noch eine Versöhnung zwischen ihr und Hansjörg möglich sei . Sie wird mit der Zeit , will ' s Gott , wieder anders denken lernen , und dann - - « » Das ist ein Abweg « , fiel Hans ein , » mach ' s nur kurz und gut ! Du sprichst ihr also gehörig zu - nun - und dann ? « » Dann heißt sie mich eine Kupplerin , und doch weiß Gott im Himmel - « » Aber der Tausend ! Was sagte sie noch ? « » Sie möge gar nicht heiraten , auch dich nicht . « Eine Minute war alles still im Zimmer , dann sagte Hans : » Du wirst doch nicht halb und falsch gegen mich sein ? « Angelika richtete sich stolz auf , und ihr Blick begegnete dem des Burschen so frei und offen , wie seit langer Zeit nicht mehr . Jetzt gleich sollt ' er die ganze Rede wörtlich hören , dieser Entschluß war ihr anzusehen . Aber es ging nicht und ging nicht . Aus war es plötzlich mit aller Selbstbeherrschung , und ihr Erröten an seiner Brust verbergend , flehte sie : » Du hast es schon gehört - und gelt , du plagst mich doch nicht mehr damit , es noch einmal zu sagen ? « » Ich weiß davon , daß sie mich dir geschenkt hat . Ich hab ' das auch nicht ungern , wenn du mich nur willst . « Angelika schob sanft den Arm weg , der sich um ihren Hals legte . » Wir hätten dieses traurige Spiel nicht noch einmal anfangen sollen « , sagte sie wehmütig . » Aber mir ist ' s heiliger Ernst . Ich hab ' nun lange genug nur gespielt und mich Pontius und Pilatus gefügt , hab ' lange Predigten gehört und mit mir selber gehadert . Willst du mein Weib werden oder nicht ? Wenn nicht - ja , dann freilich hätten wir uns nicht mehr sehen sollen . « » Gelt , Hans ? ! « Es war das eigentlich gar keine Antwort , aber der Bursche hörte doch schon ein Ja heraus und jubelte : » Also doch noch mein , und es ist kein Traum mehr ! Schon einmal hat deine Stimme mich durch die Flammen zu dir gerufen . Schon da ist es mir gewesen , ob ich und du und das Kind zusammengehörten . « » Aber deine Mutter ? « fragte Angelika . » Plagen wir uns doch nicht mehr mit dem Alten « , bat Hans , der diese Frage wie einen Vorwurf empfand . » Wir haben schon genug darunter gelitten . Ich bin damals noch ein schwacher , dummer Junge gewesen , du vielleicht zu empfindlich , zu rasch . Das ist nun vorbei , wenn wir es auch vorbei sein lassen und uns darum nichts mehr vorwerfen . « » Das will ich nicht , aber denke , was alles die Mutter jetzt erst gegen mich haben würde . « Hans richtete sich stolz auf und sagte fröhlich : » Wer einmal durchs Feuer ist , fürchtet sich schwerlich vor einem kleinen Hagelwetter . Und bös wird es nicht werden . Sie hat schon alles gesagt , ich fleißig zugehört , wie es einem Sohne Pflicht ist ; aber ich hab ' nichts gehört , was so stark war wie meine Liebe . Ich hab ' alles erwogen , drum komm ' ich erst heut ' . Bisher geht ' s gut - und ferner schon auch noch . Die Mutter hat mich überaus gern und will nur mein Glück , das zeigt sich sogar in dem , womit sie mir weh tut . Oh , laß mich jetzt nur machen ! « So beinahe wie damals im Bregenzerwalde nur irgendein » anständiges Paar « wären die beiden sogar noch zum Küssen gekommen . Ganz freilich kamen sie nicht dazu , doch auch ohne das fühlten sie sich überglücklich . Ein Wonneschauer durchrieselte den Burschen , als des schönen Weibes weißer Hals willig seinen zitternden Arm trug , während ihr Köpfchen an seinem hörbar pochenden Herzen ruhte . Selbst als er immer ernstlicher vom Heiraten redete , sagte sie nicht mehr viel dagegen , und beim Abschied - es war schon spät - gaben sie sich die Hand darauf , im nächsten Frühling , womöglich neben Jos und Dorotheen , vor den Traualtar zu treten . - - Alles , was jetzt noch zu erzählen bleibt , könnte der freundliche Leser sich leichter selbst vorstellen als das Lächeln der Stigerin , mit dem sie sich , über Hansens Eigensinn staunend , nach einigem Sträuben in ihr Schicksal ergab , nun trotz allem und allem noch Angelikas Schwiegermutter zu werden . » Hans ist nicht mehr der alte , und Nachgeben wird wohl das klügste sein « , sagte sie , sich dabei feierlich verwahrend vor aller Schuld an dem , was daraus entstehen möge . Viel allerdings mochte neben Hansens wahrhaft männlichem Auftreten auch der Kaplan dazu beigetragen haben , daß es so gut ging . Der war jetzt mit den Betschwestern geradeso streng wie der Pfarrer , mit dem er überhaupt im schönsten Frieden lebte und wirkte . Es wurde den frommen Ordensmitgliedern bei jeder Gelegenheit eingeschärft , daß sie ihr Lesen und Beten bloß in der Stille für sich , anderen gegenüber jedoch nur Geduld , Sanftmut , Liebe und vor allem Demut üben sollten . Die Betschwestern murrten freilich über solchen Zuspruch , und solche , die schon beinahe für den Orden gewonnen waren , wollten jetzt nicht mehr eintreten , da man diese Regeln ja jeden Sonntag in der Predigt sattsam hören könne . Jede Betschwester hatte die andere im Verdacht , beim Kaplan das Spiel verdorben zu haben , und gab sich so liebsam , daß es für viele zum Staunen war , um ja selbst für nichts schief angesehen zu werden . Die so entstandene Verwirrung in dem Bunde , dessen Beschlüsse fast jeder Dorfbewohner bisher gefürchtet hatte , wenn er keines Fürsprechers in demselben sicher war , kam nun Hansen und seiner Angelika sehr trefflich zustatten . Die Stigerin hörte fast nur Liebes und Gutes über das Paar , so daß die Sorge um das Urteil der öffentlichen Meinung ihr bald nicht eine Stunde Schlaf mehr kostete . Der Kaplan sorgte Zuseln wider Willen um Aufnahme in ein Kloster , was in Anbetracht ihres hübschen Vermögens nicht viele Mühe machte . Dabei redete er immer noch dagegen , aber alles , was er als untergeordneter Geistlicher sagen durfte , war umsonst . Die Dorfbewohner fast durchweg fanden Zusels frommen Entschluß ganz in der Ordnung , und er trug nicht wenig dazu bei , daß man jetzt das Vergangene gänzlich ruhen ließ , weil man alles gesühnt sah . Überall kamen die Leute jetzt dem guten Mädchen , in dem sie schon ein höheres Wesen erblickten , mit scheuer Freundschaft entgegen und baten sie um ihr Gebet . So wurde ihr denn der Abschied vom Dorf und vom Bruder Hansjörg noch so schwer , daß sie die Abreise verschob , ohne jedoch den Entschluß aufzugeben , in dem ihr ganzes Wesen wirklich wieder neue Kraft und neues Leben gewonnen hatte . Angelika hoffte darauf umsonst . Eines Morgens war Zusel fort , und auf dem Tische fand sich ein kurzer Abschiedsbrief mit der Bemerkung , daß sie über ihr Vermögen brieflich bestimmen und gewiß auch den Hansjörg nicht vergessen werde . Der Winter - es war ein mehr als halbjähriger - verging den Dorfbewohnern ungewöhnlich schnell , weil Hansjörg , der in der Welt draußen für alles ein offenes Auge hatte , nun in der Lage war und die Mittel besaß , manchen bisher unbekannten Erwerbszweig in der Gemeinde einzuführen . Daß eigentlich Jos die Erinnerungen des weitgereisten Soldaten verwertete , war kein Geheimnis , aber dieser selbst gönnte seinem Freunde gerne die Freude des Erfinders . Das tat ihm wohl und brachte ihn wieder auf neue Pläne , mit deren Ausführung sich dann der Sohn der Schnepfauerin für frühere Unbilden rächte . - - Den Tag , welcher unsere beiden Paare für immer verband , schmückte der Frühling mit aller seiner Pracht und schien noch etwas mehr für dieses Fest besonders aufbehalten zu haben . Vogelsang und Blumenduft drang bis in die Kirche , wo trotz des wunderlieblichen Morgens , der die Bauern zur dringenden Feldarbeit einlud , beinahe die ganze Gemeinde versammelt war . Jos , der jetzt wieder so sicher und aufrecht daherschritt , trug lange fremde Kleider . Hans erschien in kurzen Lederhosen und Kamisol neben der noch halb in Trauer gekleideten Angelika . Dorothee , die Vielgeprüfte , trug das Kränzchen . Es war zum letztenmal , drum trug sie es auch nach Ortsbrauch auf dem weißen Trauerschleier , der wahrscheinlich seinen Tod bedeuten soll . Zu einer lärmenden Hochzeitsfeier waren die beiden Paare nicht aufgelegt . Gegen Abend saßen sie in dem damals recht geräumigen Schopfe des Kronenwirtshauses bei einem einfachen Mahl . Aber wie still es auch , schon der noch immer nicht vergessenen Toten wegen , zugehen sollte , abends war ' s doch allen recht , daß die Dorfmusikanten mit ihrem fleißigen Kapellmeister vor dem Hause sich aufstellten und ihre lustigen und anmutigen Weisen zu spielen begannen . Hans rief sie fröhlich herein und war glücklich , ihnen viele junge Leute , Burschen und Mädchen , folgen zu sehen . Er schaffte überall zu trinken an und lief selbst , um Gläser zu holen , während Jos für hundert herzliche Glückwünsche dankte und vor lauter Reden kaum noch an den Tisch kam , wo die angesehensten Männer der Gemeinde neben Dorotheens ärmlich gekleideten Verwandten Platz genommen hatten und ungeduldig warteten , bis der kurzweilige Hochzeiter sich mit seinen vielen Freunden abgefunden hatte . Als er kam , stieß der Vorsteher kräftig mit ihm an und sprach dann laut sein Bedauern darüber aus , daß nun wahrscheinlich des Krämers Haus mitsamt dem Laden in ganz andere Hände kommen werde . Die ganze Gemeinde habe sich wohl befunden unter der jetzigen Leitung . Das Häuschen der Schnepfauerin sei wahrhaftig zu eng für so unruhige Köpfe , so daß die leicht noch einmal über die Grenze kommen könnten . Wenn mehrere , die auch etwas vermöchten , gesinnt und gesotten wären wie er , tät man zusammenstehen , um dem Jos mit den Seinen durch Bürgschaft und wie immer auf den Platz zu helfen . Er halte das für eine Gemeindeangelegenheit und habe daher öffentlich davon sprechen wollen . Ein Beifallssturm , der nicht enden wollte , war diesen Worten gefolgt . Hunderte wohl erzählten sich jetzt , daß auch ihnen diese Sorge die Freude des Festes ein wenig verdorben habe . Hans , der aufgestanden war , mußte lange warten , bis es wieder so stille war , daß er glauben konnte , seine kräftige , volle Stimme werde nun doch einigermaßen gehört werden . Dann aber begann der reiche Bauer , während seine Wange sich röter und röter färbte , laut und feierlich : » Ich kann gar nicht gut reden , aber wenn mir einmal etwas auf dem Herzen liegt , - ihr alle wißt es ja - dann muß es mir heraus , und mag man darüber sagen , was man will . Lange schon ist in mir ein Gedanke im Wachsen , der dem des Vorstehers gleicht wie ein Gänseblümchen dem anderen . Heut ' nun , wo es doch so wunderbar warm ist und wie ein ganzer Frühling auf einmal , darf man sich nicht wundern , daß er plötzlich reif worden ist . Da der Jos mit der wackeren Dorothee , Hansjörg und alles , was drum und dran hängt , soll und muß im Hause bleiben . Ich will schon bürgen für den Preis , den Zusel fordert . Sie ist gern im Kloster und will dem ein hübsches geben , aber auch uns hat sie noch nicht vergessen . Dem Jos wär ' also geholfen , und er muß nicht mehr über die Grenze , damit er sich auch rühren könne ; doch wie vielen mag es schon gegangen sein wie ihm und Hansjörg . Behalte drum und allenfalls dem Jos zulieb deinen guten Willen für dich ! Versprich mir das ! Du wirst sehen , es ist gut angewendet . « Der Vorsteher nickte Hansen beifällig zu . Jos bemühte sich vergebens , ein Wort hervorzubringen , aber auch die beste Rede wäre nicht gehört worden im Jubel der Menge , die sich mit ihrem Lieblinge geehrt fühlte . Dorothee hatte große Tropfen in den schönen Augen , und die Goldfäden in ihrem Kränzchen zitterten fort und fort . Angelika wollte Hansen sagen : » Wenn Zusel diesen Tag noch hier mitgelebt hätte , wäre sie gewiß nicht mehr ins Kloster « ; Hans aber hörte nichts in dem fröhlichen Lärm und verstand nur ihren dankbaren Blick . Auf einmal , man wußte nicht , wer den Anfang machte , standen die zwei Paare auf und reichten sich die Hände . Lange hielten alle viere sich fest , die Musikanten begannen ein lustiges Stück zu spielen , und ohne daß jemand nach polizeilicher oder anderer Bewilligung fragte , tanzte ein Paar nach dem anderen um die Brautleute und den Tisch herum . Endlich hörten die Musikanten auf . Die jungen Leute ruhten , und jetzt konnte man wieder ein Wort reden . Das wollte nun aber auch alles benützen , um seinem Herzen Luft zu machen . Sogar Hansjörg , der anfänglich etwas still war , plauderte vertraulich mit der alten Stigerin , und sein Auge , ja sein ganzes Gesicht leuchtete , während er sagte : » Alles ist recht gekommen und auch gut , daß es wohl die Kämpfe wert ist und die Leiden , die es gekostet hat . « » Freude am Glück anderer ist doch auch Freude « , sagte die Stigerin in einem Ton , so herzlich , wie man ' s gewiß von ihr nur selten hörte . Und die arme Schnepfauerin , die man vor vielen , vielen bösen und guten Jahren gleichsam da hereingeschmuggelt hatte , wie still und selig saß die Demütige dort an der Tischecke grad ' im Schatten des wohlbeleibten Gemeindevorstehers , und ihr Herz wollte doch beinahe springen vor Freude , da dieser mit ihrem Jos anstieß auf eine Zukunft , so glücklich , wie er und sein wackeres Weib es verdienten . Oh , schon das war dem guten Mütterlein zuviel , viel zuviel ! Es ward ihm angst vor so hoher Ehre , so großem Glück . Und nun kam auch noch des Vorstehers Antrag , Hansens Rede , und dann standen sie Hand in Hand , die schönen kräftigen Gestalten . War ' s nicht ein Traum ? Hatte nicht ihr Geliebter sie in den Himmel geholt ? Nein , auch die Welt konnte so viel geben ! Die arme aus der Heimat Verstoßene kam sich jetzt hier fast noch fremder vor als damals . Hatte sie denn das verdient ? Wunderbarer , gerechter , heiliger Lenker aller Schicksale ! Ja , der hatte geholfen , daß sie nun ihren armen Jos als den Liebling aller gefeiert sah . Wie gönnte sie ihm das , und doch schwindelte ihr auf dieser Höhe ! Fast wollte sie zaghaft werden und kleinmütig , aber ein Blick schon in des Lieblings funkelndes Auge gab ihr die feste Zuversicht , daß er das alles noch verdiene und daß noch gar nicht zuviel geschehen sei . O wie gern hatte sie den Lärm , der ihr nun doch laut zu jubeln , zu beten und zu weinen erlaubte ! Sie hielt sich für ganz unbeachtet , aber nach dem Tanz , als man wieder sprechen konnte , wendete der Gemeindevorsteher sich um und ließ etwas Licht auf sie fallen . » Stoß an , Schnepfauerin ! « rief er , fröhlich das Glas erhebend . » Und nun sag ' mir « , fuhr er nach einem herzhaften Schluck fort , » ob du nicht das Heimatsrecht noch in aller Form bekommen habest ? Man sollte halt keinen Menschen ganz wegwerfen aus Gewinnsucht oder vorgefaßter Meinung ; denn was er wird , kommt viel auf andere an . Dein Jos da , der herzhafte , fleißige , belesene Sappermenter , hat sich nun einen Heimatschein in viele Herzen geschrieben . Er lebe hoch ! « » Hoch ! hoch ! hoch ! « scholl es von allen Ecken . Jetzt aber konnte , mußte Jos reden . » Was ich getan hab ' - und so ein armer Tropf kann wenig - , ist zum großen Teil auch aus Hochmut geschehen « , rief er aus . » Tag und Nacht hab ' ich geschafft und mich neben der Sorge fürs Brot um alles und jeden angenommen ; aber viel geschah wieder nur , damit man sehe , wer in mir geschimpft und verhöhnt worden sei . Aber jetzt - o wie geht mir das Herz auf ! Was für einen Schatz von Liebe gibt mir dieser Tag ! Einen Schatz , mit dem sich das Vergangene wettmachen , dann aber auch die ganze Zukunft davon zehren läßt . Ja , dieser Tag macht mich zu allem stark . « » Dieser Tag « , sprach feierlich der Kaplan , den man bisher nicht beachtet hatte , » wird hoffentlich nicht nur unseren Gefeierten ein Segen fürs ganze Leben sein . Wir alle , reich und arm , wie wir eben sind , freuen uns gemeinsam mit gleicher inniger Freude , wie das gewöhnlich nicht auf Hochzeiten vorkommt , sondern bloß da , wo alles durch irgendwelches Ereignis eine schwere , drückende Last abgeworfen , etwas Wichtiges , Folgenreiches gewonnen fühlt . So ein Gewinn , wie der dieses Tages , ist für uns die Erkenntnis des hohen Menschenwertes und ein Funken christlicher Liebe . Wo diese fehlen , ist auch der Reiche recht , recht arm , und der Arme ist es dreifach ; wo sie aber sind , ja , da kann man gewiß nicht bloß bei einem äußeren Anlaß , sondern ganz von selbst und jeden Tag ein Fest feiern . «