überwunden , in seiner schönen glanzvollen Laufbahn ganz zerstört zu sehen , der stete Gedanke an die Schmach , die wir alle erlitten , das war es , was an seinem Leben zehrte . - Er litt keinen gehörigen Verband , nahm keine Arzenei - man sagt , er wollte sterben ! « - ( Ich , wir alle konnten uns bei diesen letzten Worten Hinzmanns nicht lassen vor grimmen Schmerz , sondern brachen all in solch ein klägliches Geheul und Jammergeschrei aus , daß ein Felsen hätte erweicht werden können . Als wir uns nur einigermaßen beruhigt hatten , so daß wir zu hören vermochten , sprach Hinzmann mit Pathos weiter . ) » O Muzius ! o schau ' herab ! schau ' die Tränen , die wir um dich vergießen , höre die trostlose Klage , die wir um dich erheben , verewigter Kater ! - Ja , schau ' auf uns herab oder hinauf , wie du es nun eben vermagst , sei im Geiste unter uns , wenn du noch überhaupt eines Geistes mächtig und derselbige , der dir innegewohnt , nicht schon anderweitig verbraucht worden ! - Brüder ! - wie gesagt , ich halte das Maul über die Biographie des Erblaßten , weil ich nichts davon weiß , aber desto lebhafter sind mir die vortrefflichen Eigenschaften des Verewigten im Gedächtnis , und die will ich euch , meine teuersten geliebtesten Freunde , vor die Nase rücken , damit ihr den entsetzlichen Verlust , den ihr durch den Tod des herrlichen Katers erlitten , im ganzen Umfange fühlen möget ! Vernehmet es , o Jünglinge , die ihr geneigt seid , nie abzuweichen von dem Pfade der Tugend , vernehmt es ! - Muzius war , was wenige im Leben sind , ein würdiges Glied der Katzengesellschaft , ein guter treuer Gatte , ein vortrefflicher liebender Vater , ein eifriger Verfechter der Wahrheit und des Rechts , ein unermüdlicher Wohltäter , eine Stütze der Armen , ein treuer Freund in der Not ! - Ein würdiges Glied der Katzengesellschaft ? - Ja ! denn immer äußerte er die besten Gesinnungen und war sogar zu einiger Aufopferung bereit , wenn geschah , was er wollte , feindete auch nur ausschließlich diejenigen an , die ihm widersprachen und seinem Willen sich nicht fügten . Ein guter treuer Gatte ? Ja ! - denn er lief andern Kätzchen nur dann nach , wenn sie jünger und hübscher waren als sein Gemahl und unwiderstehliche Lust ihn dazu trieb . Ein vortrefflicher liebender Vater ? Ja ! denn niemals hat man vernommen , daß er , wie es wohl von rohen lieblosen Vätern unsers Geschlechts zu geschehen pflegt , im Anfall eines besonderen Appetits eines seiner erzielten Kleinen verspeiset ; es war ihm vielmehr ganz recht , wenn die Mutter sie sämtlich forttrug und er von ihrem dermaligen Aufenthalt weiter nichts erfuhr . Ein eifriger Verfechter der Wahrheit und des Rechts ? Ja ! - denn sein Leben hätte er gelassen dafür , weshalb er , da man nur einmal lebt , sich um beides nicht viel kümmerte , welches ihm auch nicht zu verargen . Ein unermüdlicher Wohltäter , eine Stütze der Armen ? Ja ! denn jahraus jahrein trug er am Neujahrstage ein kleines Heringsschwänzlein oder ein paar subtile Knöchelchen hinab in den Hof für die armen Brüder , die der Speisung bedurften , und konnte wohl , da er auf diese Weise seine Pflicht als würdiger Katzenfreund erfüllte , diejenigen bedürftigen Kater mürrisch anknurren , die außerdem noch etwas von ihm verlangten . Ein treuer Freund in der Not ? Ja ! denn geriet er in Not , so ließ er nicht ab selbst von denjenigen Freunden , die er sonst ganz vernachlässigt , ganz vergessen hatte . - Verewigter ! was soll ich noch sagen von deinem Heldenmut , von deinem hohen geläuterten Sinn für alles Schöne und Edle , von deiner Gelehrsamkeit , von deiner Kunstkultur , von all den tausend Tugenden , die sich in dir vereinten ! Was , sag ' ich , soll ich sagen davon , ohne unsern gerechten Schmerz über dein klägliches Hinscheiden nicht noch um vieles zu vermehren ! - Freunde , gerührte Brüder ! - denn in der Tat , an einigen unzweideutigen Bewegungen bemerke ich zu meiner nicht geringen Befriedigung , daß es mir gelang , euch zu rühren - Also ! - gerührte Brüder ! - Laßt uns ein Beispiel nehmen an diesem Verstorbenen , laßt uns alle Mühe anwenden , ganz in seine würdige Fußtapfen zu treten , laßt uns ganz das sein , was der Vollendete war , und auch wir werden im Tode die Ruhe des wahrhaft weisen , des durch Tugenden jeder Art und Gattung geläuterten Katers genießen wie dieser Vollendete ! - Seht nur selbst , wie er so still daliegt , wie er keine Pfote rührt , wie ihm all mein Lob seiner Vortrefflichkeit auch nicht ein leises Lächeln des Wohlgefallens abgewonnen ! - Glaubt ihr wohl , Traurige ! daß der bitterste Tadel , die gröbsten beleidigendsten Schmähungen ebenso jeden Eindruck auf den Verewigten verfehlt haben würden ? Glaubt ihr wohl , daß selbst der dämonische Spitzphilister , träte er hinein in diesen Kreis , dem er sonst unmaßgeblich beide Augen ausgekratzt haben würde , jetzt ihn nur im mindesten in Harnisch bringen , seine sanfte süße Ruhe verstören dürfte ? Über Lob und Tadel , über alle Anfeindungen , alle Foppereien , allen neckhaften Spott und Hohn , über allen wirrigen Spuk des Lebens ist unser herrliche Muzius erhaben , er hat kein anmutiges Lächeln , keine feurige Umarmung , keinen biedern Pfotendruck mehr für den Freund , aber auch keine Krallen , keine Zähne mehr für den Feind ! - Er ist vermöge seiner Tugenden zu der Ruhe gelangt , der er im Leben vergebens nachgestrebt ! - Zwar will es mich beinahe bedünken , daß wir alle , so wie wir hier zusammen sitzen und heulen um den Freund , zu der Ruhe kommen würden , ohne gerade so ein Ausbund von aller Tugend zu sein als er , und daß es wohl noch ein anderes Motiv geben müsse , tugendhaft zu sein , als gerade die Sehnsucht nach dieser Ruhe , indessen ist das nur solch ein Gedanke , den ich euch zu fernerer Bearbeitung überlasse . - Soeben wollte ich euch ans Herz legen , euer ganzes Leben vorzüglich dazu anzuwenden , um so schön sterben zu lernen als Freund Muzius , indessen will ich es lieber nicht tun , da ihr mir so manches Bedenkliche entgegensetzen könntet . Ich meine nämlich , daß ihr mir einwenden dürftet , der Verewigte hätte auch lernen sollen , behutsam zu sein und Fuchseisen zu vermeiden , um nicht zu sterben vor der Zeit . Dann gedenke ich aber auch , wie ein sehr junger Katerknabe auf gleiche Ermahnung des Lehrers , daß der Kater sein ganzes Leben darauf verwenden müsse , um sterben zu lernen , schnippisch genug erwiderte , es könne doch so gar schwer nicht sein , da es jedem gelinge aufs erste Mal ! - Laßt uns jetzt , hochbetrübte Jünglinge , einige Augenblicke stiller Betrachtung widmen ! « - ( Hinzmann schwieg und fuhr sich wiederum mit der rechten Pfote über Ohren und Gesicht , dann schien er in tiefes Nachdenken zu versinken , indem er die Augen fest zudrückte . Endlich , als es zu lange währte , stieß ihn der Senior Puff an und sprach leise : » Hinzmann , ich glaube gar , du bist eingeschlafen . Mache nur , daß du fertig wirst mit deinem Sermon , denn wir verspüren alle einen desperaten Hunger . « Hinzmann fuhr in die Höhe , setzte sich wieder in die zierliche Rednerstellung und sprach weiter . ) » Teuerste Brüder ! - ich hoffte noch zu einigen erhabenen Gedanken zu gelangen und gegenwärtige Standrede glänzend zu schließen , es ist mir aber gar nichts eingefallen , ich glaube , der große Schmerz , den ich zu empfinden mich bemüht , hat mich ein wenig stupid gemacht . Laßt uns daher meine Rede , der ihr den vollkommensten Beifall nicht versagen könnet , für geschlossen annehmen und jetzt das gewöhnliche De oder Ex profundis anstimmen ! « - So endete der artige Katerjüngling seinen Trauersermon , der mir zwar in rhetorischer Hinsicht wohl geordnet und von guter Wirkung zu sein schien , an dem ich aber doch manches auszusetzen fand . Mir kam es nämlich vor , daß Hinzmann gesprochen , mehr um ein glänzendes Rednertalent zu zeigen , als den armen Muzius noch zu ehren nach seinem betrübten Hinscheiden . Alles , was er gesagt , paßte gar nicht recht auf den Freund Muzius , der ein einfacher , schlichter , gerader Kater und , ich hatte es ja wohl recht erfahren , eine treue gutmütige Seele gewesen . Überdem war auch das Lob , das Hinzmann gespendet , von zweideutiger Art , so daß mir eigentlich die Rede hinterher mißfiel und ich während des Vortrags bloß durch die Anmut des Redners und durch seine in der Tat ausdrucksvolle Deklamation bestochen worden . Auch der Senior Puff schien meiner Meinung zu sein ; wir wechselten Blicke , die , Hinzmanns Rede betreffend , von unserm Einverständnis zeugten . Dem Schluß der Rede gemäß stimmten wir ein » De profundis « an , das womöglich noch viel jämmerlicher , viel herzzerschneidender klang als das entsetzliche Grabeslied vor der Rede . - Es ist bekannt , daß die Sänger von unserm Geschlecht den Ausdruck des tiefsten Wehs , des trostlosesten Jammers , mag nun die Klage wegen zu sehnsüchtiger oder verschmähter Liebe oder um einen geliebten Verstorbenen ertönen , ganz vorzüglich in der Gewalt haben , so daß selbst der kalte gefühllose Mensch von Gesängen solcher Art tief durchdrungen wird und der gepreßten Brust nur Luft zu machen vermag durch seltsames Fluchen . - Als das » De profundis « geendigt , hoben wir die Leiche des verewigten Bruders auf und senkten sie in ein tiefes , in einer Ecke des Kellers befindliches Grab . In diesem Augenblick begab sich aber das Unerwartetste und zugleich anmutig Rührendste der ganzen Totenfeier . Drei Katzenmädchen , schön wie der Tag , hüpften heran und streuten Kartoffel- und Petersilienkraut , das sie im Keller gepflückt , in das offne Grab , während eine ältere ein einfaches herziges Lied dazu sang . Die Melodie war mir bekannt , irre ich nicht , so fängt der Originaltext des Liedes , dem die Stimme untergeschoben , mit den Worten an : » O Tannenbaum ! o Tannenbaum ! « u.s.w. Es waren , wie mir der Senior Puff ins Ohr sagte , die Töchter des verstorbenen Muzius , die auf diese Weise des Vaters Trauerfest mit begingen . Nicht das Auge abwenden konnte ich von der Sängerin ; sie war allerliebst , der Ton ihrer süßen Stimme , selbst das Rührende , tief Empfundene in der Melodie des Trauerliedes riß mich hin ganz und gar ; ich konnte mich der Tränen nicht enthalten . Doch der Schmerz , der mir sie auspreßte , war von ganz besonderer seltsamer Art , da er mir das süßeste Wohlbehagen erregte . Daß ich es nur geradezu heraussage ! - Mein ganzes Herz neigte sich der Sängerin hin , es war mir , als habe ich nie eine Katzenjungfrau erblickt von dieser Anmut , von diesem Adel in Haltung und Blick , von dieser siegenden Schönheit . - Das Grab wurde mit Mühe von vier rüstigen Katern , die so viel Sand und Erde herankratzten , als nur möglich , gefüllt , die Beerdigung war vorbei , und wir gingen zu Tische . Muzius ' schöne liebliche Töchter wollten sich entfernen , das litten wir jedoch nicht , sie mußten vielmehr teilnehmen am Trauermahl , und ich wußte es so geschickt anzufangen , daß ich die Schönste zur Tafel führte und mich dicht neben ihr hinsetzte . Hatte mir erst ihre Schönheit geglänzt , hatte mich ihre süße Stimme bezaubert , so versetzte mich jetzt ihr heller klarer Verstand , die Innigkeit , die Zartheit ihres Gefühls , das rein weibliche fromme Wesen , das aus ihrem Innern hervorstrahlte , in den höchsten Himmel des Entzückens . Alles erhielt in ihrem Munde , in ihren süßen Worten einen ganz eigenen Zauberreiz , ihr Gespräch war ganz liebliche zarte Idylle . - So sprach sie z.B. mit Wärme von einem Milchbrei , den sie wenige Tage vor des Vaters Tode nicht ohne Appetit genossen , und als ich sagte , daß bei meinem Meister solch ein Brei ganz vorzüglich bereitet würde und zwar mit einer guten Zutat von Butter , da blickte sie mich an mit ihren frommen , grünstrahlenden Taubenaugen und fragte mit einem Ton , der mein ganzes Herz durchbebte : » O gewiß - gewiß , mein Herr ? - Sie lieben auch den Milchbrei ? - Mit Butter ! « wiederholte sie dann , wie in schwärmerische Träume versinkend . - Wer weiß nicht , daß hübschen blühenden Mädchen von sechs bis acht Monaten ( so viele konnte die Schönste zählen ) nichts besser kleidet als ein kleiner Anstrich von Schwärmerei , ja daß sie dann oft ganz unwiderstehlich sind . So geschah es , daß ich , ganz in Liebe entflammt , die Pfote der Schönsten heftig drückend , laut rief : » Englisches Kind ! frühstücke mit mir Milchbrei , und es gibt keine Seligkeit des Lebens , gegen die ich mein Glück austausche ! « - Sie schien verlegen , sie schlug errötend die Augen nieder , doch ließ sie ihre Pfote in der meinigen , welches die schönsten Hoffnungen in mir erregte . Ich hatte nämlich einmal bei meinem Meister einen alten Herrn , der , irre ich nicht , ein Advokat war , sagen gehört , es sei für ein junges Mädchen sehr gefährlich , ihre Hand lange in der Hand eines Mannes zu lassen , weil dieser es mit Recht für eine traditio brevi manu ihrer ganzen Person ansehen und allerlei Ansprüche darauf begründen könne , die dann nur mit Mühe zurückzuweisen . - Zu solchen Ansprüchen hatte ich nun aber große Lust und wollte eben damit beginnen , als das Gespräch durch eine Libation zu Ehren des Verstorbenen unterbrochen wurde . - Die drei jüngeren Töchter des hingeschiedenen Muzius hatten indessen eine frohe Laune , eine schalkhafte Naivität entwickelt , über die alle Kater entzückt waren . Schon durch Speise und Trank merklich dem Gram und Schmerz entnommen , wurde nun die Gesellschaft immer froher und lebendiger . Man lachte , man scherzte , und als die Tafel aufgehoben , war es der ernste Senior Puff selbst , welcher vorschlug , ein Tänzchen zu machen . Schnell war alles fortgeräumt ; drei Kater stimmten ihre Kehlen , und bald sprangen und drehten sich Muzius ' aufgeweckte Töchter mit den Jünglingen wacker herum . Nicht von der Seite wich ich der Schönsten , ich forderte sie auf zum Tanz , sie gab mir die Pfote , wir flogen in die Reihen . - Ha ! wie ihr Atem an meiner Wange spielte ! wie meine Brust an der ihrigen bebte ! wie ich ihren süßen Leib mit meinen Pfoten umschlangen hielt ! - O des seligen , himmlisch seligen Augenblicks ! Als wir zwei , auch wohl drei Hopser getanzt , führte ich die Schönste in eine Ecke des Kellers und bediente sie galanter Sitte gemäß mit einigen Erfrischungen , wie sie sich eben vorfinden lassen wollten , da das Fest eigentlich auf einen Ball nicht eingerichtet . Nun ließ ich meinem innern Gefühl ganz freien Lauf . Ein Mal übers andere drückte ich ihre Pfote an meine Lippen und versicherte ihr , daß ich der glücklichste Sterbliche sein werde , wenn sie mich ein bißchen lieben wolle . » Unglücklicher , « sprach plötzlich eine Stimme dicht hinter mir , » Unglücklicher , was beginnst du ! - es ist deine Tochter Mina ! « Ich erbebte , denn wohl erkannte ich die Stimme ! - Es war Miesmies ! - Launisch spielte der Zufall mit mir , daß in dem Augenblick , als ich Miesmies ganz vergessen zu haben geglaubt , ich erfahren , was ich nicht ahnen können , ich in Liebe kommen mußte zu eignem Kinde ! - Miesmies war in tiefer Trauer , ich wußte selbst nicht , was ich davon denken sollte . » Miesmies , « sprach ich sanft , » Miesmies , was führt Sie hieher , warum in Trauer und - o Gott ! - jene Mädchen - Minas Schwestern ? « - Ich erfuhr das Seltsamste ! - Mein gehässiger Nebenbuhler , der Schwarzgraugelbe , hatte sich gleich nachher , als er in jenem mörderischen Zweikampf meiner ritterlichen Tapferkeit erlegen , von Miesmies getrennt und war , als nur seine Wunden geheilt , fortgegangen , niemand wußte wohin . Da warb Muzius um ihre Pfote , die sie ihm willig reichte , und es machte ihm Ehre und bewies sein Zartgefühl , daß er mir dies Verhältnis gänzlich verschwieg . So waren aber jene muntre naive Kätzchen nur meiner Mina Stiefschwestern ! » O Murr , « sprach Miesmies zärtlich , nachdem sie erzählt , wie sich das alles ergeben , » o Murr ! Ihr schöner Geist hat sich nur in dem Gefühl geirrt , das ihn überströmte . Es war die Liebe des zärtlichsten Vaters , nicht des verlangenden Liebhabers , die in Ihrer Brust erwachte , als Sie unsre Mina sahen . Unsere Mina ! o welch ein süßes Wort ! - Murr ! können Sie dabei unempfindlich bleiben , sollte alle Liebe erloschen sein in Ihrem Innern gegen die , die Sie so innig liebte - o Himmel , noch so innig liebt , die Ihnen treu geblieben bis in den Tod , wäre nicht ein anderer dazwischengekommen und hätte sie verlockt durch schnöde Verführungskünste ? - O Schwachheit , dein Name ist Katz ! Das denken Sie , ich weiß es , aber ist es nicht Katertugend , der schwachen Katze zu verzeihen ? - Murr ! Sie sehen mich gebeugt , trostlos über den Verlust des dritten zärtlichen Gatten , aber in dieser Trostlosigkeit flammt aufs neue die Liebe auf , die sonst mein Glück , mein Stolz , mein Leben war ! - Murr ! hören Sie mein Geständnis ! - ich liebe Sie noch , und ich dächte , wir verhei - « Tränen erstickten ihre Stimme ! Mir war bei dem ganzen Auftritt sehr peinlich zumute . Mina saß da , bleich und schön wie der erste Schnee , der manchmal im Herbste die letzten Blumen küßt und gleich in bittres Wasser zerfließen wird ! ( Anmerkung des Herausgebers . Murr ! - Murr ! schon wieder ein Plagiat ! - In » Peter Schlemihls wundersamer Geschichte « beschreibt der Held des Buchs seine Geliebte , auch Mina geheißen , mit denselben Worten . ) Schweigend betrachtete ich beide , Mutter und Tochter , die letzte gefiel mir doch unendlich viel besser , und da bei unserm Geschlecht die nächsten verwandtschaftlichen Verhältnisse kein kanonisches Ehehindernis - Vielleicht verriet mich mein Blick , denn Miesmies schien meine innerste Gedanken zu durchschauen . » Barbar ! « rief sie , indem sie schnell auf Mina lossprang und sie heftig umpfotend an ihre Brust riß , » Barbar ! was willst du beginnen ? - Wie ? du kannst dies dich liebende Herz verschmähen und Verbrechen häufen auf Verbrechen ! « Unerachtet ich nun gar nicht begriff , was für Ansprüche Miesmies geltend machen und welche Verbrechen sie mir vorwerfen konnte , so fand ich es , um den Jubel , in den sich das Trauerfest aufgelöst , nicht zu verstören , doch geratener , gute Miene zu machen zu bösem Spiel . Ich versicherte daher der ganz aus sich selbst gekommenen Miesmies , daß bloß die unaussprechliche Ähnlichkeit Minas mit ihr mich irregeführt und ich geglaubt habe , dasselbe Gefühl entflamme mein Inneres , das ich für sie , die noch immer schöne Miesmies , in mir trage . Miesmies trocknete alsbald ihre Tränen , setzte sich dicht zu mir und fing ein so vertrauliches Gespräch mit mir an , als sei nie etwas Böses unter uns vorgefallen . Hatte nun noch der junge Hinzmann die schöne Mina zum Tanz aufgefordert , so kann man denken , in welcher unangenehmen peinlichen Lage ich mich befand . Ein Glück für mich war es , daß der Senior Puff endlich Miesmies aufzog zum Kehraus , da sie mir sonst noch allerlei seltsame Propositionen hätte machen können . Ich schlich leise , leise aus dem Keller herauf und dachte : » Kommt Zeit , kommt Rat ! « Ich sehe dieses Trauerfest für den Wendepunkt an , in dem sich meine Lehrmonate schlossen und ich eintrat in einen Kreis des Lebens . ( Mak . Bl . ) - Kreisler veranlaßt , sich in aller Frühe in die Gemächer des Abts zu begeben . Er fand den hochehrwürdigen Herrn , wie er eben , mit Beil und Meißel in der Hand , beschäftigt war , eine große Kiste aufzuschlagen , in welcher der Form nach ein Gemälde eingepackt sein mußte . » Ha ! « rief der Abt dem eintretenden Kreisler entgegen , » gut , daß Ihr kommt , Kapellmeister ! Ihr könnet mir beistehen in einer schweren mühseligen Arbeit . Die Kiste ist mit tausend Nägeln zugehämmert , als solle sie verschlossen bleiben in Ewigkeit . Sie kommt geradesweges aus Neapel , und es ist ein Gemälde darin , das ich vorderhand in meinem Kabinett aufhängen und den Brüdern nicht zeigen will . Darum rief ich mir keinen zur Hilfe ; aber nun sollt Ihr mir helfen , Kapellmeister . « Kreisler legte Hand an , und nicht lange dauerte es , so war das große schöne Gemälde , das in einen prächtigen vergoldeten Rahmen gefaßt , aus der Kiste zutage gefördert . Nicht wenig verwunderte sich Kreisler , als er in dem Kabinett des Abts die Stelle über dem kleinen Altar , wo sonst ein sehr anmutiges Bild von Leonardo da Vinci , die heilige Familie darstellend , aufgehängt war , leer fand . Der Abt hatte dies Gemälde für eins der besten geachtet , welche die an alten Originalen reiche Sammlung besaß , und doch sollte dieses Meisterstück Platz machen einem Gemälde , dessen große Schönheit , aber auch entschiedene Neuheit Kreisler auf den ersten Blick erkannte . - Mit großer Mühe hatten beide , der Abt und Kreisler , das Gemälde an der Wand mit Mauerschrauben befestigt , und nun stellte sich der Abt in das rechte Licht und schaute das Bild mit einem solch innigen Wohlbehagen , mit solch sichtlicher Freude an , daß es schien , als sei außer der in der Tat bewundrungswürdigen Malerei noch ein besonderes Interesse hier im Spiele . - Der Gegenstand des Gemäldes war ein Mirakel . Von der strahlenden Glorie des Himmels umflossen , erschien die heilige Jungfrau ; in der linken Hand trug sie einen Lilienzweig , mit den beiden Mittelfingern der rechten Hand berührte sie aber die nackte Brust eines Jünglings , und man sah , wie unter den Fingern dickes Blut aus einer offnen Wunde hervortropfte . Der Jüngling erhob sich halb von dem Lager , auf das er ausgestreckt , er schien aus dem Todesschlafe zu erwachen , noch hatte er nicht die Augen geöffnet , aber das verklärte Lächeln , das auf seinem schönen Antlitz ausgebreitet , zeigte , daß er die Mutter Gottes schaute im seligen Traum , daß ihm der Schmerz der Wunde entnommen , daß der Tod keine Macht mehr hatte über ihn . - Jeder Kenner mußte die korrekte Zeichnung , die geschickte Anordnung der Gruppe , die richtige Verteilung des Lichts und Schattens , den grandiosen Wurf der Gewänder , die hohe Anmut der Gestalt Marias , vorzüglich auch die lebensvolle Farbe , die den modernen Künstlern meistens nicht zu Gebote steht , höchlich bewundern . Worin sich aber am meisten und , wie es in der Natur der Sache liegt , auch am entschiedensten der wahre Genius des Künstlers offenbarte , war der unbeschreibliche Ausdruck der Gesichter . Maria war das schönste , anmutigste Weib , das man nur sehen konnte , und doch lag auf dieser hohen Stirne des Himmels gebietende Majestät , strahlte überirdische Seligkeit in mildem Glanz aus diesen dunklen Augen . Ebenso war die himmlische Verzückung des zum Leben erwachenden Jünglings mit einer seltenen Kraft des schöpferischen Geistes vom Künstler aufgefaßt und dargestellt . - Kreisler kannte in der Tat kein einziges Gemälde der neuern Zeit , das er diesem herrlichen Bilde hätte an die Seite stellen können ; er äußerte dies dem Abt , indem er sich über alle einzelne Schönheiten des Werks weitläuftig ausließ und dann hinzufügte , daß in der neuesten Zeit wohl kaum Gediegeneres hervorgebracht worden . » Das , « sprach der Abt lächelnd , » das hat seinen guten Grund , wie Ihr , Kapellmeister , sogleich erfahren sollt . - Es ist ein eignes Ding mit unsern jungen Künstlern , sie studieren und studieren , erfinden , zeichnen , machen gewaltige Kartons , und am Ende kommt Totes , Starres hervor , das nicht eindringen kann ins Leben , weil es selbst nicht lebt . Statt des alten großen Meisters , den sie sich zum Muster und Vorbild gewählt haben , Werke sorglich zu kopieren und so einzudringen in seinen eigentümlichsten Geist , wollen sie gleich die Meister selbst sein und Similia malen , verfallen aber darüber in eine Nachahmerei der Nebendinge , die sie ebenso kindisch und lächerlich erscheinen läßt als jenen , der , um einem großen Mann gleichzukommen , ebenso zu husten , zu schnarren , etwas gebückt zu gehen sich mühte wie dieser . - Es fehlt unsern jungen Malern an der wahren Begeisterung , die das Bild in aller Glorie des vollendetsten Lebens aus dem Innern hervorruft und ihnen vor Augen stellt . Man sieht , wie sich dieser , jener vergebens abquält , um endlich in jene erhöhte Stimmung des Gemüts zu geraten , ohne die kein Werk der Kunst geschaffen wird . Was dann aber die Ärmsten für wahre Begeisterung halten , wie sie den heitern , ruhigen Sinn der alten Maler erhob , ist nur das seltsam gemischte Gefühl von hochmütiger Bewunderung des selbst gefaßten Gedankens und von ängstlicher , quälender Sorge , nun bei der Ausführung es dem alten Vorbilde auch in der kleinsten Kleinigkeit nachzutun . - So wird denn oft die Gestalt , die , selbst lebendig , ins helle freundliche Leben treten sollte , zur widerlichen Fratze . Unsere jungen Maler bringen es nicht zur deutlichen Anschauung der im Innern aufgefaßten Gestalt , und mag es vielleicht nicht lediglich daher kommen , daß sie , gerät ihnen auch sonst alles so ziemlich gut , doch die Färbung verfehlen ? - Mit einem Wort , sie können höchstens zeichnen , aber durchaus nicht malen . Unwahr ist es nämlich , daß die Kenntnis der Farben und ihrer Behandlung verloren gegangen sein , daß es den jungen Malern an Fleiß fehlen sollte . Denn was das erste betrifft , so ist es unmöglich , da die Malerkunst seit der christlichen Zeit , in der sie sich erst als wahrhaftige Kunst gestaltete , nie geruht hat , sondern Meister und Schüler eine ununterbrochene , fortlaufende Reihe bilden und der Wechsel der Dinge , der freilich nach und nach die Abweichungen vom Wahrhaftigen herbeiführte , auf die Übertragung des Mechanischen keinen Einfluß haben konnte . Anlangend aber den Fleiß der Künstler , so möchte ihnen eher Übermaß als Mangel daran vorzuwerfen sein . Ich kenne einen jungen Künstler , der ein Gemälde , läßt es sich auch ziemlich gut an , so lange übermalt und übermalt , bis alles in einen stumpfen bleiernen Ton hinschwindet und so vielleicht erst dem innern Gedanken gleicht , dessen Gestalten nicht in das vollendete , lebendige Leben treten konnten . - Seht da , Kapellmeister , ein Bild , aus dem wahres herrliches Leben haucht , und das darum , weil es die wahre fromme Begeisterung schuf ! - Das Mirakel ist Euch deutlich . Der Jüngling , der sich dort vom Lager erhebt , wurde in gänzlicher Hilflosigkeit von Mördern überfallen und zum Tode getroffen . Laut rief er , der sonst ein gottloser Frevler gewesen , der die Gebote der Kirche in höllischem Wahn verachtet , die heilige Jungfrau um Hilfe an , und es gefiel der himmlischen Mutter Gottes , ihn aus dem Tode zu erwecken , damit er noch lebe , seine Irrtümer einsehe und sich in frommer Hingebung der Kirche weihe und ihrem Dienst . - Dieser Jüngling , dem die Gottgesandte so viel Gnade angedeihen ließ , ist zugleich der Maler des Bildes . « - Kreisler bezeugte darüber , was ihm der Abt sagte , seine nicht geringe Verwunderung und schloß damit , daß auf diese Weise das Mirakel ja in der neuesten Zeit sich zugetragen haben müsse . » Auch Ihr , « sprach der Abt mit sanftem mildem Ton , » auch Ihr , mein lieber Johannes , seid also der törichten Meinung , daß das Gnadentor des Himmels jetzt verschlossen sei , so daß das Mitleiden , die Barmherzigkeit in der Gestalt des Heiligen , den der bedrängte Mensch in der zermalmenden Angst des Verderbens brünstig anflehte , nicht mehr hindurchwandeln , selbst dem Bedürftigen erscheinen und ihm Frieden und Trost bringen könne ? - Glaubt mir , Johannes nie haben die Wunder aufgehört , aber des Menschen Auge ist erblödet in sündigem Frevel , es kann den überirdischen Glanz des Himmels nicht ertragen und vermag daher nicht die Gnade der ewigen Macht zu erkennen , wenn sie sich kundtut