; aber für das Glück habe ich noch nicht Freiheit , nicht Raum genug in mir . Es macht mich schüchtern , ich werde so klein vor dieser Großmuth des Himmels , ja ich sinke in mir selbst , wie in einem engen Winkelchen , zusammen . Das war es auch wohl , was der Comthur meinte , als er mir zuflüsterte : » Ich erkenne die heitere Freundin von ehemals nicht wieder . Wo hat Elise die jugendlichen Schwingen gelassen , mit denen sie das blaue Luftmeer muthwilliger Laune so oft durchschiffte ? « Ich drückte seine gute , liebe Hand . » Fragen Sie nicht , « bat ich . » Sie müssen Geduld haben mit einer Genesenden . Wenn auch schon die Fähigkeit zur Bewegung da ist , man getraut sich nicht , die lang entwöhnten Kräfte zu gebrauchen . « Er lächelte wohl , doch sah er auch ernsthaft aus , und schien mich erforschen zu wollen . Mag er das ! Es liegt nichts im Grunde meiner Seele , das seinen Blick scheuen müßte . O Liebster ! fassen Sie doch die Seligkeit , daß ich das sagen darf ! Wissen Sie wohl , daß es innere Uebereinstimmung allein ist , die uns billig und herzlich gegen andere macht . Wäre der brave , alte Baron Wildenau zu jeder andern Zeit so unerwartet an einem Tag , wie der heutige , hineingefallen , wir würden ihn unwillig und trocken abgewiesen oder bei Seite gelassen haben . Nun empfingen wir ihn bescheidener , und fühlten ohne Störung , daß unsere Wärme ihn auch erwärmte , und er sein Herz aufschloß . Nachher brauchten wir uns nicht weiter große Gewalt anzuthun , um ihn zu hören . Es interessirte uns wirklich , was er über Leontin sagte , dessen letzter Brief merkwürdig genug sein mag ; wenn man ihn nur zu lesen bekäme ! Die wenigen Fragmente , in die Sprache des Vaters übertragen , geben nur confuße Vorstellungen . Der Gedanke , statt eines strengen Mönchklosters , wie es der tiefsinnige Mensch früher gewollt , eine weltliche Erziehungs-Anstalt für Knaben zu stiften , hat mich besonders gerührt . Wunderbar , daß uns gerade heute Nachricht von dem dunkeln , ganz aus dem Gesicht verlornen Freunde kommen mußte ! Gestehen Sie , daß ich wenig eitel sein muß , um es dem ungalanten Baron nicht nachzutragen , daß er mich erst nach einer ganzen Weile wieder erkannte . Ich fürchte , lieber Hugo ! die Veränderung , welche der Oheim nur an meiner Laune zu finden glaubt , wird sich auch wohl auf meine ganze Person erstrecken . Armer Hugo ! so ist der Herbst des Alters doch wohl vor der Thür ! und der Frühling der Jahreszeiten leihet uns nur ein Stückchen von seinem Leben ! Ich will mit dem traurigen Schluß nicht auch den Brief schließen . Deshalb frage ich Sie noch , was haben Sie denn mit Sophie angefangen ? Die kam ja von ihrer Wasserfahrt so ernst und wortkarg zurück , als sei etwas vorgefallen , das ihr die Lust des Tages trübte ? Ihr habt wohl sehr tiefsinnige Gespräche geführt , und Euch in feierliche Betrachtungen hinein vertieft ? Mir geht nach gerade die Sprache aus ! Gute Nacht , Hugo ! Ich nehme all mein Glück mit mir in den Schlaf , und will davon träumen . Gute Nacht ! gute Nacht ! Sophie an Hugo Ich vergaß Sie zu erinnern , Elisen unser Begegnen mit der gespenstigen Fremden nicht zu erzählen . Es wirft immer einen Schatten auf den hellen Tag zurück , und sie hat diesen so rein genossen ! Ich fand sie noch in großer Bewegung am Schreibtisch . Die Augen leuchteten ihr vor Freude , als sie die schönen , langen Wimpern zurückschlug , und mich halb gerührt , halb triumphirend , mit einer Miene ansah , die wohl sagen sollte : Nun , Zweiflerin ? ist nicht dennoch Alles gut geworden ? Bin ich nicht das glücklichste Geschöpf auf Erden ? Wie wenig paßt zu dem warmen Roth , das in dem Augenblick ihre Wangen färbte , ja wie ein Rosenhauch über sie ausgegossen schien , die blasse Trauergestalt , die so einsam in ihrer Gondel aus der buschigen Erdzunge von Wehrheim hinaus fuhr , und zwischen dem säuselnden Schilf hindurch , unsere Bahn durchschnitt . Schauerlich , sagten Sie , sei Ihnen die Nähe dieser Gemüthskranken . Mir hat ihr unerwarteter Anblick eine kältende Angst in der Seele gelassen , und wirklich muß ich es ein Glück nennen , daß Sie in dem gekrümmten , kleinen Fährmann den Bedienten der Dame erkannten , und dadurch alle Gedanken an Geistererscheinung , von vorn herein verscheuchten , denn in der That , dies plötzliche Erscheinen und an uns Hingleiten , dies Fortbewegen auf dem Wasser ohne hörbaren Ruderschlag , das wispernde Rascheln der Rohrhalme , es hatte viel Spukhaftes ! Zudem - ich wette , wurden auch Sie an etwas erinnert , das mir die Brust zusammen zog . Es war eine Aehnlichkeit in der Bewegung der Arme , in der Art , den Schleier rasch zusammenzuschlagen , sich ganz hinein zu wickeln , dieselbe Neigung des Kopfes , ein wenig auf die Seite , und dann nach vorne gebückt . Das nämliche Zusammenziehen des Körpers , so in sich hinein , wie Jemand , der friert . Ich weiß , sie ist leidend ! aber es trifft mit der Gestalt zusammen ! und dann der Abend , das Halbdunkel ! heute gerade ! Ich wollte , die Unerfreuliche verließe diese Gegend bald ! Ich fragte neulich den Arzt nach ihr . Elise achtete sehr aufmerksam darauf . Er wußte nicht viel von ihr . Es behandelt sie ein französischer Doktor . Er ist bei der Legation . Er kommt wöchentlich mehrmals aus der Residenz hierher , und geht sodann über das Kloster der frommen Premonstratenser Mönche zurück . Er zeigt nur gleichgültiges Nichtachten bei allen Erkundigungen über die sonderbare Fremde , die ihn wenig zu interessiren scheint , und uns so unbequem ist . Ich schelte mich deshalb . Allein , wenn ich von mir auf Elise schließen darf , so verbergen wir dieser wohl klüglich unser kleines Nachtabentheuer . Hugo an Elise Ich schicke Ihnen , Liebste ! in aller Frühe einen kleinen , grünen Papagay , der mir diesen Morgen zum Kauf angeboten ward . Es reise ein Mann mit fremden Thieren hier vorbei , sagte mir der kleine , braune Knabe , in gebrochenem Italienisch , welcher den Vogel herauf brachte . Es war ein hübsches Bild , das gewandte , fremd gekleidete Kind mit dem bunten Papagay auf der Hand , beide wechselsweise schwatzend , sich küssend und einander liebkosende Grüße zurufend . Wir wurden bald Handels eins . Ich hatte gezahlt , jener ging , der Vogel saß auf seiner Stange , sah umher , drehte sich hin und wieder und rief mit einemmale hell und deutlich Georg . Ist der Zufall nicht artig , daß , aller Wahrscheinlichkeit nach , der Knabe so heißt ? daß ihn das verlassene Thier so ruft , und daß ich meiner Freundin so das Echo eines geliebten Namens zu vertrauter Unterhaltung bieten darf ? Hier , Elise , sprechen Sie dem niedlichen Plaudrer immer vor , was er sagen soll , und was Niemand sonst zu wissen braucht . Schwatzt er auch , so verräth er doch nur halb das Geheimgehaltene . Guten Morgen ! Guten Morgen , Liebe ! Antwort O , weg mit dem Ohngefähr ! weg , mit der Fabel vom braunen Knaben ! Niemand als Sie kann so zart fühlen , kein Zufall kann mich so in meinem Innern finden ! den Namen lehrte das Thier kein Wärter , nicht das Bedürfniß nach Futter . Er nennt ihn so weich , so sehnsuchtsvoll . O , den hat ihn die mitempfindende Liebe gelehrt . Mein bester Hugo , wie rührt mich dies Geschenk ! O bitte , verstecken Sie sich doch nicht hinter das schlecht ersonnene Mährchen , und lassen Sie das vom Himmel gekommene Feenkind weg , das solche Zauberkünste mit dem Enträthseln geheimer Wünsche treibt ! Ich kenne wohl einen Zauberer , der tief , tief in meiner Seele liest , doch , außer ihm Niemand , der kleine , welsche Elfe weiß nichts von mir . Hugo durch den rückkehrenden Boten Ich versichere Sie , ich sagte Ihnen die Wahrheit . Ich ersinne nichts , um nachher aus meinem Verstand hervorzutreten . Gewiß , es ist , wie ich Ihnen schrieb . Nehmen Sie es einfach , Liebe ! und freuen Sie sich , daß uns jetzt überall das Angenehme auf halbem Wege entgegenkommt . In einer Stunde bin ich bei Ihnen , Sie werden nicht länger meine Worte bezweifeln , wenn Sie mir in die Augen sehen , die Sie nie täuschen konnten . Die Tante an Elise Ich antworte Dir gleich , liebes Kind ! damit Du nicht glaubst , ich wolle Böses mit Bösem vergelten , denn das ist wahr , betrübter bin ich lange nicht gewesen , wie den Tag vor Deiner heimlichen Abreise , und hernach , wie Dein Brief kam . Man sorgt und quält sich das halbe Leben für seine Kinder , und Glück und Frieden schafft kein Mensch . Der arme Curd ! Ich dachte es nun gewiß , und sage , was Du willst , es wäre am Ende doch wohl geschehen , denn es ist schwer , seinen Bitten zu widerstehen . Ach , ich weiß das ja am Besten ! Er kann so niedliche Augen machen , gerade so , als er noch klein war , und mir was abbettelte . Wenn er Dich so ansah , Elischen ! Du lächeltest auch , und warst ihm auch gut ! der arme Junge ! Ich kann nicht ohne Thränen an ihn denken . Aber das könnten wir am Ende noch verschmerzen , wenn es nur der Mühe werth wäre . Nein ! Ich kann mir es nicht möglich denken , daß Du den Mann heirathen wirst , um dessentwillen Du Dich mit dem achtungswerthen Präsidenten entzweitest , mit dem Mann , der nichts als Kummer und Schimpf über Dich und Deine Familie verhängte , der Dich von Haus und Hof verjagt , und Deinen allerliebsten Georg um die Mutter gebracht hat , und der nachher gar nicht that , als wärest Du in der Welt , bis Du Alles , Alles vergißt , und gerade dahin gehst , wo Du gewiß sein konntest , ihn zu treffen . Siehst Du , ich hätte das nicht thun können , um alle Schätze der Erde nicht . Niemals würde ich ' s mir vergeben haben , den kalten Menschen sehen zu lassen , wie viel mir an ihm liege ! Lieber sterben , als mein Herz so wegwerfen ! Nun , Du wärest ja doch beinahe darüber gestorben . Da , freilich , wie es denn so weit kam , da schlug ihn wohl das Gewissen , und er bot Dir seine Hand . Ich weiß Alles durch Curd , der immer in Deiner Nähe blieb , wie Du so elend warst , und hernach auch noch . Er kennt den Förster aus dem Orte . Bei dem hatte er sich Tag und Nacht einquartirt , ohne daß es ein Mensch wußte . Der redliche Junge ! so wie der Dich liebt , Elischen ! so liebt Dich doch kein Anderer . Das kannst Du gewiß glauben , und ich will wünschen , daß Du Deine unbesonnene Flucht aus meinem stillen Hause einmal bereuen mögest . Denn sage mal aufrichtig , Kind , was kann Dir nun eigentlich alles das helfen ? Es ist schon gar zu viel Wind über Eure Liebe hingegangen , bei den Männern hat so etwas immer Folgen . Der Tod der Frau kam auch noch dazwischen . Er hat sie doch wohl lieb gehabt , und sich hernach im Stillen Vorwürfe genug machen müssen ! Dir ehrlich gestanden , mir kommt es so vor , als wäre sein Antrag nur so ein Angst- und Nothgeschrei gewesen . Er fürchtete , es würde ihm eben so mit Dir gehen , und die Welt noch scheeler dazu sehen , als das Erstemal . An Deiner Stelle hätte ich gar nicht darauf geachtet . Er war dann beruhigt , und über alle Nackenschläge weg . Du konntest Dich wieder selbst respektiren , und vor den Menschen , da kriegte Alles ein ganz anderes Ansehen . Ich begreife die Leute gar nicht , die Du um Dich hast ! ob das keiner einsieht oder Dir nur nicht sagen will ? Die Freude und der Jubel über solche unschickliche Verbindung ist mir ganz unverständlich . Denke Dir mal selbst die Sache so recht deutlich , wie sie sich wirklich begeben hat , und dann frage Dich , ob es Dich nicht beleidigen würde , wenn Du es bei Andern so zugehen sähest ? Ich stelle mir manchmal vor , der würdige , alte Herr und die kluge Stiftsdame könnten gar nicht im Irrthum sein , dazu besitzen sie wohl viel zu viel wahre Delicatesse . Allein der Umstand , Elischen , daß Du so sehr daran hängst , und daß sie wohl sehen , Du willst Dich sonst nicht auf andere Art vor der Welt wieder herstellen , Dir fehle es ganz an Muth und Entschluß , Deine Parthie zu nehmen , und Deine unbegreifliche Leidenschaft werde Dich noch unzählig viel unvorsichtige Schritte begehen lassen , das macht es , daß sie denken , lieber ein Uebel als so viel ärgerliches Aufsehen . Nun sieh ' mal , bist Du es denn nicht , deren Schwäche sie nachgeben ? Habe ich unrecht , wenn ich jetzt schelte , indeß Andere Dich loben ? Was dabei zu loben ist , das kann doch wohl kein gescheuter Mensch einsehen ! Nein , mein Kind , darin irrst Du sehr , gut geheißen habe ich früher auch nicht , was die Welt tadelte , tadeln mußte . Aber , es schien mir barbarisch , eine Gefallene vollends niederzutreten . Und dann kam auch damals die Weisheit hintendrein . Doch jetzt ist es noch Zeit . Wenn Du wolltest ... wahrhaftig , ich schweige ganz von Curd , ich will nicht einmal an ihn denken , ob ich gleich gewiß bin , er wäre ganz der Mann darnach , alles Geschehene vergessen zu machen . - Doch Gott bewahre mich ! Nein , ganz abgesehen davon , um Dich allein , mein Herzchen . Du sonnest Dich jetzt so recht bequem und ruhig in Deinem Glück , aber , aber ! Die Herbstsonne , die leihet uns nur ihre Strahlen , das hat keine Art mehr ! Das Gewölk fliegt drüber hin , ehe man es denkt , und Sturm und Regen sind da . Ueberlege dies , liebe Elise ! Ich meine es gut . Du kennst mich , aber Dich selbst kennst Du nicht . Elise an Hugo Stellen Sie sich vor , die Gräfin Ulmenstein ließ sich vor einer Stunde bei mir ansagen , eben fährt sie wieder weg . Was in dieser Stunde alles hier in dem kleinen Zimmerchen geschwatzt worden ist , das möchte ich nicht behalten können , und Ihnen auch nicht wiederholen . Doch der große Gegenstand dieses formellen Besuchs war eine Verlobungsanzeige . Curd und Agathe ! Ich hatte Mühe , nicht zu lachen . Lieber Freund , mir ist ein Stein vom Herzen . Nun bin ich ihn und die redliche Mutter los . Die weiß noch nicht ein Wort von der Geschichte . Sie wird Augen machen . Mag sie sehen , was sie mit ihm anfängt . Ach , er ist ein sogenannter guter Mensch ! Man ist gegen diese Sorte in der letzten , überklugen Zeit oft sehr unbillig gewesen , Sophie ist es noch . Ich streite mit ihr darüber . Sie behauptet , da liege das Gegengewicht alles höhern Strebens . Die plumpe Masse hänge sich unversehens an , und ziehe Andere herunter . Ich leugne ihr überall das Wagerecht ab . Wer hält die Schaale ? Man soll nicht so den Richter spielen . Aufgeblasene Leerheit hat freilich etwas Lächerliches . Nun , so lache man ! Ich bin eher hierzu , als zum Unwillen gestimmt , und wahrhaftig , wenn mir Curd auch lästig war , Sophie thut ihm doch zu viel . Aber wie breit und stolz und wichtig unsere Nachbarin hier vorfuhr ! Ich mußte mir in die Lippen beißen über diesen Triumphzug . Der Bräutigam hat sich begnügt , mir eine Karte zu schicken . Mein Gott , warum ? daß die Menschen aus Verlegenheit so oft unnatürlich werden ! Hätte der gute Vetter seine Blödigkeit überwunden , wir würden im Augenblick unser Verhältniß festgestellt , und uns später unvermeidliche Verdrüßlichkeiten erspart haben ; denn ich kann einmal das stramme Nichtachten und Fremdthun unter Menschen , die sich besser kennen , nicht leiden . Der Unwille springt mir über die Lippen und es giebt Auftritte . Apropos ! wissen Sie , daß unser Räthsel hier in Eduards Hause , eine Verwandte vom * * * schen Hofe sein soll ! Man weiß ganz gewiß , daß sie in Verbindung mit diesem steht . Die Oberhofmeisterin correspondirt mit der Kammerfrau oder Gesellschafterin . So viel hat Walter ausspionirt . Sie ist Aebtissin eines Florentinischen Klosters . Das Geheimniß , das sie umgiebt , soll politische Ursachen haben , so wie ihre Entfernung aus Italien ; die Gräfin wußte auch davon , und gab zu verstehen , eine aufgelöste Heirath aus Familienrücksichten , Hof-Intriguen , Vergiftung , und Gott weiß , welches romanhafte Quodlibet , habe sie um den Verstand gebracht . Ihrer Aehnlichkeit mit der Fürstin von * * * schreibt man es zu , daß sie stets verschleiert umhergeht . Ich möchte sie wohl einmal sehen . Ich meine , ich habe Ihnen genug zu Dank geschrieben , daß Sie den ganzen Tag in Geschäften mit Gerichtshalter und Amtleuten zubringen wollen , ohne einen Augenblick für Ihre ungeduldige Freundin abmüßigen zu können . Wüßte ich es nur über mich zu gewinnen , ich hätte auch schweigen , und Sie mit Ihren Acten in so trockner Unterhaltung lassen sollen , wie Sie es gestern für gut fanden , uns solche kosten zu lassen . Nein , Hugo ! einsilbiger habe ich Sie lange nicht gesehen . Ums Himmelswillen , macht diese unglückliche Rechtspflege alle Männer hölzern und eingebildet auf ihre Wichtigkeit ? Sie zogen auch die Stirne kraus und sahen auf einen Fleck , rechneten und balancirten das Für und Wider mit kaltem Ernst , wie gewisse andere Leute , die ich nicht gegen Sie , am wenigsten im Schlimmen erwähnen will . Aber Lieber , sein Sie weniger respectabel und ein Bischen liebenswürdiger . Antwort Ich sollte Ihnen danken , Elise ! bereuen und Aenderung geloben . Das kann ich Alles nicht . Im Gegentheil muß ich Sie schelten , daß Sie mich kennen und doch so beobachten , als wäre an mir etwas anders als unwillkührlich . Haben Sie ja Nachsicht mit mir , und vor allem lassen Sie sich nicht auf vieles Erklären und Motiviren ein . Sie verderben nur Ihre Zeit ; denn wahrhaftig , es würde mir schwer werden , mich immer selbst zu verstehen . Machen Sie auch den Geschäften nicht den Krieg . Geschäfte sind ein guter Ableiter in den Gewittertagen der Seele . Und in wessen Leben finden sich solche Tage nicht ? Ich denke , der Humor wird bei dem heutigen Gerichtstage nicht erst lange um Stoff betteln müssen . Will ' s Gott und der witzige Kauz , der Actuarius , so bringe ich Ihnen heute Abend eine freie Stirn , und einen ganzen Sack voll Anekdoten mit . Die Oberhofmeisterin an Sophie Wie soll ich Sie nennen ? unbesonnen ? Das Wort paßt niemals auf Sie . Treulos ? Ich kenne Sie so lange als wahr und zuverläßig . Bethört also ? Bethört auf unbegreifliche Weise . War es möglich ? Bei Ihnen fand sich das Pärchen zusammen ? Unter Ihrem Schutz glich sich alles so glatt und eben aus , als habe die Thorheit nur die Hand der Weisheit bedurft , um ihr gleich zu werden ! Sophie , dazu haben Sie Ja gesagt ? So wenig ehrten Sie in der Freundin die tödtlich gekränkte Mutter ? Haben Sie denn kein menschliches Ahndungsvermögen ? fiel es Ihnen nicht auf tausend Meilen ein , wie es mir in der Seele zuwider sein mußte , diese verführerische Schlange mit Hugo verheirathet zu sehen . Sie mit dem Namen nennen zu hören , den Emma , die Unglückliche , Gemarterte , mir und der Welt Entrissene , trug ? Haben Sie gar keine Vorstellung von der Eifersucht einer Mutter für die Rechte der einzigen , angebeteten Tochter ? Ist es Ihnen wirklich unmöglich , die bittere Kränkung zu bezweifeln , die mir aus dieser unwürdigen Heirath erwächst ? O fragen Sie nicht mit der verwunderten Ruhe , die mich zu Zeiten , Ihnen gegenüber , um alle Fassung bringt , ob ich denn gewollt , daß der Graf nie wieder an eine zweite Ehe denken sollte ? Ja , ja , ich habe das gewollt ! Ich will es noch ! Wem darf er seine Hand bieten , wenn ihn das sanfte Joch an Emma ' s Seite drückte ? Wem ? ich frage Sie . Und wenn auch das nicht wäre , sagen Sie einmal , kann er diese Unruhestifterin , diese Störerin seines Familienfriedens , diese doppelte - ! O lassen Sie mich wegwenden von dem Gedanken , daß sie es ist , die er in sein ehrbares Stammhaus führt , die ihr entweihtes Wappen an den Schild hängen darf , der sich mit dem meinigen verschlang ; daß sie da gehen , stehen , sitzen wird , wo Emma saß ; daß ihre Stimme frei und keck erschallen wird , wo jene demüthig und leise ihr bescheidenes Wort aussprach , daß sie - o mein Gott ! da lachen wird , wo mein armes Kind so viel , so heiß weinte ! Gehen Sie , Sophie ! Ihre Klugheit ist dem flachen Spiel empfindsamer Modetändelei erlegen . Während Sie sündliche Thränen trocknen helfen , pressen Sie meinen brennenden Augen gerechte und allzu bittre aus . Ich wußte nicht , sollte ich die Leute Lügen strafen , die mir die Geschichte dieser Komödien-Versöhnung erzählten ! Ein falsches Gerücht nannte ich sie , doch glauben , das war mir nicht möglich , glauben konnte ich sie nicht . Nun bestätigen Sie es selbst , und verlangen , ich soll es gut heißen . Verblendete ! mit Ihnen ist nicht zu streiten . Aber der Himmel , das weiß ich , der Himmel wird Euch die Augen öffnen . Das duldet er nicht , wie auch Wahn und Ueberspannung seine Absicht mißverstehe . Und sollte , und dürfte ich auch nicht - ! Nein ! verlassen Sie sich darauf , das wird niemals geschehen ! Hugo an Heinrich Du bist ein guter Mensch , Heinrich ! aber Du hast das Unglück , selten zu wissen , wie Andern zu Muth ist . Das kommt von Deinen abgezogenen Begriffen . Du giebst nicht genug auf das Leben Acht . Mein liebes Kind ! das ist ein Proteus , das macht Dir ein X für ein U vor , ehe Du Dich versiehst . Ich hätte Dir längst einmal wieder geschrieben , allein ich fürchte mich vor Deinen hohen Worten . Du hast so viel mit Idealen , mit Streben u.s.w. zu thun , und das Alles schrumpft , bei ordentlichem Tageslicht besehen , zu solcher Misere zusammen , daß mir ' s erschrecklich ist , wenn man davon viel Lärmens macht . Soll ich Dich nun auf meine Weise unterhalten , so hörst Du nichts Gescheuteres , und glaubst noch dazu , es bestreiten zu müssen . Thue das ja nicht . Es kommt nichts dabei heraus . Es geht doch alles seinen Gang fort . Man vermag zu wenig gegen das Vorurtheil ! Den Feind besiegst Du mit allen Fechterkünsten der Dialektik nicht . Es wäre ein Gegenstand zu scharfsinnigen Entdeckungsreisen , den verborgenen Gängen dieses Kobolds nachzuspüren . Was der für Sprünge macht , wie der die Dinge in den Köpfen der Menschen unter einander wirft , und wie sie geschickt sind , immer das Dümmste und Einfältigste , was oben auf liegt , zu fassen , davon ließe sich ein drolliges Lustspiel schreiben , preßte es nur dem Dichter nicht unter der Arbeit Angstschweiß aus ; denn es will Einem an die Haut gegangen sein , um die rasenden Mistificationen solcher Teufeleien zu verstehen . Die Zeitung von meiner zweiten Heirath hast Du wohl schon , lieber Heinrich ! Thue Dir keine Gewalt an , lache dreist , ich lache mit . Lächerlicher hat sich nicht leicht ein Mensch gemacht , als ich . Die zweite Heirath ! ! - Ja , ja ! das ist so ein Stückchen von dem Einfluß des Vorurtheils ! Was da gesprochen , gethan , gelitten wird , um die einfachste Sache von der Welt confus zu machen . Ich sage Dir , kein Mensch denkt über den Augenblick hinaus , wenn ihn der gerade packt . Alle stehen in Gedanken darüber , aber - aber - ! Ach ! es ist eine erbärmliche Historie , die Weltgeschichte . Ich bin wie Alle ! gefangen , da ich frei sein könnte . Ja , Heinrich ! mir ist gerade , als wenn mir ein Ambos an den Füßen hinge ! Und dazu klatscht man um mich herum in die Hände vor Entzücken , und lacht und freut sich taub und blind in den Tag hinein . Ich fürchte , das Lachen wird ihnen vergehen , mein steinernes Gesicht muß sie zuletzt doch aus der Fassung bringen . Du schreiest über Inconsequenz ! Lieber Heinrich , das ist ein Wort , das , wie die meisten , ohne allen Sinn angewendet , oder überhaupt gar nicht verstanden wird . Gerade , weil das Unwillkührliche , der wahre Mensch in uns , sich nur folgerecht entwickelt , und keine andere , als falsch ausgelegte Untreuen begehen kann , weil er wohl für Augenblicke etwas mit sich machen läßt , doch selbst , das heißt mit Seele und Herz , nur das ihm Eigenthümliche thut , deshalb fällt der Schein davon nach außen ungleich , und beleidigt das Auge durch schillernde Bewegung . Siehst Du , das ist es ! Meiner Ueberzeugung nach sind es die unbestechlichsten , klarsten , wahrhaftigsten Gemüther , die zumeist der Treulosigkeit beschuldigt werden . Was hilft so ein conventionelles Machtgebot , wenn sich die ganze menschliche Natur dagegen empört ? Glaube mir , die Rohheit im Leben , die ist es , die das Flüchtige , das Behende , das Geistige des Daseins , bei Einigen zerstört , bei Andern in die tiefsten Winkel der Brust zurückdrückt . So wie Dir nun etwas recht eigen , recht heilig ist , so fahren rechts und links ungeschickte Hände in Dich hinein , und reißen Dir das Geheimniß aus Licht . Da stellen , und drehen , und pressen sie ' s so lange , bis es in die unpassendste Form hineingezwängt ist , und wenn es ihnen entschlüpft , oder Du sagst , das ist nicht , was mir gehört ; was Ihr da habt , das ist ein zerrissenes , todtes Stück meines Herzens , macht damit , was Ihr könnt , aber laßt die wunde Stelle in mir heilen und vernarben , und quält mich nicht , das Leblose wieder einpassen zu wollen , die Natur leidet es nicht ; wenn Du das sagst , dann fängt das Toben und Schelten an . Du bist verfehmt , und kannst sicher sein , mit jedem Bösewicht in eine Klasse geworfen zu werden . Es ist ein Jammer , wie die Menschen das Vertrauen unter einander schwächen . Wolltest Du es aussprechen , wie Dir zu Muthe ist , das liebste Wesen würde Dich nicht hören wollen , vielleicht auch nicht hören können ! So ziehe ich meinen Strang in der Welt , so lange die Kräfte aushalten . Ich wäre gerne einmal zu Dir gekommen . Aber es ist besser , ich bleibe hier . Es ist nicht gut , die Flügel viel zu rühren , wenn man einmal im Käfig sitzt . Die Lust , weiter zu fliegen , könnte zu verzweifelten Versuchen verleiten . Und dann - ! Es ist sonderbar - ! Ich kann hier nicht weg . Es ist etwas in diesen Mauern , in dieser Atmosphäre , in - ! ich weiß nicht , soll ich sagen , in dem unsichtbaren Wehen der Luft ? was mich an diese Gegend bannt . Genug , ich möchte nicht einmal anderswo sein , wenn es sich auch fügte . So etwas Tolles setzt sich der Träge , der Unsichergewordene in den Kopf . Das Geschick hat uns nicht allein zum Narren , es macht uns auch dazu . Aber das ist doch wahr , der Ort , an welchem man lange ein innerliches Leben führte , der wandelt sich nach und nach um . Er nimmt die Farbe unserer Welt an , die Gegenstände treten in eine Beziehung zu uns , die sie beseelt . Es ist nicht mehr der wirkliche Wald , der wirkliche Strom , in und auf welchem sich Andere bewegen ; was uns umgiebt , das gehört zu der Heimath , von welcher Niemand außer dem verborgenen , geheimen Gedankenleben in uns , etwas errathen wird . Und weiß der Himmel ! es trifft wirklich auch immer so viel zu , was den Wahn nährt . So kam