hüt früsch agleyt ! « Am Nachmittag putzte Christeli das Geschirr , hohe das schönste aus dem Spycher , und spiegelblank mußte ihm das Messing werden . Er machte sie in der Küche fast ds Guggers , wollte immer etwas , bald einen leinenen Lumpen , bald einen wollenen , bald wollte er Essig , bald wollte er Öl . Christeli wollte zeigen , wer man sei und daß man zu Liebiwyl noch einen Roßzug vermöge . Christeli hatte es wie alle alten Vettern , diese sind mehr den Katzen ähnlich als den Hunden ; ein Hund nämlich hängt mehr an der Person , eine Katze mehr am Ort . Nun , die bessern Katzen lieben auch Menschen , laufen der Bäurin nach bis in den Kabisplätz und der Tochter bis in des Weges nächste Krümme ; dann kehren sie aber um , wenn es weiter geht , und machen , daß sie heimkommen . So haben es alte Vettern auch . Sie lieben wohl Personen , besonders die , welche ihnen das Kännli auf den Ofen stellen oder dänne decken , wenn sie im Holz sind ; sie lieben auch irgend ein Kind , solange es ihnen nachläuft und bei ihnen gerne schlafen will . Aber von allem , was weiter geht , dem Hause den Rücken kehrt , wenden sie sich ab , denn so wie ihnen im Hause am wöhlsten ist , sorgen sie auch fürs Haus , und so wie es in ihrer Familie am besten ging , sorgen sie für ihre Erhaltung , balgen wohl über deren gegenwärtige Glieder , aber auf die Jungen bauen sie ihre Hoffnung , daß sie die Vergangenheit herstellen , und suchen für die Mittel dazu zu sorgen . Darum sorgte Christeli so sorgsam für schönen Aufzug ; man sollte von dem Zug und von dem Hof , zu dem er gehörte , noch lange reden da unten , wo kein rechtes Haus sei . Die vornehme Welt hält viel auf einer schönen Equipage . Zwei Pferde dran sind schon was , für vier aber muß man ein Graf sein . Bei einem rechten Bauer gräfelts , der hält wenigstens vier Pferde , zwei tüchtige Stuten hinten , zwei lüftige junge Mönche vornen . Ehrenfest ziehen die einen daher , tänzelnd die andern , aber wenn Not an Mann kömmt , der Wagen an den Berg , dann vereinen sie treu ihre Kraft und liegen ins Geschirr , jedes so stark es mag . Es ist eine Freude , so mit vier tüchtigen Rossen zu fahren in Wald und Feld , Fuhrmann und Pferde aneinander gewöhnt , daß die Letztern dem Erstern ohne Worte unter der Geisel laufen , wie und wohin er will . Darum ist die Geisel auch eine Art von Szepter , sie fuhren zu können ein Ehrenpunkt . Man liest von jungen , vornehmen Engländern , wie sie die Kutscher machen , sich hoch meinen , wenn sie vier Pferde vom Bocke führen können ; man liest von Parisern , welche gerne engeländerlen , daß sie es auch versuchen ; die alle machen es eigentlich nur unsern Bauernsöhnen nach . Es bildet ein eigentlich Ereignis , wenn ein Vater seinem Sohn die Geisel gibt , er erhebt ihn damit zu seinem Mitregenten und Stellvertreter . Die Geisel ist gleichsam ein Marschall- oder Feldherrnstab , welchen der König seinem besten und treusten Soldaten gibt . Aber ebenso ist es ein Ereignis , wenn ein Vater seinem Sohne die Geisel wieder nimmt . » Denk o , er het ihm dGeisle gno ! « heißts . Ärgeres droht ein Vater seinem Sohne nicht leicht als : » Ich nehme dir die Geisel ! « Das geht gleich vor dem Enterben her , und wenn man einen General wieder zum Gemeinen macht , es kann ihm nicht ärger als einem Sohne sein , der vom Pfluge weg wieder unter die gemeinen Hacker auf den Acker muß . Und diese Strafe wird nicht bloß verhängt oder gedroht , wenn einer schlecht fährt , den Wagen in den Kot , die Pferde zutod , sondern auch wenn der Sohn zu einem Mädchen geht , welches dem Vater nicht anständig ist , oder in ein Wirtshaus , welches dem Vater verhaßt oder verdächtig ist , und wegen andern wichtigen Vergehen mehr . Resli hatte die Geisel , Christeli hatte sie nie begehrt , dessenungeachtet wandte er alle Sorgfalt an den Zug und labete sich an dem Gedanken , wie die Leute luegen , wie sie fragen werden , wem der Zug sei , wenn sie die vier stolzen Braunen mit dem schönen Geschirr und dem mächtigen Ladenfuder durchs Land laufen sehen , als wäre die Last federleicht . Als sie das Fuder luden , sparte er die gewaltigen Ketten nicht zum Binden , und als Resli bemerkte , es manglen sich nicht so viele , die Wege seien gut und öppe schlagen werde es nicht fast , so meinte Christen , es sei besser zu viel binden als zu wenig , dKettene hätte man dafür , und sie müßten da unten wissen , daß sie hier die Ketten nicht zu sparen brauchten und nicht mit Seilstümpen zusammenzuplätzen , wie er sie schon manchmal da unten herauf habe Holz holen sehen , wo sie dann nicht einmal genug deren Seilstümpen gehabt , sondern von Haus zu Haus hätten springen müssen , um zu entlehnen . Früh um drei wollte Resli fort und alleine . Der Vater hatte ihm anerboten , mitzugehen . Es möge geben , was es wolle , so sei es kommod , wenn ihrer Zwei seien , hatte er gesagt . Aber Resli hatte es abgelehnt , er wollte seine wichtigste Angelegenheit ab Ort treiben alleine , mit freier Hand , nach seinem Sinn ; so ziemt es eigentlich dem Manne . Wenn eine solche Ausfahrt in einem Bauernhaus im Biet ist , so wird öppe nicht viel geschlafen , und am folgenden Tag merkt man es doch den Leuten gar nicht an . Das ist nicht wie in einem Herrenhaus , wo die Köchin drei Wochen grännet , wenn sie einmal um fünf auf muß statt um sechs , und sieben Wochen , wenn man es ihr für um vier Uhr zugemutet hat . Im Stalle füttert jemand , und wer es tut , geht selten zu Bette . Bauernpferde fressen langsam und viel , lassen sich behaglich alle Zeit dazu . Es ist wirklich , als ob es ihnen dieser und jener , der in einem Stalle nächtlich viel gefüttert hat , abgeguckt hätte , wenn er acht bis zehn Stunden an einer Kindbetti sitzt und langsam immer isset , eins nach dem andern , von der Suppe bis zur Tatere , und zwischendurch tapfer tränket . Und wie im Stalle gesorgt wird für den abfahrenden Geiselherr , so vergißt man auch seiner vornen im Hause nicht . Da legt die Mutter halb angekleidet sich zu Bette , damit sie sich nicht verschlafe , denn nicht nur die Pferde , sondern auch der Fuhrmann muß gut seine Sach haben , wird nicht mit etwas Gewärmtem abgespiesen oder einem dünnen Kaffee oder gar bloß mit einem Glase Brönz , sondern wenigstens eine gute Rösti , wenn nicht ein Eiertätsch , wird ihm vorgesetzt , und was er über läßt , erhält , wenn er fort ist , der treue Wärter im Stall . Die Köchin ist eben gewöhnlich die gute Mutter selbst ; das Werk vertraut sie selten einer Magd , wenn der Sohn fährt , das wäre der Magd zu viel vertraut , so vertraulich hält man sie nicht . Es ist auch eigentlich die alte , ächte Hausfrau , welche das Feuer anzündet im Hause des Morgens und des Abends es löscht ; sie ist des Feuers Herrin und das Feuer ihr Diener , sie ist des Hauses Priesterin , sie wahret , sie brauet des Hauses Segen auf ihrem Herde . Es ist etwas wunderbar Ehrwürdiges und Altertümliches in diesem Beherrschen des Herdes , diesem Schalten und Walten mit dem Feuer , der wahren Hausfrau eigentümlichste Pflicht . So ging es auch selbe Nacht zu Liebiwyl . Als Resli gegessen hatte , war auch angespannt ; die Knechte hatten freiwillig sich hervorgelassen und geholfen . Änneli hatte ihrem Resli noch sehr zugesprochen , er solle es nicht zu streng machen , sich ihrer nicht achten , wenn es zuletzt nur an der Meisterschaft hange ; wenn ds Meitschi öppe e guete Wille heyg , su chönn mes geng no brichte . Er solle doch recht an alles sinnen , was der Vater ihm gesagt ; wenn man einmal so weit sei , so seis immer bös , wenn dSach i Krebs gang . Aus dem Stübli rief noch der Vater , fragte erst : » Willst Geld , ds Schlüsseli ist im Hosesack , nimm , was manglist . « Dann sprach er auch zu und sagte , er solle nur machen , daß er das Meitschi bekomme , wenn er an ihm hange ; wenn man es einmal hätte , so werde doch öppe son es Meitschi geng no z ' dressiere sy , es syg doch geng ume es Meitschi . » Ebe « , sagte Resli , » drum düecht mih , man sollte so einem nicht so ganz unger dFüeß ga ligge , daß es meint , es bruch syr Lebtig nüt as uf eim umeztrappe . Wenns dann nicht so ist , als man ihm vorgespiegelt hat , man hintendrein anders ist , dann geht ds Pläre a ; es seit , mi heygs bschisse , heyg ihm da es süeßes Mul gmacht , u jetz tüey me , wie we mes fresse wett u wie wenn es alleine alles ustrappe sött . Und öppis hets de recht , aufrichtig gege ihm ist me nit gsi . Wie mes ha wott , so soll mes säge , Ätti . Un i Gottsname , darauf will ich es jetzt ankommen lassen . « » Mach wied witt « , sagte Christen , » öppis recht hest , aber es ma gah wies will , nimms de öppe nit grusam zHerze , denk de , es syg guet gange . « » Ich will machen , was möglich ist « , sagte Resli , gab dem Vater die Hand , wünschte ihm einen glücklichen Tag und ging . Die Geisel stach am Sattelroß , das rüchelend den Kopf an Resli rieb , als dieser nach der Geisel faßte , während Christeli zündete dem alles überschauenden Fuhrmann . » Ist der Haber im Kratten ? « frug Resli , der des Bauern halbzentnerigen Wink nicht vergessen hatte . » Ein halber Mütt liegt unten « , sagte Christeli . » Ich habe gedacht , du könntest ds Schwähers Rosse auch einmal etwas kramen , Haber wird ihnen wohl seltsam sein . « Nun kam die Mutter noch mit ihrem Laternli und frug : » Du hast doch nichts vergessen , hest e Lumpe , u Zwick , u dSackuhr ? « » Ja , Mutter « , sagte Resli , » ich glaub , alles . « » He nu so de « , sagte sie , » su schaff de wohl , mach ume hübschli u chumm nit z ' spät hei , bhüet dih dr lieb Gott ! « » Hü , i Gottsname « , sagte Resli und hob die Geisel ; satt zogen die Rosse an , und vorsichtig zündete Christeli , bis sie aus dem Hofe draußen im Wege waren . Es ging immer etwas eng zwischen den Türlistöcken durch , aber das war eben die Kunst , darum wurde das Türli nicht größer gemacht , sondern die neuen Stöcke immer in die alten Löcher gepflanzt . Der junge Geiselherr hätte es für eine Schande gehalten , wenn er nicht zu einem ebenso engen Türli hätte einfahren können als der alte , und allerdings , im ganzen Dörfchen hätte es geheißen : » E Fuehrme git ds Bure Resli syr Lebtig nit , denkit ume o , si hey ihm ds Türli müesse wytere , wo me scho hundert Jahr us- u ygfahre ist , u ist alle wyt gnue gsi , u mi het öppe nie ghört , daß neuer agfahre syg . « Glücklich , wie üblich , kam Resli durch und fuhr trotz der schweren Last rasch seinem Ziele zu . Die Geisel in der Hand , vier rasche Rosse unter seinem Wink , steigerte in Resli das Selbstgefühl sich immer mehr , und immer mehr fand er sich in seinem Recht , wenn er sich nicht ganz unternließe als einer , der mit Geld es zwängen müsse , wenn er eine Frau wolle . Die Liebe ist wunderlich , ist stolz und demütig , sie duldet alles und ist wie ein Pulverfaß , das aufsprüht , man weiß nicht wie ; sie ist süß wie die gute Sommermilch und wird sauer , wie sich der Wind dreht ; sie setzt das Leben ein und weigert Kleinigkeiten ; sie bietet ungeheißen Hab und Gut , schlägt Kreuzer ab , wenn sie gefordert werden , hält die schwersten Proben aus und verschmäht am Ende den Lohn um dessentwillen sie die Proben bestanden . Als Fräulein Kunigunde den Ritter Delorges ihrem Händsche nachsandte , da ging Ritter Delorges und holte ihn . Aber es wuchs ihm , das Schwert an der Seite und des Mutes Brand in der Brust , der Kamm , als er aus der Ungeheuer Mitte zurückkehrte . Er fühlte , sein Leben sei mehr wert als an eine flüchtige Laune gesetzt zu werden , daß wer mit einem Leben spielen könne , von sittlichem Ernste nichts wisse ( wohlverstanden : er fühlte es , aber was sittlicher Ernst sei , hat Ritter Delorges kaum gewußt ) , und als er wieder vor das Fräulein trat , schmiß er ihr den Handschuh ins Gesicht und sprach : » Den Dank , Dame , begehr ich nicht . « Dieses Selbstgefühl muß die rechte Liebe zu einem Menschen in sich tragen ( die Liebe zu Gott ist eine andere , sintemalen Gott einem nichts Niederträchtiges zumutet ) , sonst ist sie eine hündische , das heißt sie ist nichts als eine Begierde , welche um jeden Preis befriedigt sein will , sei es nun eine Begierde nach purem Fleisch oder eine Begierde nach einem vollen Mushafen , worin vielleicht noch Würste sind , oder nach einem schönen Hundshalsband , wo auf blankem Messing ein glitzernd Wappen steht . Die heraldische Begierde möchte dato , wenn das Halsband nicht aus einem Mushafen hervorguckt oder um einen Hals von schönem Fleisch gelegt ist , rar geworden sein . Aber es ist auch der beste Mensch dem Fleische untertänig und hängt mehr oder weniger von äußern Zuständen und Einwirkungen ab . Den hielte ich mit Feuer und Geist getauft , der der Gleiche wäre mit Hudeln an den Beinen oder mit einer Krone auf dem Kopfe , an der Spitze von hunderttausend Mann oder zwanzig Dutzend Besen ziehend , hungrig und durstig , ohne Schuh in Kot oder Schnee , oder sich erhebend von einer englischen Lordstafel in bequemem Wichs , oder voll Läuse und voll Schulden , einem guten Schick nachgehend , oder Gold im Sack und Muggen im Kopf , auf stolzem Engländer der Liebe nachreitend ( Apropos , es wird Mode , daß wer heiraten möchte und nur Körbe gekriegt , sich ein Pferd anschafft . Ein schlechtes Kompliment für den Menschen , der zweibeinig die Liebe nicht erreicht und vierbeinig glaubt versuchen zu müssen ; es ist aber auch ein schlechtes Kompliment für unsere Zeit , es wird wahrscheinlich im Zeitgeist sein ; es ist aber das allerschlechteste Kompliment für die Damen , erstlich , weil es den Anschein hat , daß man mit vier Beinen ihnen näher komme als mit zweien , und zweitens , weil man gegen einen grollenden Unterleib und gegen spröde Damen das gleiche Mittel versucht ) . Wer in allen genannten Lagen der Gleiche bleibt , die gleiche Ruhe , das gleiche Selbstbewußtsein bewahrt , das Herz am gleichen Flecke behält , den Kopf auf gleiche Weise , gleich hoch und doch gleich einfach trägt , den hielte ich für den besten Mann . Der wäre wohl zu groß für des bayrischen Königs Walhalla ; der gute König wüßte nicht , in was für einen Sprachknäuel er ihn einwickeln , auf was für einen unghürigen Satz er ihn abstellen sollte . Wer aber , der kein Düpfi ist , kein Bayer , keine Regierungsmajestät , hat nicht schon erfahren , wie man in verschiedenen Um- und Zuständen bei der größten Ehrlichkeit doch ein ganz Anderer ist , anders vor einem Gläschen als nach demselben , anders hinter einem Schultheiß als vor demselben , anders vor den Wahlen als nach denselben , anders , wenn man eintrittet , als wenn man austrittet . Ach Herrgott , wer wollte die vielen Anders alle nennen , bei denen es einem anders wird , schyßerig zu Mut oder kühn , niederträchtig oder hoffärtig , oberländerisch oder aargauerisch , weibelochtig oder jünkerlig usw. Nicht nur Schmiede und Schlosser sind halt Naturprodukte , wie jene schulmeisterhafte Geistbüchse sagte , sondern wir alle werden es wahrscheinlich sein nach seiner Meinung ; somit sind wir auch chemische Stoffe , und chemische Stoffe wirken auf einander , und je nachdem ich mit diesem oder jenem Stoff in Verbindung komme , werde ich auch anders , werde so oder so bewegt und verändert , nehme an oder stoße ab , werde ein ander Produkt , so daß ich zum Beispiel , wenn ich mit jenem Schulmeister in Verbindung gebracht würde , vielleicht was weiß ich für ein Hauptkerl werden könnte , oder vielleicht wieder ein Blütterlüpf sondergleichen , nachdem er halt mir spendete oder entzöge ; ich müßte es halt erwarten sein . Nun möchte ich fragen , ob so einem chemischen Stoff , einem jungen hübschen Burschen nämlich , der einen starken Arm hat und Geschick , mit Sparren , Ketten , Winden um , zugehen , wenn er mit einer Geisel , einem Sattel , vier schönen Pferden , welche sein und zirka hundert Dublonen wert sind , einem guten Kaffee , Rösti und Käse in Rapport und Beziehung gebracht wird , nicht ein eigen Selbstbewußtsein entstehen muß , das Gefühl : du bist auch was wert , in der Wagschale sollst auch du ein ziehend Gewicht sein und nicht Silber und Gold allein . Wie er das frühere Mal blöd und bang hinuntergewandelt war , so ward er jetzt nicht keck und trotzig , doch aber mutig und fest , und als er auf dem Dorngrüt einzog , trugen nicht nur seine Braunen den Kopf hochauf , sondern auch er , und wie sie frisch und munter rücheleten , so knallte lustig seine Geisel . Diesmal brauchte er nicht lange jemand zu suchen , gar freundlich kam zuerst Anne Mareili ihm entgegen , reichte ihm die Hand und sagte : » Ich habe blanget afe und gemeint , du kommest nicht mehr . Bringst guten Bericht ? « Und dazu guckte es ihm gar lieblich in die Augen , und während er die eine Hand hielt , tätschelte es mit der andern das wilde Dragunerroß , das scharrte und tat , als komme es erst aus dem Stalle . » Ich meins « , antwortete Resli . » Meine Leute waren bsunderbar gut gegen mich , daß ich mich fry schämen mußte . « » O Herr Jere , wie froh bin ich , du glaubst es nicht . Denk nur auch , dä alt Uflat , dr Kellerjoggi , ist wieder dagewesen , hat alles Liebs und Guts vrsproche , hat unserm Vater den Mund süß gemacht , sich gestellt , als ob er sterben wollte , daß ich den größten Kummer ausgestanden , der Vater lasse sich wieder mit ihm ein . Das ist nun zwar nicht geschehen , er hat ihm ausweichenden Bescheid gegeben , aber ich fürcht , ich fürcht , wenn es den geringsten Anstand geben würde in unserer Sache , ich entrönne dem Kellerjoggi nicht . Lieber sterben wollte ich . « » Häb nicht Kummer « , sagte Resli . Da kam die Mutter , und als Resli ihr die Hand geben wollte , sagte sie : » Ih ha gar e wüesti , ih darf dr se fast nit gä , ih ha mym Alte dSchueh gsalbet . Es ist gut , daß du kömmst , ds Meitschi hat sich fast die Augen aus dem Kopf gesehen , gäb wie ich gesagt , du werdest nicht vor Mittinacht dich auf den Weg gemacht haben . Ih ha afe gförchtet , es werd blings . Aber ist niemand umdeweg , der dir abnehmen hilft und dr zeigt , wo du mit den Rossen hin sollst ? Es wird afe heiß , u sGschmeuß wird bös . Lue doch , wo Hans un Joggi sy , die Stopfine . « Aber Anne Mareili hörte die Mutter nicht , sondern blieb bei Resli stehen , rühmte seine Rosse und sagte ihm , wie es afe Längizyti gehabt , es hätte es düecht , die paar Tage seien eine Euikeit ; es hätte gemeint , es gstangs nicht mehr aus . So was gestehen die Mädchen sonst nur unter vier Augen , vor den Leuten wollen sie den Namen gewöhnlich nicht haben , daß sie jemand anhangen mit Leib und Seele . Ja es gibt welche , die meinen , es schicke sich selbst unter vier Augen nicht , so etwas zu bekennen . ' s sind kuriose Dinger , die Mädchen , und man versteht sich nie auf sie , solange man nicht weiß , daß viele eine Rolle spielen müssen , andere eine Rolle zu spielen dressiert werden und die Zahl derer nicht so groß ist , welche ihre Seele zeigen dürfen , wie sie ist , oder welche weder durch dumme Mütter noch durch dumme Gouvernanten noch durch dumme Bücher verleitet werden , eine dumme Rolle schlecht zu spielen , statt das Schönste an ihnen , reine Liebe , zu zeigen in ihrer edeln Natürlichkeit . » Sövli dumm ga z ' rede « , sagte Mareilis Mutter , » gäb wie lieb si eim sy , su mueß me ses nie la merke u dNägel geng halbers davorne ha , sust meine si scho , si chönne mit eim mache , was si welle . Mach ume so , du wirst es bald z ' merke übercho . Aber du losist mr nüt , ih wirde no selber dene Stopfine nah müesse , dene schießige Schlürfene . « » Seh ! « rief sie mit greller Stimme gegen das Haus , » ist de niemere umdeweg ! « Da kam der Dorngrütbauer selbst von der Bühni herunter und sagte , die Andern seien eben mit der Mistbütti fort , sie werden wohl selbst abspannen können . Er war nicht halb so freundlich als das Weibervolk , kam langsam heran , ging erst um die Laden herum , ehe er zu Resli kam , und frug dann , statt Gottwilche zu sagen : » Hest mr die , wo ich ausgelesen , oder öppe anger ? « He , sagte Resli , er solle selber sehen , er werde sie wohl noch kennen , und seien es sie oder seien es sie nicht , so werde er öppe an diesen Laden wenig auszusetzen haben , öppe schöner würden kaum zu finden sein . Aber er soll ihm sagen , wo er hinfahren solle , die Laden müßten abgelegt sein , es wär ihm lieb , wenn die Rosse ab der Sonne kämen . Der Bauer zeigte ihm den Ort , Gräbel lag herum und eng war der Weg fürs große Fuder . » Zuechefahre wird sich kaum geben « , sagte der Dorngrüter . » Mr wey luege « , sagte Resli , hob die Geisel , und ohne Hustern und ohne Donnern liefen unter der Geisel und durch einige Worte geleitet die Rosse scharf und schnell , wohin sie sollten , und stunden alsbald aufs Wort . » Du bist schon mehr gefahren « , konnte der Bauer sich nicht enthalten zu sagen ; vielleicht wäre es ihm anständig gewesen und es hätte ihn gelächert im Herzen , wenn Resli das ganze Fuder überleert hätte . » Lue « , sagte die Mutter , » wie der fahre cha , ich glaube nicht , daß einer von unsern Buben es so könnte ; aber geh und nimm Eier aus , es werden wohl sein . Ich habe nicht einmal mehr für einen Eiertätsch im Keller ; we me ke Krüzer Geld het , aber e wüeste Hung zum Ma , u doch allbeeinist es wyßes Brötli möcht oder e Wegge , was wett me dr Weggefrau anders gä as Eier ? « » Muetter , ih weiß nit , wo sie sNest hey « , antwortete Anne Mareili , schoß den Rossen nach und half sie abnehmen , trotz dem Mahnen , es solle es nur sein lassen . » Ja wolle weißt du dNester nicht « , sagte die Mutter , » wo ist es Meitschi , das dHüehnernester nit weiß ! Aber es hat den Narre gfresse a dem Kerli ; wes ne nit überchäm , ih glaub , es hintersinnete sich . He nu , er gefiel mir auch un schynt nit son e Hündligürter und Batzeklemmer z ' sy . Het er mr ächt aber öppis gchramet , es hätt ihms sauft ta , bsungerbar wenn ih myner Eier für ihn bruche mueß . « Es beelendete Resli , als er seine Rosse in den dunkeln , engen Stall pressen und im Zweifel leben mußte , ob er je wieder eins lebendig aus der Presse kriege und wie seine Rosse sich mit den andern Rossen vertragen wurden , die scheu und wild an die Krippe heraufschossen , sobald jemand in den Stall kam , wie verwilderte Kinder ums Haus schießen , wenn ein Fremder gegen das Haus kommt . Und wie diese sich nicht mehr zeigen , als allfällig um gegen den Fremden den Hund zu hetzen oder Steine zu werfen oder ihm wüst zu sagen , so konnte sich auch seines Lebens wahren , wer hinter diesen Rossen durchgehen wollte . Das Beste war , sie erst tüchtig abzuschlagen und dann den Gang zu wagen . Wie Kinder tun , wenn man gegen ein Haus kömmt , und Rosse oder auch Kühe , wenn man in den Stall kömmt , daran kann man viel erraten von dem , was inwendig im Hause ist , ja selbst der Hund , der auf der Bsetzi liegt , verrät schon viel . Nun mußte Resli mit dem Alten abladen oder wenigstens es anfangen , und Peinlicheres gibt es wohl nichts für einen jungen raschen Kerli , der alle Handgriffe los hat und gerne rasch zu Ende wäre , als mit jemand , von welchem man nicht weiß , macht ers expreß unbeholfen oder ist ers von Natur , ein Werk gemeinsam verrichten zu müssen . Und wenn der rasche Kerli noch dazu eine wichtige Ausmacheten vorstehend hat , wenn es sich entscheiden soll , ob er sein Lieb kriege oder nicht , so wird eine solche Arbeit doppelt peinlich . Zudem wollte der Alte die Laden , um spätere Arbeit zu ersparen , gleich aufgeknebelt , es fehlten aber die Knebel dazu ; die Scheiter waren auf alte Mode , noch vier Schuh lang , sie mußten also abeinander gemacht werden , und dazu waren sie noch so ungleich dick , so krumm und holpericht , daß man sie ärger auslesen mußte als heutzutage die junge Mannschaft . So wußte der Bauer den armen Resli gut Dings zu versäumen , zudem mußte er noch alle Augen , blicke von der Arbeit in den Stall , weil dort die Rosse rumorten und zusammenschlugen , daß man meinte , sie wären daran , den Stall auseinanderzuschlagen . Endlich band er sein Sattelroß zuvorderst gegen die andern Rosse zu , das konnte er getrost machen lassen , das wußte sich Platz zu machen wie eine hässige Frau an einer Feuerplatte . Wenn sie die Rosse nur weißen hörten und der Bauer sagte : » Los , was geht aber , mi mueß denk ga luege « , so antwortete Resli : » Ih hulf se la mache , si werde enangere nit fresse . « Wenns aber zum zweitenmal wiederkam , so lief doch dann der Bauer , fürchtend , sein Nebenroß zöge den Kürzern , und hieb mit der Geisel ein , wohlweislich aber zumeist auf Reslis Rosse . Das war so ein Vorpostengefecht , aber ganz auf die alte Mode , daß wenn die Könige sich grollen , es über der Völker Haare geht . Es war gar nicht früh mehr , als man zum Essen kam , und da hatte es auffallend gedunkelt auf Anne Mareilis Gesicht . » Wir können dir nicht aufwarten , wie ihr uns aufgewartet habt « , sagte es , » du mußt vorlieb nehmen , es ist einmal sufer , das kann ich dir sagen . « » Vexier nit « , sagte er , » es wär mir leid , wenn ihr Umstände gemacht hättet . Es ist eigetlich uvrschant , daß ich schon wieder da bei euch zuechehocke , aber wils da ist , so will ich einmal nehmen in Gottes Namen . « Aber den innern Ärger Anne Mareilis , daß die Mutter es nicht hatte , um so recht aufzuwarten , auch kein schönes Geschirr , keine schönen Gläser , den merkte er nicht , wohl aber die Wolken auf dem Gesicht . » Was hats wohl aber wieder ? « dachte er , » vorhin so