der Knecht Kaspar wie ein rechtschaffner Knecht alle fünf Minuten ein Mal , aber man mußte es ihm lassen , er schrie nur aus Schuldigkeit , wie ein Nachtwächter , der die Leute nicht wecken soll . Nun war alles fertig , das Fallgitter aufgezogen , die Brücke niedergelassen , zum Ueberfluß hatten die Mägde Stroh darauf gestreut , daß die Wagen nicht rasselten , und die wenigen Lichter wurden ausgelöscht , die zum Packen geleuchtet . Nur die Sterne konnten sie nicht auslöschen . Die gute Frau von Bredow schöpfte Athem . Wo nicht alles war sie in der einen Stunde gewesen , wo nicht alles hatte sie mit Hand angegriffen und angewiesen und angeordnet ; wofür hatte sie nicht zu sorgen gehabt , für Fortziehende und für Bleibende ! Und was mußte sie das angegriffen haben , ich meine nicht , daß sie es thun mußte , sondern daß sie es ohne ein lautes Wort thun mußte . Sie war immer der Meinung , Gott habe dem Menschen die Stimme gegeben , daß er sie vernehmen lasse . Ach das Schwerste stand ihr doch noch bevor . Die Wagen fuhren schon zum Thor hinaus , als sie zu Eva leise sprach : » Nu komm rauf . « Wie ihrer Mutter Hand zitterte ! Nur der Knecht Ruprecht blieb unten an der Treppe . Sie waren oben , wo die kleine Ampel vor der Thür brannte . Eva ' s Herz pochte nur ein klein wenig , als sie durch das Schlüsselloch geblickt und leise die Thür aufklinken wollte . Die Mutter zog sie noch zurück : » Bleib noch ein Bischen , Eva , mir ist doch bang . « » Er schläft ganz fest . « » Eva , nein , Du sollst es nicht . « Sie nahm sie in ihre Arme und küßte sie ab . » Wenn ' s Sünde ist - ach Du mein Gott , das Leben wird Einem doch recht schwer gemacht ! Was soll nicht alles Sünde sein ! - « » Es muß ja sein , hast Du gesagt , Mutter ! « » Freilich muß es sein . « » Wir ziehen die Schuh aus . « » Du liebe Unschuld , wär ' s damit gethan ! ' Ne Mutter muß die Tochter nicht zum Bösen verleiten . Ich kann ' s auch besser in der Beichte vortragen . « Der edle Wettstreit ward endlich dahin geschlichtet , daß beide die Schuhe auszogen . Der gute Knecht Ruprecht hatte die Angeln der Thür geschmiert , sie knarrten wenig , und Eva hielt die Hand so vor der Ampel , daß sie keinen Schein auf den Schlafenden warf . Das Licht ward vorsichtig in eine Blende hinter dem Bett gestellt , und Mutter und Tochter winkten sich , die Finger vor dem Mund . » Eva ! « flüsterte jene noch , » wenn er auffährt , laufe fort ; ich will ' s schon allein mit ihm abmachen . « Ich glaube , Eva wäre nicht fortgelaufen ; das Kind hatte nicht geantwortet . Wie ruhig er lag , wie in gemessenen , festen , ernsten Absätzen Herr Gottfried schnarchte ! Den Richter , der ihn einst richten wollen um das Verbrechen , das geharnischt vor ' m Thor stand , hätte ich an das Bett führen mögen und fragen : Kann ein Hochverräther so schlafen ? Es waren keine Töne , die unregelmäßig wie der erstickte Athem des Schuldbewußtseins vorbrechen aus der geängstigten Brust ; nein , es waren die ruhigen kraftvollen Pulsschläge eines gesunden Organismus . Aus tiefster Brust kamen sie , wie Boten , daß Alles da in Ordnung sei , daß diesen Mann keine Träume ängsteten , und wenn Träume um ihn spielten , waren es Spiegelbilder der Selbstzufriedenheit mit einem von keinen Zweifeln zerrissenen Dasein . Herr Gottfried schlief auf dem Rücken , die kräftigen Arme über den Kopf ausgestreckt . Ueber dem gewaltigen Deckbett hing noch ein bunter , schön gewebter Teppich bis zum Boden . Sein Ahnherr , der mit Ludwig dem Baiern in Tirol gewesen , hatte ihn mitgebracht , als ein Angebinde der durchlauchtigen Fürstin , Frau Margarethe , Maultasch genannt . Wenn der Ritter unruhig schlief , lag der Teppich , wohl auch das Deckbett , auf der Erde . Ein gutes Zeichen für die Frauen , daß heut die Decken lagen , als habe sie der Kaspar erst über seinen Herrn gebreitet . Aber wo nun suchen ? - Da sahen sich plötzlich beide lächelnd an , und beide Fingerspitzen zeigten auf denselben Punkt . - Er lag mit dem Kopfe drauf ! Ach , ein geschickter Dieb stiehlt auch das Pfuel unter dem Kopfe fort ; aber die Beinenden hatte er sich um die Arme geschlungen und noch mit der Schnur fest an ' s Gelenk gebunden . Wer sollte sie ihm da stehlen ! Im Lager und im Kriege möcht ' ich das nicht rathen ; wie will er aufspringen , wenn die Lärmtrompete dröhnt ! Aber auch im eignen Hause half ' s dem guten Herrn Gottfried wenig , denn wo siegt nicht Weiberlist über Männerklugheit ! Da hielt die Mutter die Ampel etwas in die Höh ' und Eva streichelte mit ihrem kleinen Finger des Vaters Bart. Er lächelte vergnügt : » Katze , was willst Du ? « brummte er freundlich . Er drehte den Kopf , die eine Hand ward frei . Die Schleife des Riemens war gelöst . Was beschreibe ich ' s nun , es ließe sich wohl besser malen , wie Eva mit verhaltenem Athem und mit einem Elfengriffe Herrn Gottfried den Kopf so sanft hielt , daß er im weichsten Pfuel nicht weicher liegen konnte , und die Mutter zog leise , leise unter dem Kopfe . Nun hielt sie ' s in der Hand , nun athmete sie wieder , nun ließ Eva den Kopf sanft auf das Kissen gleiten , und Beide sahen sich an . Es war gelungen . » Auch das ! « dachte Frau Brigitte , als sie den Degen des Ritters an der Wand sah ; aber Eva griff ihr in den Arm : » Mutter , Du wirst doch nicht dem Vater sein Schwert nehmen ! « Nein , ein freier Mann durfte nicht ohne sein Schwert sein , auch auf die Gefahr , daß er es gegen seinen Fürsten zog . Das war jedem damals klar , auch dem Fürsten , und die gute Frau von Bredow erröthete , daß es ihr nur auf einen Augenblick aus dem Sinne gekommen . Die Wagen rollten schon auf dem Damme , und die letzten Reiter harrten der Nachzügler , als die Edelfrau und ihre Tochter über den dunklen Hof kamen . Noch einmal schaute Frau Brigitte auf die großen Schatten der Thürme und Mauern , und die starke Frau zitterte etwas , als die lange , dunkle Gestalt des Knechtes Ruprecht stumm vorüberschritt , und , ihrer wartend , an das Fallgitter sich stellte . Da gelobte sie , wenn Alles gut abginge , der Mutter Gottes in Zehdenik ein neues Kleid mit Goldfranzen , und Eva sagte : » Und Schwester Agnes wird für uns beten , wenn es nicht recht war . « Der Knecht ließ das Fallgitter sanft fallen und schloß das Thor von außen . Auf ihren Knien , unter dem Mantel , hielt sie das gestohlene Gut . Nachts im Walde umschleichen uns unheimliche Gedanken . Die Natur verlangte ihr Recht , sie nickte ein . Da fuhr sie plötzlich auf , wenn der Wagen über eine Wurzel fuhr , und preßte das Kleid fest an sich . Hatte es ihr entgleiten wollen , wie eine Schlange , oder hatte ein langer , schwarzer Arm aus den entlaubten Bäumen danach gegriffen ? - Wenn er nun erwachte vor der Zeit , über die Mauer sprang , ihr nachsetzte ! Wie sollte sie ihn ansehen ! Oder wenn die bösen Gesellen ihn abholen kamen , wenn sie ihnen jetzt begegneten ! Wenn - hundert Wenn ' s ängsteten die arme Frau . Wenn sie nur erst die Hunde in Golzow anschlagen gehört , wenn ein guter Mann des Weges gekommen wäre , dem sie das Gut in sichere Hände anvertrauen dürfen ! Es drückte sie wie Blei ; sie mochte es nicht länger halten . Zuweilen dachte sie daran , es dem Knecht Ruprecht zu geben , daß er damit nach Golzow vorauf ritte . Aber was hätten die in Golzow dazu gesagt , wenn die Hosen des Herrn von Bredow angekommen wären , und nichts weiter ! Da hörte man durch den stillen Wald Hufschläge . Ein einzelner Reiter galoppirte vorbei . Gott sei Dank ! dachte Frau von Bredow , er reitet vorüber . Er reitet gewiß nach Ziatz . Wenn er nur nicht umkehrt ! - Was bog sich Eva nach dem Reiter um ? » Hans Jürgen ! « rief sie plötzlich in die Nacht hinein mit ihrer hellen , fröhlichen Silberstimme . Hans Jürgen war umgekehrt , der liebe , gute Hans Jürgen . » Das Kind kann doch durch die Nacht sehn . « Wer hätte an den Hans Jürgen gedacht , der damals am Fließ Wache stehen mußte , wenn er jetzt sah , wie die Frau mit ihm Hände schüttelte , und so mußte er sich über die Leiter biegen , daß sie ihm beim Kopf fassen und ihm einen herzhaften Kuß geben konnte . Und da er einmal sich über die Leiter gebogen , hielt er ' s für artig und anständig , auch seiner Muhme Eva einen Kuß zu geben , und nachdem er ihr einen Kuß gegeben , meinte sie , es schicke sich , daß sie ihm wieder einen Kuß gebe . Ein Freund in der Nacht und im Walde ist beinah wie ein Freund in der Noth . Da war es , als schiene plötzlich ein helles Licht in dem dunklen Wald , während Hans Jürgen , der Kehrt gemacht , langsam neben dem Wagen ritt , und ihnen erzählte , was er wußte , und sie erzählten ihm , was sie wußten . Hans Jürgen war nicht mehr Hans Jürgen , den man in die Schwemme schicken konnte ; sein Kurfürst hatte ihn nach Pommern , und dann nach Mecklenburg geschickt in besonderen Aufträgen , und jetzt kam er vom Schloß des Brandenburger Bischofs in Ziesar , um in die Lausitz zu reiten , und von da nach Berlin zurück , und alles , was ihm aufgetragen , hatte er gut verrichtet . Unterwegs hatte er ansprechen wollen bei seinen Blutsfreunden in Ziatz . » Das kannst Du nun jetzt nicht , Hans Jürgen , « sagte nachdenklich die Frau , aber plötzlich blitzte in ihr ein Gedanke auf . Sie ließ den Ruprecht halten , sie stieg vom Wagen , und der Reiter vom Pferde , dann ging sie mit ihm ein Paar Schritte auf und ab , und sie sprachen , und schienen einig , und die Frau sehr vergnügt . Gleich darauf packte sie die Lederbüchsen in einen Sack , und Hans Jürgen steckte noch da hinein das Kettenhemde und die Büffelhaube seines Ohms , schnürte alles fest zu , und legte es und band es auf sein Roß . Dann sprach sie zu ihm : » So also sprichst Du zum gnädigsten Kurfürsten , nämlich ich meine , die rechten Worte wirst Du schon unterwegs finden . Wenn böse Leute , wie dazumal , sagen sollten . Dein Ohm wäre mit ausgeritten , wo er nicht reiten soll , so kannst Du schwören , er ist nicht dabei . Du hast seine Haube und sein Hemde , und was er sonst nie vom Leibe thut . Das schicke ich alles Seiner Kurfürstlichen Gnaden , zum Zeichen , daß mein Herr unschuldig und verredet ist , und damit kein anderer böse Bube es anzieht , und mein Götz kommt darum in ' s Unglück . So kannst Du sprechen , und dann sprichst Du die Wahrheit . « Nun saß er wieder auf dem Pferde , und die Frau auf dem Wagen . Ob er sich noch ein Mal über die Leiter gebogen , um auch zum Abschied , weil es anständig und artig , seine Muhme zu küssen , davon steht nichts in den Chroniken zu lesen . Aber er ritt sehr vergnügt in den Wald , und Eva war es , als blühten die dürren Bäume , und die Nachtigallen sängen und Frau Brigitte sprach bei sich : » Gott sei Dank , nun bin ich sie los und Alles wird gut . « Fußnoten 1 Der Bischof Scultetus von Brandenburg » war ein fürtrefflicher Redner , konnte drei Stunden lang Quinones halten , so er einen guten Rausch hatte und auch wann er nüchern war , « sagte Angelus . Dreiundzwanzigstes Kapitel . Die Köpnicker Haide . » Der kommt ungelegen , « sprachen zwei Reiter , die am grauenden Morgen durch ' die Köpnicker Haide ritten , als der Wind einen ersten , leichten Schnee ihnen in ' s Gesicht trieb . Es waren ritterbürtige Leute ; aber mit den kurzen Waffen und in ihren Büffelkollern und Wolfspelzen , unter denen die Panzerhemden verrätherisch blinkten , ritten sie nicht zu Hof und Hochzeit . Der Morgen war rauh und unfreundlich wie ihre Gesichter . Sie folgten einem wenig befahrenen Holzwege . Wo der Wald sich lichtete , hielten sie , wie um zu horchen . In weiter Ferne hörte man dumpfe Hufschläge . Auf der andern Seite der Lichtung schimmerte aus der Niederung eine verfallene Lehmhütte , deren wettergepeitschtes , schiefes Dach allmälich seine braune Farbe verlor . Der eine , Ritter schien gerade dies Dach mit besonderer Aufmerksamkeit zu betrachten : » Siehst Du , Wedigo , es wird weiß . « Der andere strich aus seinem rothen Knebelbart den Morgennebel : » Es bleibt aber nicht weiß . Der Rauch schmilzt es da am Schlott . Die Sonne thut ' s für uns nachher . « » Bis 9 Uhr , wo er kommen soll , hat sie nicht die Kraft . « » Und wenn nicht , was weiter ! « » Was weiter , schwere Noth ! Sollen wir wie die Eichkatzen an den Baumästen klettern ? An die siebzig , die von links und rechts kommen , müssen doch Tapfen lassen . Es wäre die Pestilenz , wenn er Wind bekäme , und es ginge wieder quer . « » Ist er nur bis zum Süßengrund , dann mögen sie uns wittern . « » O dieser süße Grund ! « knirschte der Andere , » er soll ihm ein bittrer , saurer werden ! « » Wenn Kaspar Flanz pfeift , so laut er will , mag ihm ein Vöglein singen , ' s ist zu spät . Er kommt nicht mehr nach Köln zurück . « » Mordio ! « Der Andre schüttelte an seinem Degen . » Nur heut keine Memmen ! « » Kannst Du noch zweifeln ? « » Was Adelige sind , nein . Aber daß wir bei so was nicht unter uns sind ! Ich ward überstimmt . « » Was plagst Du Dich mit Argwohn , Adam ! Unsere Knechte sind Dir Kerle , die im Feuer gesotten wurden . Was hat so ein Bauersohn , dem sie sein Haus in Asche gelegt , und auf seinem Acker wachsen Nesseln ? Meinst Du , daß sie lieber Disteln ausreuten und hinter ' m Pfluge keuchen , als mit uns durch die Haide preschen ? Satan könnte sich keine bessere Gesellen wünschen , als märkische Bauern , die nichts mehr hinter sich haben und ein frei Leben vor sich . Ich habe so ein Paar Lümmel : ihre Schwielenhaut ward in Sonne und Sturm wie ein Panzerhemd , und ihre Sehnen sind wie Eisen . Auf die ist Verlaß ; ließen sich für mich ein Stündlein zum Vergnügen auf die Folter recken . Wenn man den Menschen die Krippe nicht zu hoch schnallt , sind alle Menschen gut . « Sie ritten , am Waldrande sich haltend , auf das Haus zu , um , nach der Verabredung , die ersten zu sein , schienen aber verwundert , als sie im Wege schon eine frische Pferdespur fanden . » Das fordert Vorsicht , « sprach Wedigo und sprang vom Roß , das er an einen Ast band , um von hinten an das Haus zu schleichen . Aber lächelnden Gesichtes war Wedigo zu seinem Gefährten zurückgekehrt , flüsterte ihm einen Namen zu , der auch diesem ein Lächeln abnöthigte , derweil die Ankunft anderer Reiter beider Aufmerksamkeit in Anspruch nahm . Alle kamen auf Nebenwegen mit derselben Vorsicht heran ; alle vermummt . Einige mit alten Helmen und geschlossenen Visiren , alle wohl bewaffnet . Ihrer Tracht nach schien keiner vornehmer als der andere zu sein . Aber in jeder Gemeinschaft muß es Führer und Häupter geben , und wo keine sind , da machen sie sich von selbst . Man ritt an einander , man wechselte leise Worte , Winke und Händedrücken , bis ihrer so viele beisammen waren , daß die Ordnung nöthig schien , welche nur ein Befehlshaber herstellen kann . Einer , der seine stolze Haltung nur schlecht unter dem Schafpelz verbarg , winkte seine Befehle einem andern im schwarzen Büffelkoller zu , der nun unter den Gruppen umherritt und sie austheilte . Einige stiegen von den Pferden , und vertheilten sich in den Wald , andere hielten zu Roß an dem Saum der Lichtung Wache . Erst dann traten die Andern in einen Kreis und pflogen , wie es den Anschein hatte , Rathes , der aber bald lauter wurde , als sich für solchen Ort schicken mochte . » Himmel und Hölle ! « rief mit gedämpfter Stimme der im Schafpelz und hob beide Arme in die Höhe , » wir haben ihn noch nicht . Nachher davon , Ihr Herren , hier thut uns Anderes Noth ! « Aber seine Gründe schienen nicht Alle zu überzeugen , der Lärm , das Geschrei , wenn gleich mit unterdrückten Stimmen , ward lauter . Einige Mißvergnügte ritten auch schon aus dem Kreise , und sonderten sich in Gruppen . » Dacht ' ich ' s doch , « rief Einer . » Wo die Klugsprecher sind , ist auch Verrath . Wer setzt denn um nichts den Hals daran ! « » Warte nur , bis der Otterstädt kommt , « entgegnete der , welcher ihn zur Rückkehr zu bewegen suchte . » Der ! Wer am Hof ist , züngelt . « » Gieb Dich nur jetzt Christoph . « » Gieb Dich , gieb nach , warte nur , so heißt ' s allzeit . Wenn ' s nun nicht geschieht , hol ' s der Teufel , und ich konnte in Kyritz einreiten ! Zusammenhalten ! Schönes Wort ! Der Hund heult und der Wolf schluckt ' s. Wovon sollen wir leben ? An unsern Fingern kauen , wenn wir die Zeit nicht nutzen ! Ich hab ' nichts mehr , darum bin ich hier . ' S läuft Alles auf ' s Dienen raus , Adam , wo die Klugsprecher an ' s Regiment kommen . « » Die Noth ist unser Aller . Die großen Herren - « » Salviren sich , wenn ' s schlimm geht , uns hängen sie . Wenn ' s gut geht , ihre Taschen werden voll ; uns schmieren sie Redensarten in ' s Maul . Hab ' die letzte Kuh verkauft zur Rüstung , und nun soll ich warten auf den Landtag . Und da wird parlirt , und dann heißt ' s : Die Ordnung will - Ich kenne das . Ich - auf die Ordnung . ' S ist mir kein Wort so zuwider . Kriege Bauchgrimmen , wenn ich ' s höre . « Adam flüsterte ihm Namen in ' s Ohr : » Volle Katzen haben sie mitgebracht . Es soll Keinem fehlen , der Geld braucht . « » Das heißt , wenn Du gut Bedienter spielst , wirst Du gut bezahlt . Seine Leute bezahlt der Kurfürst auch . So kommt der arme Mann runter . So ist mancher gute Mann in der Mark zum Dienstboten worden . « » Wer nichts hat , muß dem Andern dienen , der was hat . ' S geht schon nicht anders in der Welt . « » ' S ginge schon , wenn « - antwortete Christoph . Der Sturm und das heftigere Schneegestöber trugen das Wenn des Junkers in die Luft , und trieben die Versammelten in ' s Haus , zum Vortheil der Anführer vielleicht . Die niedrige Stube des Haidewirths mochte noch nie eine so ansehnliche Versammlung in ihren zerbröckelten Wänden gesehen haben ; mit ihren Fensteröffnungen , die mit Lumpen verklebt waren , und einem Lehmboden , der an Stellen einem Sumpf ähnlich sah . Hitze und Dampf qualmten aus dem gemauerten Ofen . Rohe Bänke und Tische , zerbrochene Gläser und Krüge im Schrank und ein Himmelbett waren die einzigen leblosen Dinge . Der Wirth , ein verdächtiges , tückisches Gesicht , mit einem Auge , und ein gespornter Mann , der , mit dickem Wolfspelz überdeckt , auf der Ofenbank schlief , die einzigen lebendigen Wesen , als die Ritter hereindrängten , und den Schnee von ihren Schultern abstampften , was kaum nöthig schien , da ihn die Hitze sogleich schmolz . » Unsinn ! « rief der Anführer , der von den Andern Wigand genannt wurde und warf sich auf einen Schemel , daß die Rüstung unterm Pelz klirrte . » Unsinn in diesem Augenblick damit vorzukommen . Ich sage Euch , wenn wir uns nicht bändigen , haben wir verloren auch wenn ' s gelang . Meint ihr denn , daß es ein leichtes Ding ist ? Ihn zu fassen , ja . Aber so wir ' s nicht geschickt angreifen , bleibt es ein Ast , den wir vom Baume reißen , und der Baum steht da und lacht uns aus . Vor hundert Jahren war es anders , und unsere Väter haben doch verloren . Jetzt hat der Baum hundertjährige Wurzeln unter sich , Deutschland war ein anderes , die Meinung ist für ihn , es ist ein gewaltiger Kaiser da . Wenn wir nicht jetzt mit aller Vorsicht zu Werke geh ' n , wenn wir nicht die Meinung für uns gewinnen , haben wir ein schlecht Schauspiel zum schlechtesten , kläglichsten Ende gebracht . Verrückt , toll wären wir , so wir in dem Augenblick die Städte gegen uns aufbrächten . Jetzt an Wegelagerung , an Plackereien zu denken , ich sage Euch , besser , Ihr schnittet Euch die Kehle mit dem Brodmesser ab . Es kommt nur , es kommt Alles darauf an , der Sache ein gut Gesicht zu geben . Es kommt darauf an , jetzt zu geben , nicht zu nehmen . So unsere Väter es damals nicht mit den Städten verdorben , hätten sie auf die Dauer verschlungene Arme mit uns gemacht , die faule Grete hätte nicht vor unsern Schlössern gebrummt , sie wär ' im Sande stecken blieben ; wir hätten die Nürnberger wie den Hohenloher zu Paaren getrieben , bis ihnen die Lust verging . « » Hätten ist nicht hatten , « sagte Einer . Die Rede schien wenig Eindruck auf die Mehrzahl gemacht zu haben . » Beim Blut von Wilsnack ! was wollt Ihr denn ? « rief der erste Redner , den eisernen Arm auf den Tisch legend . » Wer nicht die Zeit , wie sie ist , im Aug ' hat und faßt , der verspielt auch die Gunst des Augenblicks . Was haben wir denn , wenn wir ihn haben ; und auch wenn er nicht mehr ist , was denn ? - Das Herzblut springt Euch bei dem Gedanken , daß Ihr Eure Rache kühlt . Glaubt Ihr , daß mein Herz nicht auch jubelt ? Aber so handelt das Vieh . Könnt Ihr nur an heut denken ? Ist das Morgen Euch mit Brettern vernagelt ? « » Sprich , sprich , Wigand ! « sagten Einige . » Städte , Fürsten , Kaiser , Reich stehen auf . Die Acht wird gegen uns geschleudert . Meint Ihr , daß die Sachsen , die Pommern , die Mecklenburger , die Magdeburger nur einen Augenblick anstehen , Exekutionsheere zu schicken ! O , wir haben gute Nachbarn . Wo sind unsre festen Burgen , wo die dicken Mauern , dahinter wir ihnen in die Zähne lachen können ? Wollt Ihr Alles auf ' s Spiel setzen um einen heißen vollen Trunk ? « » Wigand hat Recht ! « sagte Einer . Die Andern schwiegen . » Ich habe Recht . Ich weiß , daß Joachim grad jetzt Boten ausgesendet zu den Pommern , zu allen Fürsten in der Runde zu einem großen Vertrage gegen die Plaker , wie sie ' s nennen , gegen die Ritter aus dem Stegreif . Jeder macht sich anheischig , die Landschädiger zu fahnden , greifen und richten , auf weß Gebiet sie betroffen werden . Wird unsere That laut und wir thun jetzt nichts weiter , so heißt ' s durch die ganze Welt : wir sind Stegreifritter , wir thaten nichts als uns zu rächen , und Ihr wollt doch mehr , Ihr Herren , Ihr wollt andere Unbill rächen , alte , schlimme , verjährte , Ihr wollt Euer Recht wieder fordern , das Gott Euch gab , und die Fürsten aus Nürnberg nahmen ' s Euch . « » Das wollen wir , « rief Wedigo , an seine eiserne Brust schlagend . » Das Land war unser , die Wege und Straßen , unserer Väter waren sie , unser das Recht und ihrer das Unrecht . Das wollen wir und weiter jetzt nichts , dazu zeigt Gott uns den Augenblick . Wozu langes Fackeln ! Viel Reden kühlt das heiße Blut . Was nachher , findet sich nachher . « Ein Dritter fiel ein : » Daß wir nicht hier sind , einen Milchbrei zu essen , weiß Jeder . Mag ' s ein heißer Brei sein , daran wir uns den Mund verbrennen ; genug , wir sind geschworen , und unter uns ist kein Hundsfott , der den Eid bricht . « » Was sollen uns die Städte ? « sagt ein Anderer . » Die liegen wie der Dachs in ihrem Fett , froh , wenn man sie in Ruhe läßt . Schüchtert sie ein , so geben sie sich in das , was nicht zu ändern ist . Aber sie stehen nicht zu uns , und wenn sie zu uns ständen - « » So hätten wir eine Macht auf unserer Seite , die Ihr hoch anschlagen könnt , « fiel der Anführer ein . » Um aller Heiligen Blut willen , hört mich noch an . Die Bürger knurren , glaubt mir ' s , es gährt auch dort . Nur einen Brand hinein geschleudert . Wenn wir die Städte gewinnen , nur einige , nur die bessern , so können wir sagen , das ganze Land hat sich erhoben , die Unbill , die Ungerechtigkeit war nicht mehr zu tragen . Das giebt unserer Sache ein Ansehen . Vor einem ganzen Lande , das aufsteht seine Voigte , seine Zwingherren abschüttelt , hat auch das Reich Respect . Hat Österreich die Waldstätte wieder gewonnen ? Dort traten Alle zusammen , Bauern , Städte , Adel . Wär ' unsere Sache schlimmer , so wir Alle , Einer nach dem Andern , hingen , Gut , Blut , Leben für die Freiheit einsetzen ? Die alten Voigte , so die Kaiser in die Marken setzten , waren gut . Darauf kamen schlimmere und immer schlimmere , die Baiern , die Luxemburger ; sie halfen uns nicht , wir mußten uns selbst helfen . Wer beweist uns , wenn wir das Schwert zücken , daß unser Recht ausging , uns wieder selbst zu helfen ! Wagt es , Freunde , das auszusprechen ! Wer wagt , gewinnt . Verwirkt hat er , der tolle , eigensinnige Knabe , der nicht mehr Voigt sein will des Reichs , der unsere Statuten , Satzungen , unsere alten Rechte freventlich zertritt , der adlig Blut vergießt um Lumpereien , der seine Grillen uns zu Gesetzen geben will , verwirkt hat er die Herrschaft . Erhebt Eure Stimmen , schreit Zeter mit tausend Kehlen , laßt tausend Briefe es schreiben , schickt Druckschriften durch das Reich , klagt , um nicht angeklagt zu werden . Er hat keine Kinder , keine Brüder . Bis die Sippschaft aus Franken klagt , bittet , belehnt wird , bis sie mit Truppen anrückt , sind wir in Besitz und stark , wenn wir einig sind . « Die Bilder , welche der Redner erweckte , hatten etwas Anziehendes . Die Roheren schienen verstummt . Andere warfen ein , das Reich könne es nicht dulden , der Kaiser werde es nicht . » Wenn wir unterliegen ! « rief Wigand . » Der Sieger schreibt überall Gesetze vor . Schlagen wir die Ersten , die kommen , aus dem Felde und warten die Andern ab , gesattelt und gerüstet , sie werden wahrhaft nicht lüstern werden nach der unfruchtbaren Erbschaft . Ich wiederhole Euch , hätten die Puttlitze , die Quitzow , die Rochow , die Bredow vor hundert Jahren den Städten nur den kleinen Finger gereicht , statt ihre Bürger zu zwicken und zu werfen , so gäb ' s keinen Nürnberger zwischen Elbe und Oder , wir hätten reichsfreie Geschlechter , reichsfreie Städte . Und nichts ist zu spät , wo es gilt