auch ! « betonte der Bote . » Ah ? ! « » Ja . Er sagte , nur er allein habe die Waffen zu bestimmen , und ihr hättet nicht die Erlaubnis , Einwendungen dagegen zu machen ! « » So ! Die Wahrheit aber ist , daß ich ihm erlaubt habe , diese Bestimmung zu treffen , und so konnte er mir seinen Entschluß wohl in etwas höflicherer Weise mitteilen lassen . Also geschossen soll werden ? « » Ja ; das ist der erste Gang . « » Womit ? « » Mit Flinten natürlich ! Das ist doch selbstverständlich ; warum fragst du also ? « » Mann , vergiß nicht , daß du vor Hadschi Halef stehst , dem obersten Scheik der Haddedihn ! Wenn du nicht weißt , in welchem Tone du zu mir zu reden hast , kannst du unverrichteter Sache wieder gehen , und wir behalten , was wir haben ! Ich habe mit Tawil Ben Schahid beschworen , daß nicht beleidigend gesprochen werden darf . Das bezieht sich nicht bloß auf die Wahl der Worte , sondern auch auf die Art und Weise , wie du mit mir redest . Merke dir das ! Du hast dich mit deiner übel angebrachten Frage nur selbst blamiert , denn du scheinst noch gar nicht zu wissen , daß es außer den Flinten noch andere Waffen giebt , mit denen geschossen werden kann ! Hat er die Entfernung bestimmt ? « » Sechzig Schritte und Jeder drei Schüsse . « » So sehr weit ? Wer soll da sicher treffen können ! « Sein Gesicht zeigte Enttäuschung und Besorgnis ; im Innern aber war er höchst befriedigt , denn sein und auch Karas Gewehr waren jeder Beduinenflinte weit überlegen ; ich hatte sie ihnen als Geschenke mitgebracht . » Soll mit Hurduk130 oder mit Rusahs131 geschossen werden ? « fuhr er vorsichtig fort . » Natürlich nur mit Rusahs ! « » Ich stimme bei . Doch sag deinem Scheik , daß die Kugeln vor dem Laden vorgezeigt werden müssen , damit nicht aus Versehen Hurduk genommen wird . Und sodann soll auch gerungen werden ? « » Ja , mit nacktem Oberkörper und einem Messer im Gürtel . « » Wozu das Messer ? Das braucht man doch zum Ringen nicht ! « » Weil es ein Ringkampf auf Tod und Leben sein soll . Sobald einer den andern platt auf den Boden gebracht hat , besitzt er das Recht , ihn mit dem Messer zu erstechen . « » Also platt auf den Boden ! Eher nicht ? « » Nein . « » Ihr scheint einen bedeutenden Ringer unter euch zu haben ? « » Ja , « lächelte der Ben Khalid unbescheiden . » Unser Abu el Khuba132 wird von keinem Menschen besiegt ! Das hörst du auch dem Namen an , den wir ihm deshalb gegeben haben . « » Ist die Zeit bestimmt worden , wie lange das Ringen zu dauern hat ? « » Natürlich bis der eine erstochen worden und der andere Sieger ist . « » Wieder natürlich ! Bei dir scheint alles natürlich zu sein ! Wahrscheinlich hältst du es auch für natürlich , daß unsere drei Krieger von den eurigen in kürzester Zeit und mit der größten Leichtigkeit abgeschlachtet werden ! Und auch mit Speeren soll geworfen werden . Meinst du da die lange Lanze oder den kurzen Dscherid133 ? « » Den Dscherid natürlich ! « » Schon wieder natürlich ! Du bist wirklich ein vollständiger Abu el Malumat 134 ! Es sind doch jedenfalls auch Bedingungen dabei ? « » Natür - - - « er hielt dieses Mal mitten im Worte inne und verbesserte sich dann : » Ja , ich hab sie dir mitzuteilen . Die Entfernung ist fünfundzwanzig Schritte . Jeder bekommt drei Speere . « » Wenn nun aber diese sechs geworfen sind , ohne daß einer getroffen hat , was dann ? Da wird wohl von neuem begonnen ? « » Oh nein ! « lächelte der Bote . » Warum nicht ? « » Weil es ganz unmöglich ist , daß keiner trifft . « » So ! Ihr habt wohl auch einen sehr geschickten Speerwerfer unter euch ? « » Er trifft stets ! « nickte der Gefragte . » Du machst mich ja ganz neugierig auf ihn ! Ist das alles , was du mir zu sagen hast ? « » Ich soll besonders betonen , daß keine Schonung stattfinden wird . Es soll auf den Tod gekämpft werden . Blut wenigstens muß fließen , sonst gilt der Gang nichts . Wer so verwundet ist , daß er sich nicht vom Boden erheben kann , der gilt als besiegt , und der Sieger hat das Recht , ihn vollends zu töten . Jetzt bin ich fertig ! « » Ich aber nicht ! Wann werdet ihr kommen ? « » Eine halbe Stunde nach meiner Rückkehr . « » So schlagt den Weg westlich des Felsens ein ! Wir bleiben hier auf dem Punkte , wo wir jetzt stehen . Welche Waffe hat euer Scheik gewählt ? « » Welche - - - ? Der Scheik - - - ? « fragte der Ben Khalid sehr erstaunt . » Ja , euer Scheik ! « » Du denkst , der kämpft mit ? « » Allerdings ! « » Oh nein , das thut er nicht ! « » Nicht ? Warum ? « » Schon der Gedanke , daß er sich mit beteilige , ist eine Beleidigung für ihn ! Ein Scheik ist kein gewöhnlicher Krieger ; er kämpft natürlich nur mit Scheiks . « » Wie natürlich wieder ! Wenn wir nicht ausgemacht hätten , daß nicht beleidigend gesprochen werden darf , würde ich ihm jetzt den Vorwurf der Feigheit zurückgeben , den er uns gemacht hat . Ich bin auch Scheik ; aber ich kämpfe auch mit jedem Krieger , welcher meiner Tapferkeit würdig ist . Ich werde mich auch nachher beteiligen , denn ich setze meine Ehre und meinen Stolz darauf , daß ich nicht aus der sichern Ferne zusehe , wenn meine Krieger für den Ruhm ihres Stammes ihr Blut vergießen und ihr Leben wagen . Ich weiß zwar noch nicht , ob ich die Flinte , den Dscherid oder den Ringkampf wählen werde , denn ich muß mir da erst die Gegner ansehen , aber wenn - - - « » Das darfst du gar nicht ! « fiel der Bote ein . » Was ? « » Wählen ! « » Wie ? Ich darf nicht wählen ? « » Nein . « » Wer will und kann mir das verbieten ? « » Unser Scheik . « » Ah ! Warum ? « » Er hat die Waffen zu bestimmen und also auch die Bedingungen zu stellen . « » Von den Bedingungen ist keine Rede gewesen ; aber sprich nur weiter ! Ich werde ja hören , was du sagst . « » Unser Scheik verlangt , daß eure drei Krieger zu losen haben . « » Sie dürfen sich nicht selbst entscheiden ? « » Nein . Jeder von ihnen hat an dem Kampfe teilzunehmen , für den ihn das Los bestimmt . « » Ihr aber habt den besten Ringer gewählt ? « » Natürlich ! « » Den besten Speerwerfer ? « » Natürlich ! « » Und wahrscheinlich auch den besten Schützen ? « » Natürlich ! « » Höre , Mann , wenn ich dieses Wort natürlich nur noch einmal aus deinem Munde höre , so thue ich etwas , was dir zur Abwechslung einmal ganz unnatürlich vorkommt ! Eure Pfiffigkeit wäre ja ganz lobenswert , wenn sie nicht ein so dummes Aussehen hätte . Ihr wählt für jede Waffe den besten Mann , und wir sollen uns von dem Zufall dahin werfen lassen , wohin es dem Lose beliebt ! Das ist nicht etwa klug von euch , sondern etwas ganz anderes , was ich der Höflichkeit wegen nicht näher bezeichnen will ! « Er machte eine Pause , während welcher er seine Augen von Kara auf Omar Ben Sadek und von diesem dann auf mich richtete . Ich wußte , was er dachte . Sein Sohn erriet es auch . » Vater , thue es ! « sagte er in bittendem Tone . » Was ? « fragte Halef lächelnd . » Wir fürchten uns doch nicht vor dem Lose , und wenn du nicht darauf eingehst , so denken sie , es sei bei uns so wie bei ihnen ! « » Wie denn , mein Sohn ? « » Bei ihnen weiß man wahrscheinlich wohl mit der einen Waffe umzugehen , aber mit der andern nicht . Wir wollen ihnen aber zeigen , daß die Krieger der Haddedihn gelernt haben , in jedem Sattel fest zu sitzen ! « Da ging der Ausdruck stolzer Vaterfreude über Halefs Gesicht ; er wendete sich wieder zu dem Boten und sagte : » Du hast die Worte Kara Ben Halefs , meines Sohnes , gehört und kennst also nun den Grund , der mich veranlaßt , auf das Verlangen deines Scheikes einzugehen . Er mag also ja nicht denken , daß er uns überlistet habe oder daß wir aus gewaltigem Respekt vor ihm das thun , was ihm seine Klugheit eingegeben hat ! Die Ursache ist nur die , daß es uns ganz gleich ist , welche Waffe wir in die Hand bekommen . Bist du fertig ? « » Ja . « » So kannst du gehen . « Der letzte Teil des Gespräches war nicht im Stehenbleiben gesprochen worden , denn Halef hatte sich während desselben nach unserm Lagerplatze gewendet , und wir gingen nebenher , der Ben Khalid auch . Anstatt sich nun nach der Verabschiedung , welche ihm von dem Hadschi geworden war , von uns zu trennen , blieb er noch . Weshalb , das erfuhren wir , denn er erkundigte sich : » Du sagtest , o Scheik , daß du selbst mitkämpfen werdest . Ist das wahr ? « » Ja , « nickte Halef . » Ich sage nie etwas , was nicht wahr ist . « » Wer sind die beiden andern ? « » Warum fragst du ? « » Weil ich sie gern sehen möchte . « » Ihr alle werdet sie ja zu sehen bekommen . « » Ich will sie jetzt sehen ! « » Will ? Du willst ? Allah ! Das ist ja sehr gütig von dir , daß du willst ! Erlaubst du mir vielleicht einmal , auch zu wollen ? « » Was ? « » Sie dir nicht zeigen ! Also , du kannst gehen ! « Wir waren jetzt bei dem Brunnen angekommen , auf dessen Rande der gefüllte Ledereimer stand . Der Ben Khalid folgte der Aufforderung nicht ; er blieb zudringlich stehen und sagte : » Ich wollte sie gern sehen , weil ich selbst es mit einem von ihnen zu thun bekommen werde . « » Du ? « fragte der Hadschi , indem er einen forschenden Blick über die sehnige Gestalt des Beduinen gleiten ließ . » Ja , ich ! Ich bin einer der Kämpfenden ! « Auf seinem Gesichte war die deutliche Aufforderung zu lesen , daß wir ihn bewundern sollten . » Bist du etwa der Ringer ? « » Nein . « » Der Schütze ? « » Nein . « » Also der Mann mit den drei Speeren , welche unbedingt treffen werden ! « Da warf der Mann den rechten Arm empor , daß der weite Aermel von ihm zurückfiel und wir die stark entwickelte Muskulatur sehen konnten , und rief in selbstbewunderndem Tone aus : » Ja , der bin ich ! Seht diesen Arm und diese seine Muskeln ! Kein Speer ist mir zu schwer und keine Entfernung zu weit ! Entferne dich vierzig Schritte von mir ; hebe die Hand empor und sage mir , welchen Fingernagel ich treffen soll - - - ich treffe ihn ! « Das war eine Prahlerei , welche dem Hadschi das Blut in die Stirne trieb . Seine Augen irrten nach dem Eimer hin , und er fragte : » Du triffst ihn also wirklich ? « » Gewiß ! Natürlich treffe ich ihn ! « » Und bist also überzeugt , nachher zu siegen ? « » Natürlich ! « » Dem Haddedihn drei Speere in den Leib zu geben ? « » Natürlich ! « » So will ich dir zur Abkühlung deiner glühenden Einbildung auch etwas geben , zwar nicht in , sondern auf den Leib ; aber helfen wird es doch ! « Er griff schnell nach dem Eimer , schwang ihn hoch empor und goß dem Ben Khalid den ganzen Inhalt mit solcher Geschicklichkeit über den Kopf , daß ihm das Wasser in regelrechten Kaskaden an allen Seiten herunterlief , worüber die Haddedihn in ein ungeheures , laut schallendes Gelächter ausbrachen . Der Stolz des Beduinen kennt außer den tödlichen Beleidigungen nichts Schlimmeres , als der Lächerlichkeit preisgegeben worden zu sein . Dieser Ben Khalid stand für einige Augenblicke bewegungslos ; dann aber riß er mit einer blitzschnellen Bewegung das Messer aus dem Gürtel und stieß zu , um es in Halefs Herz zu bohren . Der Hadschi wäre bei der Raschheit dieses Angriffes unbedingt getroffen worden ; aber ich hatte seinen nach dem Eimer gerichteten Blick gesehen und seine Absicht erraten ; ich wußte , wie gefährlich es ist , einen Beduinen in solcher Weise zum Gegenstande der Belustigung zu machen , und hatte aufgepaßt . Ich griff sehr schnell zu , aber doch beinahe zu spät ; es gelang mir einstweilen nur , dem bewaffneten Arme eine andere Richtung zu geben , so daß das Messer nur die Kleidung Halefs traf und da einen langen Schnitt verursachte . Dann aber nahm ich den Mann an den beiden Oberarmen fest , drückte ihm diese so an den Leib , daß er sich nicht bewegen konnte , und herrschte ihn an : » Mensch , du hast gestochen ! Du hast als Abgesandter eures Stammes die Waffe gegen einen von uns gebraucht ! Weißt du , was das heißt ? Weißt du , welche Strafe das Gesetz der Wüste auf eine solche Schändung deiner Unverletzlichkeit vorschreibt ? « Er war sofort von unsern Kriegern umringt worden . Sie zogen alle ihre Messer und ließen drohende Worte hören . Er versuchte vergeblich , sich von mir loszumachen , und stieß dabei die abgerissene Entschuldigung hervor : » Er hat - - hat - - hat - - mich beleidigt - - mir Wasser - - - Wasser über - - - « » Er hat nichts gethan , als sein Versprechen erfüllt , welches er dir vorhin gab , als er dich warnte , nicht so siegesbewußt aufzutreten und unsere Niederlage nicht für so selbstverständlich und natürlich zu halten . Das war eine Beleidigung für uns ! Ein Abgesandter hat seinen Auftrag auszurichten und sich dabei jedes Wortes zu enthalten , was nicht zur Sache gehört . Du hast dich deiner Arme und ihrer Muskulatur gerühmt ; jetzt fühlst du , was du kannst ! Wenn ich will , drücke ich dir den Atem aus dem Leibe ! Wir haben , da du zur Waffe gegriffen hast , das Recht , dich sofort und ohne vorherige Beratung niederzuschießen ; aber da wir neugierig auf dein unvergleichliches Speerwerfen sind , so wollen wir dich laufen lassen . Das Messer behalten wir zur Beweisführung hier , falls dein Scheik auf den Gedanken kommen sollte , uns darüber zur Rechenschaft zu ziehen , daß ich mich an dir , seinem Boten , vergriffen habe . Mach dich schleunigst fort , ehe es die andern reut , daß ich dich entkommen lasse ! « Ich gab ihn frei . Er ließ das Messer , welches ihm infolge meines ihn schmerzenden Druckes aus der Hand gefallen war , liegen und entfernte sich rasch , indem die Haddedihn auseinander traten , um ihn durchzulassen . In einiger Entfernung blieb er stehen , hob drohend den Arm und rief uns zu : » Das sollt ihr büßen ! Für diese Nässe des Wassers fordere ich die Nässe eures Blutes ! « » Natürlich , natürlich ! Vollständig einverstanden ! « lachte Halef . » Höhne nur jetzt ! Nach unserm Siege wird dir der Hohn vergehen ! Meine sausenden Speere werden euch zum Geheul des Jammers zwingen ! « » Natürlich , des Jammers , natürlich ! « Als hierauf das Gelächter der Haddedihn wieder erscholl , zog er es vor , zu schweigen und zu verschwinden . Hanneh kam besorgt herbei und freute sich herzlich , als sie sah , daß der Messerstich kein Blut gekostet habe und mit Hilfe von Nadel und Zwirn zu heilen sei . Wir wußten nun zwar , welche Art von Kampf uns erwartete , aber leider das Nötigste nicht : welche Waffe auf jeden von den Dreien fallen werde . Es klang eigentlich rührend , als Halef , der doch so geschickt , geübt und vielerfahren war , in bescheidener Weise zu mir sagte : » Es wäre freilich viel , viel besser , Effendi , wenn wir in dieser Beziehung nicht im Unklaren wären . Wir könnten mit dir darüber sprechen , und ich weiß , wenn die Rede auf solche Dinge kommt , so kann man immer noch von dir lernen . « » Schwerlich , lieber Halef ! Denn was ich kann und weiß , das ist dir alles schon bekannt . « » Noch lange nicht ! Weißt du , Sihdi , bei dir ist es nämlich so : Während du über den Gebrauch dieser oder jener Waffe sprichst , fallen dir immer noch mehr und noch weitere Erlebnisse ein , bei denen du dich dieser Waffen bedient hast . Da ist jeder Fall anders , jede Anwendung und jeder Erfolg anders ! Da werden Messer , Flinte und Pistole lebendig ; da fühlen sie ; da denken und berechnen sie ; da sprechen sie förmlich mit ! « » Wie deine Peitsche ! « warf ich scherzend ein . » Lache nicht über sie ! Sie ist eine vornehme Haremsdame , die ihre guten Seiten , aber auch ihre Mucken hat . Wir reden jetzt nicht von ihr . Fällt dir nichts ein ? Kein guter Rat ? Keine nützliche Verhaltungsmaßregel , die wir befolgen könnten ? « » Ihr wißt ja alles schon ! Aber auf Eins will ich euch doch aufmerksam machen : Richtet eure Augen ja nur auf den Gegner ; alles andere schadet , weil es zerstreut . Bei den Zuschauern kann geschehen , was nur immer will , es geht euch nichts an ! Oft ist ein fester , unbeirrter Blick schon der halbe Sieg ; ich habe das erlebt ! Für das Gewehr habe ich keine Bemerkung , für die drei Dscheride aber doch . Ich würde es folgendermaßen machen : Ich ließe den Gegner seine Speere erst verschießen , weil ich da nur auf ihn und nicht auch auf mich aufzupassen hätte . Bei dieser ungeteilten Aufmerksamkeit ist es kinderleicht , seinen Würfen auszuweichen . Hat er dann keinen mehr und hat mich auch nicht getroffen , so weiß er sich machtlos und mich als ihm über . Das giebt ihm ein Gefühl der Unsicherheit , welches mir Vorteil bringt . « » Aber er macht es dann auch wie du : Er braucht nur auf dich aufzupassen und weicht also deinem Speerwurfe leicht aus ! « » Diese Sicherheit nehme ich ihm , indem ich eine Zeit lang die Bewegung des Werfens mache , aber doch nicht werfe . Das erscheint ihm lächerlich , und er paßt weniger auf . Wenn ich merke , daß er bei diesen Finten ruhig stehen bleibt und nicht einmal mehr zuckt , dann werfe ich wirklich , und zwar die drei Speere schnell hintereinander . « » Maschallah ! Alle drei ? Warum das ? « » Er wird glauben , daß ich nur einen werfe und darum seine ganze Aufmerksamkeit nur auf diesen und nicht mehr auf mich richten . Während er den Bogenflug des Speeres verfolgt und aufwärts blickt , sieht er wahrscheinlich gar nicht , daß ich wieder werfe . Dieser zweite Speer wird ihn treffen , und wenn ja nicht , so doch ganz gewiß der dritte . Es ist dazu freilich notwendig , daß man erstens ein guter Dscheridwerfer ist und zweitens ein scharfes und geübtes Auge dafür hat , nach welcher Seite der Gegner ausweichen will ; denn nach dieser Seite hat man den zweiten Wurf zu richten . « » Ich danke dir , Sihdi ! Das ist eine Lehre , die ich in Uebung nehmen werde ! Ich wollte , das Los drückte mir die Speere in die Hände ; ich würde es genau so machen , wie du uns jetzt geraten hast ! Und wie würdest du dich bei dem Ringkampfe verhalten ? « » Das käme auf den Gegner und auf die Art und Weise an , in der er vorgenommen werden soll , und da ich beides nicht kenne , ist es mir als unmöglich , einen Plan zu haben . Es giebt Ringkämpfe verschiedenster Art. Es handelt sich hier jedenfalls um den bei den Beduinen der arabischen Wüste ganz gewöhnlichen , daß man den Gegner ohne Befolgung irgend einer Vorschrift so niederzubringen sucht , daß der Besiegte den Boden mit dem ganzen Körper , also nicht nur mit einem Teile , nur Händen und Knien , berührt . « » Da wollte ich , daß dies mir zufiele ! « wünschte Omar Ben Sadek . » Mir sollte der stärkste Ben Khalid gar nicht lange aufrecht stehen bleiben ! « Omar war , wenn man ihn so wie jetzt stehen sah , scheinbar allerdings nicht geeignet , einem Gegner große Besorgnis einzuflößen ; er besaß weder eine hohe , noch eine ungewöhnlich breite Gestalt ; aber wer ihn unbekleidet gesehen hatte und vielleicht gar wußte , wie oft schon er seinen Mann gestellt hatte , der traute ihm gewiß mehr zu , als ihm anzusehen war . Grad im Ringen schienen seine Muskeln von Eisen und seine Sehnen und Nerven von Stahl zu sein . Wenn er sich mit auseinandergespreizten Beinen hinstellte , die Fäuste ballte und die Ellbogen fest an den Körper legte , hatten mehrere Männer sich anzustrengen , wenn sie ihn von der Stelle , auf welcher er stand , fortbringen wollten . Seine Beine glichen dann Säulen , die nicht ins Wanken zu bringen sind . Und diese Zähigkeit besaß , ich möchte sagen , jedes einzelne Glied von ihm nicht nur im Zusammenwirken , sondern auch für sich besonders . » Ja , um dich hätte ich da keine Sorge , « stimmte Halef bei . » Dich bringt keiner nieder . Und deinen Griff zum langsamen Hinlegen dessen , den du gepackt hast , macht dir sogar keiner von unseren Haddedihn nach ! « » Das ist nicht mein Griff , denn ich habe ihn ja von unserm Effendi gelernt . Er ist sehr leicht ; aber die Finger , die dürfen freilich , wenn sie sich einmal eingebohrt haben , keinen Augenblick nachgeben ; das ist die ganze Kunst . Wenn dieses Los mir zufiele , könntet ihr unbesorgt um unsere Ehre sein . Aber , Sihdi , wie hältst du es damit , daß der Kampf auf Tod oder Leben gehen soll ? Die Beni Khalid werden uns freilich nicht im geringsten schonen . Meinst du , daß wir ebenso streng mit ihnen verfahren ? « » Eigentlich ist diese Frage überflüssig , « antwortete ich , » denn meine Ansichten in dieser Beziehung sind euch ja bekannt . Wenn ich einen Feind unschädlich machen kann , ohne ihm das Leben zu nehmen , so lasse ich es ihm . Das gebietet mir schon die einfachste Menschlichkeit , von meinem christlichen Glauben gar nicht zu sprechen . Freilich dürfen wir diese Rücksicht nicht so weit treiben , daß der Sieg in Frage gestellt wird . Es ist gesagt worden , daß wenigstens Blut fließen soll ; das können wir nicht ändern ; aber notwendig ist es doch nicht , daß die Verletzungen tödlich sind . Wenn die drei Beni Khalid nur verwundet werden , sind sie für uns ebenso unschädlich geworden , als ob sie nicht mehr lebten ; die Hauptsache ist , daß sie sich nicht vom Boden erheben können . « » Es ist aber doch bestimmt , daß der Besiegte glatt an der Erde liegen soll ! « warf Halef ein . » Das bietet keine besondere Schwierigkeit , denn wer zum Beispiel von einer Kugel so getroffen wurde , daß er in die Kniee zusammenbricht , bei dem erfordert es ja nur noch einen Stoß der Hand , um ihn vollends hinzulegen . Ich würde also nach seinem Knie , nicht nach dem Kopfe oder Herzen zielen . Treffe ich gut , so ist er für das ganze Leben untauglich gemacht , und das ist für einen Beduinen schlimmer als der Tod , weil er daheim bei den Schwachen , den Greisen , Frauen und Kindern hocken muß . « » So wollte ich , der Kampf mit der Flinte wäre für mich bestimmt ! « sagte Kara , welcher als Mitkämpfer das Recht fühlte , aus der stets von ihm geübten , bescheidenen Zurückhaltung herauszutreten . » Hadschi Halef , mein Vater , wird dir bestätigen , Effendi , daß ein Fehlschuß jetzt bei mir etwas höchst Seltenes ist . Doch schaut ! Was will der Blinde ? Er kommt grad auf uns zu ! « Der Münedschi hatte bei den Mekkanern gesessen . Jetzt war er mit einer raschen Bewegung , als ob er unter einem plötzlichen Entschlusse handle , aufgestanden und kam mit großen , sichern Schritten , als ob er ganz gut sehen könne , auf die Stelle zu , an welcher wir standen . Er hielt die Linie so genau und so gerade ein , daß wir auseinander treten mußten , um den Zusammenstoß mit ihm zu verhüten . » Effendi , komm mit mir ! Du allein ! « forderte er er mich auf , indem er , ohne anzuhalten , zwischen uns hindurchging . Das war nicht nur sonderbar , sondern erstaunlich ! Woher wußte er , wo wir standen , und daß ich mit dabei war ? Hatten die Mekkaner es ihm gesagt ? Aber auch in diesem Falle wäre die von ihm gezeigte Sicherheit nicht zu erklären gewesen ! Und er hatte nicht mit seiner , sondern mit Ben Nurs Stimme gesprochen . Sein Gesicht zeigte das Aussehen der Leblosigkeit , der Todesstarre , und als er sprach , hatte er die Lippen kaum bewegt . Er schritt ganz in derselben Weise weiter , grad auf den Felsen Ben Nurs zu , und ich folgte ihm . Wollte er wieder hinauf ? Es konnte gar kein Zweifel darüber sein , daß er geistes- oder , wenn dies bezeichnender sein sollte , seelisch abwesend war , jetzt , am hellen , lichten Tage ! War das auch Somnambulismus ? Noch ehe er den Felsen erreicht hatte , blieb er stehen , drehte sich nach mir um und sagte , wieder nicht mit seiner eigenen Stimme : » Effendi , ich liebe dich ! Ich liebe alle Wesen Gottes und also auch alle Menschen , doch , sehe ich ein dem Gesetze der Liebe so freiwillig geöffnetes Herz , so neigt es mich ihm mit besonderer Liebe zu . Die Worte der Güte , welche du jetzt sprachst , ich habe sie gehört . Du willst das Leben eurer Feinde schonen und achtest also die ihnen gegebene Vorbereitungszeit ; das wird dir für das Jenseits eingetragen und schon auch hier vergolten , denn ihr werdet Sieger sein . Doch warne ich dich vor dir selbst und vor El Aschdar135 , der das Verderben der Menschen will und auch das deinige . Vor dir selbst , denn du bedrohst dich als dein eigener Feind . « Er nahm meine Hand in seine Linke , strich mit der Rechten leise , zärtlich darüber hin und fuhr fort : » Sei ja nie stolz auf deine Liebe ! Der Himmel hat sie dir geliehen ; sie ist also nicht dein sondern sein Eigentum , welches du ihm , nachdem du sie hier wirken ließest , mit Zins und Zinseszins zurückzugeben hast . Sie ist das höchste , größte Gut des Lebens , und darum hat der , welcher sie empfing , viel mehr Verantwortung zu tragen und viel strengere Rechenschaft abzulegen als jene Seelen , denen weniger anvertraut worden ist . Denk nicht , du seist ein besserer Mensch als sie ! Vom armen Steppenstrauch wird nur bescheidenes Grünen , vom Baume an dem Wasser aber Frucht gefordert werden . Bilde dir also nichts auf die Früchte deiner Liebe ein ! Deine Pflicht ist ' s , sie zu bringen , und wenn du sie bringst , so hast du nichts als eben nur deine Pflicht gethan und darfst nicht meinen , Anspruch auf besonderen Lohn zu haben . Dies ist der Grund , daß ich dich vor dir selbst zu warnen habe . Gehorche mir ! Dein Schutzgeist steht bei dir . Du siehst ihn nicht ; mich aber bat er , dir zu sagen , was du jetzt vernommen hast . Er leitet dieses Blinden Hand , deren Berührung eine Liebkosung von ihm ist für dich , dem er den rechten Weg zu zeigen hat . « Hierauf ließ er meine Hand los und sprach weiter : » Und vor El Aschdar warne ich dich auch .