lang die Absicht herrschte , ihn Musik studieren zu lassen . Er wurde zu diesem Behufe nach Frankreich geschickt , und war Schüler des Konservatoriums , als 1814 die Verbündeten in Paris einrückten . Bald darauf kehrte von Drieberg nach Deutschland zurück , um in Berlin seine Studien fortzusetzen . Diese Studien umfaßten die mannigfachsten Gebiete . Außer der Musik waren es die Naturwissenschaften , besonders physikalische Untersuchungen , die ihn schon damals interessierten . In den zwanziger Jahren verheiratete er sich mit einem Fräulein von Normann und kaufte bald danach Protzen , dessen Hebung er sich nunmehr angelegen sein ließ . Ob er immer die rechten Mittel wählte , stehe dahin . Frau von Drieberg , die ihn dabei unterstützte , stellte beispielsweise den Satz auf , » daß knappe Fütterung das beste Mittel sei , von den Kühen einen starken Milchertrag zu erzielen « . Dies alles war übrigens aufrichtig gemeint , und hatte keineswegs in einem Ökonomisierungshange seinen eigentlichen Grund . Es war einfach originelle Theorie , wie die vom » Luftdruck « , die der Herr Gemahl gleichzeitig mit so viel Eifer verfocht . Der landwirtschaftliche Betrieb war anfechtbar , desto mehr bewährte sich von Drieberg in seinen Parkanlagen . Seine Talente lagen eben mehr nach der Seite des Ästhetischen als des Praktischen hin . Der Protzener Park war damals einer der schönsten im Kreise , dreißig Morgen groß , mit den prachtvollsten Bäumen bestanden , dazwischen Blumenbeete , Wasser- und Rasenflächen . Außer der Pflege des Parks widmete sich Drieberg nach wie vor der Musik und – der Gesellschaft . Das Protzener Herrenhaus galt als der gastlichsten eines . Mit fast allen Familien der Nachbarschaft wurde Verkehr unterhalten , vorzugsweise mit dem Landrat von Zieten in Wustrau , mit der Majorin von Zieten in Wildberg und mit der Familie von Winterfeldt in Metzeltin . Auch aus Berlin kamen Freunde herüber , besonders wenn » Aufführungen « den Mittelpunkt der Festlichkeit bildeten . Das Künstlerische , namentlich das Musikalische , wurde indessen zu sehr betont , und zwar nicht bloß im gesellschaftlichen Kreise , sondern auch im Leben . Wie mir Häuser bekannt geworden sind , in denen jeder , der nicht einen Band lyrischer Gedichte herausgegeben hatte , nicht eigentlich für voll angesehen wurde , so stand es auch im Driebergschen Hause hinsichtlich der Musik . Ein vom Klavierspiel reingebliebener Pfarrbewerber wurde befragt : » ob er auch musikalisch sei ? « , worauf er , in richtiger Erkenntnis , daß er nun doch verspielt habe , pikiert antwortete , » er habe sich um die Prediger- und nicht um die Kantorstelle beworben « . Neben Park und Musik gehörte die Zeit den Wissenschaften . Von Drieberg hatte ganz den Typus des Gelehrten , des Büchermenschen . Seine Kleidung war die schlichteste von der Welt ; nicht auf Stoff und Schnitt kam es ihm an , sondern lediglich auf Bequemlichkeit . Er konnte sich deshalb von alten Röcken nicht trennen . Als seine Tochter einen derselben an einen Tagelöhner verschenkt hatte , bat er ihn sich wieder aus und zahlte dafür . Seine Studien , wie schon erwähnt , gingen meist nach der naturwissenschaftlichen Seite hin . Er war ein Tüftelgenie aus der Klasse der Perpetuum-Mobile-Erfinder und konstruierte sich eine Flugmaschine , mit der zu fliegen er glücklicherweise nicht in Verlegenheit kam . Er begnügte sich damit , sie » berechnet « und gezeichnet zu haben , und gab den Bau als zu kostspielig wieder auf . Seinen Hauptruhm zog er Anfang oder Mitte der vierziger Jahre aus seinem großen Zeitungskrieg in der » Luftdrucksfrage « . Die Leute von Fach zuckten die Achseln und mochten in der Tat aus jedem Satze Driebergs erkennen , daß es diesem an allem wissenschaftlichen Anrecht gebräche , in die Diskussion einer solchen Frage einzutreten , die Laienwelt aber , die bekanntermaßen einen natürlichen Zug der Winkeladvokatur und eine Vorliebe für die Franktireurs der Wissenschaft hat , stand günstiger zu ihm und freute sich offenbar , in der Partie » Drieberg gegen Newton « für unsern Protzener Kammerherrn , wenn auch nur ganz im stillen eintreten zu können . Der Kern der Sache war , daß von Drieberg den Luftdruck bestritt und seinerseits aufstellte , » das Quecksilber werde nicht durch eine Luftsäule von bestimmtem Gewicht emporgedrückt , sondern hänge vielmehr an dem luftleeren Raum der Barometerröhre , ziemlich genau so wie ein Eisenstab an einem Magnete hänge « . Diese Aufstellung besaß etwas Blendendes , und zwar umso mehr , als jeder luftleere Raum in der Tat eine gewisse Zug- und Saugekraft ausübt . Aber nur der Laie konnte flüchtig dadurch bestochen werden . Nach mehrmonatlichem Streit erstarb die Fehde ; niemand spricht mehr davon und nur der Beiname » Luftdrucks-Drieberg « ist in der Erinnerung derer geblieben , die jene Zeit noch miterlebt haben . Was seine kirchlichen Anschauungen angeht , so hielten sie die Höhe seiner Flugmaschine und entsprachen genau der Inschrift des vorerwähnten Protzener Kirchensiegels : Natur und Vernunft . 1852 vermählte von Drieberg seine einzige Tochter Valeska ( vier andere waren vorher gestorben ) an den Rittmeister von Oppen , der damals bei den Gardes du Corps in Charlottenburg stand . Von Drieberg entschloß sich deshalb , Protzen zu verkaufen . Es wurde seinem Herzen nicht leicht , aber die Liebe zu seinem Kinde siegte schließlich über die Liebe zu seinem Park . Und so übersiedelte er denn . In den fünfziger Jahren starb er und ruht auf dem Charlottenburger Kirchhofe . Was den Drieberg-Tagen in Protzen folgt , ist von geringerem Interesse . Das nächste Kapitel mag uns deshalb nach Garz , dem alten Besitze der Quastschen Familie , führen . Garz Albrecht Christoph von Quast Albrecht Christoph von Quast Albrecht Christoph von Quast ward am 10. Mai 1613 auf dem Rohrschen Gute Leddin geboren . Seine Mutter war eine geborene von Rohr ( gestorben 1667 ) aus Leddin . Über seine Jugend ist wenig bekannt geworden , doch existieren Aufzeichnungen , wahrscheinlich einer Leichenpredigt entnommen , die , trotz einzelner Unklarheiten und Widersprüche , den Stempel der Echtheit tragen . Danach starb der Vater früh , und Albrecht Christoph wurde studierenshalber auf Schulen geschickt , höchst wahrscheinlich auf die benachbarte Ruppiner Schule . Der entsprechende Hang scheint indessen nichts weniger als groß in ihm gewesen zu sein und der Anblick der schwedischen Regimenter , die gerade damals in Stadt und Land Ruppin Quartiere bezogen , warf alle Studienpläne rasch über den Haufen . Albrecht Christoph trat , siebzehn Jahre alt , als Musketier in das Kingsche Infanterieregiment und tat seinen ersten Wachtdienst auf dem Fehrbelliner Damm , kaum eine Meile von Garz entfernt . Dies war im August 1630 . 62 1631 war unser Albrecht Christoph bei den Truppen , die die Elbe passierten , zeichnete sich am 17. September bei Breitenfeld , am 6. November des folgenden Jahres bei Lützen und endlich am 26. Juni 1633 bei Hameln aus und trat nach dieser letzteren Affäre , darin das Kingsche Regiment fast völlig vernichtet worden war , von den Musketieren zu den Dragonern über . ( Dragoner , wie bekannt , waren in jener Zeit ein Mittelding von Fußtruppe und Reiterei . ) Das Kriegshandwerk sagte unserm Quast zu , nur nicht die Waffenart . Musketier und Dragoner – beides war nicht das Rechte , und als er um eben diese Zeit vernahm , daß der später so berühmt gewordene Hans Christoph von Königsmark , sein märkischer Landsmann , als Oberstwachtmeister in das Sperreutersche Reiterregiment eingetreten sei , hielt er sich zu diesem und empfing eine Korporalschaft . Das Kommando dieser Truppe kam alsbald an Königsmark selbst . Sperreuter übte Verrat und gedachte das ganze Regiment zu den Kaiserlichen überzuführen ; in der Tat folgten ihm einzelne Abteilungen . Die vornehmsten Kompanien aber , und zwar unter Führung Königsmarks , weigerten sich , dem Befehle Sperreuters zu gehorchen und blieben ihrer Fahne treu . Unter diesen war auch Quast . Feldmarschall Banér , um jene Zeit Generalissimus der Armee , glaubte diese Treue auszeichnen zu müssen ; Königsmark wurde Oberst und erhielt Befehl , aus den treu gebliebenen Kompanien ein neues Regiment zu bilden . In dieses neue , nunmehr Königsmarksche Regiment trat Albrecht Christoph als Quartiermeister ein . Binnen Jahresfrist war er Kornet und Leutnant . Sein Mut und seine Gewandtheit fingen an , ihm in der Armee einen Namen zu machen . Als General Stahlhantsch , der in der glänzenden Schlacht bei Wittstock das schwedische Zentrum kommandierte , 1639 eine » fliegende Armee « nach Schlesien führen sollte , erbat er sich unseren Quast für diese Expedition , der nun als Rittmeister in das Stahlhantsche Korps eintrat . Mit diesem Korps , das inzwischen seinen Führer gewechselt hatte ( General Goldstein erhielt es ) , nahm unser Quast am 24. Februar 1645 an der siegreichen Schlacht bei Jankowitz teil . Eine Folge dieser Schlacht , einer der glänzendsten Siege Torstenssons , war die Umstellung von Brünn , die Kaiserlichen wurden eingeschlossen und Quast war mit unter den Belagerungstruppen . Bei einem Ausfall , den insonderheit unser Albrecht Christoph mit großer Bravour zurückschlug , ward er am Bein verwundet . Seine erste Verwundung nach vierzehnjähriger Kriegsfahrt , von der berichtet wird . Die Belagerung erwies sich als fruchtlos ( General de Souches führte in glänzender Weise die Verteidigung ) und Torstensson ging mit seiner Armee nach Böhmen zurück . Hier gab er Befehl den wichtigsten Punkt Kornneuburg zu befestigen und zu besetzen , und Oberst Copey mit 1000 Musketieren wurde dazu ausersehen . Da es indessen rätlich schien , auch Kavallerie in den Ort zu legen , außerdem aber dem Oberbefehlshaber die Beförderung unseres Quast am Herzen lag , so erhielt der letztere Order , eine kombinierte Reiterkompanie zu bilden , und zwar durch Auswahl von je zwei Mann aus jeder Schwadron der Armee . Da die Armee hundert Reiterkompanien hatte , so ergab dies eine Stärke von 200 Mann . Die Wahl der Offiziere wurde in Quasts Hand gelegt . Mit diesem Reiterkorps rückte derselbe nun , inzwischen zum Oberstleutnant ernannt , in Kornneuburg ein , um gemeinschaftlich mit Oberst Copey die Verteidigung zu leiten . Der Feind ließ auch nicht lang auf sich warten . Mit derselben Bravour , mit der Quast im Jahre zuvor die Ausfälle der Belagerten zurückgewiesen hatte , schlug er jetzt seinerseits die rasch sich wiederholenden Attacken der Belagerer ab . Freilich nicht auf die Dauer . Die Besatzung war zu schwach , um dem übermächtigen Gegner lange den Besitz des Ortes streitig machen zu können , und Kornneuburg fiel . Bei dem Sturme , der der Obergabe vorherging , wurde Quast zum zweiten Male und diesmal in schmerzhafter und gefährlicher Weise verwundet . Eine Kugel traf seinen Fuß und ging ihm durch Sohle , Blatt und Ferse . Die Heilung zog sich hin und eine Lähmung des Fußes blieb ihm bis zuletzt . Diese tapfere Verteidigung , für die Pfalzgraf Karl Gustav , ( der spätere König ) , der inzwischen das Kommando übernommen , unseren Quast zum Obersten aufsteigen ließ , war die letzte größere Aktion , an der dieser während des Dreißigjährigen Krieges teilnahm . Achtzehn Jahre lang hatte er mitgestritten und unwandelbar ( wie Königsmark , der sein besonderes Vorbild gewesen zu sein scheint ) auf schwedischer Seite gestanden . Der siebzehnjährige Musketier im Regiment King war mit fünfunddreißig Jahren Reiteroberst und Chef eines Regiments . Von 1648 an stand er mit demselben im Münsterschen , aber schon zwei Jahre später erfolgte die Auflösung der Armee . Quast nahm den Abschied . Er nahm den Abschied , aber keineswegs von der Absicht geleitet , ein für allemal aus dem schwedischen Dienste zu scheiden . Wir schließen dies daraus , daß er sich , bald nach Auflösung seines Regiments , nach Schweden begab , um sich der Königin Christine vorzustellen . Von dieser mit Auszeichnung empfangen ( sie ließ ihm ihr mit Diamanten besetztes , an einer güldenen Kette zu tragendes Bildnis überreichen ) muß es auf den ersten Blick überraschen , daß er die Anerbietungen , die ihm gleichzeitig gemacht wurden , ablehnte und nach verhältnismäßig kurzem Aufenthalt in Stockholm in die märkische Heimat zurückkehrte . Wir treffen aber wohl das Richtige , wenn wir annehmen , daß er sich bald überzeugte , wie drüben am schwedischen Hofe eine Gegenpartei mächtig zu werden begann , die das aus dem Kriege verbliebene deutsche Element nach Möglichkeit beseitigen und die einflußreichen Stellungen innerhalb der Armee wieder ausschließlich mit Nationalschweden besetzen wollte . Gleichviel indes , welche Motive maßgebend waren , unser Albrecht Christoph erschien wieder in seiner heimischen Grafschaft Ruppin , wo ihm sein Vetter Otto von Quast die Quastschen Güter Garz und Küdow käuflich abtrat , » damit er seinen in Kriegsläuften erworbenen Reichtum nicht zum Ankauf im Auslande verwende « . Sein Eintritt in die kurfürstliche Armee geschah nicht unmittelbar . Dieser erfolgte nicht vor 1655 . In diesem Jahre , kurz also vor Ausbruch des Krieges mit Polen , erhielt Quast ein Reiterregiment , dem er bis 1658 , wie die biographischen Notizen mit großer Ruhe melden , » zur Zufriedenheit des Kurfürsten vorstand « . Diese nüchterne Bemerkung deutet am wenigstens darauf hin , daß Quast all die Zeit über im Felde war und mit seinem Regiment an der berühmten dreitägigen Schlacht von Warschau teilnahm . 63 Daß er sich während dieser Schlacht , oder während des polnischen Feldzuges überhaupt , vor anderen Reiterführern ausgezeichnet habe , wird freilich nirgends erwähnt . Die Gelegenheit zu solcher Auszeichnung bot erst der nächste Feldzug , der nicht demselben Gegner , den Polen , sondern umgekehrt dem bisherigen Verbündeten , den Schweden galt . Zur Beleuchtung der Situation nur wenige Worte . Brandenburg war durch den Vertrag von Labiau ( 1656 ) allerdings » für ewige Zeit « an Schweden gekettet , die Fortschritte dieses damals auf seiner Höhe stehenden Staates erweckten ihm überall in Europa so viele Neider und so mächtige Feinde , daß es der Kurfürst als durch die » Staatsraison « geboten erachtete , Schweden aufzugeben , um nicht mit ihm oder , was wahrscheinlicher war , statt seiner zugrunde zu gehen . Die Staatsraison präponderierte damals in allen solchen Fragen . Eine große antischwedische Liga , ein Fünf-Mächte-Bund , kam zustande , der darauf aus war , den ehrgeizigen Plänen des Schwedenkönigs Karl Gustav ( der die Gustav-Adolf Idee eines großen » baltischen Reiches « verwirklichen wollte ) ein Ziel zu setzen . Jeder einzelne Staat verfolgte dabei seine Sonderinteressen Die fünf verbündeten Mächte waren : Österreich , Polen , Dänemark , Holland , Brandenburg . Der Kriegsschauplatz war ein doppelter : ein östlicher ( Preußen und Polen ) und ein westlicher ( Pommern und Holstein ) . Nur das Holsteinsche Kriegstheater interessiert uns an dieser Stelle . Karl Gustav , im Vertrauen auf sein Geschick und seine Armee , die damals als die kriegstüchtigste in Europa galt , wartete die Vereinigung so vieler Gegner nicht erst ab , sondern ging rasch zum Angriff über , vielleicht in der Hoffnung , sie einzeln zu schlagen . Der Anfang sprach auch dafür , daß es ihm glücken werde . Von der Unterelbe her , in Holstein und Schleswig eindringend , besetzte er Alsen und Jütland , und ging dann in dem bitterkalten Winter von 1657 auf 1658 über die gefrorenen Belte . So brachte er Fünen und Seeland in seine Gewalt . Der Dänenkönig hatte nichts mehr als seine Hauptstadt . Auch diese ( das sei vorweg bemerkt ) hoffte Karl Gustav in folgendem Winter durch Überrumpelung in seine Gewalt zu bringen . Er ließ einzelne seiner besten Regimenter weiße Hemden über die Uniformen ziehen , um auf der weißen Schneefläche weniger bemerkt zu werden , und ging nun zum Sturme gegen die Festungswerke vor . Die Dänen aber waren wachsam , und wie ein alter Geschichtsschreiber sagt , » die weißen Hemden wurden manchem zum Leichenhemd « . Das war im Winter von 1658 auf 1659 . Aber schon im Sommer vorher waren die Truppen des » Fünf-Mächte-Bundes « in die cimbrische Halbinsel eingerückt und hatten die Schweden , die nur sechstausend Mann stark waren , vor sich hergejagt . An der Spitze der » Alliierten « stand der Kurfürst selbst . 64 Rendsburg und Schloß Gottorp wurden besetzt , Alsen und Fridericia dem Feinde wieder entrissen . Die Schweden hatten nur noch Fünen und Seeland inne . So kam der Winter . Vielleicht hatte sich der Kurfürst der Hoffnung hingegeben , die Belte würden wieder zufrieren wie im vorigen Jahre , wo der Winter , wie wir gesehen haben , dem siegreich vordringenden Karl Gustav die Brücke zu den Inseln hinüber baute . Aber die Belte blieben offen , und die Verbündeten sahen sich gezwungen , in Schleswig und Jütland Winterquartiere zu beziehen . Erst mit dem beginnenden Frühjahr ( 1659 ) wurde der Kampf wieder aufgenommen . Es galt nach wie vor die Eroberung der Inseln , zunächst Fünens , das inzwischen von seiten der Schweden in den besten Verteidigungszustand gesetzt worden war . Die holländische Flotte , auf deren Dienst man bei Passierung des kleinen Beltes gerechnet hatte , erwies sich indessen als saumselig , so saumselig , daß dem Führer der Flotte von seiten der Alliierten schuld gegeben ward , » er habe auf die schwedischen Fahrzeuge nur blinde Schüsse abfeuern lassen « . Politische Rücksichten , der alten Eifersucht gegen die dänische Seemacht zu geschweigen , schrieben der holländischen Flotte eine laue Haltung vor . Unter so schwierigen Verhältnissen mußte man nach und nach und gleichsam ratenweise zu gewinnen suchen , was sich auf einen Schlag nicht erreichen ließ . Man nahm also zunächst die kleine , zwischen Jütland und Fünen gelegene Insel Fanö , und schickte sich nunmehr erst an , von diesem vorgeschobenen Posten aus das eigentliche Streitobjekt ( Fünen ) zu erobern . Drei Angriffe wurden versucht , aber sie scheiterten alle drei . An der dritten Attacke , die die ernsthafteste war , nahmen einzelne Schiffe teil , die schwedische Flotte jedoch , inzwischen verstärkt , vernichtete die Fahrzeuge der Alliierten , welche letzteren nicht nur unter schwerem Verluste nach Fridericia zurückkehrten , sondern auch Fanö wieder aufgeben mußten . Diese Niederlagen wurden endlich Ursache eines großen Erfolges . Der Kurfürst hatte mißmutig den Kriegsschauplatz in Jütland verlassen , um nach Pommern zu eilen , von wo aus eine andere Abteilung des schwedischen Heeres in die Mark einzufallen drohte . Nur vier Reiterregimenter und einige Kompanien Fußvolk waren brandenburgischerseits in Jütland geblieben . Diese standen unter der Führung unseres Albrecht Christoph von Quast , während der Gesamtoberbefehl über die in Jütland stehenden Alliierten der dänische Feldmarschall von Eberstein führte . Die Holländer , die sich , wie schon hervorgehoben , bis dahin abgeneigt gezeigt hatten , zu besonderem Nutz und Frommen Dänemarks die Kastanien aus dem Feuer zu holen , erkannten endlich , daß etwas Entscheidendes geschehen müsse , wenn nicht der Zweck des ganzen Krieges : Brechung der Übermacht Schwedens , als gescheitert betrachtet werden solle . Nebenher mochte der Unmut des Kurfürsten das seinige dazu beitragen , daß energischere Entschlüsse im Haag die Oberhand gewannen . So erschien denn Admiral de Ruyter in der Ostsee . Im Hafen zu Kiel wurde eine ziemlich bedeutende dänisch-holländische Streitmacht – die hier im Rücken des eigentlichen Kriegsschauplatzes unter Feldmarschall von Schack zusammengezogen worden war – eingeschifft und durch den großen Belt geführt , um im Norden Fünens gelandet zu werden . Gleichzeitig aber sollte das in Jütland stehengebliebene verbündete Heer einen vierten Versuch zur Überschreitung des kleinen Beltes machen . Beide Unternehmungen glückten . Feldmarschall Schack landete in Kertemünde , Feldmarschall Eberstein bei Middelfart . In Odense vereinigten sich beide Heerkörper , die nun , etwa sechzehntausend Mann stark , gegen den Pfalzgrafen von Sulzbach , der die Schweden führte , vorrückten . Dieser hatte zunächst gehofft , die heranrückenden Armeen der Alliierten einzeln angreifen zu können ; als sich dies aber als unmöglich erwies , nahm er feste Stellung vor der Festung Nyborg . Die vom Pfalzgrafen gewählte Position war geschickt genug : in Front ein Graben , der , durch ein mooriges Terrain gezogen , an einzelnen Stellen mit Wasser gefüllt , an anderen schmaleren aber derart verschüttet war , daß sich ein Übergang ermöglichte , selbst für Kavallerie . Diese leicht zu verteidigenden Übergänge dienten dem schwedischen General als Ausfallbrücken . Den rechten Flügel kommandierte der Pfalzgraf selbst , den linken Generalleutnant Horn ; im Zentrum stand der erfahrene General Steenbock mit vierzehn Kompanien Fußvolk und fünf Geschützen vor seiner Front . Reserven , weil es an Mannschaften fehlte , hatte die schwedische Aufstellung beinahe gar nicht . Dies war die Position , gegen welche die Verbündeten am Morgen des 24. November anrückten . Das Zentrum ( holländische Infanterie unter den Obersten Killegray , Alowa und Meteren ) führte Feldmarschall Schack , den linken Flügel Eberstein , den rechten unser Albrecht Christoph von Quast . Das zweite Treffen bestand ausschließlich aus den dänischen Regimentern Trampe , Rantzau , Ahlefeldt , Brockhausen , Güldenleu . Die alliierte Armee war zahlreicher als die schwedische , die schwedische aber , kriegsgewohnter , hatte zudem noch den Vorteil , ein Ganzes zu bilden , während die Alliierten aus ganz widerstrebenden Nationalitäten zusammengesetzt waren . Im Kommando scheint auf beiden Seiten keine rechte Einigkeit geherrscht zu haben , jedenfalls handelten die Generale der Alliierten zumeist auf eigene Hand . Der linke Flügel der letzteren eröffnete das Gefecht . Hier standen ( wenn ein alter Schlachtenatlas 65 , den wir zu Rate ziehen , das Richtige angibt ) unter Führung des dänischen Feldmarschalls von Eberstein die brandenburgischen Reiterregimenter Quast , Kannenberg , Gröben und ein Dragonerregiment . Ihr Angriff scheiterte an der Ungunst des Terrains . Sie wurden geworfen . Der rechte Flügel teilte das Schicksal des linken . Hier , wie wir wissen , kommandierte Quast in Person und führte zunächst die kaiserlichen Regimenter Matthias und Graf Caraffa , ferner das dänische Regiment von der Natt und die polnische Brigade Przimsky ins Feuer . Aber auch sie konnten nichts ausrichten . In diesem kritischen Momente , wo die Reiterei , die zum Teil in das Moor einsank , ersichtlich den Dienst versagte , rückte von Quast mit einer Abteilung Infanterie ( Pikenträger ) gegen den Pfalzgrafen vor und dieser Angriff entschied . Quast erhielt zwei Kugeln in den Leib , ließ sich aber , als er infolge so schwerer Verwundung nicht mehr reiten noch gehen konnte , auf die Schultern seiner Pikeniere heben und durchbrach so den feindlichen linken Flügel . Dies gab gleichzeitig das Zeichen zum Vorrücken der holländischen Brigaden im Zentrum , die bis dahin untätig dem Kampfe zugesehen hatten . Und jetzt griff auch die Reiterei wieder ein und warf den Feind über den Haufen . Der Rückzug der Schweden wurde bald eilige Flucht . Ihr Führer , der Pfalzgraf , entkam auf einem Fischerboote mitten durch die holländische Flotte , nach Korsör auf Seeland , wo er dem harrenden Schwedenkönige die Nachricht von der verlorenen Schlacht brachte . Nyborg , das General von Horn zu halten versuchte , fiel schon am anderen Tage ; er und das ganze schwedische Korps wurde kriegsgefangen . Unser Quast hatte den entscheidenden Schlag getan , darüber sind alle Berichte so ziemlich einig , und nur darin weichen sie von einander ab , mit welchen Regimentern er den feindlichen linken Flügel durchbrach . Es scheinen unter allen Umständen keine Brandenburger gewesen zu sein , denn die Truppen , die brandenburgischerseits an der Affäre teilnahmen , waren zugestandenermaßen Reiterregimenter , die , gleichviel an welchem Flügel sie gestanden haben mögen , das Schicksal der kaiserlichen Reiterei teilten und nirgends die feindliche Schlachtreihe zu durchbrechen vermochten . Quast gab allerdings den Ausschlag , aber an der Spitze dänischer Pikeniere , die seinem Flügel zunächst in Reserve standen . ( Nach einem anderen Bericht hätten die holländischen Brigaden des Zentrums die schon halb verlorene Schlacht wieder zum Stehen gebracht . Dann erst hätte Quast mit dem wieder gesammelten rechten Flügel den letzten Schlag getan . Auch diese Lesart hat manches für sich . ) Der Sieg von Nyborg war entscheidend . Die Nachricht von der totalen Niederlage seines Heeres soll den schwerkranken Schwedenkönig so erschüttert haben , daß er infolge davon starb , ein Todesfall , der bald danach zum Frieden von Oliva und durch eben diesen Frieden zur endgültigen Oberhoheit Brandenburgs über das Herzogtum Preußen führte . Die Alliierten , nachdem sie zwei Jahre lang die cimbrische Halbinsel besetzt gehalten hatten , räumten nunmehr das Land . In Hamburg schon wurden die Regimenter entlassen , und auch Quast ( übrigens im Dienste des Kurfürsten verbleibend ) ging auf seine Güter . Über die letzten Lebensjahre des Generals wissen wir wenig . Er scheint dieselben , zunächst wenigstens , in ländlicher Zurückgezogenheit und im Kreise seiner Familie zugebracht zu haben . Die niedergebrannten Dörfer wurden aufgebaut , die wüsten Felder neu bestellt , die geplünderten Kirchen erhielten Altarleuchter , Glocken und Kelche . 1661 verheiratete er sich zum zweiten Male mit Elisabeth Dorothea von Goerne , und drei Jahre später ( 1664 ) zum dritten Male mit Ilse Katharine von Rössing , einer verwitweten von Planitz . Diese dritte Gemahlin überlebte ihn . 1667 betraute ihn der Kurfürst aufs neue mit Errichtung eines Regiments und ernannte ihn beinahe gleichzeitig zum Gouverneur der Feste Spandau . Hier starb er sechsundfünfzig Jahre alt am 7. Mai 1669 und ward in der dortigen Nikolaikirche beigesetzt . Erst in neuester Zeit erfolgte die Überführung nach dem alten Stammgute Garz . In der Gruft der Kirche daselbst steht seitdem ein mächtiger , mit Basreliefornamenten und den Wappen der Ahnen reich ausgestatteter Zinnsarg , der die Inschrift trägt : » Der Hochedelgeborne Herr , Herr Albrecht Christoph von Quast , churfürstlich brandenburgischer Geheimer Kriegsrath , Generalfeldwachtmeister der Cavallerie , Oberster zu Roß und zu Fuß , Gouverneur und Oberhauptmann der Veste und Stadt Spandau , zu Garz , Damme , Vichel , Rohrlack und Wutzetz Erbherr , gestorben auf der Veste Spandau am 7. Mai 1669 . Wartet der fröhlichen Auferstehung zum ewigen Leben . « 66 Dies ist es , was wir imstande gewesen sind , über das Leben Albrecht Christophs von Quast zusammenzutragen . Es ist alles ziemlich äußerlicher Natur , äußerlich folgen die Taten aufeinander , äußerlich sehen wir ihn steigen von Stufe zu Stufe . Tradition und Sage , die von Derfflinger und Sparr so mannigfach er zählen , haben sich unseres » Siegers von Nyborg « nicht bemächtigt ; es fehlen alle Züge , die uns eine tiefere Teilnahme an seinem Lebensgange einzuflößen vermöchten . Und doch war dieser Sieg , den wir vorwiegend ihm verdanken , von einer nach mehr als einer Seite hin entscheidenden Bedeutsamkeit . Durch denselben erlangte Brandenburg , wie wir gesehen haben , die volle Souveränität über Preußen und somit die Basis für die Königskrone , während für Dänemark aus eben diesem Kriege sein Königsgesetz hervorging . Zudem war unser Albrecht Christoph der erste , der die brandenburgischen Waffen , vor zweihundert Jahren schon , auf eine der dänischen Inseln hinübertrug . Die Ehren der Düppelstürmer von heute sind freilich reicher ausgefallen , als die der Nyborgsieger von damals , aber , je heller die Gegenwart strahlt , je mehr geziemt es sich in Dankbarkeit derer zu gedenken , die ruhmvoll voranschritten . Unter ihnen in vorderster Reihe- Albrecht Christoph von Quast . Aus der Gruft , darin wir eben die Inschrift am Zinnsarge Albrecht Christophs entziffert haben , treten wir wieder ins Freie , atmen auf in Luft und Licht , und schreiten dem Herrenhause zu . Der kühle , mit Marmorfliesen gedeckte Raum heimelt uns bei der drückenden Hitze doppelt an , und doch ist es nicht diese kühle , fliesengedeckte Halle , was uns hierherführte , sondern umgekehrt der sonnenbeschienene Vorflur im ersten Stock , wo wir einem seltsamen Erinnerungsstücke begegnen , das eine sehr andere Zeit als die Zeit unseres Albrecht Christoph vor uns heraufbeschwört . Hier , an einem breiten Fensterpfeiler , an demselben Platz etwa , wo sonst eine Flora oder Pomona oder irgendein anderes Stück griechischer Mythologie zu stehen pflegt , erhebt sich statuenhaft und auf niedrigem Postament ein Riesenstiefel , mit einem 9 Zoll langen Sporn daran und einer 1 1 / 2 Zoll dicken Sohle . Das Ganze ein Kunstwerk in seiner Art , und trotz seines riesigen Umfanges von einer gewissen Eleganz der Erscheinung . Dieser Stiefel hat seine Geschichte . Wer kennt nicht das Regiment Gensdarmes ? Und wer hätte nicht gehört von der Verschwendungssucht und Tollkühnheit seiner Offiziere , von ihrem Mut und Übermut ! Unter den jungen Offizieren eben dieses Regiments war denn auch Wolf Ludwig Friedrich von Quast , wegen seiner tollkühnen Streiche kurzweg der » tolle Quast « genannt . Eines Tages ( wahrscheinlich im Jahre 1794 ) ging er mit Leutnant von Jürgaß , dem späteren ausgezeichneten Kavalleriegeneral unter York , über die Weidendammerbrücke , als ihnen , einige Häuser weiter , ein riesiger Sporn auffiel , der im Schaufenster eines Eisenladens hing . Es ward ausgemacht , daß derjenige , der zuerst in Arrest käme , das wunderliche Ding kaufen sollte . Jürgaß war der erste , der dieses Vorzugs genoß , und kaufte den Sporn , aber freilich nicht ohne beim Kauf ein neues Abkommen getroffen zu haben : » der nächste , der in Arrest kommt , läßt einen Stiefel dazu machen . « Dieser nächste war nun selbstverständlich Quast , und schon eine Woche danach wurde der etwa 6 Fuß hohe Riesenstiefel unter allen möglichen Formalitäten in die Kaserne getragen . Da stand er nun , der Koloß , und der Sporn ward ihm angeschnallt . Aber der Übermut , einmal wachgeworden , sehnte sich nach mehr , und so beschloß man denn einstimmig , dem Stiefel zu Ehren ein Fest zu geben , bei dem der Stiefel selbst als Bowle fungieren