und brachte ihrer schwächeren Natur nur jenes Opfer schmerzlicher Tränen , die dem Auge , das den Geliebten tausend Gefahren preisgegeben sieht , unwillkürlich entströmen . » Siehe , ich kann nicht glauben , daß du auf immer von mir gehst « , sagte sie , indem sie ihre schönen Züge zu einem Lächeln zwang ; » wir haben jetzt erst zu leben begonnen , der Himmel kann nicht wollen , daß wir schon Aufhören sollen . Drum kann ich dich ruhig ziehen lassen , ich weiß ja zuversichtlich , daß du mir wiederkehrst . « Georg küßte die schönen , weinenden Augen , die ihn so mild und voll Trost anblickten . Er dachte in diesem Augenblick nicht an die Gefahr , der er entgegengehe , nicht an die Möglichkeit , daß vielleicht schon das nächste Morgenrot seine Leiche bescheinen werde ; er dachte nur daran , wie groß für das teure Wesen , das er in den Armen hielt , der Schmerz sein müßte , wenn er nicht mehr zurückkehrte : wie sie dann ein langes Leben einsam , nur in der Erinnerung an die wenigen Tage des Glückes , fortleben könnte . Er preßte sie heftiger in die Arme , als wolle er dadurch diese schwarzen Gedanken verscheuchen , seine Blicke tauchten tiefer in ihre Augen herab , um dort Vergessenheit zu suchen , und es gelang ihm , wenigstens trug er ein schönes Bild der Hoffnung und der Zuversicht mit sich hinweg . Die Ritter stießen vor dem Tor gegen Cannstatt zu dem Herzog . Es war dunkle Nacht , das erste Viertel des Mondes und das Heer der Sterne warfen einen matten Schein herab ; Georg glaubte zu bemerken , daß der Herzog finster und in sich gekehrt sei , denn seine Augen waren niedergeschlagen , seine Stirne kraus , und er ritt stumm seinen Weg weiter , nachdem er sie flüchtig mit der Hand gegrüßt hatte . Ein nächtlicher Marsch hat immer etwas Geheimnisvolles , Bedeutendes an sich . Die Sonne , heitere Gegenden , der Anblick vieler Kameraden , der Wechsel der Aussichten locken bei Tag den Soldaten zum Gespräch , wohl auch zum Gesang . Weil die Eindrücke von außen stärker sind , denkt man weniger nach über das Ziel des Marsches , über das Ungewisse des Krieges , über die Zukunft , die niemand dunkler verhängt ist , als dem Kriegsmann im Felde . Ganz anders auf dem Marsch in der Nacht . Man hört nur das Gedröhn des Zuges , den taktartigen Hufschlag der Rosse , ihr Schnauben , das Klirren der Waffen ; und die Seele , die durch das Auge keine Bilder mehr empfängt , wird durch dieses eintönige Gemurmel ernster ; Scherz und Gelächter sind verstummt , das laute Gespräch sinkt zum Geflüster herab , und auch dieses gilt nicht mehr gleichgültigen Gegenständen , sondern der Entscheidung , welcher man entgegenzieht . So war auch der Zug in jener Nacht , ernst und von keinem Laut der Freude unterbrochen . Georg ritt neben dem alten Herrn von Lichtenstein , und warf hie und da ängstliche Blicke auf diesen , denn er hing wie von Kummer gebückt im Sattel , und schien ernster als je zu sein . Er hätte beinahe ohne Leben geschienen , wenn nicht hin und wieder ein Seufzer aus seiner Brust heraufgestiegen wäre , und seine glänzenden Augen nach den Wölkchen schauten , die um die bleiche Sichel des Mondes zogen . » Glaubt Ihr , es werde morgen zum Gefecht kommen , Vater ? « flüsterte Georg nach einer Weile . » Zum Gefecht ? zur Schlacht . « » Wie ? Ihr glaubt also , das Bundesheer sei so stark , daß es uns jetzt schon werde die Spitze bieten können ? Es ist nicht möglich . Herzog Wilhelm müßte Flügel haben , wenn er seine Bayern herabgeführt hätte , und Frondsberg ist in seinen Entschlüssen bedächtig . Ich glaube nicht , daß sie viel über sechstausend stark sind . « » Zwanzigtausend « , antwortete der Alte mit dumpfer Stimme . » Bei Gott , das hab ich nicht gedacht « , entgegnete der junge Mann mit Staunen . » Freilich , da werden sie uns hart zusetzen . Doch wir haben geübtes Volk , und des Herzogs Augen sind schärfer als irgendeines im Bundesheere , selbst als Frondsbergs . Glaubt Ihr nicht auch , daß wir sie schlagen werden ? « » Nein . « » Nun , ich gebe die Hoffnung nicht auf . Ein großer Vorteil für uns liegt schon darin , daß wir für das Land fechten , die Bündischen aber dagegen ; das macht unseren Truppen Mut ; die Württemberger kämpfen für ihr Vaterland . « » Gerade darauf traue ich nicht « , sprach Lichtenstein ; » ja wenn der Herzog sich anders hätte huldigen lassen , so aber - hat er das Landvolk nicht für sich ; sie streiten , weil sie müssen und ich fürchte , sie halten nicht lange aus . « » Das wäre freilich schlimm « , erwiderte Georg ; » doch die Schwaben sind ein biederes , ehrliches Volk , sie werden den Herzog nicht in der Not verlassen ! Wo glaubt Ihr , daß wir dem Feind begegnen ? wo werden wir uns stellen ? « » Zwischen Eßlingen und Cannstatt , bei Untertürkheim haben die Landsknechte einige Schanzen aufgeworfen , und stehen dort zu dritthalbtausend Mann ; wir werden uns noch in dieser Nacht an sie anschließen . « Der Alte schwieg und sie ritten wieder eine geraume Zeit stille nebeneinander hin . » Höre Georg ! « hub er nach einer Weile an ; » ich habe schon oft dem Tod Aug in Auge gesehen , und bin alt genug mich nicht vor ihm zu fürchten ; es kann jedem etwas Menschliches begegnen - tröste dann mein liebes Kind , Marie . « » Vater ! « rief Georg , und reichte ihm die Hand hinüber , » denket nicht solches ! Ihr werdet noch lange und glücklich mit uns leben . « » Vielleicht « , entgegnete der alte Mann mit fester Stimme , » vielleicht auch nicht . Es wäre töricht von mir , dich aufzufordern , du sollst dich im Gefecht schonen . Du würdest es doch nicht tun . Doch bitte ich , denk an dein junges Weib , und begib dich nicht blindlings und unüberlegt in Gefahr . Versprich mir dies . « » Gut , hier habt Ihr meine Hand ; was ich tun muß , werde ich nicht ablehnen ; leichtsinnig will ich mich nicht aussetzen ; aber auch Ihr , Vater , könntet dies geloben . « » Schon gut , laß das jetzt ; wenn ich etwa morgen totgeschossen werden sollte , so gilt mein letzter Wille , den ich beim Herzog niedergelegt habe ; Lichtenstein geht auf dich über , du wirst damit belehnt werden . Mein Name stirbt hierzuland mit mir , möge der deinige desto länger tönen . « Der junge Mann war von diesen Reden schmerzlich bewegt ; er wollte antworten , als eine bekannte Stimme seinen Namen rief . Es war der Herzog , der nach ihm verlangte . Er drückte Mariens Vater die Hand und ritt dann schnell zu Ulerich von Württemberg . » Guten Morgen , Sturmfeder ! « sprach dieser , indem seine Stirne sich etwas aufheiterte ; » ich sag guten Morgen , denn die Hähne krähen dort unten in dem Dorf . Was macht dein Weib ? hat sie gejammert als du wegrittst ? « » Sie hat geweint « , antwortete Georg ; » aber sie hat nicht mit einem Wort geklagt . « » Das sieht ihr gleich ; bei Sankt Hubertus , Wir haben selten eine mutigere Frau gesehen . Wenn nur die Nacht nicht so finster wäre , daß ich recht in deine Augen sehen könnte , ob du zum Kampf gestimmt bist und Lust hast , mit den Bündlern anzubinden ? « » Sprecht , wohin ich reiten soll ; mitten drauf soll es gehen im Galopp . Glauben Euer Durchlaucht , ich habe in meinem kurzen Ehestand so ganz vergessen , was ich von Euch erlernte , daß man in Glück und Unglück den Mut nicht sinken lassen dürfe ? « » Hast recht ; impavidum ferient ruinae ; Wir haben es auch gar nicht anders von Unserem getreuen Bannerträger erwartet . Heute trägt meine Fahne ein anderer , denn dich habe ich zu etwas Wichtigerem bestimmt . Du nimmst diese hundertundsechzig Reiter , die hier zunächst ziehen , läßt dir von einem den Weg zeigen , und reitest Trab gerade auf Untertürkheim zu . Es ist möglich , daß der Weg nicht ganz frei ist , daß vielleicht die von Eßlingen schon herabgezogen sind , uns den Paß zu versperren ; was willst du tun , wenn es sich so verhält ? « » Nun , ich werfe mich in Gottes Namen mit meinen hundertundsechzig Pferden auf sie und hau mich durch , wenn es kein Heer ist . Sind sie zu stark , so decke ich den Weg bis Ihr mit dem Zug heran seid . « » Recht gut gesagt , gesprochen wie ein tapferer Degen , und haust du so gut auf sie wie auf mich bei Lichtenstein , so schlägst du dich durch sechshundert Bündler durch . Die Leute , die ich dir gebe , sind gut . Es sind die Fleischer , Sattler und Waffenschmiede von Stuttgart und den anderen Städten . Ich kenne sie aus manchem Kampf , sie sind wacker , und hauen einen Schädel bis aufs Brustbein durch . Das Schwert in der Faust , reiten sie dir in die Hölle , wenn sie dir einmal zugetan sind , und wen sie einmal ans Hirn getroffen haben , der braucht keinen Arzt mehr auf dieser Welt . Das sind die echten Schwabenstreiche . « » Und bei Untertürkheim soll ich mich aufstellen ? « » Dort triffst du auf einer Anhöhe die Landsknechte unter Georg von Hewen und Schweinsberg . Die Losung is Ulericus für immer . Den beiden Herren sagst du , sie sollen sich halten bis fünf Uhr , ehe der Tag aufgeht , sei ich mit sechstausend Mann bei ihnen , und dann wollen wir den Bund erwarten . Gehab dich wohl , Georg . « Der junge Mann erwiderte den Gruß , indem er sich ehrerbietig neigte ; er ritt an der Spitze der tapfern Reiter , und trabte mit ihnen das Tal hinauf . Es waren kräftige Gestalten , mit breiten Schultern und starken Armen , unter den Sturmhauben hervor blickten ihn mutige Augen und breite ehrliche Gesichter freundlich an ; er fühlte sich ehrenvoll ausgezeichnet eine solche Schar zu führen . Bald ging jetzt der Weg bergan , man näherte sich dem Fuß des Rothenberges , auf dessen Gipfel das Stammschloß von Württemberg weit über das schöne Neckartal hinsah . Es war vom Sternenschimmer matt erhellt , und Georg konnte seine Formen nicht deutlich unterscheiden , aber dennoch blickte er immer wieder nach diesen Türmen und Mauern hinauf ; er erinnerte sich jener Nacht , wo Ulerich in der Höhle mit Wehmut von der Burg seiner Väter sprach , von welcher er sonst auf ein schönes Land voll Obst , Wein und Frucht hinabgeschaut , und dies alles sein genannt hatte . Er versank in Gedanken über das unglückliche Schicksal dieses Fürsten , das ihm aufs neue den Besitz des schönen Landes streitig zu machen schien ; er dachte nach über die sonderbare Mischung seines Charakters , wie hier wahrhafte Größe oft durch Zorn , Trotz und unbeugsamen Stolz entweiht sei . » Was Ihr dort unten unterscheiden könnet zwischen den beiden Bäumen « , unterbrach ihn der Reiter , welcher ihm den Weg zeigte , » ist die Turmspitze von Untertürkheim . Es geht jetzt wieder etwas ebener , und wenn wir Trab reiten , können wir bald dort sein . « Der junge Mann trieb sein Pferd an , der ganze Zug folgte seinem Beispiel , und bald waren sie im Angesicht dieses Dorfes . Hier war eine doppelte Linie von Landsknechten aufgestellt , welche ihnen drohend die Hellebarden entgegenstreckten . An vielen Punkten sah man den rötlichen Schimmer glühender Lunden , die wie Scheinwürmchen durch die Nacht funkelten . » Halt , wer da ? « rief eine tiefe Stimme aus ihren Reihen . » Gebt die Losung ! « » Ulericus für immer « , rief Georg von Sturmfeder . » Wer seid Ihr ? « » Gut Freund ! « rief Marx Stumpf von Schweinsberg , indem er aus den Reihen der Landsknechte heraus , und auf den jungen Mann zuritt . » Guten Morgen , Georg ; Ihr habt lange auf Euch warten lassen , schon die ganze Nacht sind wir auf den Beinen , und harren sehnlich auf Verstärkung , denn dort drüben im Wald sieht es nicht geheuer aus , und wenn Frondsberg den Vorteil verstanden hätte , wären wir schon längst übermannt . « » Der Herzog zieht mit sechstausend Mann heran « , erwiderte Sturmfeder . » Längstens in zwei Stunden muß er da sein . « » Sechstausend , sagst du ? bei Sankt Nepomuk , das ist nicht genug ; wir sind zu dritthalbtausend , das macht zusammen gegen neuntausend ; weißt du , daß sie über zwanzigtausend stark sind , die Bündischen ? Wie viel Geschütz bringt er mit ? « » Ich weiß nicht ; es wurde erst nachgeführt als wir ausritten . « » Komm , laß die Reiter absitzen und ruhen « , sagte Marx Stumpf ; » sie werden heute Arbeit genug bekommen . « Die Reiten saßen ab und lagerten sich ; auch die Landsknechte lösten ihre Reihen auf und stellten nur starke Posten auf den Anhöhen und am Neckar auf . Marx Stumpf besichtigte alle Anstalten , und Georg legte sich in seinen Mantel gehüllt , nieder , um noch einige Stunden zu ruhen . Die Stille der Nacht , nur durch den eintönigen Ruf der Wachen unterbrochen , senkte ihn bald in einen Schlummer , der seine Seele weit hinweg über Krieg und Schlachten , in die Arme seines Weibes entführte . IX In schwarzen Pulverdämpfen Verbirgt sich Mann und Roß ; Ihr schlagt euch immer kecker Bergunter alle zumal ; Jetzt sprengt ihr durch den Necker , Jetzt fechtet ihr im Tal . G. Schwab Georg erwachte am Wirbeln der Trommeln , die das kleine Heer unter die Waden riefen . Ein schmaler Saum war am Horizont helle , der Morgen kam , die Truppen des Herzogs sah man in der Ferne daherziehen . Der junge Mann setzte den Helm auf , ließ sich den Brustharnisch wieder anlegen und stieg zu Pferd , den Herzog an der Spitze seiner Mannschaft zu empfangen . Aus Ulerichs Zügen war zwar nicht der Ernst , wohl aber alle Düsterkeit verschwunden . Sein Auge sprühte von einem kriegerischen Feuer , und aus seinen Mienen sprach Mut und Entschlossenheit . Er war ganz in Stahl gekleidet , und trug über seinem schweren Eisenkleid einen grünen Mantel mit Gold verbrämt . Die Farben seines Hauses wehten in seinem großen wallenden Helmbusch . Sonst unterschied er sich in nichts von den übrigen Rittern und Edeln , die ebenfalls in blankes Eisen » bis an die Zähne « gekleidet , den Herzog in einem großen Kreis umgaben . Er begrüßte freundlich Hewen , Schweinsberg und Georg von Sturmfeder , und ließ sich von ihnen über die Stellung des Feindes berichten.44 Noch war von diesem nichts zu sehen ; nur an dem Saum des Waldes gegen Eßlingen hin , sah man hin und wieder seine Posten stehen . Der Herzog beschloß den Hügel , den die Landsknechte besetzt gehalten hatten , zu verlassen , und sich in die Ebene hinabzuziehen . Er hatte wenig Reiterei , der Bund aber , so berichteten Überläufer , zählte dreitausend Pferde . Im Tal hatte er auf einer Seite den Neckar , auf der andern einen Wald , und so war er wenigstens auf den Flanken vor einem Reiterangriff sicher . Lichtenstein und mehrere andere widerrieten zwar diese Stellung im Tal , weil man vom Hügel zu nahe beschossen werden könne ; doch Ulerich folgte seinem Sinn und ließ das Heer hinabsteigen . Er stellte zunächst vor Türkheim die Schlachtordnung auf und erwartete seinen Feind . Georg von Sturmfeder wurde beordert , in seiner Nähe mit den Reitern , die er ihm anvertraut hatte , zu halten ; sie sollten gleichsam seine Leibwache bilden ; zu diesen berittenen Bürgern gesellten sich noch Lichtenstein und vierundzwanzig andere Ritter , um bei einem Reiterangriff den Stoß zu verstärken . In jenen Tagen war ein Treffen oft in viele kleine Zweikämpfe zerstreut , die Ritter , die einem Heere folgten , fochten selten in geschlossenen Massen , sondern suchten mit schnellem Blicke einen Gegner unter den Reihen des Feindes , den sie dann mit Schwert und Lanze bekämpften . Eine solche Schar war es , die bei Georgs Reiterhaufen stand , und den Herzog selbst gelüstete es , seine ungeheure Kraft , seine weitberühmte Fertigkeit in einem solchen Zweikampf zu erproben , und nur die inständigen Bitten der Ritter hielten ihn ab , diese romantische Idee auszuführen . Neben dem Herzog hielt eine sonderbare Figur , beinahe wie eine Schildkröte , die zu Pferd sitzt , anzusehen . Ein Helm mit großen Federn saß auf einem kleinen Körper , der auf dem Rücken mit einem gewölbten Panzer versehen war ; der kleine Reiter hatte die Kniee weit heraufgezogen , und hielt sich fest am Sattelknopf . Das herabgeschlagene Visier verhinderte Georg zu erkennen , wer dieser lächerliche Kämpfer sei ; er ritt daher näher an den Herzog heran und sagte : » Wahrhaftig , Euer Durchlaucht haben sich da einen überaus mächtigen Kämpen zum Begleiter ausersehen . Sehet nur die dürren Beine , die zitternden Arme , den mächtigen Helm zwischen den kleinen Schultern - wer ist denn dieser Riese ? « » Kennst du den Höcker so schlecht ? « fragte der Herzog lachend . » Sieh nur , er hat einen ganz absonderlichen Panzer an , der wie eine große Nußschale anzusehen , um seinen teuren Rücken zu verwahren , wenn es etwa zur Flucht käme . Es ist mein getreuer Kanzler , Ambrosius Volland ! « » Bei der heiligen Jungfrau ! dem habe ich bitter unrecht getan « , entgegnete Georg ; » ich dachte er werde nie ein Schwert ziehen und ein Roß besteigen , und da sitzt er auf einem Tier so hoch wie ein Elefant , und trägt ein Schwert so groß als er selbst ist . Diesen kriegerischen Geist hätte ich ihm nimmer zugetraut . « » Meinst du , er reite aus eigenem Entschluß zu Felde ? Nein ich habe ihn mit Gewalt dazu genötigt . Er hat mir zu manchem geraten , was mir nicht frommte , und ich fürchte er hat mich mit böslicher Absicht aufs Eis geführt ; drum mag er auch die Suppe mit verzehren , die er eingebrockt hat . Er hat geweint , wie ich ihn dazu zwang ; er sprach viel vom Zipperlein und von seiner Natur , die nicht kriegerisch sei ; aber ich ließ ihn in seinen Harnisch schnüren und zu Pferd heben , er reitet den feurigsten Renner aus meinem Stall ! « Während dies der Herzog sprach , schlug der Ritter vom Höcker das Visier auf , und zeigte ein bleiches , kummervolles Gesicht . Das ewig stehende Lächeln war verschwunden , seine stechenden Äuglein waren groß und starr geworden , und drehten sich langsam und schüchtern nach der Seite ; der Angstschweiß stand ihm auf der Stirne und seine Stimme war zum zitternden Flüstern geworden : » Um Gottes Barmherzigkeit willen , wertgeschätzter Herr von Sturmfeder , viellieber Freund und Gönner , leget ein gutes Wort ein , beim gestrengen Herrn , daß er mich aus diesem Fastnachtsspiel entläßt . Es ist des allerhöchsten Scherzes jetzt genug . Der Ritt in den schweren Waffen hat mich grausam angegriffen , der Helm drückt mich aufs Hirn , daß meine Gedanken im Kreise tanzen , und meine Kniee sind vom Zipperlein gekrümmt ; bitte , bitte ! leget ein gutes Wort ein , für Euren demütigen Knecht , Ambrosius Volland ; will ' s gewißlich vergelten . « Der junge Mann wandte sich mit Abscheu von dem grauen feigen Sünder . » Herr Herzog « , sagte er , indem ein edler Zorn seine Wangen rötete ; » vergönnt ihm , daß er sich entferne . Die Ritter haben ihre Schwerter gelüftet und die Helme fester in die Stirne gerückt , das Volk schüttelt die Speere und erwartet mutig das Zeichen zum Angriff , warum soll ein Feigling in den Reihen von Männern streiten ? « » Er bleibt , sag ich « , entgegnete der Herzog mit fester Stimme » bei dem ersten Schritt rückwärts hau ich ihn selbst vom Gaul herunter . Der Teufel saß auf deinen blauen Lippen , Ambrosius Volland , als du Uns geraten , Unser Volk zu verachten und das Alte umzustoßen . Heute , wenn die Kugeln sausen und die Schwerter rasseln , magst du schauen , ob dein Rat Uns frommte . « Des Kanzlers Augen glühten vor Wut , seine Lippen zitterten , und seine Mienen verzerrten sich greulich . » Ich habe Euch nur geraten ; warum habt Ihr es getan ? « sagte er , » Ihr seid Herzog , Ihr habt befohlen und Euch huldigen lassen ; was kann denn ich dafür ? « Der Herzog riß sein Pferd so schnell um , daß der Kanzler bis auf die Mähnen seines Elefanten niedertauchte , als erwarte er den Todesstreich . » Bei Unserer fürstlichen Ehre « , rief er mit schrecklicher Stimme , indem seine Augen blitzten , » Wir bewundern Unsere eigene Langmut . Du hast Unsern ersten Zorn benützt , du hast dich in Unser Vertrauen einzuschwatzen gewußt ; hätten Wir dir nicht gefolgt , du Schlange , so stünden heute zwanzigtausend Württemberger hier , und ihre Herzen wären eine feste Mauer für ihren Fürsten . Oh , mein Württemberg ! mein Württemberg ! daß ich deinem Rat gefolgt wäre , alter Freund ; ja , es heißt was , von seinem Volk geliebt zu sein ! « » Entfernet diese Gedanken vor einer Schlacht « , sagte der alte Herr von Lichtenstein , » noch ist es Zeit , das Versäumte einzuholen . Noch stehen sechstausend Württemberger um Euch , und bei Gott , sie werden mit Euch siegen , wenn Ihr mit Vertrauen sie in den Feind führet . O Herr ! hier sind lauter Freunde , vergebet Euren Feinden , entlaßt den Kanzler , der nicht fechten kann ! « » Nein ! her zu mir , Schildkröte ! an meine Seite her , Hund von einem Schreiber ! wie er zu Rosse sitzt , als hätte ihn unser Herrgott hinaufgeschneit , den Schneemann ! Du hast mein Volk verachtet in deiner Kanzlei , und ihnen Gesetze gegeben mit deiner Schwanenfeder , jetzt sollst du sehen wie sie streiten ; jetzt sollst du sehen wie Württemberg siegt oder - untergeht . Ha ! seht ihr sie dort auf dem Hügel ? seht ihr die Fahnen mit dem roten Kreuz ? seht ihr das Banner von Bayern ? wie ihre Waffen blitzen im Morgenrot , wie ihre Glieder von tausend Lanzen starren , wie der Wind in ihren Helmbüschen spielt . - Guten Tag ihr Herren vom Schwabenbund ! jetzt geht mir das Herz auf ; das ist ein Anblick für einen Württemberg . « » Schaut ! sie richten schon die Geschütze « , unterbrach ihn Lichtenstein ; » zurück von diesem Platz , Herr ! hier ist Euer Leben in augenscheinlicher Gefahr ; zurück , zurück , wir halten hier ; schickt uns Eure Befehle von dort zu , wo Ihr sicher seid . « Der Herzog sah ihn groß an : » Wo hast du gehört « , sagte er , » daß ein Württemberg gewichen sei , wenn der Feind zum Angriff blasen ließ ? meine Ahnen kannten keine Furcht , und meine Enkel werden noch aushalten wie sie , furchtlos und treu ! Sieh wie der Berg sich dunkler und dunkler füllt von ihren Scharen . Siehst du jene weißen Wolken am Berg , Schildkröte ? hörst du sie krachen ? das ist der Donner der Geschütze , der in unsere Reihen schlägt ; jetzt wenn du ein gutes Gewissen hast , wirst du leichter Atem holen , denn um dein Leben gibt dir keiner einen Pfennig . « » Lasset uns beten « , sagte Marx von Schweinsberg , » und dann drauf in Gottes Namen . « Der Herzog faltete andächtig die Hände , seine Begleiter folgten seinem Beispiel und beteten zum Anfang der Schlacht , wie es Sitte war in den alten Tagen . Der Donner der feindlichen Geschütze tönte schauerlich in diese tiefe Stille , in welcher man jeden Atemzug , jedes leise Flüstern der Betenden hörte . Auch der Kanzler faltete die Hände , aber seine Augen richteten sich nicht gläubig auf zum Himmel , sie irrten zagend an den Bergen umher , und das Beben seines Körpers , sooft Blitz und Rauch aus den Feldstücken des Feindes fuhr , zeigte , daß seine Seele nicht zu dem sich aufzuschwingen vermöge , der aus den Strahlen seiner Morgensonne über Freunde und Feinde herabblickte . Ulerich von Württemberg hatte gebetet , und zog sein Schwert aus der Scheide ; die Ritter und Reisigen folgten ihm , und in einem Augenblick blitzten tausend Schwerter um ihn her . » Die Landsknechte sind schon im Gefecht « , sagte er , indem sein Adlerauge schnell das Tal überschaute ; » Georg von Hewen ! Ihr rückt ihnen mit tausend zu Fuß nach . Schweinsberg lehne sich mit achthundert an den Wald , und warte bis auf weiteres . Reinhardt von Gemmingen ! wollet mit den Eurigen geradeaus ziehen , und den mittleren Raum zwischen dem Wald und dem Neckar einnehmen . Sturmfeder , du bleibst mit deiner Abteilung Reitern ; doch bist du jeden Augenblick bereit , vorzubrechen . Gott befohlen , ihr Herren ; sollten wir uns hier unten nicht wiedersehen , so grüßen wir uns desto freudiger oben . « Er grüßte sie , indem er sein großes Schwert gegen sie neigte . Die Ritter erwiderten den Gruß und zogen mit ihren Scharen dem Feinde zu , und ein tausendstimmiges » Ulerich für immer ! « ertönte aus ihren Reihen . Das bündische Heer , das auf dem Hügel , den die Herzoglichen früher besetzt gehalten hatten , angekommen war , begrüßte seinen Feind aus vielen Feldschlangen und Kartaunen ; dann zogen sie sich allmählich herab ins Tal ; sie schienen durch ihre ungeheure Anzahl das kleine Heer des Herzogs erdrücken zu wollen . In dem Augenblick , als die letzten Glieder den Hügel verlassen wollten , wandte sich der Herzog zu Georg von Sturmfeder . » Siehst du ihre Feldstücke auf dem Hügel ? « fragte er . » Wohl ; sie sind nur durch wenige Mannschaft bedeckt . « » Frondsberg glaubt , weil wir nicht über ihn wegfliegen können , sei es unmöglich sein Geschütz zu nehmen . Aber dort am Wald biegt ein Weg links ein , und führt in ein Feld . Das Feld stößt an jenen Hügel . Kannst du mit deinen Reitern ungehindert bis in jenes Feld vordringen , so bist du beinahe schon im Rücken der Bündischen . Dort läßt du die Pferde verschnauben , legst dann an , und im Galopp den Hügel hinauf , die Geschütze müssen unser sein ! « Georg verbeugte sich zum Abschied , aber der Herzog bot ihm die Hand . » Lebe wohl , lieber Junge ! « sagte er ; » es ist hart von Uns einen jungen Ehemann auf so gefährliche Reise zu schicken , aber Wir wußten keinen Rascheren und Besseren als dich . « Die Wangen des jungen Mannes glühten , als er diese Worte hörte , und seine Augen blinkten mutig . » Ich danke Euch , Herr , für diesen neuen Beweis Eurer Gnade « , rief er , » Ihr belohnt mich schöner , als wenn Ihr mir die schönste Burg geschenkt hättet . - Lebet wohl , Vater , und grüßt mein Weibchen . « » So ist ' s nicht gemeint ! « entgegnete lächelnd der alte Lichtenstein ; » ich reite mit dir unter deiner Führung - « » Nein , Ihr bleibet bei mir , alter Freund « , bat der Herzog , » soll mir denn der Kanzler hier im Felde raten ? Da könnte ich so übel fahren wie mit seinen anderen Ratschlüssen . Bleibet mir zur Seite ; machet den Abschied kurz , Alter ! Euer Sohn muß weiter . « Der Alte drückte Georgs Hand ; lächelnd und mit freudigem Mute erwiderte dieser den Abschiedsgruß , schwenkte mit seinen Reitern ab , und » Ulerich für immer ! « riefen die Stuttgarter Bürger zu Pferd , welche er in dieser entscheidenden Stunde gegen den Feind führte . Georg betrachtete , als er an dem Waldsaum hinritt , sinnend die Schlacht . Die Württemberger hatten eine gute Stellung , denn der Wald und der Neckar deckte sie , und ihre Flügel und das Zentrum waren stark genug , um auch einen mächtigen Stoß von Reiterei auszuhalten . Er konnte sich aber nicht verhehlen , daß wenn sie sich aus dieser Stellung herauslocken lassen , müssen sie alle diese Vorteile verlieren , weil sie dann entweder zwischen dem Wald und dem linken Flügel einen bedeutenden Zwischenraum lassen , oder um diesen auszufüllen , ihre Schlachtlinie so weit ausdehnen müßten