vorher entfernen , denn kaum ein Blatt bleibt ungebrochen von dem Muthwillen der entfesselten Lebenskraft . Außerdem besuchen zuweilen unter strenger und zahlreicher Bewachung der Eunuchen die Kadinen und Odalisken in kleinerer Zahl die süßen Gewässer von Asien und Europa , diese Lieblingsorte der Frauen von Stambul . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Nenn man das erste der sieben Vorgebirge , die auf jedem Ufer mit entsprechenden Buchten den Lauf des Bosporus bilden , auf der europäischen Seite - Tophana - das alte Metopon , hinter sich hat , fährt der Kaïk in die schöne Bucht von Dolmabagdsche ein , an dem Ufer entlang , an dem früher ein Altar des Ajax und der Tempel des Ptolemäus Philadelphus stand , dem die Lateiner göttliche Ehre erwiesen . Auf dieser Rhede , dem Pentecontoricon : der Rhede für die fünfzigruderigen Schiffe , ließ der Scythe Taurus auf dem Wege nach Creta seine Fahrzeuge ankern . Am Ufer liegt die Moschee Anni-Effendi und weiter hinauf am Ufer gegenüber der Stelle , wo er seine Flotten zu sammeln pflegte , um den Schrecken an die Küsten des mittelländischen Meeres zu tragen , steht das einfach malerische Denkmal Hairaddins Barbarossa ' s , des berühmtesten türkischen Seehelden . Am Ufer streckt hier der Palast Tschiragan seine lange Fronte von Stein- und Holzbau mit Arabesken und Stuckaturen hin . An den höhern Mittelbau schließen sich zwei Flügel , die wiederum von vorspringenden Seitengebäuden flankirt werden . Ein schmaler Quai von schönen Marmorquadern , in den das Wasserthor für die Kaïks des Großherrn einmündet , scheidet das Palais von dem Spiegel des Bosporus , auf den nach beiden Seiten hin die Fenster und Erker des Gebäudes eine prächtige Aussicht haben . Der nördliche Seitenflügel enthält das Haremlik des Padischah ; vergoldete Fenstergitter scheiden es von der Außenwelt und schützen es gegen zudringliche Blicke , während sie den neugierigen Augen der Frauen volle Freiheit lassen , umherzuschweifen . - - Die Sonne neigte sich zum Untergang und der kühle Seewind strich vom Pontus her durch die Eugen des Bosporus . Die Fenster des Kiosks5 im zweiten Stockwerk des Haremlik waren geöffnet und ließen die trotz der Herbstzeit warme angenehme Luft in das Gemach . Dasselbe bildete ein großes Quadrat , dem sich am untern Ende den Fenstern gegenüber ein ähnliches anschloß , dessen von feinen Hölzern getäfelter Fußboden jedoch eine Stufe tiefer lag , als der des obern Zimmers , und von diesem außerdem durch ein Geländer von Cedernholz geschieden war , das in der Mitte einen Durchgang ließ . Das obere Ende des so entstandenen großen Oblongums enthielt die Fenster , und zwar vier dicht an einanderschließende auf jeder der drei Seiten , so daß eine Art von Glaspavillon gebildet wurde , aus welchem die Aussicht nach allen Seiten unbehindert war . Der erhöhte Obertheil des Raumes enthielt rund um die drei Wände einen etwa anderthalb Fuß hohen und vier Fuß breiten Divan von rothem Tuch , dessen Goldfransen auf den Boden niederhingen . Ueber den Fenstern lief durch das ganze Gemach ein Karnies , von dem faltenreiche Vorhänge von grüner , golddurchwirkter Seide , durch vergoldete Broncehalter aufgenommen , niederfielen . Ueber diesem Karnies lag eine zweite Reihe von Fenstern mit doppelten Scheiben von gefärbtem Glase und zwischen diesen und der Decke war die sonst einfach in weißgrauer Farbe gestrichene Wand mit Blumen , Früchten und Waffenarabesken gemalt . Die gleichfalls schön gemalte und verzierte Decke war in zwei Theile gesondert , von denen der über dem untern Raum niedriger und flacher war , als der erste . Einzelne Koffer und schön gemalte , vergoldete und ausgelegte Kisten von wohlriechendem Holz standen an den Seitenwänden des Untertheils , oder an dem Geländer , welches die beiden Räume schied . Im der Mitte des Vorgemachs sprudelte aus einem Marmorbecken fortwährend ein Fontainenstrahl , zuweilen von den Sclavinnen mit Rosen- oder Orangenwasser vermischt und einen starken Duft verbreitend . In der Ecke befand sich das Tandur , der in der Türkei gebräuchliche tragbare Heerd , aus einem Holzrahmen bestehend , in dem sich ein kupfernes Gefäß mit Holzkohlen befindet , theils für die alle Augenblicke sich wiederholende Kaffeebereitung , theils für das Anzünden der Schibuks und Nargilehs bestimmt . Vor dem rechten Ecksitz an den Fenstern , dem Ehrenplatz in türkischen Gemächern , lag der Schilteh , - das dünne , viereckige Kissen , welches das Schaaffell des Turkomanenzeltes vorstellen soll , dem die Nation entsprossen . Im Untertheil führten zwei mit schweren Teppichen verhangene Thüren aus der Querwand und eine eben solche aus der Seitenwand nach dem Gebäude hin in die Divan-Hane , die große Mittel-Halle des Hauses , welche den freien Zugang zu allen Gemächern bildet . Ausnahmsweise - da sonst in den türkischen Zimmern nur ein Eingang zu sein pflegt , - befand sich auf derselben Seite auch eine gleiche Thür im Obertheil . Ein dicker persischer Teppich bedeckte den Fußboden desselben vor den Fenstern . Obschon viele Personen und Gruppen in dem Gemach versammelt waren , blieb der Ehrensitz und sein nächster Umkreis doch frei . Es befanden sich ungefähr zwanzig Frauen in dem Obertheil des Gemachs , während eine gleiche Anzahl von Dienerinnen den unteren in verschiedenen Beschäftigungen einnahm . Zwei Schwarze von unförmlich dicker Figur , unglückliche Geschöpfe , die für die Gebräuche des Despotismus schon als Kinder der Mannheit beraubt worden , in weiten orientalischen Kleidern von schreiend rother Farbe , standen an den beiden Eingangsthüren , theils um Wache , theils um Ordnung zu halten unter den oft sehr aufrührerischen Odalisken . In der linken Ecke des Kiosk , dem Ehrenplatz gegenüber , schien sich die Hauptgruppe der drei versammelt zu haben , welche das Obertheil einnahmen . Auf den Kissen des Divans saßen zwei Frauen in überaus reicher Kleidung , während eine dritte auf der Decke vor ihnen kauerte , alle Drei im eifrigen , obschon leise geführten Gespräch . Zwei junge Wohrinnen , Mädchen von etwa 12-13 Jahren , bedienten sie , indem sie von Zeit zu Zeit mit einer silbernen Zange eine frische Kohle auf den duftenden Tabak von Schiraz legten , der im vergoldeten Kopf des Nargileh ' s brannte , dessen zierlich aus Gold- und Silberfäden gewundener Schlauch mit edelsteinbesetztem Mundstück aus dem in der Türkei so hochgeschätzten weißen Bernstein den Rauch durch das mit Rosenwasser gefüllte Krystallgefäß zu den Lippen der Damen führte . Häufig nahm dabei Eine oder die Andere derselben einen Löffel von dem süßen Eingemachten , das aus Rosenblättern , Mastix , Limonen und Weichseln bestehend , in vergoldeten Schaalen auf einem gleichen Präsentirbrett von den Sclavinnen ihnen gereicht wurde , und dessen häufiger Genuß , jedes Mal mit einem Schluck Wasser nächst dem Naschen des Zuckerwerks und dem Kaffee zu den Liebhabereien der türkischen Frauen gehört . Die eine der Damen auf dem Divan war eine hohe und trotz des weichlichen Lebens ebenmäßige Figur , zwar über die Frauenjugend hinaus und anscheinend bereits im Anfang der dreißiger Jahre , aber keineswegs schon verblüht , was so häufig bei den orientalischen Frauen in einem Alter der Fall ist , dabei uns Nordländern erst vollkommen die Frauenschönheit zu entwickeln pflegt . Ihre Gesichtszüge zeigten den reinen klassischen Typus der kaukasischen Raçe , belebt durch ein feuriges Auge , aus dem Stolz und Herrschsucht sprachen . Das dunkle Haupthaar war in zahllose Flechten gelegt , die , mit Goldmünzen und Perlen durchwunden , zu beiden Seiten des Gesichts und im Nacken herunterhingen , während ein gelbseidenes Tuch um den Scheitel geschlungen und dort mit großen Brillantnadeln festgehalten war . Eine dicke , drei Mal umgelegte Perlenschnur umgab den vollen , ebenmäßigen Hals und fiel auf den Busen herab , der von einer aus Goldstoff bestehenden Weste fast gänzlich entblößt gelassen wurde . Weite Beinkleider von Purpurseide aus Brussa , aus denen die nackten , auf den Zehen mit goldenen Ringen geschmückten Füße hervorsahen , indeß die gelben , kaum die Spitze bedeckenden Pantoffeln vom Divan geglitten waren , bildeten die untere Bekleidung . Auch die Arme waren fast bis an die Schulter entblößt , von der ein der Weste entsprechender offener Aermel von Goldstoff niederhing . Schwere Ohrgehänge von jenen großen Türkisen , die allein in den Minen von Nischagur in Indien gefunden werden , und eine Unzahl goldener Armbänder um beide Handknöchel vollendeten den Putz . Eben so reich , obschon weniger frei , waren die beiden andern Damen , namentlich die zweite , gleichfalls auf dem Divan Sitzende gekleidet . Das reiche Geschmeide dieser überstrahlte sogar an Glanz und Werth bei Weitem den Schmuck der Erstern . Diamanten und Smaragden waren sowohl an ihrem turbanartigen Kopfputz , als an der Stickerei ihres dunkelrothen Mieders verschwendet , über welches ein mit schwarzem Pelz verbrämtes kaftanartiges Oberkleid von gelber Seide fiel . Die gestickten gelbledernen Socken an ihren Füßen , welche die Türkinnen statt der Strümpfe tragen , und die beiden Yaschmacks , welche neben ihnen lagen , der eine mit goldenen Sternen gestickt , bewiesen , daß die Beiden nicht in den Harem gehörten und nur zum Besuch dort waren . Die Zweite der Damen war eine türkische Schönheit von etwa 27 Jahren , deren männliche Züge stark an den verstorbenen Sultan Mahmud II. namentlich in den buschigen Augenbrauen und der vollen , kräftigen Bildung des Mundes und Kinnes erinnerten ; - die dritte auf dem Teppich Kauernde dagegen mochte bereits an Vierzig zählen , und in ihrem Gesicht sprach sich ein hoher Grad von Verschlagenheit , Lust und Fähigkeit zur Intrigue aus . Etwas entfernt von der Gruppe , nach der Seitenthür zu , die an der Balustrade des Obertheils zu den innern Gemächern führte , befand sich eine zahlreichere Gesellschaft von jungen und schönen Frauen , im Genre der erst erwähnten Dame ähnlich üppig und wo möglich noch freier gekleidet , obschon nur zwei unter ihnen durch besondern Schmuck sich auszeichneten und dadurch dem kundigen Auge bewiesen , daß sie unter der Schaar der Odalisken zu Kadinen des Padischah sich durch die Macht ihrer Reize emporgeschwungen hatten . Alle hockten in den verschiedensten Stellungen und mit dem Ausdruck einer kindischen Neugier und Lüsternheit um den großen Kasten mit Schmuck- und Bijouteriesachen und Schönheitsmitteln , den eine Frau von demüthiger Haltung aber überaus gewandter Zunge , in der einfachen Kleidung einer orientalischen Jüdin , an dem gelben Zeichen auf der Brust und den dunklen Strumpfschuhen kenntlich , vor ihnen ausgekramt hatte . Der Handel war in vollem Gange und der Inhalt des Kastens wanderte Stück für Stück durch die an Fingerspitzen und Nägeln mit Hennah gefärbten Hände , während das wirre Geschnatter und Geschwätz der Beschauerinnen kaum das eigene Wort verstehen ließ . Dieser Gruppe gegenüber auf der Ecke des Divans , welcher zum Ehrensitz fortlief , lehnte eine dritte , doch nur aus zwei Personen bestehend , beide der Typus einer auffallenden und doch sehr verschiedenartigen Schönheit , Herrin und Dienerin . Die Erste war ein junges Mädchen von kaum siebzehn Jahren , nicht nach gewöhnlicher türkischer Sitte auf dem Divan mit untergeschlagenen Füßen hockend , sondern halb liegend in die weichen Polster gelehnt . Ein zartes , blasses Antlitz von überaus schöner Form , von den im Orient so ungewöhnlichen aschblonden Haaren umgeben , die in einem reichen Lockenwald auf Hals und Brust fielen , erhielt durch die bei dieser Farbe eben so seltene Zierde schwarzer Augen , in denen eine gewisse melancholische Schwärmerei lag , einen wunderbaren Reiz . Die Züge dieses Gesichts waren edel , verständig und harmonisch , die Figur unter Mittelgröße , zart und schlank , und obschon die Schöne , die den Kopf in die rechte Hand gestützt , sinnend und theilnahmlos vor sich hin schaute , in orientalische Gewänder gekleidet war , hatte Alles an ihr doch den Typus einer Züchtigkeit und Schaam , der offenkundig der Kleidung der anderen Frauen fehlte . Vor ihr knieete , mit ihren Locken spielend und von Zeit zu Zeit ihr allerlei Erfrischungen anbietend , eine junge Mohrin von wahrhaft junonischem Wuchs und einem Ebenmaaß der Körperformen , der einem Bildhauer hätte zum Modell dienen können . Sie war in ein weißes Gewand gekleidet , das die dunkle Broncefarbe noch mehr hervorhob , während breite goldene Reife den nackten Hals , die Anne und Knöchel zierten . Eine fast antike Kopfbildung bewies , daß sie zu einem der Stämme Abessyniens gehörte , die sich durch ihre Körperschönheit von allen Mohren so sehr auszeichnen , daß sie kaum zu den Negergeschlechtern gezählt werden dürfen . Einige Jahre älter als die Herrin auf dem Divan , schien sie mit einer wahrhaft mütterlichen Liebe an dieser zu hängen und für sie zu sorgen , denn selbst der lockende Anblick des reichen Schmucks , der auf der andern Seite ausgelegt wurde und das neugierige Zudrängen der Dienerinnen aus dem untern Raum vermochte sie höchstens , von Zeit zu Zeit die schöne Odaliske durch eine Bemerkung aus ihrem Nachsinnen zu stören und darauf aufmerksam zu machen . Im untern Theil des Gemachs um den Springbrunnen waren in ihrem trägen Schlendrian mehrere Dienerinnen und schwarze und weiße Eunuchen beschäftigt , oder pflegten selbst des Käff , jenes dolce farniente der Moslems ; denn im Orient besteht die Sitte , daß in einem nur einigermaßen zahlreichen Haushalt jeder Diener und jede Dienerin ein einzelnes bestimmtes Geschäft verrichtet und nie die Hand zu einem andern anlegt . Dazwischen gingen mit jenem unhörbaren Schritt und jener Ruhe , welche die asiatische Dienerschaft auszeichnet . Einzelne durch die Teppiche des Eingangs ab und zu . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - » Mashallah , « sagte die zweite Dame der Gruppe in der obern Ecke des Gemaches aufgeregt zu ihrer Gefährtin , » ist der Padischah , mein Bruder , ein Esel oder bist Du nicht die Sultana seines Harems und die Mutter des Thronerben , daß Du nicht die Macht haben solltest , einen Mann zu dem zu bewegen , was uns das Beste dünkt ? « » Ich küsse Deine Augen , Sultana Adilé , « entgegnete die Circassierin , » Allah und die Zuflucht der Welt6 haben es gewollt , daß ich die erste Frau seines Herzens bin , aber Dein Bruder ist veränderlich und die Sonne seiner Gunst ist auf ein Geschöpf gefallen , von dem ich glaube , daß sie unsere Feindin ist . « Die Augen der drei Frauen wandten sich bei dieser Erwähnung einen Moment lang auf die blonde Odaliske am Ende des Divans , die in ihrem Träumen nicht bemerkte , daß von ihr die Rede war . » Half ! Half ! 7 Eine verkehrte Stunde hat sie hierher und vor den Großherrn gebracht . Wir werden es Ali Pascha gedenken der sie ihm zum Geschenk gemacht hat . Sie ist offenbar eine Moskau8 . Aber ich müßte die Sultana nickt kennen , wenn ich glauben sollte , sie werde ohne ihre Erlaubniß eine Kadine werden und ihm ein Kind gebären . « » Wallah ! Haltet Ihr mich für eine turkomanische Kub ? Ich habe Augen in meinen Kopf und sie sind offen . « Ein rascher Blick verständigte Beide . » Es ist gut . Doch laßt uns von dein Geschäft reden , um das Mehemed Ali Pascha , mein Mann , mich hierher gesandt . « » Allah behüte Euch , Ihr redet Wahrheit , Sultana , « mengte sich die ältere Frau in die Unterhaltung , » und Mehemed Pascha ist der wahre Hort der Gläubigen . Hier ist das Schreiben meines Herrn , des Sirdar , eines so guten Moslems , wie nur je einer das Antlitz des Padischah geschaut hat , obgleich sein Vater und seine Mutter als Ungläubige verdammt sind . Omer meldet darin , daß er am zwanzigsten Tage des Muharem9 den Krieg gegen die Ungläubigen beginnen wolle . Wir zählen heute den gesegneten Tag des siebzehnten , und es gilt vor Allem zu verhindern , daß der Sirdar keinen Gegenbefehl vom Schatten Gottes10 erhalte . « » Du weißt , was geschehen ist heute Morgen im Rath , Sultana ? « » Mashallah , was werde ich nicht ? für was habe ich Augen und eine Zunge im Munde ? Ist der Kapu Agassi11 ein Mann , der auf die Stimme der Sultanin nicht zu hören wagt ? « » Die Inglis und Franken sind Leute , welche die ganze Welt in dem Winkel ihres Auges tragen und eine gespaltene Zunge haben . Sie haben den Padischah gebeten , daß er ihre großen Schiffe unter seine Obhut nehme und das Kaïk mit dem Rauch ist heute nach Dardanelli gefahren , um sie zu holen . Sie sind Giaurs , aber sie sind mächtig . « » Jock ! Nichts ! was sind sie in Rum12 ? Der Padischah ist Alles . « » Das ist es nicht , was uns den Stein der Sorge auf ' s Herz legt , « fuhr beharrlich die Gattin Mehemed ' s , dieses Hauptes der alttürkischen Partei fort . » Aber man hat auf das Verlangen der Christen im Divan heute berathen und beschlossen , daß Dein Mann o Khanum noch zögern solle , den rebellischen Vasallen in Moskau die Schärfe des Schwertes fühlen zu lassen . « » Fluch über die Feiglinge , « sagte eifrig die Khanum ; » die das gerathen sind Söhne eines Hundes , ihre Väter sind Hunde und ihre Mütter sind Hündinnen . Sie verunreinigen mit ihrem Athem den Ruhm des Großherrn . « » Allah bilir , Gott allein weiß es ! « stimmte die Schwester des Padischah bei . » Wer wird unsere Schulden an diese Armenier und Juden bezahlen , wenn es nicht zum Kriege kommt und unsere Männer Geld verdienen ? Ai gusum , sieh mich an , Licht meiner Augen , Sultana Fatima , Du mußt es verhindern ! « Die Circassierin wiegte schlau den Kopf . » Der Padischah ist unser Aller Herr . Wie kann ich thun , was Du sagst , ich bin Nichts als ein Weib . « Die erste Khanum des türkischen Heerführers , eine frühere Dienerin des Palastes , durch deren Intriguen Omer hauptsächlich seine rasche Carriere gemacht hat , verstand jedoch in ihren Augen zu lesen . » Allah erbarme sich ! wo wäre unsere große Sultana , wenn Sie nicht für jede Gefahr ein Mittel hätte . Ich weiß , was ich weiß . « » Wie viel Sonnen braucht ein Tartar13 , um zu Deinem Gatten zu kommen ? « » Der Sirdar ist in Rustschuk . In drei Tagen macht der Tartar den Weg , wenn die Balkanpässe offen sind . « » Pek äji , sehr wohl . Wißt Ihr , ob die Botschaft schon abgesandt ist ? « » Was soll ich sagen ? Mein Gatte Mehemed fürchtet es . « » Ein Mann ist ein blindes Thier ; er sieht bosch , Nichts . Der Padischah hat sie in der Tasche behalten . « » Adschaid ! Wunderbar ! « Beide Frauen hoben die Hände in die Höhe . » Ihr seid keine Eselinnen , Euer Witz ist gut ; wißt Ihr warum ? « » Wir sind Staub unter Deinen Füßen , « liebedienerte die Khanum , » wir wissen Nichts . « » Bak , seht . « Ihr Finger wies wiederum auf die blonde Sclavin , die in dem Augenblick halb aufgerichtet aufmerksam auf die Jüdin schaute . » Ne olda14 ? « » Wenn wir ihn fern von dieser halten können , wird auch die Botschaft gar nicht abgesendet werden . Wir brauchen nur zwei Tage Zeit . Hafiz sagt : Der Wille eines Mannes ist Wachs in der Hand des Weibes , das sein Lager theilt . « Die Frau des Sirdars nickte verstehend . » Wird der Herrscher der Gläubigen die Nacht in diesem Harem zubringen ? « » Ich glaube es . Es ist unsere Reihe und er hat mir seinen Besuch verkünden lassen . « » Die Macht Deiner Reize ist groß , o Sultana , sie blühen wie die Rosen von Schiraz . Aber warum hast Du denn diese Schlange hier behalten ? « » Du redest Thorheit . Das böse Auge der Buhlerin hat den Padischah bezaubert , und wenn er sie nicht hier wüßte , würde er zu den andern Kadinen gegangen sein , oder zu ihr allein . Glaubst Du , daß Diese da mir schaden werden ? « sie wies nach den beiden Frauen in der Gruppe um die Jüdin ; » bah , sie sind der Hauch meines Odems ! « Die schlaue Circassierin hatte wohlberechnet die beiden jüngsten und schönsten Kadinen in ihre Umgebung gezogen und in die Abtheilung des Harems , die sie bewohnte . Ebenso hatte sie zu vermitteln gewußt , daß die junge blonde Odaliske , die erst seit Kurzem den Harem des Großherrn zierte , von diesem aber die auffallendsten Beweise großer Zuneigung erhielt , in ihrem Haremlik blieb . » So wirb die Sultana selbst das Lager der Zuflucht der Welt besteigen und seinen Willen einschläfern auf den Kissen ihres Busens ? « » Nicht ich , Effendi15 , auch Jene nicht , obschon ich ihnen vertrauen kann . Der Padischah soll eine Ueberraschung erhalten , die seinen Geist während der nächsten Tage in den siebenten Himmel des Propheten verseht . Hört ! « Sie klatschte zwei Mal stark in die Hände und augenblicklich näherte sich ihr aus dem Untertheil eine so widerwärtig scheußliche Figur , wie sie eben nur in dem Harem von Moslems geduldet werden kann , die eine ganz besondere Vorliebe für Verwachsene und Zwerge zeigen . Aus einem kleinen breiten Körper mit Säbelbeinen hockte ein unförmlicher kürbisartiger Kopf mit einem Munde , der förmlich das Gesicht in zwei Hälften schnitt . Aus den Augen leuchtete Bosheit und List und die rothe Kleidung bewies , daß er zu den Eunuchen des Harems gehörte , wie die Peitsche an seinem Gürtel , daß er einer der Aufseher über die Sclavinnen war . Der Zwerg verbeugte sich tief vor der Sultana und blieb , die Hände über die Brust gekreuzt , in gebückter Stellung vor ihr stehen . » Hast Du Nachricht für mich , Sohn eines Zwerges und einer Hündin ? « fragte die Sultanin . » Ist Neues vorgefallen ? « » Ich küsse den Stand Deiner Sohlen ; bosch , - es ist Nichts . « » So können wir auf den Sir Kiatib16 und seine Versicherung rechnen , daß der Ferman noch nicht abgesandt ist ? « » Bei meinen Augen , Herrin . Er lag zur Unterschrift des Padischah bereit , aber der heilige Scheik ul Islam17 hat das Versprechen des Schatten Gottes , daß die Sache nochmals berathen werden solle . Der heilige Mann und der Saderel Azan 18 haben sich böse Worte gesagt . « » Er ist unser Feind , « warf die Schwägerin der Sultana ein ; » möge seine Leber schwarz werden . « » Ist Alles geschehen , wie ich befohlen ? Sind die Alme ' n19 bereit und das Spiel ? Haben die Weiber die Sclavin vorbereitet und sie gesalbt ? « » Möge das Licht Deiner Augen auf Deinen Sclaven fallen . Das Mädchen hat so eben das letzte Bad erhalten und ihre Schönheit strahlt , wie der Abendstern , neben der Sonne der Sultana . « » Es ist gut . Laßt uns das Ende erwarten . Allah möge uns beistehen . « Der durchdringende helle Klang zweier in einiger Entfernung zusammengeschlagenen Becken unterbrach das Gespräch . » Der Padischah ! « - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Während am Ende des Obertheils die Weiberintrigue im Interesse der alttürkischen Partei sich schürzte , um den Ausbruch des Krieges herbeizuführen , war unsern der Gruppe eine andere geheimnißvolle Scene vor sich gegangen . Der Leser wird sich erinnern , daß in dem Augenblick , als die Favorita auf die blonde Odaliske deutete , diese mit aufmerksamerem Blick als bisher die Gruppe gegenüber zu betrachten begann , die sich um den Schmuckkasten der jüdischen Juwelenhändlerin drängte . Dir Ursache hiervon war diese selbst , indem sie in einem Augenblick , als zufällig das Auge des jungen Mädchens auf sie fiel , ein rasches Zeichen machte und den Zeigefinger der linken Hand auf die Lippen legte . Die Odaliske wandte der Verkäuferin nun ihre volle Aufmerksamkeit zu , und als ein zweiter und deutlicher Wink der Augen ihr gezeigt , daß die Jüdin ihr Etwas mitzutheilen habe , aber vor den bewachenden Augen der Sultaninnen sich nicht selbst ihr zu nahen wage , erhob sie sich langsam und trat wie gleichfalls neugierig zu der Gruppe ihrer Gefährtinnen heran und nahm einen oder den andern der Gegenstände in die Hand . Die gewandte Jüdin ergriff sofort den Moment . » Aï , Herrin , « sagte sie , indem ihr Blick die Odaliske bedeutete , aufzupassen ; » der Gott Abrahams segne Eure Schönheit . Wollt Ihr nicht dieses Halsband versuchen ? es sind reine Amethysten aus dem kalten Lande der Moskowiten , unserer Feinde , wo der Schnee das ganze Jahr lang auf der Erde liegt , obschon ich mir habe sagen lassen , daß die Sonne die Hälfte der Zeit dort nicht untergeht und die andere Hälfte Nacht ist20 . Nehmt , Effendi , und prüft es an dem Elfenbein Eures Halses . « Sie drängte der Odaliske das Halsband auf und diese fühlte zugleich , daß aus dem weiten Aermel der Jüdin ein anderer Gegenstand mit in ihre Hand glitt . Besonnen trat sie vor einen der großen Spiegel , die , meist Geschenke europäischer Fürsten , in prachtvollen Nahmen an der Wand des Kiosks ohne alle Regelmäßigkeit aufgehängt , eine Lebensnothwendigkeit für die eitlen und putzsüchtigen Haremsbewohnerinnen sind , und legte das Halsband wie prüfend um , indem sie geschickt dabei den zusammengerollten Streifen Pergament , den sie zugleich erhalten , in das süße Versteck aller Frauen , den Busen , gleiten ließ . Dann gab sie ablehnend den Schmuck wieder zurück und wandte sich nach ihrem Platz . Noch ehe sie diesen erreicht , erscholl das Zeichen , welches den Besuch des Großherrn verkündete . Wie mit einem Zauberschlage änderte sich das Bild . Die Jüdin raffte ihre Sachen eilfertig zusammen , warf der Odaliske noch einen raschen bedeutsamen Blick zu und wurde von den Verschnittenen aus dem Gemach getrieben . Auch die erste Khanum Omer Pascha ' s schlug ihren Yaschmak um das Haupt und barg sich nach einigen rasch mit der Favoritin gewechselten Worten unter den Dienerinnen im Untertheil des Gemachs . Während die beiden Kadinen zu der Sultana traten , stellten sich die Odalisken in zwei Reihen entlang der Divans auf , die Hände über die Brust gekreuzt und die Augen zu Boden gesenkt , ebenso die Dienerinnen und Eunuchen im Untertheil . In der Bewegung , die dieser Anordnung voranging , gelang es Mariam , der blonden Odaliske , den Zettel in der hohlen Hand zu lesen . Derselbe enthielt die Worte : » An die Khanum Mariam . - Die Verschiebung des Angriffs um zehn Tage ist heute zwar im Divan auf den scheinbaren Rath des englischen Eltschie21 beschlossen , heimlich aber drängt man den Sultan , die Absendung des Befehls zu verzögern . Erlange um jeden Preis seine Unterschrift und die Absendung des Fermans , womöglich noch in dieser Nacht , denn morgen wachen die Feinde . Im Namen des Gottes , den Du im Herzen verehrst . Die Sache ist wichtig . « Sie bog den Pergamentstreif zusammen und verbarg ihn in dem Gewande , denn der Zug des Sultans nahete , wie das Zusammenschlagen der silbernen Becken verkündete . Einen Augenblick hielt er vor dem großen Eingang des Gemachs , während die mit entblößten Säbeln Wache haltenden Eunuchen den Vorhang zu beiden Seiten emporhielten . Zunächst traten vier Itschoklans22 - schon in ihrer Jugend verstümmelte Kinder - ein und schritten bis zu dem Aufgang des Obertheils vor . Ihnen folgte eine gleiche Anzahl schwarzer Eunuchen , die Becken schlagend , und darauf der Tschannador-Aga23 , den großen Pfauenwedel tragend , womit die Pagen dem Großherrn Kühlung zufächeln . Hinter ihm kamen die beiden Schwertträger des Sultans und dann dieser selbst auf den Arm des Kislar-Aga gestützt . Der Kapi-Aga ( Agassi ) oder das Oberhaupt der weißen Verschnittenen schloß den Zug , an der Spitze von vier mit blanken Säbeln bewaffneten circassischen Sclaven . Der Großherr - Abdul-Medschid-Khan - zur Zeit unserer Erzählung im einunddreißigsten Jahre stehend24 - war eine große Gestalt mit vollem fleischigem , aber blassem Gesicht , das zwar unverkennbar einen Zug von Gutmüthigkeit trägt , aber - offenbar von dem frühen Genuß der Haremsfreuden , zu denen ihn seine ehrgeizige Mutter verleitete - den Ausdruck des Schlaffen , Theilnahmlosen hat . Alles innere Leben scheint aus diesem Antlitz verschwunden , das durch die breite offene Stirn und die edle Form der Nase selbst schön zu nennen wäre , wenn das große dunkelbraune Auge mehr Feuer und nicht jenen melancholischen Blick der Seelenapathie zeigte . Es ist gewöhnlich zu Boden geschlagen , oder wenn es erhoben wird , starr und kalt ; nur selten sprüht ein Blitz der Leidenschaft oder des Bewußtseins der Macht daraus hervor , und dann wird es dem scharfen wilden Auge seines großen Vaters ähnlich . Der Sultan trug die halb europäische Kleidung : weiße Pantalons , darüber einen zugeknöpften indigoblauen Rock mit steifem Kragen und den rothen Feß , statt der gewöhnlichen schwarzen lackirten Stiefeln25 jedoch gelbe Pantoffeln . Die einzige Auszeichnung , die ihn schmückte , war