verzehren Anstalt machte , aber wie groß war mein Entsetzen , als plötzlich ein starkes Brummen dicht bei mir dieses Spiel unterbrach und der mächtige Alte , Pontos Oheim , der Pudel Skaramuz , vor mir stand . Mit einem Satz wollte ich fort aus der Türe , doch Skaramuz rief mir zu : » Sei Er kein Hasenfuß und bleib Er ruhig sitzen ; glaubt Er , ich werd ' Ihn fressen ? « - Mit der demütigsten Höflichkeit fragte ich , worin ich vielleicht dem Herrn Skaramuz nach meinen geringen Kräften dienen könne , der erwiderte aber barsch : » In nichts , in gar nichts kann Er mir dienen , Mosje Murr , und wie sollte das auch möglich sein ? Aber fragen wollt ' ich Ihn , ob Er vielleicht weiß , wo mein liederlicher Neffe steckt , der junge Ponto . Er hat sich ja wohl schon einmal mit Ihm herumgetrieben , und ihr scheinet zu meinem nicht geringen Ärger ein Herz und eine Seele . Nun ? - sag ' Er nur an , ob Er weiß , wo der Junge herumschwärmt ; ich habe ihn schon seit mehreren Tagen mit keinem Auge gesehen . « Verlegen durch des mürrischen Alten stolzes wegwerfendes Betragen , versicherte ich kalt , daß von einer engen Freundschaft zwischen mir und dem jungen Ponto gar nicht die Rede sei und auch niemals die Rede gewesen wäre . Zumal in der letzten Zeit habe sich Ponto , den ich übrigens gar nicht aufgesucht , ganz von mir zurückgezogen . » Nun , « brummte der Alte , » nun , das freut mich , das zeigt doch , daß der Junge Ehre im Leibe hat und nicht gleich bei der Hand ist , mit Leuten allerlei Gelichters sein Wesen zu treiben . « Das war denn doch nicht auszuhalten , der Zorn übermannte mich , das Burschentum regte sich in mir , ich vergaß alle Furcht und prustete dem schnöden Skaramuz ein tüchtiges : » Alter Grobian ! « ins Gesicht , hob auch die rechte Pfote mit ausgespreizten Krallen in die Höhe und zwar in der Richtung nach des Pudels linkem Auge . Der Alte wich zwei Schritte zurück und sprach weniger barsch , als vorher : » Nun , nun , Murr ! nichts für ungut , Ihr seid sonst ein guter Kater , und da will ich Euch denn raten , nehmt Euch in acht vor dem Blitzjungen , dem Ponto ! Er ist , Ihr möget es glauben , eine ehrliche Haut , aber leichtsinnig ! - leichtsinnig ! zu allen tollen Streichen aufgelegt , kein Ernst des Lebens , keine Sitte ! - Nehmt Euch in acht , sag ' ich , denn bald wird er Euch verlocken in allerlei Gesellschaften , wo Ihr gar nicht hin gehört und Euch mit unsäglicher Mühe zu einer Art des sozialen Umgangs zwingen müßt , die Euerer innersten Natur zuwider , und über die Eure Individualität , Eure einfache ungeheuchelte Sitte , wie Ihr sie mir eben bewiesen , zugrunde geht . - Seht , guter Murr , Ihr seid , wie ich schon gesagt , als Kater schätzenswert und habt für gute Lehre ein williges geneigtes Ohr ! - Seht ! - soviel tolle , unangenehme , ja zweideutige Streiche auch ein Jüngling verführen mag , zeigt er nur dann und wann jene weichliche , ja oft süßliche Gutmütigkeit , wie sie Leuten von sanguinischem Temperament immer eigen , so heißt es denn gleich mit dem französischen Ausdruck : Au fond ist er doch ein guter Kerl , und das soll denn alles entschuldigen , was er beginnt gegen alle Sitte und Ordnung . Aber der fond , in dem der Kern des Guten steckt , liegt so tief , und über ihm hat sich so viel Unrat eines ausgelassenen Lebens gesammelt , daß er im Keime ersticken muß . - Für wahrhaftes Gefühl des Guten wird einem aber oft jene alberne Gutmütigkeit aufgetischt , die der Teufel holen soll , wenn sie nicht vermag , den Geist des Bösen in einer glänzenden Maske zu erkennen . Traut , o Kater , den Erfahrungen eines alten Pudels , der sich was in der Welt versucht , und laßt Euch nicht durch das verdammte : Au fond ist er ein guter Kerl , betören . - Seht Ihr etwa meinen liederlichen Neffen , so möget Ihr ihm alles geradezu heraussagen , was ich mit Euch gesprochen , und Euch seine fernere Freundschaft gänzlich verbitten . - Gott befohlen ! - Ihr freßt das wohl nicht , guter Murr ? « Damit nahm der alte Pudel Skaramuz das Stückchen Weißbrot , das vor mir lag , hurtig ins Maul und schritt dann gemächlich von dannen , indem er mit gesenktem Haupt die lang behaarten Ohren an der Erde schleppen ließ und ein ganz klein wenig mit dem Schweif wedelte . - Gedankenvoll schaute ich dem Alten nach , dessen Lebensweisheit mir ganz eingehn wollte . » Ist er fort , ist er fort ? « So lispelte es dicht hinter mir , und ich erstaunte nicht wenig , als ich den jungen Ponto erblickte , der sich hinter die Türe geschlichen und so lange gewartet hatte , bis der Alte mich verlassen . Pontos plötzliche Erscheinung setzte mich gewissermaßen in Verlegenheit , da mir des alten Onkels Auftrag , den ich jetzt eigentlich hätte ausrichten müssen , doch etwas bedenklich schien . Ich dachte an jene entsetzlichen Worte , die Ponto mir einst zugerufen : » Solltest du es dir etwa beikommen lassen , feindliche Gesinnungen gegen mich zu äußern , so bin ich dir an Stärke und Gewandtheit überlegen . Ein Sprung , ein tüchtiger Biß meiner scharfen Zähne würde dir auf der Stelle den Garaus machen . « Ich fand es sehr ratsam , zu schweigen . - Diese inneren Bedenklichkeiten mochten mein äußeres Betragen kalt und gezwungen erscheinen lassen , Ponto guckte mich an mit scharfem Blick . Dann brach er aus in eine helle Lache und rief : » Ich merk ' es schon , Freund Murr ! Mein Alter hat dir allerlei Böses vorgeredet von meinem Treiben , er hat mich liederlich , allen tollen Streichen und Ausschweifungen ergeben geschildert . Sei nicht so töricht , von dem allem auch nur ein Wörtchen zu glauben . Fürs erste ! - Schau ' mich recht aufmerksam an und sage mir , was du von meiner äußern Erscheinung hältst ? « - Den jungen Ponto betrachtend , fand ich , daß er nie so wohlgenährt , so glau ausgesehen , daß nie diese Nettigkeit , diese Eleganz in seinem Anzuge , nie diese wohltuende Übereinstimmung in seinem ganzen Wesen geherrscht . Ich äußerte ihm dies unverhohlen . » Nun wohl , « sprach Ponto , » nun wohl , guter Murr , glaubst du wohl , daß ein Pudel , der sich in schlechter Gesellschaft umhertreibt , der niedrigen Ausschweifungen ergeben , der recht systematisch liederlich ist , ohne eigentlichen Geschmack daran zu finden , sondern bloß aus Langeweile , wie es denn nun wirklich bei vielen Pudeln der Fall ist - glaubst du wohl , daß ein solcher Pudel so aussehen kann , wie du mich findest ? Du rühmst vorzüglich die Harmonie in meinem ganzen Wesen . Schon das muß dich belehren , wie sehr mein grämlicher Onkel im Irrtum ist ; denke , da du ein literarischer Kater bist , an jenen Lebensweisen , welcher dem , der an einem Lasterhaften vorzüglich das Unharmonische der ganzen Gestaltung rügte , erwiderte : Ist es möglich , daß das Laster Einheit haben kann ? - Wundere dich , Freund Murr , nicht einen Augenblick über die schwarzen Verleumdungen meines Alten . Grämlich und geizig , wie denn nun einmal Oheime sind , hat er deshalb seinen ganzen Zorn auf mich geworfen , weil er par honneur einige kleine Spielschulden bezahlen müssen , die ich bei einem Wurstkrämer aufgeborgt hatte , der bei sich verbotenes Spiel duldete und den Spielern oft in Zervelaten , Grützen und Lebern ( zu Würsten aptiert nämlich ) bedeutende Vorschüsse machte . Dann aber denkt der Alte noch immer an eine gewisse Periode , in der meine Lebensweise eben nicht rühmlich war , die aber längst vorüber und dem herrlichsten Anstande gewichen ist . « In dem Augenblick kam ein kecker Pintscher des Weges , guckte mich an , als hab ' er meinesgleichen noch niemals gesehen , schrie mir die gröbsten Insolenzen in die Ohren und schnappte dann nach dem Schweif , den ich lang aus von mir gestreckt , welches ihm zu mißfallen schien . Sowie ich aber hochaufgerichtet mich zur Wehre setzen wollte , war Ponto auch schon auf den ungesitteten Krakehler losgesprungen , hatte ihn zu Boden getreten und zwei- , dreimal überrannt , so daß er unter dem jammervollsten Lamento , den Schweif fest eingeklemmt , schnell davonfuhr wie ein abgeschossener Pfeil . Dieser Beweis , den Ponto mir von seiner guten Gesinnung , von seiner tätigen Freundschaft gab , rührte mich ungemein , und ich dachte , daß hier das : » au fond ist er ein guter Kerl ! « welches der Onkel Skaramuz mir hatte verdächtig machen wollen , doch auf Ponto anzuwenden sei in besserm Sinn und ihn mit mehrerem Grunde entschuldigen könne als manchen andern . Überhaupt wollt ' es mich bedünken , daß der Alte gewiß zu schwarz gesehen und Ponto zwar leichtsinnige , aber nie schlechte Streiche machen könne . Alles dieses äußerte ich meinem Freunde ganz unverhohlen und dankte ihm dabei dafür , daß er meine Verteidigung übernommen , in den verbindlichsten Ausdrücken . » Es freut , « erwiderte Ponto , indem er , wie es seine Art war , mit muntren schalkischen Augen umherblickte , » es freut mich , guter Murr , daß der pedantische Alte dich nicht irregemacht hat , sondern daß du mein gutes Herz erkennst . - Nicht wahr , Murr , ich nahm den übermütigen Jungen tüchtig vor ? - Er wird daran denken lange Zeit . Eigentlich habe ich ihm heute schon den ganzen Tag aufgepaßt , der Bengel stahl mir gestern eine Wurst und mußte dafür gezüchtigt werden . Daß dabei auch nebenher die Unbill gerächt wurde , die du von ihm erfahren , und daß ich in dieser Art dir meine Freundschaft bewähren konnte , ist mir gar nicht unlieb ; ich schlug , wie man im Sprüchwort zu sagen pflegt , zwei Fliegen mit einer Klappe . - Nun aber wiederum auf unser voriges Gespräch zurückzukommen ! - Betrachte mich , guter Katz , noch einmal recht genau und sage mir , ob du denn gar keine merkwürdige Veränderung in meinem Äußern wahrnimmst ? « - Ich schaute meinen jungen Freund aufmerksam an und - ach der Tausend ! nun erst fiel mir das silberne , zierlich gearbeitete Halsband ins Auge , das er trug , und auf dem die Worte graviert waren : Baron Alzibiades von Wipp . Marschallstraße Nr. 46. » Wie , « rief ich erstaunt , » wie , Ponto , du hast deinen Herrn verlassen , den ästhetischen Professor , und dich zu einem Baron begeben ? « » Verlassen , « erwiderte Ponto , » habe ich nun eigentlich den Professor nicht , sondern er hat mich von sich gejagt mit Fußtritten und Prügeln . « » Wie konnte das geschehen ? « sprach ich , » dein Herr bewies dir ja sonst alle Liebe und Güte wie nur möglich . « » Ach , « antwortete Ponto , » das ist eine dumme ärgerliche Geschichte , die nur durch das sonderbare Spiel des neckenden Zufalls zu meinem Glück ausschlug . An der ganzen Sache war bloß meine alberne Gutmütigkeit schuld , der freilich ein wenig eitle Prahlerei beigemischt . In jeder Minute wollt ' ich meinem Herrn Aufmerksamkeiten erweisen und ihm dabei mein Geschick , meine Ausbildung zeigen . Deshalb war ich auch gewohnt , alles , was an Kleinigkeiten am Fußboden lag , dem Herrn ohne weitere Aufforderung zu apportieren . Nun ! - Du weißt vielleicht , daß der Professor Lothario eine blutjunge und dabei bildhübsche Frau hat , die ihn auf das zärtlichste liebt , woran er gar nicht zweifeln darf , da sie es ihm jeden Augenblick versichert und ihn gerade dann mit Liebkosungen überhäuft , wenn er , in Büchern begraben , sich auf die zu haltende Vorlesung vorbereitet . Sie ist die Häuslichkeit selbst , da sie das Haus niemals vor zwölf Uhr verläßt , da sie doch schon um halb eilf Uhr aufgestanden , und , einfach in ihren Sitten , verschmäht sie nicht , mit der Köchin , mit dem Stubenmädchen die häuslichen Angelegenheiten bis ins tiefste Detail zu beraten und sich , ist das Wochengeld gewisser , nicht etatsmäßiger Ausgaben halber zu früh aus dem Beutel entwischt , und darf der Herr Professor nicht angegangen werden , ihrer Kasse zu bedienen . Die Zinsen dieser Anlehne trägt sie ab in kaum getragnen Kleidern , sowie diese und auch wohl Federhüte , in die die erstaunte Welt der Mägde Sonntags das Stubenmädchen geputzt sieht , als Lohn für gewisse geheime Gänge und andre Gefälligkeiten gelten dürften . Bei so vielen Vollkommenheiten mag wohl einer liebenswürdigen Frau die kleine Torheit ( ist es überhaupt Torheit zu nennen ) kaum verargt werden , daß ihr eifrigstes Streben , all ihr Tichten und Trachten dahin geht , stets nach der letzten Mode gekleidet zu gehen , daß ihr das Eleganteste , das Teuerste nicht elegant , nicht teuer genug ist , daß sie , hat sie ein Kleid dreimal , einen Hut viermal getragen , den türkschen Shawl einen Monat hindurch umgehängt , eine Idiosynkrasie dagegen empfindet und die kostbarste Garderobe wegwirft um einen Spottpreis oder , wie gesagt , die Mägde sich darin putzen läßt . Daß die Frau eines Professors der Ästhetik Sinn hat für schöne äußere Gestaltung , ist wohl gar nicht zu verwundern , und nur erfreulich kann es dem Gemahl sein , wenn dieser Sinn sich darin offenbart , daß die Gemahlin mit sichtlichem Wohlgefallen den Blick der feuerblitzenden Augen auf schönen Jünglingen ruhen läßt , diesen auch wohl zuweilen etwas nachläuft . Manchmal bemerkte ich , daß dieser , jener artige junge Mann , der die Vorlesungen des Professors besuchte , die Türe des Auditoriums verfehlte und statt dieser die Türe , welche zum Zimmer der Professorin führte , leise öffnete und ebenso leise hineintrat . Beinahe mußte ich glauben , daß diese Verwechslung nicht ganz absichtslos geschah oder wenigstens niemanden gereute , denn keiner eilte , seinen Irrtum zu verbessern , sondern jeder , der hineingetreten , kam erst nach einer guten Zeit heraus und zwar mit solch lächelndem zufriednem Blick , als ob ihm der Besuch bei der Professorin ebenso angenehm und nützlich gewesen als eine ästhetische Vorlesung des Professors . Die schöne Lätitia ( so hieß des Professors Frau ) war mir nicht sonderlich gewogen . Sie litt mich nicht in ihrem Zimmer und mochte recht haben , da freilich der kultivierteste Pudel nicht dort hingehört , wo er bei jedem Schritt Gefahr läuft , Florspitzen zu zerreißen , Kleider zu beschmutzen , die auf allen Stühlen umherliegen . Doch wollt ' es der Professorin böser Genius , daß ich einmal bis in ihr Boudoir hineindrang . - Der Herr Professor hatte eines Tages bei einem Mittagsmahl mehr Wein getrunken als gerade dienlich und war darüber in eine hochbegeisterte Stimmung geraten . Zu Hause angekommen , ging er , ganz gegen seine Gewohnheit , geradezu in das Kabinett seiner Frau , und ich schlüpfte , selbst wußte ich nicht , was für eine besondere Lust mich dazu antrieb , mit hinein durch die Türe . Die Professorin war in Hauskleidern , deren Weiße dem frischgefallnen Schnee zu vergleichen , ihr ganzer Anzug zeigte nicht sowohl eine gewisse Sorglosigkeit als die tiefste Kunst der Toilette , die sich hinter dem Einfachen verbirgt und wie ein versteckter Feind desto gewisser siegt . Die Professorin war in der Tat allerliebst , und stärker als sonst empfand dies der halbberauschte Professor , der , ganz Liebe und Entzücken , die holde Gattin mit den süßesten Namen nannte , mit den zärtlichsten Liebkosungen überhäufte und darüber gar nicht eine gewisse Zerstreuung , ein gewisses unruhiges Mißbehagen bemerkte , das sich in dem ganzen Wesen der Professorin nur zu deutlich aussprach . Mir war die steigende Zärtlichkeit des begeisterten Ästhetikers unangenehm und lästig . Ich kam auf meinen alten Zeitvertreib und suchte am Boden umher . Gerade als der Professor in der höchsten Ekstase laut rief : Göttliches , hehres , himmlisches Weib , laß uns - tänzelte ich auf den Hinterbeinen zu ihm heran und apportierte ihm zierlich und wie bei diesem Akt jedesmal ein wenig mit dem Stutzschweif wedelnd , den feinen pomeranzfarbnen Männerhandschuh , den ich unter dem Sofa der Frau Professorin gefunden . - Starr blickte der Professor den Handschuh an und rief , wie plötzlich aufgeschreckt aus einem süßen Traum : Was ist das ? - Wem gehört dieser Handschuh ? wie ist er in dies Zimmer gekommen ? - Damit nahm er den Handschuh mir aus der Schnauze , besah ihn , hielt ihn an die Nase und rief dann wieder : Wo kommt dieser Handschuh her ? Lätitia , sprich , wer ist bei dir gewesen ? - Wie du , erwiderte die holde treue Lätitia mit dem ungewissen Ton der Verlegenheit , den sie sich vergebens mühte zu unterdrücken wie du nun auch seltsam bist , lieber Lothar , wem soll , wem wird der Handschuh gehören ? Die Majorin war hier und konnte bei dem Abschiede den Handschuh nicht finden , den sie auf der Treppe ausgestreut zu haben glaubte . - Die Majorin , schrie der Professor ganz außer sich , die Majorin , die kleine zartgebaute Frau , deren ganze Hand hineingeht in diesen Daumen ! - Höll ' und Teufel , welcher Zierbengel war hier ? - Denn nach parfümierter Seife riecht das verfluchte Ding ! - Unglückliche , wer war hier , welcher verbrecherische Trug der Hölle zerstörte hier meine Ruhe , mein Glück ? - Schändliches , verruchtes Weib ! - Die Professorin machte gerade Anstalt , in Ohnmacht zu fallen , als das Stubenmädchen hineintrat und ich , froh , des fatalen Ehestandsauftritts , den ich veranlaßt , entledigt zu werden , schnell hinaussprang . Den andern Tag war der Professor ganz stumm und in sich gekehrt ; ein einziger Gedanke schien ihn zu beschäftigen , einer einzigen Idee schien er nachzugrübeln . Ob er es nur sein mag ! - Das waren die Worte , die dann und wann den verstummen Lippen unwillkürlich entflohen . Gegen Abend nahm er Hut und Stock , ich sprang und bellte freudig ; er sah mich lange an , helle Tränen traten ihm in die Augen , er sprach mit dem Ton der tiefsten innigsten Wehmut : Mein guter Ponto ! - treue ehrliche Seele ! - Dann lief er schnell vors Tor und ich dicht hinter ihm her , fest entschlossen , den armen Mann aufzuheitern mittelst aller Künste , die mir nur zu Gebote standen . Dicht vor dem Tore begegnete uns der Baron Alzibiades von Wipp , einer der zierlichsten Herrn in unserer Stadt , auf einem schönen Engländer . Sowie der Baron den Professor gewahrte , kurbettierte er zierlich an ihn heran und fragte nach des Professors , dann aber nach der Frau Professorin Wohlbefinden . Der Professor stotterte in der Verwirrung einige unverständliche Worte hervor . In der Tat , sehr heiße Witterung ! sprach nun der Baron und zog ein seidnes Tuch aus der Rocktasche , schleuderte aber mit demselben Schwunge einen Handschuh heraus , den ich gewohnter Sitte gemäß meinem Herrn apportierte . Hastig riß mir der Professor den Handschuh fort und rief : Das ist Ihr Handschuh , Herr Baron ? - Allerdings , erwiderte dieser , verwundert über des Professors Heftigkeit , allerdings , ich glaube , ich schleuderte ihn in dem Augenblick aus der Rocktasche , und der dienstfertige Pudel hob ihn auf . - So habe ich , sprach der Professor mit schneidendem Ton , indem er den Handschuh , den ich unter dem Sofa in der Professorin Zimmer hervorgesucht , ihm hinreichte , so habe ich das Vergnügen , Ihnen den Zwillingsbruder dieses Handschuhs , den Sie gestern verloren , überreichen zu können . Ohne des sichtlich betretenen Barons Antwort abzuwarten , rannte der Professor wild von dannen . Ich hütete mich wohl , dem Professor in das Zimmer seiner teuren Gattin zu folgen , da ich den Sturm ahnen konnte , der sich bald , bis auf den Flur hinausbrausend , vernehmen ließ . Aber in einem Winkel des Flurs lauschte ich und gewahrte , wie der Professor , alle Flammen der Wut im rotgleißenden Antlitz , das Stubenmädchen zur Stubentür , dann aber , als sie sich noch unterfing , einige kecke Worte zu sprechen , zum Hause hinauswarf . Endlich in später Nacht kam der Professor ganz erschöpft auf seinem Zimmer an . Ich gab ihm meine innige Teilnahme an seinem trüben Malheur durch leises Winseln zu verstehen . Da umhalste er mich und drückte mich an seine Brust , als sei ich sein bester innigster Freund . Guter , ehrlicher Ponto , so sprach er mit ganz kläglichem Ton , treues Gemüt , du , du allein hast mich aus dem betörenden Traum geweckt , der mich meine Schande nicht erkennen ließ , du hast mich dahin gebracht , daß ich das Joch abwerfen , in das mich ein alsches Weib gespannt hatte , daß ich wieder ein freier unbefangener Mensch werden kann ! Ponto , wie soll ich dir das danken ! - Nie - nie sollst du mich verlassen , ich will dich hegen und pflegen wie meinen besten treusten Freund , du allein wirst mich trösten , wenn ich bei dem Gedanken an mein hartes Mißgeschick verzweifeln will . Diese rührenden Äußerungen eines edlen dankbaren Gemüts wurden durch die Köchin unterbrochen , welche mit blassem verstörten Gesicht hereinstürzte und dem Professor die entsetzliche Botschaft hinterbrachte , daß die Frau Professorin in den fürchterlichsten Krämpfen liege und den Geist aufgeben wolle . Der Professor flog hinab ! - Mehrere Tage hindurch sah ich nun den Professor beinahe gar nicht . Meine Speisung , für die sonst mein Herr liebreich selbst sorgte , war der Köchin übertragen , die aber , eine mürrische garstige Person , mir mit Widerwillen statt der sonstigen guten Gerichte nur die elendesten , kaum genießbaren Bissen zukommen ließ . Zuweilen vergaß sie mich auch ganz und gar , so daß ich genötigt wurde , bei guten Bekannten zu schmarotzen , auch wohl auf Beute auszugehen , um nur meinen Hunger zu stillen . Endlich schenkte mir , als ich eines Tages hungrig und matt mit herabhängenden Ohren im Hause herumschlich , der Professor einige Aufmerksamkeit . Ponto , rief er lächelnd , wie denn überhaupt sein Antlitz ganz Sonnenschein war , Ponto , mein alter ehrlicher Hund , wo hast du denn gesteckt ? Hab ' ich dich doch so lange nicht gesehen ! Ich glaube gar , man hat dich ganz gegen meinen Willen vernachlässigt und nicht sorgsam gefüttert ? - Nun , komm nur , komm , heute sollst du wieder von mir selbst deine Speise erhalten . Ich folgte dem gütigen Herrn in das Eßzimmer . Die Frau Professorin , aufgeblüht wie eine Rose , wie der Herr Gemahl vollen Sonnenglanz im Antlitz , kam ihm entgegen . Beide taten zärtlicher miteinander als jemals , sie nannte ihn : englischer Mann , er sie aber : mein Mäuschen , und dabei herzten und küßten sie sich wie ein Turteltaubenpaar . Es war eine rechte Freude , das anzusehn . Auch gegen mich war die holde Frau Professorin freundlich wie sonst niemals , und du kannst denken , guter Murr , daß ich mich bei meiner angebornen Galanterie artig und zierlich zu betragen wußte . - Wer hätte ahnen können , was über mich verhängt war ! - Es würde mir selbst schwer fallen , dir ausführlich all diese heimtückischen Streiche zu erzählen , die meine Feinde mir spielten , um mich zu verderben , und noch mehr als das , es würde dich ermüden . Beschränken will ich mich darauf , nur einiges zu erwähnen , welches dir ein treues Bild meiner unglücklichen Lage geben wird . - Mein Herr war gewohnt , mir im Speisezimmer , während er selbst aß , die gewöhnlichen Portionen an Suppe , Gemüse und Fleisch in einem Winkel am Ofen zu verabreichen . Ich aß mit solchem Anstande , mit solcher Reinlichkeit , daß auch nicht das kleinste Fettfleckchen auf dem getäfelten Fußboden sichtbar . Wie groß war daher mein Entsetzen , als eines Mittags der Napf , kaum hatte ich mich ihm genähert , in hundert Stücke zersprang und die Fettbrühe sich ergoß über den schönen Fußboden . Zornig fuhr der Professor auf mich los mit argen Scheltworten , und unerachtet die Professorin mich zu entschuldigen suchte , las man doch den bittern Verdruß in ihrem blassen Gesicht . Sie meinte , dürfte auch der garstige Flecken nicht wohl fortzubringen sein , so könnte ja doch die Stelle abgehobelt oder eine neue Tafel eingesetzt werden . Der Professor hegte einen tiefen Abscheu gegen solch Reparaturen , er hörte schon die Tischlerjungen hobeln und hämmern , und so waren es die liebreichen Entschuldigungen der Professorin , die ihn mein vermeintliches Ungeschick erst recht fühlen ließen und mir noch außer jenen Scheltworten ein tüchtiges paar Ohrfeigen einbrachten . - Ich stand da im Bewußtsein meiner Unschuld , ganz verblüfft , und wußte gar nicht , was ich denken , was ich sagen sollte . - Erst als mir dasselbe zwei - dreimal geschehen , merkte ich die Tücke ! - Man hatte mir halb zerbrochene Schüsseln hingestellt , die bei der leisesten Berührung in hundert Stücke zerfallen mußten . Ich durfte nicht mehr im Zimmer bleiben , draußen erhielt ich Speise von der Köchin , aber so kärglich , daß ich , von nagendem Hunger getrieben , manches Stück Brot , manchen Knochen zu erschnappen suchen mußte . Darüber entstand denn nun jedesmal ein gewaltiger Lärm , und ich mußte mir eigennützigen Diebstahl da vorwerfen lassen , wo nur von der Befriedigung des dringendsten Naturbedürfnisses die Rede sein konnte . Es kam noch ärger ! - Mit großem Geschrei klagte die Köchin , daß ihr eine schöne Hammelkeule aus der Küche verschwunden , und daß ich sie ganz gewiß gestohlen . Die Sache kam als eine wichtigere häusliche Angelegenheit vor den Professor . Der meinte , daß er sonst nie den Hang zum Diebstahl an mir bemerkt , und daß auch mein Diebsorgan durchaus nicht ausgebildet sei . Auch wäre es nicht denkbar , daß ich eine ganze Hammelkeule so verspeiset , daß keine Spur mehr davon vorhanden . - Man suchte nach und - fand in meinem Lager die Überbleibsel der Keule ! - Murr ! sieh , mit der Pfote auf der Brust schwöre ich ' s dir , daß ich völlig unschuldig war , daß es mir nicht in den Sinn gekommen , den Braten zu stehlen , doch , was halfen die Beteuerungen meiner Unschuld , da der Beweis wider mich sprach ! - Um so ergrimmter war der Professor , als er meine Partie genommen und sich in seiner guten Meinung von mir getäuscht sah . - Ich erhielt eine tüchtige Tracht Prügel . - Ließ mich der Professor auch nachher den Widerwillen fühlen , den er gegen mich hegte , so war die Frau Professorin desto freundlicher , streichelte mir , was sie sonst nie getan , den Rücken und gab mir sogar dann und wann einen guten Bissen . Wie konnt ' ich ahnen , daß das alles nur gleißnerischer Trug , und doch sollte sich dies bald zeigen . - Die Türe des Eßzimmers stand offen , mit leerem Magen schaute ich sehnsüchtig hinein und gedachte schmerzvoll jener guten Zeit , als ich , wenn das süße Aroma des Bratens sich verbreitete , nicht vergebens den Professor bittend anschaute und dabei , wie man zu sagen pflegt , ein wenig schnüffelte ! Da rief die Professorin : Ponto , Ponto ! und hielt mir geschickt zwischen dem zarten Daumen und dem niedlichen Zeigefinger ein schönes Stück Braten hin . - Mag es sein , daß ich im Enthusiasmus des aufgeregten Appetits ein wenig heftiger zuschnappte als gerade nötig , doch gebissen habe ich nicht die zarte Lilienhand , das kannst du mir glauben , guter Murr . Und doch schrie die Professorin laut auf : Der böse Hund ! und fiel wie ohnmächtig zurück in den Sessel , und doch sah ' ich zu meinem Entsetzen wirklich ein paar Blutstropfen am Daumen . Der Professor geriet in Wut ; er schlug mich , trat mich mit Füßen , mißhandelte mich so unbarmherzig , daß ich mit dir , mein guter Kater , hier wohl nicht vor der Türe säße im lieben Sonnenschein , hätte ich mich nicht durch die schleunige Flucht zum Hause hinaus gerettet . An Rückkehr war nicht zu denken . Ich sah ein , daß gegen die schwarze Kabale , die die Professorin aus reiner Rachgier wegen des freiherrlichen Handschuhs gegen mich angezettelt , nichts auszurichten , und beschloß , mir gleich einen andern Herrn zu suchen . Sonst wäre das der schönen Gaben halber , die mir die gütige , mütterliche Natur verliehen , ein leichtes gewesen , Hunger und Gram hatten mich aber so heruntergebracht , daß ich bei meinem miserablen Aussehn in der Tat befürchten mußte , überall abgewiesen zu werden . Traurig , von drückenden Nahrungssorgen gequält , schlich ich vors Tor . Ich