' s ihm zurückgeben oder nachschicken , wenn er in Aschaffenburg ist , verschieb ' s nicht . Bettine Ich hab unwillkürlich meinem Brief da mit Aufträgen ein End gemacht und wollte Dir noch so viel anders sagen über Moose und über Pflanzen , die ich im Wald gefunden hab , reine architektonische Figuren . Sind Worte nicht einzelne architektonische Teile ? Sind sie nicht symmetrisch zu ordnen im Gedanken ? - Ein Wort ist immer schön an sich , aber Gedanken sind nicht schön , wenn die schönen Worte nicht in einer heiligen Ordnung ihn aussprechen ; es gibt aber eine gewisse romantische Unordnung oder vielmehr Zufallsordnung , die so was Lockendes , ja ganz Hinreißendes hat in der Natur ; die einem so mit Lust und Lieb durchdringt , daß sie allen Luxus und alle Erhabenheit weit überwiegt in ihrer Verwandtschaft mit der Seele ; so hab ich mir immer gedacht , wenn in Feenmärchen über Nacht ein prächtiger goldner Palast entstand gegenüber der Hütte von zwei Bettelkindern , wie traurig es sei , daß die nun die Mooshütte verlassen müßten , um in den stolzen Palast zu ziehen , und dann war mir bang , er könne die Gegend verstecken , und nichts deucht mir schöner , als wenn die Natur ihre Launen zärtlich durchflechten kann , wo der Mensch etwas einrichtet ; sollte das nicht im Gefühl , im Gedanken auch sein ? - Sollte Poesie nicht so vertraut mit der Natur sein wie mit der Schwester und ihr auch einen Teil der Sorge überlassen dürfen ? - So daß sie manchmal ihre geheiligten Gesetze ganz aufgäb aus Liebe zur Natur und alle sittlichen Fesseln sprengt und ihr sich in die Arme stürzt voll heißem Drang , ungehindert nur an ihrer Brust zu atmen . Ich weiß wohl , daß die Form der schöne untadelhafte Leib ist der Poesie , in welchen der Menschengeist sie erzeugt ; aber sollte es denn nicht auch eine unmittelbare Offenbarung der Poesie geben , die vielleicht tiefer , schauerlicher ins Mark eindringt , ohne feste Grenzen der Form ? - Die da schneller und natürlicher in den Geist eingreift , vielleicht auch bewußtloser aber schaffend , erzeugend , wieder eine Geistesnatur ? - Gibt ' s nicht einen Moment in der Poesie , wo der Geist sich vergißt und dahin wallt wie der Quell , dem der Fels sich auftut ? Daß der nun hinströmt im Bett der Empfindung , voll Jugendbrausen , voll Lichtdurchdrungenheit , voll Lustatmen und heißer Lieb und beglückter Lieb ; alles aus innerer Lebendigkeit , womit die Natur ihn durchdringt ? - In Deinen Gedichten weht mich die stille Säulenordnung an , mir deucht eine weite Ebne ; an dem fernen Horizont rundum heben sich leise wie Wellen auf beruhigtem Meer die Berglinien ; senken und heben sich wie der Atem durch die Brust fliegt eines Beschauenden ; alles ist stille Feier dieses heiligen Ebenmaßes , die Leidenschaften , wie Libationen von der reinen Priesterin den Göttern in die Flammen des Herdes gegossen , und leise lodern sie auf - wie stilles Gebet in Deiner Poesie , so ist Hingebung und Liebesglück ein sanfter Wiesenschmelz tauigter Knospen , die auf weitem Plan sich auftuen dem Sternenlicht und den glänzenden Lüften , und kaum , daß sie sich erheben an des Sprachbaus schlanker Säule , kaum daß die Rose ihren Purpur spiegelt im Marmorglanz heiliger Form , der sie sich anschmiegt ; so - verschleiernd der Welt , Bedeutung und geheime Gewalt , die in der Tiefe Dir quellen - durchwandelt ein leiser schleierwehender Geist jene Gefilde , die im Bereich der Poesie Du Dir abgrenzest . - So ist mir immer , wenn ich mich erkühne , aus meinem kindischen Treiben hinaufzuschauen nach dem Deinen , als säh ich eine geschmückte Braut , deren priesterliche Gewande nicht verraten , daß sie Braut ist , und deren Antlitz nicht entscheidet , ob ihr wohl ist oder weh vor Seligkeit . - Mir aber liegt ein Schmerz in der Seele , den ich oft unterdrückte in Deiner Gegenwart , und was mir schwer war ; aber eine geheime Sehnsucht , Dich Dir selber zu entführen , Dich Dir selber vergessen zu machen , nur einmal jene Säulengänge , vor denen die Myrte schüchtern erblüht , zu verlassen und in meiner Waldhütte einzukehren , auf ihrer Schwelle am Boden sitzend mit mir , von tausend Bienchen umsurrt , die sich satt trinken in meines Gartens blühenden Kelchen , von den Tauben zärtlich umflattert , die unter mein Dach heimkehren am Abend und da mehr zu Haus sind , mehr Wirtschaft machen als Freundschaft und Liebe der Menschen , denn sie behaupten ihr Vorrecht , alle Gedanken zu übertönen mit ihrem Gegurre . Ja , so erschein ich mir im Geist gegen Dir über , Du mein liebstes Gut ! - So seh ich Dich dahinwandeln , am Hain vorüber , wo ich heimatlich bin ; nicht anders als ein Sperling , vom dichten Laub versteckt , den Schwan einsam rudern sieht auf ruhigen Wassern und sieht heimlich , wie er den Hals beugt mit reiner Flut sich überspülend , und wie er Kreise zieht , heilige Zeichen seiner Absonderung von dem Unreinen , Ungemessnen , Ungeistigen ! - Und diese stillen Hieroglyphen sind Deine Gedichte , die bald in den Wellen der Zeiten einschmelzen , aber es ist segenwallender Geist , der sie durchgeistigt , und es wird einst Tau niederregnen , der aufstieg von Deinem Geist . Ja , ich seh Dich , Schwan , ruhig Zwiesprache haltend mit den flüsternden Schilfen am Gestade und dem lauen Wind Deine ahnungsvollen Seufzer hingebend und ihnen nachsehend , wie er hinzieht , weit , weit über den Wassern - und kein Bote kommt zurück , ob er je landete . - Aber keinen Geist tragen die Schwingen so hoch , daß er die Weite erfasse mit einem Feuerblick , es sei denn , er fache das heilige Schöpfungsfeuer mit seinem Atem an , und so werden Flammen aufsteigen , bewegt vom Gesetz Deines Hauchs aus Deiner Seele , und zünden im Herzen jugendlicher Geschlechter , die , knabenhaft männlich sich deuchtend , nimmer es ahnen , daß der Jünglingshauch , der ihre Brust erglüht , niemals erstieg aus Männergeist . - Was denk ich doch ? - Der Geist atmet , denk ich ? - Ihn nähren die Elemente , er trinkt die Luft , dies feine Beben und Treiben in ihr . Auch in und unter der Erde zeugen Gesetze , sittliche und bürgerliche der Natur . - Die Luft vermählt sich mit der Erde als Geist mit dem Wort ; und daß des Windes Brausen , der Fluten Stürzen Lebensmelodien aussprechen ; und daß jedes Wesen in sich , auch jede Liebe , jede Sehnsucht und jede Befriedigung in sich trage und die Flamme die Pforte sprenge zu ewiger Verjüngung , das denk ich . - Dir mehr wie jedem gehört der goldne Friede , daß Du geschieden seist von aller Störung jener Mächte , die Dich bilden ; und drum mein ich als , ich müsse Dich einschließen und Wächter vor Dir sein , und daß ich nächtlich möcht an Dein Lager treten und gesammelten Tau auf Deine Stirne tröpfeln - ich weiß nicht , was Du bist , es schwankt in mir , aber wo ich einsam gehe in der Natur , da ist es immer , als suche ich Dich , und wo ich ausruhe , da gedenk ich Deiner . - Es ist eine alte Warte hier am Ende des Berggartens , eine zerbrochne Leiter inwendig , die keiner zu ersteigen wagt , führt da hinauf , ich kann mich aber hinaufschwingen mit einigen Kunstsprüngen , da bin ich also ganz allein und sehe wie weit ? - Aber ich sehe nicht , ich trage mich hin , wo ' s in der Ferne nur nebelt und schwimmt , und fordere nicht Rechenschaft vom Auge , froh , daß ich allein bin , und daß mein gehört , soweit ich mich fühle , da oben bin ich mit Dir , da segne ich die Erde in Deinem Namen . Und leb wohl , bald schreib ich mehr und deutlicher , ich fühl in diesem Brief ein elektrisch Beben , wie wenn ein Gewitter sich unter den Wogen hebt , und doch weiß Jupiter Tonans noch nicht , ob er seinen Konsens dazu geben soll . Bettine An die Bettine Meine Abwesenheit von Frankfurt hat gedauert bis im Anfang dieser Woche , ich dachte sicher Briefe von Dir zu finden und bin etwas besorgt , doch sagt mir ein geheimer Geist , Du wirst nächstens in Fluten angeströmt kommen und mich wegschwemmen . Mein Aufenthalt in Heidelberg war angenehm und lehrreich , welches letztere Du nicht wirst gelten lassen , wenn ich Dir aber sag , es waren die alten Mauern und nicht die Menschen , die ihren Geist über mich ergehen ließen , da wirst Du gleich gläubig sein . Du hast bei Deiner Abreise Ostertags schlechte Übersetzung des Suetonius in meine Behausung geschickt , vermutlich soll sie auf die Bibliothek zurück , noch in keinem Buch fand ich so viel Spuren Deines fleißigen Studiums als in diesem ; vier bis fünf Blätter mit Auszügen , wo Du alle Missetaten der zwölf Kaiser auf eine Rechnung gebracht hast . Was bewegt Dich zu solchen Dir sonst ganz fremden Forschungen ? Ich such mir ' s zu erläutern , denkst Du in Ansehung jener , die als große Männer nicht frei ausgingen von der Tyrannei Sünde , Deinen großen Mann zu absolvieren ? - Ich scherze , aber ich möchte doch dabei in Dein Gesicht sehen , ob Du ganz frei von jener Begeistrung bist , die aus aufgeregtem Gefühl entsteht bei dem ewigen Gelingen aller Schicksalslösungen , und die ich lieber Schwindel nennen möchte , und den andre Weltpatriotismus nennen und sich leicht verführen lassen eine Rolle zu spielen , wenn sie ihnen geboten würde , weil es heißt , er hat einen Glücksstern , und da fühlt man sich gedrungen dem zu frönen , aus astralischem Emanationsgefühl , und da tritt man bald von der reinen Einfalt zum Götzendienst über . - Aber ich will Deinen Zorn nicht auf mich laden , sondern Dir offenherzig sagen , woher mir die bösen Gedanken kommen . Sie kommen nicht aus mir , die Leute sagen nämlich , Dich habe alles so aufgeregt , als der Kaiser durchkam , und Du habest geweint , und seist ganz außer Dir gewesen , als Du ihn gesehen hattest , das hat die Claudine mir gesagt , ist ' s wahr , so braucht doch das nicht wahr zu sein , daß Du von ihm hingerissen bist , denn man kann erschüttert werden ohne Begeistrung für das , was uns erschüttert , mehr will ich Dich nicht mit diesen mißlichen Worten peinigen , die nur Scherz sein sollen und auch Dich ein wenig strafen , daß Deine Briefe sich verspäten . Von Offenbach ist mir ein Pack Schriften zugekommen für Dich , die Novelle wahrscheinlich - soll ich sie Dir aufbewahren oder zurückschicken ? - Von Clemens hab ich Dir auch noch viel zu sagen , Gutes und Vergnügliches , heiße Anhänglichkeit an Dein Wohl ; - es ist sein tiefer Ernst , wenn er sagt , Du gehest durch Deinen Leichtsinn der Zukunft verloren , und dieser Ernst gehet so weit , daß er im Eifer meint , ich sei mit dran schuld . Einen Brief hast Du ihm geschrieben , wo Du meine Ansicht über Dich als Zeugnis zitierst , daß es nicht in Deinem Charakter liege , zu dichten oder vielmehr etwas hervorzubringen . Dies hab ich büßen müssen , denn er zeigte mir Deinen Brief und meinte , wer so schreibe , der dichte auch , ich hab schweigsam und bejahend alles über mich ergehn lassen ; tue , wie Du kannst . Dort in Marburg hast Du wahrscheinlich wenig Zerstreuung , wer weiß , was Dir gelingt oder vielmehr einfällt , denn fiel es Dir ein , so fiel es Dir auch vom Himmel , aber dies schon so lang erharrte Phänomen will immer nicht sich ereignen . - Ich bitte Dich , schreibe bald , daß ich wieder ins Geleis Deiner Ereignisse und Erfahrungen komme ; es ist mir ganz tot hier , meine Augen hindern mich sehr am Schreiben . Caroline An die Günderode Lieber Widerhall , ich hab Dir was zu sagen von meiner schmerzlichen Langenweil , die ich bei allem empfinde , weil ich immer noch nichts von Dir weiß , ich mein , wann ich nicht rufe , so mußt Du rufen , aber nein , Du bist der Widerhall , und ich darf nun nicht eher hoffen , als bis mein Rufen bei Dir angeschlagen hat . Gestern hab ich meinen Brief zugemacht dem Bedienten mit auf die Post gegeben , und siehe , er brachte ihn mit einem großen Paket angekommener Briefe wieder zurück , in der Meinung , ihn dort für mich empfangen zu haben , jetzt ging er erst heute um vier Uhr ab , dies Verzögern , dies Vormirliegen meines Briefes , dem ich Flügel angewünscht hätte , und den ich gewohnt bin , nie eher zuzumachen , als bis er die Reise antritt , war mir sehr unheimlich , ich bin so gedächtnislos , daß wenn ich den Brief schließe , ich schon nicht mehr weiß , was er enthält ; und nur ein Nachgefühl läßt mir die Ahnung zurück , wie er Dich berühren werde ; aber bald fang ich an zu zweifeln , ob ' s nicht lauter Einbildung sei , daß ich mir denke , Dir tiefe innere Anschauungen mitgeteilt zu haben , und so fühl ich ermattende Zweifel , und ich denk , was soll doch das dicke Briefpaket , da kann doch unmöglich lauter Klugheit drin stehen , wo soll ich ' s her haben , ist ' s doch so leer mir im Kopf ! - Und dann tut mir ' s so leid , daß ich Dir nicht meine Seele konnt hingeben , nackt und bloß , wie sie Gott zu sich aufnimmt , daß ich statt ihrer Dir einen Schwall von Worten schickte , die suchen und suchen , Dir eine Flamme aus den Wassern dieses bodenlosen Ozeans , in dem wir alle schwimmen , entgegen zu hauchen ; da möcht ich den Brief aufbrechen und nur einen Augenblick wahrnehmen , daß ich ' s Herz auf der Zunge hatte , und doch kommt er mir so versiegelt vor , als sei er Dein Eigentum schon , was mich nichts mehr angeht , weil ' s immer Gott gleich von mir nimmt , sobald ich ' s in der Glut meines Angesichts hingeschrieben hab . Ja es ist mir ein paarmal geschehen , daß ich einen Brief von mir bei Dir gefunden hab , so war er mir ganz fremd , und die Worte und Gedanken wunderten mich recht . Heute hab ich also Deinen Brief unverletzt entlassen aus wahrer Pietät , weil er Dein gehört , und weil ich mich nicht in die Geheimnisse eindringen will , die Gott Dir durch meine Hand vertraut , denn sonst würde er nicht so schnell das Gedächtnis von mir nehmen , um so mehr kannst Du an das drin glauben , was vielleicht Dich berührt . Christian , der mir nach Frankfurt so ernste und liebende Briefe geschrieben hatte , vor denen ich mich oft schämte , weil sie viel höhere Kräfte mir zutrauten und wecken sollten , als je erwachen werden , der geht hier um mich herum und betastet mein Ingenium , und entdeckt , daß die Fundgruben des Genies zum Teil leer sind und die Felder des Wissens steinigter Acker , und das Licht der Begeistrung lauter Nebel , doch verläßt er mich nicht und sorgt für Lehrer . Der Schäfer sollte Geschichte mit mir treiben , da er aber sehr ernst und gründlich ist und durchaus will , daß der freie aufgeweckte Mensch mit vollem Interesse dabei sei , so konnte er ' s nicht mit mir aushalten , es ging gegen sein Gewissen , er hat dem Christian bedeutet , es sei besser , mich auf andre Weise zu beschäftigen ; da ich eine nervenangreifende Empfindung habe , wenn ich Zahlen wahrnehmen soll , wenn ich das Frühere vom Späteren unterscheiden soll , wenn ich Namen behalten soll , so sei es nicht möglich , bei gutem Gewissen mir Zeit und Geld zu rauben . Es tut mir leid , daß auch der mit Blindheit geschlagen ist über mich und von der närrischen Idee besessen , ich lerne , um was zu wissen , um Kenntnis zu sammeln ; Gott bewahr , da könnte ich nur innerlichen Raum mit Dingen ausfüllen , die mir im Weg sind , wenn sich ein Reisender viel Besitztum anschafft , so hat er erst die Not , alles unterzubringen , und hat er sich an Überflüssiges gewöhnt , so muß er einen Bagagewagen hinter sich drein fahren haben . Den Mantel umgeschwungen und damit zum Fenster hinaus und alles Gerümpel dahinten gelassen , das ist meine Sinnesart , lernen will ich wie Luft trinken . - - Geist einatmen , wodurch ich lebe , den ich aber auch wieder ausatme , und nicht einen Geistballast in mich schlucken , an dem ich ersticken müßt . Das will mir aber keiner zugeben , daß solche Unvernunft naturgemäß sei . Ich würde am End freilich nichts wissen , was ich ihnen gern zugebe , aber ich würde wissend sein , was die mir nicht zugestehen - aber durchgeistigt sein von des Wissens flüchtigem Salz , einen Hauch der Belebung durch es empfinden , einen Kuß , wenn Du ' s erlaubst , einen flüchtigen - dem ich eine Weile noch nachfühle , der in mir sich verwirklicht , verewigt . Wissen und Wissendsein ist zweierlei , erstes ist eine Selbständigkeit gewinnen in der Kenntnis , eine Persönlichkeit werden durch sie . Ein Mathematiker , ein Geschichtsforscher , ein Gesetzlehrer - gehört alles in die versteinert Welt , ist Philistertum in einem gewissen tieferen Sinn . Wissendsein ist Gedeihendsein im gesunden Boden des Geistes , wo der Geist zum Blühen kommt . Da braucht ' s kein Behalten , da braucht ' s keine Absonderung der Phantasie von der Wirklichkeit , die Begierde des Wissens selbst scheint mir da nur wie der Kuß der Seele mit dem Geist ; zärtliches Berühren mit der Wahrheit , energisch belebt werden davon , wie Liebende von der Geliebten , von der Natur . - Die Natur ist die Geliebte der Sinne , die Geistesnatur muß die Geliebte des Geistes sein ; durch fortwährendes Leben mit ihr , durch ihr Genießen geht der Geist in sie über oder sie in ihn , aber er führt kein Register über alles , er buchstabiert sich ' s nicht und rechnet ' s nicht zusammen . Nun was liegt mir dran ? - Solang mir ' s so geht wie hier , kann ich nicht klagen , ich schwindel wie ein Bienchen herum , und wo ich ein offnes Kelchelchen find , da schwipp ich hinein und versuch und trink mich satt , wenn mir ' s schmeckt . Der alt Professor Weiß , bei dem wir im Haus wohnen , ist so ein kleiner Hausgarten , an dem mir allerlei Blüten noch offen stehen . Der gute Alte klopft an die Tür , da steht er mit der Zipfelmütze im Schlafrock und will gern seine Pfeife anzünden , weil bei ihm noch kein Licht brennt , ich spazier noch ein bißchen mit in den Garten , wo er die Pfeife raucht , er zeigt mir die Sternbilder am Himmel , der Orion , der groß Bär und der klein Bär , und pafft mir den Rauch ins Gesicht , so hat er mich die drei Wochen unterhalten , sooft gut Wetter war , von aller Planeten Tanz , und das hat grade mein Begehren zu wissen mäßig genährt ; aber wissenschaftlicher Ansatz ist ' s nicht geworden , vielmehr Schleierlüften von geheimen Reizen des Geistigen . Und ich hab dann am Abend und in der Nacht noch Gedanken gehabt , Nachzügler - worüber ich beseligt einschlief . Weißt Du , was das ist , beseligt einschlafen ? - Das ist grad mit der Natur im süßesten Alleinsein sich befinden , wo sie allein den Blick auf Dich richtet und in Dich hineinschaut und Du in sie und eine Decke Euch umhüllt wie zwei Kinder , die einer des andern Atem trinken . So ist ' s mit mir , wenn ich zufällig etwas von ihr gewahr werd ; aber wenn ' s mir abgemessen wird , wenn ich Rechenschaft geben soll , dann fühl ich mich in der Seele beleidigt , denn ich mag nichts wissen , ich schäme mich und kränke mich , daß auf dem Spielplatz meiner Seele all das lustige übermütige Springen und Schwingen nicht mehr sein soll , wo ohne Umsehens alles verfliegt , wie es gewonnen worden , und von keiner Aufspeicherung die Rede ist . Da hab ich noch eine Lust , - der alt Herr hat ein klein Treibhaus , eine Kammer mit zwei Fenstern nach der Sonne hin , wo er selbsterzogne und jahrelang gepflegte Gewächse bewahrt . Ich bin mit ihm gewesen und hab ihm helfen die Gewächse vom Staub reinigen , viele hab ich nicht gekannt , er sagte mir ihren Namen , ihr Vaterland , ihre Geschichte , wie er dazu gekommen , was er für Glück und Unglück mit ihrer Pflege gehabt , das alles ist lebendig und interessant , denn er ist alt und hat viel Kinder und also viel Sorgen und ist kränklich ; und nun ist seine Freude aus der sogenannten Fülle dieses großen weiten wissenschaftlichen Lebens , die paar südliche Pflanzen , die hier unter seiner Liebe Schutz ihr Leben im fremden Klima fristen , mit einer dürftigen Blüte ihn erfreuen ; im Keim schon unterscheidet er , ob der Knospen bringen wird oder bloß Blätter , zählt alle , betrachtet alle Tage , wie sie vorrücken , da regt sich kein Blättchen , er sieht ' s und versteht ' s , Du solltest zuhören , wie er ihre Färbung , ihr Erschließen bemerkt , wie er ihnen das bißchen Licht ökonomisch austeilt , daß keins zu kurz kommt , und dabei geht als sein altes ledernes Kolleg , was er nun schon im einundzwanzigsten Jahr jährlich zweimal den Studenten vorträgt , mit herabhängenden Ohren den gewohnten Weg zur Mühle , ob ein gesunder Menschenverstand es aushält , dies immer und immer , das Erlernte , Erstudierte durchzukauen ? - Nein , einmal muß es aufhören , und einer möcht wohl lieber aufs ewige Leben verzichten als ewig das Erlernte wieder den Nachkommen mitteilen ; so muß man es denn einmal abdanken , nicht wahr ! - Sollte man den alten Satz mit in die Ewigkeit zu nehmen gedenken ? Mitnichten , so wenig wie den Tressenrock , die Staatsperück , die Ordensbänder , die Titel , die Ehrenämter , man fühlt recht gut , daß sich solches Zeug vor Gott nicht schickt , aber wie der Geist übereinstimme mit der Natur , die seine Freundin , seine Geliebte ist , wie er in ihr und durch sie sich entwickelt hat , das ist vor Gott alles . Wenn denn alles Wissen , Haben übergehen muß in Nichtwissen , Nichthaben , was hat ' s denn auf sich , daß ich gleich alles verdampfen lasse ! Wissen ist Handwerker sein , aber wissend sein , ist Wachstum der Seele , Leben des Geistes mit ihr in der Natur ; Leben ist aber Liebe . - Sei nachsichtig gegen mich , ich muß Dir alles zurufen , lieber Widerhall , keine Sorge um mich , wenn Dir ' s nicht wie gesunder Menschenverstand vorkommt , man ahmt ja wohl den Vogel im Busch nach oder den Wind zum Vergnügen oder das Wild im Wald . - Der Weiß hat mir ein botanisch Buch gegeben , wie er sah , daß ich so viel Freud hab an Pflanzen , ich hab mir die Moose heraus gesucht , weil man die unterm Schnee noch finden kann , ich hab eine Lupe , ich betrachte sie , ich entdeck eine Welt , alles läuft und stürmt durch , wie durch einen Forst , es fehlt nur der Jagdhörnerschall , das Hundgebell und der Schuß ; so könnt man denken , man wär auf einer königlichen Jagd ; ich hab noch das Pläsier , von oben herab wie Gott vom Himmel da hinein zu sehen ; wenn ich ' s dem Weiß vorerzähl , wie mir alles vorkommt , das hört er an wie ' s Evangelium , es erquickt ihn , die Lügen und Fabeln meiner Einbildung zu hören , er sagt : » Wenn ich nicht im Pflug gehen müßt , so schwätzt ich den ganzen Tag mit Ihnen . « - Das ist gut für mich , sonst wär mir ' s zu viel . Samstag Der gestrige Abend war ein gedulderprobender , es war wieder Dämmerungsstunde , erfüllt mit allerlei Gaben der Muse . Schäfer , der ein feiner und geistreicher Mann ist , hörte mit zu ; Savigny ist gar liebenswürdig mit seinen Freunden und Bekannten , die höchste Güte leuchtet aus ihm , so befindet sich alles kindlich wohl und heiter um ihn her . Es wurden Gedichte vorgelesen vom Autor ; das ist schwierig für den Leser und für den Hörer , da sind zwei Fragen : wo kommen die Gedichte her , und wo wollen sie hin ? Die meisten behaupten ihre Abkunft aus dem Feuergeist der Liebe und behaupten ihr Recht , ins Herz einzukehren . - Ich saß in der Ecke und hörte ein lang Gedicht mit den Ohren , die Seele sehnte sich hinaus in den Schnee , in die sternenhallende Luft ; die Sterne haben einen Ton , einen sprechenden Laut , der viel vernehmlicher ist in klarer Winternacht wie im Sommer ; - vernehmlich , nicht hörbar , wie denn alles in der Natur vernehmlich ist , wenn ' s auch die äußeren Sinne nicht gewahr werden . Ich dachte mich hinaus in alle Welt während dem Rollen auf der Verse-Chaussee ; meinem Nachbar mochte es wohl auch schwer auf dem Herzen liegen , denn er seufzte mehrmals und holte endlich sein Taschenbuch , worin er mit dem Bleistift was einkritzelte , - ich nahm ' s ihm aus der Hand und probierte Verse zu machen im Takt des Lesenden , das Gelesene schoß Worte zu , wie eine Fabrik , wo einer dem andern in die Hand arbeitet , und so setz ich Dir ' s der Kuriosität halber hin . Der Dichter las nämlich klagende Gespräche im Minneliederstil zwischen zwei Liebenden , die nicht zu Rande kommen können mit ihrer Sehnsucht , in Frühlings- und Sommerzeiten . Es waren nicht des Maien wilde Blüten , Violen süß und Rosen überall , In grüner Lind die freie Nachtigall , Die mich vor Sehnsuchtschmerzen sollten hüten . Ich klage nicht die lichte Sommerzeiten , Den kühlen Abend nach dem heißen Tag ; - Der meiner Träume Sinn verstehen mag , Der wolle ihnen Störung nicht bereiten . Nicht , daß sich bald das grüne Laub will neigen , In dem der Vöglein muntre Schar sich wiegt , Daß Sonnenschein und Blumenglanz verfliegt , Macht , daß mein Herz sich sehnt und meine Freuden schweigen . Der rauhe Winter nicht , der alle Lust bezwinget , Die lust ' gen Gauen überdeckt mit Schnee , Mir seufzt die Langeweil im Herzen Ach und Weh , Die mit dem Dichter stöhnt und in den Versen klinget . Montag Nun kam gestern ein Brief von Clemente an mich mit feierlichen Mahnungen , doch mein Leben nicht zu verscherzen , so innig , so herzlich , als wär ich eine Blumenknospe , die auf seinem Stamm wüchse , und der Stamm treibt sorglich alle Kräfte dahin , daß sie sich auftue , aber die Knospe ist so fest , daß nicht Regen und nicht Sonnenschein sie weckt - was kann ich da ? - Der Christian straft mich mit Worten , es sei kein Ernst in mir , und wenn ich wollte nach Italien reisen , so sollt ich Winckelmanns Kunstgeschichte studieren und Italienisch lernen , das hab ich probiert , aber die Kunstgeschicht , wie sollt ich mit der mich abgeben , wenn ich dran denk , daß ich nach Italien reisen sollt . Ei , laß doch alles mit Augen sehen , und wenn ich trunken bin vor Seligkeit , daß dort andre Bäume , andre Blumen und Früchte sind , wenn ein schönerer Himmel über mir wogt , wenn Menschen , Knaben , Jünglinge , die mir verwandter sind im Blut , in der Faulheit , als die kalten deutschen fleißigen Brotstudenten , mir begegnen auf der Straß , mich sanft grüßen , umkehren , mich noch einmal grüßen , feuriger , - ei werd ich da noch das geringste vom Winckelmann , von der alten Geschichte wissen ? Wenn rings die Schönheit der Erde aufwallt , da wär ich wohl der närrische Pedant dazu ? - Mit Dir , Günderode , möcht ich Arm in Arm dahinschlendern , kommst Du heut nicht , so kommst Du morgen , alle Zeit füllt sich ja so himmlisch , was sollen wir sorgen , wo wir hinkommen ? - Sturm und Gewitter schreibt in die Brust Unvergängliches wie der heitre Tag ; jeder Weg führt zu geheimen Reizen der Natur , warum sollen wir nicht , wenn ' s uns lockt , folgen dem strebenden Herzen , den Gestalten , dem Glanz