er ihn hätte . « Uli mache ihr Kummer . Er trage es ihnen wegen dem Elisi nach . Aber er sollte dem lieben Gott danken , daß es so gegangen , er wäre ein unglücklicher Mensch geworden und hätte doch zuletzt an allem schuld sein sollen . Wenn Uli wollte , die Sache würde sich machen , und ein Jahr in das andere gerechnet , sollte er seine tausend Pfund vorschlagen . » Ich weiß , was der Hof abträgt , wenn man es treibt , wie Uli es treiben kann , wenn er und Vreneli zusammenspannen . Das kann Euch kochen , es ist allen recht , und sie schlecken noch die Finger bis an die Ellbogen , und braucht doch fast ds Halbe weniger als Manche , die meint , wie sie es könne , und doch die Diensten allemal grännen , wenn sie nur bei der Küche vorbeigehen . « Uli habe ihr Zutrauen , ein böses Jahr hätte er nicht zu fürchten . » Vetter Johannes , « sagte die Base , » du mußt doch nicht glauben , daß wir so wüste Hüng wären , wegen einem bösen Jahr den Lehnmann über Nichts zu bringen . Wenn wir den Hof selber hätten , so hätten wir ja auch das böse Jahr , und warum sollte es der Lehenmann allein entgelten , wenn es zu trocken oder zu naß ist ? Es ist doch immer unser Hof , und was vermag er sich dessen ? Es hat mich schon manchmal wüst düecht , wenn ein Lehenmann immer den gleichen Zins geben muß , gebe es etwas oder gebe es nichts . Nein , Vetter , Joggeli ist wunderlich , aber der Wüstest doch nicht , und wenn alles fehlen sollte , so ist es dann nicht , daß ich nicht auch noch et- was hätte , womit ich nachhelfen könnte . « » Base , « sagte Johannes , » nehmt es mir nicht für ungut , aber wenn man etwas Rechtes machen will , so muß man von allem reden . Die Sache freut mich für Euch und Uli und auch für mich , denn an Uli ist mir etwas gelegen . Es ist wahr , er ist mir fast so lieb wie mein eigen Kind , und was ich für ihn tun kann , das spare ich nicht . Er hat mir auch von Elisi geredet , und da habe ich ihm die Sache mißraten . Es ist ihm damals nicht recht gewesen , ich sah es ihm wohl an . Es nimmt mich wunder , ob er mir jetzt etwas davon sagt . Soll ich mit ihm von der Sache reden , so ihm ablosen von weitem , was er im Sinne hat , oder gleich mit der Türe ins Haus , oder wollt Ihr zuerst mit Vetter Joggeli reden ? « » Ich wäre lieber mit Uli und Vreneli im Reinen , und deswegen bin ich mit ihnen gekommen « , sagte die Base . » Fange ich Joggeli davon an und wollen später Uli und Vreneli nicht , so muß ich mein Lebtag hören , was ich da einmal Dumms hervorgebracht , von wegen er ist gar wunderlich und kann einem eine Sache nicht vergessen ; darneben ist er der Wüstest nicht . Wenn es sich dir schickt , Vetter , so lose Uli ab , was er denkt , ziehe ihm die Würm aus der Nase ; es wäre mir sehr lieb , wenn ich wüßte , woran ich mit ihm wäre . Es dünkt mich , ich wäre wie im Himmel , wenn die Sache im Reinen wäre . Gefällt Euch das Meitschi aber nicht auch ? « fragte die Base . Und Johannes und seine Frau rühmten nun , wie hübsch es sei und appetitlich , und der Erstere versprach , zu helfen , was er könne . Selben Abend schickte es sich ihm nicht , er war mit Uli nie allein . Aber am andern Morgen , sobald sie zMorgen gegessen hatten , fragte Johannes den Uli : Ob er mit ihm auf den Herd hinauswolle , er möchte ihm zeigen , was er angesäet hätte , und dies und jenes ihn fragen . Die Base mahnte , ja nicht zu lange auszubleiben , indem sie zeitlich verreisen wollten , um nicht zu spät heimzukommen . Während nun Johannese Frau der Base zusprach , daß sie heute noch hier bleiben sollten , wandelten die Männer ab . Ein schöner Morgen war es wieder . Ein Kirchturm nach dem andern gab sein Zeichen , daß es heute der Tag des Herren sei , die Herzen sich öffnen sollen dem Herrn , um Sabbat mit ihm zu halten , seinen Frieden zu empfangen , seine Liebe zu empfinden . Es ward den beiden Wandelnden auch feierlich im Gemüte , über manchen Acker waren sie gewandelt mit wenig Worten . Sie waren an einen Waldsaum gekommen , von wo man das Tal schwimmen sah in dem wunderbaren herstblichen Duft und von vielen Kirchtürmen her das Geläute der Glocken hörte , welche die Menschen zusammenriefen , in den geöffneten Herzen den Samen zu empfangen , der sechzig- und hundertfältig Früchte tragen soll in gutem Herzensgrunde . Schweigend setzten sie sich dort und ließen einziehen durch die weiten Tore der Augen und Ohren des Herren herrliche Predigt , die alle Tage ausgeht in alle Lande ohne Worte , ließen in tiefer Andacht die Töne widerklingen im Heiligtum ihrer Seelen . Endlich fragte Johannes : » Du bleibst nicht in der Glungge ? « » Nein « , sagte Uli . » Nicht daß ich es ihnen zürne wegen Elisi . Ich bin froh , daß es so gegangen ist . Erst hintendrein sehe ich , daß ich keine glückliche Stunde mit ihm gehabt hätte und daß bei einem solchen bösen Schlärpli einen kein Geld glücklich macht . Ich kann nicht begreifen , was ich auch gesinnet habe ! Aber ich mag doch nicht bleiben . Der Tochtermann ist immer da , will anfangen zu regieren , plündert sie aus , wo er kann , so daß ich nicht mehr dabei sein mag ; auch lasse ich mir von dem nicht befehlen . « » Aber was willst du denn ? « fragte Johannes . » Das ists eben , was ich mit dir reden möchte « , sagte Uli . » Plätze bekäme ich genug ; ich könnte auch zum Sohne , der gäbe mir Lohn , so viel ich wollte . Aber ich weiß es nicht : Knecht sein ist mir aparti nicht erleidet , aber es dünkt mich , wenn ich etwas Eigenes anfangen wolle , so sei es Zeit . Ich bin in den dreißig Jahren alt und gehöre schon fast zu den Alten . « » Jä so , « sagte Johannes , » hast du das Heiraten im Kopf ? « » Aparti nit ! « sagte Uli . » Aber wenn ich heiraten will , so sollte es bald geschehen , und etwas Eigenes anfangen muß man auch , während man sich noch rühren mag . Aber ich weiß eben nichts anzufangen . Für alles habe ich zu wenig , denn was sind zweitausend Pfund , um etwas Rechtes anzufangen ? Ich sinne noch immer daran , wie du gesagt hast , auf kleinen Gütchen schlage man den Zins nicht heraus , und ein Lehenmann , der nicht Geld in den Händen habe , könne nicht wohl ein großes Wesen übernehmen , und auf kleinen gehe er zugrunde . « » He , « sagte Johannes , » zweitausend Pfund sind schon was , und es gibt hier und da Güter , wo die Bsatzig dabei ist , wo man sie gegen eine Schatzung übernehmen kann , so daß du die zweitausend Pfund zum freien Handel in der Hand behieltest , und wenns dann noch mehr sein müßte , so fändest du wohl Leute , die Geld hätten . « » Ja , aber die gäben mir es nicht . Wenn man Geld will , so muß man gute Versicherung oder Bürgen haben , und wo die nehmen ? « » He , Uli , « sagte Johannes , » das ist eben , was ich dir auch gesagt habe : eine guter Name ist auch eine gute Versicherung . Vor fünfzehn Jahren hätte ich dir nicht fünfzehn Batzen geliehen , wenn du aber jetzt zwei-bis dreitausend Pfund mangelst gegen ein bloßes Handschriftli , so kannst du sie haben , oder wenn ich dir Bürge sein soll , so sprich zu . Wofür ist man auf der Welt , als für einander zu helfen ? « » Das wäre guter Bescheid « , sagte Uli ; » daran hätte ich nicht denken dürfen , und wenn ich etwas wüßte , ich wollte gleich darauf los . « » Das täte ich nicht « , sagte Johannes . » Ich ginge zuerst auf eine Frau aus , und je nachdem ich eine hätte , finge ich etwas an . Es sind schon viele Leute zugrunde gegangen nur deswegen , weil die Frau zu des Mannes Geschäft nicht paßte oder weil sie nicht dazu passen wollte . Um ein Hauswesen gut zu führen , bedarf es einen einträchtigen Willen . Hast du einmal eine Frau und wählet ihr einträchtig ein Heimwesen zum Kaufen oder Empfangen , das sich zu euch Beiden schickt , so ist schon viel gewonnen . Oder hast du schon etwas der Art unterhänds ? « » Nein « , sagte Uli . » Ich wüßte wohl eine , aber die sagt mir nicht Herr . « » Warum nicht ? « fragte Johannes , » ist es wieder eine reiche Baurentochter ? « » Nein , « sagte Uli , » es ist das Meitschi , das mit der Frau gekommen ist . Vermögen hat es aparti nicht , aber wer das bekommt , der ist glücklich . Ich habe es seither schon manchmal gedacht , mit dem kömmt einer weiter , wenn es schon keinen Batzen hat , als mit dem reichen Elisi . Was es in die Hände nimmt , steht ihm wohl an , alles gerät ihm , und es ist nichts , das es nicht versteht . Ich glaube , es wird nie müde , am Morgen ist es zuerst und abends zuletzt und den ganzen Tag nie müßig . Nie muß man auf das Essen warten , nie versäumt es die Jungfrauen , und es meint einer , es werde nie hässig ; je mehr zu tun ist , desto lustiger wird es , wo doch sonst die Meisten , wenn sie viel Arbeit haben , hässig werden und nicht bei ihnen zu sein ist . Es ist huslig in allen Teilen und doch bsunderbar gut gegen die Armen , und wenn jemand krank wird , so kann es ihm nicht gut genug luegen . Es ist Keins weit und breit so . « » Aber warum solltest du das nicht bekommen ? « fragte Johannes , » hasset es dich ? « » Aparti nicht « , sagte Uli . » Es ist gut gegen mich , und wenn es mir etwas zu Gefallen tun kann , so ist es nie Nein , und wenn es sieht , daß ich möchte , daß etwas gemacht werde , so hilft es nur , so viel es kann , und kein einzigmal begehre es Saumsteine in den Weg zu legen , wie es die Weiber dickist haben , daß wenn sie sehen , daß man etwas absolut machen sollte , sie absolut etwas anderes wollen und einen versäumen , wie sie nur können . Aber doch ist es etwas hochmütig und kanns nicht vergessen , daß es aus einer vornehmen Familie ist , wenn es schon unehlich ist . Wenn ihm einer nur von weitem zu nahe kömmt , so schnauzt es ihn an , als ob es ihn fressen wolle , und öppe Gspaß mit ihm zu treiben und es auch etwas in den Finger zu nehmen , wie an vielen Orten der Brauch ist , das wollte ich Keinem raten . Es hat schon Mancher eine wüste Täschen herausgenommen . « » Aber das will noch gar nicht sagen , daß es dich nicht nehmen würde « , sagte Johannes . » Wenn es sich schon nicht von jedem will fingerlen lassen , so kann ich ihm das nicht für übel nehmen . « » Ja , dann ist noch eins « , sagte Uli . » Ich darf jetzt nicht mehr an Vreneli sinnen . Würde es mir nicht sagen : Gäll , jetzt , wo du die Reiche nicht haben kannst , jetzt soll ich dir gut genug sein ! Hast du mir ja das grüne , gelbe Elisi vorziehen können , so will ich dich jetzt auch nicht ; ich mag nicht einen , der so mit einem verschlampeten Bärentalpenstengel geschätzelet hat . Das muß es mir zur Antwort geben , und doch habe ich auch während der Geschichte mit Elisi mehr an Vreneli gesinnet als an ds Elisi . Erst jetzt merke ich , daß mir Vreneli immer lieber gewesen ist . Und wenn ich das Meitschi hätte , ich wollte ausbieten , einen Hof zu übernehmen und darauf mehr zu machen als irgend ein Anderer . Aber jetzt ist es zu spät , es nimmt mich nicht , es ist gar ein Eigeliges . « » He , « sagte Johannes , » man muß nie den Mut verlieren , solange ein Meitschi noch ledig ist . Das sind wunderliche Greiser und tun gewöhnlich gerade das Gegenteil von dem , was man ihnen zutrauet . Wenn die Sache so ist , so wollte ich anhoschen , das Meitschi gefällt mir . « » Nein , Meister , nicht um hundert Kronen wollte ich das Meitschi fragen . Ich weiß wohl , es zerschreißt mir fast das Herz , wenn ich von ihm muß und es nicht mehr alle Tage sehen kann . Aber wenn ich es fragte und es würde mich verachten , Nein sagen , ich glaube , ich hinge mich an die Bühnisleiter . Beim Dolder , ich könnte es nicht sehen , wenn es ein Anderer zur Kirche führte , ich glaube , ich würde ihn erschießen . Aber das heiratet nicht , das bleibt ledig . « Da begann Johannes gar herzlich zu lachen und fragte : Woher er wisse , daß ein solches Meitschi , dreiundzwanzig Jahre alt , ledig bleiben werde . » Oh , « sagte Uli , » es nimmt Keinen ; ich wüßte nicht , wer dem gut genug wäre . « Da sagte Johannes , sie wollten doch machen , daß sie heimkämen , ehe die Kirche aus sei , er möchte nicht in die Kirchenleute laufen . Uli folgte ihm , wenig redend , und was et redete , klang immer gegen Vreneli zu , bald dieses , bald jenes , und Johannes sollte ihm versprechen , ja kein Wort über seine Lippen zu lassen von dem , was er ihm gesagt . » Du Gäuchel du , « sagte Johannes , » wem sollte ich etwas davon sagen ? « Die Base hatte daheim schon lange vor Ungeduld gezappelt , und sobald Uli und sein Meister in die Stube traten , sagte sie zu Uli : » Geh doch in die Stube , in welcher wir geschlafen haben , und sieh , was Vreneli macht . Es soll einpacken , wir wollen fort . « Uli fand das Mädchen vor einem Tische stehend , wo es ein Fürtuch der Base zusammenlegte . Uli ging sachte hinter ihns , schlang den Arm , aber ganz manierlich , um dasselbe und sagte : » dBase pressiert . « Vreneli drehte sich rasch um , sah , wie über diese ungewohnte Vertraulichkeit verwundert , schweigend zu Uli auf . Dieser fragte : » Bist noch immer böse auf mich ? « » Ich bin über dich nie böse gewesen « , sagte Vreneli . » So gib mir ein Müntschi , du hast mir noch keins gegeben « , entgegnete Uli und bog sich herab . In diesem Augenblick wand Vreneli sich so kräftig los , daß er in die halbe Stube zurückfuhr ; und doch war es ihm , als hätte er ein Müntschi erhalten , er glaubte noch deutlich an einem gewissen Fleck Vrenelis Lippen zu fühlen . Dasselbe aber fuhr mutwillig über ihn her : Es dünke ihns , er sei zu solchen Flausen wohl alt , und wahrscheinlich werde die Base ihn nicht heraufgeschickt haben , um mit solchem Narrenwerk es zu versäumen . Er solle doch denken , was Stini , sein alter Schatz , dazu sagen würde , wenn es dazukäme . Es begehre nicht mit demselben einen Schwinget zu haben wie Ürsi . Dabei lachte es , daß es Uli ganz zerschlagen zumute ward und er die Türe suchte so bald möglich . Die Reise ging später vor sich , als man dachte . Denn als man anspannen wollte , mußte man zuerst noch zu einem Mahl , wobei des Johannes Frau ihre ganze Kochkunst , den ganzen Reichtum ihres Hauses aufgeboten hatte . Obgleich die Base in einem fort sagte : » Herr Jeses , wer möcht doch auch von allem essen « , so war doch des Nötigens kein Ende , und sie wurde nicht in Ruhe gelassen , bis sie erklärte : Sie bringe ihre armi türi nichts mehr hinunter ; wenn sie noch ein Brösmeli essen sollte , es würde sie versprengen . Während Uli anspannte , drückte sie des Vetters Kindern neues Geld in die Hände , gäb wie die sich wehrten und ihre Eltern die Base mahnten , sie solle sich doch nicht solche Kosten machen , und den Kindern zusprachen , sie sollten doch nicht so unverschämt sein und es nehmen . Wenn sie es doch nahmen und zu der Mutter eilten und ihren Schatz zeigten , so hieß es : » Nein , es hat kei Gattig , wir müssen uns ja schämen . « Und dann sagte die Base : Es sei ja nicht der Rede wert und sie sollten doch recht bald zu ihnen kommen und es ein , ziehen , was sie ihnen in den Kosten gewesen sei . Das werde sich schon geben , erhielt sie zur Antwort , aber sie hätte nicht so pressieren und noch einen Tag bleiben sollen . So unter vielen Reden kam sie endlich auf ihr Sitzwägeli und setzte oben das Reden fort , Vreneli alle ihre gemachten Betrachtungen mitteilend , deren in der Tat nicht wenige waren . Denn sie hatte manches gesehen , von dem sie sagte : » Wenn ich jünger wäre und noch besser möchte , das müßte mir auch sein . « Zu allem redete Uli nichts , war mit seinem Kohli beschäftigt , den er tüchtig traben ließ , so daß endlich die Frau sagte : » Uli , fehlt dir etwas ? Machst es dem Kohli nicht zu stark ? Er ist nicht gewohnt , so zu laufen . « Uli versprach sich und erhielt den Befehl , etwas über em halben Weg zu halten . Es sei ihr nicht nur wegen dem Kohli , sagte sie , sondern auch wegen ihr selbst . Hamme und Küchli zusammen machten ihr immer Durst . Vreneli sagte , auch ihm sei es recht , es hätte es gerade wie die Base , und heute werden sie doch in ein Wirtshaus können , ohne für ein Hochzeit gehalten zu werden . Man werde eher glauben , sie kämen von einer Gräbt , so mache Uli ein Gesicht . Er hätte keine Ursache , ein anderes zu machen , sagte Uli , am allerwenigsten seinetwegen . Am Samstag sei es nicht recht , wenn er lache , und am Sonntag nicht recht , wenn er nicht lache , es sei bald bös z ' breiche . » Du bist puckt , Uli « sagte Vreneli , » ich habe nicht gewußt , daß man dir nichts mehr sagen darf . « » So , zanket recht , « sagte die Base , » das gefällt mir ; was sich liebt , muß sich zanken , und ihr machet exakt wie Zwei am Tage nach der Hochzeit . « Eben darum wolle es ja nicht heiraten , sagte Vreneli . Solange es ledig sei , mache es ein Gesicht für sich , wie es ihm gerade an , ständig sei . » Ich mache meine Gesichter auch für mich , « sagte Uli , » und du brauchst sie gar nicht zu sehen , wenn sie dir nicht anständig sind . Habe nur noch ein wenig Geduld , so wird dir mein Gesicht nicht mehr im Wege sein . « » Nit , nit ! « sagte die Base . » Machet einander nicht zu guter Letzt noch böse und kommt mir taub heim . Man muß aus Spaß nicht gleich Ernst machen , sonst kömmt man nicht durch die Welt . Und wenn man gleich so aufbrennen will , ach bhüetis , so ists allerdings besser , man bleibe ledig ! Ich bin als Meitschi auch aufbegehrischer Natur gewesen und habe nichts leiden wollen , aber wenn ich bei meinem Joggeli so hätte bleiben wollen , so lägen er oder ich oder Beide im Grabe . Ich habe bald gesehen , daß eins nachgeben , sich ändern muß , und da ist die Reihe dazu an mich gekommen . Nit daß Joggeli nicht auch ein Gleich gemacht , er hat sich auch in manchem gebessert . Ich glaube nicht , daß Zwei zusammenkommen auf der Welt , die sich nicht mehr oder minder ändern müssen , wenn sie glücklich bleiben wollen . « » Darum ists am besten , man bleibe ledig « , sagte Vreneli , » da kann man bleiben , wie man ist , und es grännet einen niemand an für nichts und wieder nichts . « » Eh , Vreneli , sinnest denn nicht an Gott und daß der will , daß wir uns ändern und alle Tage besser werden ? Ist dir der auch zu wenig , daß du um seinetwillen kein ander Gesicht machen willst , als dir anständig ist ? « » Aber Base , « sagte Vreneli , » wie kommt Ihr mir auch ! Wir reden von einem Mann und Ihr kommt mir mit Gott , da ist doch ja gar keine Gleichheit . Wie einem Gott in Sinn kommen kann , wenn man von einem Manne redet , begreife ich nicht . Wenn man von Männern redet , so sollte einem immer der Teufel in Sinn kommen , denn der ist ja auch ein Mann , und er hat das Weib verführt ; wenn er nicht gewesen , so wären wir glücklich geblieben . Von einer Frau Tüfelin habe ich noch nichts gehört ; das ist mir ein sicher Zeichen , daß der Teufel unter dem Weibervolk Keine seinesgleichen gefunden hat , sondern nur unter dem Mannenvolk . Unter dem gibt es ja ganze Legionen , wie es in der Schrift heißt . « » Versündige dich nicht , Vreneli , « sagte die Base , » du weißt nicht , was dir bestimmt ist . Ich glaube , du redest nicht , wie es dir ums Herz ist , sondern wie alle Meitschi , wenn sie noch Keinen haben oder der Rechte ihnen noch nicht gekommen . « So wie Vreneli den Mund zur Antwort auftat , fuhr Uli , der ihnen ganz den Rücken gekehrt und getan hatte , als höre er von allem nichts , zum bestimmten Wirtshause . Die Wirtin empfing sie und führte sie in eine apartige Stube , wie die Base verlangt hatte , nachdem sie dem Uli gesagt , er solle bald nachkommen . Dort befahl sie Wein und auch etwas auf einem Teller oder zweien ; das Fahren mache hungrig , sie hätte es nicht geglaubt . Es war alles da , nur Uli nicht . Die Wirtin war nach ihm ausgeschickt worden , kam wieder mit dem Bescheid , daß sie es ihm gesagt , aber er kam doch nicht . Da sagte die Base : » Geh , Vreneli , und heiße ihn auf der Stelle kommen . « Vreneli drehte und meinte , man solle ihn doch nicht zwingen ; wenn er hungrig oder durstig wäre , er würde schon kommen . » Wenn du nicht gehen willst , « sagte die Base , » so muß ich zu-letzt noch selber gehen . « Da ging Vreneli hässig und trieb mit hässigen Worten den bei den Keglern stehenden schmollenden Uli , der anfangs nicht kommen wollte , herbei . Seinethalben , sagte es , könnte er bleiben , wo er wäre , aber die Base befehle es . Er solle kommen , es hätte nicht Lust , ihm noch mehr nachzulaufen . Uli kam endlich , auf die vielen Vorwürfe der Base wenig antwortend . Diese schenkte ihm tapfer ein , nötigte zum Essen und schwatzte allerlei durcheinander , wie es ihr bei Vetter Johannes wohl gefallen und wie sie jetzt wohl merke , wo Uli sei drässiert worden . Er müßte aber auch bsunderbar wohl für sie gewesen sein , denn noch jetzt hingen die Kinder an ihm , und sie hielten ihn ja wert fast wie ein Kind . » Du wirst wohl wieder zu ihnen wollen , wenn du bei uns fortgehst ? « » Nein « , sagte Uli . » Es ist sonst nicht der Brauch , daß man frägt , aber willst du mirs sagen , wo du hinkömmst ? « sagte die Base . Er wisse es noch nicht , sagte Uli , es hätte ihm noch nicht pressiert , einen Platz zu nehmen , obgleich er manchen hätte haben können . » E nun , so bleibe du bei uns , das schickt sich für beide Teile am besten , wir sind jetzt an einander gewohnt . « Sie solle es nicht für ungut haben , sagte er , aber er hätte nicht im Sinn mehr , Knecht zu sein . » Hast du etwas anderes ? « fragte sie . » Nein « , antwortete er . » Wenn du nicht mehr Knecht sein willst : wenn wir dir da unser Gut ins Lehen geben wollten ? « Dies Wort traf Uli wie ein Stein . Er ließ die mit einem Stück Schafbraten beladene Gabel aufs Teller fallen , behielt den Mund aber offen , drehte seine Augen groß wie Pflugsrädleni der Base zu und starrte sie an , als ob sie aus dem Mond herabkäme . Vreneli , das am Fenster gestanden war und sich über Ulis langes Essen geärgert hatte , drehte sich rasch um und horchte mit spitzigen Augen , was das geben sollte . » Ja , sieh mich nur an , « sagte die Base zu Uli , » es ist mir Ernst mit der Frage : wenn du nicht als Knecht bleiben willst , würdest du wohl als Lehenmann bleiben ? « » Frau , « sagte endlich Uli , » wie sollte ich Euer Lehenmann werden können ? Das vermag ich nicht , da muß einer anders hintersetzt sein als ich . Ihr wollt mit mir nur Eure Flausen treiben . « » Nein , Uli , es ist mir Ernst , « sagte die Frau , » und mit dem Nitvrmögen ist das nichts , das könnte man ja machen , daß das Anfangen dich nichts kostete , die Bsatzig ist da . « » Aber was denkt Ihr , Frau , « sagte Uli , » wenn das schon wäre , wer wollte mir Bürge sein ? Ein einziges Fehljahr brächte mich auf einem solchen Gut zu Boden . Das Geschäft ist zu groß für mich . « » He , Uli , das wird sich alles machen , und die wüstesten Hüng sind wir doch nicht , daß wir einen Lehenmann , der uns anständig ist , wegen einem einzigen Jahr zugrunde gehen ließen . Sag nur , du wollest , so wird sich das schon machen . « » Ja , Frau , « sagte Uli , » und wenn das sich schon machte , wer sollte mir die Haushaltung machen , Das will da was heißen . « » He , nimm eine Frau , « sagte die Base . » Das ist bald gesagt « , antwortete Uli , » aber wo wollte ich wohl eine finden , die gut dafür wäre und die mich nähme ? « » Weißt du keine ? « fragte die Base . Da stockte dem Uli das Wort im Munde , und werweisend grübelte er verlegen mit der Gabel auf dem Teller . Vreneli aber sagte rasch : Es dunke ihns , es wäre Zeit für fort , der Kohli habe den Hafer längst gefressen und Uli werde auch bald genug haben , sie könnten ein andermal mit einander Flausen haben . Ohne auf diese Worte zu hören , sagte endlich die Base : » Weißt du keine ? Ich wüßte dir eine . « Uli machte wieder Pflugsrädli gegen die Base zu , Vreneli sagte , es möchte die auch wissen . Die Base , in ungestörter , schalkhafter Gemütlichkeit , die eine Hand auf dem Tische , den breiten Rücken behaglich hinten am Stuhle , sagte : » Errate mal , du kennst sie wohl . « Uli sah herum an allen Wänden , er konnte das rechte Wort nicht finden , es war ihm , als ob er einen Erdäpfelstock von einem ganzen Sack Erdäpfel im Halse hätte , und Vreneli trippelte ungeduldig hinter die Base und sagte : Sie wollten doch machen und