entgegen arbeiten könne . Während dieses Gesprächs , das mich , obwohl ich bei Weitem nicht mit Allem verstanden war , doch sehr anzog und beschäftigte , war die Sonne gesunken , wir traten aus dem Speisesaal in ' s Freie , der Mond ging hinter dem Cedernwald auf , und wir wollten Abschied nehmen . Aber unsere gütigen Wirthe ließen uns nicht so schnell von sich . Besonders drang Theophania mit einer Herzlichkeit in mich , der ich unmöglich widerstehen konnte . Wir blieben mit dem angenehmen Gefühl , mit dem man sich unter guten liebenden Menschen befindet , und mein Widerwille gegen Theophania hatte sich , ich weiß nicht wie , ganz aus meinem Herzen verloren . Wir durchwandelten die Gärten in der Kühlung des Abends und der kommenden Nacht , Gespräche , Saitenspiel und Gesang verkürzten die Stunden , auch Theophania singt und spielt , und ich kann dich versichern , mit bedeutender Fertigkeit und Anmuth . Zwei freundliche Zimmer , vor deren Fenstern Orangenbäume im Nachtwind säuselten , nahmen uns endlich auf , und ein leichter luftiger Schlummer schloß meine Augen , und hinderte jeden ernsten Rückblick auf den in so vieler Hinsicht merkwürdigen Tag . Als Aeos mit Rosenfingern erwachte , erweckte ihr röthlicher Glanz zwischen Blätterschatten um mich spielend , meine Sinne aus dem erquickenden Schlafe . Ich wagte es um meines Vaters willen nicht länger zu bleiben , so wohl es mir hier in dieser Wohnung des Friedens und der Liebe gefiel . Wir nahmen herzlichen Abschied von den edlen Bewohnern des Hauses , mußten ihnen versprechen , bald wieder zu kommen , und so langte ich denn gestern in seltsamen Gefühlen und Gedanken hier an , die mich noch nicht verlassen haben , deren Eindruck , wie ich glaube , so bald nicht aus meiner Brust verschwinden wird . Leb ' wohl ! Fußnoten 1 Stadium war ein Längenmaaß der Alten . 2 Die Alten kannten den Gebrauch der Leinwand nicht so wie wir , sie bedienten sich meistens wollener Stoffe , wozu die Wolle oft auf ihren eigenen Gütern , von ihren Heerden gezogen , dann von ihren Sclavinnen gesponnen , gewebt , und zu dem verschiedenen Gebrauch , den man davon machen wollte , bearbeitet wurde . 3 Das warme Klima in den Ländern , welche die Griechen und Römer bewohnten , machte es ihnen nothwendig , auf Schutz vor Hitze und Sonnenbrand in ihren Häusern zu sehen . Es waren also manche Gemächer , wie auch heut zu Tage in den Häusern der Morgenländer , die ihr Licht blos von oben empfingen , und in welchen ein springendes Wasser die Kühlung erhielt . 4 Die Alten goßen am Anfange der Mahlzeit ihren Göttern etwas Wein zum Opfer auf die Erde . Dies hieß die Libation . 5 Optimus Maximus , war ein gewöhnlicher Beiname des Jupiters . 84. Agathokles an Constantin . Synthium , im Aug . 303 Nicht an den Fürsten - der Genügsame bedarf dessen nicht - nicht an den Retter meines Lebens , das dem Sohne des Abendländischen Cäsars , wie dem unberühmten Sohne des Hegesipps nie Zweck , nur Mittel zu höheren Zwecken seyn kann - aber an den geliebten , ewig theuern Freund , der mich im Unwillen verlassen , und nun seit Monden mich vergessen zu haben scheint , wendet sich mein Herz noch einmal . Gegen keinen andern Sterblichen würde ich diesen Schritt thun . Bei dir bin ich sicher , daß du , wenn auch deine Liebe gestorben ist , doch Achtung für mich bewahrst , und mich nicht verkennst . Ich kann nichts von dem bereuen , was ich gethan habe , ich würde es noch einmal thun , wenn die Gelegenheit wieder einträte : aber ich fühle , daß mein Leben selbst in Theophaniens Armen ohne dich nicht vollendet ist . Das schöne Urbild vollkommenen Seeleneinklangs , das mir in den Gefilden von Carrhä erhaben und stolz vor die Seele trat , ist entflohen , wie die meisten seiner Brüder . Ein verklärtes himmlisches Gebild , ist es zum Himmel zurückgekehrt , aus dem es stammte , nachdem es meine Brust eine Weile entflammt , und manchen nicht unwürdigen Keim entwickelt hatte . So mußte es seyn , und in der Verkettung der Dinge war auch diese Läuterung nothwendig . Aber die Liebe ist zurückgeblieben , rein und warm , wie sie in meinem Herzen entsprang , als ich dich das erstemal sah . Ich schäme mich nicht , es dir zu gestehen , ich schäme mich nicht , als der erste die Hand zur Versöhnung zu bieten . Das , was bei gewöhnlichen Freundschaften das Zartgefühl von diesem Schritte abhalten könnte , deine und meine bürgerlichen Verhältnisse , kann bei uns nicht in Anschlag kommen . Für mich bist du nur Constantin , nur der , in dessen Brust ich die himmlische Flamme hell auflodern sah , an der auch mein Leben sich gern verzehrt . Ich lebe in Synthium . Wo du dich jetzt befindest , weiß ich nicht bestimmt . Ich sende diesen Brief nach Nikomedien in den kaiserlichen Palast . In acht Tagen , wo immer du dich auf einer der deinigen , oder der kaiserlichen Villa aufhältst , kann ich Nachricht haben . Kömmt mir keine , so werde ich mich bescheiden , und mit der Kraft , mit der ich schon so Manches in diesem Leben ertrug , auch dies ertragen lernen ; dich aber soll kein Wort , weder bittend noch vorwerfend , an alte Bande erinnern , die in demselben Augenblicke gegenseitig abgeworfen werden müssen , wo sie den Einen Theil zu drücken anfangen . Leb ' wohl . 85. Theophania an Junia Marcella . Synthium , im Sept . 303 . Mein Leben ist still und einfach , und mag in den Augen der Welt wohl einförmig erscheinen , aber in seinem verborgenen Schooße liegt ein Reichthum von kleinen Begebenheiten , von reger Abwechselung für das Herz , die uns die Geschichte manches Tages merkwürdig und unvergeßlich macht . Einen solchen Tag verschaffte uns neulich ein Besuch , den ich wahrlich nicht vermuthet , von dem ich mir das Angenehme nicht versprochen hätte , das er mir gewährte . Calpurnia war bei uns . Ich kann dir nicht beschreiben , wie seltsam mir zu Muthe war , als Agathokles in mein Zimmer trat , um sie mir anzukündigen . Ich fühlte , daß meine innere Bewegung sich in meinen Zügen malte ; Agathokles bemerkte es wohl , und eine innige Umarmung sollte mich beruhigen . » Empfange sie gütig , meine Geliebte ! Sie ist , trotz ihrer von uns verschiedenen Denkart , ein edles Mädchen . « Ich faßte mich schnell . Daß Agathokles es wünschte , war mir genug , und daß sie ihn geliebt , verloren , und an mich verloren hatte , stimmte mein Herz zu ihrem Vortheil . Ich fühlte , daß ich in einer Schuld gegen sie war , und daß ich ihr durch die größte Freundlichkeit und Zuvorkommung nur einen kleinen Theil derselben abtragen konnte . So empfing ich sie , und was ich um meiner selbst willen gewünscht hatte , gelang mir vollkommen . Sie ward mir gut . O gewiß , zwei Herzen , die sich so genau , so innig in ihrer Liebe für ein Drittes begegnen , denen ein gleiches Urbild von Liebenswürdigkeit vorschwebt , können unmöglich anders , als ähnlich fühlen . Wie ganz anders erschien sie mir nun damals , wie sie mich zum erstenmale sah ! Noch war sie reizend im höchsten Grade , aber dieser Reiz hatte nicht mehr den Anstrich von Leichtsinn und Flatterhaftigkeit , der mich einst so empörte . Es war ein leichter Schleier von Ernst darüber gebreitet , und manchmal glaubte ich sogar ein Wölkchen der Wehmuth in ihren schönen Augen schwimmen zu sehen . Ach wenn ich dachte , diese sanfte Trauer könnte einem verlorenen Gute gelten , das ich ihr entrissen hatte , dann schwoll mein Herz von Mitleid , und ich hätte ihr um den Hals fallen , und das anmuthige Wesen um Vergebung bitten können . Noch zwei Tage klangen die süßen Gefühle in uns nach , die Calpurniens und ihres Bruders , eines sehr edlen Jünglings , Umgang in uns geweckt hatte . Ich sah , daß Agathokles froher athmete , seit dem seinem Herzen die Versicherung ward , ein liebenswürdiges Wesen , das sich vielleicht von ihm gekränkt glauben konnte , habe diesen Wahn aufgegeben , und ihre Achtung sey ihm unverloren . Auch sein Vater fährt fort , ihn mit großer Güte und Liebe zu behandeln , er war schon zweimal bei uns , und es scheint , als ob die Natur mit ihren einfachen Freuden ihr unverjährbares Recht selbst über die allzuverfeinerten , von ihr entfremdeten Menschen ausübte . Er scheint , so wie Calpurnia , sich auf dem Lande zu gefallen ; vielleicht ist es eben um der Neuheit der Gegenstände und des scharfen Contrastes willen . Die größte , die reinste Freude war uns noch vorbehalten . Am schwersten unter allen ertrug Agathokles seine Trennung von Constantin . Ich sah deutlich , wie dieser Gedanke an seinem Herzen nagte , und seine stillsten , süßesten Freuden störte . Seine Liebe hielt diese Spannung nicht mehr länger aus , er suchte einen Anlaß , den ersten Schritt zur Versöhnung thun zu können , so sehr auch das Recht auf seiner Seite war . Es fand sich keiner , und so that er ihn denn endlich unveranlaßt , weil er liebte . Er schrieb an den Fürsten , und ich konnte wohl bemerken , wie gespannt sein ganzes Wesen auf den Erfolg dieses Briefes war . Er hatte acht Tage festgesetzt , binnen welchen er die Antwort erwarten wollte . Am Abend des Zweiten gingen wir durch thauende Gefilde von einem Spaziergange in unser Haus zurück , als plötzlich aus dem nahen Gebüsch Constantin hervorstürzte , und heftig an Agathokles Brust sank . Fest , innig , als wollten sie sich für die Ewigkeit halten , umschlangen sich die beiden Freunde , kein Laut entweihte die stille Feier dieser Scene . Endlich richtete sich Constantin auf , er wollte Etwas von Verzeihung , von Entschuldigung sagen - Agathokles legte ihm den Finger auf den Mund . » Still davon , mein Getreuer ! Laß uns das Vergangene völlig vergessen . Du liebst mich noch , du hast mich nicht aus deinem Herzen geschlossen - das ist Alles , was ich zu wissen brauche , um ganz glücklich zu seyn . « Sie umarmten sich von Neuem . Ich sah Thränen in Agathokles Augen , die untergehende Sonne hatte nie aus schöneren Tropfen wiedergestrahlt . Ich war tief bewegt , meine Hände falteten sich unwillkührlich , und ich bemerkte erst , daß ich in betender Stellung dagestanden hatte , als Agathokles zu mir trat , den Arm um mich schlang , und Constantin meine Hand mit herzlichem Drucke ergriff . In ihrer Mitte kehrte ich in die Villa zurück . Constantin blieb drei Tage bei uns , und nie habe ich meinen Agathokles so glücklich gesehen , als in diesen drei Tagen . So wächst meine Zufriedenheit mit jedem Tage , und in frohen Ahnungen sieht mein Herz noch schönern Zeiten entgegen . Dich noch einmal zu sehen , ist jetzt der einzige heftige Wunsch meiner sonst stillen beglückten Brust , und wer weiß , ob es mir nicht moglich wird , in Gesellschaft meines Agathokles den nächsten Frühling in deine Arme zu eilen ? Dann bin ich vollkommen glücklich . 86. Calpurnia an Lucius Piso . Nikomedien , im Sept . 303 . Was wird sich noch mit mir zutragen ? Wohin wird das launenhafte Schicksal mich noch führen ? Sulpicia ist todt ! Ihr trauriges freudenloses Daseyn ist geendigt . Was ich längst als gewiß voraus sah , war nun geschehen , es überraschte mich nicht - aber es schmerzte mich tief . Du weißt , wie ich sie geliebt habe , und wie sehr ich strebte , ihr Herz vor Eindrücken zu bewahren , deren zerstörende Folgen ich dunkel im Voraus ahnete . Tiridates selbst brachte die Trauerbotschaft , er ist hier . Dieser Verlust , seine Anwesenheit , sein Schmerz , die Pflicht der Freundschaft , ihn zu trösten und aufzuheitern - Alles vereinigt sich , um mich mir selbst zu entreißen , und mein Leben aus jenem behaglichen Gleichmuth zu bringen , in dem mir durch neunzehn Jahre so wohl war , den ich mir aus allen Kräften zu erhalten strebte . Agathokles war vermählt . Alle Empfindungen , die um seinetwillen mein Gemüth in irgend eine angenehme oder widrige Spannung brachten , mußten auf Befehl der Vernunft schweigen , jede lebhafte Regung zur stillen Neigung , jede schmerzliche Erinnerung zum stachellosen Andenken an einen entschwundenen Traum werden . Meine Philosophie , oder mein Leichtsinn - - nenne es wie du willst ; was liegt am Namen , wenn nur die Wirkung bleibt ? - war in diesen Bestrebungen schon ziemlich weit gekommen . Der Gedanke , daß ich ihn ohne Rückkehr durch seine eigene Wahl verloren , hob die Unruhe der Ungewißheit auf , kein Räthsel blieb zu lösen , kein Wort , keine Begegnung zu deuten . So hörte sein Bild auf , die Beschäftigung meiner einsamen Stunden zu seyn . Ich verglich mich mit Theophanien , ganz unparteiisch , Bruder , ich versichere dich , und ich fand bei aller Gerechtigkeit , die ihr mein Herz willig widerfahren ließ , daß der Mann , der mit ihr zufrieden seyn konnte , es unmöglich mit mir seyn , unmöglich auf die Dauer mich hätte glücklich machen können . So hatte ich nach und nach mein Herz , das die Vorfälle der letzten Zeit gewaltsam aufgeregt hatten , zu beschwichtigen angefangen . Es ward wieder stille in mir , und ich saß eben vor mehreren Tagen am Rahmen , um einen Schleier für Theophanien zu sticken , und ihr so alle die zarten Aufmerksamkeiten und Gefälligkeiten zu vergelten , womit sie mich überhäuft , mir die schönsten Blumen , die schönsten Früchte ihrer Villa schickt , als plötzlich die Vorhänge meines Gemachs sich rauschend theilten , und ein Mann in schimmernder orientalischer Kleidung , von einer großen Anzahl eben so glänzender Sclaven gefolgt , die im Vorsaale standen , in mein Zimmer trat . Ich sprang auf , ich erkannte den Fremden nicht sogleich . Da eilte er auf mich zu : Sie ist todt ! - rief eine schmerzliche bekannte Stimme , und ich sah mich in Tiridates Armen . Sie ist todt ! wiederholte er noch einmal , riß sich schnell los , warf sich auf das Ruhebett , verbarg das Gesicht in die Kissen , und schluchzte laut auf . Ich begriff nun , was diese plötzliche Erscheinung bedeutete . Sulpicia hatte geendet , und ihr unglücklicher Gemahl hatte nicht vermocht , an dem Orte zu bleiben , wo ihn Alles an seinen Verlust erinnerte . Mein Herz war von einer Menge schmerzlicher Empfindungen auf einmal ergriffen . Sulpiciens Tod , Tiridates Erschütterung , die Erinnerung an so manche vergangene Tage , wo ich den , der nun tief gebeugt , schluchzend , unglücklich vor mir lag , in allem Schimmer seines Standes , in königlichem Wirken , in frohem Lebensmuthe gesehen hatte , preßte meine Brust gewaltsam , und nur ein Thränenstrom machte meiner Beklemmung Luft . Als er mich weinen hörte , richtete er sich auf , und - o mein lieber Bruder , wie unwiderstehlich war er in seinem Schmerze ! Das sprühende Feuer seiner Augen brach schön gemäßigt durch einen Schleier von Thränen , die üppige Jugendfülle seiner Züge war verschwunden , seine Farbe war blasser geworden , und der Ausdruck des tiefsten Kummers erhöhte auf eine wunderbare Art die Bedeutenheit dieser edlen Formen . Denke dir noch dazu die prächtige orientalische Kleidung , die Gehänge von den kostbarsten Steinen über die Brust , den breiten majestätischen Kopfputz von blendendweißem Stoffe mit schimmernden Edelsteinen aufgebunden , diese Tracht , die so sehr gemacht scheint , eine edle Gestalt noch edler zu zeigen - ich war so überrascht , so seltsam bewegt , daß ich eine Weile stumm und weinend vor ihm stand . Er nahm meine Hand . Ach , wer hätte das gedacht , fing er endlich aus tiefer Brust an , als ich vor einem Jahre mit ihr aus Italien entfloh ! So hatte endlich sein Schmerz Worte gefunden . Ich war froh darüber , ich setzte mich an seine Seite , er erzählte mir von unserer Verlornen , den Gang ihrer Krankheit , die letzten Stunden , die letzten Worte meiner theuren Sulpicia . Meine Thränen begleiteten oft seine Erzählung , aber die seinigen hatten aufgehört zu fließen , und ich sah mit Freuden , daß diese ungestörte Ergießung sein Herz erleichtert hatte . Seit dem bringt er fast alle Stunden , die ihm seine Verhältnisse , sein Aufenthalt am Hofe übrig lassen , wo ihn Diocletian mit ausgezeichneter Pracht und Freundschaft empfangen hat , bei uns , oder eigentlich bei mir zu . Wir waren gestern , von meinem Vater begleitet , in Synthium . Der erste Anblick seines Freundes , den er seit seinem Verlust nicht gesehen hatte , erweckte seinen Schmerz wieder , und das Glück der beiden Gatten , Theophaniens Gestalt , die ihren Gemahl zu Hoffnungen berechtigt , welche dem kindlosen letzten Fürsten seines Stammes so unendlich wichtig wären , erinnerten ihn schmerzlich an sein zerstörtes Glück . Doch richtete sich sein Geist auch diesmal mächtig auf . Die Freude , Agathokles so glücklich zu wissen , und anziehende Gespräche zerstreuten ihn angenehm . Ich finde , daß seitdem seine Heiterkeit mit jedem Tage zunimmt , und das Bild der trüben Vergangenheit je mehr und mehr in Schatten zurücktritt . Das ist ' s auch eigentlich , was ein vernünftiger Mann thun soll . Nur Schwärmer oder unselbstständige Gemüther halten einen schmerzlichen Eindruck mit stolzem Eigensinn fest , und finden eine Art Wollust oder Ruhm darin , unglücklich zu seyn , oder es wenigstens zu scheinen . Tiridates hat seiner Frau sowohl während ihrer Krankheit , als nach ihrem Tode die befriedigendsten Zeichen seiner Treue und Liebe gegeben . Er hatte sie in den letzten Tagen keinen Augenblick mehr verlassen . In seinem Arm war sie gestorben , sein Mund empfing ihren letzten Hauch , und es kostete seinen Freunden , so wie seine Begleiter erzählen , Mühe , ihn von der Leiche zu entfernen , und wieder an seine vorige Lebensweise , an den Anblick der Menschen zu gewöhnen , die er in Schmerz versenkt unwillig floh . Das ist Alles , was die Vernunft , die Liebe , was selbst Sulpicia , wenn bei den Schatten noch Erinnerung ist , von ihm fordern kann . Das Andenken an ihre Liebe , an die schönen Stunden , die sie ihm gab , wird nie aus seiner Seele schwinden . Aber sein Reich , seine Verhältnisse zu den Höfen von Nikomedien und Persien fordern seine Aufmerksamkeit mit gebietender Strenge , sein Volk sieht einer zweiten Verbindung , die ihm einen Thronerben , und dem Reiche seine künftige Ruhe zusichert , mit Verlangen entgegen . Er kann nicht handeln , wie ein Einzelner , und so darf er auch nicht trauern , wie ein Einzelner . Der Maaßstab , mit dem man gewöhnliche Menschen mißt , darf nicht für Herrscher gebraucht werden , die nicht für sich allein stehen , an deren Entschließungen das Wohl von Myriaden hängt . So müssen seine Freunde froh seyn , wenn sein erster wilder Schmerz sich in sanfte Wehmuth , und diese in stillen Ernst auflöset . Hier in Nikomedien hat mit seiner Ankunft wieder ein regeres Leben angefangen . Der Augustus gibt seinem königlichen Gaste zu Ehren glänzende Feste , Schauspiele u.s.w. Viele , schöne , viele bedeutende Frauen und Mädchen erscheinen dabei , einige benachbarte Fürsten sind mit ihren Familien hier , man kann wohl denken , in welcher Absicht . Ein Thron , eine Gestalt und ein Herz wie Tiridates , der auch als Privatmann so achtungs- und liebenswerth seyn würde , verdienen wohl die Anstrengungen , die freilich etwas zu sichtlich dafür gemacht werden . Meine Zeit ist jetzt wieder sehr beschränkt . Tiridates zeigt uns deutlich , daß meines Vaters und meine Gegenwart ihm die Freuden jener Feste erhöhen , und ihn für manchen Zwang , dem er sich unterwerfen muß , entschädigen . Ich lebe daher ziemlich zerstreut , und habe vier volle Tage an diesem Briefe zugebracht , dem du es wohl abmerken wirst , daß er nicht in derselben Stimmung geschrieben worden ist . Leb ' wohl . 87. Agathokles an Phocion . Nikomedien , im Oct . 303 . Es ist möglich , mein theurer Freund ! daß wir uns bald sehen . Ich werde Nikomedien , wo mich wenig mehr zurückhält , wahrscheinlich mit den Meinigen auf lange Zeit verlassen . Meinen gütigen geliebten Vater hat vor wenigen Tagen ein gäher Tod uns entrissen . Hohes Alter und zunehmende Schwäche hatten uns zwar längst auf diesen Fall vorbereitet , dennoch erfüllte er uns mit eben so viel Trauer und Schrecken , als wäre er in der Blüthe der Jahre gewesen . Denn wie sehr der Mensch sich auch auf einen bösen Zufall gewaffnet glaubt , so ist doch ein unendlicher Abstand zwischen der festbestimmten Wirklichkeit , die nichts mehr erschüttert , und jenem zitternden Zustand , in den noch stets und unbewußt sich leise Hoffnung mischt . Er hat mir verziehen , er hat mich mit schwacher sterbender Hand gesegnet , und sein liebes Kind genannt . Das ist der einzige Punkt , auf dem meine Seele mit Beruhigung verweilt . Er hat sogar sein Testament zurückgenommen , und seine großen Reichthümer auf eine für sich sehr parteiische Weise zwischen mir und seinem Neffen Leucippus , dem sie vorher ganz bestimmt waren , getheilt . Leucippus ist ein guter Mensch ; eine Verbindung , die er wider den Willen seines Vaters , meines Oheims , traf , hatte ihm die Liebe und das Vermögen seines Vaters entzogen . Diese Rücksicht , eine zahlreiche Familie und mancherlei Unglücksfälle machten , daß ich mit Freuden das Schicksal eines würdigen gekränkten Verwandten durch diese Verfügung erleichtert sah . Er war edel genug , sogleich zu mir zu kommen , und freiwillig auf ein Geschenk Verzicht leisten zu wollen , wodurch er mir mein Eigenthum zu entziehen fürchtete . Mir wäre der bloße Wille meines Vaters hinreichend gewesen , wenn er mich auch hart getroffen hätte , um nie den geringsten Anspruch auf einen Besitz zu machen , dessen Wertheilung ganz von ihm abhing , auf den ich kein Recht zu haben erkenne . Leucippus ist sehr glücklich , ich habe einen treuen dankbaren Freund gewonnen , und so muß ich doppelt meines Vaters Verfügung segnen . Wenn ich nach Europa komme , so werde ich unmöglich die Küsten eines Landes , wo du schon lange von mir getrennt bist , betreten können , ohne dich zu sehen . Wie groß auch der Umweg seyn mag , ich eile sicher von Byzanz in deine Arme , und bringe dir meine Theophania . Mich führen die Angelegenheiten meiner Glaubensgenossen durch Dacien und Noricum , vielleicht sogar bis nach Britannien zu dem abendländischen Cäsar . Galerius Untergebene wüthen in den Provinzen , die seiner Macht anvertraut sind , ganz im Sinne ihres Gebieters gegen die Christen . Constantin hat vom Diocletian , der ihn seit einiger Zeit mit größerer Auszeichnung behandelt , ein Edict erhalten , worin das Verfahren bei den Untersuchungen , die Zwangsmittel und Strafen genauer bestimmt , und der Willkühr nicht mehr so viel Raum gelassen wird . Dies ist hauptsächlich für jene Provinzen bestimmt , in denen Galerius befiehlt . Nicht viel besser geht es jenen , die unter dem Zepter des rohen Maximian stehen . Nur in Spanien , Gallien und Britannien schützt Constantins milder Geist die unglücklichen Verfolgten . Viele hart bedrängte Familien flüchten daher aus jenen Provinzen in diese stillen Freistätten , und da man sie , besonders die Reichen , nicht gern ziehen laßt , so entstehen hieraus tausend Mißhelligkeiten und Zwiste , die nur eines Anlasses bedürften , um in volle Flammen auszubrechen . Alles gährt in wildem Mißmuthe , Alles ist bereit , offenen Krieg zu erklären , die Zeiten der Ruhe sind vorbei , die dumpfe Stille , die noch jetzt herrscht , ist Täuschung und Schein . Sobald Diocletian , dessen Gesundheit und Geisteskraft sichtbar abnehmen , die Augen schließt , treten die schrecklichen Scenen ein , die vor seiner Regierung das Reich , die Welt verwüsteten . Das sind die Ahnungen , die bereits vor zwei Jahren meinen Geist düster umwölkten , wenn ich dem Gange der Begebenheiten nachsann , und seit jener Zeit hat nicht das geringste Ereigniß meine Furcht Lügen gestraft , vielmehr jedes dazu beigetragen , sie zu bestätigen . Aber nicht mehr rettungslos erscheint mir jetzt , wie damals , die Lage des Menschengeschlechts , es gibt eine Hoffnung , es lebt ein Retter . Das Christenthum muß herrschende Volksreligion werden , die Römische Welt Ein Oberhaupt haben , die alten Formen müssen zerbrochen , der Sitz der Regierung wo anders hin verlegt , die Macht der Prätorianer , dieser nie zu löschende Vulkan , aus dessen Schooße alle die unseligen Stürme hervorbrechen , zerstört werden . Und wer , wer unter allen Menschen , die jetzt auf dem Schauplatz der großen Begebenheiten leben und wirken , könnte diese schöne , beglückende Idee in Wirklichkeit einführen , wer anders als Constantin , er , den die Vorsicht ganz dazu bestimmt , und mit allen Gaben , die dieser hohe Beruf erfordert , ausgerüstet zu haben scheint ? Ost in stillen unvergeßlichen Stunden war der Entwurf und die mögliche Ausführung dieses Plans unser feuriges Gespräch , unser glühender Wunsch . Vieles ist abgeredet , angelegt , vorbereitet worden , und ich gehe jetzt mit freudigem Muthe hinüber auf den Schauplatz künftiger großer Ereignisse . Jene Angelegenheiten , von denen ich dir schrieb , die Verfolgungen meiner Brüder , sind , so wichtig sie meinem Herzen bleiben , doch für jetzt nur Nebenzweck und Vorwand , der die eigentliche Ursache meiner Sendung und meiner Geschäfte verbergen muß . Ein größerer wichtigerer Zweck fordert alle meine Aufmerksamkeit . Tausend geheime Fäden müssen angeknüpft , tausend Anstalten im Verborgenen getroffen werden , damit , wenn die Catastrophe , die aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr fern ist , eintritt , Constantin alle Mittel zur Hand , Heere geworben . Schätzel , Freunde gesammelt , nichts dem Zufall überlassen , und so alle Kräfte bereit finde , um den großen Plan zu begründen , und zu befestigen . 88. Theophania an Junia Marcella . Nikomedien , im Oct . 303 . Fünf Monate sind nun im stillen Genusse der reinsten Seligkeit verflossen , ich war glücklich - glücklich , wie vielleicht Menschen es sonst nie oder nur auf kurze Augenblicke sind . Ich habe dieses Glück durch fünf Monate genossen , ich darf nicht klagen , wenn es jetzt zum Theil aufhört , und düstere Wolken hier und da emporsteigen , und die Zukunft meiner Vergangenheit gleich zu machen drohen . Mein Schwiegervater ist gestorben , das war die erste Störung unseres stillen Glücks . Er hat meinem Gemahl völlig verziehen , er hat ihn in den letzten Augenblicken mit rührender Zärtlichkeit behandelt , er hat sein erstes Testament zurückgenommen , und nur einen Theil seines Vermögens einem edlen aber unglücklichen Verwandten zugewendet , den die Familie vorher tief gekränkt , und im Elende beinahe hätte untergehen lassen , wenn ihn nicht Agathokles nach allen seinen Kräften unterstützt hätte , ohne daß Leucippus jemals erfahren konnte , wer sein unbekannter Wohlthäter sey . Nun hat Hegesippus letzter Wille sie auch öffentlich vereinigt , und Agathokles behandelt den neuen Freund wie einen geliebten Bruder . Aber seine Stimmung war ernst und düster , und wurde es immer mehr . Constantin kam oft zu uns , sie unterredeten sich lange und angelegentlich , sie ließen mich oft Theil an ihrem Gespräche nehmen . Ich mußte die Wichtigkeit ihrer Entschlüsse , und ihren ernsten Willen zum Guten bewundern , aber mein Herz zitterte in Geheim vor den mancherlei Verhältnissen , Verwirrungen , Anstrengungen , die sie nach sich zogen , vor dem gewaltigen Treiben der Welt , das meinen Gemahl jetzt wieder ergreifen und mitten in seine Wirbel reißen würde . Ich konnte alle diese schönen großen Entwürfe für nichts anders , als den Schwanengesang meines stillen Glückes halten . Aber unsere Seelen verstehen sich zu gut , um auch nur Einen Gedanken , eine Regung ungetheilt zu bewahren . Er errieth mich , er verwies mir liebreich diese Anwandlung vom Egoismus , dem herrschenden Geiste der Zeit , er stellte mir vor , daß ich eine Römische Bürgerin , eine Christin sey . Ach , ich erkannte die Wahrheit aller seiner Gründe , aber dennoch schauderte ich bei jedem Gedanken an die unruhige , ungewisse Zukunft ! Nun wurde endlich beschlossen , daß Agathokles nach Europa , und vielleicht bis nach Britannien gehen sollte . Er kündigte es mir an , und tröstete mich zärtlich und liebevoll . Ich betheuerte ihm , daß ich den Gedanken der Trennung nicht ertragen könne . Ich erklärte ihm , ich würde ihn begleiten , wohin er ginge , bis an die Säulen des Herkules , bis an ' s äußerste Thule1 ; keine Entbehrung , keine Beschwerlichkeit der Reise würde mir so hart , so schmerzlich werden , als ein Leben im Schooße der Bequemlichkeit und des Ueberflusses ohne ihn . Er gab endlich meinen Bitten nach , nachdem er mir vorher Alles , was ich zu dulden , zu fürchten haben konnte , mit den lebendigsten Farben