sollte . Gesagt , getan . Das Fest verlief unter dem Jubel aller Beteiligten , aber doch andererseits auch so , daß folgenden Tages Order kam , auf den Stiefel zu fahnden . So leichten Kaufes indes gedachten die jungen Offiziere weder sich noch ihren Stiefel fangen zu lassen , und als die diesem letzteren geltende Stubenrevision ihren Anfang nahm , war der große Stiefel schon mit Extrapost auf dem Wege nach Garz . Aber auch hier war seines Bleibens nicht lange . Das Versteck war verraten worden , und eine Reiterpatrouille hatte striktesten Befehl erhalten , den » Stiefel der Gensdarmes « , es koste was es wolle , zur Stelle zu schaffen . Was tun in dieser Lage ? Das erste war , eben dieser Patrouille , die schon drei Meilen Vorsprung hatte , diesen Vorsprung wieder abzugewinnen . Es sattelten also befreundete Kameraden , überholten im Fluge das ziemlich ruhig seines Weges trottende Pikett und führten den gefährdeten Liebling von Garz nach Ganzer hinüber , wo derselbe nunmehr , in einem abgelegensten Scheunenwinkel , unter hochaufgeschichteten Strohmassen versteckt wurde . Daselbst stand er über ein Menschenalter . Das Regiment Gensdarmes war längst tot und die Jürgasse längst ausgestorben , da erbat sich der jetzige Besitzer von Garz , Rittmeister von Quast , den Stiefel von Ganzer her zurück , » da dieser , wenn irgend wohin , am ehesten nach dem ehemaligen Gute des › tollen Quast ‹ gehöre « . Gern wurde ihm gewillfahrt und blank aufgeputzt steht er seitdem auf dem Flure des Garzer Herrenhauses , ein charakteristisches Überbleibsel aus den Tagen des » Regiments Gensdarmes « . Wolf Quast , wie so viele Militärs jener mit Unrecht in Bausch und Bogen verurteilten Zeit , war übrigens keineswegs ein bloßer » Junker Übermut « , der nur mit Sporen und Degen über die Straße zu rasseln und gelegentlich in einem Riesenstiefel eine Bowle zu brauen verstand , er war vielmehr umgekehrt ein Mann von hervorragenden Gaben , der die Pflege » nobler Passionen « mit Bildung , Belesenheit und künstlerischem Sinn sehr wohl zu vereinigen wußte . Soldat mit Leib und Seele , war er darauf aus , dem Dienste eine ideale , fast eine wissenschaftliche Seite abzugewinnen , und legte seine Reitererfahrungen in einem Buche nieder , das , wie Fachleute versichern , in allen erheblichen Punkten auch bis heute noch unübertroffen geblieben ist . Seine künstlerischen Neigungen führten ihn nach dem Süden , wo er 1804 erst in Rom und dann in Paris mit Schinkel zusammentraf . Dieser schrieb im Dezember genannten Jahres an den Geheimen Rat von Prittwitz : » Herr von Quast , mit dem ich schon in Rom schöne Genüsse theilte und den ich hier in Paris wieder finde , verspricht mir die Ausrichtung meiner Empfehlungen usw. « Das alles deutet auf mehr , als auf bloße Tollheiten und Fähnrichstreiche . Das Ende Wolf Quasts war beklagenswert . Der brillante Reiter starb infolge eines Sturzes mit dem Pferde . Freilich war Mangel an Geschicklichkeit nicht die Ursache . In der Wilhelmstraße , dicht am Platz , war das Pflaster behufs einer Röhrenlegung aufgenommen und bei Einbruch der Dunkelheit für die vorschriftsmäßige Einzäunung nicht Sorge getragen worden . Quasts Pferd stürzte an dieser Stelle . Er selbst fiel so unglücklich , daß er bald danach im Radziwillschen Palais , wohin man ihn brachte , starb , am 2. Mai 1812 . Sein Eichensarg , ohne besonderen Schmuck , steht in der Familiengruft zu Garz . Er war am 13. Februar 1769 geboren . Das Dossebruch Friedrichs 11. Besuch im Rhin- und Dossebruch Friedrichs 11. Besuch im Rhin- und Dossebruch Um acht Uhr morgens kamen Ihro Majestät auf Seelenhorst an und hatten den Herrn General Grafen von Görtz im Wagen bei sich . Ihro Majestät sprachen bei der Umspannung mit den Zietenschen Husaren-Offiziers , die auf den umliegenden Dörfern auf Grasung standen , und bemerkten mich nicht . Weil die Dämme zu schmal sind , konnte ich neben dem Wagen nicht reiten . ( Fromme ritt also vorauf oder hinterher . ) In Dechtow bekamen Ihro Majestät den Herrn Rittmeister von Zieten , dem Dechtow gehört , zu sehen , und behielten ihn – der Weg war hier breiter – neben sich , bis dahin , wo die Dechtowsche Feldmark zu Ende geht . Hier wurde wieder umgespannt , und Hauptmann von Rathenow auf Carwesee , ein alter Liebling des Königs , trat an den Wagen heran : Hauptmann von Rathenow . Unterthänigster Knecht , Ihro Majestät ! König . Wer seid Ihr ? Hauptmann . Ich bin der Hauptmann von Rathenow 67 aus Carwesee . König ( die Hände faltend ) . Mein Gott ! lieber Rathenow , lebt Er noch ? ich dacht ' , Er wäre längst todt . Wie geht es Ihm ? ist Er gesund ? Hauptmann . O ja , Ihro Majestät . König . Aber mein Gott ! wie dick ist er geworden . Hauptmann . Ja , Ihro Majestät , Essen und Trinken schmeckt immer noch ; nur die Füße wollen nicht fort . König . Ja , das geht mir auch so . Ist Er verheirathet ? Hauptmann . Ja , Ihro Majestät ! König . Ist seine Frau mit unter den Damen dort ? Hauptmann . Ja , Ihro Majestät ! König . Laß Er sie doch herkommen ! ( Sogleich den Hut ab . ) Ich find ' an Ihrem Herrn Gemahl einen guten alten Freund . Frau von Rathenow . Sehr viel Gnade für meinen Mann . König . Was sind Sie für eine geborene ? Frau von Rathenow . Ein Fräulein von Kröcher ! König . Haha ! eine Tochter vom General von Kröcher ! Frau von Rathenow . Ja , Ihro Majestät . König . Oh , den hab ' ich recht gut gekannt . – Hat Er auch Kinder , Rathenow ? Hauptmann . Ja , Ihro Majestät ! Meine Söhne sind in Diensten , und dies sind meine Töchter ! König . Na ! das freut mich . Leb ' Er wohl , mein lieber Rathenow ! Leb Er wohl ! – Nun ging der Weg nach Fehrbellin , und Förster Brand ritt als Forstbedienter mit . Als wir an einen Fleck von Sandschollen kamen , die vor Fehrbellin liegen , sagten Ihro Majestät : Förster , warum sind die Sandschollen nicht besäet ? Förster . Ihro Majestät , sie gehören nicht zur königlichen Forst ; sie gehören mit zum Acker . Zum Theil besäen die Leute sie mit allerlei Getreide . Hier , rechter Hand , haben sie Kienäpfel gesäet ! König . Wer hat die gesäet ? Förster . Hier der Oberamtmann ! König ( zu mir ) . Na ! sagt es meinem geheimden Rath Michaelis , daß die Sandschollen besäet werden sollen . – ( Zum Förster . ) Wißt Ihr aber auch , wie Kienäpfel gesäet werden müssen ? Förster . O ja , Ihro Majestät ! König . Na ! wie werden sie gesäet ? von Morgen gegen Abend , oder von Abend gegen Morgen ? Förster . Von Abend gegen Morgen . König . Das ist recht ; aber warum ? Förster . Weil aus dem Abend die meisten Winde kommen . König . Das ist recht ! – Nun kamen Ihro Majestät zu Fehrbellin an , sprachen daselbst mit dem Lieutenant Probst vom Zieten ' schen Husaren-Regiment ( Schon sein Vater stand als Rittmeister bei den Zieten ' schen . ) und mit dem Fehrbellinischen Postmeister Hauptmann von Mosch . Als angespannt war , wurde die Reise fortgesetzt , und da Ihro Majestät gleich danach an meinen Gräben , die im Fehrbellinischen Luch auf königliche Kosten gemacht sind , vorbei fuhren , so ritt ich an den Wagen und sagte : Ihro Majestät , das sind schon zwei neue Gräben , die wir durch Ihro Majestät Gnade hier erhalten haben , und die das Luch uns trocken erhalten . König . So so ; das ist mir lieb ! Wer seid Ihr . Fromme . Ihro Majestät , ich bin der Beamte hier von Fehrbellin . König . Wie heißt Ihr ? Fromme . Fromme . König . Ha ha ! Ihr seid ein Sohn von dem Landrath Fromme . Fromme . Ihro Majestät halten zu Gnaden , mein Vater ist Amtsrath im Amte Lähme gewesen . König . Amtsrath ! Amtsrath ! Das ist nicht wahr ! Euer Vater ist Landrath gewesen . Ich habe ihn recht gut gekannt . Sagt mir einmal , hat Euch die Abgrabung des Luchs hier viel geholfen ? Fromme . O ja , Ihro Majestät ! König . Haltet Ihr mehr Vieh als Euer Vorfahr ? Fromme , Ja , Ihro Majestät ! Auf diesem Vorwerk halt ' ich vierzig , auf allen Vorwerken siebenzig Kühe mehr ! König . Das ist gut . Die Viehseuche ist doch nicht hier in der Gegend ? Fromme . Nein , Ihro Majestät . König . Habt ihr die Viehseuche hier gehabt ? Fromme . Ja ! König . Braucht nur fein fleißig Steinsalz , dann werdet Ihr die Viehseuche nicht wieder bekommen . Fromme . Ja , Ihro Majestät , das brauch ' ich auch ; aber Küchensalz thut beinah eben die Dienste . König . Nein , das glaubt nicht ! Ihr müßt das Steinsalz nicht klein stoßen , sondern es dem Vieh so hinhangen , daß es dran lecken kann . Fromme . Ja , es soll geschehen . König . Sind sonst hier noch Verbesserungen zu machen ? Fromme . O ja , Ihro Majestät . Hier liegt die Kremmensee . Wenn selbige abgegraben würde , so bekämen Ihro Majestät an achtzehnhundert Morgen Wiesenwachs , wo Kolonisten könnten angesetzt werden , und würde dadurch die ganze Gegend hier schiffbar , welches dem Städtchen Fehrbellin und der Stadt Ruppin ungemein aushelfen würde ; auch könnte vieles aus Mecklenburg zu Wasser nach Berlin kommen . König . Das glaub ' ich ! Euch wird aber wohl bei der Sache sehr geholfen , viele dabei ruiniert , wenigstens die Gutsherren des Terrains ; nicht wahr ? Fromme . Ihro Majestät halten zu Gnaden ; das Terrain gehört zum königlichen Forst und stehen nur Birken darauf . König . O , wenn weiter nichts ist , wie Birkenholz , so kann ' s geschehen ! Allein Ihr müßt auch nicht die Rechnung ohne den Wirt machen , daß nicht die Kosten den Nutzen übersteigen . Fromme . Die Kosten werden den Nutzen gewiß nicht übersteigen ! Denn restlich können Ihro Majestät sicher darauf rechnen , daß achtzehnhundert Morgen von dem See gewonnen werden ; das wären sechs und dreißig Kolonisten , jeder zu funfzig Morgen . Wird nun ein kleiner leidlicher Zoll auf das Floßholz gelegt , und auf die Schiffe , die den neuen Kanal passiren , so wird das Kapital sich gut verzinsen . König . Na ! sagt es meinem geheimden Rath Michaelis ! Der Mann versteht ' s und ich will Euch rathen , daß Ihr Euch an den Mann wenden sollt in allen Stücken , und wenn Ihr wißt , wo Kolonisten anzusetzen sind . Ich verlange nicht gleich ganze Kolonien ; sondern wenn ' s nur zwoo oder drei Familien sind , so könnt Ihrs immer mit dem Mann abmachen ! Fromme . Es soll geschehen , Ihro Majestät . König . Kann ich hier nicht Wustrau liegen sehen ? Fromme . Ja , Ihro Majestät ; hier rechts , das ist ' s. König . Ist der General zu Hause ? Fromme . Ja ! König . Woher wißt Ihr das ? Fromme . Ihre Majestät , der Rittmeister von Lestocq liegt in meinem Dorf auf Grasung und da schickten der Herr General gestern einen Brief durch den Reitknecht an ihn . Da erfuhr ich ' s. König . Hat der General von Zieten auch bei der Abgrabung des Luches gewonnen ? Fromme . O ja ; die Meierei hier rechts hat er gebaut und eine Kuh-Molkerei angelegt , welches er nicht gekonnt hätte , wenn das Luch nicht abgegraben wäre . König . Das ist mir lieb ! Wie heißt der Beamte zu Alten-Ruppin ? Fromme . Honig ! König . Wie lang ist er da ? Fromme . Seit Trinitatis . König . Seit Trinitatis ? Was ist er vorher gewesen . Fromme . Canonicus . König . Canonicus ? Canonicus ? Wie führt der Teufel zum Beamten den Canonicus ? Fromme . Ihro Majestät , er ist ein junger Mensch , der Geld hat , und gern die Ehre haben will , Beamter von Ihro Majestät zu sein . König . Warum ist aber der Alte nicht geblieben ? Fromme . Ist gestorben . König . So hätte doch die Wittwe das Amt behalten können . Fromme . Ist in Armuth gerathen . König . Durch Frauenwirthschaft ? Fromme . Ihro Majestät verzeihen , sie wirthschaftete gut , allein die vielen Unglücksfälle haben sie zu Grunde gerichtet ; die können den besten Wirth zurücksetzen . Ich selber habe vor zwei Jahren das Vieh sterben gehabt , und habe keine Remission erhalten ; ich kann auch nicht wieder vorwärts kommen . König . Mein Sohn , heut hab ' ich Schaden am linken Ohr , ich kann nicht gut hören . Fromme . Das ist schon eben ein Unglück , daß der geheimde Rath Michaelis den Schaden auch hat ! ( Nun blieb ich ein wenig vom Wagen zurück : ich glaubte , Ihro Majestät würden die Antwort ungnädig nehmen . ) König . Na ! Amtmann , vorwärts ! bleibt beim Wagen , aber nehmt Euch in Acht , daß Ihr nicht unglücklich seid . Sprecht nur laut , ich verstehe recht gut . ( Diese Worte wiederholten Ihro Majestät wenigstens zehnmal auf der Reise . ) Sagt mir mal , wie heißt das Dorf da ? rechts . Fromme . Langen . König . Wem gehörts ? Fromme . Ein Drittel Ihro Majestät , unter dem Amte Alten-Ruppin ; ein Drittel dem Herrn von Hagen ; und dann hat der Dom zu Berlin auch Unterthanen darin . König . Ihr irrt Euch , der Dom zu Magdeburg ! Fromme . Ihro Majestät halten zu Gnaden , der Dom zu Berlin . König . Es ist aber nicht wahr , der Dom zu Berlin hat keine Unterthanen . Fromme . Ihro Majestät halten zu Gnaden , der Dom zu Berlin hat in meinem Amtsdorfe Carwesee drei Unterthanen . König . Ihr irrt Euch , das ist der Dom zu Magdeburg . Fromme . Ihro Majestät , ich müßte ein schlechter Beamter sein , wenn ich nicht wüßte , was in meinen Amtsdörfern für Obrigkeiten sind . König . Ja , dann habt Ihr Recht ! Sagt mir einmal : hier rechts muß ein Gut liegen , ich kann mich nicht auf den Namen besinnen , nennt mir die Güter , die hier rechts liegen . Fromme . Buskow , Radensleben , Sommerfeld , Beetz , Karwe . König . Recht ! Karwe . Wem gehört das Gut ? Fromme . Dem Herrn von Knesebeck . König . Ist er in Diensten gewesen ? Fromme . Ja ! Lieutenant oder Fähnrich unter der Garde . König . Unter der Garde ? ( An den Fingern zählend . ) Ihr habt recht , er ist Lieutenant unter der Garde gewesen ! Das freut mich sehr , daß das Gut noch in Knesebeck ' schen Händen ist . – Na ! sagt mir einmal , der Weg , der hier den Berg hinauf geht , geht nach Ruppin , und hier links ist die große Straße nach Hamburg ? Fromme . Ja , Ihro Majestät ! König . Wißt Ihr , wie lang es ist , daß ich nicht bin hier gewesen ? Fromme . Nein ! König . Das sind dreiundvierzig Jahr ! Kann ich Ruppin liegen sehen ? Fromme . Ja , Ihro Majestät , der Thurm , so hier rechts über die Tannen herüber sieht , ist Ruppin ! König ( mit dem Glas aus dem Wagen lehnend ) . Ja , ja , das ist er , ich kenn ' ihn noch . – Kann ich Tramnitz liegen sehen ? Fromme . Nein , Ihro Majestät . Tramnitz liegt zu weit links , dicht an Kyritz . König . Werden wir ' s nicht sehen , wenn wir besser hinkommen ? Fromme . Es könnte sein , bei Neustadt , aber ich zweifle . König . Das ist schade ! Kann ich Bechlin liegen sehen ? Fromme . Jetzt nicht , Ihro Majestät ; es liegt zu sehr im Grunde . Wer weiß , ob es Ihro Majestät gar werden sehen können ? König . Na ! gebt Achtung , und wenn Ihr ' s seht , so sagts ! – Wo ist der Beamte von Alten-Ruppin ? Fromme . In Protzen beim Vorspann wird er sein ! König . Können wir noch nicht Bechlin 68 liegen sehn ? Fromme . Nein ! König . Wem gehört ' s itzo ? Fromme . Einem gewissen Schönermark . König . Ist er von Adel ? Fromme . Nein ! König . Wer hat ' s vor ihm gehabt ? Fromme . Der Feldjäger Ahrens ; der hat ' s von seinem Vater ererbt . Das Gut ist immer in bürgerlicher Familie gewesen . König . Das weiß ich ! Wie heißt das Dorf hier vor uns ? Fromme . Walchow . König . Wem gehört ' s ? Fromme . Ihnen , Ihro Majestät , unter dem Amte Alten-Ruppin . König . Wie heißt das Dorf hier vor uns ? Fromme . Protzen . König . Wem gehört ' s ? Fromme . Dem Herrn von Kleist . König . Was ist das für ein Kleist ? Fromme . Ein Sohn vom General Kleist . König . Von welchem General Kleist ? Fromme . Der Bruder von ihm ist Flügeladjutant bei Ihro Majestät gewesen , und steht itzt zu Magdeburg beim Kalkstein ' schen Regiment , als Obristlieutenant . König . Ha ha ! von dem ? die Kleiste kenn ' ich recht gut . Ist dieser Kleist auch in Diensten gewesen ? Fromme : Ja , Ihro Majestät ; er ist Fähnrich gewesen unter dem Prinz Ferdinand ' schen Regiment . König . Warum hat der Mann seinen Abschied genommen ? Fromme . Das weiß ich nicht ! König . Ihr könnt ' s mir sagen ; ich suche nichts darunter . Warum hat der Mann seinen Abschied genommen ? Fromme . Ihro Majestät , ich kann ' s wirklich nicht sagen . – Nun waren wir an Protzen heran . Ich wurde gewahr , daß der alte General von Zieten in Protzen vor dem Edelhofe stand . Ich ritt an den Wagen heran und sagte : Ihro Majestät , der Herr General von Zieten sind auch hier . König . Wo ? wo ? o reitet vor , und sagt ' s den Leuten , sie sollen still halten ; ich will aussteigen . – Nun stiegen Ihro Majestät hier aus , und freuten sich außerordentlich über die Anwesenheit des Herrn Generals von Zieten , sprachen mit ihm und dem Herrn von Kleist über mancherlei Sachen , ob ihm die Abgrabung des Luchs geholfen ? ob er die Viehseuche gehabt ? und empfahl das Steinsalz gegen die Viehseuche . Mit einemmal gingen Ihro Majestät bei Seite , kamen wieder und riefen : Amtmann ! ( Dicht am Ohr . ) » Wer ist der dicke Mann da mit dem weißen Rock ? « ( Ich ebenfalls dicht am Ohr . ) » Ihro Majestät , es ist der Landrath von Quast auf Radensleben vom Ruppinischen Kreise . « König . Schon gut ! Nun gingen Ihro Majestät wieder zum General von Zieten und Herrn von Kleist , und sprachen von verschiedenen Sachen . Herr von Kleist präsentirte Seiner Majestät sehr schöne Früchte . Sie bedankten sich ; mit einemmal drehten Sie sich um und sagten : » Serviteur , Herr Landrath ! « Als nun selbiger auf Ihro Majestät zugehen wollte , sagten Ihro Majestät : » Bleib er nur da , ich kenn ' ihn , er ist der Landrath von Quast ! « Nun war angespannt . Ihro Majestät nahmen recht zärtlichen Abschied von dem alten General von Zieten , empfahlen sich den übrigen , und fuhren fort . Ob nun wohl Ihro Majestät in Protzen die Früchte nicht annahmen , so nahmen doch Dieselben , so wie wir aus Protzen waren , ein Butterbrod für sich und für den Herrn General Grafen von Görz aus der Wagentasche , und aßen während des Fahrens immer Pfirsich . Beim Wegfahren glaubten Ihro Majestät , ich würde zurückbleiben , und riefen aus dem Wagen : » Amtmann , kommt mitt « König . Wo ist der Beamte von Alten-Ruppin ? Fromme . Er wird vermuthlich krank sein , sonst wär ' er in Protzen beim Vorspann gewesen . König . Na ! sagt mir einmal , wißt Ihr wirklich nicht , warum der Kleist zu Protzen seinen Abschied genommen ? Fromme . Nein , Ihro Majestät , ich weiß es wahrhaftig nicht . König . Wie heißt das Dorf hier vor uns ? Fromme . Manker . König . Wem gehört ' s ? Fromme . Ihnen , Ihro Majestät , unter dem Amt Alten-Ruppin . König . Hört einmal , wie seid Ihr mit der Ernte zufrieden ? Fromme . Sehr gut , Ihro Majestät ! König . Sehr gut ? und mir haben sie gesagt , sehr schlecht ! Fromme . Ihro Majestät , das Wintergetreide ist etwas erfroren ; aber das Sommergetreide steht dafür so schön , daß es den Schaden beim Wintergetreide reichlich ersetzt . ( Nun sahen Ihro Majestät auf den Feldern Mandel an Mandel . ) König . Es ist eine gute Ernte , Ihr habt Recht ; es steht ja Mandel bei Mandel hier ! Fromme . Ja , Ihro Majestät ; und hier setzen die Leute noch dazu Stiege . König . Was ist das , Stiege ? Fromme . Das sind zwanzig Garben zusammen gesetzt ! König . Oh , es ist unstreitig eine gute Ernte . – Aber sagt mir doch , warum hat der Kleist aus Protzen seinen Abschied genommen ? Fromme . Ihro Majestät , ich weiß es nicht ! Mir deucht , er hat vom Vater müssen die Güter annehmen . Ein andre Ursach weiß ich nicht . König . Wie heißt das Dorf hier vor uns ? Fromme . Garz . König . Wem gehört ' s ? Fromme . Dem Kriegsrath von Quast . König . Wem gehört ' s ? Fromme . Dem Kriegsrath von Quast . König . Ei was ! Ich will von keinem Kriegsrath was wissen ! Wem gehört das Gut ? Fromme . Dem Herrn von Quast . König . Na ! das ist recht geantwortet . – Nun kamen Ihro Majestät in Garz an ! Die Umspannung besorgte Herr von Lüderitz aus Nakel , als erster Deputirter des Ruppin ' schen Kreises . Dieser hatte einen Hut auf mit einer weißen Feder ! Als nun die Anspannung geschehen war , ging die Reise gleich fort . König . Wem gehört das Gut hier links ? Fromme . Dem Herrn von Lüderitz ; es heißt Nakel . König . Was ist das für ein Lüderitz ? Fromme . Ihro Majestät , der in Garz beim Vorspann war . König . Haha ! der Herr mit der weißen Feder . – Säet Ihr auch Weizen ? Fromme . Ja , Ihro Majestät . König . Wie viel habt Ihr ausgesäet ? Fromme . Drei Wispel , zwölf Scheffel . König . Wie viel hat Euer Vorfahr ausgesäet ? Fromme . Vier Scheffel . König . Wie geht das zu , daß Ihr so viel mehr säet , als Euer Vorfahr ? Fromme . Wie ich schon die Gnade gehabt , Ihro Majestät zu sagen , daß ich siebenzig Stück Kühe mehr halte , als mein Vorfahr , mithin meinen Acker besser in Stand setzen und Weizen säen kann ! König . Aber warum bauet Ihr keinen Hanf ? Fromme . Er geräth hier nicht . In kaltem Klima geräth er besser . Unsere Seiler können den russischen Hanf in Lübeck wohfeiler kaufen , und besser , als ich ihn bauen kann . König . Was säet Ihr denn dahin , wo Ihr sonst Hanf hinsäet ? Fromme . Weizen ! König . Warum bauet Ihr aber kein Färbekraut , keinen Krapp ? Fromme . Er will nicht fort , der Boden ist nicht gut genug . König . Das sagt Ihr nur so : Ihr hättet sollen die Probe machen . Fromme . Das hab ' ich gethan ; allein sie ist mir fehlgeschlagen , und als Beamter kann ich viel Proben nicht machen ; denn wenn sie fehlschlagen , muß doch die Pacht bezahlt sein . König . Was säet Ihr denn dahin , wo Ihr würdet Färbekraut hinbringen ? Fromme . Weizen ! König . Na ! so bleibt beim Weizen ! Eure Unterthanen müssen recht gut im Stande sein ? Fromme . Ja , Ihro Majestät ! Ich kann aus dem Hypothekenbuche beweisen , daß sie an fünfzigtausend Thaler-Kapital haben . König . Das ist gut ! Fromme . Vor drei Jahren starb ein Bauer , der hatte eilf tausend Thaler in der Bank . König . Wie viel ? Fromme . Eilf tausend Thaler . König . So müßt Ihr sie auch immer erhalten ! Fromme . Ja ! es ist recht gut , Ihro Majestät , daß der Unterthan Geld hat ; aber er wird auch übermüthig wie die hiesigen Unterthanen , welche mich schon siebenmal bei Ihro Majestät verklagt haben , um vom Hofedienst frei zu sein . König . Sie werden auch wohl Ursach dazu gehabt haben . Fromme . Sie werden gnädigst verzeihen : es ist eine Untersuchung gewesen , und ist befunden , daß ich die Unterthanen nicht gedrückt , sondern immer Recht gehabt , und sie nur zu ihrer Schuldigkeit angehalten habe ! dennoch bleibt die Sache , wie sie ist : die Bauern werden nicht bestraft ; Ihro Majestät geben den Unterthanen immer Recht , und der arme Beamte muß Unrecht haben ! König . Ja ! daß Ihr Recht bekommt , mein Sohn , das glaub ' ich wohl : Ihr werdet Euerm Departementsrath brav viel Butter , Kapaunen und Puters schicken . Fromme . Nein , Ihro Majestät , das kann man nicht ; das Getreide gilt nichts . Wenn man für andre Sachen nicht einen Groschen Geld einnähme , wovon sollte man die Pacht bezahlen ? König . Wohin verkauft Ihre eure Butter , Kapaunen und Puters ? Fromme . Nach Berlin . König . Warum nicht nach Ruppin ? Fromme . Die mehrsten Bürger halten Kühe , so viel als sie zu ihrem Aufwand brauchen ! Der Soldat ißt alte Butter ; der kann die frische nicht bezahlen ! König . Was bekommt Ihr für die Butter in Berlin ? Fromme . Vier Groschen für das Pfund . Der ruppinische Soldat aber kauft die alte Butter für zwei das Pfund . König . Aber eure Kapaunen und Puter könnt Ihr doch nach Ruppin bringen ? Fromme . Beim ganzen Regiment sind nur vier Stabsoffiziere , die gebrauchen nicht viel ! und die Bürger leben nicht delicat ; die danken Gott , wenn sie Schweinefleisch haben . König . Ja , da habt Ihr Recht ! die Berliner essen gern was Delicates . – Na ! macht mit den Unterthanen , was Ihr wollt ; nur drückt sie nicht ! Fromme . Ihro Majestät , das wird mir nicht einfallen , und keinem rechtschaffnen Beamten . König . Sagt mir einmal , wo liegt hier Stölln ? Fromme . Stölln können Ihro Majestät nicht sehen . Die großen Berge dort links sind die Berge bei Stölln , auf welchen Ihro Majestät alle Kolonien übersehen können ! König . So ? das ist gut ! dann reitet mit bis dahin . – Nun kamen Ihro Majestät an eine Menge Bauern , die Roggen mäheten , zwei Glieder machten , die Sensen strichen , und Ihro Majestät so durchfahren ließen . König . Was Teufel wollen die Leute ? die wollen wohl gar Geld von mir haben ? Fromme . O nein , Ihro Majestät ! Sie sind voll Freuden , daß Sie so gnädig sind , und die hiesige Gegend bereisen . König . Ich werd ' ihnen auch nichts geben ! Wie heißt das Dorf hier vorn ? Fromme . Barsikow . König . Wem gehört ' s ? Fromme . Dem Herrn von Mütschefall . König . Was ist das für ein Mütschefall ? Fromme . Er ist Major gewesen unter dem Regiment , das Ihro Majestät als Kronprinz gehabt haben . König . Mein Gott ! lebt er noch ? Fromme . Nein ; er ist todt , die Tochter hat das Gut . – Nun kamen wir in ' s Dorf Barsikow , wo der Edelhof eingefallen ist . König . Hört ! Ist das der Edelhof ? Fromme . Ja ! König . Das sieht ja elend aus ! – Hört einmal : den Leuten geht ' s hier wohl nicht gut ? Fromme . Recht schlecht , Ihro Majestät ! Es ist die größte Armuth . König . Das ist mir leid ! – Sagt mir doch ; es wohnte hier vor diesem ein Landrath . Er hatte viel Kinder : könnt Ihr euch nicht auf ihn besinnen ? Fromme . Es wird der Landrath von Jürgaß zu Ganzer gewesen sein . König . Ja , ja ! der ist ' s gewesen . Ist er schon todt ? Fromme . Ja , Ihro