daß dazu Uli und Vreneli fort wollten , daß dann der Tochtermann das Heft ganz in die Hand kriege , daß sie die Haushaltung machen solle mit Nichts , gegen die Armen schmürzelen , daß man ihr jede Kelle Mehl nachrechnen werde und alle ungeraden Male , wenn sie das Kücheln ankäme - und da kam sie ein Elend an , daß sie niedersitzen und weinen mußte , daß man die Hände hätte waschen können unter ihren Augen , so daß selbst Joggeli hinauskam und sagte , sie solle doch nicht so plären , es hörten es ja alle Leute und könnten meinen , was sie hätte . Was er gesagt habe , sei ja nicht der wert , sie wisse ja wohl , daß er allbe einist etwas sagen müsse . Auch Vreneli tröstete und sagte , sie solle das nicht so schwer nehmen , es gehe ja am Ende alles leichter , als man denke . Sie aber schüttelte den Kopf und sagte , man solle sie ruhig lassen , sie müsse sich selbst fassen können , das Reden helfe ihr nichts . Sie suchte nach Fassung manchen Tag . Man sah sie umhergehen schweigend , als ob sie Schweres im Kopfe wälze , sah sie hier und dort , wo sie sich unbemerkt glaubte , absitzen , die Hände in den Schoß legen hie und da den Zipfel des Fürtuches ergreifen und mit der Rückseite die Augen trocknen . Endlich schien es ihr zu leichten , das Ungewisse schien verschwunden , sie sagte : Es hätte ihr viel gewohlet , aber es düech sie , sie möchte neuehin , sie sei so blange , es besserete ihr , wenn sie einen Tag oder zwei fort könnte . Joggeli hatte diesmal nichts darwider , seine Alte hatte ihm selbst Kummer gemacht . Sie könne ja zum Sohn oder zur Tochter fahren , wohin sie wolle ; Uli solle sie führen , er hätte jetzt wohl Zeit , meinte er . Nein , sagte sie , dahin möge sie nicht , da sei ein ewiges Gchär , und wenn sie die Säcke mit Neutalern füllte , sie hätte doch noch zu wenig . Aber es dünke sie , sie mochte einmal zu Vetter Johannes ; man hätte es ihm schon lange versprochen , nie gehalten , und sie sei nie dort gewesen . Sie sehe da einen neuen Weg , eine unbekannte Gegend und könne vielleicht am besten vergessen , was sie drücke . Sie wolle Vreneli mitnehmen , das sei auch lange nie fortgewesen . Ans Hochzeit habe man es nicht mitgenommen , und es sei doch auch billig , wenn das Meitschi zuweilen eine Freude hätte . Gegen das Letztere hatte Joggeli Manches einzuwenden , indessen diesmal , der Alten zulieb , gab er nach und wollte zwei Tage sich leiden . Uli freute sich , als er hörte , wohin er mit der Frau fahren sollte . Vreneli dagegen wehrte sich lange , hatte hundert Grün , de dagegen und gab erst nach , als die Base sagte : » Du bisch mr doch es wunderligs Greis , und kurz und gut , du kommst mit , ih befiehles . « Es war in den ersten Novembertagen eines schönen Herbstes an einem Samstag morgens , als das Sitzwägeli vor dem Hause stund , der Kohli herausgenommen , im Schopf mit geschäftigen Händen aufgeputzt und endlich von einem zum Fuhrwerk geführt wurde , während nun auch Uli seine Sonntagskutte anzog und stattlich mit der Geißel in der Hand an das Fuhrwerk sich stellte . Nicht lange darauf kam Vreneli , schmuck und schön wie ein aufgehender Morgen , einen kleinen Strauß an der Brust , und packte etwas ein . Dann kam die Mutter , geleitet von Joggeli , dem sie noch manche Anweisung zu geben hatte . » Die Leute werden glauben , ihr seiet ein Hochzeit , « sagte Joggeli , » die fahren an einem Samstag im Lande herum . Ds Vreneli sieht gerade aus wie eine Hochzeiterin . « » Öppis Dumms eso , « sagte Vreneli und ward rot bis weit hinteren . » Uli muß noch einen Meien haben , dann meinen es alle Leute , « rief eine schnippische Jungfrau , riß dem Uli den Hut vom Kopf und sprang damit ins Haus . Zornig war Vreneli aufgesprungen im Wägeli : » Mädi , willst du den Hut geben oder nicht ? Was braucht Uli einen Meien ? Sei mir nicht ds Hergetts , einen Meienstock anzurühren ! « Als Mädi nicht hören wollte , wollte Vreneli ab dem Wägeli springen ; aber die Mutter , lachend , daß es ihre ganze Gestalt erschüttete , hielt es am Kittel und sagte : » Was willst du ? Laß das doch gehen , das ist nur lustig . Vielleicht sieht man ja mich für die Hochzeiterin an , wer weiß ? « Die sämtliche Hausbewohnerschaft nahm an dem Spiel teil und lachte über Vrenelis Zorn , der sich gar nicht wollte besänftigen lassen , während Uli in den Spaß eintrat und seinen Hut tüchtig in den Kopf drückte , den Vreneli ihm abzureißen suchte , um den Meien wegzunehmen . Es hätte ihm doch noch denselben abgerissen , wenn nicht die Mutter gesagt hätte , es solle nicht so dumm tun und den schönen Meien verstrupfen . Das wäre doch noch lange nicht das Grüslichste , wenn man sie schon für ein Hochzeit ansehen würde . Es wolle es aber nicht , sagte Vreneli und nahm den eigenen Meien von der Brust und hätte ihn fortgeworfen , wenn die Mutter nicht gesagt hätte : Es solle doch nicht so dumm machen . Die , wo am wüstesten täten , die heirateten zuletzt noch am liebsten , wenn es Ernst gelte . » Einmal ich nicht , « sagte Vreneli , » ich will keinen Schlufi , wie sie alle sind . Ich wüßte nicht , was ich so mit einem Schnürfli anfangen sollte . « » He , öppe was die Anderen ! « sagte die Mutter herzlich lachend und fuhr mit dem von nun an schmollenden Vreneli in den schönen Morgen hinaus . In aller Farbenpracht hing das welke Laub an den Bäumen , im Schimmer seiner eigenen Abendröte , unter ihm streckte sich grün und munter die junge Saat aus , spielte lustig mit den blinkenden Tautropfen , die an ihrer Spitze hingen ; geheimnisvoll und düftig dehnte sich über alles der Himmel aus , der geheimnisvolle Schoß der Wunder Gottes . Schwarze Krähen flogen über die Äcker , grüne Spechte hingen an den Bäumen , schnelle Eichhörnchen liefen über die Straße und beguckten von einem rasch erreichten Ast neu , gierig die Vorüberfahrenden , und hoch in den Lüften segelten in ihrem wohlgeordneten Dreieck die Schneegänse einem wärmeren Lande zu , und seltsam klang aus weiter Höhe ihr seltsam Wanderlied . Der Mutter verständig Auge schweifte lebendig über alles , ihre lauten Bemerkungen nahmen kein Ende , und manche kluge Rede ward zwischen ihr und Uli gewechselt . Besonders wenn sie durch Dörfer fuhren , häufte sich das Auffallen , de , und selten ein Haus bot ihr nicht Gelegenheit zu einer Bemerkung . Es sei doch nichts , wenn man immer daheim hocke , sagte sie , da sehe man immer das Gleiche . Man sollte von Zeit zu Zeit im Lande herumfahren : da sehe man nicht nur etwas für den Gwunder , sondern könne auch viel lernen . Man mache die Sachen nicht an jedem Orte gleich und an einem Orte besser als am andern , und so könne man das Beste daraus nehmen . Sie waren nicht viel mehr als zwei Stunden gefahren , als die Mutter schon davon zu reden anfing , daß sie dem Kohli etwas werten geben müssen . Er seis nicht gewohnt , so lange zu springen , und sie wollte lieber ihn gesund wieder heim- bringen . » Halt du beim nächsten Wirtshaus , « sagte sie auf Ulis Einreden , » und lueg , ob er nicht ein Immi Hafer nimmt . Es ist mir auch gleich , etwas zu nehmen , es will mich schier anfangen zu frieren . « Dort angekommen , befahl sie Uli : » Wenn das Roß den Hafer hat , so komm hinein . « Noch unter der Türe kehrte sie um und rief : » Hast du gehört ? Komm dann ! « Nachdem drinnen die Wirtin mit dem Fürtuch die Bänke abgewischt , gefragt hatte : » Womit kann man aufwarten ? « , eine gute Halbe und ein wenig Tee befohlen war , setzten sich die Frauen , sahen in der Stube herum , machten halblaut ihre Bemerkungen und wunderten sich , daß es an dieser Uhr nicht später sei ; aber Uli sei wohl geschwind gefahren , man sehe , es pressiere ihm , hinzukommen . Als endlich das Verlangte da war mit der Entschuldigung , es sei wohl lang gegangen , aber das Wasser sei nicht warm gewesen und das Holz habe nicht brennen wollen , sagte die Mutter zu Vreneli : Es solle doch Uli rufen , sie wisse nicht , warum der nicht komme , sie hätte es ihm doch zweimal gesagt . Als er da war und gehörig Gesundheit gemacht hatte , wollte die Wirtin ein Gespräch anfangen und sagte : Es sei heute auch schon ein Hochzeit durchgefahren . Da lachte die Mutter gar herzlich auf . Uli lächerete es auch , hingegen Vreneli wurde hochrot und zornig und sagte : Es seien nicht alles Hochzeit , was heute auf der Straße sei . Es werden andere Leute auch noch das Recht haben , am Samstag herumzufahren , die Straße werde nicht bloß für Hochzeitleute sein . Sie solle doch recht nicht zürnen , sagte die Wirtin sie kenne sie ja nicht ; aber es hätte ihr geschienen , sie schickten sich wohl für einander , ein so hübsches Paar hätte sie nicht bald gesehen . Die Mutter tröstete die Wirtin , sie solle sich nur nicht lange verexgüsieren ; sie hätten schon daheim ein großes Gelächter gehabt und gedacht , es werde so gehen , und schon damals sei das Meitschi so bös geworden . » Das ist nicht schön von Euch , Base , daß Ihr mich auch helfet plagen , « sagte Vreneli , » wenn ich das hätte wissen sollen , ich wäre gar nicht mitgekommen . « » Es plaget dich ja kein Mensch « , sagte die Base lachend . » Du tust so dumm , es würde sich ja manches Meitschi meinen , wenn man es für eine Hochzeiterin ansehen würde . « » Ich darum nicht , « sagte Vreneli , » und wenn man mich nicht ruhig läßt , so laufe ich noch jetzt heim . « » Du wirst den Leuten die Mäuler nicht verbinden können und kannst froh sein , wenn sie nicht etwas Ärgeres über dich sagen « , antwortete die Base . » Das ist mir genug , wenn mich die Leute verbrüllen mit einem , den ich nicht will und der mich nicht will . « Vreneli hätte noch lange geeifert , wenn nicht angespannt und weitergefahren worden wäre . Sie rückten rasch vor . Die Meisterin sagte öfters : » Machs nicht zu stark , Uli , wenn es nur dem Kohli nichts tut . « Als sie hörte , daß sie nur noch eine Stunde von Erdöpfelkofen seien , befahl sie , im nächsten Wirtshause zu halten . Dort wollten sie etwas zu Mittag essen , sie hätte Hunger und sie möge ds Vetter Johannese nicht zur Mittagszeit kommen , das gebe gar viel Umstände . So im halben Tag sei es am anständigsten und kommodesten , da könne man es mit einem Kaffee machen , das sei bald gemacht und man nehme es doch gern . Uli gehorchte , fuhr vor , und ziemlich wurden sie vom Stubenmädchen empfangen . Dasselbe führte sie in eine Stube und öffnete sie mit den Worten : » Geht nur hinein , es sind schon zwei drinnen , « und drinnen empfing sie der Ruf : » Das geht gut , da kömmt noch eins « - Hochzeit nämlich ! Die Base lachte , daß es sie über und über schüttelte , und sagte : » Du siehst , es muß sein . Du magst dich wehren , wie du willst , es gilt dich doch . « Dahinein bringe es niemand , sagte das zornig gewordene Vreneli , und wenn es den ganzen Tag so gehen solle , so laufe es zu Fuß heim . » Und von dir , Uli , ist es auch nicht bravs , daß du nicht witziger bist als so , du tätest sonst deinen Meien ab dem Hut . Ich habe dir aber nichts darauf , weißt du es nur . « Da sagte Uli : Bös wolle er es nicht machen , er hätte es für einen Spaß angesehen . Wenn es es aber so nehme , so wolle er ihm gerne seinen Meien geben und , wenn es wolle , heimgehen ; sie könnten mit dem Kohli wohl fahren , er sei sicher . Vreneli nahm den Meien und sagte : » Dankeigist ! « Aber die Base sagte : » Ich hätte ihm ihn nicht gegeben , ihr habt euch einander nicht zu verschämen . « » Und kurz und gut , Base , sei das , wie es wolle , so will ich nichts davon , und zu den Hochzeitleuten will ich nicht , und wenn Ihr nicht mit mir in die Gaststube kommen wollt , so laufe ich heim auf der Stelle « , begehrte Vreneli auf . » Das ist mir doch afe es Meitli , das , « sagte die Base . » Uli , wenn ih dih wär , su nähmt ih das uf e Gunte . « » Mira , nehm ers , wenr will ; aber ih hätt bald gseit , Ueli syg witziger as anger Lüt und heyg o selber nit Freud a öppis Dumms eso . « » Wart ume , Vreneli , « sagte die Base , » es wird dir o scho angers cho , zell druf . E Hochzytere z ' si ist doch de am Eng e schöni Sach . « » Was , e schöni Sach ! E arme Tüfel isch e Hochzytere , « sagte Vreneli . » Hochzyt ha isch no viel ärger as Sterbe . Bim Sterbe weiß me doch no öppe , ob me selig wird oder ob eim dr Tüfel nimmt , bim Hochzytha cha me gar nüt wüsse . We me meint , dr Himmel syg voll Gyge , su sys zletzt luter Donnerwetter . U we me meint , mi heyg dr Freinst , su isch es de zletzt , we me recht luegt , dr wüestisch Hung . « » O Meitschi , « sagte die Base , » du heschs o so wie äy Bettlere , wo gseit het , sie möcht kei Büri sy , vo wege sie mög dKüechleni nit erlyde , das syg ere doch es Dolders Fresse , u wo me du grad druf im ene Cheller erwütscht het , wo sie e ganzi Bygete het welle stehle . Gang mr doch mit sellige Rede , mi vrsüngt sih drmit gar gern . U we me scho e wenig kybig isch , sym Mul soll me doch geng e Rechnig mache . Mi weiß nie , was es eim gä cha , u we me de drin isch , su chunts eim wieder zSinn , was me gredt het , u selligi Wort chönne eym mengisch Tag und Nacht vrfolge , ärger as e Truppele wildi Tier , daß me kei Rue meh het . U menge het ne nit angers wüsse z ' ertrünne as dür e Tod . « » Base , « sagte Vreneli , » ih han Ech nit welle höhn mache u dih o nit , Ueli , aber löyt mih rüeyig ! Ih bi nüt as es arms Meitschi , u drum mueß ih mih wehre , we mih öpper no zu öppis Mingerem mache will . « » Bhüetis , « sagte die Base , » das chunt niemerem zSinn , u es wär mängi rychi Tochter froh , si wär , was du . Ja ih wett o gern öppis minger ha u no fry ordelig minger , we ds Elisi wär , was du . Du machst en iedere Ma glücklich , er ma rych oder arm sy . Mi cha dih histelle an esn ieders Ort , wo me will , u ds Elisi isch , helf mr Gott , nüt . Ih weiß o nit , wie das cho isch , u ha doch Beidi erzoge . Aber es isch o nit Eim gä wie am Angere . Du masch arüere , wasd witt , su steyts dr wohl a , u wenn ih e junge Bursch wär , su seyt ih : Die u ke Angeri ! U was ds Elisi macht , isch uwatlig ; da wirds no Vrdruß gä , dä mih i ds Grab bringt . « Der guten Mutter schossen die Tränen in die Augen , und ds Vreneli , das bei sich selbst gedacht hatte , es könnten Zwei an einem Orte und von der gleichen Person erzogen werden und doch ungleich , sagte dieses nicht , sondern tröstete : Es werde wohl nicht so bös gehen , sondern besser kommen , als man denke . Aber die Base schüttelte den Kopf und klagte fort , wie sie gedacht hätte , wenn es einmal geheiratet sei , so werde es auch etwas angreifen , es werde ihm schon noch anders kommen ; aber es komme ihm nicht . Den ganzen Tag habe es die Hände über einander , mache die Dame ; es sei ein Schlärpli und werde sein Lebtag eins bleiben . Wenn sie ihm nur den Zehnten eingeben könnte , was Vreneli sei , so wollte sie glücklich sein . Ihm gebe alles nichts zu tun , es möge sein , was es wolle , und alles sei immer gemacht , es düech eim , es könne hexen , und wenn ds Elisi an einem Sessel den Staub abwischen sollte , so hätte es einen ganzen Tag daran , und den andern müßte es im Bette liegen . Manchmal am Nachmittag sei noch kein Bett gemacht , und abends um neun Uhr wisse man noch nicht , was man zu Nacht essen wolle . Es hätte sie hoch aufgesprengt , als sie das gesehen . » Aber sägits daheim niemere , ih möcht nit , daß es no uschämti , « setzte sie hinzu und trocknete sich die Augen . Vreneli war wieder gut geworden ; das Lob hatte ihm wohl , getan , es wußte eigentlich nicht warum . Es schwatzte , rühmte , schalt das Essen , schenkte ein und neckte Uli , er hätte immer nur leer . Die Mutter vergaß auch ihren mütterlichen Jammer , und hellauf fuhr man wieder ab , dem vetterlichen Hause zu . Uli hatte nun viel zu berichten , wem dieses Haus gehöre , wem jener Acker . Als er den ersten Acker sah , der dem Vetter Johannes gehörte , lachte ihm das Herz im Leibe . Alles , was er auf demselben geschafft , ging wieder in ihm auf ; von weitem zeigte er ihn , pries seine Eigenschaften . Dann kam ein anderer und wieder ein anderer , und sie fuhren zum Hause , ehe sie daran dachten . Dort machte man Kabis ein im Schopf , die ganze Haushaltung war da versammelt . Alles hob die Köpfe auf , als das unerwartete Wägeli daherkam . Erst kannte man die Leute nicht , dann erhob sich ein Geschrei : » Es ist dr Ueli , dr Ueli ! « , und die Kinder sprangen aus dem Schopfe ; dann sagte Johannes : » d Base in der Glungge kömmt mit ; was Guggers kömmt die an , was bringt die wohl ? « Er und seine Frau traten nun auch hinaus , längten die Hände hinauf zum Willkomm , und Eisi , des Johannese Frau , sagte : » Gottwillche , Ueli , bringst is dy Frau ? « Da lachte die Base wieder herzlich auf und sagte : » Da ghöret drs , dr möget welle oder nit , es mueß sy , all Lüt säges ja . « » An allen Orten sieht man uns für ein Hochzeit an , « erläuterte Uli , » weil wir am Samstag mit einander fahren , wo so viele Hochzeit auf der Straße sind . « » He und nicht nur das , « sagte Johannes , » sondern es düecht mich , ihr schicktet euch nicht übel zusammen . « » Ghörst , Vreneli , « sagte die Base , » der Vetter meints auch , da hilft Wehren nichts mehr . « Bei Vreneli hatte Weinen mit Lachen gekämpft , Zorn mit Spaß ; endlich überwand es sich der Leute wegen , das Letztere siegte , es antwortete : Es hätte immer gehört , wenn es ein Hochzeit geben sollte , so müßten Zwei wollen ; bei ihnen aber wolle gar Keins , und so sehe es nicht ein , wie etwas aus der Sache werden solle . » Was nicht ist , kann werden , « sagte des Johannes Frau , » so etwas kömmt oft ungesinnet . « Es gspüre einmal noch nichts davon , sagte Vreneli , brach dann aber ab und gab die Hand noch einmal und sagte : Wie uverschant es sei , daß es mitgekommen , aber die Base habe es haben wollen , sie könne es jetzt versprechen , wenn es ihnen in den Kosten sei . Es freue sie gar wohl , daß sie einmal gekommen , sagte die Hausfrau und hieß dringlich hineinkommen , gäb wie die Andern sagten : Sie wollten sie nicht versäumen , vor dem Hause bleiben , helfen , es sei so schön und frein da außen ! Wie sie nun auch sagten , sie hätten nichts nötig , hätten erst gegessen , so wurde doch gefeuert , und nur durch dreimaliges Hinausgehen konnte eine förmliche Mahlzeit verhindert , die Guttätigkeit auf ein Kaffee zurückgebracht werden . Vreneli hatte bald mit dem ältesten Mädchen , das aus einem rührigen Kinde eine schöne Jungfrau geworden war , Freundschaft geschlossen und mußte alle dessen Herrlichkeiten in Augenschein nehmen . Uli blieb aus schuldigem Respekt nicht gar lange in der Gesellschaft , die ältern Leute wurden alleine gelassen . Endlich mit einem schweren Seufzer begann die Base : Sie müsse fry gerade sagen , warum sie komme , sie hätte nirgends besser hingewußt um Rat und Hülfe als hieher . Der Johannes hätte ihnen schon so oft gedienet , daß sie gedacht , er lasse sie diesmal auch nicht im Stich . Es sei alles so gut gegangen bei ihnen , es sei eine Freude gewesen . Freilich hätte einige Zeit lang Uli ihr Elisi in den Kopf genommen , aber daran sei das Meitschi selbst schuld gewesen , und sie glaube , Uli hätte zuletzt doch eingesehen , daß das Meitschi nichts für ihn sei . Da hätte sie das Unglück in den Gurnigel hinauf geschlagen , dort das Elisi seinen Mann aufgegabelt , und seither sei alles wie zerstört . Ihr Johannes tue wüst , der Tochtermann sei nicht , wie er sein solle , sei ein grusam Interessierter , meine , sie solle nichts mehr brauchen in der Haushaltung . Ds Elisi hätte immer Streit mit Vreneli , das wolle nun fort deswegen , Uli wolle fort , alles falle wieder auf sie und sie wisse um ihr Leben nichts anzufangen , sie hätte manche Nacht kein Auge zugetan und aneinander pläret , daß es ihr in ihren alten Tagen so gehe . Da sei ihr eins in Sinn gekommen : Es könne ihr doch sicher kein vernünftiger Mensch etwas dawider haben , wenn sie das Gut in Lehn geben würden , dadurch falle ihr die Last ab . Und da hätte sie gesinnet , einen bessern Lehenmann als Uli , der ihnen zu allem sehe und ehrlich und brav sei , könnten sie nicht erhalten , und Uli könnte da auch sein Glück machen ; denn daß er öppe hart gehalten werden sollte , das täte sie nicht , es solle sein Nutzen sein wie der ihre . Aber sie hätte keinem Menschen etwas davon gesagt ; sie hätte zuerst mit ihm reden wollen , was er dazu meine , und wenn er es gut finde , so möchte sie ihm anhalten , daß er mit Uli rede und der Sache sich annehme , bis sie im Reinen sei . Es dünke sie , wenn sie das zwegbrächte , so wollte sie nichts mehr wünschen auf der Welt , wenn schon manches öppe nicht sei , wie es sein sollte . Das sei wohl schön und gut , sagte Johannes , und es würde ihn für Uli freuen , aber da seien ihm zwei Sachen im Weg . Das sei eine gar bedeutende Übernahme , und Uli habe dafür zu wenig Geld . Er habe ein Schönes verdient , aber viel zu wenig für alles anzuschaffen , was da nötig sei . Er hätte kaum so viel , um im Handel etwas zu machen und nicht zur unrechten Zeit verkaufen zu müssen , woran die meisten Lehnleute gewöhnlich sterben . » Dann kann Uli nicht bloß mit Diensten husen , er muß eine Frau haben , und wo nun eine finden , die dem vorzustehen weiß ? Denn das gibt eine schwere Haushaltung . « » Ich wüßte ihm eine , « sagte die Base , » gerade das Meitschi , welches mit nur gekommen . Ein besseres gibt es nicht , und es und Uli haben sich an einander gewöhnt ; wir könnten noch heute sterben , sie trieben die Sache fort , man merkte nicht , daß jemand fehlte . Es ist gesund , stark und für so ein Junges hat es gute Gedanken , es täte manche Alte durch . Es hat freilich kein Vermögen , aber doch einen schönen Sparhafen , brav Kleider , und ganz mit leeren Händen ließen wir es auch nicht . Ihr wißt wohl , wie es mit seiner Mutter gegangen ist . Wenn Uli Vreneli nähmte , so glaube ich , er würde für Bsatzig und andere Sachen wenig anzuschaffen brauchen . Die Sache ist da , man kann ihm ja alles in die Schatzung geben , so ist es da , wenn man den Hof wieder übernehmen will , und man braucht es nicht anzuschaffen . Sie könnten anfangen , fast wie wenn sie die Kinder vom Hause wären . « » Das ist schön und gut , « sagte Johannes ; » aber , Base , nehmt es mir nicht für ungut auf , aber fragen muß ich doch ob Ihr glaubt , daß alles seine Einwilligung gebe ? Es sind gar viele Leute , die zu der Sache reden müssen , wenn sie gehen soll . Was werden Eure Leute sagen ? Joggeli ist allbeneinisch wunderlich ! Und Eure Kinder werden auch dareinreden und das Gut zu Nutzen bringen wollen so hoch als möglich . Uli macht eine gewagte Sache . Ein einziges Fehljahr , Presten oder so was macht ihn zu Boden . Auf einem solchen Gut ist tausend Pfund Ertrag auf oder nieder nicht sichtbar , während in einem Jahr vier- bis fünftausend Pfund verloren gehen können . Und will das Meitschi Uli ? Es ist ein lüftiges und Uli nicht mehr heutig , er hat einige dreißig Jahre auf dem Rücken . « Das , sagte die Base , mache ihr nicht allen Kummer . Joggeli sei am Ende froh , abzugeben , und Uli sei ihm als Lehenmann sicher anständig ; denn wenn er schon wunderlich sei , so sei er doch nicht der Wüstest gegen sie und werde wohl ein , sehen , daß ein guter Lehnmann besser sei als schlechte Knechte . Ihrem Sohn werde das das Rechte sein . Er habe schon über den Schwager geflucht , er nehme alles fort , und das Gut müsse zu Lehn gegeben werden , er höre dann . Auch halte er auf Uli viel und habe ihnen denselben abdingen wollen . Auf den Tochtermann achteten sie sich nicht viel . Er rede ihnen zu viel in ihre Sache und es wäre ihnen lieb , wenn sie nicht zu der seinigen reden müßten . Vreneli , glaube sie , täte nicht am wüstesten , wenigstens habe es keinen Andern , selb wisse sie . Sie glaube , es sehe Uli nicht ungern , und darum hätte es heute so wüst getan , wenn man sie für Hochzeitleute angesehen hätte . Sie sei afe alt , aber sie hätte noch nicht vergessen , wie es die rechten Meitscheni machen . Auf die heutigen anlässigen Täsche verstehe sie sich freilich nicht . Uli mache ihr am meisten Kummer . Der sei so politisch , man wisse nicht , woran man mit ihm sei . Wo ds Elisi den Baumwollenhändler genommen , habe sie geglaubt , er werde die Wände auf springen , alles verschlagen ; aber er habe kein ander Gesicht gemacht , kein Wort lauter gesprochen , es sei gewesen , wie wenn alles ihn nichts anginge . » Uli ist ein Bursch , er kann sein Glück machen , wo er will ; er ist brühmt zentum , und wenn mancher Herr wüßte , was das für ein Bursch wäre , es reute ihn kein Geld , er setzte an , bis