geschieht . « » Allerdings , Herr Kanzler ! « erwiderte Georg mit großer Ruhe , » um so unschuldiger als ich selbst dabei war , wie meine Frau Seiner Durchlaucht diesen Dank zusagte . Der Herr Herzog versprach beim Vater für uns zu bitten , daß er mich zu seinem Eidam annehme , und bedung sich dafür diesen Lohn an unserem Hochzeittage . « Der Herzog sah den jungen Mann mit Staunen an , Marie errötete von neuem , denn sie mochte sich jene ganze Szene ins Gedächtnis zurückrufen , aber keines von beiden widersprach ihm , sei es , weil sie es für unschicklich hielten , ihn Lügen zu strafen , sei es , weil sie ahneten er könne sie belauscht haben . Aber Ulerich konnte doch nicht unterlassen , ihn heimlich um die näheren Umstände zu befragen , er teilte sie ihm in wenigen Worten mit . » Du bist ein sonderbarer Kauz ! « flüsterte der Herzog lachend , » was hättest du denn gemacht , wenn Wir damals ein Küßchen erobert hätten ? « » Ich kannte Euch noch nicht « , flüsterte Georg ebenso leise , » drum hätte ich Euch auf der Stelle niedergestochen und an die nächste Eiche aufgehängt . « Der Herzog biß sich in die Lippen und sah ihn verwundert an ; dann aber drückte er ihm freundlich die Hand und sagte : » Da hättest du alles Recht dazu gehabt , und Wir wären in Unseren Sünden abgefahren . - Doch siehe , da bringen sie wieder Spenden für die Braut . « Es erschienen jetzt die Diener der Ritter und Edeln , die zur Hochzeit geladen waren , die trugen allerlei seltenes Hausgeräte , Waffen , Stoff zu Kleidern und dergleichen ; man wußte zu Stuttgart , daß es der Liebling des Herzogs sei , dem dieses Fest gelte , drum hatte sich auch eine Gesandtschaft der Bürger eingestellt , ehrsame angesehene Männer in schwarzen Kleidern ; kurze Schwerter an der Seite ; mit kurzen Haaren und langen Bärten . Der eine trug eine aus Silber getriebene Weinkanne , der andere einen Humpen aus demselben Metall , mit eingesetzten Schaumünzen geschmückt . Sie nahten sich ehrerbietig zuerst dem Herzog , verbeugten sich vor ihm , und traten dann zu Georg von Sturmfeder . Sie verbeugten sich lächelnd auch vor ihm , und der mit dem Humpen hub an : » Gegrüßet sei das Ehepaar Und leb zusamt noch manches Jahr ; Um euch zu fristen langes Leben Will Stuttgart euch ein Tränklein geben . Des Lebens Tränklein ist der Wein , Komm guter Geselle schenk mir ein . « Der andere Bürger goß aus der Flasche den Humpen voll , und sprach während der erste trank : » Von diesem Tränklein steht ein Faß Vor eurer Wohnung auf der Gaß . Es ist vom besten , den wir haben , Er soll euch Leib und Seele laben ; Er geb euch Mut , Gesundheit , Kraft , Das wünscht euch Stuttgarts Bürgerschaft . « Der erstere hatte indessen ausgetrunken und füllte den Becher von neuem , und sprach , indem er ihn dem jungen Mann kredenzte : » Und wenn ihr trinkt von diesem Wein Soll euer erster Trinkspruch sein : Es leb der Herzog und sein Haus ! Ihr trinkt bis auf den Boden aus ; Dann schenkt ihr wieder frischen ein : Hoch leb Sturmfeder und Lichtenstein . Und lüstet euch noch eins zu trinken , Mögt ihr an Stuttgarts Bürger denken . « Georg von Sturmfeder reichte beiden die Hand , und dankte ihnen für ihr schönes Geschenk ; Marie ließ ihre Weiber und Mädchen grüßen , und auch der Herzog bezeugte sich ihnen gnädig und freundlich . Sie legten den silbernen Becher und die Kanne in den Korb zu den übrigen Geschenken , und entfernten sich ehrbaren und festen Schrittes aus der Tyrnitz . Doch die Bürger waren nicht die letzten gewesen , welche Geschenke gebracht hatten ; denn kaum hatten sie die Halle verlassen , so entstand ein Geräusch an der Türe , wo die Landsknechte Wache hielten , das selbst die Aufmerksamkeit des Herzogs auf sich zog . Man hörte tiefe Männerstimmen fluchen und befehlen , dazwischen ertönten hohe Weiberstimmen , von denen besonders eine , die am heftigsten haderte , der Gesellschaft am obersten Ende der Tafel sehr bekannt schien . » Das ist wahrhaftig die Stimme der Frau Rosel ! « flüsterte Lichtenstein seinem Schwiegersohn zu , » Gott weiß , was sie wieder für Geschichten hat . « Der Herzog schickte einen Edelknaben hin , um zu erfahren was das Lärmen zu bedeuten habe ; er erhielt zur Antwort , einige Bauernweiber wollen durchaus in die Halle , um den Neuvermählten Geschenke zu bringen ; da es aber nur gemeines Volk sei , so wollen sie die Knechte nicht einlassen . Ulerich gab Befehl sie vorzubringen , denn die Sprüchlein der Bürger hatten ihm gefallen , und auch von den Bauersleuten versprach er sich Kurzweil . Die Knechte gaben Raum , und Georg erblickte zu seinem Erstaunen die runde Frau des Pfeifers von Hardt mit ihrem schönen Töchterlein , geführt von der Frau Rosel ihrer Base . Schon auf dem Wege in die Kirche hatte er die holden Züge des Mädchens von Hardt , die er nicht aus seinem Gedächtnis verloren , zu bemerken geglaubt ; aber wichtigere Gedanken und die Heiligkeit des Sakraments , die seine ganze Seele füllten , hatten diese flüchtige Erscheinung verdrängt . Er belehrte die Gesellschaft , wer die Nahenden seien , und mit großem Interesse blickten sie alle auf das Kind jenes Mannes , dessen wunderbares Eingreifen in das Schicksal des Herzogs ihnen oft so unbegreiflich gewesen war , dessen Treue ihnen so erhaben , dessen Hülfe in der Not so willkommen erschienen war . Das Mädchen hatte die blonden Haare , die offene Stirne , die Züge ihres Vaters ; nur die List , die aus seinen Augen , die Kühnheit und Kraft , die aus seinem Wesen sprach , war bei ihr , wenn sie nicht schüchtern und blöde war , in eine neckende Freundlichkeit und in rüstiges behendes Wesen übergegangen . So hatte sie Georg erkannt , als er im Hause des Pfeifers wohnte , doch heute schien sie vor den vielen vornehmen Leuten etwas schüchtern , ja es wollte ihm sogar scheinen , als sei ein neuer Zug in ihr Gesicht gekommen , den er früher nicht an ihr bemerkt hatte , eine gewisse Wehmut und Trauer , die sich um ihren Mund und in ihren Augen aussprach . Die Pfeifersfrau wußte was Lebensart sei , sie verbeugte sich daher von der Türe der Tyrnitz in einem fort , bis sie zum Stuhl des Herzogs kam . Frau Rosel hatte noch die Röte des Zornes auf ihren magern Wangen , denn die Landsknechte , namentlich der Magdeburger und Kaspar Staberl , hatten sie höchlich beleidigt , und sie eine dürre Stange geheißen . Ehe sie noch sich sammeln und den Herrschaften geziemend die Familie ihres Bruders vorstellen konnte , hatte die runde Frau schon einen Zipfel von des Herzogs Mantel gefaßt und ihn an die Lippen gedrückt : » Guetan Obed , Herr Herzich « , sprach sie dazu mit tiefen Knicksen ; » wie got Ich ' s , seit Er wieder in Schtuagerdt send ; mei Ma loßt Ich schö grüaßa ; mer komme aber et zum Herr Herzich , noi , zu dem Herra dort drübe welle mer . Mer hent a Hochzeitschenke für sei Frau . Do sieztt se jo , gang Bärbele , lang ' s aus em Krättle . « » Ach ! du lieber Gott « , fiel Frau Rosel ihrer Schwägerin ins Wort ; » bitt ' untertänigst um Verzeihung , Euer Durchlaucht , daß ich die Leut reingebracht habe ; ' s ist Frau und Kind vom Pfeifer von Hardt ; ach ! du Herr Gott , nehmet doch nichts übel , Herr Herzog ; die Frau meint ' s gwiß gut . « Der Herzog lachte mehr über diese Entschuldigung der Frau Rosel , als über die Reden ihrer Schwägerin : » Was macht denn dein Mann , der Pfeifer ? Wird er uns bald besuchen ? Warum kam er nicht mit euch ? « » Sell hot sein Grund , Herr ! « erwiderte die runde Frau ; » wenn ' s Krieg geit , bleibt er gwiß et aus ; do ka mer ' n brauche ; aber im Frieda ? Noi , do denkt er , mit grauße Herra ist ' s et guet Kirscha fressa . « Frau Rosel wollte beinahe verzweifeln über die Naivetät der runden Frau , sie zog sie am Rock und am langen Zopfhand , es half nichts , die Frau des Pfeifers sprach zu großer Ergötzung des Herzogs und seiner Gäste immer weiter , und das unauslöschliche Gelächter , das ihre Antworten erregten , schien ihr Freude zu machen . Bärbele hatte indessen mit dem Deckel des Körbchens gespielt , sie hatte einigemal gewagt , ihre Blicke zu erheben , um jenes Gesicht wiederzusehen , das im Fieber der Krankheit so oft an ihrem Busen geruht , und in ihren treuen Armen Ruhe und Schlummer gefunden hatte , jenen Mund wiederzusehen , den sie so oft heimlicherweise mit ihren Lippen berührt hatte , und jene Augen , deren klarer , freundlicher Strahl ewig in ihrem Gedächtnis fortglühte . Sie erhob ihre Blicke immer wieder von neuem doch , wenn sie bis an seinen Mund gekommen war , schlug sie sie wieder - aus Furcht , seinem Auge zu begegnen - - herab . » Siehe , Marie « , hörte sie ihn sagen , » das ist das gute Kind , das mich pflegte als ich krank in ihres Vaters Hütte lag ; das mir den Weg nach Lichtenstein zeigte . « Marie wandte sich um und ergriff gütig ihre Hand ; das Mädchen zitterte , und ihre Wangen färbte ein dunkles Rot ; sie öffnete ihr Körbchen und überreichte ein Stück schöner Leinwand und einige Bündel Flachs , so fein und zart wie Seide . Sie versuchte zu sprechen , aber umsonst , sie küßte die Hand der jungen Frau , und eine Träne fiel herab auf ihren Ehering . » Ei , Bärbele « , schalt Frau Rosel , » sei doch nicht so schüchtern und ängstlich ; gnädige Fräulein - wollte sagen , gnädige Frau , habt Nachsicht , sie kommt selten zu vornehmen Leuten . Es ist niemand so gut , er hat zweierlei Mut , heißt es im Sprüchwort : das Mädchen kann sonst so fröhlich sein wie eine Schwalbe im Frühling - « » Ich danke dir , Bärbele ! « sagte Marie , » wie schön deine Leinewand ist ! Die hast du wohl selbst gesponnen ? « Das Mädchen lächelte durch Tränen ; sie nickte ein Ja ! - zu sprechen schien ihr in diesem Augenblick unmöglich zu sein . Der Herzog befreite sie von dieser Verlegenheit , um sie noch in eine größere zu ziehen . » Wahrhaftig , ein schönes Kind hat Hanns der Spielmann « , rief er aus , und winkte ihr näher zu treten ; » hoch gewachsen und lieblich anzuschauen ! schaut nur , Herr Kanzler , was ihr das rote Mieder und das kurze Röckchen gut ansteht ; wie ? Ambrosius Volland , meinst du nicht , wir könnten durch ein allgemeines Edikt diese niedliche Tracht auch bei unseren Schönen in Stuttgart einführen ? « Der Kanzler verzog sein Gesicht zu einem greulichen Lächeln ; er beschaute das errötende Mädchen mit seinen Äuglein vom Kopf bis zu den Füßen . » Man könnte zum Grund angeben « , sagte er , » daß dadurch eine Elle in der Länge erspart würde ; so gut Euer Durchlaucht vor einigen Jahren das Maß und Gewicht hat kleiner machen lassen , habt Ihr nach allen Regeln der Logika auch das Recht dem Frauenzimmer die Röcklein zu verkürzen . Wäre aber damit nichts gewonnen , denn - hi , hi , hi ! schaut nur , was dort wegfiele , müßten dann die hiesigen Schönen oben wieder ansetzen . Und wer weiß , ob sie sich gerne dazu verstünden ? Sie gehören zum Geschlecht der Pfauen , und Ihr wißt schon , daß diese nicht gerne auf ihre Beine sehen . « » Hast recht ! Ambrosius « , lachte der Herzog ; » es geht doch nichts über einen gelehrten Herrn ! Aber sag einmal , Kind , hast du auch schon einen Schatz ? einen Liebsten ? « » Ei was , Euer Durchlaucht ! « unterbrach ihn die runde Frau , » wer wird so ebbes von so ema Kind denka ! Se ist a ehrlichs Mädle , Herr Herzich ! « Der Herzog schien nicht auf diese Bemerkung zu hören ; er betrachtete lächelnd die Verlegenheit , die sich auf den reinen Zügen des Mädchens abspiegelte ; sie seufzte leise , sie spielte mit den bunten Bändern ihrer Zöpfe , sie sandte unwillkürlich einen Blick , aber einen Blick voll Liebe auf Georg von Sturmfeder , und schlug dann errötend wieder die Augen nieder . Der Herzog , dem dies alles nicht entging , brach in lautes Lachen aus , in das die übrigen Männer einstimmten . » Junge Frau ! « sagte er zu Marien , » jetzt könnt Ihr billig die Eifersucht Eures Herrn teilen , wenn Ihr gesehen hättet was ich sah , könntet Ihr allerlei deuteln und vermuten . « Marie lächelte und blickte teilnehmend auf das schöne Mädchen ; sie fühlte , wie wehe ihr der Spott der Männer tun müsse . Sie flüsterte der Frau Rosel zu , sie und die runde Frau zu entfernen . Auch dieses bemerkte Ulerichs scharfer Blick und seine heitere Laune schrieb es der schnell erwachten Eifersucht zu . Marie aber band ein schönes , aus Gold und roten Steinen gearbeitetes Kreuzchen ab , das sie an einer Schnur um den Hals getragen , und reichte es dem überraschten Mädchen . » Ich danke dir « , sagte sie ihr dazu ; » grüße deinen Vater und besuche uns recht oft hier und in Lichtenstein ! Wie wäre es , wenn du mir dientest als Zofe ? Du sollst es gut haben , und hast ja auch deine Muhme , Frau Rosel , bei uns . « Das Mädchen erschrak sichtbar ; sie schien mit sich zu kämpfen , oft schien ein freundliches Lächeln » ja « sagen zu wollen , aber ebensooft drängte ein schmerzlicher Zug um den Mund diesen Entschluß zurück : » I dank schö ; gnädige Frau ! « antwortete sie , indem sie Mariens schöne Hand küßte ; » aber i mueß daheim bleibe ; d ' Mueter wird alt und braucht me , b ' hüt Ich Gott der Herr , älle Heilige walten über Ich , und die heilige Jungfrau sei Ich gnädig . Lebet gsund und froh mit Euerem Herra , es ist a gueter , lieber Herr ! « Noch einmal beugte sich Bärbele herab auf Mariens Hand , und entfernte sich dann mit ihrer Mutter und der Base . » Hör einmal « , rief ihr der Herzog nach , » wenn deine Mutter einmal zugibt , daß du einen Liebsten bekommst , so bring ihn mir ; ich will dich ausstatten , du hübsches Pfeiferskind ! « Unter diesen Szenen war es vier Uhr geworden , und der Herzog hob die Tafel auf . Dies war das Zeichen , daß sich jetzt das Volk von den Galerien entfernen müsse , die sogleich mit Polstern und Teppichen belegt , und zum Empfang der Damen eingerichtet wurden . In dem Parterre der Tyrnitz wurden schnell die Tafeln weggeräumt , Lanzen , Schwerter , Schilde , Helme und der ganze Apparat zu Ritterspielen herbeigeschleppt , und in einem Augenblicke war diese große Halle , die noch soeben der Sitz der Tafelfreuden gewesen war , zum Waffensaal eingerichtet . Wie die Damen in unseren Tagen gerne lauschen , wenn die Männer sich in gelehrte Diskussionen und politische Streitigkeiten einlassen , wie jede wünscht den Geliebten oder Gemahl am scharfsinnigsten urteilen , am schnellzüngigsten disputieren zu hören , so war es in den guten alten Zeiten den Frauen Freude , selbst blutige Kämpfe ihrer Männer zu beobachten , und aus manchem schönen Auge blitzte das Hochgefühl , einem Tapfern anzugehören , manche holde Wange schmückte ein höheres Rot , nicht wenn der Geliebte in Gefahr , sondern wenn er sich zurückzuziehen schien , oder seine Hiebe nicht so kräftig waren wie die seines Gegners . Es wurden an diesem Abend sogar Pferde in die Halle geführt , und Marie hatte die Freude , ihrem Geliebten den zweiten Dank im Rennen überreichen zu können , denn er machte den Herrn von Hewen zweimal im Sattel wanken . Der tapferste Kämpfer war Herzog Ulerich von Württemberg , eine Zierde der Ritterschaft seiner Zeit . Meldet ja doch die Sage von ihm , daß er an seinem eigenen Hochzeittag , acht der stärksten Ritter des Schwaben- und Frankenlandes in den Sand warf . Nachdem die Ritterspiele einige Stunden gedauert hatten , zog man zum Tanz in den Rittersaal , und den Siegern im Kampfe wurden die Vortänze eingeräumt . Der fröhliche Reigen ertönte bis in die Nacht ; der Herzog schien alle Sorgen vor der bangen Zukunft auf den Höcker seines Kanzlers geschoben zu haben , der wie die böse Zeit in einem Fenster saß , und mit bitterem Lächeln einem Vergnügen zuschaute , von welchem ihn seine eigene Mißgestalt ausschloß . Zum letzten Tanz vor dem Abendtrunk wollte Ulerich die Krone des Festes , die junge , schöne Frau Marie aufrufen , doch im ganzen Saal suchte er und Georg sie vergebens auf , und die lächelnden Frauen gestanden , daß sechs der schönsten Fräulein sie entführt , und in ihre neue Wohnung begleitet haben , um ihr dort , wie es die Sitte wolle , die mysteriösen Dienste einer Zofe zu erzeigen . » Sic transit gloria mundi ! « sagte der Herzog lächelnd ; » und siehe , Georg , da nahen sie schon mit den Fackeln , deine Gesellen und zwölf Junker , sie wollen dir heimzünden Doch zuvor leere noch einen Becher mit Uns - Geh Mundschenk ! bring vom Besten . « Marx Stumpf von Schweinsberg und Dieterich von Kraft naheten sich mit Fackeln , und boten sich an , Georg nach Hause zu geleiten . An sie schlossen sich zwölf Junker , ebenfalls mit Fackeln an , um dem jungen Mann diese Ehre zu erweisen ; denn so wollte es die Sitte der guten alten Zeit . Der Mundschenk goß die Becher voll , und kredenzte sie seinem Herzog und Georg von Sturmfeder . Ulerich sah ihn lange und nicht ohne Rührung an ; er drückte seine Hand und sagte : » Du hast Probe gehalten . Als ich verlassen und elend unter der Erde lag , hast du dich zu mir bekannt ; als jene vierzig meine Burg übergaben und kein Stückchen Württemberg mehr mein war , bist du mir aus dem Land gefolgt , hast mich oft getröstet und auch auf diesen Tag verwiesen . Bleibe mein Freund , wer weiß was die nächsten Tage bringen . Jetzt kann ich wieder Hunderten gebieten , und sie schreie : Hoch ! auf das Wohl meines Hauses , und doch war mir dein Trinkspruch mehr wert , den du in der Höhle ausbrachtest , und den das Echo beantwortete . Ich erwidere es jetzt und gebe es dir zurück : Sei glücklich mit deinem Weibe , möge dein Geschlecht auf ewige Zeiten grünen und blühen ; möge es Württemberg nie an Männern fehlen , so mutig im Glück , so treu im Unglück wie du ! « Der Herzog trank und eine Träne fiel in seinen Becher . Die Gäste stimmten jubelnd in seinen Ruf , die Fackelträger ordneten sich , und seine Gesellen führten Georg von Sturmfeder aus dem Schloß der Herzoge von Württemberg . VIII Auch aus entwölkter Höhe Kann der zündende Donner schlagen , Darum in deinen glücklichen Tagen Fürchte des Unglücks tückische Nähe . Schiller Der Weg , den die berühmtesten Novellisten unserer Tage bei ihren Erzählungen aus alter oder neuer Zeit einschlagen , ist ohne Wegsäule zu finden , und hat ein unverrücktes , bestimmtes Ziel . Es ist die Reise des Helden zur Hochzeit . Mag sein Weg sich noch so oft krümmen , wagt er es sogar Abstecher zu machen , und in Wirtshäusern und Burgen ungebührlich lange zu verweilen , er eilt nachher um so rascheren Schrittes seinem Ziele zu , und wenn er endlich nach so vielen Leiden mit gehöriger Würde in die Brautkammer geschoben ist , pflegt der Autor dem Leser die Türe vor der Nase zuzuwerfen und das Buch zu schließen . Auch wir hätten mit dem herrlichen Reigen im Schlosse zu Stuttgart schließen , oder den Leser mit dem Fackelzug des Bräutigams aus dem Buche hinausbegleiten können , aber die höhere Pflicht der Wahrheit und jenes Interesse , das wir an einigen Personen dieser Historie nehmen , nötigt uns den geneigten Leser aufzufordern , uns noch einige wenige Schritte zu begleiten , und den Wendepunkt eines Schicksals zu betrachten , das in seinem Anfang unglücklich , in seinem Fortgang günstiger , durch seine eigene Notwendigkeit sich wieder in die Nacht des Elends verhüllen mußte . Das Motto , womit wir diesen Abschnitt bezeichneten , ist eine Geisterstimme , die warnend durch die Weltgeschichte tönt , die von vielen vernommen , von den meisten überhört , von wenigen befolgt wurde ; zu allen Zeiten ging ein finsterer Geist durch das Haus der Erde , man vernahm oft sein Rauschen , man suchte es durch die Töne der Freude zu übertäuben . Ulerich von Württemberg hatte jene Stimme in mancher Nacht vernommen , die er sorgenvoll auf seinem Lager durchwachte . Er glaubte das Geräusch vieler Gewappneter , und die dröhnenden Tritte eines Heeres zu vernehmen , er glaubte sie näher und näher um ihn sich lagern zu hören , und wenn er sich auch überzeugte , daß es nur die Nachtluft war , die um die Türme seines Schlosses brauste , so blieb doch eine finstere Ahnung in ihm zurück , daß sein Schicksal noch einmal sich wenden könnte . Jene Warnung des alten Ritters von Lichtenstein tönte oft in seiner Seele wider , und vergeblich strengte er sich an , die künstlichen Folgerungen seines Kanzlers sich zu wiederholen , um ein Verfahren bei sich zu entschuldigen , das ihm jetzt zum wenigsten nicht genug überdacht schien . Denn seine alten Feinde rüsteten sich mit Macht . Der Bund hatte ein neues Heer geworben und drang herab ins Land , näher und näher an das Herz von Württemberg . Die Reichsstadt Eßlingen bot für diese Unternehmungen einen nur zu günstigen Stützpunkt . Sie liegt nur wenige Stunden von der Hauptstadt , beinahe mitten im Lande , und war , sobald das Heer des Bundes die Kommunikation mit ihr hergestellt hatte , eine furchtbare Schanze , um Ausfälle nach Württemberg zu begünstigen und zu decken . Das Landvolk nahm an vielen Orten den Bund günstig auf , denn der Herzog hatte sie durch die neue Art , wie er sich huldigen ließ , ängstlich gemacht . Der Württemberger liebt von jeher das Alte und Hergebrachte . Altes Recht , alte Ordnung , sind ihm goldene Worte , wenn er auch oft nicht weiß , was sie bedeuten , und ob das Neue nicht besser ist . Seine Ruhe , die er bei anderen Zufällen des Lebens zeigt , verläßt ihn , wenn man von Neuerungen spricht , und ein Eigensinn , der sogar Trotz wird , läßt ihn das Alte mit einer Glut , mit einer natürlichen Begeisterung umfassen , die ihm sonst fremd ist , und gänzlich außer seinem Wesen , der ruhigen , biederen Geschäftigkeit , liegt . Diese Liebe zum Alten hatte der Herzog an seinem Volk erfahren , als er einige Jahre zuvor seinen Räten folgte , und zur Verbesserung seiner Finanzen ein neues Maß und Gewicht einführte . Der » Arme Konrad « , ein förmlicher Aufstand armer Leute hatten ihn nachdenklich gemacht und den Tübinger Vertrag eingeleitet . Diese Liebe zum Alten hatte sich auf eine rührende Weise an ihm gezeigt , als der Bund ins Land fiel , und das Haupt des alten Fürstenstammes verjagen wollte . Ihre Väter und Großväter hatten unter den Herzogen und Grafen von Württemberg gelebt , darum war ihnen jeder verhaßt , der diese verdrängen wollte ; wie wenig sie das Neue lieben , hatten sie dem Bunde und seinen Statthaltern oft genug bewiesen . Der alte angestammte Herzog , ein Württemberger , kam wieder ins Land ; sie zogen ihm freudig zu ; sie glaubten jetzt werde es wieder hergehen wie » vor alters « ; sie hätten recht gerne Steuern bezahlt , Zehnten gegeben , Gülten aller Art entrichtet und Fronen geleistet ; sie hätten über Schwereres nicht gemurrt , wenn es nur nach hergebrachter Art geschehen wäre . So gut ward es ihnen aber nicht ; die alten Formeln waren aus dem Huldigungseid verschwunden , die Steuern wurden nicht mehr nach hergebrachter Sitte eingezogen , es war alles anders als früher , kein Wunder wenn sie den Herzog als einen neuen Herren ansahen , und murrend nach dem alten Recht verlangten . Sie hatten zu Ulerich kein Zutrauen mehr , nicht weil seine Hand schwerer auf ihnen ruhte als vorher , nicht weil er bedeutend mehr von ihnen wollte als früher , sondern weil sie die neuen Formen mit argwöhnischen Augen ansahen . Ein Herzog , besonders wenn er einem Ambrosius Volland sein Ohr leiht , erfährt selten genau wie man über ihn denkt , und ob die Maßregeln klug berechnet waren , die ihm seine Räte an die Hand geben . Und dennoch entging Ulerichs hellem Auge die Unzufriedenheit seines Volkes nicht ganz . Er merkte , daß er im schlimmen Falle sich nicht auf sie werde verlassen können , so wenig als auf die Ritterschaft des Landes , die , seit er wieder im Land war , sich sehr neutral verhalten hatte.42 Seine Unruhe über diese Bemerkungen suchte er jedem Auge zu verbergen . Er beschwor die wildesten Töne der Freude herauf , und oft gelang es ihm sogar selbst zu vergessen , vor welchem Abgrund er stehe . Er versuchte , um seinem Volk und dem Heer , das er in und um Stuttgart versammelt hatte , Vertrauen und Mut einzuflößen , einige Einfälle , welche die Bündischen von Eßlingen aus in sein Land gemacht hatten , verdoppelt heimzugeben . Er schlug sie zwar und verwüstete ihr Gebiet , aber er verhehlte sich nicht , wenn er nach einem solchen Siege in seine Stellungen zurückging , daß das Kriegsglück ihn vielleicht verlassen könnte , wenn der Bund einmal mit dem großen Heere im Feld erscheinen werde . Und er erschien frühe genug für Ulerichs zweifelhaftes Geschick . Noch wußte man in Stuttgart wenig oder nichts von dem Aufgebot des Bundes , noch lebte man am Hof und in der Stadt in Ruhe und in Freude , als auf einmal am zwölften Oktober die Landsknechte , welche der Herzog ein Lager bei Cannstatt hatte beziehen lassen , flüchtig nach Stuttgart kamen , und von einem großen bündischen Heer erzählten , das sie zurückgeworfen habe . Jetzt merkten die Bewohner Stuttgarts , daß eine wichtige Entscheidung nahe , jetzt sahen sie ein , daß der Herzog längst um diesen drohenden Einfall gewußt haben müsse , denn er ließ an diesem Tage die Ämter aufbieten , ließ die Truppen sich versammeln , die auf das Land umher verlegt gewesen waren , und hielt noch am Abend dieses Tages eine Musterung über zehntausend Mann.43 Noch in der Nacht zog er mit einem großen Teil der Mannschaft aus , um die Stellungen , die ein Teil der Landsknechte zwischen Cannstatt und Eßlingen genommen hatte , zu verstärken . In jener Nacht wurde in Stuttgart manche Träne von schönen Augen geweint , denn Männer und Jünglinge , was die Waffen führen konnte , zog mit dem Herzog in die Schlacht . Doch das Rauschen des abziehenden Heeres übertönte die Klagen der Mädchen und Frauen , sie verhallten wie das Wimmern eines Kindes im Kampf der Elemente . Mariens Schmerz war stumm , aber groß , als sie den Gatten unter die Türe herabgeleitete , wo die Knechte mit den Rossen für ihn und den Vater hielten . Sie hatten still und einsam , nur mit ihrem Glück beschäftigt , die ersten Tage ihrer Ehe verlebt . Sie dachten wenig an die Zukunft , sie glaubten im Hafen zu sein , und indem sie nur sich selbst lebten , überhörten sie das Flüstern , die geheimnisvolle Unruhe , die einem nahenden Sturm vorangeht . Sie waren gewöhnt , den Vater ernst und düster zu sehen , es fiel ihnen nicht auf , wie sein Auge immer trüber , seine Stirne finsterer , seine Mienen beinahe traurig wurden . Er sah ihr süßes Glück , er fühlte mit ihnen , er verbarg , um sie nicht zu frühe aufzustören , was ihm eine bange Ahnung oft genug sagte . Aber endlich nahte der entscheidende Schlag . Der Herzog von Bayern war bis in die Mitte des Landes vorgedrungen , und der Ruf zu den Waffen schreckte Georg aus den Armen seines geliebten Weibes . Die Natur hatte ihr eine starke Seele und jene entschiedene Erhabenheit über jedes irdische Verhängnis gegeben , die nur in einer reinen Seele und in der mutigen Zuversicht auf einen höhern Beistand bestehen kann . Sie wußte , was Georg der Ehre seines Namens , und seinem Verhältnis zum Herzog schuldig sei , darum erstickte sie jeden lauten Jammer ,