; seht , so ist ' s mir auch gegangen . « Anton stutzte bei dieser Anrede und fragte nach seiner Geschichte ; er müsse wohl manches erfahren haben . » Ich könnte Euch ein paar Jahre davon berichten « , antwortete Seger , » aber Ihr sollt die Zeit nicht verlieren ; Ihr seid in Euren besten Jahren , Ihr sollt mir helfen . Ich bin in jenem Fürstenhause geboren , das dort so weiß aus den Tannen hervorsieht ; es war ein Jagdschloß der Herzoge von Schwaben und gehört jetzt den Graten von Reck ; es hat viel Gelaß , um alle Sünden und Missetaten zu bergen , viel heimliche Eingänge unter der Erde , wo sich das Laster einschleicht ; so kam auch ich auf einem Schleichwege in die Welt , denn meine Mutter war eine Nonne , die sich Agathe nannte . Ich habe sie nicht gekannt , denn Niklas , mein Vater , hatte sie umgebracht , weil sie mich durch die Kraft des Grafen in die Welt gesetzt hatte , was mir doch recht lieb war , denn ich hätte sein Sohn nicht sein mögen . Darauf übernahm er meine Erziehung mit großem Ernste ; zuerst mußte ich den Leuten , die bei uns einkehrten , die Sacktücher und Handschuhe , wo sie einen liegen ließen , verheimlichen ; dann mußte ich ihnen die Geldbeutel , wenn sie beim Weine eingenickt waren , entfremden ; ich tat das so im Spiel . Da schickte er aber eine böse Magd mir zu , die mußte sich verliebt in mich stellen und mich in ihre Gewalt bringen ; die beredete mich , einem Bacchanten aufzulauern , der oft bei uns verkehrte und von dem sie behauptete , daß er ihr mit seiner Liebe nachstelle . Es ward mir recht sauer ; ich lag wohl eine halbe Stunde im Dorngebüsch , und die Spechte hackten so fürchterlich an den Bäumen ; auf meine Armbrust , die gespannt neben mir im Grase ruhte , kroch eine große schwarze Waldschnecke und streckte bei der Spitze des Pfeiles , der darauf lag , ihre Fühlhörner in die Weite ; ich aber blickte auf und sah den Schüler in seinem weiten schwarzen Mantel einherkommen , wie er einen Apfel aß , den ich noch am Morgen mit Verlangen auf dem Schranke der Magd gesehen hatte . Meine Armbrust war in meiner Hand , ich wußte nicht wie , gezielt und losgedrückt , und der Bacchant schrie , als hätte er Bauchkneifen , und da war ' s still , ich aber lief hin und sah ihn recht an ; eine Seele konnte wohl nie in ihm gewesen sein , denn um das bißchen Eisen , was ihm im Herzen steckte , war sie heraus gefahren . Darauf kam die Magd gelaufen und mein Vater ; sie nahmen alles Geld aus seinen Taschen , aber das freute mich nicht ich wollte seinen schwarzen Mantel haben , aber den wollten sie nicht geben , weil es sonst auskäme ; darüber schlug ich auf meinen Vater , daß er mich verfluchte . Beim Abendbrote war alles wieder vertragen , da herzte mich die Magd , und mein Vater litt es . Darauf erklärte er mir die ganze Welt und wie es aller Orten zugehe , daß immer einer den andern bestohlen und umgebracht , die Fürsten den Edelmann , der Edelmann die Bauern ; weil es denn so artig zugehe , hätten sie sich als freie Leute im Walde auch dazu vereinigt , und ich hätte mein Probstück abgelegt und sei nun auch ein rechter Kerl , der ihn einmal , wenn er alt und schwach und zu nichts mehr gut , aus der Welt schaffen sollte . « Dem guten Anton wurde bei diesen Worten der Wein kalt , er sah sich mit einer schmerzlichen Sehnsucht nach seiner Susanna um ; sie stand aber unter dem Hügel . Der Himmel war rot nach einer Seite und schwarz gestreift ; er meinte , daß Augsburg noch brenne , und sah wieder auf Seger , der mit grimmigem Hohn fortfuhr : » Meines Vaters Segen machte mich herzlich froh ; ans Lernen brauchte ich nun nicht mehr zu denken , ich wurde zu allem mitgenommen , lernte meines Vaters Raubgesellen kennen und dachte mir , daß es nicht anders sein könne ; ich schmierte meine Haare mit Speck ein wie sie , konnte hungern und saufen wie sie ; die Mädchen taten mir schön , obgleich ich dürr aussah wie ein Käfer ; ich brachte ihnen immer was mit vom Zuge . So ging ich in meiner Spielerei als Bettelknabe verkleidet gar oft durch den Wald . Da trat ich einstmals an einen schmalen Steg , wo über ein laufendes Wasser ein einziger Baumstamm führte . Als ich darüber gehen wollte , trat mir ein Mann in schwarzem Mantel mit dem Apfel in der Hand entgegen ; es war der Bacchant , den ich erschossen hatte , und ich zitterte so entsetzlich , daß ich weder rück- noch vorwärts konnte . Er trat mir aber ganz nahe und zischte mir leise in die Ohren : Bring mir deines Vaters Blut , so geb ich dir meinen schwarzen Mantel ! In dem Augenblicke tat die Luft einen blauen Donnerschlag neben mir nieder ; als ich wieder zu mir kam , lag ich im Wasser mit den Beinen , und es war beinahe dunkel . Als ich nach Hause kam , war ich ganz verwildert ; sie brachten mich zu Bette . Immer sah ich den Bacchanten , der auf meinen Vater wies , als wollte er sagen : Stoß zu auf den , du hast ja ein Brotmesser neben dir . In dieser Krankheit ward ich ein grimmiger Sittenrichter , denn wenn ich den Bacchanten sah , so fing ich an den Vater zur Tugend zu ermahnen ; wenn ich aber nüchtern wurde , machte ich Verse , über die mein Vater große Freude hatte . Weil wir nun eben so lustig zusammen sind , will ich Euch ein Lied vorsingen , was mir nachher die Bauern nachgesungen haben und wußten nicht , was es recht heiße ; es schmeckte ihnen aber wie die neunerlei Kräuter am grünen Donnerstag . Für meinen Vater bettle ich Den ganzen Tag im Staube , Belüg die Leute freventlich , Wachs auf zu Mord und Raube . Er hörte nimmer meine Not Und trieb mich aus wohl in den Tod . Ich ruf ihn oft in dunkler Nacht In meine dunkle Kammer , Wenn blutig mir der Mond erwacht Und wecket allen Jammer : Ach Vater laß vom Raube ab , Das gibt uns nie ein ehrlich Grab . Da wirft er mich zur Tür hinaus , Da kann ich ruhig schlafen ; Da spukt es nicht wie in dem Haus , Weil da die Hunde blaffen . Dafür soll Vater schlafen auch Von Sohnes Hand nach Räubers Brauch . Ich hab am Dornstrauch ihn erharrt , Die Armbrust ist voll Tücke ; Es scharrt mein Fuß , mein Auge starrt , Weil ich so lang mich bücke . Es weht vom Berge her ein Wind , Der ist so rauh und kalt gesinnt . Die Zunge lechzt , kein Tropfen sinkt ; Die Zeit ist schier verflossen . Das Zeichen von dem Berge klingt , Gleich hab ich abgeschossen ! Doch das traf nur sein Schattenbild , Der Mond deckt über ihn sein Schild . Laßt heute nur den Vater fliehn , Ich krieg ihn doch noch morgen ; Ich will auf seine Fährte ziehn , Da lasset mich nur sorgen , Das ist dem Jäger leichte Sach , Ich schick ihm meine Hunde nach . « Bei diesem Schlusse sprang Seger auf ; - » Anton , Anton ! da kommt ein Augsburger über die betauten Spinnweben , könnt ich sie ihm zum Strick drehen ; Anton , schieß ihn nieder ; da hast du meine Muskete , oder du bist des Todes , sieh , er zielt auf dich . « Anton wandte sich um und sah einen alten Jägersmann , dem die Augen entweder ausgefallen oder tief in den Kopf zurückgetreten waren , mit einer Muskete hinter sich stehen . - » Schieß ihn nieder « , rief Seger noch einmal . - » Fabian , Fabian ! « rief drohend der Alte , und bei dem Worte riß ein Vorhang in Antons Hirn ; wie eines vergangenen Lebens erinnerlich entfiel ihm alle Gegenwart ; er nahm staunend die Muskete Segers und wollte sie gegen den Ankommenden losbrennen . In dem Augenblicke blitzte gegen ihn ein Schuß auf , daß er zu Boden fiel ; er glaubte etwas wie eine lange schwarze Schlange von ihm fort über den Boden schleichen zu sehen , und indem er den Windungen so nachsah und ihrer Bewegungen staunte , verlor er alles Bewußtsein . Während Seger den ersten Schrecken zur Flucht benutzt hatte , war Susanna herbeigeeilt , den geliebten Herrn aus der Ohnmacht zu erwecken . Sie wollte erst den Alten , weil er ihn verwundet , nicht zu ihm lassen , aber der Alte weinte so schmerzlich , daß sie bald an ihn glaubte . Er griff darauf mit rüstiger Kraft den Ohnmächtigen um den Leib , Susanna erhob die Füße , und so schleppten sie ihn mit vieler Anstrengung nach dem weißen Schlosse im Walde . Auf ein dreimaliges Pfeifen des Alten ließ sich die Zugbrücke herunter ; es kamen mehrere alte Diener dem Jäger ehrfurchtsvoll entgegen und trugen Anton auf seinen Befehl in eins der geräumigsten Zimmer des ersten Stockwerkes . Hier wollte Susanna ihren sympathetischen Verband wieder versuchen , aber mit Schrecken sah sie , daß die Wunde an der Hüfte , und ihre Schamhaftigkeit gestattete ihr nicht , sich zu der Besichtigung zuzudrängen , insbesondere da ihr der Alte einen Wink gab , seinen Wundarzt nicht zu stören , der in kunstgerechter Art die Wunde untersuchte . Anton litt dabei sehr schmerzlich , doch seine Stärke ertrug alles ; der Wundarzt fand keine Lebensgefahr , sein Inneres war unverletzt , aber in seinem starken Fleische hatte sich die Kugel so vertieft , daß sie nicht herausgebracht werden konnte , darum war nur eine langsame Genesung zu erwarten . Diese Nachricht schlug Anton mehr darnieder als der Schmerz ; er sehnte sich nach seiner Hausfrau und beschloß , ihr zu schreiben , sobald er seiner Gesundheit gewiß wäre . Unter solchen Gedanken schlief er unbemerkt ein , und es träumte ihm wieder , wie ihm so oft schon geträumt hatte , er sei auf den Armen einer schönen Frau , die ihn mit offenem Munde küßte , und halte an rotem Bande ein Lämmchen , das an seine Schuhe beiße , weil sie grün waren , und er könnte der Mutter nicht sagen , was ihn ängstige , weil sie ihn küßte und weil er nicht sprechen konnte ; bis endlich der Vater , ein großer ernster Mann , hinzugetreten und das Lämmchen gefüttert . Da wurde ihm so stille und wohl , er sah im Zimmer umher , sah die grünen Vorhänge , das alte Bild , welches der Vater ihm immer zeigte . Es stellte zwei Kramläden neben einander von entgegengesetzter Art dar : in dem einen standen Harnische , groß und klein , Helme , prachtvoll befiedert , Degen und Lanzen , ungeduldig blendend , die rasche Kraft zu wecken , die sie führen und brauchen sollte ; in dem andern hingen viele Bilder großer Begebenheiten , mancher Degen in raschem Schwunge , mancher Harnisch zertreten , manche Lanze zerbrochen ; vor beiden Kramläden stand aber ein Knabe zweifelnd und hielt sein Geld in beiden Händen ; dort waren die Harnische und noch viel mehr , aber es war Täuschung ; hier hingen die Harnische wirklich , aber er wußte nicht , ob ihm einer passe , und dann halfen sie ihm nichts . In diesem Bedenken wachte er auf ; es war Tag , Susanna war neben ihm auf dem Stuhle eingeschlummert ; auf sie fiel sein erster Blick , und er dachte wieder , wie sonderbar es sei , daß er jedesmal , wo er verwundet gewesen , als er das Bein gebrochen , als er von den Rittern niedergeworfen , denselben Traum träume . - Jetzt sah er aber auf und erst wischte er sich die Augen , denn wirklich zierte die Wand ihm gegenüber das beschriebene Bild , auf die Mauer gemalt ; die grünen Vorhänge deckten wohltätig die Fenster zu , er fühlte , daß er hier schon gewesen und tausend Freuden als Kind mit erster warmer Frühlingsluft hier eingesogen . In diesem Aufbrausen alter Zeit trat der hohe ernste Alte ins Zimmer , der ihn vom Felde fortgetragen , ergriff seine Hand und drückte sie kräftig . - » O mein Vater ! « rief eine innere Stimme aus ihm , » wie habe ich dich so lange nicht gesehen ; wie ist deiner Augen Licht erloschen ! « Der Alte sagte , seine Hand loslassend : » Du schwärmst , junger Mann ; zwar bist du ähnlich meiner Jugendzeit , und darum bist du mir lieb , aber meinen einzigen Sohn hat ein Wolf zerrissen und seines Lammes geschont . « » Ich bin ' s , Vater ! « rief Anton , » wo ist mein Lamm geblieben ? ich hatte es so lieb ; wo ist Fabian , der mit mir spielte , dem ich meine Kirschen schenkte ? « Der Alte stutzte . - » Fabian , der heuchlerische Satanas ! ihn wollte ich niederschießen , als ich dich getroffen habe . « » Das war Fabian ? « fragte Anton ; » bei uns hieß er Seger ; da sei ihm verziehen , ich hatte ihn so lieb wie meinen Gott . « Der Alte wischte sich die Augen und seufzte : » O laß mich träumen , harter Gott , der immer seinen armen Knecht Rappolt gnädig ließ erwachen ; schenk mir den Glauben , daß der fremde Mann mein Sohn ; ich will ihm alles Gute tun , als wär ' s mein liebes Kind ; ich will ihm zeigen seine Herde , die aus den beiden Lämmern ist gezeuget und geboren ! « - Bei diesen Worten ging der Alte hastig zur Tür hinaus . Anton sah starr nach dem Bilde ; da hörte er ein Getrappel auf den Treppen , als käme eins der kleinen Völker zu ihm , die nach alten Sagen in alten Schlössern hausen und in gewissen Zimmern und Zeiten ihre Feste feiern sollen . Er hörte die kleinen Ritter gegen die Türklinke springen , aber vergebens , sie war zu hoch . Susanna sprang auf und öffnete sie ; aber eine gedrängte Herde von Schafen , die nimmer geschoren in prachtvollen breiten glänzenden Pelzen prangte , riß sie fast nieder . Die ganze Herde schien mit wunderlicher Neigung in das Zimmer und dann zu dem Bette des Verwundeten zu dringen , denn einzelne stiegen über die andern fort , und der Alte konnte sich kaum durch ihre Mitte drängen . Die Schafe stiegen aber mit den Vorderfüßen auf Antons Bett und leckten ihm die Hände und reichten die weichen Schnauzen an seinen Mund . » Du bist mein Sohn « , rief der Alte , » du bist mein verlorener Anton ! sie kennen dich , weil ihre Eltern von dir aufgezogen . Ach , wenn das deine Mutter noch erlebt hätte ; aber sprich , mein einziger Junge , wie bist du uns entwendet ? « Anton besann sich ; - » Weiß ich es doch selbst nicht , wie es auf einmal anders geworden und wie ich einen andern Vater , Martin Sixt , und eine alte häßliche Mutter , Sybilla , bekommen ; aber das weiß ich noch , daß Fabian mir sagte , er wolle mir zeigen , wo bei Tage die Nacht sei ; dann führte er mich in eine Höhle , und da ich müde wurde , nahm mich drin ein fremder Mann auf die Arme , und so kam ich von einem zum andern , und zuletzt blieb ich bei dem alten Maler . « » Fabian ! « rief der Alte , » du bist Satanas ; denn deine Jugend hat an Lastern die alte Welt überboten . O mein Sohn , was wird es für schwere Zeiten geben , wenn die Teufel so von allen Seiten schon losgelassen werden ! « - Bei diesen jammervollen Worten setzte er sich auf einen großen Sessel nieder und sang seinen Schafen : Schäflein drängt euch dicht zusammen In der heißen Mittagsstunde : Einsam steh ich in den Flammen , Macht der Teufel seine Runde In der schwarzen Mitternacht . Schäflein laßt die Glocken klingen , Daß ihr nimmer euch verirret . Denn wenn ich muß einsam singen , Meine Seele sich verwirret Vor des Teufels stiller Macht . Der Alte hielt sich nach diesen Versen beide Augen zu , die Schafe flüchteten ängstlich von ihm ; Anton erschrak , aber Susanna trat hin zu dem Alten und faßte unerschrocken seine Stirne , die herabhing , und drückte sie mit beiden Händen . » Du guter Engel « , sagte der Alte , » du hast mir wohlgetan ; habe Dank ! es sind so Schwindel , die ich der großen Einsamkeit und vielem Kummer zu danken habe . Ach , lieber Sohn , wenn du , wie ich , dein Leben verwacht hättest auf der Kronenburg , starr hingerichtet mit aller Aufmerksamkeit auf nichts , denn du lauerst stets , ob nicht der Verräter nahe , und niemand dringt in die einsame Wildnis , so daß die Vögel zahm mit dir frühstücken , da würdest du nicht mehr wie eine Blume mit deinen Augen in die Welt sehen . « » Hoher Vater « , sagte Anton , » erzählt mir von dieser Burg . « - » Es kommt wohl noch die Zeit dazu « , meinte der Alte nachdenklich ; » du gehörst dahin , du bist ihre letzte Stütze ; sei eingedenk deiner hohen Bestimmung , deiner hohen Geburt ; gedenk aber auch deiner vielen Feinde , um deren Willen du deine Abkunft hier noch verheimlichen mußt ; ich traue nicht allen meinen Dienern mehr , seit Niklas uns so schändlich betrogen . « - ANTON : » Ich sag mit Frundsberg : je mehr Feinde , je mehr Glück ; doch sprecht , Vater , welches adligen Namens kann ich mich rühmen ; ich sage Euch zu , vor Euren Leuten zu schweigen . « DER ALTE : » Vernimm mein Sohn , daß du ein Nachkomme des Grafen von Stock bist , der , von Kaiser Konrad mit einer Schlossertochter in Würzburg gezeugt , erst Huf- und Waffenschmidt im Gefolge Konradins wurde , und als solcher die Gnade des unglücklichen Fürsten sich in dem Maße verdiente , daß dieser ihn noch vor seiner Gefangennehmung als seines Vaters außer der Ehe erzeugten Sohn anerkannte und in den Grafenstand erhob . « Der Alte erzählte von hier an oft abgebrochen ; wir müssen seine Rede zusammenziehen . » Nach der unseligen Schlacht , wo Konradin in jugendlichem Übermute , gesiegt zu haben , die Seinen zum Verfolgen zerstreuen ließ und von dem Hinterhalte Karls angegriffen und gänzlich geschlagen wurde , flüchtete er sich mit Friedrich von Österreich , mit Lancea von Calvano , seinem Sohn Galeotto und seinem geliebten Grafen von Stock in die Wälder . Sie zwangen einige Eseltreiber , ihnen für ihre kostbaren Waren und seidnen Kleider ihre groben Kittel zu überlassen . So irrten sie im größten Mangel an ordentlicher Speisung mehrere Tage , bis sie an das Ufer von Astura gelangten . Hier lag ein Schiffer mit seinem Boote und wartete auf die Nacht zum Fischfang ; sie segneten ihren Stern , der sie dahin geführt , aber der Fischer sah sie groß an , als sie ihn baten , sie nach Pisa zu fahren , wo ihrer Sicherheit und Freundschaft wartete . Er sagte ihnen , wie sie als arme Leute ihn für eine so weite Fahrt bezahlen könnten . Jetzt faßten sie in ihre Taschen und merkten erst , daß sie bloß eine Kiste mit Kleinodien gerettet , daß sie aber ihr Geld in den vertauschten Kleidern stecken gelassen . Hastig zog Konradin einen kostbaren Smaragden von seinem Finger und gab ihn dem Fischer , daß er sie dafür überfahre . Dieser lachte über den Ring und meinte , weil sie so ärmlich aussahen , er möchte nichts wert sein , sagte es aber nicht , weil er sich vor Schlägen fürchtete , sondern ging bloß unter dem Vorwande , Lebensmittel einzukaufen , nach der Stadt Astura , um sich dort nach dem Werte des Ringes zu erkundigen . Da wurden ihm von einem immer mehr Zechinen geboten als von dem andern ; einige wollten ihn festnehmen lassen , um zu erfahren , woher er einen so kostbaren Ring empfangen ; er sagte , wie es sich verlaufen , und war endlich froh , eine Summe für den Ring bekommen zu haben . Mit Wein und Brot beladen kam er zum Ufer , wo Konradin mit Ungeduld seiner harrte , nachdem ihm der Graf von Stock vergebens geraten , ohne seiner zu warten , ihr Heil auf dem Meere zu suchen . O hätten sie es getan , denn jetzt nachdem sie mit dem Schiffer bei schönem Winde auf dem Meere schwebten und ihre Hemden als Segel ausgespannt , mit jeder Welle , die sie durchschnitten , das Unglück weiter von sich gestoßen zu haben wähnten : jetzt waren sie schon von den Galeeren aus Astura umkreist , und als am Morgen das Meer heiter erglänzte , da ging Konradins Stern unter . Johannes Frangipani , der Statthalter in Astura , hatte die Erzählung von den armen jungen Leuten , die einem Fischer einen so kostbaren Ring geschenkt , um sie nach Pisa überzusetzen , mit dem Argwohne angehört , ob nicht Konradin , der jetzt aller Orten gesucht wurde , darunter sein möchte , und versprach sich von dessen Gefangennehmung große Vorteile . Er sendete ihnen zwei schnelle Galeeren nach , die auch am Morgen das Boot erreichten und die armen Flüchtigen zu Gefangenen machten und nach Astura in ein altes Schloß als Gefangene einbrachten . Hier sollte Konradin von seinem geliebten Bruder getrennt werden ; er übersah , daß dieser ihm allein nützlich werden könnte , wenn er loskäme und seine Anhänger zu seiner Befreiung sammelte , und verpflichtete ihn , wenn sie getrennt würden , seine Freiheit zu suchen und zu seiner Rettung zu brauchen ; zugleich sagte er ihm den Ort und die Wege der alten Kronenburg der Hohenstaufen , wo ihre Krone und ihr Schatz noch immer bewahrt wird , bis ein von Gott Begnadeter alle Deutschen zu einem großen friedlichen gemeinsamen Leben vereinigen wird . Sie nahmen mit schwerem Herzen Abschied . König Karl , Konradins Sieger , belagerte Astura wenige Tage vorher , weil Frangipani seine Gefangenen nicht ohne großen Lohn überliefern wollte ; er mußte sich bald übergeben ; Frangipani wurde hingerichtet und die Gefangenen nach Neapel gebracht . Auf dem Wege machte sich unser Altvorderer , der Graf von Stock , durch die Stärke seines Arms , der einen rollenden mit zwei Pferden bespannten Wagen aufhalten konnte , von seinen Wächtern frei ; er drang bis tief in das kalabrische Gebirge und sammelte eine Zahl von Konradins Anhängern , mit denen er durch Bestechung der Wächter , die mehr Konradins edle Tugend als das Geld rührte , einen Versuch machte , ihn zu befreien . Konradin hatte aber sein ritterliches Wort dem Könige gegeben , wenn er ihn ritterlich im Gefängnisse hielte , keinen Versuch zu machen , daraus zu entkommen ; er hörte mit unsäglicher Sehnsucht des Bruders Stimme wieder , und wie er ihm sprach von seiner Mutter und der Burg Hohenstaufen , vor allem aber als er ihm sprach von der Kronenburg ; doch seine ritterliche Ehre widerstand ihm , er befahl , von ihm zu weichen , daß er ihn nicht für einen Teufel halten möge , der ihm die Herrlichkeit der Welt für seine Seele biete . « Bei diesen Worten schlug der Alte wieder beide Hände über seine Augen und sang noch jammervoller als vorher zu seinen Schafen : Schäflein lauft nach allen Seiten , Wenn der Wolf den Hund bezwungen ; Ihr könnt nimmer ihn bestreiten , Laßt ihm eure zarten Jungen , Hab es auch also gemacht . Schäflein fort von meinem Sohne , Seid ihr Wölf in Schafes Kleide , Als ich wachte bei der Krone , Brachte Satanas im Neide Meinen Sohn in seine Macht . Bei diesen Worten sprang der Alte auf und trieb die Schafe mit großer Angst von dem Bette Antons fort und zur Tür hinaus ; Anton wollte aufspringen , aber Susanna hielt ihn ; der Alte , fechtend wie mit einem Doppelschwerte in der Feldschlacht trieb die Herde mit einem großen Zweige nun ungestört zur Tür hinaus ; als er hinaus war , bat Anton Susannen , die Fenster zu eröffnen , denn der Duft der Herde machte die Zimmerluft unerträglich Als die Luft so einströmte und die fernen Berge in der Blendsonne rötlich bekleidet ihm erschienen , da fand sich das Gemüt des Kranken von den Entdeckungen des Tages vorbewegt , in einer Sehnsucht aufgelöst , die ihn in gesunden Tagen noch nie übernommen hatte ; er dachte , was ist ' s denn mehr ein Graf zu sein in einer Einöde , oder ein froher Bürger in der Stadt ; er wußte sich nicht zu nehmen , sich nicht auszulassen , er bat Susannen , zu ihm zu kommen , faßte ihre Hände , spielte damit , berührte ihre Fingerspitzen und fügte sie wie schlanke Zweige , die er zu einem Kranze flechten wollte , ineinander , und hielt sie dann wieder zusammen und sah nach dem Lichte , das rötlich zwischen den Fingern durchschien . » Liebes Kind « , so brach er endlich das Schweigen , » warum hast du mich heute nicht verbunden , wie du es damals getan ? vielleicht wäre ich jetzt schon geheilt und könnte mit dir im Freien die Wolkenzüge beschauen , die hier auf der großen Ebene viel wunderbarer erscheinen , als bei uns , wo sie von den Bergen abgeschnitten . « » Ich hätte es wohl getan « , sagte sie , » aber ich schämte mich vor den fremden Leuten , da Ihr halbtot waret . « - ANTON : » Wie kommst du zu der wunderlichen Geschämigkeit , da der Ort deiner Erziehung aller Scham und Schande den Kopf hätte abbeißen müssen . « - SUSANNA : » Ich habe viel Böses sehen müssen und ich werde wohl lange darum büßen . « - ANTON : » Büßen , ja Kind , wie meinst du das . Du sollst bei mir büßen , gib mir einen Kuß zur Buße ; du wendest dich von mir ? « SUSANNA : » Ich schäme mich , daß Ihr dies von mir verlangt ; ich bin Kurt , Euer Knappe , der Euch treu dienen wird in Not und Gefahr ; ich diene aber nicht um Küsse ich diene um Ehre . « - ANTON : » Hast du dich so in deinen Rock , in deinen Degen verliebt , Liebst du mich nicht ? « - SUSANNA : » Nein , Herr , aber es wäre mir lieb , wenn ich Euch lieben könnte . « - ANTON : » Du meinst wegen meiner Hausfrau . « - SUSANNA : » Von der weiß ich nichts , als was Ihr mir gesagt habt ; was würde die mich hindern , Euch zu lieben , der müßte es ja Freude machen . « ANTON : » Ich meine doch nicht ; sie möchte wohl eifersüchtig sein , wenn sie wüßte , daß ich mit dir in einem Zimmer geschlafen . « SUSANNA : » Daran habe ich nie gedacht , ich will es nie wieder tun , es geschah aber aus Vorsorge für Euch , daß ich hier blieb . « Anton dankte ihr für ihre Güte , doch mischte sich ein Ingrimm über ihre Kälte in diese erste nähere Bekanntschaft mit ihr , wie der Pechgeschmack , der das erste Glas von einer frisch entpfropften Weinflasche zuweilen verdirbt , daß wir nicht beurteilen können , ob er edel oder unedel sei ; er wünschte sich einen munteren Gesellen von weniger Vortrefflichkeit , der in seiner Fröhlichkeit mitjubelte , der an seinem Halse hinge . Sie diente ihm mit einer Hochachtung , wie einem höheren Wesen , das er nicht sein mochte , dessen Schwungkraft er gar nicht in sich fühlte ; so etwas wurde aber niemals in ihm zum Gedanken ; er fühlte den Ärger , dann fühlte er , daß er unrecht gehabt , und suchte es gut zu machen . » Liebes Kind « , so sprach er , indem er sich zu Susannen hinwandte , » wie sieht es denn hier im Hause eigentlich aus , lebt mein Vater ganz allein ? « - SUSANNA : » Herr , es ist überaus wunderlich hier bestellt mit allen Leuten , doch gefällt es mir ; die meisten sind alterschwere Männer , die gar nicht hören können , aber jeder hat sein eigen Geschäft , wie die Vögel sich jeder ein besonderes Nest bauen . « - ANTON : » Hast du sie besucht ? « - SUSANNA : » Sie nahmen mich stillschweigend mit ; der eine zeigte mir seine Eichhörnchen ; die Kammer hatte Drahtfenster und war mit hohlen Bäumen verziert , und drin heckten die Eichhörnchen ; kaum trat er ein , gleich kamen sie wie rote Brände aus allen Höhlen und seufzten zu ihm so durchdringend ,