ein mit großen Diamanten besetztes Brustschild , da wo der Rockkragen sich schloß . Alle seine Begleiter trugen gleichfalls den abscheulichen Feß , diese unkleidsame und zweckwidrige Tracht , welche die Reform des verstorbenen Sultans für die Civilbeamten und das Militair eingeführt hat . Mit dem letzten Janitscharen sank die malerische Kleidung der türkischen Krieger . Als der Großherr über die Schwelle des untern Gemachs trat , fiel die Reihe der Dienerinnen und Eunuchen knieend zu Boden , mit der Stirn fast die Erde berührend , auch die Odalisken beugten sich tief und verharrten , Alle das » Selam Aleikum « 26 murmelnd , in dieser Stellung , bis der Sultan , der nie den Gruß eines Unterthanen erwiedern darf , durch ihre Reihe hin- und zu dem Ehrensitz in der Ecke geschritten war , auf dem er Platz nahm . Ein rascher kurzer Seitenblick , als er an Mariam vorüberging , der nicht blos von dieser , sondern auch von den beiden Sultaninnen sehr wohl bemerkt worden war , bewies , daß er trotz seiner äußern Gleichgültigkeit auf seine Umgebung achtete . - Der jetzige Großherr hat , wie gesagt , in seinem Wesen keineswegs das Entschlossene , Gebietende des Despoten , was man wohl an dem unumschränkten Herrscher des Orients erwartet und was in den meisten Gliedern seiner Familie ausgeprägt war . Vielmehr liegt etwas Schüchternes , Unentschlossenes in seinem Wesen und er ist nicht einmal der Gebieter in seinem Harem . Die Erfahrungen seiner Jugend mögen daran schuld sein , zuerst der Druck seines despotischen , keinen Willen neben dem seinen duldenden Vaters , und die Erziehung nicht im Feldlager , sondern im Harem , in dessen Genüsse er bereits mit seinem dreizehnten Jahre eingeweiht wurde . Etwa anderthalb Jahre vor seinem Tode27 schenkte ihm Sultan Mahmud eine wunderschöne Circassierin , zu welcher der Jüngling eine heftige Liebe faßte , die bald auch Folgen hatte . Wir haben oben bereits das unnatürliche Regierungsprinzip erwähnt , daß die Söhne und Brüder des Sultans bei seinen Lebzeiten keine Kinder haben dürfen . Die Circassierin weigerte sich , eines jener abscheulichen Mittel anzuwenden , welches das Kind unter ihrem Herzen tödten sollte , und der Prinz konnte sich nicht entschließen , sie dazu zu zwingen . Er rechnete auf den Tod des Sultans , der sich bekanntlich dein Trunk ergeben und schon mehrere Anfälle des delirium tremens gehabt hatte , um dann als Herr und Gebieter die Sclavin und ihr Kind anzuerkennen . Bis dahin suchten Beide auf alle mögliche Weise die Schwangerschaft zu verbergen . Aber der Neid der Odalisken brachte sie an den Tag , und der Sultan stellte die grauenvolle Wahl , daß entweder das ungeborene Kind oder die Sclavin geopfert werden müsse . Die Geliebte des Prinzen weigerte auch jetzt noch standhaft das Verbrechen gegen die Natur , und als der junge Abdul zwei Abende darauf den Harem besuchte - war sie verschwunden : man hatte sie erdrosselt . Vier Wochen nachher starb Sultan Mahmud am Delirium in seinem Kiosk auf den Höhen von Goksu am asiatischen Ufer des Bosporus . Abdul Medschid gelangte mit sechszehn Jahren zum Sultanat , doch hatte er damit kaum den Herrn gewechselt , denn die Sultanin Valide , seine Mutter , und die Intriguen des alten Chosrew-Pascha hielten ihn unter ihrem Druck , bis zwischen Beiden selbst Feindschaft ausbrach . Auch nachher noch gönnte er seiner Mutter einen großen Einfluß auf die Regierungsgeschäfte , bis sie im Frühjahr 1853 starb . Kurz vorher , ehe sie erkrankte , hatte der Großherr von Ali Pascha , dem Gouverneur von Brussa , die Odaliske Mariam zum Geschenk erhalten und ihr alsbald eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet , da sie seiner gemordeten ersten Geliebten auffallend ähnlich sein sollte . Dieser Vorzug hatte natürlich unter den Frauen des Harems bedeutende Aufregung und Eifersucht hervorgerufen und ihre Intriguen und die Herrschsucht der Mutter des Thronfolgers erschwerten den Umgang des Sultans mit seiner neuen Geliebten auf alle mögliche Weise . Man sah in ihr nicht nur die gefährliche Nebenbuhlerin um die persönliche Gunst des Sultans , sondern auch um den politischen Einfluß , und es ging das Gerücht im Harem , daß sie eine heimliche Christin und von der russischen Partei in den Harem gebracht sei . Wir haben bereits angedeutet , daß man einer Schwangerschaft zuvorgekommen war , da sie die Geburt eines Kindes den Sultaninnen mindestens gleichgestellt hätte , während die Unfruchtbarkeit der Kadinen für eine Schmach gehalten wird und diese ohne Rechte nur in der Lage einer begünstigten Sclavin verbleiben läßt . Selbst der Wille und die Macht des Sultans vermochten sie kaum genügend gegen die Angriffe ihrer Feindinnen zu schützen . Wir haben oben die eigenthümliche Schönheit der jungen Odaliske beschrieben . Sie war eine Mingrelierin von Geburt , mit ihrer Mutter - einer Russin - als Kind in die Hände kurdischer Räuber gefallen und später unter den Schutz Ali Pascha ' s gekommen , der sie dem Harem seines Gebieters bei passender Gelegenheit zum Geschenk machte . Näheres wußte und erfuhr man nicht von ihr , doch war es bald offenbar , daß sie dankbar für die Gunst des Großherrn diesem mit ganzem Herzen anhing und ihn hingebend liebte . - Ein Schlag der Silberbecken , die während des Ganges durch das Gemach geschwiegen hatten , verkündete , daß der Großherr Platz genommen , und auf dies Zeichen erhoben Alle das Haupt und es bildete sich eine Gruppe um den Padischah . Die Favorit-Sultana und die Schwester des Großherrn nahmen auf Kissen am Boden an seiner Seite Platz und neben ihnen die beiden andern Kadinen , während die Odalisken jenseits der Fenster an den Wänden entlang auf dem Divan sich reihten . Neben den Kadinen nahmen der Kislar-Aga und der Kapu-Agassi ihre Stelle ein , während der Tschannador alsbald eine mit Edelsteinen reich verzierte Pfeife mit einem Rohr von Jasminholz , das mindestens sieben Fuß lang war , auf dem Mittelfinger der rechten Hand wiegend , feierlich heranschritt . Ein Offizier der Eunuchen setzte zugleich eine silberne runde Schaale im richtigen Augenmaaß auf den Boden , so daß , als der Tschannador den Kopf der Pfeife auf diesen Teller setzte und diese nun zierlich herumschwang , das Mundstück gerade zu den Lippen des Großherrn reichte . Ein anderer Offizier brachte in der silbernen Zange , welche die meisten Türken in einem Futteral am Gürtel tragen , aus dem Tandur die brennende Holzkohle für den Taback , und dann erst , als die Pfeife in Brand war und er mehrere Züge des duftigen Dampfes gethan , indeß die Offiziere rückwärts gehend nach dem Untertheil zurückschritten und dort mit gekreuzten Armen stehen blieben , wandte sich der Sultan zu seiner Schwester und der Sultana und begann das Gespräch mit der üblichen Formel : Kosch dscheldin28 und der Frage : Kiefiniz aji me : Ist Eure Laune gut ? Die Sonne war unterdeß am Horizont verschwunden , und dies ist die Zeit , wo die meisten Bekenner des Propheten die einzige oder wenigstens die Hauptmahlzeit des Tages zu sich nehmen . In den Gängen des Palastes erscholl zugleich der Ezan , der Ruf des Imaum ' s zum Gebet , und sofort knieete der Sultan mit dem Gesicht nach Mekka auf dem Teppich nieder , während alle Anwesenden sich zu Boden warfen , und verrichtete das Abendgebet . Erst als der Padischah wieder Platz genommen , erhoben sich die Andern . Alsbald wurde der Kaffee dem Sultan gebracht und während sich die Sultana Adilé verabschiedete und rückwärts schreitend von ihrer Schwägerin bis an die Thür der Frauengemächer geleitet , ihren kurzen Heimweg im Kaïl nach dem Harem Mehemed-Ali-Pascha ' s antrat , wurde das Gemach mit einer Unzahl von Wachskerzen erhellt , worauf die Baltahgies , die Köche des Harems , eintraten , und auf einem vor den Großherrn gestellten Tisch die zahlreichen Gerichte ordneten . Dieselben bestanden - wie stets , wenn der Großherr im Harem speist - aus türkischen Speisen , der Thorba oder Fischsuppe , Dolmas : Reis mit Fleischkugeln in Weinblätter gewickelt , Kaftas : farcirtem Fleisch , einem gebratenen Lamm in einem Berge von gekochtem Reis , und Halvas oder Zuckerfrüchten und Eingemachtem , von denen eine Unmasse kleiner silberner Schüsseln aufgesetzt wurden . Der Padischah speiste allein , von den Pagen knieend bedient , da es nicht erlaubt ist , daß ein Mann und noch weniger eine Frau seine Mahlzeit theilt . Doch sandte er häufig durch einen Wink an die Pagen einer oder der andern der Frauen , darunter auch Mariam eine silberne Schaale mit eingemachten Früchten oder Leckereien . Während der Mahlzeit , die schweigend vollbracht wurde , verrichtete am Eingang des Obertheils die Massaldschi29 ihr Amt , indem sie in halbem , eintönigen Gesang eines jener phantastischen Mährchen erzählte , deren Anhören in den Kaffeehäusern , auf den Straßen und in den Harems einer der größten Genüsse der Moslems ist . Die Erzählung , mit den ausschweifendsten Farben das Liebesglück schildernd , wurde fortgesetzt , während die Sultana dem Großherrn aus einer goldenen Kanne Wasser über die Hände goß , indeß einer der Pagen knieend das Becken von gleichem Metall hielt , in dem der Padischah die vom Koran vorgeschriebenen Abwaschungen vollführte . Alsdann wurde mit gleichen Ceremonieen wie vor der Mahlzeit dem Gebieter der Kaffee und eine neue Pfeife gebracht30 . Der » Herr der Welt « erlaubte jetzt durch seinen Wink den begünstigten Frauen , gleichfalls ihr Nargileh zu nehmen , da die Unterhaltungen des Abends beginnen sollten . Die Dienerinnen naheten sich ihren Gebieterinnen und Nursädih , die schwarze Sclavin Mariam ' s , that dasselbe . Diese Gelegenheit benutzte die Odaliske zu einem raschen Gespräch mit ihr . » Ist Dein Bruder Jussuf , der Courier , im Palast ? « » Du sagst es , Herrin . « » Wohl . Höre meine Worte . Laß ihn sich bereit halten zu einer Reise nach dem Lager des Sirdar . Er soll das schnellste Pferd nehmen , das ihm zu Gebote steht , und nicht rasten unterwegs . « » Du kennst seine Schnelligkeit , o Khanum . Der Pfeil vom Bogen verfolgt seinen Weg nicht gerader denn er . « » Der Padischah , mein Gebieter , wird mich zu seiner Kadina wählen an diesem gesegneten Abend , sein Auge sagte es mir . Nun merke auf . Zu welcher Stunde der Nacht es auch geschehe , daß ich Dich rufe , so sei zur Hand und laß Deinen Bruder den Fuß im Bügel halten . « » Auf mein Haupt komme es . « - - Die Favorit-Sultana klatschte in die Hände und eine Musik von Zithern und Triangel erschallte aus dem Untertheil des Gemachs . Mit ihren ersten Takten traten die Almen , die vor dem Padischah ihre Tänze aufführen sollten , herein . Die Sultana hatte für diesen Abend die jungen Mädchen - Kinder sollten wir sagen - gewählt , die von zartem Alter an im Harem für dessen Zwecke erzogen und ausgebildet werden . Wenn auch nicht im Serail des Großherrn , - wo dessen Person der alleinige Zweck und Mittelpunkt ist , um den sich Alles dreht - so doch in vielen andern Harems speculiren die Frauen förmlich in jungen Mädchen , die sie als Kinder ankaufen , erziehen und in verschiedenen Künsten unterrichten lassen , um sie dann , wenn sie mannbar geworden sind , oft mit großem Vortheil an alte Lüstlinge zu verhandeln . Die Almen der Sultana waren Mädchen von 10-14 Jahren , ein Alter , wo unter diesem Himmelsstrich bereits die jungfräulichen Formen vollständig sich entwickeln . Sie betraten den obern Raum an der Barriere zwischen den Sitzen der Odalisken und stellten sich - sechs an der Zahl - in einem Halbkreis auf , worauf sie zugleich auf die Knie sanken und mit der Stirn zum Zeichen des Grußes den Boden berührten . Das Costüm oder vielmehr die Ausstellung dieser jungen Geschöpfe war so lüstern und schaamlos , wie sie eben nur für die Zwecke sinnlicher Aufregung dienen kann . Der obere Theil des Leibes von den Hüften aufwärts war gänzlich unbekleidet , Arme und Hals waren mit Goldspangen und Perlenschnüren umgeben , und nur die über die Brust gekreuzten Hände verbargen den emporschwellenden jugendlichen Busen . Eine Kappe von eigenthümlicher Form aus Goldbrokat bedeckte das Haupt , von dem wohl in zehn mit Perlen und Bändern durchwundenen Flechten und Zöpfen das Haar herunter hing . Türkische Beinkleider von rother Seide gingen bis zum Knie , von wo ab das Bein wieder nackt war , indeß der Fuß in goldgestickten niedern Schuhen von gleicher Farbe wie die Beinkleider steckte . Nach dem eintönigen Takt der Musik begann hierauf der Tanz , indem sie drei lange Shawls von farbiger Seide zu allerlei Draperieen und Dekorirungen verschlangen , erst langsam - dann immer rascher und wilder bis zu den üppigsten Bewegungen der Flucht und der Hingebung . Die jungen kaum erschlossenen Körper wanden sich in Geberden und Stellungen des Verlangens und der Verführung einer Leidenschaft , die ihnen noch unbekannt war , während die nackten Glieder in hundert Bewegungen und Verschlingungen sich kreuzten . Der Tanz dauerte wohl eine halbe Stunde , während der die Sultana die Blicke häufig auf das Antlitz des Großherrn beobachtend gerichtet hielt . Doch vergebens suchte sie den gewünschten Ausdruck - die Augen des Padischah blieben schlaff auf das gewohnte Schauspiel geheftet , es vermochte nicht seine Nerven zu erregen , und als jetzt nach einem Zeichen der Sultana , den Tanz zu enden , die Aelteste der Almen näher trat und knieend dem Padischah eine silberne Schaale vorhielt , warf er mit derselben Gleichgültigkeit einige Goldmünzen hinein . Mit Wuth und Erbitterung nahm die Favoritin wahr , daß dabei der Blick des Sultans immer wieder nach der Stelle sich wandte , wo Mariam auf dem Divan saß . Auf ein zweites Zeichen der Sultana ließen jetzt die Eunuchen von der Decke des Unterraums einen straffgezogenen Leinwandvorhang fallen , die Lichter im obern Theil diesseits des Vorhangs wurden ausgelöscht und die Musik , verstärkt durch mehrere Tambourins und Handtrommeln , eröffnete eine neue Melodie . Es folgte nunmehr in Form eines Schattenspiels eines jener scheußlichen Schauspiele , halb Pantomime , halb Dialog , die in Stambul die Stelle unserer Arlequinaden und Hanswurst-Theater ersetzen . Die Hauptfigur derselben , Karagoïs genannt , ist eine Art komischer Don Juan oder frivoler Hanswurst , der in verschiedene Liebesabenteuer geräth , wobei namentlich Griechen und Griechinnen fungiren . Der Dialog wimmelt , wozu die türkische Sprache leicht Gelegenheit giebt , von den infamsten Zweideutigkeiten , die Actionen und Scenen aber sind der Art , daß die » Sittlichkeit « der europäischen Bordelle davor erröthen würde . Diese Sorte von Schauspielen ist nicht allein unter dem Volk in Stambul eine der beliebtesten Unterhaltungen und findet öffentlich argen Entré statt , wobei ein großer Theil des Publikums aus Kindern besteht , sondern sie sind eben so ein gesuchtes Amüsement in den Harems der Reichen , und viele der Würdenträger halten sich besondere Darsteller . Namentlich erpicht sind die Frauen aus diese Schauspiele und es giebt für dieselben auch besondere öffentliche Theater , in denen sie in Gitterlogen sitzen . Die Variationen derselben sind sehr mannigfaltig . Was die ausschweifendste , aller Schaam baare Phantasie erdenken kann , ist durchgängig der Gegenstand nicht nur der Worte , sondern der Action , um die physische Erschlaffung aufzustacheln . Unter solchen Verhältnissen wird es der Leser dem Autor erlassen , auf eine nähere Beschreibung des angedeuteten Schauspiels einzugehen . Es hatte wohl eine Stunde gedauert , als der Padischah selbst das Zeichen zu seiner Beendigung gab . Die Schauspieler und der Vorhang verschwanden , die Kerzen wurden auf ' s Neue angezündet und Kaffee und Zuckerwerk gebracht . Diesmal sah die Sultana ihre Arrangements von einem Erfolg begleitet . Die Stirn des Großherrn zeigte eine leichte Röthe , seine Augen hatten sich belebt , und als der Glanz der Lichter das Gemach wieder durchstrahlte , irrten sie über den Reizen seiner Odalisken umher und blieben dann auf Mariam , der Mingrelierin , mit einem Ausdruck von Zärtlichkeit und Feuer haften , dessen Bedeutung nicht zu verkennen war und den das Mädchen mit gleicher Sehnsucht erwiederte . Der Padischah machte eine Bewegung nach dem Kislar-Aga , zu dessen Vorrechten es gehört , der begünstigten Kadine oder Odaliske die ihr zugedachte Auszeichnung zu verkünden , als die Sultana dem Befehl zuvorkam und sich vor dem Großherrn auf die Knie warf . » Möge das Licht der Welt , « sagte sie schmeichelnd , » seiner Sclavin noch einige Augenblicke seiner kostbaren Zeit gewähren und seine Augen auf ein Geschenk werfen , das sie für ihn bereit hält . « Der Sultan setzte sich wieder . » Was ist es , o Khanum ? Du weißt , daß ich der Mutter meines Sohnes ihr Recht nicht verweigere . « Die Sultana verneigte sich . Als sie sich erhob , streifte ihr Blick mit dem Vorgefühl des Triumphes über die getäuschte Nebenbuhlerin hin , die mit einiger Beunruhigung auf den unerwarteten Zwischenvorgang sah . Dann klatschte sie zwei Mal in die Hände und alsbald öffnete sich der Vorhang der untern Seitenthür nochmals , und von zwei schwarzen Sclavinnen geführt , trat eine ganz in einen weiten Schleier und braunen Feredschi gehüllte weibliche Gestalt ein , die langsam - während ihre Begleiterinnen zurückblieben - die Stufe herauf und bis in die Mitte des Obertheils vorschritt , wo sie sich vor dem Sultan zur Erde verneigte und dann , in ihre Gewänder verhüllt , gleich einer Statue stehen blieb . Erstaunt schaute der Großherr auf die ungewohnte Erscheinung und dann fragend auf die schlaue Sultana . Diese zögerte - wie um die Neugier zu reizen - einen Augenblick , dann gab sie das zweite Zeichen . Im Nu flogen die Gewänder und der Schleier zur Seite und ein reizendes Bild stand vor den Augen des Herrn . Es war eine Tänzerin , halb europäisch , halb orientalisch gekleidet , in raffinirter Berechnung auf die Erregung der Sinne , - ein griechisches Mädchen von wunderbarer Schönheit , - Nausika , die geraubte Tochter des Räubers und Mörders Janos , des Kameeltreibers , die Tochter des blutigen Feindes der Moslems , dessen kühne That einst die Gräuel von Chios gerächt hatte ! Der Leser wird sich erinnern , daß der Musselim von Tschardak das sechszehnjährige Mädchen kurz vor ihrer Hochzeit aus dem Hause ihres abwesenden Vaters mit Gewalt geraubt hatte , um sie seinem Gönner , Mehemet Ali , in Stambul zum Geschenk zu machen , und daß dieser Raub es war , welcher Janos auf ' s Neue zum Krieg gegen die Moslems trieb und ihn zum Schrecken Smyrna ' s machte . Mehemet , dessen Haus die Schwester des Sultans streng beherrschte , hatte die reizende Sclavin durch seine Frau der Sultana für den Harem seines Schwagers übergeben lassen , und diese beschlossen , sich in der Sclavin eine Anhängerin und - beim Verblühen der eigenen Reize - ein Mittel zu schaffen , auf die Sinne des Sultans zu wirken und seine Neigung in der Gewalt ihrer eigenen Interessen zu behalten . Zugleich war sie klug genug , einzusehen , daß hier selbst bei aller Schönheit des Mädchens das Gewohnte nicht fesseln und reizen könne , da der Harem der schönen Frauen so viele barg , sondern daß es galt , einen außergewöhnlichen Eindruck auf die Sinne des Gebieters hervorzubringen . Sie fiel auf den Gedanken , die griechische Sclavin während ihrer Gewöhnung zu den Sitten des Harems durch einen italienischen Tänzer ausbilden zu lassen , und diesem war es gelungen , in der Frist eines Jahres aus dem bildsamen Mädchen eine üppige orientalische Pepita zu schaffen . Zugleich vergaß in den Lockungen des Ehrgeizes und Wohllebens die Griechin Familie , Glauben und Vaterland , gleich der ersten Liebe zu dem entrissenen Bräutigam , und während ihr Vater auf den Bergen Anatoliens mit blutiger Hand ihren Raub an den Bekennen , des Propheten rächte , war die Tochter bereits die gefügige Odaliske des Harems , die sinneberauschende Alme geworden , die - bisher sorgsam vor den Augen des Großherrn verborgen - heute ihr erstes Debüt machen sollte . Mit der Raffinerie der Wollust war die junge Tänzerin gekleidet , verhüllend und entblößend - lockend und verheißend ! Um das dunkelbraune , fessellos über den Nacken fallende Haar , worin lange Schnüre von kleinen Goldmünzen eingeflochten glänzten , war ein duftender Kranz von damascener Rosen geschlungen . Große blaue Augen unter dunklen Brauen und der üppig aufgeworfene Mund predigten Lüsternheit und Sinnenrausch . Die antik schöne Nase und das Oval des Gesichts mit seinem reizenden weiß und rothem Teint bildeten ein äußerst liebliches Bild des Kopfes , der auf schlankem Hals und üppig geformter Büste saß , die von einem weit bis zur Herzgrube ausgeschnittenem Mieder von drap d ' argent gegen die legère orientalische Sitte zur schlanken Taille eingeschnürt war . Um die breiten beweglichen Hüften bauschte ein schwarzer spanischer Seidenrock , kaum bis zum Knie reichend , während aus der Hülle der zahlreichen weiten Unterkleider von weißem Spitzengrund die klassische Form des völlig nackten Beines sich hervorstahl , dessen zierlicher Fuß allein mit fleischfarbenen Seidenschuhen bekleidet war . Eben so von der Achsel ab , wo sie eine kurze schwarze Spitzendraperie einschloß , entblößt waren die Arme , an den Handgelenken mit breiten goldenen Bracelets geziert . Ein Strauß frischer Blumen , Rosen und Camelien schmückte und schloß den Ausschnitt des Busens . Die rechte Hand mit der Castagnette über das reizende Haupt erhoben , die linke stolz auf die breite Hüfte gestemmt , stand die Tänzerin in malerischer Stellung einige Augenblicke vor den erstaunten Augen des Großherrn . Dann erklangen die rauschenden Töne eines spanischen Tanzes , von Flöte und Violinen vorgetragen , die draußen im Divan-Hane , dem Vorzimmer , postirt waren , durch die Vorhänge der Thüren herein dringend , und im kecken Sprunge flog die Alme auf den Padischah zu , den einen Fuß aus der neidischen Hülle üppig-graciös den von den unerwarteten Reizen entflammten Augen entgegenwerfend . Dann in jenen Windungen und Geberden , die so reizend das wollüstige Verlangen und Empfinden des spanischen und italienischen Tanzes ausdrücken , - in denen der Oberkörper schmachtet und lockt , während von der Taille ab der untere Theil in glühendem Feuer sich zu erschöpfen scheint , oder in den Sprüngen bacchantischer Lust tobt und rast , - bald dem Padischah nahend , bald sich wieder von ihm nach dem frischen , aufregenden Takt der Musik entfernend , schien die Tänzerin alle Leidenschaften herauszufordern und ihr keckes Spiel mit ihnen zu treiben , bis zuletzt mit der endenden Musik sie in einer reizend lockenden Attitüde am Boden knieete . Der Padischah war bei dem Ende des Tanzes empor gesprungen ; seine sonst so theilnahmlosen Augen flammten mit verzehrendem Blick auf die schöne Erscheinung . Selbst die verachteten Halbmänner an seiner Seite schienen neu ermannte Wesen voll Verlangen und Erregung : - mit raschem Schritt - vom glühenden , Triumph strahlenden Blick der Sultana verfolgt - trat er auf die Knieende zu und hob das seidene Schnupftuch , um selbst mit eigener Hand das Amt des Kislar-Aga zu vollziehen und ihr Haupt damit zu bedecken , das Zeichen , daß die Wahl auf sie gefallen , an diesem Abend sein Lager zu theilen . Da scholl ein schmerzlich gellender Schrei , wie aus zerrissenem Herzen grell durch das Gemach und fesselte seine Hand . Auf dem Divan lag marmorbleich die schöne Gestalt Mariam ' s in Ohnmacht . Während die Frauen mit Nursädih herbei eilten und sich um die Mingrelierin drängten , stand der Sultan einige Augenblicke stumm und unentschlossen , - sein Blick hatte die Geliebte erkannt , - dann legte er die Hand wie sinnend an die Stirn , die Röthe verließ das Antlitz , die leidenschaftliche Gluth der sinnlichen Erregung das Auge , und er wandte sich , ohne weiter einen Blick auf sie zu wagen , von der verführerischen neuen Bereicherung seines Harems und trat zu der um Mariam beschäftigten Gruppe , die ihm scheu Platz machte . Es war , als fühlte die bleiche Odaliske seine Nähe ; denn alsbald öffneten sich ihre Augen und ihr Blick wandte sich zärtlich und flehend auf den des Sultans , während sie ihm wie Schutz suchend die Arme entgegenstreckte . Der Großherr beugte sich zu ihr , flüsterte ihr einige Worte zu und legte der Erröthenden das Tuch auf das bleiche Gesicht . Auf ein Zeichen des Tschannador schlugen sogleich die Silberbecken wieder zusammen , und der Kapu-Agassi umgab mit seinen Verschnittenen alsbald die Glückliche , der sofort ein grüner Feredschi über Kopf und Gestalt geworfen wurde , während der Großherr in Begleitung des Kislar-Aga und der Pagen sich nach der Thür wandte , die in der Seitenwand des Obertheils in die Schlafgemächer des Harems führt . Aber hier warf sich ihm die Favoritin , von den beiden andern Kadinen assistirt , in den Weg , wuthblitzenden Auges , die Adern der Stirn vor Zorn geschwollen . » Haif ! Will der Padischah ein Mann sein , und thut seinen Frauen die Schmach an , daß er auf das Geschrei einer Kuh von Kreuzträgerin hört ? Mashallahl Er ist ein Lügner in seinen eigenen Bart und ein Weib in seinem Hause , nicht besser als dies Thier von einem Halbmann ! « wobei sie verächtlich mit der Fläche der rechten Hand sich auf den linken Ellbogen schlug , das Zeichen der tiefsten Geringschätzung . » Haif ! Haif ! « 31 schrieen dazu die andern Weiber , sich um ihre Verfechterin drängend und den Eunuchen die gespreizten Finger in das Gesicht streckend . Der arme Sultan schien dergleichen Pantoffelauftritte gewöhnt , denn ohne ein Wort zu entgegnen , suchte er stillschweigend durch ein Manöver die barrikadirte Thür zu gewinnen , während der Kislar-Aga und sein Tschannador sich zwischen die wüthende Frau und ihren Herrn warfen . Aber diese Pflichterfüllung sollte ihnen schlecht bekommen , denn die Sultana war eine böse Segnerin und die Schärfe ihrer Nägel so gut , wie die ihrer Zunge im ganzen Serail bekannt und gefürchtet . » Bah ! « schrie die Erbitterte , als der Aga , dessen Gesicht die blutigen Maale der bösen Finger zeigte , unwillkürlich nach dem Handjar im Gürtel griff und die Augen grimmig rollte ; » was soll das heißen , Du ägyptisches Vieh ? Meinst Du , ich fürchte mich vor einem Manne , der kein Mann ist ? Wallah ! der schlechteste Knecht ist besser als Du , und ich will dem Grabe Deines Vaters anthun , was ihm gebührt . Ist dies der Bluttrinker32 , oder ist er Deinesgleichen ? für was bin ich seine Bujuk-Hanum33 , wenn er meine Sclavin verschmäht ? Bana bak , sieh mich an , bin ich bosch , Nichts ? Der Padischah ist eine blinde Kuh und seine Aga ' s sind Esel ! Haiwan der , es sind Thiere ! « » Aman ! Aman ! « 34 schrieen die Weiber . » Allah bila versin ! « 35 Die Eunuchen drängten jetzt mit Gewalt die Tobenden zurück , während es dem Sultan gelang , durch die Thür zu entwischen . Sein letztes Wort an den mißhandelten Aga war : » Awret der : Es ist ein Weib ! Delhi der : Es sind Tolle ! « Der hohe Beamte aber war mit dieser Entschuldigung wenig zufrieden , denn kaum war der Vorhang hinter seinem Gebieter wieder herabgefallen , als er seinem Zorn freien Lauf ließ , nach der Peitsche in seinem Gürtel griff und ohne Unterschied auf die tobenden Frauen losschlug , die alsbald das Feld räumten und sich eilig auf ihre Divans zurückflüchteten . Mariam war unterdeß von den weißen Eunuchen der Eifersucht der Odalisken entzogen und hinausgeführt worden , um den alten Frauen übergeben zu werden , welche die Schönen für das Lager des Sultans » vorbereiten « , und die Beamten zogen sich nun eilig zurück , im Stillen über die Schwäche ihres Gebieters grollend . Zur wuthkeuchenden Sultana aber , die eben das griechische Mädchen , das ihr nahte , erbittert mit dem Fuße von sich stieß , eilte die Khanum des Sirdars tröstend und berathend herbei . » Was nun , o Sultana ? « » Fluch über die Christin ! Mögen ihre Augen verdorren und meine Thorheit mir Unglück bringen , daß ich sie so lange geschont . Unser Plan ist ein Rauch , bosch ! - Die hunderttausend Piaster , « setzte sie flüsternd zur Freundin hinzu , » die mir der Eltschie von Frangistan hat versprechen lassen , sind Wind . Ne apalum ! was kann ich thun ? « Die intriguante Gattin des Sirdar sann nach . » Mashallah ! « sagte eine der Kadinen , » ich habe da einen Talisman bei der Moskowitin gefunden , als sie in Schwachheit lag und wir ihr helfen wollten . Was weiß ich ? vielleicht ist es der Zauber , den sie gegen den Padischah anwendet . « Sie brachte den Pergamentstreif zum Vorschein , den sie im Busen der Unglücklichen gefunden . Die Khanum nahm ihn schnell und überflog die Schrift , da sie die Einzige war , die in der Versammlung lesen konnte . » Allah kerim ! Gott ist groß ! « rief sie , » wir haben das Verderben der Moskau in dieser unserer Hand . Ich eile zu Fuad-Effendi , er ist ein schlauer Mann und wird uns rathen ! « Die lebhaft erregte Neugier der Odalisken mußte sich jedoch mit diesen Worten begnügen , denn nach einem kurzen heimlichen Gespräch mit der Sultana , das diese hoch zu erfreuen schien , verließ die Vertraute hastig den Harem . - - - Kaum zehn Minuten darauf strich ihr Kaïk , von zwei Ruderern getrieben , eilig über die Fluthen des Bosporus und nahm seinen Weg stromaufwärts nach