daß die sechs fremden Männer auf diesen Steinen gesessen hatten . Wir sahen die Stellen , wo die Talglichter , die sie mitgehabt hatten , festgetropft und dann wieder losgerissen worden waren . Der zurückgebliebene Talg war noch so sauber , daß diese fettigen Flecke nicht über vier Wochen alt sein konnten . Und als wir genauer suchten , fanden wir ähnliche , aber viel ältere Flecke in Menge . Das stimmte ganz genau mit dem , was wir wußten und was wir uns dachten . Nun nahm ich Schakara das Licht aus der Hand , um nach weiteren Spuren zu suchen . Sie konnte hierin doch nicht die Erfahrung besitzen , die ich hatte . Ich fand nichts , als menschliche Fußstapfen . Aber endlich , als ich eben aufhören wollte und in die letzte , hintere Ecke leuchtete , sah ich einen andern Eindruck im tiefen , mehligen Staube . Das war von keinem Fuße , sondern von einer starken Stange oder etwas Aehnlichem , welche hier eingestoßen und oben an die Empore gelehnt worden war . Und gar nicht weit davon lagen zwei losgebrochene , kurze Holzästchen , die ich aufhob und aufmerksam betrachtete . » Warum so nachdenklich , Effendi ? « fragte Schakara . » Zwei Stückchen Holz , weiter nichts ! Wer weiß , wie sie hierhergekommen sind ! « » Wer ? Ich weiß es . Und - - weiter nichts , sagst du ? Es ist viel , sehr viel ! Als ich diesen Raum sah , in welchem die Päderan ihre geheimen Versammlungen abhalten , dachte ich sogleich daran , in welcher Weise man sie belauschen könne , wenn sie Montag wiederkommen . Man müßte vorher da hinauf auf die Empore steigen . Das war mein Gedanke . Jetzt sehe ich , daß ich nicht der Erste bin , dem dieser Einfall gekommen ist . Sie sind schon belauscht worden . « » Von wem ? « » Das sagen mir diese beiden Aestchen leider nicht . Man hat eine Leiter oder wenigstens eine Stange gebraucht , um die Empore zu erreichen , aber keines von beiden gehabt . Darum ist man in den Wald gegangen , um sich ein passendes Baumstämmchen zu holen . Die Aeste wurden abgeschnitten . Einige dürre Zweigreste aber blieben . Das stemmte man hier unten in den Boden und legte es oben an . Beim Hinaufklettern wurden die beiden Aestchen abgebrochen . Sie und das Loch hier verraten mir das . Wenn man in dieser Weise hinaufklettert und die Stange nach sich zieht und sie lang niederlegt , kann man fast sicher sein , nicht entdeckt zu werden . « » Das leuchtet mir ein , Effendi . Wer mag wohl der Betreffende gewesen sein ? « » Ein Dschamiki keinesfalls , denn ein solcher hätte es nicht nötig gehabt , zu einem solchen Behelfe zu greifen . « » Kein Dschamiki - - - ! « sagte sie nachdenklich . » Effendi , da fällt mir Etwas ein . Ich habe eine solche ganz roh zugeschnittene Stange gesehen . « » Wo ? « » Droben in dem Quaderturme , wo Ihr den Aschyk ergriffen habt . « » Wann ? « » An dem Morgen , an welchem ich hier nach diesen Spuren suchte . Ich ging dann durch die obere Etage , auch in den Turm . Da sah ich ein Fichtenstämmchen liegen , ganz so , wie du es beschrieben hast . Auch die Länge stimmt . Ich dachte , ein Dschamiki sei hier gewesen ; darum fiel es mir nicht auf . Am Nachmittage kam ich wieder hin ; da war es weg . « » Ah der Aschyk ! Er ! Er belauschte die Päderan ! Also gehört er nicht zu ihnen ! Falls er ein Sill ist , ist er nur ein gewöhnlicher ! Hat er dem Scheik ul Islam hierüber zu berichten ? Oder tut er es nur , weil er zu den Sillan gehört , die sich gegen ihren Aemir empören wollen ? Es gilt , nicht allzu schnelle Schlüsse ziehen . Wir haben ja Zeit , hierüber nachzudenken . Komm ! « Wir gingen . Draußen wendeten wir uns nach der dritten Tür , die nach dem langen , schmalen Saale führte . Wir fanden nichts Auffälliges . Aber als wir an sein Ende kamen , gab es keine Wand , sondern einen Schutthaufen , der nicht ganz bis hinauf zur Decke reichte . » Schakara ! « rief ich laut und verwundert aus . » Mein Traum , mein Traum ! Das ist das Geröll , ganz genau das Geröll , von welchem herunter mich der Zauberer beobachtete ! Mich dünkt , ich müsse seinen Kopf da oben erscheinen sehen . Das ist doch sonderbar ! « » Sonderbar ? « fragte sie . » Effendi , Effendi , du weißt wirklich noch gar nicht viel von deiner Seele ! Und doch seid Ihr auf Euer Müdschewwedet60 so stolz ! Suchst du nicht auch nach der Treppe , auf welcher du im Traum hinaufgestiegen bist zum Schatten an der offnen Tür ? « » Die liegt drüben auf der andern Seite , die zugemauert ist . « » So laß dort öffnen , und ich bin überzeugt , daß sie vorhanden ist ! « » Das werde ich wohl tun , jedoch zu seiner Zeit . Jetzt möchte ich hinaus , nur wieder an die Sonne ! Aber warte ; da fällt wir Etwas ein . Da hinter diesem Schutt geht es ja tief hinunter in das Wasser , wo der Aschyk ist . Ich muß ein Lebenszeichen von ihm haben ! « Ich kletterte hinauf . Sie folgte mir sogleich , indem sie mein Gewand ergriff . » Um Chodehs willen , stürze nicht hinab ! « warnte sie . » Keine Sorge ! Ich bin vorsichtig ! « » Ich halte dich dennoch und lasse dich nicht los ! Stürzest du , so gehe ich auch mit unter ! « » Das ist Dschanneh , Dschanneh , die Seele , die mit dem Geiste steigt und mit ihm fällt ! « Der Haufen war oben breit und fest , doch nahm ich mich in Acht . Schakara hielt mich trotzdem noch fest . Ich atmete hier eine feuchte Luft . Die Decke über mir war von Schimmel überzogen . Nun rief ich laut , wieder und wieder . Nach dem dritten Male kam Antwort , aber was für eine ! Es war , als ob da unten hunderte von Stimmen zeterten und brüllten , eine Folge des vielfachen Wiederhalles . Verstehen konnte ich nichts . Doch genügte es ja , zu wissen , daß er noch lebte und nicht vom Steine herabgeglitten und ertrunken war . Ich kroch also zurück und stieg hinab zum festen Boden . Da wischte Schakara sich den Schweiß von der Stirn und bat : » Effendi , nie , nie wieder so etwas Fürchterliches ! Das mußt du mir versprechen ! « » Ich denke , du hast weder Furcht noch Angst ? « antwortete ich . » Nur um mich selbst ! Für Andre aber kann und muß ich zittern ! Komm schnell hinaus ! Ich muß dich draußen sehen ! « Sie zog mich fort und gab mich erst dann wieder los , als wir den Vorhof erreicht hatten . Sie konnte nicht anders ; es lag in ihrem Wesen . Nun atmete sie auf , tief und froh , und sprach : » Da drin sah ich nichts als den Untergang , als das Verderben ! Die Zeit ist da ; es kracht schon überall ! Hier aber stehe ich im klaren Sonnenlicht und sehe schon von fern die Hilfe kommen . Im Osten sind bereit die Kalhuran , und dort , wo sich die höchsten Berge öffnen , erscheint die Hilfe Marah Durimehs . Ich brauche ihr das Zeichen nur zu geben , so sendet sie die kampfgewohnten Scharen , die sie bereit hält gegen unsre Feinde . « » Sie hält Hilfe bereit ? « fragte ich schnell . » Das wäre ja köstlich für uns ! Sie ist also überzeugt gewesen , daß es zum Kampfe kommt ? « » Ja . Und sie hat sich vorbereitet . Ihr sollt Euch auf den Schah-in-Schah verlassen , ja . Er hat euch lieb und ist der Herrscher dieses Reiches . Aber die , welche sich seine Hohen nennen , verwandeln seine Liebe unterwegs in Haß und spiegeln aller Welt die große Lüge vor , er habe ihnen die Gewalt gegeben , die doch nur er allein besitzen kann . Der Ungehorsam schließt sich ihnen an und macht sie scheinbar stark , dem Herrn zu widerstehen . Wer still des Herrschers gute Wege wandelt , wird angefeindet , möglichst unterdrückt . Wer aber sich vor jenen Großen beugt , aus Dummheit , oder auch des Vorteils wegen , den unterstützen sie auf jede Art und Weise . Der Schah ist gütig , aber auch gerecht . Er straft nicht gleich . Doch kommt dann seine Zeit , so fällt das Wort , das wie ein Hammer schmettert . Der kluge Untertan greift ihm nicht vor . Die Trägheit nur braucht immerwährend Hilfe . Für Jeden aber , der Charakter hat , ist es wohl Mannesseligkeit , zu wissen , daß er sich füglich selber helfen könne . Effendi , komm ; Charakter ist vorhanden ! Wir greifen gern mit eignen Händen zu . Und wenn der Schah das sieht , wird er sich freun . Denn darin grad , daß wir es selbst vollbringen , liegt seine größte Macht : direkte Volkesliebe ! « Sie hatte sehr ernst gesprochen . Nun nahm sie das Gefäß auf und fügte mit herzlichem Lächeln hinzu : » Diese Beeren pflückte ich für dich und den kranken Hadschi . Natursäfte ! Besser als Alles , was die Kochkunst unverständig mischt ! « » Gib sie ihm alle , Schakara ! Ich habe Charakter und pflücke mir jetzt selber ! « Da verwandelte sich ihr Lächeln in jenes kurze , wohlklingende Lachen , welches ich so gern von ihr hörte . » So gehe ich voran , « sagte sie . » Hanneh weiß , daß ich komme . « Ich blieb noch eine ganze Weile , um mir die großen , weißen Himbeeren schmecken zu lassen . Da hörte ich meinen Namen rufen . Als ich mich umdrehte , sah ich Kara Ben Halef , welcher an der schon einmal erwähnten Mauerstelle herabgeklettert und dann auf mich zugeeilt kam . » Sihdi , ich bringe dir Besuch , sehr hohen Besuch , « sagte er . » Wen ? « » Das darf ich dir nicht sagen . « » Woher ? « » Auch das soll ich verschweigen . Du sollst selbst kommen und sehen . « » Etwas Gutes ? « » Sehr , sehr ! « Da ich jetzt noch nicht klettern wollte , gingen wir zum Glockenweg hinauf . Unterwegs erzählte mir der junge Hadeddihn : » Ich machte meinen Uebungsritt , dieses Mal nach dem Hasenpasse . Da kam mir ein Reitertrupp entgegen , bei dem sich einer der Dschamikun befand , die mit dem Ustad fortgeritten sind . Der Anführer war ein sehr vornehmer Perser . Er wußte , daß der Ustad verreist ist , und fragte nach dir ; er habe dich zu besuchen . Ich kehrte selbstverständlich mit ihnen um und bin soeben angekommen . Er hat mit Schakara gesprochen und auch mit dem Pedehr . Beide beeilten sich sofort , die obere Etage des Wartturmes aufzuschließen , wo sich einige Stuben für besondere Gäste befinden . Da soll er wohnen . Jetzt ist er in der Halle . « » Wieviel Dienerschaft ? « » Nur drei Stallburschen für die Pferde . « » So ein vornehmer Herr ? Und in dieser unsichern Gegend ! « » Für seine Sicherheit hatte er gesorgt . Es hatte ihn eine Schar von Kalhuran bis an den Paß begleitet und war dort von ihm entlassen worden . Es sind im ganzen acht Pferde , vier zum Reiten , drei für das Gepäck und ein lediges , welches wertvoll zu sein scheint , denn es ist ganz und gar in einen Anzug geschnallt , der nur die Hufe , die Nüstern und die Augen sehen läßt . Sogar der Schweif ist sorgsam eingewickelt , in einen leichten , dünnen Schleierstoff , wie vornehme Damen ihn vor dem Gesicht tragen . Ist das nicht sonderbar ? « » Hiernach scheint das Pferd allerdings von größtem Wert zu sein . Wir werden ja sehen ! « Als wir in den Hof kamen , befanden sich die Pferde schon nicht mehr da . Sie waren einstweilen in das Gewölbe gebracht worden , in dem sich die gefangenen Soldaten befunden hatten . Ich ging in die Halle . Da saß der Fremde mit dem Pedehr . Er trug einen persischen Reiseanzug . Als er mich kommen sah , sprang er auf . Er erkannte mich und ich ihn . » Dschafar ! « rief ich aus . » Mein Retter ! « klang es aus seinem Munde . Dabei eilte er auf mich zu , schlang die Arme um mich und küßte mich fünf , sechs , acht mal , auf den Mund , auf die Stirn , auf die Wangen , wohin er nur gleich kam ! Ich war damals in den Vereinigten Staaten zuweilen etwas streng gegen ihn gewesen ; das schien er aber vollständig vergessen zu haben . Er strahlte förmlich vor Freude ; die meinige war ebenso herzlich , aber stiller , und doch dauerte es längere Zeit , bis alles schnell fragende Hin und Her vorüber war und wir uns niedersetzten . Der Pedehr war so vernünftig , zwei Hukah ' s61 kommen zu lassen . Das Rauchen derselben und das stete Bemühen , sie nicht ausgehen zu lassen , zwang uns zum ruhigeren Gespräche . Da wir uns jetzt nicht im » wilden Westen « sondern im innersten Oriente befanden , nannten wir uns nach der Sitte dieser Gegend sofort du . Sonderbarer Weise schien er um keinen Tag gealtert zu sein , und von mir behauptete er , daß ich jetzt jünger aussehe als damals . Der persischen Anstandslehre zu gehorchen , hielt ich ihm gegenüber nicht für nötig . Man hat geduldig zu warten , bis dem Andern die ersehnte Mitteilung beliebt . Das fiel mir aber gar nicht ein . Ich fragte ihn sehr einfach , woher er wisse , daß ich mich hier bei den Dschamikun befinde . Da sah er mich kopfschüttelnd an und fragte : » Hast du denn nicht gewußt , daß ich ein Bekannter des Ustad bin ? « » Doch ! « » Und da hast du dir nicht gedacht , daß es sein Erstes war , mich zu benachrichtigen , als du hier angekommen warst ? Ich hatte erzählt , was ich dir zu verdanken habe , und wie sehr ich wünsche , dich einmal wiederzusehen ! Er hat mich wiederholt über dein Befinden unterrichtet , dir aber nichts davon sagen dürfen , weil ich dich hier überraschen wollte . Nun bin ich endlich da ! Und habe dich zu grüßen ! Von wem ? « » Nun ? « fragte ich . » Vom Schah-in-Schah . « » Von - - - dem ? ! « rief ich erstaunt aus . » Da gibt es doch nichts zu verwundern ! Es ist vielmehr sehr einfach ! Ich erzählte ihm von dir . Und nicht nur einmal , sondern öfters . Du hieltest mich da drüben in Amerika für einen Unwissenden , einen unvorsichtigen Träumer . Aber - - - « fügte er mit feinem Lächeln hinzu - - - » diese Träumerei war Tebdil , war Haßlama62 , obgleich ich zugebe , daß ich die Verhältnisse allerdings nicht kannte , sondern sie erst studieren wollte und mir dabei zuviel zugetraut hatte . Meine Aufgabe war - - - doch davon vielleicht später ! Kurz , der Schah lernte dich aus meinen Erzählungen kennen , und nicht bloß kennen , sondern mehr . Er erfuhr Alles , was ich von dir wußte . Und kürzlich stellte sich auch noch ein Anderer ein , der ihm noch mehr als ich von dir erzählen konnte . Das war ein Engländer , welcher David Lindsay heißt und - - - « » Lindsay ist in Isphahan ? « unterbrach ich ihn schnell . » Nicht mehr , sondern schon wieder fort . « » Wohin ? « » Zunächst nach Jesd hinüber , so viel ich weiß . Dann will er hierher , um mit dir weiter zu reisen . Ich glaube aber nicht , daß er dazu kommen wird . Ein Verwandter , der bei ihm ist , nämlich ein General , aber kein Original , hat ihn so in Beschlag genommen , daß du wohl kaum hoffen darfst , deinen sonderbaren Freund jetzt wiederzusehen . Er wurde mir vorgestellt und erzählte mir von dir , aber so viel und so interessant , daß ich ihn bat , mich zu besuchen . Ich machte den Schah auf ihn aufmerksam . Die Folge war ein sehr unterhaltender Abend zu Dreien . Der Gegenstand des Gespräches waren seine Reisen mit dir und die Absichten , welche du mit diesen Reisen verbindest . Du wirst wissen , daß der Schah Bücher schreibt . Auch ich bin Schriftsteller . Man nennt mich sogar Dichter . Da ist es begreiflich , daß er sich sehr lebhaft für dich interessierte und sich freute , dich jetzt hier in seinem Lande zu wissen . Als er erfuhr , daß ich dich besuchen werde , gab er mir seine Grüße mit und außerdem noch zweierlei . Ueber das Eine wirst du dich freuen , denn es ist ein Zeichen seiner Huld . Das Andere aber ist etwas so Eigentümliches , daß es dich wahrscheinlich befremden wird . Ich bin nicht ermüdet , bedarf also nicht der Erholung von dem heutigen Ritte und halte es darum für das Beste , mich dieser beiden Aufträge sofort zu entledigen . Hast du Zeit , Effendi ? « » Ja . « » So komm mit mir jetzt dorthin , wo ich wohnen werde ! « Wir gingen nach dem Turme , zwei steinerne Stiegen hinauf . Die Reitknechte hatten das Gepäck bereits heraufgebracht . Es war Niemand da als Schakara , welche ordnete . Sie wollte sich sofort entfernen , ich bat sie aber , zu bleiben . Während er eines der Pakete öffnete , trat ich an das Fenster . Es gab hier eine fast ebenso schöne Aussicht wie drüben bei mir . Nun war das Paket aufgemacht , und er begann , auszulegen . Ich sah eine lange , weite Sirdschameh63 von kostbarer , blauer Seide , ein weißseidenes Pirahen64 , ein Alkalok65 von feinster , dunkelblauer Baumwolle , mit engliegenden , silbernen Knebeldressen , eine ebensofarbige Käba66 aus dünner , aber unverwüstlicher Kaschamira , einen wenigstens sechs Meter langen Kemär67 , fast spinnwebenfein , als Gürtel um den Leib zu winden , eine Dschubbeh68 , mit köstlichem Pelzwerk verbrämt , eine hohe , schwarze Lammfellmütze von jener Art , die nur ein Kaiser verschenken kann , ein Paar Pantoffel , ein Paar Schuhe und ein Paar Reitstiefel von weichstem Gazellenleder . Schon die Bibel spricht von » Feierkleidern « , welche die Könige verschenkten . Es ist das eine orientalische Sitte , die man in einigen Ländern bis heute beibehalten hat . Besonders liebte es der Schah , in dieser Weise seine Gunst zu zeigen . » Schau her ! « forderte mich Dschafar auf . » Dieses Ehrenkleid habe ich dir vom Beherrscher zu überbringen . Es wurde von ihm eigenhändig ausgewählt , nachdem ich ihm deine Gestalt beschrieben hatte . Aus den Stoffen magst du ersehen , ob diese Ehrung eine gewöhnliche ist oder nicht . Du bist gewohnt , tiefer zu blicken . Ich weiß , daß dieser Anzug für dich mehr bedeutet , als er für einen Andern sein würde . Allah gibt seinen Geistern verschiedene Gewänder , scheinbar schöne und scheinbar häßliche . Man nennt sie alle Leib . Vor ihm ist nur das Schlechte häßlich und nur das Gute schön . Nur auf den Menschen kommt es an , ob er die Kleidung würdigt oder nicht ! « So Etwas hatte ich ja ganz unmöglich erwarten können ! Meine Freude wurde verdoppelt , als Dschafar ein zweites Paket öffnete , welches einen ähnlichen Anzug für meinen Hadschi Halef enthielt . Ich sah den braven Freund schon jetzt im Geist in Wonne schwimmen ! Das war ja noch nie , noch nie passiert , daß ein Hadeddihn vom Schah-in-Schah geehrt worden war , und noch dazu in dieser Weise ! Es ist nicht meine Art , den Dank , den ich gern still empfinde , in viele laute , wohlklingende Worte zu kleiden . Ich verstand die beiden Geber des Geschenkes , und Dschafar verstand auch mich , obwohl ich nur wenig sagte . » Und nun das Zweite , das Sonderbare ! « begann er wieder . » Ich lenkte meinen Ritt hierher zunächst nach dem Schlosse Mihribani , wo sich der Herrscher jetzt befindet . Eine Tagesreise , nachdem ich es verlassen hatte , traf ich mit dem Ustad zusammen , der zu ihm wollte . Er bat mich , zu warten und dann mit ihm zu reiten , wenn er zurückkehren werde ; ich ging aber nicht hierauf ein . Bei dieser Gelegenheit erzählte er mir Vieles , wenn auch nicht Alles , was hier geschehen ist . Ich erfuhr auch , daß du von Syrr gehört hast , dem angeblichen Geschenk des Schah-in-Schah , dem rätselhaften Pferde . Ich bitte dich , mir mitzuteilen , was du jetzt von ihm weißt ! « Ich sagte ihm , was ich über Syrr erfahren hatte ; es war nicht viel und klang ziemlich dunkel . » Man hat dir Wahres und Falsches berichtet , « sagte er dann . » Es war ein köstlicher Gedanke vom Beherrscher , sein bestes , grad sein allerbestes Pferd ganz im Verborgenen und ohne jeden Zeugen so zu schulen , wie es mit Syrr geschehen ist . Es trägt nur ihn allein . Zu dem alten Kunststück mit dem Abwerfen Anderer ist es zu gut , zu edel . Aber es gehorcht eben nur dem Schah-in-Schah . Setzt sich ein Anderer auf , so bleibt es eben stehen . Am Zügel führen läßt es sich , reiten aber nicht . Damit es nicht durch seine vielen Stallbediensteten und die Mucken anderer Pferde verdorben werde , hat er es zu mir getan , wo es nicht belästigt wird . Mein kleiner aber schöner Stall steht fast ganz leer , und weil ich nicht das bin , was man einen Reiter zu nennen pflegt , ist Syrr nicht der Gefahr ausgesetzt , daß ich ihn behellige . Ich habe ihn also nicht geschenkt bekommen ; dieses Gerücht ist falsch . Wenn der Herrscher ihn braucht , kommt er zu mir und stellt ihn dann auch selbst wieder ein . Aber er ist keineswegs dagegen , sondern es macht ihm vielmehr Spaß , wenn angebliche Reitvirtuosen mich bitten , beweisen zu dürfen , daß Syrr ihnen gehorchen müsse , er möge wollen oder nicht . Es ist noch Keiner dagewesen , der dies fertiggebracht hat , sondern es hat ein Jeder mit Beschämung abziehen müssen , weil er das Geheimnis zwischen dem Schah und diesem Pferde nicht entdecken konnte . Du schaust mich an , Effendi . Du lächelst . Glaubst du etwa , daß du es entdecken würdest ? « » Es käme auf eine Probe an , « antwortete ich . Da fiel er rasch ein : » Die sollst du machen ! « » Wann ? « » Wann es dir beliebt ! « Da sah ich ihn freilich noch ganz anders an als vorher . » Dschafar ! « rief ich aus . » Ich hörte , Du habest ein vollständig verhülltes Pferd mitgebracht . Soll ich etwa gar vermuten , daß - - - « Ich empfand es als Wagnis , den begonnenen Satz auszusprechen . Er aber lachte fröhlich auf und tat es an meiner Stelle : » Daß dieses Pferd der Syrr des Herrschers ist ? Ja , er ist es . Ich habe ihn mitgebracht . « Da sagte ich kein Wort . Ich war fast erschrocken . Dann kam mir die Sprache wieder : » Welche Kühnheit von dir ! Was wird der Schah-in-Schah tun , wenn er es erfährt ! Er stellte den Syrr bei dir ein , damit er unbelästigt bleibe , und du schleppst ihn so viele Tagereisen weit hierher zu uns , allen , allen den Gefahren ausgesetzt , vor denen dieses kostbare Pferd grad durch dich bewahrt werden sollte ! « Nun lachte er noch herzlicher als vorher und antwortete : » Eine Strafrede statt des Lobes ! Du bist ja förmlich zornig , Effendi ! Aber ich nehme das als gutes Zeichen und will dich beruhigen . Wisse , daß ich nichts , gar nichts gewagt habe . Wir wurden , nämlich Syrr und ich , von einer Abteilung der Leibgarde bis zu den Kalhuran und dann von diesen Euren Freunden bis fast ganz hierher gebracht . Es konnte uns also unterwegs nichts geschehen . Und grad um das Pferd nicht anzustrengen , habe ich nicht auf den Ustad gewartet , sondern bin langsam vorausgeritten . Und wenn ich sage Leibgarde , so soll das heißen , daß ich es nicht ohne die besondere Erlaubnis des Beherrschers tat . Ja , er selbst ist es , der den Gedanken angeregt hat , Syrr mit nach hier zu nehmen ! « » So bin ich starr ! « » Starr ? Ich werde dich sofort wieder lebendig machen , indem ich dir sage , daß ich den Syrr für Niemand bringe , als für dich allein . « » Für mich ? Sei ernst ! « » Ja , ja ; für dich ! Und das kam so : Daß du ein guter Reiter seist , das hatte ich erzählt , doch ist das nicht der Grund . Die Andern alle , welche nichts erreichten , hatten ja geglaubt , nicht nur gute , sondern sogar virtuose Reiter zu sein . Aber ich hatte auch von deiner Findigkeit gesprochen , von deiner Aufmersamkeit für alles Tiefere und von deiner Liebe zu den Tieren . Lindsay erzählte so viel von dir und deinem Rih , dem herrlichsten Pferde der Hadeddihn . Der Schah erfuhr , wie du dich zu den Pferden und überhaupt zur Kreatur verhältst , und als ihm dein Sprung über die Verräterspalte und gar das gräßliche Wagestück berichtet wurde , daß du , vorn und links den Abgrund , rechts die Felswand , hinter dir die Feinde und unter dir den kaum vier Fuß breiten Stein , durch einige liebe Worte dein zitterndes Pferd bewegtest , sich vorn zu erheben , den halben Körper über der Tiefe , und langsam umzuwenden - - - da rief er aus , daß du es vielleicht sein könntest , dem Syrr außer ihm gehorchen würde , weil ein freundliches Wort von dir genügt habe , die Todesangst des Pferdes in ruhiges Vertrauen zu verwandeln . Und als er hörte , daß ich dich besuchen werde , ging er mit sich zu Rate , ob er mir den Syrr anvertrauen solle oder nicht . Ich selbst riet ihm ab , weil ich nicht glaubte , eine solche Verantwortlichkeit auf mich nehmen zu können . Aber grad mein Widerstand schien ihm die Gewähr zu bieten , daß das Pferd nicht nur daheim , sondern auch während dieser Reise in guten Händen sei , und so befahl er mir , es mitzunehmen . Ich sage , er befahl ; so durfte ich mich nicht länger weigern . « » Dschafar - - - Mirza - - - vor allen Dingen , wie soll ich dich titulieren ? « » Du nennst mich einfach Dschafar ; ich will es so . Die Andern mögen immerhin Mirza sagen ! « » Ich danke dir ! Nun wieder zu dem Pferde ! Ich kann mir nicht denken , daß dir der Schah den köstlichen Syrr bloß aus reiner Neugierde anvertraut hat , nur um zu erfahren , ob es mir gehorchen werde . Es muß noch ein anderer , höherer oder tieferer Grund vorhanden sein . « » Der ist auch da ! Bezeichne ihn , wie du willst ; ich nenne ihn psychologisch . Der Herrscher nannte es ein Problem , und zwar ein wichtiges Problem . Er ist nicht etwa neugierig , sondern gespannt ! Das ist doch wohl ein Unterschied ! Er sagte sogar , Syrr sei zwar unbezahlbar , aber keineswegs ein zu hoher Preis für die Lösung , doch wolle er warten , ehe er hiervon spreche . Effendi , Effendi , merkst du , was der Beherrscher will ? « » Ja . « » So gieb dir Mühe ! « » Mühe ? Dschafar , Dschafar ! Mühe tut es am allerwenigsten ; ja , sie würde nur verderben ! Wenn mich das Pferd nicht gleich beim ersten Anblick liebgewinnt , brauche ich gar nicht zu probieren ; es würde doch vergeblich sein . Sag mir , was frißt es wohl am allerliebsten ? « » Sein größter Leckerbissen ist ein Apfel . « » Hat es irgend eine Untugend , welche zu schonen ist , wenn man es nicht erzürnen will ? « » Nein , keine einzige . « » Irgend eine empfindliche Körperstelle , die man nicht berühren darf ? « » Auch