, damit er ausdunstet . Morgen ist auch ein Tag , und ein Sperling in der Hand besser , als eine Taube auf dem Dache . « Herr Gottfried fand den Malvoisir wieder süß . Da reichte er dem Knechte noch einmal die Hand und - » es sieht ' s ja Keiner ! « dachte der gute Herr . Der Knecht mußte sich neben ihm an die Tischecke setzen . Malvoisir auf den Lippen eines Knechtes ! Aber ihre Seelen hatten sich gefunden . Der Herr ward froh , der Knecht ward traurig . Er wischte sich mit dem Finger in ' s Auge . » Nun steht die Welt auf dem Kopfe , mit meinem Herrn ist ' s aus . « Das sprach er aber nur innerlich . » Kaspar , was sprichst Du für Dich ? « - » Ach nicht für mich , Herr , ' s ist nur - nur die armen Hühner ! Wer streut ihnen Futter ! « - Herr Gottfried war ein Menschenfreund , aber die Thiere liebte er fast wie die Menschen : » Das arme Vieh hungert . Aber über die Brigitte , Donnerwetter , hat sie die Hühner vergessen ! wo ist sie denn ? « - Der Knecht erschrak . Wer nicht an Lügen gewohnt ist , hüte sich vor der ersten Lüge . » Sie wird schon kommen ! « - » Kommen . - aber ! « sprach der Burgherr , und wieder eine lange , lange Reihe von Fragen stand auf den halbgeöffneten Lippen . Da goß der treue Knecht , der selbst nur am Becher nippte , den großen Pokal seinem Herrn voll , bis er schäumte . Ein immer süßeres Lächeln breitete sich um die Lippen des Burgherrn , und was fehlt an dem Bilde stiller Zufriedenheit , wenn wir den ehrenfesten Ritter und den rauhen Knecht sehen in der Mitte der Hennen und Küchlein , die nach den Brodkrumen schnappen , welche beide ausstreuen und Einer lächelt den Andern vergnügt an . » Put - put ! « waren die letzten vernehmbaren Töne aus den Lippen des Ritters , der , wenn man ihn zur rechten Zeit geweckt und nicht die Hosen fortgenommen hätte , jetzt in der Köpnicker Haide in Stahl und Erz zu Roß trabte , um - doch die Sonne neigte sich schon wieder . Der jetzt in tiefem Frieden schlummerte , säße vielleicht nicht mehr zu Roß , das fürstenmörderische Schwert in der Faust ; die Hände auf dem Rücken gebunden , wanderte er , gesenkten Hauptes , von höhnenden Schergen umgeben , dem Thore Berlins zu . Wohl dem , der ein treues Weib hat , das wacht , wenn ihr Mann schläft , das für ihn denkt , wenn der süße Wein seine Gedanken abwärts führte , und für ihn handelt , wenn es schlimme Händel giebt . Das treue Gesicht der guten Frau blickte jetzt vorsichtig durch ' s Fenster . Da winkte ihr der Knecht Kasper vergnügt zu . Er hatte wohl gehört das Thor knarren . Und nun kamen noch viele neugierige Köpfe und blickten herein . Herr Gottfried sah sie nicht . Das war wieder eine andere Sonne , die in ' s Fenster schien , als der Knecht die Thür zur Schlafstube ein wenig aufthat und hineinrief : » Gestrenger , nun ist ' s Zeit zum Aufstehn ! « Als Herr Götz auffuhr , war das erste , was er zu Gesicht bekam , da er die Arme vorwarf , seine Elennhosen . Er betrachtete sie von allen Seiten , sie waren es . Er fuhr hinein , sie waren es . Er rieb sich die Stirn , sie blieben es . » Kaspar ! Brigitte ! « » Was hast Du wieder , mein Götz , « rief die Frau , so die Treppen eben herauf zu keuchen schien . Sie sah so ehrlich und treu aus . » Glaube , ich habe geträumt ! « sagte Herr Götz . » Das kommt schon , Herr « , antwortete der Knecht , der gar nicht den feinen , forschenden Blick seines Herrn zu verstehen schien , als der ihn wieder fragte : » Ob ' s denn zu spät ist ! « » Hab Dir zum Morgenimbiß ein Ferkelchen gebraten , Götz . Wenn Du jetzt runter kommst , blitzt es und knuspert nur so . Auch Hirsebrei und geschmorte Pflaumen . « Ein Ferkelchen und Hirsebrei ! Und auf dem Hofe schupperte sich die Muttersau , und aus dem Stalle rauchte es , und - nicht die Tirolerdecke um die Schultern , in seinem wollnen Wamms war Herr Gottfried , er wußte noch nicht wie , die Treppe hinunter . Da küßte ihm Eva die Hand und dann die Backe , und wünschte ihm guten Morgen , und die Frau rückte ihm den Stuhl an den Tisch , und so zierlich und niedlich rauchte es vor ihm in der Schüssel . » Ich dachte , ihr wärt - « sprach der Burgherr , aber die Frau sagte ihm , der Braten würde kalt werden ; und in häuslichen Angelegenheiten ist es gut , wenn ein Mann seiner Frau folgt . Und doch , wunderbar , er war schon mitten im Ferkelchen , als er wieder fragte : » Ich dachte , Ihr wärt Alle aus . - « » Sind wieder heimgekehrt , als es dunkelte . Du schliefst schon . « » Schon ! « Herr Gottfried vergaß auf einen Augenblick das Ferkelchen und das Zerbster Bier ; er lehnte sich zurück und hielt mit beiden Händen die Stirn : » Aber , wie ist mir denn ! Also das war auch nichts , der Malvoisir und der tiefe Brunnen - aber die Flämmchen und der schwarze Maulwurf ! « » Vater , das hast Du geträumt . « Eva streichelte mit ihren kleinen Fingern seinen Bart. » Das also ! Aber - « Und plötzlich sprang Herr Gottfried auf . Alle erschraken und sahen sich bedenklich ' an , da er fort eilte . Aber die Edelfrau flüsterte , ihrer Tochter zu : » Ich habe sie gewaschen und ausgebügelt . « Der Ritter kehrte wieder , seinen Büffelhandschuh in der Hand , und sah ihn und fühlte ihn an und schüttelte den Kopf , dann sank er in den Stuhl : » Das also auch ein Traum ! - ' s ist wunderbar ! « aber unlieb schien es ihm nicht . » Wenn das nur nicht ein Traum ist ! « setzte er hinzu und sah ängstlich um sich her . Nein , das war kein Traum , die Frau war so lieb und gut , und die Eva und das Ferkelchen so weich , es zerging ihm auf der Zunge . Seit lange entsann er sich nicht , daß er mit so gutem Appetit gegessen . Aber es war doch etwas anders geworden , es war mit ihm etwas vorgegangen . Er saß stundenlang , den Kopf im Arme , und stierte auf einen Fleck und schüttelte den Kopf . Und als ihm die gute Frau erzählte von ihrem Hans Jürgen , wie der dem Kurfürsten das Leben gerettet , und der Kurfürst ihn darauf in so jungen Jahren vor ' m ganzen Hofe zum Ritter geschlagen , und wie von der Kanzel herab in Berlin von ihrem Neffen gepredigt worden , und wie der Kurfürst ihn in sein Gefolge genommen und für ihn zu sorgen versprochen , und es könne noch ein großer Herr aus ihm werden mit der Zeit , und mit der Zeit vielleicht sonst auch noch was , wobei sie auf die Eva schelmisch blickte und die Eva hochroth wurde , aber doch schmunzelte , - da hörte es Herr Gottfried ruhig an , und sagte : » Wenn ' s nur nicht auch ein Traum ist . « - Nachts fuhr der Mann , der einen so festen Schlaf hatte , daß ihn das Knallen einer Donnerbüchse nicht weckte , beim geringsten Geräusche auf und klagte , er sei in einen tiefen Brunnen gefallen , und wenn sie ihm vernünftig zugeredet , ward er wohl still , aber er weinte auch still , und sie hörte ihn die Worte sagen : » Ach es ist doch zu spät . « Da war der Frost gekommen und mit ihm der Ritter Hans Jürgen nach Hohen-Ziatz . Auf dem Eisspiegel der Wiesen lief das junge Volk im hellen Sonnenschein Schlittschuh , und Herr Gottfried und seine Frau sahen von der Mauer zu . » Sieh , Götz , wie zierlich der Jürgen die Eva führt . Wer hätt ' s ihm angesehen : Wenn sie so bei Hofe tanzen , als jetzt auf dem Eise , was werden sie sprechen : Das ist ein schmuckes Paar ! « » Ein Paar ! « rief der Götz . » Kinder ! Die können ja noch nicht denken ! « Was soll draus werden , wenn ' s so fortgeht , hatte Frau von Bredow gedacht . Zuweilen dachte sie auch , es wäre doch gut gewesen , wär der Dechant geblieben . Er hätt ' s ihrem Herrn ausreden können , daß Einer , der sein Lebtag nicht an ' s Denken gedacht , drei Schritt vor der Grube anfangen will . » Ketten und Kerker und bösen Leumund hat er überstanden , aber daran stirbt er mir noch , « hatte Frau von Bredow gedacht . Da kam ihr recht zum Trost ein lieber Besuch in ' s Haus , aus Schlesingen , der Ritter Hans von Schweinichen . Alle Welt kennt den Ritter Hans von Schweinichen , der durch die Welt geritten ist , er vorne , sein Knecht hinten ; und wenn er etwas wankte , ritt der Knecht ihm zu Seiten . Seinesgleichen sollte man weit und breit suchen . Vierzehn Tage hintereinander verstand er wie ein Edelmann zu trinken , und wenn er nüchtern ward , schrieb er ' s in sein Tagebuch , wo man ' s noch heute lesen kann , und in jedem Jahr , wenn ' s zu Ende ging , hat er aufgeschrieben , was der Roggen gekostet und der Hafer auf den Märkten . Herr Götz und er hatten einst gute Freundschaft gemacht in Kottbus an einem Fürstentag , da man sie beide nach einem guten Rausch in eine Kammer und in ein Bett trug . Das wollten sie nie vergessen , hatten sie sich zugeschworen . Nun da Herr Hans zum Besuch ritt nach Ziesar zum Bischof Scultetus , seinem Landsmann , der ihn eingeladen , um mit ihm einen guten Trunk zu thun , wollte er vorher bei dem alten Freunde einsprechen . Da war große Freude , und Herr Götz und sein Ehegemahl ließen ihn nicht fort , er mußte an vierzehn Tage bleiben ; und was die alten Freunde da mit einander getrunken und gesprochen , das läßt sich besser denken als erzählen . Niemand aber war froher , als Frau von Bredow , da sie ihren Eheherrn wieder so froh sah , und sie hatte nur Furcht , daß wenn der liebe Gast fort wäre , er wieder in seinen Trübsinn verfiele ; darum theilte sie dem Ritter Hans ihre Bekümmerniß mit und fragte ihn , wie er ' s denn mache , daß er immer guten Muthes bleibe , wie ein Edelmann muß , und doch thäte er nicht allein denken , sondern er schreibe sogar seine Gedanken nieder , und auf Papier . » Meine liebe Frau von Bredow , « sagte Herr Hans von Schweinichen , wie er ' s auch sonst oft gesagt hat : » Was uns kommt , kommt nicht von uns , sondern vom lieben Gott . Wenn ich einen guten Rausch gehabt , hat ' s der liebe Gott so gefügt , und da ich um mein liebstes Ehegemahl anhielt , hat er ' s auch so gefügt , denn wüßte sonst nicht , wie ich zum Muth kommen , daß ich sie fragte , willst Du mich ? da ich doch bei unterschiedlichen andern hübschen und adligen Weibsbildern , so ich viel lieber gehabt , ehedem nicht den Mund aufthun konnte . Wer sollte mir also den Mund aufgeschlossen haben , als der ihn mir auch vorhinnen verschloß , der liebe Gott ? Item wird es auch mit dem Denken und dem Schreiben sein . Kümmert Euch also , liebwertheste Frau Gevatterin , gar nicht darum . Wenn ' s Herrn Gottfried treibt , daß er denken muß , so hat ' s der liebe Gott gefügt , und wenn die ganze Welt anfinge zu denken auf eigene Hand , so müssen wir denken , als gute Christen , der liebe Gott hat ' s nun mal gewollt . « » Was kannst Du nun mehr wünschen ? « sagte Eva , da sie Hans Jürgen ein Stückchen durch die Kiefern zum Abschied begleitet . Er führte sein Roß am Zaum , so lange er neben ihr herging . Da kratzte er sich hinter ' m Ohr und sah sie eigens an . » Brummbär ! Noch nicht zufrieden ? « » I ja , Eva , es wäre schon . « » Du , weißt Du noch , wie Du am Fließ Wache standst - « sie sprach es nicht aus , wovor der arme Junge Wache gestanden , - » und jetzt , jetzt bist Du eigentlich was von einem Geheimenrathe , und bei Deinem Kurfürsten ! « » Eva , ich meine so , es hat jedwed Ding zwei Seiten . Von der einen sieht ' s so aus und von der andern so . Schau da die alten Kiefern , nun die Abendsonne drauf scheint , ist ' s so lustig gesprenkelt vom Wipfel bis zur Wurzel , als wären ' s Rosenstengel , und man möchte immer den Finger dran tupfen , daß der auch roth wird . Aber die Sonne ist ein Weniges gesunken , werden sie grau und knarren , und man müßt ' auch ' ne Kräh ' sein , um sich gern drein zu schaukeln . « » Der Kurfürst ist Dir immer gut , Hans Jürgen ; er lächelt Dir immer zu wie rosenroth . Hast ' s selbst gesagt . « » Das ist ' s eben , Eva . Wenn einer immer zu Einem lächeln thut , und Ensereinem ist nun nicht zum Lachen ! Nun hast Du schon recht , ich darf sprechen , wie mir um ' s Herz ist . Oder , wie er sagt , sprich wie Dir der Schnabel gewachsen ist . Nun ist mir aber manchesmal so zu Muth , wie ihm nicht zu Muth ist , und was ich denke , das denkt er nicht ; oder was er denkt , das denke ich nicht . Wenn ich ' s nun raus sage , daß mir was nicht gefällt , und was mir nicht gefällt , und das ist oft gar viel , so würde ich das ganz recht finden , wenn er wieder raus führe und sagte : Du verstehst das nicht , drum halt Dein Maul . Denn es ist richtig , ich versteh ' Vieles noch nicht , aber ich will es lernen ; und er könnt ' es mich besser lehren . Aber er läßt mich schwatzen und reden , wie das nun ist , und dann sieht er mich so von oben freundlich an , wie die Sonne ein Mühlrad , und mir ist ' s , als spräche er bei sich : Kann der kleine Hund auch schon bellen ! Gottes Wunder ! daß ich , der Alles weiß , und besser als alle Anderen , auch solche Stimme anhören muß ! - Sieh mal , Eva , da ist mir denn auch manchmal so kurios zu Muthe , und gar nicht so , wie die Sonne auf die Kiefern scheint , als knarrten die Aeste in mir , und die Krähen krächzten : Du bist doch auch ein Mensch von Gott gemacht , als wie der , und was ein Mensch nicht findet , das findet der andere ; darum soll kein Mensch dem andern zu niedrig dünken , daß er nicht auch von ihm was anhören könnte und lernen dazu , und eines Menschen Stimme , wenn er auch nicht schön spricht und nicht so hohen Verstand hat , ist doch mehr als ein Mühlrad , auch wenn die Sonne drauf scheint . « Da der Ritter Hans Jürgen auf ' s Roß sich geschwungen , und nun auch durch die hohen Kiefern ritt , glühte auch Eva ' s Gesicht , ob ' s von der Abendsonne war oder von der Freude , ihm nachzusehen ? Aber , als hätt ' s ein Kobold ihr angethan , unterkreuzte das hübsche Kind die Arme und ein schelmisch Lächeln schwebte um ihre Rosenlippen , als sie mit einem Male die Worte des Kurfürsten wiederholte : » Kann der kleine Hund auch schon bellen ? « Doch , wie erschrocken , daß er ' s gehört haben könnte , oder erschrocken vor sich selbst , verstummte , sie , und als wollte sie ' s wieder gut machen , warf sie ihm Kußhände nach . » Ach , Du lieber Hans Jürgen , ich bin Dir doch so gut , « das hörte er nicht , aber er sah , wie sie , auf den Zehen sich hebend , mit dem Tüchlein wehte , und wehte wieder mit dem Federhut , bis er an den Fichten verschwand . Wie lange stand sie noch da in der einsamen Haide , als lausche sie auf den Abendwind , der in den Wipfeln spielte . Ein Anderer hätte sich gefürchtet , sie lächelte immer holder , als horche sie in dem Surren und Summen und Säuseln in der Haide , die jetzt grau ward , auf einen Brautgesang , den gute Geister anstimmten . Und damit ist dieses Buch zu Ende . Denn obschon Mancherlei geschah , was , so zu sagen , noch zum Schluß gehört , so ereignete sich das erst viele Jahre später , und wer es erfahren und lesen will , der suche es im andern Theil unseres Buches , der unter dem Namen » Der Wärwolf « geschrieben und gedruckt ist . ( Ende . )