Bilde des heiligen Petrus , dem ich vertraut habe . Ich bitte dich , lasse mich erst richten , wenn deine Sache entschieden ist . Wenn eine Schlacht sein sollte , so gib mir in deiner Gnade mein Schwert , daß ich in ihr kämpfe , wie ich sonst gekämpft habe . Dann reiche ich es dir wieder . « » Witiko « , antwortete der Herzog , » behalte dein Schwert , und gebrauche es . Dem Gerichte aber stelle dich . « » Ich werde es tun , hoher Herr « , sagte Witiko . Darauf verließ er das Gezelt , und ging auch zu den Verwundeten . Indes diese Dinge geschahen , war es in Prag , wie es schon viele Tage vorher gewesen war . Das Schleudern gegen die Mauern dauerte , und die Verteidigung dauerte . Die Männer in der Stadt waren weniger , und die Männer vor der Stadt waren auch weniger . Die Mauern zeigten größere Beschädigungen , die Geräte der Feinde waren in geringerer Wirkungskraft , und die auf den Mauern auch . Am fünften Tage des Brachmonates drängten sich so viele Feinde gegen die Stadt , daß die auf den Mauern meinten , kein einziger Mensch sei in dem Lager zurückgeblieben . Das Werfen aus den Schleuderstücken der Feinde wurde stärker , als es früher gewesen war . Sie schoben Gerüste und Geräte noch näher an die Stadt , obgleich sie da ohne Bergen waren , und harreten bei ihnen während des Werfens gegen sie aus . Diepold sandte an Geschossen in die Feinde , was er zu senden vermochte . Die Mährer änderten ihre Feuerwürfe . Da sie früher nur Branddinge gegen die Krieger auf den Zinnen geschleudert hatten , so ging nun ein brennender Pfeil in hohem Bogen gegen die Gebäude der Stadt . Dem Pfeile folgten bald mehrere , und Feuerballen gingen in die Luft . Die Feinde suchten auch an der schwächsten Stelle der Mauer empor zu klimmen . Diepolds Scharen drängten sich zur Verteidigung heran . Da , als es schon gegen den Abend ging , begann die Kirche des heiligen Veit zu brennen . Der Türmer ließ das große Banner des Herzogs Wladislaw nieder , und rettete es zu Diepold . Darauf faßte das Feuer das ganze Dach , und es ging eine breite Lohe gegen den Himmel empor . Und fast zur nämlichen Zeit begannen das Kloster und die Kirche des heiligen Georg zu brennen , und die Flammen gingen in die Lüfte . Die Männer auf den Mauern wendeten ihre Angesichter dahin , und es war , als erstarrten sie . Da sprang Dimut unter den Pfeilen auf eine hohe Stelle der Zinnen , streckte ihren blutenden Arm mit dem Schwerte empor , und rief : » Jetzt kommt der Retter , jetzt kommt der Retter , der Feind weiß es , und sendet uns das Zeichen . Er übt im Aberwitze der Verzweiflung Rache an den Heiligtümern . Unsere Heiligtümer sind nicht verloren , wir werden sie wieder aufbauen , sie werden schöner sein als früher , und mit der Weihe des Erzbischofes wieder hilfreich und gnadenreich ; die aber an ihnen gefrevelt haben , werden mit zerrauften Haaren und mit entblößtem Armen auf der Erde liegen , und den Himmel um Barmherzigkeit anflehen , und den irdischen Richter um Gnade , daß er nicht zu hart strafe . Der Retter kommt , der Retter kommt . « Sie schwang ihr Schwert freudenvoll um das Haupt , und hundert Männer riefen : » Der Retter kommt , der Retter kommt . « Sie stieg von der Zinne nieder , und zwei Pfeile hingen an ihrem Panzer , und einen trug sie in der linken Hand . Der Ruf verbreitete sich längs der Mauern . Die Herzogin sendete Trompeter , die verkündeten : » Der Herzog Wladislaw kommt . « Jetzt sah man den Bischof Otto mit seinen Priestern in kirchlichem Zuge heilige Kleinodien aus der Kirche des heiligen Veit gegen die Kirche der heiligen Jungfrau Maria tragen . Da riefen sie : » Laßt uns hinaus gegen sie , laßt uns hinaus . « Diepold antwortete : » Mit dem Herzoge gehen wir hinaus , jetzt wahrt die Mauern . « Und die Männer stürzten noch eifriger zur Verteidigung vor . Er aber ließ das große rosenrote Banner des Herzoges an einem hohen glatten Baume empor ziehen . Nun regte alles , was in der Stadt Hände hatte , dieselben . Man warf nicht nur die Dinge des Krieges gegen die stürmenden Feinde : Pfeile , Bolzen , Pflöcke , Steine , Fäßchen mit siedendem Öle und ätzenden Flüssigkeiten , Brandpech , glühende Metalle und brennende Pfeile und Brandwerke , es wurde nicht nur , was von den Feinden herein kam , und tauglich war , wieder gegen sie gesendet , sondern man nahm jedes , was zu bewegen und zu zerreißen war , Mauertrümmer , Bausteine , Treppenstufen , Stücke , die man von Werken oder Gittern riß , Dachrinnen , Brunnenröhren , und was Hände fassen konnten , und warf es auf die Feinde . Diese ließen nicht ab . Endlich kam die späte Abenddämmerung dieser Jahreszeit , und die Feinde wichen von den Mauern , und gingen zurück , und gingen immer weiter zurück , und endeten ihr Werfen . Die Verteidigung hörte auch auf , und es war nach einer Stunde so stille , als ob nichts gewesen wäre , nur daß der Schein der Feuer , die sanfter brannten , gegen die Luft empor leuchtete . Der Bischof Otto hielt nun mit seinen Priestern unter dem freien Himmel ein Dankgebet . Dann ging er in die Kirche der heiligen Jungfrau Maria , und betete mit ihnen dort wieder , und es beteten die Krieger mit . Man konnte nun die Sorge für die Verwundeten und die Toten anwenden . Es hatten viele Menschen das Leben verloren , auch solche , die aus der Stadt und nicht von den Kriegern waren . Dobromil , ein edler Mann aus dem Morgen des Landes und Ded , aus dem Mittage , hatten ihren Tod gefunden . Die Herzogin ging zu der Brandstelle der Kirche des heiligen Veit , und fragte , was man denn von den Heiligtümern und wichtigen Dingen zu bergen im Stande gewesen sei . Die , welche die Rettung der Kirche und die Löschung des Brandes versucht hatten , sagten , daß manches schnell fortgeschafft worden sei , daß man es in verschiedene Plätze gebracht habe , daß man aber nicht erkennen könne , was gerettet worden sei , und was das Feuer verzehrt habe . Hierauf konnte man die Ruhe , die mit der Sicherheit möglich war , suchen . Die kurze Nacht ging bald vorüber . Als sich der erste Schein des Morgens lichtete , spähten Menschen nach jeder Richtung . Und da es endlich hell geworden war , sah man , daß das Lager der Feinde leer sei , und daß die Nähe und die Ferne um die Stadt und die Burgflecken leer sei . Kein Feind war zu erblicken , und kein Retter war zu erblicken . Im Lager der Feinde standen die Geräte da , es standen Reihen von Gezelten , und es lagen Dinge des Krieges und andern Gebrauches umher . Die Männer auf den Zinnen erhoben einen Siegesruf , und die Menschen in der Stadt riefen