daß ich gern ungenannt bleiben möchte . « Sie entgegnete nichts auf diese Einrede , und da er noch einmal sich verbeugend Miene machte sich zu entfernen , sagte sie die Augen niederschlagend : » Nur noch eine einzige Frage : wie kam ' t Ihr zu dem Ringe , der meine Namensbuchstaben trug ? « » So hat ihn Euch doch der Jude Ezechiel gebracht , der ihn von mir forderte , « antwortete Ulrich , » da ich ihn nur gefunden , wo er ihn verloren . « Elisabeth versank in Nachdenken und fragte dann : » Ihr waret nicht wieder mit jenem Ritter zusammen ? - Wenn nicht er - sandtet Ihr den Juden zu mir ? « » Nie würde ich mich dessen unterfangen haben ! « betheuerte Ulrich ; » ich mag keine Gemeinschaft mit diesem Menschen , der wahrscheinlich auch nur an Euch sich drängte , um niedern Eigennutzes und irgend eines unsaubern Planes Willen . Nur nicht einen Solchen zum Vertrauten . « » Er hat sich nicht wieder zu mir gewagt , « sagte Elisabeth . Er sah sie forschend an . Hatte sie ihm den Juden gesandt oder nicht ? Er hatte es erst nicht geglaubt , weil er sie zu stolz dafür hielt , weil sie ihn selbst bisher nur wie einen Fremden behandelt - und jetzt war dieser Stolz ja plötzlich gewichen , jetzt redete sie zu ihm wie zu einem vertrauten Freund ; jetzt verrieth sie , daß sie wohl von ihm einen Aufschluß über den Ring hätte erwarten mögen und darum wohl eine Unterredung mit ihm begehren können - und dann erschien es ihm wieder unglaublich , daß sie ihn , wenn sie damals ohne Antwort von ihm geblieben , heute freundlich würde empfangen haben . Jetzt war der einzige Augenblick , wo er darüber , über sie selbst und den Juden zu einer Gewißheit kommen konnte - er mußte sie haben . » Ezechiel , « sagte er , » wollte mich selbst zu Euch führen - ihr zürnt mich nicht , daß ich seine Vermittlung zurückgewiesen ? « » Was sagt Ihr ? « rief sie , wessen hat der Jude sich unterfangen ? « » Ihr wußtet nichts davon ? « fuhr er fort ; darum hatte ich doppelt Recht , ihn zum Vertrauten zu verschmähen . « Elisabeth stand starr und forderte : » Jetzt müßt Ihr mir Alles sagen ! « » Ihr hab ' t Recht ! « sagte Ulrich ; » die Wahrheit über Alles - nur sie allein ist großer Seelen würdig und kann ihnen zum Sieg verhelfen wider alle Feinde , wider alle Fallstricke , die sie uns legen wollen , oder in die wir selbst uns verwickeln « - und er erzählte , daß der Jude noch einmal zu ihm gekommen und zum Beweis , daß es in ihrem Auftrag sei , jenes Titelblatt mit ihrer Unterschrift gebracht habe . » Ich vermißte das erst gestern ! « rief sie von Scham und Zorn gleich leidenschaftlich erregt . » Der schändliche Jude soll seine Frechheit büßen - ich werde wohl noch so viel Macht haben , einen Juden bestrafen zu lassen ; der Rath von Nürnberg sucht längst um die Erlaubniß nach , dies Gesindel aus der Stadt verjagen zu dürfen ; es sei meine erste Bitte an den König Max , er wird und darf sie mir nicht abschlagen . « Ulrich hatte wohl einen Zornausbruch Elisabeth ' s erwartet , um so mehr , als er von ihrer Unschuld überzeugt war ; aber er hatte nicht gedacht , daß er zuerst in Rachegedanken sich äußern würde - das hatte er nicht berechnet ! Er war hierher gekommen , weil er der Jüdin versprochen hatte , durch diesen Schritt ihr Volk vor der blinden Wuth des Pöbels zu schützen , und er überlieferte es der um so sicherer treffenden kalten Rache der Patrizier . Und er selbst war in dieses Ezechiel ' s Händen - aber Elisabeth war es auch . Er mußte sie daran erinnern . » Ich vermuthe nach Allem , « sagte er , » daß dieser Ezechiel und der Ritter von Streitberg Genossen sind , und daß es wohl gerathener wäre für den Rath von Nürnberg , sich jener frechen Straßenräuber zu bemächtigen , als wie das ohnedies ohnmächtige Judengesindel zu verjagen . « » Auch das wird geschehen ; « sagte Elisabeth das Haupt stolz zurückwerfend ; ich habe lange still geduldet und gelitten und gehofft , ich würde dadurch die Geduld jenes Räubers erschöpfen und seine Anschläge vereiteln ; ich habe im stillen christlichen Dulden ausgeharrt und einer höhern Hand die Rache überlassen - mich nicht an die Seite der Chriemhilden und Brunhilden stellen wollen , welche der Dichter der Nibelungen verherrlicht hat : aber immer auf ' s Neue gereizt , fühle ich , daß etwas von ihnen in jedem Weibe lebt , und daß der Himmel dem Weibe nicht nur die Bestimmung gab , zitternd zu dulden , sondern ihm auch das Amt der Rächerin vertraute ! « War das dieselbe Elisabeth , die vorhin , ein schönes , sanftes , vom Gefühl überwältigtes Weib sich über ihn geneigt und mit heißen Thränen seine Stirn benetzt hatte - sie , die er hingerissen den weinenden Genius der Liebe genannt ? Jetzt stand sie stolz aufgerichtet vor ihm , in der That eine zürnende Chriemhilde , die den Racheeid schwört und sich Streiter wirbt , ihn zu vollführen ; aus ihren Augen zuckten dunkle Blitze , die aufgezogenen Augenbrauen darüber erhöhten ihren drohenden Ausdruck , die eine Hand auf das Herz gelegt , die andere emporgehoben , glich sie einer beleidigten Göttin , die entschlossen ist , die Entweiher ihres Altars zu strafen und zu opfern . - In diesem Augenblick öffnete sich die Thür : Ursula und Charitas Pirkheimer traten ein , denen nun doch Elisabeth ' s Entfernung zu lange währte , die sie überall gesucht , vermuthend , daß ihr unwohl geworden , und es da wohl besser sei das lärmende Fest zu beenden - und die sie nun hier fanden - allein mit einem Manne , der kein Gast war und in dem sie den Baubruder erkannten . Charitas erbleichte , wie sie ihn gewahrte , und Ursula warf auf Elisabeth mitleidig erschrockene Blicke . Diese holte nun einmal tief Athem , dann deutete sie auf den ihr wieder entflohenen Vogel und sagte mit ihrer gewohnten ruhigen Geistesgegenwart : » Diesen brachte mir eben der freie Steinmetz und damit die wichtigste Kunde für meinen Bruder Martin ; da Ihr aber wißt , daß die Baubrüder allen Umgang und Dank von uns Profanen verschmähen , so hab ' ich auch an diesem vergeblich meine Beredtsamkeit erschöpft , mich zur Gesellschaft oder doch zu meinem Bruder zu begleiten , und kann ihm für den größten geleisteten Dienst keinen andern Dank gewähren , als den , ihn wieder still zu entlassen , wie er gekommen , und auch Euch zu bitten , seiner nicht zu erwähnen , damit ich ihm nicht vergeblich versprochen habe , daß er in dieser Angelegenheit mit allen weiteren Fragen , gerichtlichen und außergerichtlichen Verhandlungen verschont werden soll . Geb ' t ihm dasselbe Versprechen des Schweigens , und ich gehe mit Euch in den Festsaal zurück . « Charitas sagte sanft : » O ich beneide Jeden , dem es vergönnt ist , von der profanen Welt sich zurückzuziehen , und werde Euch gewiß dies glückliche Vorrecht nicht verkümmern . « Ursula , heiter strahlend von der ganzen Wonne eines jungen Eheglücks und dadurch wieder in Anmuth und Fülle neu erblüht , versprach Alles gern , was die minder glückliche Freundin verlangen mochte , und Ulrich verabschiedete sich mit kurzem Dankeswort von den Damen . Auf der Treppe begegnete ihm nur ein Diener ; da Ulrich aber einen langen schwarzen Mantel übergeworfen und so durch seine Tracht sich nicht verrieth , konnte ihn jener wohl für einen der Gäste halten , von denen sich bereits einige entfernt . Als er auf die Straße kam , schwankte ein Mann vor ihm her , dem seine Füße den gewohnten Dienst zu versagen schienen . Jetzt schien dieser seinen Austritt aus dem Hause bemerkt zu haben und rief ihm zu : » Seid Ihr es , Herr Anton Tucher ? Ihr hab ' t mir einen schlechten Dienst erwiesen . - Ihr habt mir diesmal doch zu viel zugetrunken - aber nein , Ihr soll ' t nicht sagen , daß Ihr mich wirklich zu Boden getrunken - aber hier - jetzt hab ' ich wirklich keinen Boden ! « Ulrich erkannte die Stimme des Propstes Anton Kreß , der ihn für Anton Tucher halten mochte , mit dem Ulrich ungefähr die gleiche Größe und Stärke hatte , und mehr war in der Dunkelheit nicht zu erkennen . Offenbar hatte der Propst im Trinken des Guten zu viel gethan und nun sich fortgeschlichen , da er seinen Zustand gefühlt , und wenn er auch sonst im vertrauten Männerkreise sich keinen Zwang anthat , wollte er doch vor der größern Gesellschaft und den Damen gegenüber seine Würde wahren . Was sollte Ulrich thun ? Wenn ihn Kreß , der ihn aus dem Hause Scheurl ' s hatte treten sehen , erkannte , so konnte er keine Erklärung geben , die nicht ihn und Elisabeth einem unwürdigen Verdacht ausgesetzt hätte ; da er ihm auch nicht von Rachel sagen mochte und konnte - er war einmal in diesem Netz von Heimlichkeiten gefangen ; aber jedes Bedenken wies er von sich , da er den Propst an dem Eckstein taumeln sah , nahe daran zu fallen oder sich zu stoßen . Ulrich sprang ihm bei und bot sich ihm als Stütze . Anfänglich erkannte der Propst ihn nicht , hielt ihn noch für Anton Tucher und sagte : » Ei , das ist wacker , daß ihr mit mir geht - indeß ist ' s nicht so arg - ich fände den Weg schon noch . Ein capitaler Wein ! in jedem Humpen eine andere Sorte ! dazu die schönen Frauen gegenüber - man kann doch die Augen nicht zublinzen , da sie selbst ihre Reize zeigen ! Da erhitzt man sich mehr , als wenn die Männer allein ! Die schönste freilich bleibt immer Frau Elisabeth , ist sie auch nicht die Jüngste mehr ! Ihr müßt es zugesteh ' n , wenn Ihr auch sonst nicht für sie eingenommen ! Bald eine antike Venus , bald eine christliche Himmelskönigin . Sie kann das viele Trinken nicht leiden und läuft immer fort , wenn die Zungen schwer werden , und man ihr die Artigkeiten lieber handgreiflich als mit zierlichen Worten sagte . Wer weiß aber - der junge Immhof war auch verschwunden - wer weiß , ob sie nicht mit ihm in einem ihrer feenhaften Gemächer ein Schäferstündlein gefeiert ! - Aber warum redet Ihr gar nicht ? Denkt Ihr , ich sei nicht genug bei Verstande , Euch anzuhören ? « Von Allem , was der Propst so und weiter schwatzte , und schilderte , erglühte Ulrich selbst viel mehr , als der Trunkene , der noch in Gedanken an Wein und Weiber schwelgte . Jetzt wollte er nicht von ihm erkannt sein - nicht um sich einen Verdacht und Fragen , sondern um dem Propst , seinem Oheim und geistlichen Vorgesetzten , eine Beschämung zu ersparen . Er verharrte darum hartnäckig in seinem Schweigen und wollte sich an der Hausthür der Propstei entfernen , ehe etwa Beleuchtung käme , ob auch der Propst ihn mit Gewalt zurückhalten wollte und immer rief : » Ich lasse Euch nicht fort - bis ich weiß , wer mein stummer Begleiter gewesen ! « Da stürzte plötzlich eine Gestalt hervor , die indeß unbemerkt unter einem der nächsten Schwiebbögen gehockt hatte und rief : » Herr Propst , geb ' t einem verirrten Pilger ein Obdach für die Nacht ! « Ulrich kannte diese Stimme , und jetzt rief er , vor dieser plötzlichen Erscheinung alles Andere vergessend : » Um Gotteswillen öffnet und nehm ' t ihn mit hinein ! « » Ulrich ! « rief der Propst erschrocken und ernüchtert . » Ulrich ! « rief auch der Andere mit freudigem Erschrecken . » Still ! nur auf offenem Platz keine Fragen und Erklärungen ! « rief Ulrich ; » nehm ' t uns mit in das Haus , Herr Propst , aber in aller Stille , und steckt uns in die nächste dunkle Ecke Eures Hauses , wo uns Niemand vermuthet und findet ! « Der Propst hatte schon den gewichtigen Klöppel an der Hausthür dreimal geschwungen und sagte : » Hoffentlich macht sich ' s die Haushälterin bequem und öffnet von oben , dann könnt Ihr mit eintreten , und ehe sie mit Licht herabkommt , kann dieser da links in die Thür schlüpfen . Du gehst rechts mit mir , Dich kann sie sehen - aber ihn nicht , denn sie kennt ihn auch . « Es geschah so , wie er gesagt . Die Thür sprang auf , die Drei traten ein , die Haushälterin kam erst mit Licht die Treppe herab , als der Propst schon den zuletzt hinzugekommenen Begleiter in ein dunkles Seitengemach geschoben hatte . Das Gesicht des Propstes glühte noch von Wein und seine Augen funkelten ; aber Schreck und Angst hatten ihm die Besinnung wiedergegeben . Er nickte indeß lächelnd der Haushälterin zu und sagte auf Ulrich deutend : » Der da dachte , ich bedürfe seiner als eines nothwendigen Stockes - da hab ' ich ihn denn gleich mitgenommen , und er mag die Nacht hier bleiben , da ihm indeß sein Haus verriegelt worden und ein Baubruder keinen nächtlichen Lärm macht . Geht wieder hinauf und zur Ruhe , er mag in meiner Nähe in der Todtenkammer schlafen . « Die schläfrige Dienerin gehorchte gern und war bald die Treppe hinauf und verschwunden , indeß Kreß und Ulrich in das Wohnzimmer traten . Als sie allein waren , sank der Propst erschöpft auf seinen Lehnsessel , brach in Thränen aus und jammerte : » Was soll nun werden ? O ich habe es mir doch gedacht , daß er wiederkommen wird , zu mir - gerade zu mir ! Ich sollte sein Todfeind sein , und er jammert mich doch ! Von rechtswegen müßt ' ich ihn festhalten und an das Kloster ausliefern . Er ist aus dessen Mauern geflohen - zum Tode schon verurtheilt , hat er noch ein todeswürdiges Verbrechen begangen ! Er hat sich auch an mir versündigt und an Dir , er hat mir sein feierlich gegebenes Wort nicht gehalten . Hier an dieser Stelle war es , wo er schwor , Dir nichts zu verrathen - nun hat er Dich unglücklich gemacht und wird uns Alle in ' s Verderben stürzen ! - « » Um ' s Himmels Willen ! « rief Ulrich , » Ihr seid jetzt nicht in der Stimmung , kalt und ruhig zu überlegen , was zu thun ist ! Schlaf ' t in Ruhe und laßt mich zu ihm , damit ich von ihm höre , wie ' s ihm indeß ergangen und was ihn hierher getrieben ! « » Schlafen ? den Rausch ausschlafen , meinst Du wohl ? « sagte der Propst empfindlich ; » ich bin schon schrecklich genug erweckt und munter geworden durch diese Begegnung , und Du - wo kamst Du denn her - Du tratest hinter mir aus Scheurl ' s Haus - « » O jetzt nicht von mir ! « rief Ulrich ; » sein Schicksal laßt uns bedenken ! Wie lange ist er sicher in dem ihm angewiesenen Versteck ? « » Er kann dort nicht bleiben ! « sagte der Propst . » Sobald meine Haushälterin wirklich zur Ruhe , wollen wir ihn hinaufführen in die Bibliothek ; zu ihr trage ich den Schlüssel immer bei mir , damit nichts darin verrückt oder verräumt werde , das fällt nicht auf , aber an den andern Gemächern pflegen die Schlüssel zu stecken . Bis zur nächsten Nacht kann er dort bleiben - warum ist er nur überhaupt hierher gekommen ? « » Kommt mit hinüber , oder laßt mich gehen ! « drängte Ulrich ; » darnach wollen wir ihn selbst fragen ! « Das der Hausflur zunächst liegende Gemach , in welchem jetzt der flüchtige Amadeus von Wildenfels verborgen war , hatte zunächst die Bestimmung , darin Leute untergeordneten Ranges warten zu lassen , welche den Propst zu sprechen begehrten und nicht gleich vorgelassen werden konnten , entweder weil er nicht zu Hause war , oder schon andere bei sich sah , oder auch sein Mittagsschläfchen hielt , worin ihn Niemand unterbrechen durfte . Dies Gemach hatte nur ein tiefes Fenster mit einem auf die Straße vorspringenden , kunstreich gearbeiteten Eisengitter . Die Wände waren kahl und weiß , rundum liefen hölzerne Bänke an ihnen hin , ein schwerer Eichentisch stand in der Mitte , außerdem war alles leer , nur ein großes , ziemlich gut in Holz geschnitztes Krucifix hing dem Fenster gegenüber . Ulrich und Kreß traten schweigend ein . Amadeus saß auf der Bank dem Tische zunächst , und hatte sein Haupt auf diesen gelegt . So schien er zu schlafen . Sein Gesicht war bleich , Haar und Bart verwildert , aber die geschorene Platte noch sichtbar . Sonst erinnerte nichts mehr an ihm an den Mönch . Er trug große Reiterstiefeln mit Sporen , lederne Beinkleider und darüber ein Oberkleid von grüner Wolle , um den Leib einen Gürtel , an dem ein Schwert hing . Neben ihm lag ein schwarzer Hut mit großer Blende und ein schwarzer Tuchmantel . Ulrich betrachtete ihn mitleidig und sagte : » Wer weiß , welchen weiten Weg er gemacht , wie lange er sich ohne sicheres Obdach herumgetrieben - nun liegt er ermattet hier und schläft . « Amadeus athmete tief auf und richtete sein Haupt empor . » Ulrich ! « rief er , » Du bist auch hier - und rettest mich auf ' s Neue ? « Ulrich reichte ihm die Hand . » Wie ist Euch ? « sagte er , » und von wannen kommt Ihr ? Ich habe dem Herrn Propst Alles gebeichtet , und er hat kein Geheimniß mehr von mir ! « » Bist Du mein Sohn ? und hast Du mir vergeben ? « fragte Amadeus . » Ich bin es , und habe Euch vergeben , wie ich hoffe , daß Gott mir vergeben werde ! « versetzte Ulrich . Der Propst sagte ernst : » Amadeus , unter welcher Bedingung erfüllte ich Eure Bitte ? Ihr hab ' t nicht Wort gehalten - Ihr hab ' t mit dem Verrath Eures unseligen Geheimnisses den stolzen Muth dieses freien Maurers vernichtet , die fromme Freudigkeit , mit der er an den Tempeldienst der Kunst sich hingab , ihm geschmälert - sehet zu , daß Ihr ihn nicht noch mehr in ' s Verderben bringt ! Ihr könnt nicht über ihn wachen , wachet wenigstens über Euch und Eure Zunge ! « » Eine harte Anklage ! « sagte Amadeus ; » aber ich habe mich selber schon härter angeklagt , und oft gewünscht , ich wäre in den Klostermauern umgekommen ! « » Laßt das jetzt ! « unterbrach ihn Ulrich , » und erzählt lieber , wie Ihr entkamt . « » Ich irrte im Walde Tage und Nächte lang umher , « begann Amadeus ; » endlich kam ich an eine einsam stehende Wohnung und mußte sie betreten , um zu betteln , weil mir längst die Lebensmittel ausgegangen . Eine mitleidige Frau nahm mich auf und verpflegte mich einige Tage , da ich wunde und geschwollene Füße hatte , die mich nicht mehr weiter tragen wollten . Die Gegend , in der ich mich befand , war mir unbekannt , und auf mein Befragen erfuhr ich , daß ich nicht weit sei vom Schlosse des Herrn Weyspriach . Ich hatte einen solchen einst zum Waffengefährten gehabt , und that weitere Fragen nach Namen und Verhältnissen . Aber sie stimmten nicht , und der jetzige Schloßherr war nur ein Neffe meines alten Freundes . Aber dabei erfuhr ich , daß ein anderer meiner einstigen Kameraden seit dem letzten Reichstag bei ihm sei , auch daß die Burg und ihre Herren weit und breit gefürchtet wären als fehde- und beutelustig , und sich Niemand an sie wage , noch an die Mauern ihrer Veste . Da beschloß ich dorthin zu ziehen ! « » Dorthin gingt Ihr ? « fragte Ulrich tonlos . » Zu diesen Raufbolden ! « rief Kreß . » Nun , sie haben mich sehr wohl aufgenommen und beherbergt , « sagte Amadeus ruhig ; » freilich erst erkannten sie mich nicht , bis ich ihnen theilweise mein Geschick erzählt - « » Unglücklicher ! Eidbrüchiger ! « rief Kreß ; » Du sprachst von Ulrich ? « » Nein , « antwortete Amadeus ; » dies Geheimniß konnte nur ihm selbst gegenüber über meine Lippen kommen ; nur was mich allein betraf , habe ich Streitberg erzählt . « » Eberhard von Streitberg war Dein Genosse ? « fragte Ulrich . » Nun ? « fragte Amadeus , der sich die entsetzte Miene des Steinmetzen nicht zu deuten wußte . » Und wenn es Euch so wohl ging bei den Raubrittern und Wegelagerern , warum seid Ihr nicht in dem alten Raubnest geblieben ? « fragte höhnend der Propst . » Gestern kam ein Jude in die Burg , « erzählte Amadeus , » mit dem die Ritter ein weitläufiges Geschäft zu haben schienen . Mit andern Sachen wollte ich ihm Hut und Mantel verkaufen , die Du mir zu der Flucht gegeben , damit sie mich nicht einmal verriethen - der Jude aber erklärte : die wären sein , er habe sie im Benediktinerkloster vor einigen Wochen einem Baubruder geliehen , der versprochen , sie wieder zurückzugeben . Er schilderte Dich und nannte Deinen Namen , so wie den Tag meiner Flucht - ich zögerte nicht , ihm die Sachen zu geben . « » Der Jude hieß Ezechiel ? « fragte Ulrich . » Ganz recht , so hieß er . « » Nun sind wir ganz in seinen Händen ! « rief Ulrich . » Aber warum kamet Ihr nach Nürnberg ? « wiederholte der Propst noch einmal eindringlich . » Weil es mir nun allerdings möglich schien , daß der Jude mich verrathen werde - « Aber Kreß unterbrach Amadeus heftig : » Ach , wohl um die saubern Raubritter nicht in Verlegenheit zu bringen , verließt Ihr ihr verstecktes Nest und kommt in die St. Lorenz-Propstei . « » Nein , sondern weil ich ganz aus dieser Gegend gehen will , zuvor aber Ulrich sehen , ihn warnen und ihn mit mir nehmen - es sei denn : er wisse , daß der Jude , der ihm zu den Sachen und damit zu meiner Flucht behülflich war , eine ganz zuverlässige Person sei . « » Das ist kein Jude , und dieser Ezechiel vielleicht am allerwenigsten , « entgegnete Ulrich . » Muß ein Schimpf über mich kommen , so komme er - aber ich will ihn nicht selbst über mich bringen - das geschähe durch meine Flucht . Niemand wird mich verleiten Unwürdiges zu thun ! - Aber es ist gut , « fügte er ruhiger hinzu , » es ist gut , daß Ihr Weyspriach ' s Burg gemieden ; vielleicht wird sie von den Nürnbergern schon morgen belagert - und das möchte auch für Euch nicht gut sein . « » Was sagst Du ? « fragten Kreß und Amadeus zugleich . » Laßt uns jetzt nur bedenken , wie Ihr unerkannt von hier fort kommt und wohin ? Wißt Ihr nicht ein sicheres Versteck , Herr Propst ? « » Wir wollen das morgen überlegen ! « sagte dieser . » Sein Rausch war zwar vorüber durch dies geistige Uebergewicht der Ueberraschung und Aufregung , aber jetzt folgte eine schlummerbedürftige Abspannung darauf . » Vor morgen Abend kann er doch nicht fort : ich will ihn in die Bibliothek zur Ruhe geleiten - es steht eine Polsterbank drinnen . Laßt es uns beschlafen ; gute Gedanken kommen über Nacht , und nicht , wenn man sie so im Augenblick herbeirufen will . Dort könnt Ihr bis zur nächsten Nacht bleiben - und Ihr , Ulrich , schlaf ' t hier drüben ; wer weiß , ist die Haushälterin nicht munter , ehe Ihr in die Hütte müßt ; sie darf nichts verändert und Euch nicht wo anders finden , als Euch diesen Abend angewiesen worden . « Was Amadeus und Ulrich jetzt noch gegenreden mochten , es half nichts - sie mußten ihrem Wirth gehorchen , der Jeden in sein Gemach führte . Viertes Capitel Gelübde Im Hofe am Steig bei den zwölf Brüdern ging der Riesen-Jacob vor der Werkstatt Meister Adam Kraft ' s müssig auf und nieder . Wie das Frühjahr gekommen war , sehnte er sich von der städtischen Maurerarbeit wieder hinaus auf die freien Felder des Benediktinerklosters , wo er , wenn auch nicht lohnendere , ja nicht einmal leichtere , aber ihm doch besser zusagende Arbeit fand , als in der Werkstatt des wunderlichen Künstlers , der ihn eigentlich zum Gespött seiner Gesellen machte . Von dem Meister war er schon in aller Form entlassen worden und hatte seinen Lohn erhalten , aber er begehrte noch die Meisterin zu sprechen und wartete , bis sie zur gewohnten Stunde über den Hof kommen würde , wo sie ihrem Manne das Vesperbrod zu bringen pflegte . Jetzt erschien sie auch , aber nicht allein , die Frau Vischerin war bei ihr , die eilig herbeigelaufen war , um zu verkünden , daß ihr Ehemann , Peter Vischer , gestern wieder aus Italien heimgekehrt sei , und daß sie ihm eine Ueberraschung bereiten und seine besten Freunde die Meister Adam Kraft und Sebastian Lindenast ihm zum Nachtmahl laden wolle , denn er selbst sei dermaßen ermüdet von der weiten , meist zu Fuß zurückgelegten Reise , daß er nicht aus dem Hause könne und daheim nur seine Freude an den Buben habe , die indeß gar groß und verständig geworden , und dazu noch einer gekommen , den er zuvor noch gar nicht gesehen . Der Riesen-Jacob mußte warten , bis dies Gespräch beendet war ; die Zeit war ihm dabei etwas lang und er selbst immer ärgerlicher darin in seinem Vorsatz bestärkt , die Meisterin noch bei seinem Weggange zu ärgern , und sich selbst nicht nur über sie , sondern auch durch sie einen Triumph zu bereiten . Als sich die Vischerin von Frau Eva Kraft verabschiedet hatte , trat Jacob auf diese zu und sagte : » Nun , Meisterin , ich wollte nicht weggehen , ohne Euch auch zum Abschied gesehen zu haben . « » Nun Gott geleite Euch ! « sagte sie kurz und gab ihm die Hand . » Seht , « begann er , » ich habe immer , wenn ich den steinernen Drachen da draußen vor der Thür sah , an Euch denken müssen . « » Unverschämter Mensch ! « fiel ihm die Meisterin in ' s Wort , » mach ' Er , daß Er fort kommt ! « » Nun , nun , laßt mich nur erst ausreden , « sagte Jacob und hielt sie zurück ; » ich habe das nicht zuerst gesagt , der hochwürdige Herr Propst Anton Kreß hat das aufgebracht ! Ich mein ' es mit Euch besser , als der , und will Euch nur noch einen Rath geben , wie Ihr Euer Müthchen an ihm kühlen könnt ! « » Ach , laßt mich in Ruhe ! « sagte die Meisterin , und blieb doch stehen , um neugierig zu hören , was eigentlich kommen sollte . » Ihr wißt , « begann dieser , » damals kam ein Benediktinermönch hierher , den Propst abzurufen ; ich kannte ihn wohl und meinte , daß es nicht recht richtig mit ihm sein möge - nun , gestern hab ' ich denselben Mönch , den Bruder Amadeus in Laienkleidung bei Nachtzeit sich in das Haus des Propstes schleichen sehen - das ist doch ganz wider die Ordnung . Nun will ich im Kloster nachfragen , was das eigentlich ist mit diesem Amadeus ; ich kann mir doch gar nicht anders denken , als daß er aus dem Kloster entwischt ist , der Propst und die Baubrüder mit ihm unter einer Decke stecken . « » Auch die Baubrüder ? « sagte Frau Kraft besonders gespannt , denn zwischen den profanen Bauleuten und den freien Steinmetzen bestand immer eine stille Feindschaft ; die Letztern sahen hochmüthig in ihrer Abgeschlossenheit auf jene herab , und die Erstern waren eifersüchtig auf den Nimbus , der die Letztern umgab - sie ergriffen gern jede Gelegenheit , denselben vor dem Volke zu zerstören und sich ihnen mindestens gleich zu stellen . Ein echter Künstler , wie Meister Kraft , war wohl frei von diesem kleinlichen Neid und ließ auch den freien Steinmetzen Gerechtigkeit widerfahren , und sein größter Triumph war , nur durch die eigenen Leistungen seiner Kunst ihnen beweisen zu können , daß auch ohne Mystik und Abgeschiedenheit von allen weltlichen Freuden Kunstwerke hervorgebracht werden könnten von profanen Händen - aber seine Gesellen und Umgebung , auch seine Frau vermochte er nicht auf diesen höheren und friedfertigen Standpunkt zu erheben ; sie kannte keine größere Freude , als wenn Jemand einem Baubruder Uebels nachsagen oder die ganze Genossenschaft lächerlich oder verdächtig machen konnte , mochte es von dieser oder jener Seite geschehen , mochte man ihnen nachsagen , daß sie Kopfhänger wären , überspannte