im allerschlimmsten Falle . « » Aber es steht doch schlimm ! « » Noch nicht ! « » Man wird sie gleich einholen . « » Sie kommen ja grad auf uns zu ! Mit jedem Sprunge der Pferde wird es besser . « Kaum hatte er das gesagt , so geschah etwas , was dieses Wörtchen besser Lügen strafen zu wollen schien . Der Scheik der Kalhuran nämlich hatte bisher angenommen , daß er es nur mit zwei feindlichen Abteilungen zu thun habe ; nun aber sah er auch noch andere Reiter , die sogar genau von vorn grad auf ihn zukamen . Er mußte auch sie für Gegner halten . Die Entfernung war ja noch so groß , daß vom Erkennen der Gesichter keine Rede sein konnte . Er glaubte sich also in der allerhöchsten Not und versuchte , noch Rettung dadurch zu finden , daß er von der bisherigen Richtung schief nach rechts abwich . Er konnte freilich hoffen , hierdurch an den neuerschienenen Feinden glücklich vorüberzuschneiden , gab damit aber dem » Rittmeister « eine bedeutend größere Chance , ihn einzuholen . » Das ist falsch ! « rief Tifl erregt aus . » Das sollte er nicht thun ! « » Er weiß doch nicht , wer wir sind , und daß wir ihn retten wollen ! « antwortete Kara . » Giebt es denn nicht vielleicht ein Zeichen , welches er kennt ? « » Nein ! « Aber schon nach einigen Augenblicken hatte er sich auf etwas besonnen . Er fügte hinzu : » Doch , aber doch ! Ich habe einen Gedanken . Ich werde einen Raum zwischen dir und mir lassen . Hoffentlich sieht er dann , daß hier die Stute unseres Ustad läuft . Und meine Mütze , die ich so oft vor ihm vom Kopf genommen habe ! Ich zeige sie ihm . Wenn er scharfe Augen hat , so erkennt er mich an ihr ! « Er ließ zwischen sich und Kara so viel Abstand entstehen , daß die » Sahm « von Karas Pferden abgesondert zu sehen war . Dann richtete er seine lange , schmale Figur möglichst hoch empor , nahm die Mütze vom Kopfe und schwang sie in so auffälliger Weise über sich , daß der Scheik der Kalhuraa ganz besonders auf ihn aufmerksam werden mußte . Zur großen Freude des » Kindes « ließ der Erfolg der gegebenen Winke auch gar nicht lange auf sich warten ; Hafis Aram lenkte wieder in die vorherige Richtung ein , und man sah trotz der noch großen Entfernung deutlich , daß er den Arm in die Höhe hob , um Antwort zu geben . Ganz natürlich hatten aber seine Verfolger dieselbe Beobachtung wie er gemacht . Zwar wußte der » Rittmeister « nichts über Kara und Tifl ; aber dafür mußte es dem » Oberleutnant « um so klarer sein , daß und durch wen den Flüchtlingen jetzt diese Hilfe kam . Es war zu sehen , daß er seine Leute antrieb , ihre Eile zu vergrößern . » Er hat mich verstanden ! « jubelte Tifl . » Aber , schau , was ist ' s mit seinen Pferden ? « Diese Frage war sehr gerechtfertigt , denn die Schnelligkeit der Verfolgten begann jetzt plötzlich , sich zu vermindern . Ihre Pferde konnten nicht mehr weiter . Sie fielen aus der bisherigen Karriere zunächst in einen kurzen , stoßweise noch erzwungenen Galopp ; dann hielt mitten in demselben das eine an , that noch einige wankende Schritte vorwärts und brach hierauf , vollständig erschöpft , zusammen . Es war dasjenige , welches die Frau des Scheiks ritt . Sie besaß Gewandtheit genug , während des Sturzes abzuspringen , so daß sie nicht mit zu Falle kam . Sie ließ das Tier liegen und lief , so schnell sie konnte , weiter . Da stand auch das andere still , Hafis Aram glitt aus dem Sattel , faßte sein Weib , als es ihn erreichte , bei der Hand und zog es in eiligstem Laufe mit sich fort . Während dies geschah , hatte sich der Abstand zwischen den verschiedenen Parteien so verringert , daß Kara und Tifl das jubelnde Geschrei der Verfolger hören konnten . Der erstere maß mit scharfem Auge die verschiedenen Abstände ; der letztere besaß diese ruhige Kaltblütigkeit nicht . » Das Geheimnis , das Geheimnis ! « rief er aus . » Wir kommen sonst zu spät ! « » Nein , « entgegnete Kara . » Vielleicht nachher , doch nicht jetzt ! Wir kommen grad zur letzten , rechten Zeit ! « Er hatte ganz richtig geschätzt . Der » Oberleutnant « ritt von allen seinen Leuten das beste Pferd und befand sich infolgedessen dem Scheik am allernächsten . Seine Untergebenen waren wohl noch an die hundert Pferdelängen hinter ihm . Man hörte seine drohend brüllende Stimme . Dreihundert Längen jenseits , links von ihm , kam der » Rittmeister « herangestürmt . Da fragte Tifl , natürlich mitten im Jagen : » Werden Assil und Barkh sich nicht weigern , den Scheik und seine Frau zu tragen ? « » Nein , « antwortete Kara . » Ich sage ihnen ein Wort ; das genügt . Ich befürchte nichts . Nur der Oberleutnant kann uns stören . « » Kümmere dich nur um die zu Rettenden , damit sie nicht zögern , aufzusitzen ; ihn aber überlaß mir ! « » Getraust du dich an ihn ? « Da lachte » das Kind « laut auf und sagte : » Getrauen ? Hast du mich für feig gehalten ? Paß auf ! Gleich sind wir da . « In diesem Augenblick blieben die Flüchtlinge stehen ; sie waren außer Atem . Aber sie erkannten Tifl , sahen zwei ledige Pferde und sandten den Rettern freudige Rufe entgegen . Diese sausten heran . Kara zügelte seinen Ghalib und hielt mit ihm und den beiden Rappen vor Hafis Aram an . » Steigt schnell auf ! « sagte er , indem er absprang , um die Hengste zu halten . » Das ist edles Blut ! « sagte der Scheik . » Werfen sie uns nicht ab ? « » Nein . Nur schnell hinauf ! Ich halte sie ! « Es geschah das viel schneller , als man erzählen kann . Hafis Aram hob erst seine Frau empor und schwang dann sich selbst hinauf . Dabei entging ihnen das Zeichen , welches Kara den beiden Pferden gab . Sie wußten nun , daß sie zu gehorchen hatten . Indessen war Tifl eine kleine Strecke weitergeritten , dem » Oberleutnant « entgegen . Da holte er nach rechts aus , ließ seine » Sahm « einen kurzen Bogen gehen , der ihn im Zurückkehren wieder herüber und an die Seite des Offiziers führte , welcher Kara wütend zubrüllte , sich nicht an den Flüchtlingen zu vergreifen . Er achtete nur auf diese , nicht auf Tifl , der bald so eng neben ihm ritt , daß die beiden Pferde sich berührten . Nun erst nahm er Notiz von ihm . » Was willst du , Hund ? Fort mit dir ! « schrie er ihn an . » Fort , fort ! « Dabei erhob er die Faust , um nach Tifl zu schlagen . » Nein , nicht fort ! « antwortete dieser . » Ich mache dir meinen Besuch . « Er hob den einen Fluß auf den Rücken der Stute und schnellte sich von ihr zu dem Offizier hinüber , so daß er hinter diesem zu sitzen kam . Dann schlang er die langen Arme um ihn , legte die Beine fest an den Leib des Pferdes und rief aus : » Ich thue dir nichts . Ich will nur sehen , wie es mit eurem Atem steht . Paß auf ! « Er drückte den Soldaten so an sich , daß diesem die Luft verging , und preßte die Weichen des Pferdes in der Weise zusammen , daß es im Galopp unterbrochen und nach wenigen langsameren Schritten gezwungen wurde , stillzustehen . Es hielt gerade da an , wo der Scheik soeben mit seinem Weibe auf die Rappen gestiegen war . Da sah man den » Rittmeister « gejagt kommen , in jeder Hand eine gespannte Pistole haltend . » Fort ! Schnell ! « gebot Kara . » Er schießt ; wir aber haben keine Waffen . « Er galoppierte mit den beiden Geretteten davon , in der Richtung zurück , aus welcher er gekommen war . Tifl ließ sein nach Atem schnappendes Opfer los , sprang herab und hinüber zur » Sahm « , welche ganz in der Nähe stehen geblieben war . Er schwang sich auf . » Halt ! Bleib ! « schrie der nun nahegekommene » Rittmeister « . » Ich fange dich ! « » Thue das ! « antwortete der Angerufene . » Ich schieße ! « » Das kannst du , aber treffen nicht ! « Um so wenig wie möglich Ziel zu bieten , bog er den Oberkörper tief an den Hals des Pferdes herab , welchem er mit einem Schnalzen der Zunge das Zeichen zum schnellsten Laufe gab . Es gehorchte . Da krachten hinter ihm zwei Schüsse , aber keiner von ihnen traf . Die Kavalleristen , welche ihre Offiziere nun einholten , schickten ein vielstimmiges Geschrei hinter ihm her . » Das hätte meine gute Pekala sehen sollen ! « lachte er in sich hinein . » Wie würde sie sich freuen ! « Nun keine Kugel mehr zu fürchten war , richtete er sich wieder auf . Er fühlte sich sicher , wenigstens für jetzt , denn von den Soldatenpferden eingeholt zu werden , davon konnte ja nicht die Rede sein . Nach einiger Zeit schaute Kara sich um . Er sah , daß die beiden Kavalleristengruppen beisammenhielten . Ihre Offiziere schienen sich zu beraten . Da parierte auch er seinen Ghalib , um Tifl vollends herankommen zu lassen . Der Scheik hatte bis jetzt nichts weiter als vorhin seine ersten Worte gesagt . Er wollte jetzt sprechen , wahrscheinlich von seiner Dankbarkeit . Da aber sagte der junge Hadeddihn zu ihm : » Jetzt keine Worte , o Scheik der Kalhuran ! Wir haben uns zunächst zu - - « » Wie ? Du kennst mich ? « unterbrach ihn dieser doch . » Ja . « » Sag , wer du bist ! Ich kenne dich nicht . « » Ich bin Kara Ben Hadschi Halef Omar , ein Hadeddihn vom Stamme der Schammar . « » Hadschi Halef Omar ? Ist dieser dein Vater Hadschi Halef Omar etwa der Scheik eures Stammes ? « » Ja . « » Maschallah , und doch auch nicht Maschallah ! Es ist ein Wunder , aber dennoch keines ! Ein Wunder Allahs ist es , daß wir errettet worden sind , grad als die Gefahr für uns am größten war . Und wiederum ist diese Rettung kein Wunder zu nennen , weil sie durch den Sohn eines Mannes geschah , dessen Leben aus einer ununterbrochenen Reihe solcher Ereignisse besteht . Du scheinst der Erbe seiner Thaten zu sein ! « Jetzt war Tifl herangekommen . Auch er schaute sich um . Als er sah , daß die Soldaten halten geblieben waren , sagte er zu dem Scheik : » Frage jetzt nicht . Wir haben keine Zeit . Wir wissen , was geschehen ist . Deine Feinde haben es uns erzählt . Auch wir müssen beraten . Laßt uns aber dabei weiterreiten ! « Als sie ihre Pferde wieder in Bewegung gesetzt hatten , ergriff der Scheik abermals das Wort : » Ich will also von dem Vergangenen noch schweigen ; aber über das , was vor uns liegt , darf ich doch sprechen . Reiten wir durch den Paß des Hasen ? « » Nein , « antwortete Kara . » Warum nicht ? « » Weil dort zehn bewaffnete Soldaten stehen . Der größte Mut ist ohnmächtig , wenn er keine Waffen hat . « » So müssen wir nach dem Passe des Couriers hinüber . « » Der ist mit noch mehr Leuten besetzt . « » Wißt ihr das genau ? « » Ja . « » So bleibt uns nur der Versuch , nach rechts oder links durchzubrechen . Ich habe das schon versucht , doch meine Pferde hielten es nicht aus . « » Mit diesen hier wird es vielleicht gelingen , « meinte Kara . » Nein , « sagte Tifl . » Warum nicht ? « » Sieh hinter dich ! « Als Kara dieser Aufforderung folgte und sich umschaute , sah er , daß die Perser einen Entschluß gefaßt hatten . Sie unterließen es , den Flüchtlingen zu folgen . Sie hatten sich wieder in zwei Abteilungen getrennt , welche in Galopp die Richtung nach den beiden Pässen einschlugen . » Sie trachten darnach , uns die beiden einzigen Wege zu den Dschamikun zu verlegen , « sagte der Scheik . » Aber sie werden uns dabei nicht aus den Augen lassen , « fügte Kara hinzu . » Wollen wir nach rechts oder links , so sind sie gewiß schnell da . Ich möchte ihre Kugeln mehr wegen unserer Pferde als wegen uns selbst vermeiden . Soll ich daheim die Schande erleben , erzählen zu müssen , daß so edles , unersetzliches Blut durch das Blei solcher Leute zu Grunde gehen mußte ? « » So weiß ich keinen Rat ! « » Aber ich ! « erklärte Tifl . » Welchen ? « » Wir können zwischen den Pässen hinüberkommen . « » Hamdulillah ! « rief da der Scheik erfreut aus . » Giebt es denn noch einen Weg ? « » Einen Weg nicht , aber doch die Möglichkeit , die andere Seite zu erreichen , ohne daß man zu klettern braucht . Niemand ist so oft in diesen Bergen gewesen wie ich . Ich suchte da nach heilsamen Kräutern für den Pedehr . « » So suchen wir diese Richtung auf ! « » Aber wir können da nicht reiten , sondern wir müssen gehen . Niemand darf von einem Pferde mehr fordern , als es leisten kann . « » So steigen wir ab , sobald es nötig ist ! « » Also kommt ! « Tifl wollte bei diesen Worten seine Stute antreiben , doch forderte Kara ihn auf : » Halt , noch nicht so schnell ! Sag uns erst , wie lange es dauert , bis wir die Höhen hinter uns haben werden ! « » Das Kind « sah nach dem Stande der Sonne und antwortete sodann : » Wir werden noch vor der Dämmerung die jenseitige Ebene erreichen . « » Aber wahrscheinlich nicht wir allein . « » Wer noch ? « fragte der Scheik . » Das Militär . « » Du denkst , daß man hinter uns hersteigen werde ? « » Auch das ist möglich , doch meinte ich etwas Anderes . Die Soldaten beobachten uns . Wenn sie sehen , daß wir versuchen , hier in gerader Richtung über die Höhen zu kommen , werden sie schnell zu beiden Seiten durch die Pässe reiten , um uns drüben zu empfangen . Dann bleibt uns weiter nichts übrig , als in die Felsen zurückzukehren . Dann aber ist es Nacht geworden ; wir müssen im Gebirge bleiben und uns früh am Morgen von neuem jagen lassen . « » Da aber käme uns Hilfe von Pedehr . « » Meinst du ? « » Ja . Denn da ich dich in Tifls Begleitung sehe , so vermute ich , daß du jetzt Gast der Dschamikun bist . « » Das ist allerdings der Fall . « » So kannst du dich auf die von mir vermutete Hilfe fest verlassen . Weiß man , wohin ihr geritten seid ? « » Nicht genau . Aber man hat gesehen , in welcher Richtung wir uns entfernten . « » Das ist genug . Wenn ihr nicht nach Hause kommt , wird man euch suchen . « » Man wird nicht suchen ! « fiel Tifl ein . » Doch ! « behauptete der Scheik . » Nein ! « lächelte das Kind . » Warum nicht ? « » Weil wir zur rechten Zeit nach Hause kommen werden . « » Bist du überzeugt davon ? « » Ja . « » So schwöre ! « Das klang im höchsten Grade ernst . Genau so , als ob es sich um Tod oder Leben handle . Darum schaute Kara den Scheik überrascht an . Dieser aber sah nichts weniger als ernst , sondern jetzt sogar ganz heiter aus . » Du wunderst dich über mich ? « fragte er . » Ich sehe , daß du unsern Tifl noch nicht kennst . Er hat gar manches Geheimnis unter seiner alten Mütze stecken . Also , Tifl , willst du das , was du sagtest , beschwören ? « » Nein , « antwortete der Gefragte . » Warum nicht ? « » Weil ich niemals schwöre : Mein guter Ustad sagt , daß es Sünde sei . Es ist also verboten ! « Er sagte das so treuherzig bestimmt , so rührend überzeugt , so kindlich gehorsam , daß der neben ihm reitende Kara ihm die Hand hinstreckte und beistimmend zu ihm sagte : » Ja , es ist verboten ! Auch bei uns , den Hadeddihn . Mein Vater weiß von Kara Ben Nemsi , daß jeder Schwur eine Sünde an Allahs Namen ist . « » Aber eine Beteuerung ist erlaubt ? « fragte der Scheik , indem er schalkhaft zu Tifl hinüberlächelte . » Ja , « nickte dieser . » Nun , so beteure es ! « Da nahm Tifl mitten im Reiten und zwar mit einer Bewegung , als ob er Jemandem eine Ehre zu erweisen habe , die zackige Mütze vom Kopfe und sagte , indem er den Blick des Scheiks mit heiterem Einverständnisse zurückgab : » Wir werden zur rechten Zeit nach Hause kommen . Das versichere ich im Namen meiner guten Pekala , die , bis wir eintreffen , mit ihrer Kerbelsuppe auf uns warten wird . Beeilen wir uns also jetzt ! « » Aber wie willst du das anfangen ? « fragte Kara . Er erhielt keine Antwort , denn » das Kind « hatte sein Pferd schon bei den letzten Worten zum vollen Laufe angetrieben und flog so schnell voran , daß man ihm schleunigst folgen mußte . Der Hadeddihn konnte sich den Vorgang nicht ganz erklären ; er sah darum den Scheik fragend an . » Du bist erst kurze Zeit bei dem Dschamiku ? « erkundigte sich dieser . » Ganz kurze . « » So kannst du dieses Kind allerdings noch nicht begreifen . Es steckt ein ganzer , seltener Mann in ihm , der aber daheim verborgen bleibt und nur zum Vorschein kommt , wenn Tifl zu Pferde sitzt . Dieser Mann ist nicht nur tapfer , sondern auch so klug , so ungewöhnlich klug , daß man sich ihm unbedingt anvertrauen darf . Und wenn er gar irgend etwas im Namen seiner geliebten Pekala verspricht , so weiß er , was und warum er es sagt , und es giebt für jeden , der ihn kennt , keinen Zweifel , daß es in Erfüllung gehen wird . « » Also auch das jetzige Versprechen ? « » Ganz gewiß ! « » Aber wie ? - Das ist mir rätselhaft . « » Frage ihn nicht ! Er würde es doch nicht sagen . Wenn er sich so verhält , wie eben jetzt , liebt er es nicht , ausgefragt zu werden . Er hat einen Gedanken , den er für gut hält , und wird ihn in der Weise ausführen , daß wir zufrieden sein können . Folgen wir ihm also , ohne in ihn zu dringen ! Das gute Kind ist so unendlich glücklich , wenn man ihm vertraut ! « Die vier Pferde flogen jetzt nur so über die Steppe dahin . Die Frau des Scheik saß fest ; sie ritt so sicher wie ein Mann , Tifl schaute sich nicht um ; aber man sah , daß er nach rechts und links die Perser beobachtete . Der Anführer derselben schien ein umsichtiger Mann zu sein , der seine Bestimmungen für verschiedene Möglichkeiten vorausgetroffen hatte . Denn jetzt , da es sicher war , daß die Flüchtigen grad über den Bergeszug wollten , trennten sich von seinen beiden Abteilungen Leute , welche von hüben und drüben her ganz dieselbe Richtung einschlugen und jedenfalls den Befehl hatten , den Scheik und seine Retter durch die Felsen zu verfolgen . » Das war es , was du befürchtetest , « sagte Kara zu dem Scheik . » Vorhin , aber jetzt nicht mehr ! « antwortete dieser . » War es vorhin bedenklicher als jetzt ? « » Nein ; aber inzwischen hat uns Tifl sein Versprechen gegeben , und er wird es halten . « » Aber bedenke den Unterschied ! Hier auf ebenem Boden sind wir im Vorteile , weil wir bessere Pferde haben . Da oben aber werden die Soldatengäule den meinigen im Klettern überlegen sein . Wenn man uns nach oben folgt , wird man uns wahrscheinlich einholen . « » Mag es geschehen ! « » Aber dann , was thun ? « » Ich frage nicht , Tifl weiß , was er will ! « Nun war der Fuß der Höhen erreicht . Es gab da eine zunächst sanft ansteigende , schuttartige Halde , vor welcher der spinnenmützige Führer nicht vom Pferde stieg . Er ritt hinauf ; die andern folgten . Die Hufspuren waren in dieser Art von Boden mehr als deutlich zu erkennen . Als man oben angekommen war , deutete Tifl auf diese Fährte und sagte : » Hier habe ich ihnen gesagt , wohin wir wollen . Sie werden uns folgen , weil sie es glauben . « » Wie meinst du das ? « fragte Kara . » Sollten sie es vielleicht nicht glauben ? « » Nein . « » Warum nicht ? « » Weil ... weil ... « Er brach mitten in der Antwort ab . Seine Brauen zogen sich zusammen ; seine kindlichen Züge wurden um Jahre älter ; sie nahmen einen ernsten , ja abweisenden Ausdruck an . » Bist du hier daheim , oh Kara Ben Hadschi Halef ? « fragte er . » Nein . « » Aber ich kenne diese Gegend . Wären wir bei den Hadeddihn , so folgte ich dir . Wir befinden uns aber bei den Dschamikun . So folge mir ! « Er sprang vom Pferde und ging weiter , die Stute hinter ihm . Die andern stiegen auch ab und schritten hinter ihm her , wobei der Scheik und seine Frau die Rappen an den Zügeln führten , weil sie ihnen als Fremden wohl nicht so unbedingt und willig gefolgt wären , wie es nötig war . Es ging eine ziemlich steile Felsenlehne hinauf . Hier und da stand ein Busch , irgend ein Gestrüpp , Tifl brach da immer Zweige ab , die er fallen ließ , um die Verfolger hinter sich herzulocken . Man konnte sie nicht sehen , weil hohes Gestein dazwischen lag . Dann aber kam eine vortretende Stelle . Als die Vier auf sie heraustraten , sahen sie die Soldaten tief unter sich , welche , ihre Pferde auch führend , den Berg heraufgestiegen kamen . Einer von ihnen schaute zufällig empor und sah die hoch oben Stehenden . Er machte seine Kameraden auf sie aufmerksam , worauf sie mit den geballten Fäusten drohten und zornige Rufe heraufsandten . » Sie kommen wirklich ! « sagte der Scheik . » Nun bin ich neugierig , was geschehen wird . « » Das geschieht ! « antwortete Tifl . Er deutete nach rechts und links , wo weit draußen die übrigen Perser zu sehen waren , welche in größter Eile auf die Pässe zujagten . Hafis Aram sprach : » Sie reiten hinüber , um uns jenseits zu empfangen , und diese hier jagen uns vorwärts . Wenn wir doch Waffen hätten ! Ich fand nicht Zeit , die meinigen zu holen . Es mußte alles nur darauf gerichtet sein , so schnell wie möglich aus dem Duar zu verschwinden . « » Wir brauchen keine Waffen - kommt ! « Mit diesen Worten wendete Tifl sich zum Berge zurück , um die Flucht fortzusetzen . Sie führte in ein Gewirr von Felsen hinein , durch welches der Kurde sonderbarer Weise nicht die gerade Richtung nahm . Er wich vielmehr bald nach dieser und bald nach jener Seite von ihr ab , so daß der zurückgelegte Weg beinahe einen Kreis bildete , auf welchem man fast wieder zurück zum ersten Punkte kam . Hier ging es zwischen zwei eng zusammenstehenden Felsen hinein , welche eine schmale , oben offene , sich abwärts senkende Höhle bildeten . Das war ein sehr beschwerlicher Weg , welcher nur höchst langsam zurückgelegt werden konnte . Warum Tifl gerade diesen Teil des Berges wählte , das war den Andern unerfindlich ; sie sagten aber nichts . Als man wieder in das Freie kam , befand man sich an einer Felsenwand , welche senkrecht nach oben stieg . » Das Kind « blieb lauschend stehen und gab mit der Hand zum Munde das Zeichen , zu schweigen . Da oben erklangen jetzt Stimmen . » Wer ist das ? « fragte leise der Scheik . » Die Perser sind es , « lächelte Tifl , indem er ebenso leise antwortete . » Also über uns ? « » Ja . « » Maschallah ! « » Das ist der Vorsprung , auf dem wir vorhin standen , als wir sie kommen sahen . Wartet noch ! « Als es nach kurzer Zeit oben still geworden war , winkte der Kurde , ihm weiter zu folgen . Nach einiger Zeit sahen die andern zu ihrem Erstaunen , daß sie sich oberhalb der früher genannten Felsenlehne befanden , welche sie heraufgekommen waren . Sie trafen auf ihre eigene Fährte , die inzwischen durch die Spuren der Verfolger verstärkt worden war . » Nun suchen sie da oben nach uns ! « lachte Tifl . » Wir gehen wieder hinunter . Aber nicht hier , sondern dort , wo man auf dem festen Steine keine Eindrücke machen kann . « Er deutete vorwärts , nach einer Stelle , wo das kompakte Gestein jenseits des weicheren Bodens hart zu Tage trat . Es senkte sich allmählich bis fast an den Rand der Steppe nieder . Die Pferde rutschten mehr als sie stiegen hinunter , wo man nur noch ein schmales Randgebüsch zu durchbrechen hatte . Jenseits desselben wieder auf der Ebene angekommen , wollte Tifl sich auf sein Pferd schwingen ; da ergriff Kara ihn am Arm , sah ihm mit fast bewunderndem Ausdruck in das Gesicht und fragte : » Tifl , sag , wo hast du das her ? « » Ich ? - Was ? « lautete die ruhige Antwort . » Diese Klugheit , diese Umsicht . « » Du meinst , daß ich klug gewesen sei ? « erkundigte sich der Kurde , indem er das allerkindlichste seiner Gesichter zeigte . » Ja , außerordentlich klug ! Jetzt erst begreife ich dich . Sag : du hast gar nicht über die Berge hinüber gewollt ? « » Nein . « » Sondern nur so gethan , um die Perser zu betrügen ? « » Ja . « » Du wolltest sie veranlassen , durch die beiden Pässe nach der andern Seite der Höhe zu eilen ? « » Ja . « » Damit wir hier freien Weg bekämen ? « » So ist es . « » Aber was nun ? Denkst du , daß wir jetzt über die Seitenberge reiten , von denen der Scheik wieder zurückgetrieben worden ist ? « » Nein , das haben wir nicht nötig . « » Aber was ist denn deine Absicht ? « » Wir reiten ganz einfach durch den Paß der Hasen , durch welchen wir gekommen sind , wieder nach Hause . « » Aber da treffen wir doch wieder auf die Perser ! « » Wo ? « » Nun , doch entweder noch im Passe selbst oder erst am Ende desselben . « » O nein . Wenn du das von ihnen glaubst , so hältst du sie für unbeholfen . Du hast aber doch gesehen , wie umsichtig ihr Anführer sich alles überlegt hat . Denke dir grad in der Mitte zwischen den beiden Pässen eine Linie über das Gebirge . Er glaubt , daß wir dieser Linie folgen und also auch jenseits auf der Mitte zwischen ihnen eintreffen . Wird er da seine Leute dort bei den Pässen auf uns warten lassen ? « » Allerdings nicht , « gestand Kara ein . » Sondern wo ? « » Eben in der Mitte . « » Die Pässe werden also für uns frei . Es ist folglich sehr wahrscheinlich , daß wir heimreiten können , ohne von den Persern überhaupt gesehen zu werden . « » Außer , wenn er in den Pässen Wachen zurückläßt . « » Vielleicht thut er das , vielleicht auch nicht . « » Und wenn er es thut , was dann ? « » Es käme darauf an , wie stark diese Wache ist , ob wir uns ihrer mit List erwehren können , oder ob wir Gewalt anwenden dürfen , ohne vor ihren Waffen besorgt sein zu müssen . Jetzt suchen uns die Soldaten da oben auf der Höhe ;