der Fluren - irren hier und dort herum , wie die Lämmer weiden ? - Warum nach einem Plan das Schöne aufsuchen ? - Am End ist doch der Zufall der Reichen großmütigster ; warum nicht ihm anhängen ? - Läßt sich Gott nicht in ihm am innigsten mit der Seele ein ? Befriedigt am liebendsten ihre geheimen Wünsche ? Ich denk mich so oft mit Dir wandelnd zum nächsten Tor hinaus , den reizendsten Pfad entlang , der Clemens aber drängt mich an des Parnassus Stufen und will , ich soll hinauf , und so hab ich ihm geschrieben : » Am Dichten hindert mich mein Gewissen , wenn ich denk , wieviel reiner tiefer Sinn dazu gehört , um so weniger kann ich mir ' s zutrauen ; manchmal wandelt es mich freilich an , ich sehne mich danach wie ein eingesperrtes Kind nach dem Spiel in freier Luft , auf grüner Wiese im Sonnenschein ; ja es schmerzt mich tief , daß ich nicht kann , wie ich will , und daß alle Sprache , mit der ich mein Sinnen festzuhalten versuche , nur wie dürres Holz in der Glut meines Herzens zusammenbrennt ; wie oft hatte ich Momente , deren feierliche Mahnung mich auf etwas Ernstes , Tiefes vorbereiteten , die Poesie schien mir dann ein reifer Schmetterling , der mit dem leisesten Regen die leichte Hülle sprengte und auf in die Lüfte steigend in den mannigfaltigsten Blüten meiner Seele schwelgend . Dann fühlt ich wie ein göttlich Unsichtbares , dem ich geboren , ich war stolz , und wenn die Natur rings mich mit feurigem Blick anglühte , dann war ich spröde und verschlossen gegen die Feuerkraft , und doch hätt ich mein Herz dargereicht dem ersten kühnen Augenblick , der mir die Sprache gelöst hätt , in der meine Lieder geflossen wären . Doch all dies Leben , dies innere Beben und Aufrauschen ging vorüber , ohne etwas festzuhalten oder zu erzeugen , und wird vielleicht noch tausendfach in mir erscheinen - und keine Spuren zurücklassen . « Das hab ich Dir abgeschrieben aus meinem Brief an ihn , weil ' s etwas Erlebtes ist , was sich mit unendlichen Modulationen mir im Geist wiederholt , ich hab Visionen , wenn ich die Augen zumache , ich seh nicht allein , ich hör auch entzückende Töne , wie wenn himmlische Empfindung zu Ton könnt werden ; nun fehlt ja nur die eine Stufe , daß der Ton sich in Geist der Sprache übersetzte ; aber in dies Inselland will ' s keine Brücke schlagen , im Gegenteil , alle Erscheinung zerfließt vor der Sprache . - Ich hab wohl einen dunkeln Begriff , warum ich nicht dichte , weil eben das Tiefe , was mich gewaltig ergreift , so daß es elektrische Kraft auf die Sprache hätte , etwas ist , was sich in der Empfindungswelt nicht legitimiert , oder um schneller und ohne Umweg mich auszudrücken , weil ' s Unsinn ist , was mir in der Seele wogt , weil ' s Unsinn ist , was meine Gedanken mir vorbeten , weil ' s Unsinn ist , der mich ahnend als höchstes Gesetz der Weisheit ergreift . - Wo ich hinsehe , wo ich hinspüre , darf ich nicht ankommen mit meinen Wahrnehmungen , ich weiß , daß , wenn der Dichterschwung mich ergriff , sich das Unendliche , das Ungeborne vor mir auftun würde , mich durchzulassen . - Ich seh ! - Und wenn ich was Wahres schaue , sei der Keim so klein noch , so in sich gedrängt , mich begeistert der ihm selbst bewußtlose Lichtweg , den er wandelt . - Du begeisterst mich , weil Dein einfaches Streben mir so deutliche Lehre gibt , Du seist der eignen Seele ewiger Wohllaut , der sie wiegt und schlummernd ihr die Gesetze der Harmonie einflößt . Ahnungen sollen dem Geistesblick Wahrheiten werden , soll eine Ahnung wirklich Dasein werden , so muß sich der Geist erst vermählen mit einem andern Geist - mit dem Genius - die Ahnung verwirklicht den Genius in uns . - Alles ist wirkliches Leben durch die Feier der Liebe mit dem Genius . - Alles verwirklicht sich durch Vermählung des höheren Lichts mit dem Geist - es strömt dem Geist herab , er darf ' s nur liebend wollen , es erfüllt ihn in tiefer Nacht gestaltlos , es strömt ihn an , es umschweift ihn ganz , o es ist kein zahmer Liebhaber , das Licht . - Und ist es ein Wunder , daß wer ohne Grenze sich ihm ergibt , daß der dann sehe , wo andre nicht sehen ? Und sollt ich mich schämen vor Dir , die in manchen heiligen Augenblicken mir erschien , wie das Licht zärtlich mit Strahlenkränzen sie umflocht und krönte Dein Haupt mit doppelter Krone ? - Daß ich Dir sage , nicht die Sprache ist zwischen mir und dem Licht , nein , es ist das Licht unmittelbar , es nimmt meine Sinne auf - nicht durch die Sprache meinen Geist ! - Drum kann ich nicht dichten . Dichten ist nicht nah genug , es besinnt sich zu sehr auf sich selber . - Ach , da red ich so , wo wir ausgemacht haben , daß Du niemals drauf eingehest , damit ich nicht vor der Zeit unsinnig werde - schweig und ich will auch schweigen , der Dämon möcht mich sonst durch die Lüfte davontragen . - Dem Clemente hab ich geschrieben , daß ich hier sehr vergnügt bin , nicht sowohl um Savignys willen , dessen Gegenwart freilich einem Aufenthalt alle Reize verleiht , sondern um der reinen Einsamkeit halben , in der ich von aller Kleinheit entfernt lebe , die mich in Frankfurt immer bedrängte und meine Freiheit schmälerte , wenn ich so sagen darf . Hier kann ich doch leichtsinnig sein , ohne daß die Inkonsequenzen davon mich gleich erschrecken , und ruhig und ernsthaft , ohne daß man glaubt , ich sei verliebt oder krank , und verliebt in Himmel und Erd , die einzig und allein schön hier sind , ohne daß man mich der Koketterie beschuldigt . Da kommt Dein Brief , Du gibst ihn der Claudine , daß die ihn beischließe , und die hat grad noch zwei Tage ihn liegen lassen , denn so lang hat sie an ihrem Brief geschrieben - und nun schließ ich diesen , in dem keine Antwort steht , aber gleich würde ich antworten , wenn nicht es so in mir rumorte , was Du schreibst , ich mein , dieser Brief von Dir ist nicht an Deinem Schreibtisch , der ist an fremdem Tisch geschrieben , gewiß bei der Claudine . - Ich muß die Sonn untergehen lassen und mich besinnen auf morgen früh . Bettine Marburg . Dezember Heut morgen bin ich aus dem Bett gesprungen , um das Eis mit meinem Hauch zu schmelzen . Um halb acht kamen die Studenten den Berg herauf gejubelt , es war noch dämmerig und der Nebel so dicht , daß sie wie Schatten bloß durchschimmerten . Die Meline und ich sehen jeden Morgen mit großem Gaudium , wie sie zu unserm Professor Weiß ins Kolleg marschieren , - sie können uns nicht sehen , denn unsre Fenster sind hart gefroren , wir steigen auf den Tisch und hauchen an der obersten Scheibe ein Löchelchen ins Eis , wo grad ein Aug durchsehen kann ; ein jeder hat ein verschiednes Abzeichen , treiben sich immer eine Viertelstunde herum , bis sie im Gang nach dem Kolleg verschwinden , den der Professor Weiß präzis acht Uhr aufschließt , indessen treiben sie lauter Übermut , wir dachten schon , daß sie vielleicht uns zu Ehren die großen Sätze machen von einer Trepp zur andern , einer über des andern Kopf weg , sie können uns zwar nicht sehen , weil die Fenster verhängt sind und jetzt auch gefroren , so leuchten ihnen doch unsre grünen Vorhänge ganz mystisch in die Augen , uns macht ' s tausend Spaß , die Liebschaft mit dem ganzen Kolleg ist im besten Gang , wir haben sie geteilt , die Meline sagt , der ist mein , und ich , der ist mein , so haben wir zwei Regimenter , und ihre Balgereien werden mit großer Freude und Triumph belacht , jede Partei hat einen Hauptmann , der eine mit der roten Mütze , die er nie auf dem Kopf hat , sondern immer auf einem dicken Stock ( der Student nennt ihn Ziegenhainer ) herumschwenkt , ist meiner , er ist immer der erste auf dem Platz , die andern versammeln sich um ihn und hören zu , was er sagt , er mag wohl das Haupt einer Burschenschaft sein ; er ist so jung und schön , er ist der größte von allen , wenn er den Mund auftut , kommt eine große Duftwolke heraus , die setzt sich gleich als Reif an seinen kleinen Bart , mit dem er sehr groß tut , denn er zieht ihn alle Augenblick durch die Finger . Wir nennen ihn den Blonden , er hat braunes Haar , er hat aber ein so blondsonnig Gesicht , das mit seinen roten Backen so freundlich durch den Morgennebel lacht , und dann hat er auch einen hellen Rock ; der Meline ihrer heißt der Braune , der ist ganz blond , aber er hat einen braunen Rock , dieser trägt eine blaue Mütze mit einer Quaste , die ihm auf der Nase herumspielt , er sitzt gelassen auf der Mauer und sieht zu , wenn die andern sich mit Schneeballen werfen , ringen , übereinander wegspringen , dazu ringelt er sich seine blonden strahlenden Phöbuslocken über die Finger ; ich beneid ihn oft der Meline und wollt ihn mit einem Ansehnlichen aus meinem Regiment umtauschen , aber sie will ihn nur gegen meinen General , den Blonden , herausgeben , das will ich nicht . Früh ist ' s im Hof wie im Elysium , der dichte Nebel von der Morgensonne angestrahlt , in dem die Gestalten sich bewegen , die allerlei miteinander hantieren . Wenn ' s Kolleg aus ist , sehen wir sie wieder abziehen , da ist ihr Übermut noch größer . Ach , hätt ich doch so ein Regiment , da wollt ich Dir schon antworten auf Deinen Brief mit Deinen unsinnigen Anklagen über den Napoleon . - Betet und ihr werdet erhört werden . Ich bete ohne Unterlaß , daß mir doch Flügel wachsen , ich wollt über die Scharen wegfliegen und ihm in die Zügel fallen . Ach Günderode , Deine fatale Idee , als habe ich eine närrische Ehrfurcht vor dem Napoleon , peinigt mich , das Roß des Übermuts tobt unter ihm , es setzt in wildem Feuer über Abgründe und durchfliegt in stolzem Selbstgefühl die Eb ' ne , um über neue zu setzen , dahin eilt er , an den Zeiten vorüber , die umgewandelt sich nicht mehr erkennen . Die Menschen schlafen ohne Ahnung vom Erwachen , aber unter seinem brausenden Huf reißen sie plötzlich die Augen auf , und seine Glorie blendet sie , daß sie sich selber nicht begreifen , ihr dumpfer Schlaf geht in Taumel über , sie umjauchzen ihn im Gefühl ihrer Trunkenheit . In mir ist ' s wunderlich . Vor Menschen versink ich in mir selbst , vor denen fühl ich mich nicht , nur wenn ich , durch den ersten Schlaf in der Nacht abgetrennt von allem , wieder erwache , dann stellen sich große ungeheure Fragen vor meine Gedanken , es sind Fragen in mein Gewissen , vor dem ich verstummen muß . - Tugenden ! - Was sind die ? - Denk ich doch an die letzte Zeit mit den Emigranten bei der Großmama , es ging alles durcheinander , es war , als ob das Unglück vor der Tür geschehen sei mit dem Tod des Enghiens , was für bittere Tränen vergoß der alte Choiseul mit dem Ducailas und dem Maupertuis , wie rangen sie die Hände und riefen zu Gott um diesen jammervollen Tod , meinst Du , das habe mir nicht einen tieferen Eindruck gemacht als alles glorreiche Durchbrausen der Welt ? - Meinst Du , ich könne je dem Unrechterliegenden mich lossagen und auch nur in Gedanken übergehen zu dem Unrecht , das vor der Welt Recht behält , ich fühle , es liegt größere Freiheit darin , mit dem Unterdrückten die Ketten tragen und schmählich vergehen , als mit dem Unterdrücker sein Los teilen . Was ist mir Talent , das seine Bahn bezeichnet mit Friedensbruch , mit Meuchelmord ? - Ich würde selbst solche Bahn durchfliegen wollen ? Ja gewiß ! - Ich möchte hoch bauen , daß keiner mir nahen könnt , er müßte denn fliegen , aber nicht wie ein Raubvogel , der die Göttin Fortuna zerfleischt , um sich satt an ihr zu fressen und sie dann als Aas liegen läßt ; - aber durch heiligen Friedensschluß , nicht durch Verrat an ihm ; durch Schutz der Kindlichen , nicht durch ihren Mord ; durch freie , heilige , unantastbare Posaunenstimme der Wahrheit , nicht , daß ich ihr die Kehle zudrücke ! - Dein Scherz erzürnt mich , ich wollte mir Gelassenheit erschreiben , aber ich muß durchglühen . - Der da ! - Eine schwindelnde Eingebildheit , ohne Scham , ohne Gefühl ? - Den Gekrönte und Ungekrönte wie Frösche umhüpfen , der von allen Schwächen hin und her gezerrt , seine Abkunft verleugnet , sich um ein paar silberne Sterne im Wappen streitet , alle Franzosen wahnsinnig macht , der vergiftet , erdrosselt , erschießt , seiner Brüder Familienbande zerreißt , für den der Taumel des Volks sich erhält , weil ihm alle Frechheiten glücklich ablaufen , und dann meinst Du , » ich fühle eine Neigung zu diesem Treiben ! « - » Mein aufgeregt Gefühl gehe mit mir durch , « - Du sagst alles im Scherz , es kränkt mich doch - aber der Scherz kommt nicht aus Dir . - Du scherzest wie ein tauigter Zweig , der mich anspritzt , wie das Morgenlüftchen , das mich neckt , aber nicht mit brandigen Hadern mich andampft . - So viel prophetische Gabe kannst Du mir zutrauen , daß es mir ahnend im Geist liegt , diese Strohflamme , so gewaltig sie um sich griff , so schneller wird sie verflackern ; bald wird alles in Asche versunken sein , - und Du machst mir ' s zum Vorwurf , daß ich mit des Ostertags schlechter Übersetzung mich so lang geplackt hab , - weil ich wolle die großen Kaiserrollen studieren ? Freilich hab ich diese zwölf Kaiser mit Interesse studiert und hab gefunden , was ich vorher hätte sagen können , daß alle Tyrannen arglistige kleinliche Naturen waren , sie gaben Befehle , wo ihre Bitten genügt hätten , der Fortgang ihrer Macht entwickelt sich aus des Pöbels Eitelkeit , überall war so viel Knechtsinn für Hofpracht , so viel Wahnsinn , die Seele diesem Götzen zu verschreiben , und wie denn alles Narrheit wird , so ergoß sich alles in die Quelle der Hoffart , - das ist ' s , was ich in diesen zwölf Kaisern studierte , aber ich suchte nicht nach Ähnlichkeiten seiner Größe , sondern danach , ob nicht alle Tyrannen niederträchtig sind wie er ? - Ob nicht alle einen Toussaint Louverture vergiftet , einen Pichegru erdrosselt und Enghiens erschossen haben , ob nicht alle durch Hofetikette das Halfter der Sklaverei auch ihren nächsten Freunden umwarfen ? - Ob irgendeiner einen freien Atemzug um sich dulden konnte ? Und ob diese Sklaven nicht bloß ihr Joch duldeten , um wieder die geringeren unterdrücken zu können ; und siehe , bis auf den kleinsten Zug ist es immer wieder derselbe ungerechte eigennützige Heuchler , immer dasselbe Ungeheuer der Mittelmäßigkeit ; kein Trieb zum wahren Geist , keine Sehnsucht , die Weisheit als Ägide seiner Handlungen aufzustellen , keinen Verstand von dem Pflanzenboden der Künste und Wissenschaft , noch wie der Mensch sich erzieht ; sogar gegen alles Selbstgefühl ohne innere Zucht fährt er mit ungesitteten Spottreden heraus , und da schreit alles , er hat einen Stern ! - Ach , er kann nicht ewig leuchten , und da wird alles mit erlöschen . Schreib nicht mehr so ungefüg , sonst kriegst Du ungefüge Briefe ; ich ärgere mich über alles , was ich so schreib , weil ' s ist , als ob ich einen Prozeß mit Deiner gesunden Vernunft führe , und allen Zeitungswitz und Emigrantenpolitik zusammenhielt , um recht gegen Dich zu behalten . Jetzt muß ich auf die alte Wart , es ist Neumond , ich muß sehen , wie er seine stumme verzauberte Silberwelt anstrahlt . Die Meline schläft schon , ich steig zum Schlafzimmerfenster hinaus auf den Berg . - Heut war Speisemahl bei Savigny , da erzählten die Professoren von der Spitzbubenbande , die schon mehrmals eingebrochen hat in unserer Nachbarschaft , die Spitzbuben könnten sich da oben auf der Wart verstecken , - ich fürcht mich , aber grad weil ich mich fürcht , so muß ich hinauf . - Die Menschen fürchten sich auch vor der Unsterblichkeit . Am Sonntag Ich bin gestern noch droben gewesen ; beim Aufsteigen große Angst vor nichts , oben himmlische große Befreiungsluft , - Stille - allumfassende , - tief schlummernd alles umher . - Ruhe und Freiheit winkten alle Sterne ! - So einsam , so sicher ! - So muß einem sein , der das Leben abgeschüttelt hat , - unterwegs schreckten mich ein Kohlstrunk und ein krummer Ast , ich wußt , daß es nichts war , und fürchtete mich doch . So weiß der innerliche Mensch , daß alle Furcht nichtig ist , er muß das Reich der Einbildung durchkämpfen zur Wahrheit , die kann nicht fürchterlich sein , weil sie lebendig ist und frei und auch nur das Lebendige und Freie berührt , nicht den gebundnen Geist , der alles fürchtet , weil er es nicht faßt . Erkenntnis hebt jede Gegenmacht auf . Ich will Dir sagen , wie es ist beim Sterben , ich hab ' s auf der alten Warte gelernt . - Unten mit schwebender Angst hinauf geklettert , - die innerliche Wahrheitsstimme half mir die Einbildung , die so frech selbst mit Erscheinungen mich bedrängte , bezwingen , ein paarmal zagte ich zwischen Erd und Himmel auf der morschen Leiter , aber die Luft hauchte schon herab , so erhob ich mich plötzlich , und von allen Seiten atmete mich Freiheit an , so grad ist ' s beim Sterben ; je weniger das Leben Licht erstritten hat , Geist geworden ist , je mehr scheut es den Geist , je mehr drängt sich am Lebensende die Einbildung ihm auf und beschränkt den Lichtkreis des Lebendigen , der Wahrheit . Der Mensch ist Sklave der Einbildung , die ihm sein Inneres leugnet , aber die göttliche Wahrheit haucht schon in den dunklen baufälligen Turm zu ihm nieder , daß er die morschgewordne Leiter , die zur Freiheit führt , mit doppelter Kühnheit erschwingt , und unmöglich kann diese im finstern Turm mit dem Aufschwung ins Freie fortdauern , denn sie war Einbildung . - Man könnt vielleicht das , was ich vom Sterben sag , gering achten , weil ' s so einfältig ist und so fabelmäßig und vielleicht schon oft gesagt , ja es war mir selbst nichts Neues , aber doch ist ' s was anders , weil ich ' s erlebt hab und nicht bloß mit den äußeren Sinnen erfaßt , der freie Sternenhimmel hat mich ' s gelehrt , und ich war so vergnügt da bei der Sterbelektion , und ich werd noch mehr lernen da oben . Am Dienstag Heut hab ich Dir was Lustiges zu erzählen , es war Studentenkomödie , und wir waren drin , unter dem Schutz von einer großen Begleitung ; das Stück war eine Selbsterfindung der Studenten , worin drei Duelle vorkamen von Schuß , Stich und Hieb ; wie der Schuß vorkam , war der Meline schon nicht wohl zumut , wie der Stich vorkam , ward uns grün und blau vor den Augen , wie aber der Hieb kam , gab ' s ein Lärm und Gepolter , und man sprang übers Orchester hinüber , über die Öllampen weg hinauf aufs Theater , die Öllampen gingen zum Teil aus , und aus der bisherigen Dämmerung entwickelte sich Finsternis , unsre Begleitung umstellte uns auf den Bänken und hielt uns in ihrer Mitte , um uns vor jedem Unfall zu schützen , bis wir wagen konnten , aus dieser Konfusion und dem Ölqualm herauszukommen , und auf freier Straße wieder Luft schöpften , die Verwirrung war daher entstanden , daß der Pedell dem Rektor , der inmitten des Saals auf einem Ehrensessel zusah , steckte , das Duell mit dem Hieber sei ein wirkliches , er wollte es erlauscht haben , auch sah es sehr gefährlich aus in ihrer Studentenarmatur ; der Rektor hielt für seine Pflicht , in grader Linie auf dies Wagnis loszuschreiten , er bahnte sich einen Weg durch die Mitte des Orchesters , wo die Baßgeige angelehnt war , vor dem Rektor umfiel und einen schauerlichen Ton von sich gab , die Gesellschaft schreckte auf , der Dekan und wie die hohen Universitätschargen alle heißen , drängten sich über alle Hindernisse weg ihrem Rektor nach , wo denn den Pauken und Baß noch mancher unwillkürliche Ton entlockt wurde . - Viel lautes Hin- und Herreden unter den Damen , die bald das Unglück verhüten , bald es nicht mit ansehen wollten , viel Gelächter unter den Studenten , die ihre Freude an der Verwirrung hatten , am interessantesten war die Szene auf dem Theater ; der Rektor mit Beistand uns en face ganz feierlich ; ein Student , der eine Dame vorgestellt mit langer Schleppe und schon früher beim Stichduell die Hälfte davon verloren hatte , wendete jetzt , wahrscheinlich aus Mutwill , dem Publikum den Rücken , man sah große Kanonenstiefel , einen Hieber an der Seite , der die halbe Schleppe trug , und einen großen Florschleier , der den Rücken hinabwallte und mit jeder Bewegung bald die paar Lampen zu erlöschen , bald sich zu entzünden drohte , so daß mehrere Stimmen riefen , der Schleier brennt . - Es war bald ausgemacht , alles sei nur blinder Lärm gewesen , indessen konnte das Stück nicht weiter spielen , die Lampen waren aus und die Honoratioren fort , eine Masse Straßengesindel hatte sich der Bänke bemächtigt , um zu sehen , was es gab . Am andern Tag hörten wir von unserm Professor Weiß den Ausgang der Tragikomödie ; es sei in dubio geblieben , ob wirklich ein ernstlich Duell habe sein sollen , die Studenten haben es geleugnet , der Pedell aber beschworen , daß er ihre Unterredung auf dem Gang mit angehört habe , und daß der eine , der die Dame vorstellte , der eine Sekundant und mein getreuer Hauptmann der andre sein sollen , und daß sie vor der Tür ihre Klingen gemessen , und daß er gehört habe , auf wieviel Gänge und wie sie ihre Halsbinden , ihre Stürmer und ihre Faustbinden besichtigt hätten . Die Studenten blieben dabei , sie hätten nur ihre Rollen repetiert und das habe alles sollen auf dem Theater vorgestellt werden ; es war nichts zu machen , man mußte sie laufen lassen , sie gaben dem Rektor ihr Ehrenwort , keine Händel anzufangen , hielten noch einen Kommers und jubelten bis spät in die Nacht . - Der Gang des Stücks hatte noch kein Licht auf seinen Inhalt geworfen , die eigentliche Pointe des Ereignisses war , daß sie die mangelnde Katastrophe desselben ersetzen wollten , und daher in Gegenwart des Pedells , den sie nicht zu bemerken schienen und der sich hinter einen Schrank versteckt hatte , die ganze Geschichte ihm weismachten ; sie hatten ihm schon früher Argwohn beigebracht und ließen so die ganze Versammlung mitspielen , die sich dabei auch höchlich amüsiert hatte , und gewiß hat sich jung und alt noch eine Weile von allem Komischen zu erzählen , was dabei vorfiel . Der Professor Weiß war entzückt über seine lieben Studenten , er sagte , man muß selbst Student gewesen sein , um ihnen nachzufühlen , welch Gaudium es ist , wenn so was gelingt , er blieb bei uns sitzen , wir erlaubten ihm sein Pfeifchen zu rauchen , und er erzählte uns aus seinen Studentenjahren nichts wie dummes Zeug , was uns die Zeit sehr anmutig vertrieb . - Heut morgen , als die Studenten ins Kolleg kamen , konnten wir deutlich bemerken , daß sie noch ganz entzückt davon waren , das Lachen war heut ihr einzig Exerzitium , und wir beiden wie zwei unsichtbare Schutzgöttinnen hinter den gefrornen Fenstern freuten uns der heiteren Laune unserer Lieblinge . Bettine An die Bettine Wenn Du recht behalten willst , so hast Du gewiß recht , ich will auch nicht noch einmal wiederholen , daß ich scherzte , denn dies ist ja grade doppelte Sünde , weil der ganze Scherz sich nicht zwischen uns beiden eignet , Du kannst es von mir am wenigsten ertragen , daß ich falsch in die Saiten greife , - es war ein Erdenscherz und kein luftiger leichter , und es war noch dazu ein Notanker , ich war verwirrt geworden durch das Reisen hin und her vom Rhein zum Neckar und dann zum alten Haushalt ; da ist mir so manches verronnen , was mir lieb und leid ist , der Winter hat mich auch doppelt hier betroffen . Clemens hat mir geschrieben . Wie ein böser Traum sind mir manche bitteren und trüben Erinnerungen von ihm vorübergegangen , sein Brief hat mich betrübt , weil er mir die verworrnen Schmerzen seines Gemüts deutlich und doch wieder dunkel darstellt , auch wenn ich ihn nie gesehen hätte , würde mich dieser kalte Lebensüberdruß tief und schmerzlich bewegen . - Er stellt sich so an den Rand der Jugend , als habe sie ihn ausgestoßen , wie mich das schmerzt , wollt er es doch anders sein lassen , lieber die vergangne Zeit zurückrufen und fortleben ewig frisch , jung und träumerisch , wie er es gewiß könnte ; es wird und muß wieder so mit ihm werden , und Du mußt ihm jetzt recht anhänglich schreiben , Dein freieres Bewegen , wo Du sonst so von ihm abzuhängen schienst , wird ihm wohl auch ungewohnt und empfindlich sein ; Du kannst es nicht ändern , aber ersetze es ihm , Du schriebst ja immer nur kurze Briefe an ihn , aber schreib doch öfter . - Sein Beifall an meinen Gedichten erfreut mich , und mehr wird es keiner . Er schreibt , Savigny habe die Nachricht aus Paris , daß eine Übersetzung dort vom Tian gemacht sei , ihm mitgeteilt , frag ihn doch und schreib mir etwas Näheres darüber . Dem Molitor hab ich Deine Ansichten über die Erziehungen lesen lassen , es freute ihn und verspricht Dich nicht mehr zu stören , das ist mir lieb , denn wenn auch Deine Argumente , womit Du das Philistertum bestürmst , keinen Bodensatz haben und unleugbar aus der Luft gegriffen sind , so ist mir doch lieber zu lesen , wie Du unmittelbar mit den Elementen verkehrst , als wenn Du Deinen Sinn im Widerspruch auf irgendein gegebenes Bestehendes anwendest . Deine Wahrheiten streifen wohl den inneren Sinn der Menschen ; sie möchten Dir recht geben , aber was ist ' s damit ? - Bis einmal das Morgenlicht der Poesie in jeder Brust den Geist weckt , da wird wohl manches verstanden und doch muß es wieder versinken ; drum ist es mir lieber , Du selbst erschaffst Dich , bist Dir Lehrer und Schüler zugleich , weil es da was fruchtet und Deine Lehren einen so gründlichen tiefen Eingang in Dich haben . - Hast Du Dich doch gegen die Philosophie gesperrt , und Deine Natur spricht sie doch so ganz persönlich aus , als Geist und Seele und Leib . Ich will damit Dich nicht auf Dich selbst zurückführen , es ist eine Bemerkung , die ich im Spiegel mache , und Du kannst ja gleich davonfliegen und den Spiegel leer lassen , auch gibt meine Bemerkung Dir recht ; denn wenn Deine organische Natur ganz Philosophie ist , so wird sie sich nicht in der Anschauung erst erwerben sollen . - Sie wird einen Jugendleib haben , der mit einem anderen Frühling zusammentrifft , und ein anderes Verständnis haben mit dem Geistigen der Welt . - Um so mehr deucht es mir Mißgriff , wenn Du mit dem Wirklichen Dich begegnest und ihm Deinen Geist anmessen magst . Ich suche in der Poesie wie in einem Spiegel mich zu sammeln , mich selber zu schauen und durch mich durchzugehen in eine höhere Welt , und dazu sind meine Poesien die Versuche . Mir scheinen die großen Erscheinungen der Menschheit alle denselben Zweck zu haben , mit diesen möcht ich mich berühren , in Gemeinschaft mit ihnen treten und in ihrer Mitte unter ihrem Einfluß dieselbe Bahn wandeln , stets vorwärts schreiten mit dem Gefühl der Selbsterhebung , mit dem Zweck der Vereinfachung und des tieferen Erkennens und Eingehens auf die Übung dieser Kunst , so daß wie äußerlich vielleicht die hohen Kunstwerke der Griechen als vollkommne göttliche Eingebung galten und auf die Menge als solche zurückstrahlten und von den Meistern auch in diesem Sinn mit dieser Konzentration aller geistigen Kräfte gebildet wurden , so sammelt sich meine Tätigkeit in meiner Seele ; sie fühlt ihren Ursprung , ihr Ideal , sie will sich selbst nicht verlassen , sie will sich da hinüberbilden . Du