, sich selbst zu retten . Die Fürsten überall im Reich , freilich sie möchten oben hinaus , den freien Adel knechten , die Städte bändigen . Aber anderwärts lassen sie sich nicht bändigen . Seht auf die Bündnisse im Schwabenland , in Franken , in der Pfalz . Die Sickingen , Berlichingen , die Kronberg , die Brömser rühren sich , sie werden den Fürsten , die nicht mehr sind als sie , noch manche Nuß zu knacken geben . Sind wir schlechter als die ? Ja , wenn wir nicht den Mut haben , besser sein zu wollen . Wir haben keine Burgen auf steilen Felsen , meint Ihr . So haben wir Sümpfe , Wälder , Brüche , Seen und zähen Muth . Schaut Euch um , wenn Ihr doch zagt , nicht nach Abend , nach unsern Nachbarn im Morgen . Da ist Freiheit . Erinnert Euch , daß von Euren Urgroßmüttern noch slavisches Blut in Euren Adern rinnt . Der Pole hat auch einen König , aber wehe ihm , wenn er die Hand anlegt an die Rechte des Adels . Solche Markgrafen wollten wir dulden , selbst erkoren , aus freier Wahl hervorgegangen . Da hat der Adel Rechte , da schirmen die Großen die Kleinen , da wagt kein Fürst , den freien Mann unter seine willkürlichen Satzungen zu drücken . Was hindert uns , wenn das deutsche Reich uns nicht will , wenn es über uns als Stiefbrüder die Achseln zuckt , uns dem mächtigen freien Polen anzuschließen . Freunde und Brüder ! wo es Freiheit gilt , ficht sich ' s so schön mit dem krummen Säbel wie mit der graden Klinge ! « » Der Otterstädt kommt noch immer nicht , « rief Einer , der ungeduldig schon mehrmals zur Thür hinausgegangen . » Es kommen ihrer Viele nicht , auf die wir rechneten . « Einer zählte am Finger die Namen mehrerer großen Familien : » Es hat mir das Mark im Leibe gesotten , was Du sprachst , Wigand , das ist wahr , aber wo soll ' s hinaus , wenn die Wedel fehlen , die Puttlitze , die Reder , Rochow , Bredow , Alvensleben ? « » Der Sturm kräuselt zuerst nur Staub , zuletzt reißt er Dächer ab . Uns läßt man anfangen ; glückt es , so zweifle nicht , daß auch die Reichen zur Ernte sich einfinden . Das ist der Lauf der Welt . Es kommt nur darauf an , daß man stark genug sich fühlt , um anzufangen . « Andere hatten eine Liste vorgezogen und musterten die Köpfe der Anwesenden . Der Anführer riß schnell das Papier fort : » Nichts Geschriebenes ! Keine Namen . « Er warf das Papier in den Ofen und ließ sein Auge nicht davon , bis der letzte Zipfel sich in Gluth und Asche krümmte . Einige lächelten über die Vorsicht : » Wir sind ja unter uns . « » Um so weniger thut Papier noth , wo Blut und Ehre unsern Bund kitten . Wir kennen uns doch Alle ? « Seine Augen flogen im Kreise umher . » Nicht wahr , Hans Zarnekow ? - Ihr vom rothen Haus , Peter Lüdke ? « Ein Nicken und ein Handschlag antwortete : » Wer ist der auf der Ofenbank ? « » ' S ist ja der Götz von Ziatz ! « lachte Wedigo . » Was Teufel , und kann schlafen ! « » Er kam vor ' ner Stunde todtmüde vom Nachtritt an . Der Wirth sagt , er fiel auf die Bank . « » Seid Ihr ' s gewiß ? « Wedigo zeigte auf die Büffelhaube , den Pelz und lächelte etwas : » Wer im Lande kennt nicht Götzens Elennsbüchsen ! « » Das ist gut , « sagte Wigand . » Er schwor im Rausch ; ich zweifelte , ob er nüchtern kommen würde . « » Will auch keinen Eid darauf ablegen , daß er nüchtern kam , « lachte ein Anderer . » Genug , er ist gekommen , sein Name ist bei uns , und das ist viel , und vielleicht mehr , als wenn er erwachte « , setzte er leise hinzu . Ein freudiges Holla draußen , ein Gewirr von Rüstungen , ein Pferdewiehern unterbrach sie und im nächsten Augenblicke stürzte ein Ritter herein und warf ungestüm den Helmsturz zurück : » Da bin ich ! - Er kommt . « Otterstädt ' s Augen rollten wie eines Irren , seine Brust hob sich und senkte sich , sein Athem versagte ihm . » Er kommt ? « » Vor einer Stunde ritt er durch ' s Köpnicker Thor . - Das sah ich noch von Waldeck aus - flog wie der Wind . - Wenn er an den drei Eichen ist , schrillt Kaspar Flans in die Pfeife - Aber der Teufel , der Ritt griff mich an . - « » Verschnaufe Dich . « » Er reitet - « » Mit wie Vielen ? « » Nicht der Rede werth . Heintz von Redern ist ' s , und Kaspar Köckeritz von den Seinen . Den Pommerschen Abgesandten Hans von Pannewitz nahm er mit , und damit ihnen die Zeit nicht lang werde , seinen lieben Bischof Scultetus , der ihnen Schnurren erzählen muß . Mit zehn Reisigen werfen wir sie alle . Aber - er reitet nicht nach dem Süßen Grund , durch ' s große Gestell nach dem Spechtgraben zu . « » Das ändert unsern Plan . « » Ihr müßt Euch theilen , « sagte Otterstädt , » rechts an die Spree , links an die Sümpfe . Ein Stündlein mehr , aber wir haben ihn im Netz . Einen Trunk Meth - ich brauche Lebensgeister . « » Und ? - « fragte der Anführer , der seine Befehle ausgetheilt und zurückgekehrt war , mit einem forschenden Blick . » Hilf Dir selbst , so hilft Dir Gott , « sagte Otterstädt aufspringend . Er riß ab den unscheinbaren Pelzrock , der seine Rüstung verbarg , und zog sein Schwert . » Blank , Mann gegen Mann , so ist ' s am besten . « » Und in Sonnenwalde ? « » Calkulirt Niclas Minckwitz mit seinen Vettern , wann ' s am sichersten für ihn sein wird , Fürstenwalde zu überrumpeln . « » Und die Birkholze ? « » Das Frösteln überkam sie , je näher der Tag rückte . Ersäuften mich mit schönen Worten und klugem Rath , daß Joachim ein mächtiger Fürst sei , und sie hätten ' s nur mit dem Lebuser Bischof zu thun . Wann und wie und wo es ihnen mit dem , ihrem Feinde gelänge , und dann und da und dort wollte Joachim sich einmischen , alsdann und insofern und alldieweil würden auch sie - Kreuzdonner Himmelwetter Sapperment , ich sattelte und machte , daß ich reine Luft kriegte . - Was lächelst Du ? « » Daß wir so sichere Bundesgenossen haben . Oder zweifelst Du , wenn wir ihn fortgeschleppt , daß ihre Bedenklichkeiten wie eine Schnuppe vom Licht gefallen sind ! « » Fortgeschleppen ! Wohin ? « » Thürme giebt ' s noch in der Mark . So lang ' s im Lande zweifelhaft aussieht , geht ' s mit ihm heimlich aus einer Veste in die andere , daß Niemand weiß , wo er sitzt . « » Und ? « » Knöpft er sein Ohr zu auf die Propositionen , steigt er immer ein Stockwerk tiefer - « » Bis - « » Hörst Du nichts draußen ? « » Bis er unter der Erde liegt ? « » Davon nichts jetzt , Otterstädt , nicht vor einem solchen Augenblick . « » Jetzt , grade jetzt , Hallo ! Nachher ist ' s Henkerdienst . « » Hast Lust , wie Kunz von Kaufungen durch die Gassen geschleift zu werden ! Prinzenraub ! Pfui über das Dumme und Halbe . Unter die Erde , aber nicht im Kerker . Gottes freie Luft soll das Gericht der Freien anschauen . « » Otterstädt ! Still , zügle die stille Wuth . « » Ich will nicht zügeln ! « » Wir verderben die beste Sache - « » Was schirt mich die Sache ! Ich hab ' s mit Menschen zu thun . Mein Feind ist er , mein Todfeind ; ich hasse , verabscheue nichts so auf Gottes Erdboden . Meinen Freund hat er gemordet , seinen eigenen Busenfreund ; Pest und Tod , wer mich hindern will ! Ich hau ' ihn nieder , Basta ! « » Achtet auf ihn , wenn ' s losgeht ! « flüsterte der Anführer zu seinem Vertrauten , als das Zeichen draußen gegeben ward . Die Verschwornen stürzten zur Thür hinaus , daß die Wände der morschen Hütte zitterten . » Götze ! Herr Götze von Ziatz , wacht auf ! « hatte Einer der Letzten dem Schläfer auf der Bank zugerufen und ihn gerüttelt ; doch erst nachdem er hinaus war , hatte der Schläfer sich aufgerichtet . Als er die leeren Wände sah , flog er an ' s Fenster und lauschte . Als die letzten Reiter zum Gehöft hinaus waren , sprang er auch in den Hof , riß sein Pferd aus dem Stalle und schwang sich mit einem Satz hinauf . Zum Thorweg hinaus , gab er dem Thiere die Sporen , daß die Weimen bluteten . Der Haidewirth schrie ihm verwundert nach : » Da nicht , Herr Ritter ! Nicht in ' s Gestell , da treibt Ihr grad auf ihn zu ; links , durch den Wald ! « Der Reiter hätte ihn noch hören können , aber er hörte nicht . Ehe der Wirth dreißig Pulsschläge zählte , war er ihm aus dem Gesicht . » Ein Bredow mag ' s sein , « sprach der Wirth ; » aber Götz von Ziatz ist ' s nimmer . « Vierundzwanzigstes Kapitel . Der Prediger . » Heil dem Manne , der nicht wandelt im Rath der Gottlosen , noch sitzet , da die Spötter sitzen ! Aber Heil auch dem Jünglinge , der unter den Spöttern lag , und horchte auf den Rath der Verworfenen ! Ihr saht ihn Alle , meine Andächtigen , den erwählten Knaben , den ich einen neuen David nennen möchte , denn der Herr hat ihn berufen , dem Herrn unseres Landes , dem Gewählten Gottes , sein uns kostbares Leben zu bewahren . Ihr saht ihn vor einer Stunde knieen , den Knaben , der die Schleuder genommen , und der Kopf des Riesen fiel , niederknieen als Knaben und auferstehen als Ritter . Preiset den Herrn , er hat durch kleine Dinge Großes gefüget ; er hat den Geringen erhoben und die Großen und die Gewaltigen gestürzt . Lobpreiset ihn und dankt ihm durch den vollen Klang Eurer Stimme im Gesange ! « So hub der Prediger am Sonntage in der Nicolaikirche zu Berlin die Dankpredigt an für die gnadenreiche Rettung und Erhaltung des Kurfürsten . Es war der Dechant und Pfarrer von Altenbrrandenburg , der für den kranken Probst als Gast vor den Berlinern redete , und im gedrängt vollen Gotteshause hörten sie ihm mit einer Stille zu , daß man den Hauch des Mundes vernahm . » Da lag der Jüngling « , hub er an , als nun der Gesang schwieg , » schlafmüde von einem langen , langen Ritte in Diensten seines Herrn , der ihn in ferne Lande geschickt zum Wohle seines Reiches . Ach , dachte er , wo werden meine Kräfte ausreichen , daß ich noch heut meinen Fürsten treffe ; hab ' ich doch so wichtige Botschaft , und morgen vielleicht ist er weithin aufgebrochen und ich erreiche ihn auch übermorgen nicht . Aber die Kräfte versagten ihm . Er wollte wachen und schlief ein . Warum ward er schwach , warum verirrte er in dem Walde , warum kehrte er in den Haidekrug ein , davor ihm beim Einreiten graute ? Der Jüngling , meine Andächtigen durfte dieses fragen . Wir wissen die Antwort . Es war der Finger des Herrn , der ihn schwach machte , der ihn irr führte , und doch zum Rechten . - Fest hatte er sich vorgesetzt , nur ein Stündchen zu schlafen , und er schlief eine , zwei , drei , ich weiß nicht wie viel Stunden . Da weckte ihn der Engel Michael , zu dem er vor ' m Einschlafen gebetet , daß er zur rechten Zeit aufwachen möge . Hat der heilige Erzengel Michael ihn denn getäuscht ? Meinst Du da - oder Du ? - Er versäumte ja die Stunde , sagt Ihr . Ich sage Euch , die Engel wissen , wann wir wachen , und wann wir schlafen sollen . Nun so sage ich Euch , wär ' er aufgesprungen , jach , wir hätten ihn heut nicht gesehen zum Ritter schlagen , ein blutiger Leichnam wär ' er , unter ihren Dolchen zu Boden gesunken . Wer aber von Euch , wenn er , voll solchen brennenden Diensteifers , gemerkt , daß er zu lange geschlafen , wer würde nicht auf der Stelle aufgesprungen sein , zur Thür hinausgestürzt , sein Roß gesattelt haben ? - Der rasche und ungestüme Jüngling schlief fort , d.h. die Heiligen woben um ihn den Schein eines Schlafenden , damit er die Rathschlüsse der Gottlosen ganz anhöre . Welches Meer unergründlicher Wunder thut sich vor uns auf . Warum gerade an dem Orte , daß ihn die unbegreifliche Schwachheit befiel , wo die unbegreifliche Tücke der Bösen Rathes pflog ? Einen Augenblick zu früh , einen Augenblick zu spät , und Du , mein theures Vaterland , mußtest Dich einhüllen in schwarze Trauergewänder um den besten Fürsten . Schon hatte Satan die Gruft dort in Kloster Lehnin mit seinen Krallen aufgerissen , aber der Engel Michael stieß sie wieder zu mit seiner ehernen Ferse . Wie aber schlug er die Ruchlosen mit Blindheit , welches Mysterium , daß sie in dem Schlummernden einen der Ihrigen zu erkennen glaubten ? Hatte er sich etwa verkleidet , entstellt ? Nein , arglos lag er da , ganz er selbst . Aber die Heiligen , die über ihm schwebten , hatten ihn verwandelt vor ihren Blicken . Aber warum stießen sie ihn nicht an , die Missethäter , warum weckten sie ihn nicht ? Beschlich sie denn gar kein Argwohn , der doch dem Einfältigsten unter uns kommen würde , wenn wir zu einer ruchlosen That in nächtlicher Stunde versammelt ständen , und Einer schliefe unter uns , dessen Gesicht wir nicht einmal sehen ? - O fragt , fragt , fragt doch in alle Ewigkeit . Die Gläubigen fragen nicht , sie wissen , daß der Herr die nicht antasten läßt , die er erkoren zu Rettern Israels . Fragt Ihr nicht auch : Wie doch kam es , da die Rotte Korah vor ihm aufbrach , gestreckten Laufes , das vatermörderische Schwert in der Faust , daß er , der nach ihnen sattelte und ausritt , auf demselben Wege , sie überholte , er ritt mitten durch sie , wie ein Windhauch durch die Aehren , sie sahen ihn nicht , sie fühlten ihn nicht , sie hörten ihn nicht . Nur ein Schauern durchfröstelte sie . Sein Pferd , blutig gespornt , keuchte , es wäre gestürzt , wenn die Engel es nicht gehalten . Dort fand er seinen Fürsten , nur mit wenigen Begleitern , die lustig umher tummelten , wie Jäger Art ist vor dem lustigen Waidwerk . Unser hoher Landesherr nur sprach mit meinem frommen Bischof von Brandenburg , dem Gott ein langes Leben schenke , gewiß tiefsinnige , gelehrte fromme Gespräche . Da keucht ein Reiter an . Sein Roß stürzt , er auch ; er erhebt sich wieder . Er streckt beide Arme empor , er will sprechen , aber die Stimme versagte ihm . Dennoch spricht er , die Gedanken , die in ihm würgen , werden zu Worten : Zurück ! Fliehe , Fürst ! Verräther , Mörder lauern Dein im Walde ! Und der fromme Bischof Scultetus wendet des Herrn Roß : Das hat Gott gesprochen . Da besinnt sich unser durchlauchtigster Herr , als sie dem Thor schon wieder nahe sind . Rasch kehrt er sein Roß : Ein Fürst soll nicht fliehen vor Mördern ; er soll sie suchen gehen ! Wer hätte sich unterfangen ihn in seinem gerechten Zorne zu halten ? Da führt der Zufall , sagt die Weisheit der Kinder dieser Welt , die geharnischten Dreihundert , die Kurt Schlabrendorf einüben will , zum Köpnicker Thor hinaus . Nun , wer den Engel Michael mit flammendem Schwerte nicht sehen will , der sehe diese wackere Schaar , vom Zufall geleitet , ihrem Fürsten folgen . Schaut , wie ihre glänzenden Panzer , ihre Schilde und Helme durch die Haide flimmern ; die Krähen und Raben schreckten auf vor dem Glanze , die siebzig Mörder sahen sie nicht ; vor dem Klirren der Stahlrüstungen , vor dem Getös und Getrampel der zwölf hundert Hufen flohen die Hirsche , man sah die Hasen in ' s Wasser springen , die Vögel entflohen , die Räuber hörten nicht , und flohen nicht . Sie ließen sich umzingeln wie ein blödes Thier . Siebenzig Dolche , siebenzig Schwerter , siebenzig Streitäxte , siebenzig verzweifelte Bösewichter wehrten sich nicht . Sie ließen sich fangen , binden , führen , richten , ohne einen Schwertschlag . Wer blendete , betäubte , lähmte sie , die sich vermessen , unsern Kurfürsten umzubringen , und das Reich umzudrehen ? - O Berlin , Berlin , du große , reiche , sündhafte Stadt , wenn einst der Arm , der jene blendete , betäubte , lähmte , drohend über Dir sich erhöbe , würden alle die Sünder , die in Dir athmen , auch wie jene trotzen und fluchen , blind und taub , bis der Engel sein Feuerschwert über Euren Häuptern zückte ? Würdet Ihr da erst schlotternd in Eure Knie sinken , zerschmettert von Eurem Schuldbewußtsein , und die Boten seines Zornes sind schon da ! Hat der Sturm nicht Eure Dächer abgedeckt , hat er nicht die Seeraben in ' s Land geführt , haben die Dohlen und Raben nicht Krieg geführt in den Lüften , hat es nicht blutige Kreuze geregnet in der Priegnitz , in der Uckermark , im Lande Bellin , drüben in Teltow und hüben im Barnim . Dir , Dir , Dir da fielen sie auf ' s Busentuch , Dir auf den Nacken . O schau Dich nicht um nach der Nachbarin , ich sehe die Male auf Deiner eigenen Haut . O reißt doch die Augen auf , öffnet die Ohren , die Zeichen sind furchtbar , es kommt heran die Ruthe des Zornes . O ihr Geliebten , versäumt nicht die Stunde , nicht die Minute , denn sie ist kostbar , betet zum Schutzpatron dieser Kirche , daß der heilige Nicolaus Fürbitte für Euch einlege bei der allerheiligsten Mutter Gottes . - Hört , hört ! Wieder schallt das Sterbeglöcklein , wieder werden Ihrer hinausgeführt zum letzten , schweren Gange . Auf Eure Knie , Ihr Alle , betet für sie , Ihr , betet auch für Euch , denn in wessen Herzen stiegen nicht auch arge Gedanken auf gegen die geheiligte Person unseres gottgeweihten Fürsten . Es sind nicht diese unbändigen Schloßherren allein , nicht diese Landschädiger nur , die ihm Verderben brüteten ; schaut in Eure Herzenskammern , Ihr Reichen , Ihr Uebermüthigen , findet Ihr nicht auch da grollende Gedanken ? Und wahrlich , ich sage Euch , es giebt kein ärger Verbrechen , nächst Ketzerei und Ungehorsam gegen Gott , als übel zu denken von der Obrigkeit , die er hat eingesetzt . Wozu setzte er sie ein ? - Ich will ' es Euch sagen . Wie die Kirche und ihre Priester denken und sorgen für das Heil Deiner Seele , soll der Fürst denken und sorgen für Dein Irdisches . Uebernommen bist Du durch diese göttliche Huld der Sorge selbst zu denken . Er denkt für Alle , er weiß Alles besser . Zerknirschten Herzens über dieses Uebermaß von Güte , dieses neue Mysterium seiner Gnade , solltest Du preisen den Herrn der Heerschaaren ; aber der Verderber flüstert Dir in ' s Ohr : Was braucht er für mich zu denken , kann ich doch selbst denken ! Du wüßtest es am Ende besser , was Dir noth thäte . Nicht wahr , das sprach er ? Sprach er nicht auch von alten Rechten , Freiheiten ? Was ! sein Ahnherr riß er nicht die Siegel von Euren Privilegien ? Den Blutbann nahm er Euch . Die Bierziese ist zu arg , der Voigt zu streng , der Schoß zu hoch . - Ich höre Alles , was er Euch zuflüstert . Fordert nur ! ruft er . Ja fordert nur , der mit dem Pferdefuß notirt hohnlachend jedes Eurer Worte , und giebt Euch keines zurück , aber sein Rachen öffnet sich , ich sehe die Gluth , die heraussprüht . - Berlin , Berlin ! o daß die Todtenglocke nicht auch zu Deiner Sterbestunde ruft ! Ihr weich geschaffenen Seelen , Ihr zarten Frauen , die Gottes Stimme hören , auch wenn sie sanft rauscht , wie der Abendwind , Ihr rettet Euch , wagt es auch für Eure Gatten , Söhne , Brüder ; wahret sie vor dem Versucher , zieht sie zurück : Widerstand gegen die Obrigkeit , die Gott einsetzte , ist Empörung gegen Gott . Das ruft ihnen zu . Blutige Kreuze hat es schon geregnet , wenn es wieder regnet , regnet es Feuer , das Euch verschlingt . Domine salvum fac regem ! « Solches Zähneklappern und Schluchzen ist nie gewesen in der Nicolaikirche zu Berlin . » Das war eine Predigt , das ist ein Prediger ! « sagte die Frau Bürgermeisterin auf dem Heimwege , und die Rathsmännin erwiederte : » Der hat ' s ihnen mal gegeben , der versteht ' s. « - » Diese gottlosen Menschen , « schluchzte die Bürgermeisterin . » Der Musculus predigt auch zum Herzen , « sagte die Rathsmännin , » aber - « » aber immer von den Pluderhosen , « fiel die Bürgermeisterin ein . » Das soll eigentlich unanständig sein , hat man mir gesagt . « - » Gewiß , Frau Bürgermeisterin , man muß doch Respekt vor der Obrigkeit haben . Mein Mann hat sich jetzt nach dem neuen Schnitt welche bestellt . An so was sollte doch ein Prediger denken . « - » Ach was sind alle Hosen gegen den Feuerregen ! Es drang Einem durch Mark und Bein , als ob die Funken schon gegen die Fensterscheiben knatterten . Solchen Prediger müssen wir haben . « - » Den müssen wir haben , wenn der alte Probst stirbt , « stimmten beide ein , und leiser setzte die Frau Bürgermeisterin hinzu : » ich will schon mit meinem Manne sprechen . « Der Bürgermeister und der erste Rathmann gingen hinter ihren Gattinnen mit gesenkten Köpfen . » Den werden wir nicht wieder los , « sagte der Rathmann . » Die Weiber lassen uns keine Ruh . « Der Bürgermeister stieß einen leisen Seufzer aus : » Nun ist ' s entschieden . Mit dem Adel ist ' s aus . Wenn der Dechant von Altenbrandenburg so zu sprechen wagt , hat die Ritterschaft auf dem letzten Loche gepfiffen . Bin nicht ihr sonderlicher Freund , aber sie gehören doch auch zu uns . Es hätte besser sein können . « Der Dechant selbst aber sonnte sich nach der Predigt , im Polsterstuhl ausgestreckt , an den Nachwonnen ihres Eindrucks , und hatte eben so wenig eine Bewegung gemacht , aufzustehen , da der Junker Peter Melchior eintrat , als er jetzt , nachdem er gesprochen , ihm ein Zeichen freundlicher Theilnahme gab . Vielmehr hatte er das Ansehen eines Richters , vor dem ein armer Sünder etwa ein Privatbekenntniß ablegte , und statt Trost ihm einzureden , weist der Mann des Gesetzes ihn noch herb zurück . » Das sollte ich Euch gesagt haben , Herr Junker von Krauchwitz ! Und das wagt Ihr noch auszusprechen , nachdem Ihr vorgebt , eben aus meiner Predigt zu kommen ! « » Ihr müßt Euch doch entsinnen , « sagte der Junker , » als Wedigo mir den Antrag that , und ich zu Euch ritt nach Brandenburg und in Eurer Klause Euch die Sache vortrug , und um Euren Rath bat , ob Ihr ' s gerathen hieltet oder nicht , und Ihr den Kopf schütteltet und meintet : es sei eine kitzliche Sache , man wisse nicht , wohin sie ausschlagen möchte , und endlich sagtet Ihr : Zögert mit Eurem Ja und Nein . Ja blickt mich nur verwundert an , so sagtet Ihr zu mir und drücktet mir die Hand , und grade da trat der Chorherr ein , es war der Sydow . Er hat es noch gehört . « Der Dechant strich mit der Hand über das Gesicht : » Der Sydow hat es gehört . Das ist etwas anderes , lieber Junker . Davon also redet Ihr . Der Sydow , richtig ! Nun das ist ein guter Mann . Wenn man ihn nicht fragt , redet er nicht . Setzt Euch doch , Herr von Krauchwitz . Ueber die Tücken Satans , der so oft in unsere Worte einen andern Sinn legt , nämlich daß die Andern etwas anderes verstehen , als wir meinten , können wachsame Christen nicht ernstlich genug sich gegenseitig verständigen . Worte , wie gesagt , hört Einer so , der Andere so , aber Ihr wißt , als Ihr damals mit dem Lindenberg ausrittet - « » Sprecht nicht davon . « Der Junker erblaßte . » Ich kam ja darum nicht , auch nicht darum . « » Dann ist es für uns beide gut , daß wir von dem schweigen , was wir wissen , vor allem aber für Euch « , sagte der Dechant , und fing wieder an , seinen Fuß behaglich über dem Kohlenbecken zu wärmen , das vor ihm stand . » Warum kommt Ihr denn ? « » Dechant ! « sagte der Junker , sein Baret drückend . » Das Haar steht Einem doch zu Berge . « » Kämmt es glatt . « » Die Galgen und Hochgerichte und Stangen draußen wie ein Wald ! Jeden Tag Neue eingefangen , schubweise führt man sie hinaus . Soll man fliehen , soll man bleiben . « » Ich bleibe . « » Wenn ich mich versteckte - « » Lauft Ihr Gefahr , daß man vergäße , Euch zu suchen , « sagte mit einem hochmüthigen Lächeln der Dechant . » Der Adel muß ein ander Kleid anziehen , mein Lieber , das alte taugt nicht mehr . Das ist der beste Rath , den ich Euch als Freund geben kann . Geht zu Eurem Schneider , und fragt nach der neuesten Mode . Wenn ' s Euch auch zuerst unbequem sitzt , Ihr werdet Euch darin zu finden wissen . Ihr seid ein Mann , den man am Ende überall brauchen kann . « - » Ja , lieber Junker , « sprach der künftige Prälat , und legte seine Hand mit der behaglichen Miene eines Gönners Peter Melchior auf die Schulter , » bleibt ; so ich mich recht bedenke , grad Ihr seid jetzt am Flecke . Nun kommt Eure Zeit . Lehrt Eure Zunge Knoten schlingen , Euren Rücken , wie einen Aal biegen . Edelleute wird man bei Hofe immer brauchen , aber nicht im Eisenkleid , keine graden Nacken . Mit denen ist es aus . Der Adel muß in die Schule gehen . Aber tröstet Euch : Was Hänschen nicht lernen wollte , ich meine , diesmal wird es Hans doch lernen . « Peter Melchior ist nicht geflohen und hat sich nicht verborgen . Hier scheiden wir von ihm für dieses Mal . Aber am selben Sonntag Nachmittage ritt ein hoher , stolzer Ritter mit stattlichem Gefolge in Berlin ein . Sein Gesicht war blaß , seine Augen rollten fast zornig von dem , was er gesehen . Es hätte auch Andere erschreckt , die langen Reihen von Galgen , der Kopf auf der Eisenstange über dem Köpnicker Thore , der ihn schon von fern angrinste . Es war Otterstädts Kopf . Ein Karren mit zerrissenen Gliedern peitschte an den Reitern vorüber . Es waren Otterstädt ' s Glieder . Der Graf von Giech trat in glänzender Silberrüstung , als Abgesandter seines Herrn , des Markgrafen Friedrich des Aeltern , vor den Kurfürsten von Brandenburg . Der Vertreter des Oheims sprach zu dem Neffen seines Herrn . In ihm sprach mit der Zorn des großen , freien Edelmanns , vielleicht auch das verwundete Herz des Menschen . Nicht alle Gesandte sprechen so vor einem Fürsten , in dessen Hand noch das Richtschwert zittert . Die Hofleute sahen es mit Schrecken und hörten es doch mit heimlicher Freude . » Mein Herr sende mich , war ich des Glaubens , « so schloß er , » in ein Land des deutschen römischen Reiches christlicher Nation , aber , heiliger Gott , ich glaube jetzt in ein Reich zu treten , wo der Großtürke und seine Bassen Gericht hielt ! « » Beim Kurfürsten von Brandenburg seid Ihr , Herr Graf von Giech , « unterbrach ihn Joachim , » der dies Land hat von Kaiser und Reich , daß er richte nach dem Recht ,