begierig den aromatischen Duft ein . Alles Frösteln war vorüber , und die Tasse mitsamt dem Herdfeuer vor uns , auf einem alten Binsenstuhl uns wiegend , plauderten wir vom Luch , als wären wir über den Kansasriver oder eine Prairie » far in the West « gefahren . Walchow Walchow Ha , ich kenne Dich noch , als hätt ' ich Dich gestern verlassen , Kenne das hangende Pfarrhaus noch , das Gärtchen , die Laube Schräg mit Latten benagelt . Schmidt van Werneuchen Man sieht sich leicht an Wald und Feldern satt , Wie anders tragen uns die Geistesfreuden Von Buch zu Buch , von Blatt zu Blatt . Faust Von Langen , das wir nach einer Fahrt durchs Wustrausche Luch am Schluß unseres vorigen Kapitels glücklich erreichten , ist nur noch eine Viertelmeile bis Walchow . Walchow ist Mittelpunkt des Rhinluches . In den Zeiten , die der Reformation vorausgingen und ihr unmittelbar folgten , war es ein adliges Gut , das den Wuthenows und Zietens gehörte . So bis 1638 , wo die Kaiserlichen unter Gallas dieses Dorf , wie so viele andere des Ruppinschen Landes , in einen Aschenhaufen verwandelten . Nach dem Kriege verkauften die genannten beiden Familien ihre Anteile , die nun zunächst 1680 mit holländischen , 1699 mit pfälzischen Kolonisten besetzt wurden . Ein Jahrhundert später begann das Prosperieren . Jetzt ist Walchow reich oder doch wohlhabend . Einen Beweis für ländliche Wohlhabenheit bietet der Kirchhof , und zwar in der Regel mehr als die Erscheinung der Dörfer selbst . Die neue Scheune kann gebaut worden sein , weil es nötig war , oder die alte niederbrannte , das Kirchhofsdenkmal aber ist recht eigentlich ein Gegenstand des Luxus . Die Menschen müssen sehr pietätvoll , sehr eitel , oder aber sehr wohlhabend sein , wenn sie mit dem geliebten Toten einen Teil ihres Besitzes teilen sollen . In Walchow hat der Dorfschulze seinem fünfzehnjährigen Sohne ein Monument errichtet , wie ' s dem Begräbnisplatz eines adligen Hauses zur Zierde gereichen würde . In Front einer Tempelfassade ( der Giebel von dorischen Säulen getragen ) steht auf hohem Postament ein Engel des Friedens ; Zypressen und Blumenbeete ringsum . An der Wand des Tempels aber erblicken wir eine Bronzetafel mit folgender Inschrift : » Hier ruhet in Gott Erdmann Friedrich Hölsche , Das letzte Kind seiner tiefgebeugten Eltern . Die Sorge für Dich war die frohe Arbeit unserer Tage . Die Freude an Dir unser gemeinsames Glück , und unsere Hoffnung sah in Dir des nahenden Alters Stütze . Du liebes Kind , nun gründen wir Deiner Asche diese Wohnung . Mögest Du sanft darinnen ruhn , mögen auch wir Trost empfangen an dieser Stätte und den Frieden auf Erden . « Die eigentliche Sehenswürdigkeit Walchows ist aber doch seine Pfarre . Hier wohnt Superintendent Kirchner , ein Sechziger , rüstig im Leben , im Amt und in der Wissenschaft . Fest und freundlich , gekleidet in den langen Rock des lutherischen Geistlichen , das angegraute Haar gescheitelt und in zwei Wellen über die Schläfe fallend , erinnerte mich sein Auftreten an das jener dänischen Pfarrherren , deren mir , während des vierundsechziger Krieges , so viele , von der Koldinger Bucht an bis hinauf an den Limfjord , bekannt geworden waren . » Wie Grundvig « war der erste Eindruck , den ich empfing , und dieser Eindruck blieb auch . In der Tat , eine frappante Ähnlichkeit zwischen dem nordischen und dem märkischen Manne : Strenggläubigkeit , nationale Begeisterung , Einkehr bei der Urzeit des eigenen Volkes , Hang das Dunkel zu lichten , Vorliebe für Hypothesen und zuletzt Identifizierung damit . Grundvig dabei mehr die Sagenüberbleibsel einfangend , die wie Sommerfäden von Heide zu Heide ziehen , Kirchner die Heide selbst durchforschend , bis sie Gräber und Urnen und in beiden ihre Geheimnisse herausgibt ; der eine Dichter , der andere Archäolog ; jener im Studium alter Lieder aus der geistigen Welt eine sachliche , dieser im Studium alter Waffen , Münzen usw. aus der sachlichen Welt eine geistige konstruierend . Und wirklich , Superintendent Kirchner ist nicht bloß ein Sammler nach Art so vieler seiner Amtsbrüder , die nur im Vorhofe der Wissenschaft , speziell der Altertumskunde wohnen ; er gelangt vielmehr zu Schlüssen aus dem Gesammelten , und hier liegt der Unterschied zwischen Wissenschaftlichkeit und Liebhaberei . Die Mappen , die Schubfächer , die Glaskästen sind ihm nicht Zweck , sondern nur Mittel zum Zweck , und der historische Sinn ( samt jenem Bedürfnis zu Resultaten zu kommen ) erwies sich siegreich in ihm über die bloße Kuriositätenkrämerei . Denn auch die schönste bronzene Streitaxt , die zierlichste Feuersteinlanzenspitze , sie haben nur Anekdotenwert , wenn sie nicht den Wunsch anregen , den Charakter und das Wesen einer Epoche daraus kennenzulernen . Ob richtig , ist zunächst gleichgiltig . Der Weg zur Wahrheit ist mit Irrtümern gepflastert . Ein Studierzimmer von mäßiger Ausdehnung , in das wir jetzt eingetreten , ist , wie Bibliothek , so auch Naturalienkabinett und Museum für nordische Altertümer . Es wurde mir vergönnt , in den Schätzen dieser nicht zahlreichen aber sehr ausgezeichneten Kollektion eine Stunde lang schwelgen zu können , wobei sich mir der alte Satz bewahrheitete , daß Anfänger und Laien in kleinen Sammlungen am meisten zu lernen imstande sind . Museumsmassenschätze staunt man an und geht mit dem trostlosen Gefühl daran vorüber , » dieser 10000 Dinge doch niemals Herr werden zu können « ; wo hingegen nur hundert Dinge zu uns sprechen , lächelt uns von Anfang an die Möglichkeit eines Sieges . Und dieser Sieg wird uns sicher , wenn ein Kundiger abermals auszuscheiden und den verbleibenden Rest durch begleitende kleine Vorträge mehr und mehr zu veranschaulichen versteht . Es heißt dann immer aufs neue : » Du wirst dabei in einer Stunde mehr gewinnen , als in des Jahres Einerlei « . Und still dankbar klangen in meinem Herzen diese Worte nach . Unter den Schätzen , die mir gezeigt wurden , waren folgende : 1. ein Tierkopf von Bronze ( wahrscheinlich Ornament an dem Wagen eines Opferpriesters ) ; 2. ein Sandalensporn von Bronze , gefunden bei Frankfurt a. O. ; 3. ein goldener Fingerring , blank , gefunden in der Priegnitz ; 4. ein goldener Halsring , blank , fünf Zoll im Lichten , gefunden bei Walchow auf einer Torfwiese des vorgenannten Schulzen Hölsche ( seltenes Exemplar ; Goldwert 42 Taler ; leider bald nach dem Funde von einem » Untersucher « zerbrochen ) ; 5. ein römischer Dukaten aus dem fünften Jahrhundert mit dem Bilde des Kaisers Zeno ; im Sande der Uckermark gefunden ; 6. eine Spindel von Bein ; sie lag neben einem sieben Fuß langen Gerippe zwischen drei Eichenbohlen . ( Spinnwirtel findet man oft , Spindeln selbst aber sehr selten . ) Neben diesen Prachtstücken interessierte mich noch eine nicht geringe Zahl von Armringen , Broschen , Kelten , Paalstäben usw. , die zwar in sich selbst keinen außergewöhnlichen Wert darstellten , diesen Mangel aber durch das Interesse , das der Fundort einflößte , mehr als ausglichen . Alle diese Gegenstände nämlich , einige vierzig , waren bei Templin in einem ausgetrockneten Wasserloche , elf Fuß tief , und zwar unter fünf horizontal liegenden Eichen , gefunden worden . Einerseits die verhältnismäßig große Zahl , andererseits der Umstand , daß sie bunt durcheinander gewürfelt an einer und derselben Stelle lagen , gibt ein Rätsel auf . Von einem Begräbnisplatze kann keine Rede sein . Superintendent Kirchner nimmt an , es sei hier ein römischer Händler mit seinem Karren voll Bronzeschmuck verunglückt . Diese Hypothese führt mich auf die schriftstellerische Tätigkeit Kirchners . Sie geht in erster Reihe nach der märkisch-historischen Seite hin , und hat in der Familiengeschichte der Arnims , sowie namentlich auch in dem großen vierbändigen Werke : » Die Kurfürstinnen und Königinnen von Brandenburg und Preußen « allgemein Anerkanntes geleistet . Was an dieser Stelle jedoch , und zwar weit über jene historischen Arbeiten hinaus , Erwähnung verdient – Erwähnung deshalb , weil es vielleicht bestimmt ist , dermal einst epochemachend aufzutreten – , das ist Kirchners vor etwa zwanzig Jahren erschienenes Buch : » Thors Donnerkeil und die steinernen Opfergeräthe des nordgermanischen Heidenthums . « Der Titel fügt hinzu : » zur Rechtfertigung der Volksüberlieferung gegen neuere Ansichten . « Kirchner geht in diesem seinem Buche davon aus , daß die berühmte , zuerst von Nilsson in Stockholm aufgestellte , demnächst aber nicht bloß in Skandinavien , sondern in der gesamten wissenschaftlichen Welt akzeptierte Drei-Zeitalter-Einteilung ( Stein- , Bronze- und Eisenepoche ) das mindeste zu sagen sehr anfechtbar sei . Worin er mit Ledebur übereinstimmt , der ebenfalls ausgesprochen hat , » daß das häufige Vorkommen von Steingerätschaften in gleichzeitig auch mit bronzenen und eisernen Gerätschaften ausgestatteten Gräbern unverkennbar auf die Mißlichkeit dieser Drei-Zeitalter-Einteilung hindeute . « Kirchner sucht in weiterem nachzuweisen , daß der Gebrauch der Steinwerkzeuge , nachdem diese durch Bronze und Eisen längst abgelöst gewesen seien , im germanischen Kultus noch lange fortbestanden habe , » etwa wie jetzt der Akt der Beschneidung seitens der Juden immer noch mit einem Steinmesser vollzogen werde « . Dieser Vergleich ist geistvoll und dient seinem Zwecke vorzüglich . Wieweit er zugleich das Richtige trifft , entzieht sich meinem Urteile , denn es würde gewagt sein , in dieser überaus schwierigen Frage vom Laienstandpunkt aus Partei nehmen zu wollen . Nur ein unbestimmtes Gefühl , das ich schon vor Jahren bei meinem ersten Besuche des nordischen Museums in Kopenhagen hatte , mag auch heute wieder seinen Ausdruck finden . Es richtete sich ebenfalls gegen das vorerwähnte Dreiteilungsprinzip . Ich sagte mir : alle diese kostbaren und kunstgerechten Bronzegegenstände können doch unmöglich als die Hervorbringungen eines barbarischen , in Künsten unerfahrenen Volkes angesehen werden , müssen vielmehr von den Küsten des Mittelmeeres oder von Gallien oder aber von den angrenzenden römischen Kolonien her in die germanischen Länder importiert worden sein . Ist dem aber so , sind es wirklich Importartikel , stehen sie mithin zu dem Kulturleben des sich ihrer bedienenden Volkes in keiner andern als einer rein äußerlichen und zufälligen Beziehung , so können sie kein eigentliches Einteilungsmotiv bilden und lassen es unstatthaft erscheinen , auf sie hin von einem Bronzezeitalter zu sprechen , dem ein Steinzeitalter vorausging und ein Eisenzeitalter folgte . Solche Rubrizierungen haben nur dann einen Sinn , wenn die Dinge , nach denen die Wissenschaft ihren Scheidungsprozeß veranstaltet , auf dem betreffenden Boden auch wirklich gewachsen und Ausdruck eines bestimmten höheren oder niederen Kulturgrades sind . Und so wie damals , stehe ich auch heute noch zu dieser Frage , weil ich nach wie vor ( wie auch Kirchner ) alle diese kunstvolleren Gold- und Bronzegegenstände als Importartikel ansehe . 60 Hat aber umgekehrt die skandinavische Forschung recht , die diese Bronzen als reguläre Schöpfungen der damaligen germanischen Kultur anzusehen scheint , so würde sich danach das Dreiteilungsprinzip als allerdings in größerem oder geringerem Maße gerechtfertigt herausstellen , aber doch zugleich auch bewiesen sein , daß wir uns das Sueven- und Semnonentum des dritten bis fünften Jahrhunderts abweichend von den Schilderungen des Tacitus und unseren darauf erwachsenen Anschauungen vorzustellen hätten . Die Germanen würden danach allermindestens ein Halbkulturvolk und in ihrer späteren Epoche mit einem künstlerischen Können ausgerüstet gewesen sein , das auch heute noch von Durchschnittsleistungen unseres deutschen Kunsthandwerkes nicht überflügelt wird . Das letzte Schubfach war zugeschoben , die Brakteaten und römischen Münzen hatten wieder Ruh und das Familienzimmer nahm uns auf zu Mahl und Geplauder . Über nah und fern ging es hin , in immer munter werdender Rede , denn ich befand mich in einem » gereisten Hause « , darin nun die gemeinschaftlichen Erinnerungen an Skandinavien und Schottland , an die Belte , den Sund und den kaledonischen Kanal frisch aufblühten . Das Boot glitt weiter über den Loch Lomond hin , Abbotsford und Melrose-Abbey stiegen wieder vor uns auf und im Gleichtakt zitierten wir aus Scotts herrlicher Dichtung : » If thou wouldst view fair Melrose aright etc. « Meine von Jugend auf gehegte Vorliebe für diese stillen , gaisblattumrankten Pfarrhäuser , deren Giebel auf den Kirchhof sieht , – ich fühlte sie wieder lebendig werden und empfand deutlicher als je zuvor die geistige Bedeutung dieser Stätten . In der Tat , das Pfarrhaus ist nach dieser Seite hin dem Herrenhause weit überlegen , dessen Ansehen hinschwindet , seitdem der alten Familien immer weniger und der zu » Gutsbesitzern « emporsteigenden ländlichen und städtischen Parvenus immer mehr werden . Und noch ein anderes kommt hinzu . Der Adel , soweit er ums Dasein ringt , vermag kein Beispiel mehr zu geben oder wenigstens kein gutes , soweit er aber im Vollbesitz seines alten Könnens verblieben ist , entzieht er sich zu sehr erheblichem Teile der Dorfschaft und tritt aus dem engeren Zirkel in den weiter gezogenen des staatlichen Lebens ein . Das Pfarrhaus aber bleibt daheim , wartet seines Gartens und okuliert den Kulturzweig auf den immer noch wilden Stamm . Daß ich hier ein Ideal schildere , weiß ich . Aber es verwirklicht sich jezuweilen und an vielen hundert Stellen wird ihm wenigstens nachgestrebt . Protzen Die Familie Quast in Protzen ( 1652-1752 ) Die Familie Quast in Protzen ( 1652 – 1752 ) Um 1652 waren die Gadows , wahrscheinlich infolge des Kriegselendes , derart verschuldet , daß sie Protzen nicht mehr halten konnten . Sie verkauften es um die genannte Zeit an ihren Gutsnachbar Otto von Quast , der nach diesem Kaufe sein väterliches Gut Garz aufgab und nach Protzen hinüberzog . Der Grund zu diesem Gutsankaufe seitens der Quaste lag in einem starken Familiengefühl . Albrecht Christoph von Quast , von dem das folgende Kapitel ausführlicher handeln wird , hatte , wie so viele von denen , die » lieber Hammer als Ambos « sein wollten , im Laufe des Dreißigjährigen Krieges ein Vermögen erworben und gedachte dasselbe zu Güterkäufen in Mähren zu verwenden . Seine von alter Zeit her im Ruppinschen ansässige Familie wünschte jedoch den einflußreichen Mann , der um 1652 der berühmteste Träger ihres Namens war , im Lande zu behalten , und so wurde Garz , das älteste Quastsche Familiengut , seitens seines Vetters Otto an den Generalfeldwachtmeister und Eroberer der Insel Fünen Albrecht Christoph von Quast abgetreten . Otto von Quast aber kaufte nunmehr , wie schon hervorgehoben , an Stelle des alten Familiengutes das nahegelegene Protzen und freute sich der Sonne , die von Garz aus herüberschien . Die Quaste verblieben von jener Zeit an durch vier Generationen im Besitze von Protzen . 1682 mußte der alte Turm abgetragen und ein neuer errichtet werden . Der damalige Besitzer von Protzen war Alexander Ludolf , ältester Sohn des vorerwähnten Otto von Quast . Er unterzog sich der Renovierung und ließ gleichzeitig ein Schriftstück anfertigen , das in dem Turmknopf aufbewahrt wurde . Dieser Turmknopf saß hundertelf Jahre lang unter Wind und Wetter fest , und was die Welt bis zu jenem Zeitpunkt über Protzen und die hundertjährige Herrschaft der Protzener Quaste wußte , war gleich Null . Da kam 1793 ein Sturm , warf den Turmknopf in die Dorfstraße hinunter und brachte dadurch das urkundliche Schriftstück von 1682 ans Licht . Es umfaßte nur vier Seiten , gab aber über die früheren Besitzverhältnisse des Dorfes genügendes Material an die Hand . Auch anderweite Notizen waren mit eingeflochten . So hieß es beispielsweise über den Turmbau : » Weil die Mauer an einer Ecke bis auf die Turmtür von Grund aus zerfallen war , ließen wir Michael Dietzel aus Schleiz im Vogtlande kommen ; den Turmbau selbst aber übertrugen wir einem berühmten Zimmermann und Turmbauer , dem Meister Hans Kraatzen aus Seegefeld bei Spandau , einem Untertanen des Herrn von Ritbeck . « Dann an anderer Stelle : » Als die oberste Fahnschwelle aufgebracht werden sollte , wurde der sechzig Jahre alte Kirchenvorsteher Balzer Schleuß , ein frommer , ehrlicher Mann , aus einer › unglücklichen Unvorsichtigkeit ‹ erschlagen , welcher indes , » da er ein Unglück bei diesem Turmrichten befürchtet und sich den Tag zuvor mit Gott versöhnet und das hochwürdige Abendmahl andächtig genossen hatte , ohne Zweifel wohlselig gestorben ist . « Alexander Ludolf , der auch Güter an der Ostseite des Ruppinschen Sees in seinen Besitz brachte , ist der Gründer der noch blühenden Radenslebener Linie . Sein schönes Porträt , gute niederländische Schule , befindet sich im Herrenhause zu Radensleben . Er war zweimal verheiratet , erst mit einer von Katte , dann mit einer von Grävenitz , und hatte zehn Kinder aus diesen beiden Ehen . Er scheint damals durch Besitz , Charakter und Familienverbindungen eine der angesehensten Persönlichkeiten der Grafschaft und der Kurmark überhaupt gewesen zu sein . Das Ansehen , das der Generalfeldwachtmeister Albrecht Christoph von Quast unmittelbar vor ihm genoß , ging wenigstens partiell auf ihn über . Die Familie Kleist in Protzen ( 1752-1826 ) Die Familie Kleist in Protzen ( 1752 – 1826 ) Im Jahre 1752 ging Protzen ( das damals einem erst wenige Jahre zuvor in den Besitz des Guts gekommenen Albrecht Friedrich von Quast gehörig war ) in die Hände des Generalleutnants von Kleist über . Die Kleiste besaßen es dann vierundsiebzig Jahre , wovon ein erheblicher Teil , mindestens einundzwanzig , auf zwei Witwenherrschaften fällt . Lassen wir diese Übergangszeiten außer Betracht , oder richtiger legen wir das jedesmalige Witweninterregnum dem voraufgegangenen eigentlichen Herrscher zu , so folgen sich nachstehende drei Kleiste im Besitze von Protzen : Generalleutnant Franz Ulrich von Kleist , einschließlich Witwenherrschaft von 1752 – 1770 ; Fähnrich Gustav von Kleist , einschließlich Witwenherrschaft von 1770 – 1803 ; Louis von Kleist , später Generalleutnant , von 1803 – 1826 . Protzen von 1752 – 1770 Generalleutnant von Kleist , so scheint es , begann damit , Park und Herrenhaus standesgemäß herzurichten . Letzteres zeigt über der Eingangstür noch das Doppelwappen der Kleist und Lepel , welcher letztern Familie die Gemahlin des Generalleutnants angehörte . Die Anwesenheit des Generals auf seinem Gute war aber immer nur eine kurze ; der Dienst hielt ihn fern . Welche Truppen er kommandierte , ist aus den Aufzeichnungen , die ich benutzen konnte , nicht ersichtlich . 1756 rückte er mit in Sachsen und Böhmen ein und erlag am 13. Januar 1757 seinen in der Schlacht bei Lobositz erhaltenen Wunden . Das Protzener Kirchenbuch schreibt Logoschütz . Aber selbstverständlich kann nur Lobositz gemeint sein . Nun begann die Herrschaft der verwitweten Frau Generalin . In die Zeit ihrer Regentschaft , also bevor der minorenne Sohn eintrat , fällt das große Ereignis Protzens während des vorigen Jahrhunderts : der Tod eines preußischen Prinzen im dortigen Herrenhause . Über diesen Tod berichtet der alte Pastor Schinkel im Protzener Kirchenbuche wie folgt : » Den 16. Mai 1767 traf S.K.H. Prinz Friedrich Heinrich Karl von Preußen auf dem Marsche von Kyritz nach Berlin mit seinem Regimente hier ein . Er nahm bei unserer Frau Generallieutenant von Kleist Quartier , in der Hoffnung , nach hier zugebrachter Nacht am anderen Morgen weiter zu rücken . Es zeigten sich jedoch die Pocken , so daß S.K.H. sich genötigt sahen hier zu bleiben . Geschickte Doctorens 61 wandten alle Mittel an , diesen theuren und liebenswürdigen Prinzen zu retten , Gott verhängte es aber anders , so daß , nachdem die weißen Frieseln dazu schlugen , dieser allerliebste Prinz den 26. Mai , 8 Uhr abends seinen Geist aufgeben mußte . Ein trauriges Andenken , so die späten Zeiten nicht vergessen werden . Den 28. Mai 11 Uhr abends wurde die hohe Leiche durch Offiziere unter Leuchtung vieler Lichter in das hiesige Gewölbe gesetzet und am 7. Juni , als am ersten Pfingsttage , von hier aus nach Berlin gebracht . Dieser hochselige Prinz war am 30. November 1747 geboren , also kaum neunzehn Jahre fünf Monate alt geworden . « Ich lasse dieser schlichten Kirchenbuchaufzeichnung noch einige Notizen folgen . Prinz Heinrich , damals gemeinhin – zum Unterschiede von seinem berühmten Oheim in Rheinsberg – der junge Prinz Heinrich genannt , war der Sohn des 1758 zu Oranienburg verstorbenen Prinzen August Wilhelm von Preußen . Er war also Neffe Friedrichs des Großen , wie zugleich jüngerer Bruder des späteren Königs Friedrich Wilhelms II. Friedrich der Große bezeigte ihm von dem Augenblick an , wo die Kriegsaffären hinter ihm lagen , ein ganz besonderes Wohlwollen . Dies war ebenso sehr in den allgemeinen Verhältnissen , wie in den Eigenschaften des jungen Prinzen begründet . Dieser erschien von ungewöhnlicher Beanlagung , war klug , voll noblen Denkens und hohen Strebens , dabei gütig und von reinem Wandel ; was indessen den König in all seinen Beziehungen zu diesem Prinzen eine ganz ungewöhnliche Herzlichkeit zeigen ließ , war wohl der Umstand , daß er sich dem verstorbenen Vater des Prinzen gegenüber , dem er viel Herzeleid gemacht hatte , bis zu einem gewissen Grade verschuldet fühlte , eine Schuld , die er abtragen wollte , und an den älteren Bruder ( den spätern König Friedrich Wilhelm II. ) , der ihm aus verschiedenen Gründen nicht recht zusagte , nicht abtragen konnte . Prinz Heinrich hatte 1762 den lebhaften Wunsch geäußert , dem Könige bei Wiederbeginn der Kriegsoperationen sich anschließen zu dürfen . Friedrich lehnte jedoch ab , da der junge Prinz erst vierzehn Jahre alt war . Erst nach erfolgtem Friedensschluß wurde er von Magdeburg , wo er garnisonierte , nach Potsdam gezogen und trat als Hauptmann in das Bataillon Garde . Er gehörte nunmehr einige Jahre lang zu den regelmäßigen Mittagsgästen des Königs und begleitete diesen auf seinen Inspektionsreisen durch die Provinzen . 1767 im April übersiedelte der Prinz nach Kyritz , um nunmehr die Führung des hier stehenden Kürassierregiments oder auch nur eines Teils desselben zu übernehmen . Dies Kürassierregiment waren die berühmten » gelben Reiter « , deren Chef der Prinz bereits seit 1758 war . Der Übernahme des Kommandos folgte , wenige Wochen später , jene Katastrophe , die ich , nach den Aufzeichnungen des Protzener Kirchenbuches , vorstehend mitgeteilt habe . Rittmeister von Wödtke brachte die Trauerkunde dem Könige . Dieser war in seltenem Grade bewegt . Einer der höheren Offiziere sprach dem Könige Trost zu und bat ihn , sich zu beruhigen . » Er hat Recht « , antwortete Friedrich , » aber Er fühlt nicht den Schmerz , der mir durch diesen Verlust verursacht wird . « – » Ja , Ew . Majestät , ich fühle ihn ; er war einer der hoffnungsvollsten Prinzen . « Der König schüttelte den Kopf und sagte » Er hat den Schmerz auf der Zunge , ich habe ihn hier . « Und dabei legte er die Hand aufs Herz . Eine ähnlich tiefe Teilnahme verraten seine Briefe . An seinen Bruder Heinrich in Rheinsberg schrieb er : » Ich liebte dieses Kind wie mein eigenes « und an Tauenzien meldete er in der Nachschrift zu einer dienstlichen Ordre » Mein lieber Hendrich ist todt . « Kehren wir , nach diesem biographischen Exkurs , nach Protzen zurück . Die Geschwister des Prinzen übersandten der verwitweten Generalin von Kleist wertvolle Zeichen der Dankbarkeit und das Ereignis selbst wurde seitens dieser letztern durch zwei bildliche Darstellungen im Sterbezimmer lokalisiert . Ein Loyalitätsakt , der mir , nach der Huldigungsseite hin , etwas zu weit zu gehen und die Schönheitslinie zu überschreiten scheint . Ob die Gemälde noch existieren , hab ich nicht erfahren können ; aber das Giebelzimmer , in dem der junge Prinz verstarb , heißt noch immer das » Prinzenzimmer « . Protzen von 1770 – 1803 Um 1770 ging Protzen ( aus der Hand der verwitweten Generalin ) an ihren Sohn Gustav von Kleist über . Da das Gut seit 1757 bereits auf einen neuen Herrn harrte , dessen Majorennität eben nur abzuwarten war , so hatte dieser letztere nicht Zeit , es auf der militärischen Rangleiter zu einer seinem Namen angemessenen Stufe zu bringen . Er schied als Fähnrich aus dem Regiment Prinz Ferdinand ( in Ruppin ) , in dem er bis dahin gestanden hatte . Da er selber fühlen mochte , daß dies wenig sei , so war er bestrebt , einigermaßen nachzuhelfen , und erwarb sich ein Johanniterkreuz . Er hieß nun nicht länger Fähnrich von Kleist , sondern Johanniter von Kleist , und unter diesem Namen , der in dieser eigentümlichen Verwendung wohl nur einmal vorkommen dürfte , hat er vierundzwanzig Jahre lang seine Regierung von Protzen geführt . Unser » Johanniter-Kleist « war ein braver Mann , dem im Kirchenbuche die » Aufrechterhaltung guter Ordnung « eigens nachgerühmt wird . Er muß diesen Ruhm , aufs allgemeine hin angesehen , umso mehr verdient haben , als er im besonderen mit seinem Geistlichen , dem Prediger Friedrich Arnold Dietrich Sachse , in einer beständigen Fehde lebte . Über die damaligen Beziehungen zwischen Patron und Pfarrer ein kurzes Wort . Friedrich Arnold Dietrich Sachse , aus Soest in Westfalen gebürtig , war , wie es scheint , ein echter Westfälinger , groß , stark , ein tapferes Herz , aber auch rücksichtslos wie so oft die » tapferen Herzen « , besonders wenn sie von der roten Erde stammen . Vor allem war er ein Original . Die Bekanntschaft zwischen Kleist und Sachse machte sich bei Tisch im Herrenhause zu Lenzke , wo damals Baron de la Motte-Fouqué lebte , der Sohn des berühmten Generals und der Vater des berühmten Dichters . In diesem Hause fungierte Sachse als Präzeptor . Als das Dessert aufgetragen wurde , fragte Fouqué seinen Gast ( von Kleist ) , » wie es mit der Pfarre in Protzen stehe , und ob er die Vakanz schon wieder besetzt habe ? « – » Seit einer halben Stunde hab ' ich sie besetzt « , antwortete dieser . – » Mit wem ? « – » Mit dem hier sitzenden Kandidaten Sachse . « Es scheint danach , daß die bedeutende Persönlichkeit des letzteren ihres Eindrucks auf von Kleist nicht verfehlt hatte . Sachse übersiedelte nun , und mochte sich anfangs seinem Patron gegenüber , der ihn , in so schmeichelhafter Weise , in die Protzener Pfarre eingesetzt hatte , zu Dankbarkeit verpflichtet fühlen . Aber Dankbarkeit dauert nicht lang , am wenigsten , wenn die Interessen in Krieg geraten . Sachse glaubte sich benachteiligt , und so entstand ein Prozeß , der im Herrenhause so böses Blut machte , daß Kleist , als um eben diese Zeit ein Spritzenhaus errichtet werden mußte , dasselbe so aufführen ließ , daß der Bau wie ein Schirm zwischen ihm und der Pfarre stand . Er wollte die Pfarre nicht mehr sehen . Sachse überlebte seinen Patron um viele Jahre , stand im allgemeinen , wie fast immer imponierende Persönlichkeiten , auf gutem Fuß mit der Gemeinde , war ihr Orakel , ihr Ratgeber und Helfer , und vereinigte , neben einzelnen Schwächen , alle Tugenden des alten Rationalisten in sich . Das Protzener Kirchensiegel bewahrt sein Andenken . Die Inschrift desselben rührt allerpersönlichst von ihm her und lautet : » Natur und Vernunft . « Damit ist alles gesagt . Protzen von 1803 – 1826 Der Johanniter-Kleist starb schon 1794 . Wieder trat eine Witwenherrschaft ein , die wenigstens bis 1803 , vielleicht auch noch um einige Jahre länger dauerte ; dann ging das Gut , aber durch Kauf , an einen Neffen oder Vetter des Johanniter-Kleist über , und zwar an den damaligen Rittmeister oder Major Louis von Kleist , Sohn des sogenannten Magdeburg-Kleist , welcher letztere 1806 durch Übergabe dieser Festung an den Feind so viel Unheil für das Land und zugleich so viel Bitteres und Schmerzliches für die Familie heraufbeschwor . Ich verweile hierbei nicht , nur das mag gesagt sein , daß mir diejenigen nicht ganz unrecht zu haben scheinen , die der damaligen , militärischen Oberleitung – seitens deren ein kranker , beinahe achtzigjähriger Mann mit der Verteidigung der wichtigsten Festung des Landes betraut wurde – die größere Hälfte der Schuld zuzuschieben geneigt sind . Louis von Kleist litt in seinem Herzen schwer unter der Verschuldung des Vaters . Er selbst war eine hervorragend entschlossene Persönlichkeit , groß , schön , ein brillanter Reiter , und zeichnete sich während der Befreiungskriege bei den verschiedensten Gelegenheiten aus . Er blieb Soldat auch nach dem Feldzug , und traf immer nur besuchsweise in Protzen ein . 1815 war er Oberst 1831 stand er in Neiße , wahrscheinlich als Kommandeur einer Division . Bei seinem Hinscheiden war er Generalleutnant . Als Beweis für seine Energie erzählen sich die Protzener , daß er sein seitens der Ärzte schlecht kuriertes Bein ( er hatte sich beim Sturz mit dem Pferde den Oberschenkel gebrochen ) durch einen » Wunderdoktor « aus der Fehrbelliner Gegend neu brechen und dann wieder heilen ließ . Die Prozedur glückte voll kommen . Er hatte seitdem eine geringe Meinung von der Kunst der rite promovierten Doktoren , der er bei jeder Gelegenheit Ausdruck gab . Schon 1826 , also fünf , sechs Jahre vor dem Tode von Kleists , war Protzen durch Kauf an den Freiherrn von Drieberg übergegangen . Kammerherr von Drieberg in Protzen von 1826-1852 Kammerherr von Drieberg in Protzen von 1826 – 1852 Kammerherr von Drieberg , vielen meiner Leser aus den vierziger Jahren her als » Luftdrucks-Drieberg « bekannt , war um 1790 geboren . Sein Vater , seinerzeit Rittmeister im Regiment Gardes du Corps , besaß das zwei Meilen von Protzen gelegene Gut Kantow . Der junge Drieberg wuchs wild auf . Die Gründe für diese Vernachlässigung seiner ersten Erziehung gehören nicht hierher . Erst von seinem vierzehnten Jahre an änderte sich ' s , und was bis dahin versäumt worden war , wurde nun nachgeholt . Hauslehrer und Sprachmeister mußten ihr Bestes tun . Besonders wurde die Musik gepflegt , für die von Drieberg ebenso viel Liebe wie Beanlagung zeigte . Diese Beanlagung war so groß , daß eine Zeit