Ostens , Byzanz , - Constantinopel - Stambul ! - Die drei Namen umfassen ihre Geschichte . Gegenüber auf der nördlichen Seite des goldenen Hornes , dessen Ufer sich hier schroffer und steiler emporheben und als die westliche Felswand des Bosporus zum schwarzen Meere fortlaufen , liegen die neueren , zum Theil von den Genuesen und Venetianern gegründeten Stadttheile : um die äußere Spitze Tophana , daran stoßend am innern Ufer des Hornes Galata , über beiden terrassenförmig auf der Berghöhe Pera , die Frankenstadt . An Galata schließt sich Tershana , mit dem großen Schiffsarsenal und den Werften , Chaskiöi , Piri-Bascha und Sidlische , bis am Ende der Meeresbuchtung , den sogenannten süßen Wassern von Europa , wo sich einzelne Binnenflüßchen in den Meeresarm ergießen , die Vorstadt Kara Agatsch die Verbindung mit Stambul , der Türkenstadt , bildet . Auf der Höhe des Berges umziehen die Vorstädte Cassim-Pascha und St. Demetri die Frankenstadt Pera . Stambul selbst wird außerhalb der großen verfallenen Ringmauer , die es noch aus der Griechenzeit her einschließt , von den Vorstädten Ejoub ( zunächst am goldenen Horn ) und Daoud-Pascha umgeben . Gegenüber dem Eingang des goldenen Horns auf dem asiatischen Ufer liegt in prächtiger , sanft ansteigender Terrasse Scutari , das gleichfalls als Vorstadt Constantinopels gilt . Als solche werden auch die fortlaufenden zusammenhängenden Ortschaften entlang der beiden Seiten des Bosporus angesehen , welche hauptsächlich durch die Paläste und Villen der vornehmen Türken und Europäer gebildet werden , zunächst auf dem europäischen Ufer : Funduklu , Dolmabaghdsche , Orta-Koi , Kura-Tschesme , Arnaud-Koi , Rumili-Hissar das berühmte Schloß von Europa , Baltaliman , Jeni-Kioi , Therapia und Buyukdere , während auf der asiatischen Seite an Scutari sich Beglerbeg , Koi , Kandili , Anatoli-Hissar das Schloß von Asien , Kandtische , Beykos und Unkiar-iskelessi anreihen . Das ist die allgemeine Topographie jener Stätte auf Erden , die ein Paradies erscheint von Außen , Moder und Verwesung im Innern . Doch das ist nur das Menschenwerk ! Was Gott auf jenem Fleck seiner schönen Welt geschaffen , das ist ein unvergänglicher , strahlender Diamant im Kranz ihrer Herrlichkeiten . Ein blauer durchsichtiger Himmel wölbt seinen ewig heiteren Bogen über die leicht bewegte Fluth , deren Ultramarin die Orientalen mit dem Namen Giök-su - das ist : Himmelswasser - getauft haben . Auf mehrere Meilen weit durchdringt das Auge diese klare , reine Luft so deutlich und sicher , wie in nordischen Landen kaum auf die Entfernung einer Viertelstunde die Gegenstände sich ihm zeigen . Am leicht aufsteigenden Berghange , der sich in sieben Hügel gruppirt , hebt sich die riesige Stadt , ein Meer von achtzigtausend Häusern - Byzanz - Constantinopel - Stambul - mit jenen tausendjähriqen Erinnerungen des alten Thraciens , des mächtigen Römerreiches - der Kreuzzüge - des Jahrhunderte langen Kampfes der Komnenen und Paläologen gegen die asiatischen Horden , des Kreuzes gegen den Halbmond , des Christenreiches gegen die Moslems , für dessen Hilferuf das kirchenprahlerische Europa kein Ohr hatte ; - mit jenen Erinnerungen an Ströme von Blut , an jene Siege des Halbmondes , der von hier aus Europa bedrängte und seine Noßschweife bis vor die Thore Wiens trug . Welche Weltgeschichte thürmt sich vor der Phantasie mit jenen Häusermassen in den blauen Himmelsdom ! Und da links - über die Kiosks und Bleidächer von seltsamer Form , die zwischen Platanen und dunklen Cypressen von der Landspitze des Horns das Auge fesseln , über das Serail - eine Stadt in der Stadt - hinweg hebt sich auch ein Dom , riesig und mächtig , ein Meisterwerk von Menschenhänden , wie die Erde kein zweites hat : - des großen Justinian heiliger Gedanke an Gott , - die Sophien-Kirche - jetzt die Aja Sophia , eine türkische Moschee , über deren Gigantenkuppel von 180 Fuß Höhe und 115 Fuß Spannung hoch in die Luft ein riesiger Halbmond sich streckt , als Wahrzeichen , daß Europa ja nicht vergessen möge seiner feigen Herzlosigkeit , ja nicht vergessen möge , daß es hier den Christenglauben von dem Moslem mit Füßen treten ließ ! Aus dem Meer von Häusern , alle klein , alle eintönig in ihrer rothbraunen Farbe , tauchen Paläste und die bleiglänzenden Kuppeln der beiden Bazars und zahlloser Moscheen empor , schießen die schlanken säulengleichen Minarets in die Höhe , mit den schmalen Rundgängen und den grünen hohen Spitzen , wie tausend Fingerzeige nach Oben . Dazwischen wechselt das Grün der Platanen , das dunklere der Cypressen von den Gärten und weiten Kirchhöfen auf der Höhe der Berge : der riesige Palast der Hohen Pforte streckt seine lange Front auf dem einzigen freien Platz zwischen den Häuserreihen , der Thurm des Seraskiers , der Feuerthurm , von dessen Höhe Tag und Nacht Wächter die weite Stadt überschauen , um alsbald den Ausbruch der gefährdenden Flamme verkünden zu können , hebt sich wie eine Warte des romantischen Mittelalters in die Luft . Und drüben auf der andern Seite des goldenen Horns - Chrysokeras , wie die Griechen wegen seiner vortheilhaften Lage und seines Reichthums an Fischen diesen schönsten aller Meeresarme nannten , - da wo die Mauer von Galata Pera abscheidet , hebt sich eine wirkliche Warte aus jener Zeit , der alte Genueser Thurm , mächtig und frei von dem Berge ab , zu gleichem Zweck dienend , wie der jüngere Gefährte am Seraskiat . Von der Spitze Beider weht die rothe Fahne mit dem weißen Halbmond und den weißen Sternen . Das Bergufer auf der Nordseite des goldenen Horns steigt , wie erwähnt , steiler empor , als das der Türkenstadt , und hier kann man die Straßen und Gassen leichter verfolgen . Massive Gebäude sind hier häufiger , während bei den Türkenhäusern nur das Erdgeschoß von Mauerwerk , der Aufsatz aber von Holz ist . Die Paläste der Gesandten , darunter das große , nach der Seite von Tophana abfallende russische Gesandtschaftshotel zeichnen sich aus . Am Ufer des Bosporus liegt die große Geschützgießerei Tophana , von der der Stadttheil seinen Namen hat . - Zwischen dem europäischen und asiatischen Ufer , doch näher an Scutari , erhebt sich , eine kleine Felseninsel aus dem Meer wie Caub im Rhein , der Thurm des Leander mit seinem Wasserschloß . Scutari erscheint , selbst aus der Ferne gesehen , - das Meer ist hier eine halbe deutsche Meile breit , - weit freundlicher und lichter , als die europäische Stadt . Nach dem Marmorameer zu erstreckt sich dort dicht am Meeresstrand die neu erbaute kolossale Kaserne , weiß und roth angestrichen , die mehrere Regimenter fassen kann . Auf der Höhe des Berges Burgulu , an dessen Senkung sich die Stadt ausbreitet , dehnen sich die meilenlangen großen Friedhöfe aus , die größten des Orients , denn auch aus Stambul lassen sich viele Türken hier begraben , um in der heimathlichen Erde der Mutter der Völker , Asiens , zu ruhen . Darüber hinaus in der Ferne hebt der Olymp seine Schneegipfel am Horizont . Drei große schöne Schiffbrücken führen über das goldene Horn , diesen prächtigen und größten Hafen der alten Welt . Jede enthält zwei Bogen zum Durchlaß der Schiffe , und die Meeresbucht ist so tief , daß selbst die größten Linienschiffe sie durchkreuzen und bis dicht an ' s Ufer anlegen können . Hunderte und aberhunderte großer Schiffe jeder Art wiegen sich auf den blauen Wellen dieses Hafens und am Eingang desselben , riesige Linienschiffe , Fregatten . Kriegsdampfer , dazwischen die Unzahl der Handelsfahrzeuge jeder Form aus allen Gegenden und Zonen der Erde , die Brigg aus den Häfen der Ostsee , der Fregattschooner von New-York und New-Orleans , die italienische Barkasse und die Tartane der afrikanischen Küste , die Nacht und der Prahm , die Galeotte und die plumpe Sloop ; der Handel und Verkehr der Erde scheint sich hier ein Rendezvous gegeben zu haben . Dazwischen brausen Dampfer eilig hin und her , legen in jeder halben Stunde an der Brücke an , um Passagiere einzunehmen für Scutari , den Bosporus , die Prinzeninseln , oder ankern stolz auf der Rhede , um die weite Fahrt nach den Küsten des schwarzen Meeres , nach dem sagenhaften Trapezunt , nach Smyrna , Saloniki , Alexandrien , Triest , Malta , Marseille und noch weiter hinaus nach den Kreideküsten von Alt-England zu machen . Tausende von Kaïks , diesen Schwalben des Bosporus , - leichte , schlanke , schmale , auf beiden Seiten spitze Boote , - so eng und leicht gebaut , daß sie gewöhnlich außer dem Fanarioten oder Moslem , der das Ruder führt , nur eine Person tragen , die auf dem Boden des zierlich mit Schnitzwerk und Teppich gezierten Fahrzeugs kauern muß , kreuzen und schießen in allen Richtungen umher mit wunderbarer Schnelligkeit , gleich leuchtenden bunten Pfeilen über die Fluth . Darin sitzt mit gekreuzten Beinen der Türke in weiter orientalischer Tracht , den Turban auf dem geschorenen Haupt , oder in dem neuen unkleidsamen blauen Rock mit dem Feß , - der fränkische Kaufmann oder neugierige Fremde , - der Armenier in seinem schwarzen fliegenden Talar , - die Hanum in ihren weißen Yaschmal und den bunten Feredschi gehüllt - Alles kreuzt geschäftig oder im müßigen Vergnügen von Ufer zu Ufer und in der Meeresstadt umher , deren Häuser und Straßen die Schiffe der Nationen bilden . Es soll dieser Kaïks über 80,000 in Constantinopel geben und der größte Theil derselben ist fortwährend in Bewegung . Die Großen und Reichen haben deren in Menge von den verschiedensten Größen mit reichen Vergoldungen ; die zahlreichen Bootschuppen am Ufer des Hornes zwischen der Moschee der Sultanin Valide und dem Serail bergen einen großen Theil . Ueber die Brücken und durch die Gassen zunächst dem Horn und den Bazars - Besestan in Constantinopel genannt - wogt fortwährend ein Gedräng von Menschen , wie kaum die belebtesten Straßen von London es bieten , unvergleichlich in seinem bunten , immer wechselnden Anblick . Die Völker des Morgen-und Abendlandes begegnen sich hier in ihrem nationalen Costüm ; neben dem Perser mit dem steifen , blauen Kaftan und der hohen spitzen Mütze von schwarzem Lammsfell der englische und französische Matrose ; neben dem Derwisch in seinem zerlumpten wollenen Mantel mit der , einem umgestülpten Eimer gleichenden Kopfbedeckung von grauem Filz der fränkische Kaufmann oder Handwerker aus Pera ; zur Seite des in seine braune Decke gehüllten Drusen und Kopten die hohe Figur des Tscherkessen , der Arnaut mit dem Arsenal von Waffen in seinem Gürtel , der Baschi-Bosuk aus den Wüsten Syriens oder von den arabischen Horden ; der geschäftige Grieche , der Turkomane , der verachtete Jude ; - das elegante pariser Frauenkostüm neben den faltenreichen Hüllen der türkischen Weiber ; - schwarze Sclavinnen - Bettler mit den widrigsten Gebrechen , die ihr » Allah il Allah « murmelnd an den Seiten der Brücke sitzen und reichliche Gaben in ihr Schälchen empfangen ; - die Saka ' s , die Wasser- und Limonadenverkäufer ; - Händler mit Zuckerwaaren ; - die Hamals , die auf gekrümmtem Rücken die schwersten Lasten befördern ; - Eseltreiber mit ihren Thieren - dazwischen ein einzelner Reiter , ein Offizier oder Beamter der Pforte auf dem kleinen türkischen Pferde , die Pistolenhalftern und Schabracken mit breiten Goldborten überladen , rechts zur Seite des Pferdes der Träger der Waffen , der Mappe oder Tasche , in welcher die Schriften aufbewahrt werden ; links an den Schwanz des Pferdes sich haltend ein anderer Tschokadar mit dem Tabacksbeutel und Schibuck seines Herrn im langen blauen Sack ; - alle Abstufungen von Farben in den Gesichtern , alle Pracht bunter Gewänder , reicher Gold- und Silberstickerei auf den Gestalten : - das ist das Bild dieses bunten Lebens , Treibens und Drängens . Dennoch bewegt sich die ungeheure , ewig ab- und zuströmende Masse wenn auch nicht stiller - denn es herrscht durchgängig durch die zahlreichen Ausrufer und die Handelsleute ein betäubender Lärmen , - doch weit sicherer und geordneter als bei uns . Kein Wagen , keine Equipage sprengt den Strom der Fußgänger auseinander , nur selten fährt langsam ein von einem oder zwei vor einander gespannten Pferden - in den Umgebungen der Stadt auch von Ochsen - gezogener Araba daher . Es ist dies ein im Rococcostyl des Abendlandes gebauter Wagen mit roth angestrichenem und reich vergoldetem Kasten von fast dreieckiger Form , die Spitze nach unten , der in Riemen zwischen hohen Rädern hängt oder fest aufsitzt , und in dem die Frauen der reichen und vornehmen Türken mit einer oder zwei Sclavinnen durch die Straßen fahren , um ihrer Neugier zu fröhnen und die Läden zu beschauen . Ein Eunuch oder Sclave führt das Pferd und wahrt die ohnehin in den abscheulichen Jaschmal verhüllten Frauen vor jeder Berührung mit den Männern . - Sobald man das Ufer betritt , schwindet alle Herrlichkeit des schönen Bildes und die Faulheit , Unordnung und der Schmuz des Orients bieten sich in ihrer vollen Widrigkeit dem Blick des Europäers . Diese ganze ungeheure Stadt müßte ein Flammenmeer gleich Moskau werden , um dann neu und herrlich aus den Händen des gebildeten Europa ' s an diesen paradiesischen Berghöhen emporzusteigen ! - Die jetzigen systematischen Brandstiftungen , welche in bestimmten Perioden die türkische Regierung ausüben soll , um zu einem zweckmäßigeren Neubau zu zwingen , genügen nicht und vermehren nur die traurige Unordnung durch den Anblick wüster Brandstätten , die Jahrzehende lang unbebaut bleiben . Und dennoch fragen wir uns unwillkürlich , würde mit dieser Unordnung , diesem Gewirr , selbst diesem Schmuz im Eintausch gegen europäische Regelmäßigkeit nicht auch jene Poesie des Orients schwinden , jener mährchenhafte Duft von Elend und Glanz , von Tod und Ueppigkeit , von Traum und Wahrheit , von Blut und Blumen , von Fanatismus und Lethargie , Liebe und Sclaventhum , Henkern und Houri ' s , Helden und Bettlern ? Würde die Newskoi-Perspective und der Winterpalast an die Felsenufer des Bosporus besser passen , als die schlanken Minarets , von deren Höhe der Muezzim zum Gebete ruft , oder als die geheimnißvollen Mauern und Kuppeln des Serails ? - - Dennoch läßt sich das Widrige , das Enttäuschende im Anblick dieses Schmuzes , dieser Vernachlässigung nicht hinwegläugnen . Außer vor dem Arsenal Tershana und vor dem Hofe der Geschützgießerei in Tophana giebt es um das ganze so trefflich geeignete Ufer des goldenen Horns keine Spur eines so nothwendigen und schönen Quais , wie die europäischen Seestädte sie bieten . Wo das Schiff oder Boot an ' s Ufer legt , da tritt der Fuß in Schlamm oder Schmuz , jedes Gäßchen , jedes Haus läuft unmittelbar auf den Meeresstrand aus und nicht hundert Schritt kann man auf demselben entlang gehen . Die Straßen sind , wie überall im Orient , eng und krumm und meistens Gäßchen , in denen oft kaum ein Fußgänger dem andern ausweichen kann . Selbst in Pera und Galata herrscht diese Bauart und die große Perastraße ist nur sechs Schritt breit . Die Straßen sind nur zun Theil , und das so jämmerlich , gepflastert , daß es die Unbequemlichkeit erhöht . In der Mitte läuft die Gosse - wo eine solche existirt . Die Stadttheile an der nördlichen Bergwand , also Galata , Tophana , Pera etc. , laufen so steil in die Höhe , daß der Weg ein bloßes Steigen und Klimmen ist . Die Häuser sind hier meist von Stein gebaut , mit europäischen Einrichtungen , die indeß wenig dem Klima entsprechen ; die Hôtels der Gesandtschaften sind große prächtige Gebäude , ohne doch den Stadttheil zu zieren , da sie in hohe Mauern eingeschlossen oder durch enge und finstre Stiegen und Gäßchen abgesondert sind . Die Perastraße bietet eine Menge europäische Läden , mit dem Kram gefüllt , der in Europa als zurückgelegte Waare betrachtet wird . Galata ist der Hauptplatz des Verkehrs , halb türkisch , halb fränkisch . Die Kaufleute und zahlreichen Banquiers haben hier ihre Läden und Gewölbe , ebenso der türkische Handwerker , der in offener Bude an der Straße sein Geschäft übt . Der Verkehr ist hier nach der Hornseite zu enorm . Erreicht man über die erste Schiffbrücke das Ufer von Stambul , so tritt man alsbald in ' s volle türkische Leben . Ueber niedere Häuser , deren Wände vom Boden bis zum Dach mit Hühnerkörben gefüllt sind , ragen die Kuppeln und Minarets der Moschee der Sultanin Valide empor , und man vertieft sich in die zahllosen Gassen und Gäßchen , die zum großen Bazar , zum alten Serail , zum Palast der Pforte , zum Hippodrom , zur Suleimania1 und der Zahl reicher Prachtbauten der andern Moscheen führen . Die Bauart der türkischen Privathäuser ist ziemlich dürftig , ein Viereck , das nach dem innern Hof oder Garten zu geöffnet ist , während nach der Strafe hin entweder die Hofmauer es ganz absondert oder doch nur Erker und wenige Fenster hinausgehen , die mit grünen Holzjalousieen oder vergoldeten Stäben vergittert und geschlossen sind . Das untere Stock ist von Steinen erbaut , die obern , höchstens zwei Etagen , gewöhnlich aber nur eine , sind von Holz und Fachwerk und laufen bei der großen Vorliebe der Türken für Balkons , Erker und Vorsprünge , in denen sie behaglich sitzen können , die eine über die andere auf Balkenunterlagen hinaus . Der Anstrich des Hauses ist gewöhnlich rothbraun , das Dach flach , mit niedern Mauern oder Wänden umgeben , so daß die Familie ungesehen von den Nachbarn auf seiner Höhe sitzen kann . Das große Serail - Serai Burnu - das in der Abgränzung der umgebenden Mauern einen Flächeninhalt wie etwa die innere Stadt Wien einnimmt , war der eigentliche Palast und Wohnsitz der ottomanischen Herrscher und der Schauplatz aller jener Revolutionen und Blutthaten , die so häufig die Thronfolge änderten . Dennoch sind der gegenwärtige Sultan und seine Söhne die direkten Abkömmlinge Ottoman ' s , des Gründers der Monarchie , und gehören demnach zu den ältesten Herrschergeschlechtern der Monarchieen . Der Vater Abdul Medschid ' s , der politische Reformator Mahmud II. , der die Janitscharen opferte und das Tansimat gab , verlegte die Residenz aus dem Serail , das noch von dem Blute seines am 28. Juli 1808 ermordeten Bruders und Sultans rauchte , nach den Bosporus-Palästen , um mit den Erinnerungen zu brechen , die sich für sein Geschlecht an jene Mauern knüpften . Er erbaute das Palais von Tschiragan am Ufer des Bosporus , nahe der Stadt , in dem noch der gegenwärtige Sultan residirt , bis das neue , von ihm erbaute und unfern , noch näher den Vorstädten belegene Palais vollendet ist . Zahlreiche Kiosks und Schlösser auf beiden Seiten des Bosporus und seinen zauberischen Höhen dienen außerdem zum wechselnden Aufenthalt des Sultans . Das ganze europäische Ufer des Bosporus bis Bujukdere hin ist bedeckt von Palästen und Landhäusern , die theils den türkischen Großen , theils den Gesandten und reichen Kaufleuten Constantinopels gehören , wo dieselben zur Zeit des Frühjahrs , Sommers und Herbstes wohnen . Während die Vorderfront der Häuser und Villen die Wellen des Bosporus bespülen , strecken sich auf der Rückseite prächtige Gartenterrassen an der steilen Bergwand in die Höhe . Es kann natürlich nicht die Absicht dieses Buches sein , eine umfassende und detaillirte Beschreibung Constantinopels zu geben , das durch den gegenwärtigen Krieg Europa erst nahe gerückt ist . Zahlreiche ältere und neuere Reisebeschreibungen liefern eine solche weit besser und ausführlicher . Der Autor hatte nur die Aufgabe , dem Leser zur Verständniß der Scenen und der Erzählung , die uns häufig in diesen Centralpunkt des großen Kampfes zurückführen muß , eine allgemeine Topographie zu geben , die näheren örtlichen und Sitten-Schilderungen den einzelnen Gelegenheiten überlassend . Nur über das Verhältniß der Frauen des Orients bleibt uns noch Einiges im Allgemeinen zu sagen . Die Lage derselben wird in Europa noch vielfach falsch aufgefaßt , und die vage Meinung der Menge glaubt jeden Moslem im Besitz eines kleinern oder größern Harems und die Frauen des Orients als gänzlich willenlose untergeordnete , dem Herrn des Hauses knechtisch gehorchende Wesen . Dies ist keinesweges der Fall . Die meisten Staats-und Privatintriguen entspinnen sich im Harem und werden dort geleitet . Der Moslem , bis zum Sultan hinauf , steht so gut unter ' m Pantoffel , wie der Abendländer , und die Macht und Freiheit der Frauen ist - wenn auch außer dem Hause ziemlich beschränkt - in dessen Innern eine sehr große . Die Dragomans und die Harems der Würdenträger sind die politischen Faiseurs des Orients . Es ist dem Mohamedaner erlaubt , vier Frauen zu heirathen , und dieselben gelten als seine rechtmäßigen Gattinnen ; die Zahl der Frauen des Sultans kam sich auf sieben belaufen , doch ist es selten , daß dieser wirklich auch nur mit einer die gesetzliche Ceremonie der Heirath vollzieht . Jeder Türke hat dagegen das Recht , so viele Sclavinnen zu halten , als er will und seine Verhältnisse erlauben2 . Dieselben sind dann die Dienerinnen seiner rechtmäßigen Frauen , wenn er solche hat , oder seine Odalisken , und während ihre Reize ihm gehören , - wozu jedoch ihre freie Einwilligung gehört , - haben sie keinerlei Rechte der Gattinnen . Die Geburt eines Kindes , gleichviel ob Knabe oder Mädchen , von ihrem Herrn macht die Sclavin und das Kind jedoch frei . Dies ist einer der Gründe , weswegen trotz der erlaubten Vielweiberei und des übermäßigen Genusses des geschlechtlichen Umganges die Zahl der türkischen Bevölkerung so gering ist und von Jahr zu Jahr abnimmt . Um dem durch die Fruchtbarkeit drohenden Verlust der Sclavinnen zu entgehen , existiren jene empörenden Geheimnisse der Harems , welche die Frucht im Mutterleibe ersticken , oder das Weib zu seiner erhabenen natürlichen Bestimmung unfähig machen . Der allgemeine Gebrauch dieser schändlichen Mittel ist theils ein erzwungener , theils ein freiwilliger . Denn selbst die angetrauten Frauen scheuen sich dessen nicht , und in den Harems der Reichen wird er häufig als Mittel betrachtet , den Vorzug über die Nebenbuhlerinnen zu gewinnen , und gerade hierin liegt der zweite Grund zu jener Erschlaffung des osmanischen Geschlechts . Da dem Muselmann die Liebe nur ein sinnlicher Begriff ist , sucht die Frau oder Odaliske jedes Mittel auf , alle die Sinnlichkeit des Mannes fesselnden Reize so lange als möglich zu bewahren und benutzt eben dazu jene Mittel , sobald sie ihm ein Kind geboren hat . Daher kommt es , daß , während im christlichen Europa die Kinderzahl in den Familien eine durchschnittlich bedeutende , namentlich bei den unteren Ständen , ist , in der Türkei bei den Familien der mittleren und unteren Stände selten mehr als ein oder zwei Kinder gefunden werden . Selbst der Sultan besitzt nur zwölf Kinder . Es ist eine in politischer und physischer Hinsicht anerkannte Thatsache , daß eine gänzliche Abschneidung der Zufuhr von Frauen aus Georgien und Circassien und die darauf basirte Regeneration des Blutes der Türkei den Lebensnerv ihrer gegenwärtigen Einrichtungen abschneiden würde . Daher jenes vorerwähnte russische Verbot . Wir bedauern , auf diese Details eingehen zu müssen , indessen ist es für die Aufgabe der treuen Schilderung , die wir uns gestellt , unbedingt nothwendig . Wir nehmen daher dieses Recht und diese Entschuldigung auch für Scenen in Anspruch , die sonst das ästhetische und moralische Gefühl beleidigen würden . Verschiedene Anordnungen des Korans beschränken die Gewalt über die Sclavinnen und Sclaven , deren Verhältniß übrigens in der Türkei mehr das von zur Familie gehörenden Hausdienern ist . Ueberhaupt ist der Türke in seinem gewöhnlichen Leben , wenn nicht besondere Leidenschaften ihn erregen , milde und gerecht . Es kommt häufig vor , daß die Sclaven nach einer längeren oder kürzeren treuen Dienstzeit frei gelassen und von dem Herrn ausgestattet , ja , mit einer Tochter der Familie verheirathet werden . Viele der ersten türkischen Würdenträger selbst der Neuzeit waren und sind solche freigelassene Sclaven3 . Der Moslem schenkt oder verheirathet oft eine seiner Sclavinnen seinem Sohne , doch darf sie in einem solchen Fall nicht des Vaters Concubine gewesen sein und wird durch die Heirath frei . Die durch den Umgang mit den Sclavinnen erzeugten Kinder werden als legitim betrachtet . Die Scheidung von einer Frau ist sehr leicht , obschon selten . Wir haben bereits erwähnt , daß die Herrschaft der rechtmäßigen Frau im Innern des Hauses eine eben so große ist , wie im kultivirten Europa , und sie duldet eben so wenig eine Nebenbuhlerin in ihrer Nähe . Daher ist denn auch das Recht zur Heirath von vier Frauen im Allgemeinen ein sehr problematisches und wird nur von Denen ausgeübt , die reich genug sind , ein großes Harem oder jeder der Frauen eine besondere Wohnung zu halten . Der Neid und die Eifersucht in den Harems ist überaus heftig und artet häufig in Tätlichkeiten , ja in geheime und offene Verbrechen aus . Die Abgeschiedenheit der Frauen außer dem Hause ist noch immer sehr groß . Während im Haremlik4 ihr Anzug und ihre Sitte eine übertrieben freie ist , obschon sie auch da nur vor dem Mann , den Kindern , den Eunuchen und Frauenbesuchen unverschleiert erscheinen , ist jeder Verkehr mit anderen Männern auf das Strengste verpönt . Seit der Regierung des vorigen Sultans haben sie zwar größtentheils die Freiheit des Ausgehens und Ausfahrens , und man sieht , wie erwähnt , in den Straßen und Läden Constantinopels Frauen in Menge , doch immer streng verhüllt und verschleiert , und kein Muselmann übertritt die Sitte und schaut ihnen , wie es bei uns geschieht , in das Gesicht . Selbst der Mann würde es für unschicklich halten , wenn er seiner Frau , die ihm begegnet , durch ein Zeichen merken ließe , daß er sie erkannt . Daß bei der Langeweile des Harems und des orientalischen Lebens im weiblichen Geschlecht sich auch alle Schwächen ihrer freien situirten Schwestern oft in erhöhtem Grade geltend machen , und Eitelkeit und Sinnlichkeit sie sehr häufig zum Kokettiren mit fremden Männern und zum gefährlichen Eingehen von Liebeshändeln führen , ist natürlich . Dergleichen Verständnisse sind in Constantinopel gar nichts Seltenes , sowohl mit jungen türkischen Effendi ' s , als mit Franken . Die Eitelkeit der Frauen hat übrigens den garstigen Yaschmak , der früher nur die Augen frei ließ , bereits bis zur Nasenspitze herabgerückt , und wo sich die Gelegenheit findet , fällt derselbe bei den Jungen und Schönen oft noch tiefer . Die französischen Hilfstruppen haben in dieser Beziehung Wunder gethan . Die Verhältnisse im Harem des Großherrn sind natürlich in vielen Beziehungen verschieden . Der Harem des gegenwärtigen Sultans bestand im Sommer 1853 aus etwa 700 Odalisken , den schönsten Sclavinnen aus verschiedenen Ländern , welche die im Frühjahr desselben Jahres verstorbene Sultana Valide zum großen Theil selbst gewählt . Alles , was an Schönheit und Reiz der weiblichen Formen , auf die der Asiate so viel giebt , sich in den verschiedenen Abstufungen der Farben findet , ist hier versammelt : die prächtige Büste der üppigen Georgierin mit den großen mandelförmigen Augen und den feingeschnittenen Brauen , die schlanke , ebenmäßige Figur der circassischen Schönheit , wie der volle Wuchs und der feine , zarte Teint der Frauen von den griechischen Inseln , bis zur Ebenholzfarbe und der großen apollinischen Gestalt der schwarzen Sclavin aus jenen Stämmen des Sennar und Darfur , die sich durch ihren ebenmäßigen Körperbau auszeichnen ; die feine zierliche Gestalt der ächten Araberin mit ihrer blaßbraunen durchsichtigen Haut und den Rehaugen , und selbst die Europäerin , namentlich aus den südlichen Staaten , Italien , Spanien , Sicilien etc. ; denn obschon die Geheimnisse des Harems ziemlich unzugänglich sind , verlautet doch gar Vieles daraus und es ist bekannt , daß der Harem des vorigen und des gegenwärtigen Sultans viele Europäerinnen enthalten . Die Frauen , die der Sultan aus der Zahl der Odalisken zur Theilung seines Lagers wählt , heißen Kadinen , und die erste derselben , die dem Padischah einen männlichen Erben schenkt , gilt als die Favorit-Sultana und ihr Einfluß ist sehr bedeutend . Sobald ihr Sohn zur Regierung kommt , führt sie den Titel Sultanin Valide . - Der Sultan entläßt und wechselt übrigens , mit Ausnahme der Mütter seiner Kinder , seine Kadinen nach Belieben und häufig werden sie und die Odalisken mit Würdenträgern des Reichs vermählt , oder ihnen geschenkt . Das Salische Gesetz hat in der Türkei volle Geltung , denn die Thronfolge erbt nie auf die Töchter fort und nur in der männlichen Linie weiter . Ein furchtbarer Gebrauch in der regierenden Familie vom Stamme Osmans und ein Regierungsprincip ist es , daß weder die Brüder noch die Söhne des Sultans überhaupt Nachkommenschaft , ihre Schwestern aber mir weibliche haben dürfen . Die Söhne derselben werden sofort nach der Geburt erdrosselt . Das ist auch eines der dunklen Geheimnisse der Harems ! Die Kadinen eines verstorbenen Sultans dürfen nicht wieder heirathen und werden nach dem Eski-Serai - dem alten Serail , in der Mitte von Stambul belegen , - gebracht ; der Harem des regierenden Sultans bewohnt gegenwärtig den nördlichen Flügel des Palastes von Tschiragan und folgt seinem Herrn ganz oder zum Theil nach den verschiedenen Schlössern ; in welchen er seinen Aufenthalt nimmt . Derselbe wird bei Weitem strenger überwacht , als der Harem eines Privatmannes . Die große Zahl von jugendlich kräftigen Frauen bleibt fortwährend in den Gemächern eingeschlossen und ihre einzige Erholung in frischer Luft ist , wenn - was höchstens drei bis vier Mal im Jahre geschieht - der Sultan die Erlaubniß giebt , daß sie die kaiserlichen Gärten von Dolmabagdsche betreten dürfen . Diese - von hohen Mauern umgeben und jedem Auge , als dem der Eunuchen versperrt - sind dann der Schauplatz einer solchen Ausgelassenheit und eines so unbeschränkten tobenden Genusses der kurzen Freiheit , daß die europäischen Gärtner des Großherrn , wenn ihnen ein solcher Besuch angekündigt wird , sorgfältig alle Früchte und Blumen