ich ihnen darlegte , daß ihr Gemälde einen höheren Wert habe als das meinige , und wenn ich diesen Wert nach genauer Schätzung durch Geld ausglich , so war das Vergnügen noch größer ; denn sie zweifelten doch immer , ob ich recht habe und das alte Bild nicht aus Vorliebe überschätze , da ihnen ja ihre Augen sagten , daß der Unterschied nicht so groß sei . Auf diese Weise bekam ich manches Angenehme , ohne meinem Billigkeitsgefühle nahe treten zu müssen , was bei Bildergeschäften so leicht der Fall wird . Die heilige Maria mit dem Kinde , welche Euch so wohl gefällt , und welche ich beinahe eine Zierde meiner Sammlung nennen möchte , hat mir Roland auf dem Dachboden eines Hauses gefunden . Er war dorthin mit dem Eigentümer gestiegen , um altes Eisenwerk , darunter sich mittelalterliche Sporen und eine Klinge befanden , zu kaufen . Das Bild war ohne Blindrahmen , und war nicht etwa zusammengerollt , sondern wie ein Tuch zusammengelegt , und lag im Staube . Roland konnte nicht genau erkennen , ob es einen Wert habe , und kaufte es dem Manne um ein Geringes ab . Ein Soldat hatte es einmal aus Italien geschickt . Er hatte es als bloße Packleinwand benützt , und hatte Wäsche und alte Kleider in dasselbe getan , die ihm zu Hause ausgebessert werden sollten . Darum hatte das Bild Brüche , wo nämlich die Leinwand zusammengelegt gewesen war , an welchen Brüchen sich keine Farbe zeigte , da sie durch die Gewalt des Umbiegens weggesprungen war . Auch hatte man , da wahrscheinlich die Fläche zum Zwecke einer Umhüllung zu groß gewesen war , Streifen von ihr weggeschnitten . Man sah die Schnitte noch ganz deutlich , während die anderen Ränder sehr alt waren und noch die Spuren von den Nägeln zeigten , mit denen sie einst an den Blindrahmen befestigt gewesen waren . Auch war , durch die Mißhandlungen der Zeiten herbeigeführt , an andern Stellen als an denen der Brüche die Farbe verschwunden , so daß man nicht nur den Grund des Gemäldes , sondern hie und da auch die lediglichen nackten Fäden der alten Leinwand sehen konnte . So kam das Bild auf dem Asperhofe an . Wir breiteten es zuerst auseinander , wuschen es mit reinem Wasser , und mußten dann , um es als Fläche zu erhalten und es betrachten zu können , Gewichte auf seine vier Ecken legen . So lag es auf dem Fußboden des Zimmers vor uns . Wir erkannten , daß es das Werk eines italienischen Malers sei , wir erkannten auch , daß es aus älterer Zeit stamme ; aber von welchem Künstler es herrühre , oder auch nur aus welcher Zeit es sei , war nach dem Zustande , in welchem die Malerei sich befand , durchaus nicht zu bestimmen . Teile , welche ganz waren , ließen indessen ahnen , daß das Gemälde einen nicht zu geringen Wert haben dürfte . Wir gingen nun daran , ein Brett zu verfertigen , auf welches das Bild geklebt werden könnte . Wir bereiten solche Bretter gewöhnlich aus Eichenholz , das aus zwei übereinanderliegenden Stücken , deren Fasern auf einander senkrecht sind , und einem Roste besteht , damit dem sogenannten Werfen oder Verbiegen des Holzes vorgebeugt werde . Als das Brett fertig und die Verkittung an demselben vollkommen ausgetrocknet war , wurde das Gemälde auf dasselbe aufgezogen . Wir hatten dort , wo die Ränder des Bildes weggeschnitten waren , die Holzfläche größer gemacht und die neu entstandenen Stellen mit passender Leinwand gut ausgeklebt , um dem Gemälde annähernd wieder eine Gestalt geben zu können , die es ursprünglich gehabt haben mochte , und in der es sich den Augen wohlgefällig zeigte . Hierauf wurde daran gegangen , das Bild von dem alten hie und da noch vorfindlichen Firnisse und von dem Schmutze , den es hatte , zu reinigen . Der Firnis war durch die gewöhnlichen Mittel leicht wegzubringen , nicht so leicht aber der durch Jahrhunderte veraltete Schmutz , ohne daß man in Gefahr kam , auch die Farben zu beschädigen . Das gereinigte , auf der Staffelei stehende Gemälde wies uns nun eine viel größere Schönheit , als es uns nach der ersten , oberflächlichen Waschung gezeigt hatte ; aber es war durch die vielen Sprünge , Risse und nackten Stellen noch so verunstaltet , daß eine genaue Würdigung auch jetzt nicht möglich war , selbst wenn wir bedeutend größere Erfahrungen gehabt hätten , als wir hatten . Roland und Eustach schritten zur Ausbesserung . Kein Ding kann schwieriger sein , und durch keins sind Gemälde so sehr entstellt und entwertet worden . Ich glaube , wir haben einen nicht unrichtigen Weg eingeschlagen . Eine ursprüngliche Farbe durfte gar nicht bedeckt werden . Zum Glücke hatte das Bild gar nie eine Ausbesserung oder sogenannte Übermalung erhalten , so daß entweder nur die ursprüngliche Farbe vorhanden war , oder gar keine . In die farbentblößten Stellen wurde die Farbe , welche die umgrenzenden Ränder zeigten , gleichsam wie ein Stift eingesetzt , bis die Grube erfüllt war . Wir nahmen die Farben so trocken als möglich und so dicht gerieben , als es der Laufer auf dem Steine , ohne stecken zu bleiben , zuwege bringen konnte . Wenn sich aber doch wieder nach dem Trocknen eine Vertiefung zeigte , wurde dieselbe neuerdings mit der nämlichen Farbe ausgefüllt , und so fortgefahren , bis eine ; Höhlung nicht mehr entstand . Erhöhungen , die blieben , wurden mit einem feinen Messer gleichgeschliffen . Auch über unausrottbaren Schmutz wurde die Farbe seiner Umgebung gelegt . Wenn die Farbe nach längerer Zeit durch das 01 , das sie enthielt , und durch andere Ursachen , die vielleicht noch mitwirken , nachgedunkelt war und sich in dem Gemälde als Fleck zeigte , wurde mit äußerst trockener Farbe und mit der Spitze eines feinen Pinsels die Stelle so lange gleichsam ausgepunktet , bis sie sich von der Umgebung durchaus nicht mehr unterschied . Dieses Verfahren wurde zuweilen mehrere Male wiederholt . Zuletzt konnte man mit freien Augen die Plätze , an welchen sich neue Farben befanden , gar nicht mehr erkennen . Nur das Vergrößerungsglas zeigte noch die Ausbesserungen . Wir brachten Jahre mit diesem Verfahren zu , besonders da Zwischenzeiten waren , die mit andern Arbeiten ausgefüllt werden mußten , und da unser Vorgehen selber Zwischenzeiten bedingte , in denen die Farben auszutrocknen hatten , oder in denen man ihnen Zeit geben mußte , die Veränderungen zu zeigen , die notwendig bei ihnen eintreten müssen . Dafür aber war an dem vollendeten Gemälde nicht zu merken , daß es nicht in allen Teilen ein altes sei , es hatte die feinen Sprünge alter Bilder und hatte alle die Reinheit und Klarheit des Pinsels , der es ursprünglich geschaffen hatte . Wenn man alte Bilder bei Ausbesserungen übermalt und dadurch stimmt , so ist nicht selten ein Überzug über die feinen Linien , welche die Zeit in alte Bilder sprengt , und dieser Überzug zeigt nicht nur , daß das Bild ausgebessert worden ist , sondern er stellt auch einen feinen Schleier dar , der über die Farben gebreitet ist und sie trüb und undurchsichtig macht . Solche Bilder geben oft einen düstern , unerfreulichen und schwerlastenden Eindruck . Es werden viele unser Tun in Herstellung alter Bilder unbedeutend und unerheblich nennen , besonders da es so viele Zeit und so viele Anstalten erforderte ; uns aber machte es eine große und eine innige Freude . Ihr werdet es gewiß nicht tadeln , da Ihr einen so großen Anteil an den Hervorbringungen der Kunst zu nehmen beginnt . Wenn nach und nach die Gestalt eines alten Meisters vor uns aufstand , so war es nicht bloß das Gefühl eines Erschaffens , das uns beseelte , sondern das noch viel höhere eines Wiederbelebens eines Dinges , das sonst verloren gewesen wäre , und das wir selber nicht hätten erschaffen können . Als schon bereits einige Teile des Bildes fertig waren zeigte es sich , daß die Farben reiner und glänzender seien , als wir gedacht hatten , und daß das Bild einen vorzüglicheren Wert habe , als anfangs unsere Vermutung war . So lange die vielen Sprünge und farblosen Stellen und so lange die unreinen Flecke , die wir nicht hatten beseitigen können , auf dem Gemälde waren , übten sie auch auf das Nichtzerstörte und sogar auf das sehr wohl Erhaltene einen Einfluß aus und ließen es im ganzen mißfärbiger erscheinen , als es war . Nachdem aber in einer ziemlich großen Fläche die widerstreitenden Stellen mit den entsprechenden Farben zugedeckt waren , und die neue Farbe die alte , statt ihr zu widersprechen , unterstützte , so kam eine Reinheit , ein Schmelz , eine Durchsichtigkeit und sogar ein Feuer zu Stande , daß wir in Erstaunen gerieten ; denn bei starkbeschädigten Bildern kann man die Folgerichtigkeit der Übergänge nicht beurteilen , bis man sie nicht vollendet vor sich hat . Freilich mochte der besondere Farbenfluß sich noch höher darstellen , da er von den unverbesserten und widerwärtigen Stellen umgeben und gehoben wurde ; aber das war schon vorauszusehen , daß , wenn das ganze Bild fertig sein würde , seine Stimmung einen entschieden künstlerischen Eindruck machen müsse . Ich hatte während der Arbeit viele Mühe darauf verwendet , die ganze Geschichte und die Herkunft des Bildes zu erforschen ; allein ich kam zu keinem Ergebnisse . Der Soldat , der die Leinwand aus Italien geschickt hatte , war längst gestorben , und es lebte überhaupt niemand mehr , der in näherer Beziehung zu dem Ereignisse gestanden wäre ; denn dasselbe hatte sich weit früher zugetragen , als ich gedacht hatte . Der Großvater des letzten Besitzers des Bildes hatte öfter erzählt , daß er sagen gehört habe , daß ein aus dem Hause gebürtiger Soldat einmal seine Strümpfe und Hemden in ein Muttergottesbild eingewickelt aus Welschland nach Hause geschickt habe . Die Wahrheit der Erzählung bestättigte sich dadurch , daß man noch das alte zerstörte Marienbild auf dem Dachboden des Hauses fand . Ich konnte auch nicht ergründen , welche Gelegenheit es gewesen sei , die jenen deutschen Soldaten nach Welschland geführt hatte . Von dem , herauszufinden , aus welcher Gegend Italiens das Bild gekommen sei , konnte nun vollends gar keine Rede mehr sein . Als nach langer Zeit , nach vieler Mühe und mancher Unterbrechung das Gemälde in einem schönen , altertümlich gearbeiteten Goldrahmen fertig vor uns stand , war es eine Art Fest für uns . Roland war herbei gerufen worden , da er gegen den Schluß des Werkes eine Reise angetreten und die Vollendung seinem Bruder überlassen hatte . Mehrere Nachbaren waren geladen worden , ja ein Freund und Kenner alter Kunst , dem ich die Sache gemeldet hatte , war sogar von ziemlich weiter Entfernung herzugekommen , um die Wiederherstellung zu sehen , und andere , wenn sie auch nicht geladen waren , hatten sich eingefunden , da sie durch Zufall Kenntnis von der Begebenheit erhalten hatten , und wußten , daß sie auf dem Asperhofe nicht unwillkommen sein würden . Es ist nicht wahr , was man öfter sagt , daß eine schöne Frau ohne Schmuck schöner sei als in demselben : und eben so ist es nicht wahr , daß ein Gemälde zu seiner Geltung nicht des Rahmens bedürfe . Ich hatte zu unserem Marienbilde einen Rahmen nach Zeichnungen aus mittelalterlichen Gegenständen bestellt , und hatte dessen Ausführung gelegentlich , wenn mich ein Geschäft oder mein Wille in die Stadt brachte , überwacht . Er war weit eher auf dem Asperhofe angekommen , als das Bild fertig war , und mußte die Zeit über in seiner Kiste verpackt harren . Wir versuchten auch nicht ein einziges Mal das Bild in ihn zu fügen , ehe es fertig war , um den Eindruck nicht zu schwächen . Bei neuen Bildern zeigt freilich der Rahmen erst , daß noch manches hinzuzufügen und zu ändern ist , und vieles muß an solchen Bildern erst gemacht werden , wenn man sie bereits in einem Rahmen gesehen hat . Bei alten Bildern , die wiederhergestellt werden , ist das anders , besonders , wenn sie auf unsere Weise hergestellt werden . Da gibt das Vorhandene den Weg der Herstellung an , man kann nicht anders malen , als man malt , und die Tiefe , das Feuer und der Glanz der Farben ist daher durch das bereits auf der Leinwand Befindliche bedingt . Wie dann das Bild in einem Rahmen aussehen werde , liegt nicht in der Willkür des Wiederherstellers , und wenn es in dem Rahmen trefflich oder minder gut steht , so ist das Sache des ursprünglichen Meisters , dessen Werk man nicht ändern darf . Als unsere Maria , welche noch nicht einmal einen Firnis erhalten hatte , aus den altertümlichen Gestalten des Rahmens , die sehr paßten , heraussah , so war es ein wunderbarer Anblick , und erst jetzt sahen wir , welche Lieblichkeit und Kraft der alte Meister in seinem Bilde dargelegt hatte . Obwohl der Rahmen erhabene Arbeit in Blumen , Verzierungen und sogar in Teilen der menschlichen Gestalt enthielt , und auf demselben Glanzlichter von starker Wirkung angebracht waren , so erschien das Bild doch nicht unruhig , ja es beherrschte den Rahmen und machte seinen Reichtum zu einer anmutigen Mannigfaltigkeit , während es selber durch seine Gewalt sich geltend machte und in den erhebenden Farben von würdigem Schmucke umgehen thronte . Ein leiser Ruf entschlüpfte den Lippen aller Anwesenden , und ich freute mich , daß ich mich nicht getäuscht hatte , als ich , auf die Macht des Bildes rechnend , einen so reichen Rahmen für dasselbe bestellt hatte . Wir standen lange davor und betrachteten die Schönheit der Farbengebung an den entblößten Teilen so wie die der Gewandung und der Gründe , was im Vereine mit der Einfachheit und Hoheit der Linienführung und mit der maßvollen Anordnung der Flächen ein so würdevolles und heiliges Ganzes bildete , daß man sich eines tiefen Ernstes nicht erwehren konnte , der wie wahrhaftige Andacht war . Erst später fingen wir zu sprechen an , beredeten dieses und jenes , und kamen , wie es natürlich war , dahin , Vermutungen über den Meister zu wagen . Es wurde Guido Reni genannt , es wurde Tizian genannt , es wurde die Raffaelische Schule genannt . Für alles hatte man Gründe , und der Schluß war , wie er es auch noch heute ist , daß man nicht wußte , von wem das Bild sei . Roland war außerordentlich vergnügt , daß er die Sache in ihrer Entstellung schon geahnt und durch den Kauf eine so zweckmäßige Handlung ausgeführt habe . Damals war er noch außerordentlich jung , er war bei weitem nicht so eingeübt wie jetzt , und war daher seiner Handlung nicht ganz sicher . Eustach sah man es an , daß ihm , wie der Volksausdruck sagt , das Herz vor Freude lache . Eine freundliche Bewirtung meiner Gäste war damals das Ende des Tages . Wir suchten in der folgenden Zeit eine Stelle , an welcher das Bild am vorteilhaftesten aufgehängt werden könnte . Roland erhielt eine Belohnung in einem Werke , das er sich schon längst gewünscht hatte , und Eustach , das sah ich wohl , fand seine schönste Befriedigung darin , daß er näher in unsere Kunstkreise gezogen wurde . Dem Manne , von welchem das Bild in seinem verstümmelten Zustande gekauft worden war , gab ich noch eine Summe , mit welcher er weit über seine Erwartung abgefunden war ; denn das Bild hätte er doch nie herstellen lassen können , er wäre auch auf den Gedanken nicht gekommen , und ohne Roland wäre das Bild nicht verkauft worden , bis es immer mehr verfallen und einmal vernichtet worden wäre . Oft stand ich in späteren Zeiten noch davor und hatte manche Freude in Betrachtung des Werkes . Ich sah das Angesicht und die Hände der Mutter an , und sah das teils nackte , teils durch schöne Tücher schicklich verhüllte Kind . Ein dem Lande Italien so häufig zukommendes Zeichen ist es , daß das Kind nicht in den Armen der Mutter gehalten wird , sondern daß es mit schönem Hinneigen zu derselben und von ihr leicht und sanft umfaßt auf einem erhöhten Gegenstande vor ihr steht . Der Künstler hat dadurch nicht nur Gelegenheit gefunden , den Körper des Kindes in einer weit schöneren Stellung zu malen , als wenn er von der Mutter an ihren Busen gehalten gewesen wäre , sondern er hat noch den weit höheren Vorteil erreicht , das göttliche Kind in seiner Kraft und in seiner Freiheit zu zeigen , was die Wirkung hat , als ehrten wir gleichsam schon die Macht , mit welcher es einstens handeln wird . Daß südliche Völker den Heiland als Kind in so großer sinnlicher Schönheit malen , hat mich immer entzückt , und wenn auf meinem Bilde das heilige Kind eher wie ein kräftiger , wunderschöner Leib des Südens aussieht , so beirrt mich das nicht , sehen doch die Jesuskinder und die Johanneskinder des herrlichen Raffael auch so aus , und die Wirkung ist doch eine so gewaltige . Daß die Mutter , deren Mund so schön ist , die Augen gegen Himmel wendet , sagt mir nicht ganz zu . Die Wirkung , scheint mir , ist hierin ein wenig überboten , und der Künstler legt in eine Handlung , die er seine Gestalt vor uns vornehmen läßt , eine Bedeutung , von der er nicht machen kann , daß wir sie in der bloßen Gestalt sehen . Wer durch einfachere Mittel wirkt , wirkt besser . Wenn er die Heiligkeit und Hoheit statt in die erhobenen Augen in die bloße Gestalt hätte legen Können , wobei die Augen einfach vor sich hinblickten , so hätte er besser getan . Raffael läßt seine Madonnen ruhig und ernst blicken , und sie werden Himmelsköniginnen , während so manche andere nur betende Mädchen sind . Aus diesem möchte ich auch schließen , daß das Bild nicht aus der Raffaelschen Schule ist , so sehr die herrliche Gestalt des Kindes daran erinnert . Das Bild hängt nicht mehr dort , wo es anfangs war . Wir haben alle Bilder mehrere Male umgehängt , und es gewährt eine eigene Freude , zu versuchen , ob in einer andern Anordnung die Wirkung des Ganzen nicht eine bessere sei . Auch darüber haben wir ernste Beratungen und vielerlei Versuche angestellt , welche Farbe wir den Wänden geben sollen , daß sich die Bilder am besten von ihnen abheben . Wir blieben dann bei dem rötlichen Braun stehen , das Ihr jetzt noch in dem Gemäldezimmer findet . Ich lasse nun nichts mehr ändern . Die jetzige Lage der Bilder ist mir zu einer Gewohnheit und ist mir lieb geworden , und ich möchte ohne übeln Eindruck die Sache nicht anders sehen . Sie ist mir eine Freude und eine Blume meines Alters geworden . Die Erwerbung der Bilder , die , wie Ihr schon aus meinen früheren Worten schließen könnt , nicht immer so leicht war wie die der heiligen Maria , stellt eine eigene Linie in dem Gange meines Lebens dar , und diese Linie ist mit vielem versehen , was mir teils einen freudigen , teils einen trüben Rückblick gewährt . Wir sind in manche Verhältnisse geraten , haben manche Menschen kennen gelernt , und haben manche Zeit mit Wiederherstellung der Bilder , mit Verwindung von Täuschungen , mit Hineinleben in Schönheiten zu gebracht , wir haben auch manche zu Zeichnungen und Entwürfen von Rahmen verwendet ; denn alle Gemälde haben wir nach und nach in neue , von uns entworfene Rahmen getan , und so stehen nun die Werke um mich wie alte , hochverehrungswürdige Freunde , die es täglich mehr werden , und die eine Annehmlichkeit und eine Wonne für meine noch übrigen Tage sind . « Daß ich durch die Erzählung meines Gastfreundes der Sammlung seiner Bilder noch mehr zugewendet wurde , begreift sich . Ich lenkte meine Aufmerksamkeit nun auch auf die Kupferstiche meines Gastfreundes . Da dieselben nicht unter Glas und Rahmen waren , sondern sich in großen Laden des Tisches im Lesezimmer befanden , so konnte man sie weit bequemer betrachten als die Gemälde . Ich nahm mir zuerst die Mappen nach einander heraus und sah alle Kupferstiche der Reihe nach an . Dann aber ging ich an eine mehr geordnete Betrachtung . So wie mein Gastfreund nicht Bücher aus dem Hause gab , wohl aber einem Gaste in sein Zimmer die verlangten bringen ließ , so tat er es auch mit den Kupferstichen , nur gab er immer gleich eine ganze Mappe in ein Zimmer , nicht aber leicht einzelne Blätter . Er tat dies der Erhaltung und Schonung willen . Weil ich nun nicht viele Stunden im Lesezimmer ununterbrochen mit Ansehen von Kupferstichen zubringen mochte , so ließ mir mein Gastfreund die einzelnen Mappen nach und nach in meine Wohnung bringen , und ich konnte die in ihnen enthaltenen Werke mit Muße betrachten , konnte diese Beschäftigung auch durch anderes unterbrechen , und konnte , wenn ich die Mappe durch eine beliebige Zeit in meiner Wohnung gehabt hatte , dieselbe durch eine andere ersetzen . Später , da ich alle Mappen genau durchsucht hatte , wobei ich mir diejenigen Werke aufzeichnete , die mir ganz besonders gefielen , oder die von meinem Gastfreunde und Eustach als vorzüglich bezeichnet waren , schlug ich mir bei Gelegenheit nur die eine oder die andere auf , um das eine oder andere mir sehr liebe Werk des Grabstichels zu besehen . Ich merkte mir in meinem Gedenkbache auch diejenigen an , welche ich mir gleichfalls kaufen wollte , wenn es solche waren , die man noch im Handel bekommen konnte . Ich lernte bei diesen Untersuchungen die Art und Weise des Vortrags verschiedener Meister und verschiedener Zeiten kennen und endlich auch würdigen , und ich fand wieder , wie es bei den Gemälden der Fall ist , daß mit geringen Ausnahmen auch diese Kunst eine schönere Vergangenheit gehabt habe , als sie eine Gegenwart habe , ja bei den Kupferstichen konnte ich dies noch genauer kennen lernen als bei Gemälden , da mein Freund alte und neue Kupferstiche hatte , während in seinem Bilderzimmer nur sehr wenige neue Bilder hingen , die Vergleichung also schwieriger war , und ich mich auf die neuen Bilder weniger erinnerte , welche ich in der Stadt gesehen hatte , und welche ich auch mit anderen Augen mochte angeschaut haben . Ich lernte die Feinheiten , die Großartigkeit , die Schönheit , die Ruhe in der Behandlung immer mehr kennen und würdigen , und beschloß , da mir Kupferstiche weit leichter zu erwerben waren als Gemälde , vorläufig damit zu beginnen , mir Blätter , die ich für trefflich hielt , zu kaufen und eine Sammlung anzubahnen . Es war eine ziemliche Zeit hingegangen , die ich mit Betrachtung und Einprägung der Kupferstiche und Gemälde verbrachte . Eustach war häufig bei mir , wir sprachen über die Dinge , und ich lernte täglich höher von diesem Manne denken . Ich kam während dieser Zeit auch öfter in das Schreinerhaus und andere Werkstätten und sah zu , was da verfertiget werde . Bei diesen Veranlassungen fiel es mir auf , daß mein Gastfreund noch nicht begonnen hatte , aus dem in Wahrheit gewiß außerordentlich schönen Marmor , den ich ihm gebracht hatte , dessen Schönheit ich ganz gewiß zu beurteilen verstand , und der ihm selber viele Freude gemacht zu haben schien , etwas verfertigen zu lassen . Ich konnte auch den Marmor in dem Rosenhause gar nicht auffinden . Er war in dem Vorratshause gelegen , wo sich auch öfter Steine von mir befunden hatten . Jetzt war er nicht mehr dort . War er , um nicht Verletzungen zu erfahren , in einen anderen , sicheren Ort gebracht werden , oder hatte man ihn doch irgendwohin gesendet , wo an ihm gearbeitet wurde ? Das letzte war nicht denkbar , da mein Gastfreund alle Dinge aus Holz und Stein in seinem Hause arbeiten ließ , wozu auch nicht nur die Vorrichtungen und Werkzeuge vorhanden waren , sondern wohin auch zu jeder Zeit die etwa noch mangelnden Arbeitskräfte gezogen werden können . Ich machte eines Tages eine Reise in das Lautertal , und hielt mich einige Zeit in demselben auf . Es war nicht , um meine gewöhnliche Beschäftigung dort vorzunehmen , sondern um nach den Arbeiten mit meinem Marmor zu sehen . In der Nähe des Ahorngasthauses - etwa zwei Wegestunden von demselben entfernt - befand sich die Anstalt , in welcher Marmor gesägt und geschliffen wurde , und in welcher man verschiedene Dinge aus Marmor verfertigte . Der Ort hieß das Rothmoor , weshalb , konnte ich nicht ergründen ; denn es war Überall Gestein und rauschendes Wasser , und von einem Moore war auf Meilen in der Länge und Breite nichts zu finden ; aber der Ort hieß so . Es befanden sich dort mehrere Stücke Marmor von mir , damit aus denselben etwas für den Vater ge macht würde . Das größte Stück war fast rosenrot , und es sollte daraus ein Wasserbecken Für den Garten werden . Das Becken aber hatte ich selber entworfen . Aus großer Vorliebe Für Gewächse hatte ich seine Gestalt aus dem Gewächsreiche genommen . Es war ein Blatt , welches dem der Einheere sehr ähnlich war , in welchem die glänzende dunkelschwarze Kugel liegt . Ich hatte das Blatt nach einem wirklichen aus Wachs gebildet , nur die Auszackung machte ich geringer und die Tiefe größer . Das Wachsblatt wurde von einem Arbeiter , der des Gestaltens sehr kundig war , in Gips bedeutend größer nachgebildet , und nach dem Gipsblatte sollte das Marmorbecken gearbeitet werden . In der Tiefe desselben sollte wie bei dem Einbeerenblatte die Kugel liegen , und aus einem Stiele , der sich Über das Blatt erhebt , soll das Wasser in einem feinen Strahle in das Blatt springen . Das Blatt selber sollte von Rosenmarmor , der Stamm und Stengel von einem anderen , dunkleren sein . Ich bestrebte mich , in dem Rothmoore nachzusehen , wie weit die Arbeit gediehen sei , und versuchte durch Besprechungen Für größere Leichtigkeit und Reinheit einzuwirken . Aus anderem Marmor sollten andere Dinge verfertigt werden . Zuerst das Pflaster um die Einbeere herum . Das Blatt sollte sein Wasser auf dieses Pflaster hinabgießen , dasselbe sollte auf seiner Ebene eine sanfte Rinne bilden , um das Wasser weiter zu leiten . Die Farbe des Pflasters sollte blaß gelblich sein . Ich hatte eine erkleckliche Anzahl Stücke hiezu zusammengebracht . Für eine Laube in dem Garten hatte ich die Platte eines Tischchens beabsichtigt . Sonst waren noch kleine Tragsteine , ein paar Simse und Briefbeschwerer im Werke . Die Sachen waren in Arbeit . Als Daraufgabe war ein Nest , in welchem zwei Eier lagen , deren Marmor fast täuschend die Farbe von Kiebitzeiern hatte . Ich war mit den Arbeiten , so weit sie jetzt gediehen waren , sehr zufrieden . Der Stein zu dem Becken war nicht nur in seine allgemeine Gestalt geschnitten worden , sondern das Blatt war in rohen Umrissen fertig , so daß zur feineren Ausfeilung und zur Glättung geschritten werden konnte . Es arbeiteten zwei Menschen ausschließlich an diesem Gegenstande . Mit dem Gipsvorbilde ließ ich noch einige Veränderungen vornehmen . Es war mir nicht leicht genug und zeigte mir nicht hinlänglich das Weiche des Pflanzenlebens . Ich ging in die Berge , suchte Pflanzen der Einbeere , und brachte sie samt ihrer Erde in Töpfen zurück , damit sie nicht zu schnell welkten und uns länger als Muster dienen könnten . An diesen Pflanzen suchte ich zu zeigen , was an dem Vorbilde noch fehle . Ich erklärte , wo ein Blattteil sich sanfter legen , ein Rand sich weicher krümmen müsse , damit endlich das Steinbild , wenn es fertig wäre , nicht den Eindruck hervor bringe , als ob es gemacht worden , sondern den , als ob es gewachsen wäre . Da ich mich bemühte , die Sache ohne Verletzung des Mannes , welcher das Gipsvorbild verfertiget hatte , darzulegen und sie eher in das Gewand einer Beratung einzukleiden , so ging man auf meine Ansichten sehr gerne ein , und da die ersten Versuche gelangen , und das Becken durch die größere Ähnlichkeit , die es mit dem Blatte erlangte , auch sichtbar an Schönheit gewann , so ging man mit Eifer an die Fortsetzung , suchte sich den Pflanzenmerkmalen immer mehr zu nähern , und erlebte die Freude , daß endlich das Werk in ungemein edlerer Vollendung dastand als früher . Selbst für künftige Arbeiten hatte man durch dieses Verfahren einen Anhaltspunkt gewonnen und Hoffnungen geschöpft , sich in schönere und heiterere Kreise zu schwingen . Der Werkmeister sprach unverhohlen mit mir über die Sache . Früher hatte man nach hergebrachten Gestalten und Zeichnungen Gegenstände verfertigt , dieselben versandt , und Preise dafür erhalten , die solchen Waren gewöhnlich zukommen , so daß die Anstalt bestehen konnte , aber einer gehäbigen und wohlhabenden Blüte doch nicht teilhaftig war . Daß man sich an Pflanzen als Vorbilder wenden könne , war ihnen nicht eingefallen . Jetzt richtete man den Blick auf sie , und fand , daß alle Berge voll von Dingen ständen , die ihnen Fingerzeige geben könnten , wie sie ihre Werke zu verfertigen und zu veredeln hätten . Ich blieb so lange da , bis das Gipsblatt vollkommen fertig war , und bis ich mich darüber beruhigt hatte , welche Werkzeuge zum Messen angewendet würden , damit die Gestalt des Vorbildes mit allen ihren Verhältnissen in die Nachbildung übergehen könnte . Nachdem ich noch die Bitte um Beschleunigung der Arbeit angebracht hatte