Tag und Nacht zu reisen gewohnt war , so geschah es , daß ich oft im Finstern fuhr und es in meinem Wagen , wenn die Laternen zufällig ausgingen , ganz dunkel war . Einmal bei so finsterer Nacht war ich eingeschlafen , und als ich erwachte , sah ich den Schein eines Lichtes an der Decke meines Wagens . Ich beobachtete denselben und fand , daß er aus dem Kästchen hervorbrach , das einen Riß zu haben schien , eben als wäre es durch die heiße und trockene Witterung der eingetretenen Sommerzeit gesprungen . Meine Gedanken an die Juwelen wurden wieder rege , ich vermutete , daß ein Karfunkel im Kästchen liege , und wünschte darüber Gewißheit zu haben . Ich rückte mich , so gut ich konnte , zurecht , so daß ich mit dem Auge unmittelbar den Riß berührte . Aber wie groß war mein Erstaunen , als ich in ein von Lichtern wohl erhelltes , mit viel Geschmack , ja Kostbarkeit möbliertes Zimmer hineinsah , gerade so als hätte ich durch die Öffnung eines Gewölbes in einen königlichen Saal hinabgesehn . Zwar konnte ich nur einen Teil des Raums beobachten , der mich auf das übrige schließen ließ . Ein Kaminfeuer schien zu brennen , neben welchem ein Lehnsessel stand . Ich hielt den Atem an mich und fuhr fort zu beobachten . Indem kam von der andern Seite des Saals ein Frauenzimmer mit einem Buch in den Händen , die ich sogleich für meine Frau erkannte , obschon ihr Bild nach dem allerkleinsten Maßstabe zusammengezogen war . Die Schöne setzte sich in den Sessel ans Kamin , um zu lesen , legte die Brände mit der niedlichsten Feuerzange zurecht , wobei ich deutlich bemerken konnte , das allerliebste kleine Wesen sei ebenfalls guter Hoffnung . Nun fand ich mich aber genötigt , meine unbequeme Stellung einigermaßen zu verrücken , und bald darauf , als ich wieder hineinsehen und mich überzeugen wollte , daß es kein Traum gewesen , war das Licht verschwunden , und ich blickte in eine leere Finsternis . Wie erstaunt , ja erschrocken ich war , läßt sich begreifen . Ich machte mir tausend Gedanken über diese Entdeckung und konnte doch eigentlich nichts denken . Darüber schlief ich ein , und als ich erwachte , glaubte ich eben nur geträumt zu haben ; doch fühlte ich mich von meiner Schönen einigermaßen entfremdet , und indem ich das Kästchen nur desto sorgfältiger trug , wußte ich nicht , ob ich ihre Wiedererscheinung in völliger Menschengröße wünschen oder fürchten sollte . Nach einiger Zeit trat denn wirklich meine Schöne gegen Abend in weißem Kleide herein , und da es eben im Zimmer dämmerte , so kam sie mir länger vor , als ich sie sonst zu sehen gewohnt war , und ich erinnerte mich , gehört zu haben , daß alle vom Geschlecht der Nixen und Gnomen bei einbrechender Nacht an Länge gar merklich zunähmen . Sie flog wie gewöhnlich in meine Arme , aber ich konnte sie nicht recht frohmütig an meine beklemmte Brust drücken . » Mein Liebster « , sagte sie , » ich fühle nun wohl an deinem Empfang , was ich leider schon weiß . Du hast mich in der Zwischenzeit gesehn ; du bist von dem Zustand unterrichtet , in dem ich mich zu gewissen Zeiten befinde dein Glück und das meinige ist hiedurch unterbrochen , ja es steht auf dem Punkte , ganz vernichtet zu werden . Ich muß dich verlassen und weiß nicht , ob ich dich jemals wiedersehen werde . « Ihre Gegenwart , die Anmut , mit der sie sprach , entfernte sogleich fast jede Erinnerung jenes Gesichtes , das mir schon bisher nur als ein Traum vorgeschwebt hatte . Ich umfing sie mit Lebhaftigkeit , überzeugte sie von meiner Leidenschaft , versicherte ihr meine Unschuld , erzählte ihr das Zufällige der Entdeckung , genug , ich tat so viel , daß sie selbst beruhigt schien und mich zu beruhigen suchte . » Prüfe dich genau « , sagte sie , » ob diese Entdeckung deiner Liebe nicht geschadet habe , ob du vergessen kannst , daß ich in zweierlei Gestalten mich neben dir befinde , ob die Verringerung meines Wesens nicht auch deine Neigung vermindern werde . « Ich sah sie an ; schöner war sie als jemals , und ich dachte bei mir selbst : » Ist es denn ein so großes Unglück , eine Frau zu besitzen , die von Zeit zu Zeit eine Zwergin wird , so daß man sie im Kästchen herumtragen kann ? Wäre es nicht viel schlimmer , wenn sie zur Riesin würde und ihren Mann in den Kasten steckte ? « Meine Heiterkeit war zurückgekehrt . Ich hätte sie um alles in der Welt nicht fahren lassen . - » Bestes Herz « , versetzte ich , » laß uns bleiben und sein , wie wir gewesen sind . Könnten wir ' s beide denn herrlicher finden ! Bediene dich deiner Bequemlichkeit , und ich verspreche dir , das Kästchen nur desto sorgfältiger zu tragen . Wie sollte das Niedlichste , was ich in meinem Leben gesehn , einen schlimmen Eindruck auf mich machen ? Wie glücklich würden die Liebhaber sein , wenn sie solche Miniaturbilder besitzen könnten ! Und am Ende war es auch nur ein solches Bild , eine kleine Taschenspielerei . Du prüfst und neckst mich ; du sollst aber sehen , wie ich mich halten werde . « » Die Sache ist ernsthafter , als du denkst « , sagte die Schöne ; » indessen bin ich recht wohl zufrieden , daß du sie leicht nimmst : denn für uns beide kann noch immer die heiterste Folge werden . Ich will dir vertrauen und von meiner Seite das Mögliche tun , nur versprich mir , dieser Entdeckung niemals vorwurfsweise zu gedenken . Dazu füg ' ich noch eine Bitte recht inständig : nimm dich vor Wein und Zorn mehr als jemals in acht . « Ich versprach , was sie begehrte , ich hätte zu und immer zu versprochen ; doch sie wendete selbst das Gespräch , und alles war im vorigen Gleise . Wir hatten nicht Ursache , den Ort unseres Aufenthaltes zu verändern ; die Stadt war groß , die Gesellschaft vielfach , die Jahreszeit veranlaßte manches Land- und Gartenfest . Bei allen solchen Freuden war meine Frau sehr gern gesehen , ja von Männern und Frauen lebhaft verlangt . Ein gutes , einschmeichelndes Betragen , mit einer gewissen Hoheit verknüpft , machte sie jedermann lieb und ehrenwert . Überdies spielte sie herrlich die Laute und sang dazu , und alle geselligen Nächte mußten durch ihr Talent gekrönt werden . Ich will nur gestehen , daß ich mir aus der Musik niemals viel habe machen können , ja sie hatte vielmehr auf mich eine unangenehme Wirkung . Meine Schöne , die mir das bald abgemerkt hatte , suchte mich daher niemals , wenn wir allein waren , auf diese Weise zu unterhalten ; dagegen schien sie sich in Gesellschaft zu entschädigen , wo sie denn gewöhnlich eine Menge Bewunderer fand . Und nun , warum sollte ich es leugnen , unsere letzte Unterredung , ungeachtet meines besten Willens , war doch nicht vermögend gewesen , die Sache ganz bei mir abzutun ; vielmehr hatte sich meine Empfindungsweise gar seltsam gestimmt , ohne daß ich es mir vollkommen bewußt gewesen wäre . Da brach eines Abends in großer Gesellschaft der verhaltene Unmut los , und mir entsprang daraus der allergrößte Nachteil . Wenn ich es jetzt recht bedenke , so liebte ich nach jener unglücklichen Entdeckung meine Schönheit viel weniger , und nun ward ich eifersüchtig auf sie , was mir vorher gar nicht eingefallen war . Abends bei Tafel , wo wir schräg gegen einander über in ziemlicher Entfernung saßen , befand ich mich sehr wohl mit meinen beiden Nachbarinnen , ein paar Frauenzimmern , die mir seit einiger Zeit reizend geschienen hatten . Unter Scherz- und Liebesreden sparte man des Weines nicht , indessen von der andern Seite ein paar Musikfreunde sich meiner Frau bemächtigt hatten und die Gesellschaft zu Gesängen , einzelnen und chormäßigen , aufzumuntern und anzuführen wußten . Darüber fiel ich in böse Laune ; die beiden Kunstliebhaber schienen zudringlich ; der Gesang machte mich ärgerlich , und als man gar von mir auch eine Solostrophe begehrte , so wurde ich wirklich aufgebracht , leerte den Becher und setzte ihn sehr unsanft nieder . Durch die Anmut meiner Nachbarinnen fühlte ich mich sogleich zwar wieder gemildert , aber es ist eine böse Sache um den Ärger , wenn er einmal auf dem Wege ist . Er kochte heimlich fort , obgleich alles mich hätte sollen zur Freude , zur Nachgiebigkeit stimmen . Im Gegenteil wurde ich nur noch tückischer , als man eine Laute brachte und meine Schöne ihren Gesang zur Bewunderung aller übrigen begleitete . Unglücklicherweise erbat man sich eine allgemeine Stille . Also auch schwatzen sollte ich nicht mehr , und die Töne taten mir in den Zähnen weh . War es nun ein Wunder daß endlich der kleinste Funke die Mine zündete ? Eben hatte die Sängerin ein Lied unter dem größten Beifall geendigt , als sie nach mir , und wahrlich recht liebevoll , herübersah . Leider drangen die Blicke nicht bei mir ein . Sie bemerkte , daß ich einen Becher Wein hinunterschlang und einen neu anfüllte . Mit dem rechten Zeigefinger winkte sie mir lieblich drohend . » Bedenken Sie , daß es Wein ist ! « sagte sie , nicht lauter , als daß ich es hören konnte . - » Wasser ist für die Nixen ! « rief ich aus . - » Meine Damen « , sagte sie zu meinen Nachbarinnen , » kränzen Sie den Becher mit aller Anmut , daß er nicht zu oft leer werde . « - » Sie werden sich doch nicht meistern lassen ! « zischelte mir die eine ins Ohr . - » Was will der Zwerg ? « rief ich aus , mich heftiger gebärdend , wodurch ich den Becher umstieß . - » Hier ist viel verschüttet ! « rief die Wunderschöne , tat einen Griff in die Saiten , als wolle sie die Aufmerksamkeit der Gesellschaft aus dieser Störung wieder auf sich heranziehen . Es gelang ihr wirklich , um so mehr , als sie aufstand , aber nur , als wenn sie sich das Spiel bequemer machen wollte , und zu präludieren fortfuhr . Als ich den roten Wein über das Tischtuch fließen sah , kam ich wieder zu mir selbst . Ich erkannte den großen Fehler , den ich begangen hatte , und war recht innerlich zerknirscht . Zum erstenmal sprach die Musik mich an . Die erste Strophe , die sie sang , war ein freundlicher Abschied an die Gesellschaft , wie sie sich noch zusammen fühlen konnte . Bei der folgenden Strophe floß die Sozietät gleichsam auseinander , jeder fühlte sich einzeln , abgesondert , niemand glaubte sich mehr gegenwärtig . Aber was soll ich denn von der letzten Strophe sagen ? Sie war allein an mich gerichtet , die Stimme der gekränkten Liebe , die von Unmut und Übermut Abschied nimmt . Stumm führte ich sie nach Hause und erwartete mir nichts Gutes . Doch kaum waren wir in unserm Zimmer angelangt , als sie sich höchst freundlich und anmutig , ja sogar schalkhaft erwies und mich zum glücklichsten aller Menschen machte . Des andern Morgens sagte ich ganz getrost und liebevoll : » Du hast so manchmal , durch gute Gesellschaft aufgefordert , gesungen , so zum Beispiel gestern abend das rührende Abschiedslied ; singe nun auch einmal mir zuliebe ein hübsches , fröhliches Willkommen in dieser Morgenstunde , damit es uns werde , als wenn wir uns zum erstenmal kennen lernten . « » Das vermag ich nicht , mein Freund « , versetzte sie mit Ernst . » Das Lied von gestern abend bezog sich auf unsere Scheidung , die nun sogleich vor sich gehen muß : denn ich kann dir nur sagen , die Beleidigung gegen Versprechen und Schwur hat für uns beide die schlimmsten Folgen ; du verscherzest ein großes Glück , und auch ich muß meinen liebsten Wünschen entsagen . « Als ich nun hierauf in sie drang und bat , sie möchte sich näher erklären , versetzte sie : » Das kann ich leider wohl , denn es ist doch um mein Bleiben bei dir getan . Vernimm also , was ich dir lieber bis in die spätesten Zeiten verborgen hätte . Die Gestalt , in der du mich im Kästchen erblicktest ist mir wirklich angeboren und natürlich ; denn ich bin aus dem Stamm des Königs Eckwald , des mächtigen Fürsten der Zwerge , von dem die wahrhafte Geschichte so vieles meldet . Unser Volk ist noch immer wie vor alters tätig und geschäftig und auch daher leicht zu regieren . Du mußt dir aber nicht vorstellen , daß die Zwerge in ihren Arbeiten zurückgeblieben sind . Sonst waren Schwerter , die den Feind verfolgten , wenn man sie ihm nachwarf , unsichtbar und geheimnisvoll bindende Ketten , undurchdringliche Schilder und dergleichen ihre berühmtesten Arbeiten . Jetzt aber beschäftigen sie sich hauptsächlich mit Sachen der Bequemlichkeit und des Putzes und übertreffen darin alle andern Völker der Erde . Du würdest erstaunen , wenn du unsere Werkstätten und Warenlager hindurchgehen solltest . Dies wäre nun alles gut , wenn nicht bei der ganzen Nation überhaupt , vorzüglich aber bei der königlichen Familie , ein besonderer Umstand einträte . « Da sie einen Augenblick innehielt , ersuchte ich sie um fernere Eröffnung dieser wundersamen Geheimnisse , worin sie mir denn auch sogleich willfahrte . » Es ist bekannt « , sagte sie , » daß Gott , sobald er die Welt erschaffen hatte , so daß alles Erdreich trocken war und das Gebirg mächtig und herrlich dastand , daß Gott , sage ich , sogleich vor allen Dingen die Zwerglein erschuf , damit auch vernünftige Wesen wären , welche seine Wunder im Innern der Erde auf Gängen und Klüften anstaunen und verehren könnten . Ferner ist bekannt , daß dieses kleine Geschlecht sich nachmals erhoben und sich die Herrschaft der Erde anzumaßen gedacht , weshalb denn Gott die Drachen erschaffen , um das Gezwerge ins Gebirg zurückzudrängen . Weil aber die Drachen sich in den großen Höhlen und Spalten selbst einzunisten und dort zu wohnen pflegten , auch viele derselben Feuer spieen und manch anderes Wüste begingen , so wurde dadurch den Zwerglein gar große Not und Kummer bereitet , dergestalt , daß sie nicht mehr wußten , wo aus noch ein , und sich daher zu Gott dem Herrn gar demütiglich und flehentlich wendeten , auch ihn im Gebet anriefen , er möchte doch dieses unsaubere Drachenvolk wieder vertilgen . Ob er nun aber gleich nach seiner Weisheit sein Geschöpf zu zerstören nicht beschließen mochte , so ging ihm doch der armen Zwerglein große Not dermaßen zu Herzen , daß er alsobald die Riesen erschuf , welche die Drachen bekämpfen und , wo nicht ausrotten , doch wenigstens vermindern sollten . Als nun aber die Riesen so ziemlich mit den Drachen fertig geworden , stieg ihnen gleichfalls der Mut und Dünkel , weswegen sie gar manches Frevele , besonders auch gegen die guten Zwerglein , verübten , welche denn abermals in ihrer Not sich zu dem Herrn wandten , der sodann aus seiner Machtgewalt die Ritter schuf , welche die Riesen und Drachen bekämpfen und mit den Zwerglein in guter Eintracht leben sollten . Damit war denn das Schöpfungswerk von dieser Seite beschlossen , und es findet sich , daß nachher Riesen und Drachen sowie die Ritter und Zwerge immer zusammengehalten haben . Daraus kannst du nun ersehen , mein Freund , daß wir von dem ältesten Geschlecht der Welt sind , welches uns zwar zu Ehren gereicht , doch aber auch großen Nachteil mit sich führt . Da nämlich auf der Welt nichts ewig bestehen kann , sondern alles , was einmal groß gewesen , klein werden und abnehmen muß , so sind auch wir in dem Falle , daß wir seit Erschaffung der Welt immer abnehmen und kleiner werden , vor allen andern aber die königliche Familie , welche wegen ihres reinen Blutes diesem Schicksal am ersten unterworfen ist . Deshalb haben unsere weisen Meister schon vor vielen Jahren den Ausweg erdacht , daß von Zeit zu Zeit eine Prinzessin aus dem königlichen Hause heraus ins Land gesendet werde , um sich mit einem ehrsamen Ritter zu vermählen , damit das Zwergengeschlecht wieder angefrischt und vom gänzlichen Verfall gerettet sei . « Indessen meine Schöne diese Worte ganz treuherzig vor brachte , sah ich sie bedenklich an , weil es schien , als ob sie Lust habe , mir etwas aufzubinden . Was ihre niedliche Herkunft betraf , daran hatte ich weiter keinen Zweifel ; aber daß sie mich anstatt eines Ritters ergriffen hatte , das machte mir einiges Mißtrauen , indem ich mich denn doch zu wohl kannte , als daß ich hätte glauben sollen , meine Vorfahren seien von Gott unmittelbar erschaffen worden . Ich verbarg Verwunderung und Zweifel und fragte sie freundlich : » Aber sage mir , mein liebes Kind , wie kommst du zu dieser großen und ansehnlichen Gestalt ? denn ich kenne wenig Frauen , die sich dir an prächtiger Bildung vergleichen können . « - » Das sollst du erfahren « , versetzte meine Schöne . » Es ist von jeher im Rat der Zwergenkönige hergebracht , daß man sich so lange als möglich vor jedem außerordentlichen Schritt in acht nehme , welches ich denn auch ganz natürlich und billig finde . Man hätte vielleicht noch lange gezaudert , eine Prinzessin wieder einmal in das Land zu senden , wenn nicht mein nachgeborner Bruder so klein ausgefallen wäre , daß ihn die Wärterinnen sogar aus den Windeln verloren haben und man nicht weiß , wo er hingekommen ist . Bei diesem in den Jahrbüchern des Zwergenreichs ganz unerhörten Falle versammelte man die Weisen , und kurz und gut , der Entschluß ward gefaßt , mich auf die Freite zu schicken . « » Der Entschluß ! « rief ich aus ; » das ist wohl alles schön und gut . Man kann sich entschließen , man kann etwas beschließen ; aber einem Zwerglein diese Göttergestalt zu geben , wie haben eure Weisen dies zustande gebracht ? « » Es war auch schon « , sagte sie , » von unsern Ahnherren vorgesehen . In dem königlichen Schatze lag ein ungeheurer goldner Fingerring . Ich spreche jetzt von ihm , wie er mir vorkam , da er mir , als einem Kinde , ehemals an seinem Orte gezeigt wurde : denn es ist derselbe , den ich hier am Finger habe ; und nun ging man folgendergestalt zu Werke . Man unterrichtete mich von allem , was bevorstehe , und belehrte mich , was ich zu tun und zu lassen habe . Ein köstlicher Palast , nach dem Muster des liebsten Sommeraufenthalts meiner Eltern , wurde verfertigt : ein Hauptgebäude , Seitenflügel und was man nur wünschen kann . Er stand am Eingang einer großen Felskluft und verzierte sie aufs beste . An dem bestimmten Tage zog der Hof dorthin und meine Eltern mit mir . Die Armee paradierte , und vierundzwanzig Priester trugen auf einer köstlichen Bahre , nicht ohne Beschwerlichkeit , den wundervollen Ring . Er ward an die Schwelle des Gebäudes gelegt , gleich innerhalb , wo man über sie hinübertritt . Manche Zeremonien wurden begangen , und nach einem herzlichen Abschiede schritt ich zum Werke . Ich trat hinzu , legte die Hand an den Ring und fing sogleich merklich zu wachsen an . In wenig Augenblicken war ich zu meiner gegenwärtigen Größe gelangt , worauf ich den Ring sogleich an den Finger steckte . Nun im Nu verschlossen sich Fenster , Türen und Tore , die Seitenflügel zogen sich ins Hauptgebäude zurück , statt des Palastes stand ein Kästchen neben mir , das ich sogleich aufhob und mit mir forttrug , nicht ohne ein angenehmes Gefühl , so groß und so stark zu sein , zwar immer noch ein Zwerg gegen Bäume und Berge , gegen Ströme wie gegen Landstrecken , aber doch immer schon ein Riese gegen Gras und Kräuter , besonders aber gegen die Ameisen , mit denen wir Zwerge nicht immer in gutem Verhältnis stehen und deswegen oft gewaltig von ihnen geplagt werden . Wie es mir auf meiner Wallfahrt erging , ehe ich dich fand , davon hätte ich viel zu erzählen . Genug , ich prüfte manchen , aber niemand als du schien mir wert , den Stamm des herrlichen Eckwald zu erneuern und zu verewigen . « Bei allen diesen Erzählungen wackelte mir mitunter der Kopf , ohne daß ich ihn gerade geschüttelt hätte . Ich tat verschiedene Fragen , worauf ich aber keine sonderlichen Antworten erhielt , vielmehr zu meiner größten Betrübnis erfuhr , daß sie nach dem , was begegnet , notwendig zu ihren Eltern zurückkehren müsse . Sie hoffe zwar , wieder zu mir zu kommen , doch jetzt habe sie sich unvermeidlich zu stellen , weil sonst für sie so wie für mich alles verloren wäre . Die Beutel würden bald aufhören zu zahlen , und was sonst noch alles daraus entstehen könnte . Da ich hörte , daß uns das Geld ausgehen dürfte , fragte ich nicht weiter , was sonst noch geschehen möchte . Ich zuckte die Achseln , ich schwieg , und sie schien mich zu verstehen . Wir packten zusammen und setzten uns in den Wagen , das Kästchen gegen uns über , dem ich aber noch nichts von einem Palast ansehen konnte . So ging es mehrere Stationen fort . Postgeld und Trinkgeld wurden aus den Täschchen rechts und links bequem und reichlich bezahlt , bis wir endlich in eine gebirgige Gegend gelangten und kaum abgestiegen waren , als meine Schöne vorausging und ich auf ihr Geheiß mit dem Kästchen folgte . Sie führte mich auf ziemlich steilen Pfaden zu einem engen Wiesengrund , durch welchen sich eine klare Quelle bald stürzte , bald ruhig laufend schlängelte . Da zeigte sie mir eine erhöhte Fläche , hieß mich das Kästchen niedersetzen und sagte : » Lebe wohl : du findest den Weg gar leicht zurück ; gedenke mein , ich hoffe , dich wiederzusehen . « In diesem Augenblick war mir ' s , als wenn ich sie nicht verlassen könnte . Sie hatte gerade wieder ihren schönen Tag oder , wenn ihr wollt , ihre schöne Stunde . Mit einem so lieblichen Wesen allein , auf grüner Matte , zwischen Gras und Blumen , von Felsen beschränkt , von Wasser umrauscht , welches Herz wäre da wohl fühllos geblieben ! Ich wollte sie bei der Hand fassen , sie umarmen , aber sie stieß mich zurück und bedrohte mich , obwohl noch immer liebreich genug , mit großer Gefahr , wenn ich mich nicht sogleich entfernte . » Ist denn gar keine Möglichkeit « , rief ich aus , » daß ich bei dir bleibe , daß du mich bei dir behalten könntest ? « Ich begleitete diese Worte mit so jämmerlichen Gebärden und Tönen , daß sie gerührt schien und nach einigem Bedenken mir gestand , eine Fortdauer unserer Verbindung sei nicht ganz unmöglich . Wer war glücklicher als ich ! Meine Zudringlichkeit , die immer lebhafter ward , nötigte sie endlich , mit der Sprache herauszurücken und mir zu entdecken , daß , wenn ich mich entschlösse , mit ihr so klein zu werden , als ich sie schon gesehen , so könnte ich auch jetzt bei ihr bleiben , in ihre Wohnung , in ihr Reich , zu ihrer Familie mit übertreten . Dieser Vorschlag gefiel mir nicht ganz , doch konnte ich mich einmal in diesem Augenblick nicht von ihr losreißen , und ans Wunderbare seit geraumer Zeit schon gewöhnt , zu raschen Entschlüssen aufgelegt , schlug ich ein und sagte , sie möchte mit mir machen , was sie wolle . Sogleich mußte ich den kleinen Finger meiner rechten Hand ausstrecken , sie stützte den ihrigen dagegen , zog mit der linken Hand den goldnen Ring ganz leise sich ab und ließ ihn herüber an meinen Finger laufen . Kaum war dies geschehen , so fühlte ich einen gewaltigen Schmerz am Finger , der Ring zog sich zusammen und folterte mich entsetzlich . Ich tat einen gewaltigen Schrei und griff unwillkürlich um mich her nach meiner Schönen , die aber verschwunden war . Wie mir indessen zumute gewesen , dafür wüßte ich keinen Ausdruck zu finden , auch bleibt mir nichts übrig zu sagen , als daß ich mich sehr bald in kleiner , niedriger Person neben meiner Schönen in einem Walde von Grashalmen befand . Die Freude des Wiedersehens nach einer kurzen und doch so seltsamen Trennung , oder , wenn ihr wollt , einer Wiedervereinigung ohne Trennung , übersteigt alle Begriffe . Ich fiel ihr um den Hals , sie erwiderte meine Liebkosungen , und das kleine Paar fühlte sich so glücklich als das große . Mit einiger Unbequemlichkeit stiegen wir nunmehr an einem Hügel hinauf ; denn die Matte war für uns beinah ein undurchdringlicher Wald geworden . Doch gelangten wir endlich auf eine Blöße , und wie erstaunt war ich , dort eine große , geregelte Masse zu sehen , die ich doch bald für das Kästchen , in dem Zustand , wie ich es hingesetzt hatte , wieder erkennen mußte . » Gehe hin , mein Freund , und klopfe mit dem Ringe nur an , du wirst Wunder sehen « , sagte meine Geliebte . Ich trat hinzu und hatte kaum angepocht , so erlebte ich wirklich das größte Wunder . Zwei Seitenflügel bewegten sich hervor , und zugleich fielen wie Schuppen und Späne verschiedene Teile herunter , da mir denn Türen , Fenster , Säulengänge und alles , was zu einem vollständigen Palaste gehört , auf einmal zu Gesichte kamen . Wer einen künstlichen Schreibtisch von Röntgen gesehen hat , wo mit einem Zug viele Federn und Ressorts in Bewegung kommen , Pult und Schreibzeug , Brief- und Geldfächer sich auf einmal oder kurz nacheinander entwickeln , der wird sich eine Vorstellung machen können , wie sich jener Palast entfaltete , in welchen mich meine süße Begleiterin nunmehr hineinzog . In dem Hauptsaal erkannte ich sogleich das Kamin , das ich ehemals von oben gesehen , und den Sessel , worauf sie gesessen . Und als ich über mich blickte , glaubte ich wirklich noch etwas von dem Sprunge in der Kuppel zu bemerken , durch den ich hereingeschaut hatte . Ich verschone euch mit Beschreibung des übrigen ; genug , alles war geräumig , köstlich und geschmackvoll . Kaum hatte ich mich von meiner Verwunderung erholt , als ich von fern eine militärische Musik vernahm . Meine schöne Hälfte sprang vor Freuden auf und verkündigte mir mit Entzücken die Ankunft ihres Herrn Vaters . Hier traten wir unter die Türe und schauten , wie aus einer ansehnlichen Felskluft ein glänzender Zug sich bewegte . Soldaten , Bediente , Hausoffizianten und ein glänzender Hofstaat folgten hintereinander . Endlich erblickte man ein goldnes Gedränge und in demselben den König selbst . Als der ganze Zug vor dem Palast aufgestellt war , trat der König mit seiner nächsten Umgebung heran . Seine zärtliche Tochter eilte ihm entgegen , sie riß mich mit sich fort , wir warfen uns ihm zu Füßen , er hob mich sehr gnädig auf , und als ich vor ihn zu stehen kam , bemerkte ich erst , daß ich freilich in dieser kleinen Welt die ansehnlichste Statur hatte . Wir gingen zusammen nach dem Palaste , da mich der König in Gegenwart seines ganzen Hofes mit einer wohlstudierten Rede , worin er seine Überraschung , uns hier zu finden , ausdrückte , zu bewillkommnen geruhte , mich als seinen Schwiegersohn erkannte und die Trauungszeremonie auf morgen ansetzte . Wie schrecklich ward mir auf einmal zumute , als ich von Heirat reden hörte : denn ich fürchtete mich bisher davor fast mehr als vor der Musik selbst , die mir doch sonst das Verhaßteste auf Erden schien . Diejenigen , die Musik machen , pflegte ich zu sagen , stehen doch wenigstens in der Einbildung , untereinander einig zu sein und in Übereinstimmung zu wirken : denn wenn sie lange genug gestimmt und uns die Ohren mit allerlei Mißtönen zerrissen haben , so glauben sie steif und fest , die Sache sei nunmehr aufs reine gebracht und ein Instrument passe genau zum andern . Der Kapellmeister selbst ist in diesem glücklichen Wahn , und nun geht es freudig los , unterdes uns andern immerfort die Ohren gellen . Bei dem Ehestand hingegen ist dies nicht einmal der Fall : denn ob er gleich nur ein Duett ist und man doch denken sollte , zwei Stimmen , ja zwei Instrumente müßten einigermaßen überein gestimmt werden können , so trifft es doch selten zu ; denn wenn der Mann einen Ton angibt , so nimmt ihn die Frau gleich höher und der Mann wieder höher ; da geht es denn aus dem Kammerin den Chorton und immer so weiter hinauf , daß zuletzt die blasenden Instrumente selbst nicht folgen können . Und also , da mir die harmonische Musik zuwider bleibt , so ist mir noch weniger zu verdenken , daß ich die disharmonische gar nicht leiden kann . Von allen Festlichkeiten , worunter der Tag hinging , mag und kann ich nicht erzählen : denn ich achtete gar wenig darauf . Das kostbare Essen , der köstliche Wein , nichts wollte mir schmecken . Ich sann und überlegte , was ich zu tun hätte . Doch da war nicht viel auszusinnen . Ich