rüstete sich zum Aufbruch und wollte mit Pomp , dahinfahren . Dem Vreneli wollte er einen Zehnbätzler in die Hand drücken , es wandte sich rasch weg und sagte , es nehme kein Geld . Vor der Küche traf er auf die , die sein Roß zäumten , denen Uli zu Hülfe kommen mußte , weil es den Kopf gar hoch hielt . Da druckte er unversehens Uli auch einen Zehnbätzler in die Hand . Wie der sah , was er hatte und wer es gab , ließ er es , ohne ein Wort zu reden , fallen , wie wenn es ihn gebrannt hätte , machte den Zaum zurecht und tat , als wenn der Herr und sein Geld gar nicht da wären . Derselbe las den Zehnbätzler wieder auf und dachte bei sich : Das sind mir puckte Leute , denen will ich es eintreiben . Dreiundzwanzigstes Kapitel Von nachträglichen Verlegenheiten , welche statt des Friedens aus der Verlobung kommen Als er endlich fort war und die Leute wieder zur eigentlichen Besinnung kamen , fanden sie sich schweren Herzens , Elisi ausgenommen . Was wird Uli machen , was wird Johannes sagen , wie wird alles gehen ? rüttelte die Leute gewaltig aus ihrem ruhigen Leben auf . Zu ihrer großen Verwunderung sagte Uli nichts und tat so kaltblütig , als ob ihn das nichts anginge , und wenn seine Mitdiensten ihn aufziehen wollten , so schmunzelte er , daß die Leute nicht wußten , woran sie mit ihm waren . Ja mehr und mehr konnte er es auch von ganzem Herzen tun , denn jetzt , da die Sache vorbei war , war es ihm , als ob er , aus schwerem , dummem Traum erwacht , viel leichter geworden sei . Das Geld , das Gut hatte ihn wie mit einem Blendwerk umstrickt , er mußte die Sache nun von dieser Seite ansehen und übersah Elisis Persönlichkeit mehr und mehr . Jetzt , da ihm diese wieder ins grelle Licht trat , jetzt ging er mehr und mehr dem Standpunkt zu , auf welchem er Gott danken mußte , dieser Gefahr entronnen zu sein . Mehr und mehr begriff er , wie unglücklich ein Mann bei allem Gelde sein müsse mit einem solchen Ding zur Frau . Jetzt erst begann er seinen alten Meister zu fassen , und er dachte manchmal , wenn er nur bald zu ihm käme , daß er ihm sein Mißtrauen abbitten könnte . Indessen stund es in ihm fest , den Dienst aufzusagen , da wollte er nicht mehr bleiben ; er wartete nur eine Gelegenheit ab , es zu tun . Wo ein solcher Halunk Tochtermann sei , da sei seines Bleibens nicht , dachte er , und daß der Baumwollenhändler ein Halunk sei , das sagte ihm immer deutlicher sein eigenes Bewußtsein , so wie ihm die Gründe immer klarer wurden , warum er selbst Elisi eigentlich gewollt . Er mußte sich sagen , daß wenn er nur die Hälfte des Zehntens gehabt , welchen der Schminggel vorspiegle , er an Elisi nie gedacht hätte . Nicht so kaltblütig benahmen sich Johannes und seine Frau . Elisi wollte hin , es ihnen anzukündigen und seine Uhr zu zeigen , allein weder der Vater noch die Mutter wollten mit , und alleine durfte Elisi es doch nicht wagen . Man schrieb . Wie aus einer Kanone kam das Ehepaar dahergefahren mit Schnauben und Tosen . Gepläret , geflucht wurde an selbem Tag in der Glunggen wie vielleicht seit hundert Jahren nie . Es war kein Schimpfname , den Johannes dem Bräutigam nicht gab , kein Laster , das er nicht haben sollte , kein Fluch , mit dem er ihn nicht belegte , und Trinette fügte noch unter Schluchzen und Schnüpfen bei , was Johannes vergaß . Ds Elisi sparte auch sein Maul nicht , wäre aber von dem Bruder geprügelt worden , wenn die Mutter nicht gewehrt . » Da hast dus jetzt , « sagte Joggeli , » da siehst dus , wies geht ; da kann ich die Suppe ausessen helfen , die ihr eingebrockt . « Johannes übergab sich unzählige Male dem Teufel , wenn er je wieder einen Fuß in die Glungge setze , wenn sie einem solchen Donners verfluchten Saufötzel ihre Tochter geben würden . Jetzt suchte er Uli wieder auf und fluchte auch bei ihm sich aus . Er verfluchte sich hunderttausendmal , daß wenn der Donners Plätter doch einen Mann hätte haben müssen , er hunderttausendmal lieber Uli zum Schwager gehabt . Natürlich , ledig wäre ihm das Mönsch am liebsten gewesen , sagte er , was brauche es das Geld zu vermannen ! » Aber wie die Schelmen haben sie an dir gehandelt . Gäll , wärest du zu mir gekommen ! Aber du kommst noch , bei den verfluchten Donnern bleibst du nicht ! « Uli gab wenig und ausweichenden Bescheid und war froh , als Johannes mit Schnauben und Tosen von dannen gefahren war . Der arme Teufel hatte von dem Tage nichts , als daß seine Frau ihn um eine solche Uhr und Kette plagte , bis sie dieselbe hatte . Joggeli hatte noch andere Erkundigungen eingezogen , sie waren ungünstig , ausweichend , oberflächlich gut . Er sei ein Windbeutel , dem nicht zu trauen sei , zeige viel Geld und habe keins , wenn man von ihm wolle , sagten die Einen ; man wisse nichts Genaues über ihn , er scheine Geschäfte zu machen , aber man sei nicht in direktem Verkehr , die Zweiten ; er sei ein artiger , gewandter junger Mann , der seinen Weg machen werde und , so viel man merke , Vermögen besitze , die Dritten . Je näher das Ende des Termins kam , desto schwerer ward das Herz den Alten , besonders der guten Mutter , der Joggeli alles aufbürdete . Sie wären lieber zurückgegangen , ja die Alte hätte Elisi fast lieber dem Uli gegeben ; allein so oft davon die Rede war , tat Elisi wie eine Besessene , verdrehte die Glieder , bekam Schaum vor den Mund , daß sie sich vor dem fallenden Weh fürchteten . Als der Termin aus war , an einem Tage , an welchem es regnete und windete , daß man nicht leicht einen Hund zur Türe ausgelassen hätte , kam der Baumwollenhändler wieder angefahren . Trübselig wie sein Herbeifahren war sein Empfang . Es zeigte sich kein Knecht , das Roß abzunehmen , Elisi blieb wegen dem Luft zehn Schritte von ihm am Schermen stehen , keine Jungfrau kam mit einem Regenschirm , die Alten zeigten sich nicht . Es ging noch ärger , als wo Uli anlangte als neuer Meisterknecht . Es ging lange , bis er unter Dach war , naß und fröstelnd , lange , bis er sein Gesicht in die üblichen freundlichen Falten gelegt , und noch länger , bis die Alten kamen , aber auch frostig , so daß alle waren , Elisi ausgenommen , wie wenn sie bei zwanzig Grad Kälte in einem ungeheizten Zimmer einander amüsieren sollten . Nach langen Vor- und Einreden fragte endlich der Baumwollenhändler : Ob er jetzt wohl den Ring , den er mitgebracht , der Jungfer Elise als seiner lieben Braut an den Finger stecken dürfte . Die Alten machten beträchtliche Gesichter . Eins sah das Andere an , endlich sagte Joggeli : Er wisse neue nit , sie hätten allerlei vernommen , und der Sohn sei sich neue gar nicht zufrieden . Das Letztere sei ihm ganz begreiflich , sagte der Händler ; aber wenn er die Ehre hätte , ihren Herrn Sohn persönlich zu kennen , so würde er garantieren , daß derselbe nichts gegen ihn hätte als eben , daß er seine Jungfer Schwester heiraten möchte und somit an seinem künftigen Erbe ihm zu schaden scheine . Ebenso begreiflich sei ihm das Andere . Er hätte schon lange viele Neider gehabt , und jetzt seien noch viel mehr derselben entstanden , die ihm sein Glück mißgönnten und ihn von Jungfer Elise zu trennen suchten . Nun erzählte er lange Geschichten , was man ihm von ihnen erzählt und wie man ihn abspenstig zu machen gesucht , ihm vorgestellt , wie er betrogen , unglücklich werden werde . Aber er kenne die Leute zu gut , kenne nicht umsonst den Weg von Moskau bis Lissabon , daß er ihn mit verbundenen Augen finden könnte ; er wüßte , was die Leute seien und könnten . Sie könnten sich nun denken , wenn man über sie , so ehrbare , honette Leute , die ein so geregeltes Leben auf ihrem Gute führten , solche Dinge erzählen könne , so müßte man sicher von ihm , dem lebhaften jungen Mann , noch viel leichter etwas zu ersinnen wissen . Es seien nie Zwei zusammengekommen , daß den Leuten die Mäuler nicht voneinandergegangen . Er wisse neue nicht , sagte Joggeli , aber es düeche ihn , es wäre wohl am besten , wenn man sich nicht pressierte und noch so ein Jahr wartete ; während der Zeit lernte man sich besser kennen , und Beide seien noch jung , sie veralteten nicht . In zwei oder drei Jahren könnten sie perfekt gleich heiraten wie jetzt und wären Beide um so viel witziger geworden . Man habe ja Beispiele , daß Leute zwanzig Jahre miteinander versprochen gewesen wären , und es heiße , die seien gerade am glücklichsten gewesen , und er glaube es , da habe man der Zeit gehabt , einander dLün abzluegen . Wenn man so zsämefüßlige dareinspringe , so fehle es eim gar gerne . Da fing ds Elisi zu heulen und zu schreien an , und als man endlich vernahm , was es sagte , so waren es gräßliche Protestationen gegen solche Verzögerung . Sie wollten es metzgen , schrie es , damit der Kerli zFrevligen desto mehr hätte ; aber so wahr ein Gott im Himmel sei , sollte es sie gereuen , es wisse schon , was es mache usw. Nachdem der Baumwollenhändler diesen Ausbruch hatte wirken lassen , besänftigte er Elisi mit zärtlichen Reden und wandte sich dann in rührsamer Ausdrucksweise an die Eltern . Ob sie das Herz hätten , ihr Kind so unglücklich zu machen und ihn dazu ; sie könnten ja sehen , wie sie aneinander hingen . Und warum unglücklich machen ihr eigenes Kind ? Wegen neidischen , unbegründeten Äußerungen , die bei jeder Heirat üblich seien ? Warum ? Weil ein Bruder , der , wie es scheine , viel nötig habe , nicht gerne mit seiner Schwester teilen wolle ? Nein , so hart , so unbarmherzig , so steinernen Herzens könnten sie sicher nicht sein ! Nein , er wisse , sie seien gute , liebe Leute und glaubten an Gott und an eine Seligkeit , und darum bitte er noch einmal bei seiner und ihrer Seligkeit um die Hand der teuren Jungfer Elise , damit sie miteinander die Pfade der Tugend und der Moral wandern könnten , bis sie Gott einst zu einem seligen Leben hinaufnehme in seinen Himmel , wo sie einander alle wiederfinden und alle in alle Ewigkeit miteinander glücklich sein könnten . Der guten Mutter liefen die Tränen wieder über die roten Backen , und Joggeli sagte : » In Gottsname , wenn ihrs zwingen wollt , so zwingts ; aber ich will nicht schuld sein , es mag gehen , wie es will . « » In Gottsname , « sagte die Mutter , » es hat so sollen sein , und wenn etwas sein soll , da kann man lange wehren . Aber seht jetzt selbst , daß ihr glücklich werdet . Wenn ihr es nicht werdet , so vermögen wir uns dessen nicht . « » Oh , « sagte der Baumwollenhändler , » was das Glück anbelangt , so habt keinen Kummer , wer wollte mit der teuren Elise nicht glücklich sein ! Ich garantiere , wir wollen nie klagen . Das habe ich doch gedacht , daß Ihre guten Herzen nicht zwei Leute unglücklich machen werden . Kommt , Elise , laßt uns den teuren Eltern danken für unser Glück , danken , daß sie uns mehr geglaubt als bösen Leuten . « Bei der Hand faßte er Elisi und zog sie zu den Eltern und fiel darauf der Mutter um den Hals und küßte sie . Ihrer Lebelang hätte es ihr niemand so unerchannt gemacht , sagte sie später . Dann fiel er dem Joggeli um den Hals , daß der den Husten bekam fast zum Ersticken . Ds Elisi hätte eigentlich auch um den Hals fallen sollen , aber es hatte eben ein Stück Züpfen in der Hand , die wäre ihm brosmet . Es fand daher vernünftiger , ruhig zu bleiben und seine Züpfe zu essen . Als aber der Baumwollenhändler mit den Eltern fertig war , riß er in seinem mannlichen Ungestüm die Tochter an seine hochschlagende Brust , achtete sich aber der Züpfe zu wenig ; die kam ins Gedränge , so daß Elisi schreien mußte : » Herr Jeses , my Züpfe , Ihr vrdrücket mr se ganz ; wartet doch , bis ih se weggleit ha ! « Der Baumwollenhändler tat sehr glücklich , konnte nicht aufhören , von Einem zum Andern zu gehen , die Hände zu drücken und zu sagen , er könne Gott im Himmel nicht genug danken für sein Glück ; es sei der schönste Tag seines Lebens , und der müsse würdig gefeiert sein . Darauf ging er hinaus zu seiner Chaise . Es möge nun gehen , wie es wolle , sagte die Mutter mit einem Seufzer , jedenfalls habe er ein gutes Herz und Religion . Das sei aber die Hauptsache , was man mehr wolle ? Er kam zurück mit Flaschen und sagte : Sie hätten letzthin von Wein geredet ; er habe gedacht , er wolle ihnen einige Muster mitbringen , sie müßten auch wissen , was Wein sei . Da er das Glück haben sollte , seine liebe Elise zu erhalten , so zieme es sich nicht , an einem solchen Tag gemeinen Wein zu trinken . Solchen Wein trinke man nicht alle Tage ; ihnen aber könnte er ihn liefern um einen Spott , wenn er schon nicht Weinhändler sei . Aber wenn man viel in der Welt herumkomme und die Augen mitten im Kopf habe , so wisse man bald , wo man die besten Sachen am wohlfeilsten bekommen könne . So habe er gerade die schönsten Geschäfte gemacht . Auch hatte er ein prächtiges Stück Seidenzeug mitgebracht von aschgrauer Farbe , wie Elisi noch keines gesehen und Trinette keins hatte . Solches , sagte er , würden sie in Bern und Zürich umsonst suchen . Ein guter Freund hätte es direkt von Lyon gebracht und aus Freundschaft es ihm abgelassen . Nun waren alle glücklich , und bei dem guten Wein und schönen Seidenzeug wurde man nach und nach recht gemütlich und heimelig miteinander , daß die Mutter dachte , es wäre doch lätz gegangen , wenn man ihm das Elisi nicht gegeben hätte . » Was habt ihr für wunderliche Leute im Hause ? « fragte unter anderem der heimelig gewordene Bräutigam . » Als ich das letztemal fortwollte , ging ich in die Küche und wollte dem hübschen Meitli , wo uns aufgewartet hat , ein Trinkgeld geben , wie es der Brauch ist ; das kehrte mir den Rücken und sagte , es brauche kein Geld . « » Das wird Vreneli gewesen sein , « sagte die Mutter . » Es ist eigentlich nicht Magd , wir haben es dr Gottswille zu uns genommen . Es ist uns eigentlich von weitem verwandt und hat niemand gehabt , der sich seiner angenommen . « » Jä so , « sagte der Baumwollenhändler , » dann ists mir leid , wenn ich es beleidigt habe , ich muß es suchen gut zu machen . « Das sei nicht nötig , sagte ds Elisi ; am besten täte er , es nicht immer so anzusehen , es könnte sonst meinen , was das zu bedeuten hätte . Es sei ohnehin ein anlässig Mensch . Das könne man just nicht sagen , sagte die Mutter . » Aber wer war denn der große , schöne Bursche , « durchschnitt der sprachgewandte Herr das unangenehm werdende Gespräch , » der mein Roß zäumte ? Der hat mirs noch ärger gemacht . Der hat mir gar keine Antwort gegeben , aber den Zehnbätzler mir vor die Füße geworfen , so daß ich darauf und daran gewesen bin , ihm eine Ohrfeige zu geben , wenn ich meine Hand an einem Knecht hätte beschmutzen mögen . « Es sei besser , er habe das nicht getan , sagte Joggeli . Das werde Uli gewesen sein , der Meisterknecht , ein guter Knecht , aber längs Stück ein Kolder , mit dem nichts anzufangen sei . So einen würde er doch nicht haben , sagte der Händler . Er sei so bös nicht , sagte die Mutter . Und für das Land und das Vieh sei er bsunderbar gut , sie hätten noch Keinen so gehabt und so einen wüßten sie nicht mehr zu bekommen . Das müßte bös sein , sagte der Bräutigam . Wenn sie ihm den Auftrag geben wollten , so wolle er ihnen einen prokurieren um einen billigen Lohn , wo sie dann wüßten , daß sie einen Knecht hätten . Diesmal schnitt die Mutter das Gespräch ab und kam auf etwas anderes . Endlich begann der Bräutigam davon zu reden , noch heute das Hochzeit angeben zu wollen zu Üfligen . Die Mutter schlug über diese Eile die Hände über dem Kopf zusammen , Joggeli schüttelte den Kopf und sagte : Das Pressier gefalle ihm nicht . Elisi sagte , das Wetter sei sehr strub , sie möchte warten bis morgen . Diese Meinung ging endlich durch , und der Herr blieb da über Nacht . Er suchte während dem Abend sein vermeint Vergehen gegen Vreneli gut zu machen , trappete ihm nach und wollte nach seiner Weise artig mit ihm sein . Elisi merkte es aber , und er hatte Mühe selben Abend , ein gutes Wort von ihm zu erhalten . Dem Vreneli packte das Elisi gräßlich aus , hielt ihm Anlässigkeit vor , daß es ihm den Bräutigam verführen wolle , daß es gesehen , wie sie mit den Augen ein Verständnis hätten , und daß es , wenn es ein , mal verheiratet sei , keinen Fuß mehr ins Haus setzen wolle , solange eine solche Luenz darin sei . Das sei ein schöner Dank , daß man es so lange dr Gottswille gehabt habe . Vreneli war nicht von denen , welche Personen wie Elisi schwiegen . » Die Luenz , « sagte Vreneli , » kannst du für dich behalten und deinen Schminggel auch ; den möchte ich nicht , wenn ich noch einmal nichts hätte . Aber im Weg will ich dir nicht mehr sein , ich bin lange genug dr Gottswille hier gewesen . Was man an mir getan , glaube ich abverdient zu haben , und begehre nun nicht zTrinkgeld , daß man mir alle Tage vorhält , was längst vergangen ist und was dich nichts angeht , denn du hast nichts an mir getan als mich geplagt , wo du konntest . Einer solchen Gränne wegen wollte ich ein Narr sein zu plären und mir die Sache zu Herzen zu nehmen . Aber aus dem Wege will ich dir , darauf zähle . Und jetzt laß mich ruhig , dein Zyberligränni wird wohl auf dich warten . « Elisi wäre dem Vreneli ins Gesicht gefahren , wenn es nicht zu gut gewußt hätte , daß Vreneli sich von niemand auf den Leib kommen ließ . Es war schon einige Male bei solchen Anfällen von Vreneli an den Armen festgehalten worden , daß man die Zeichen noch tagelang sah . Die sämtlichen Hochzeitgeschichten aller Art , das Hochzeit selbst usw. wollen wir überspringen , denn mit dem Baumwollenhändler haben wir es eigentlich nicht zu tun , sondern mit Uli , daher uns schon zu lange mit dieser unbedeutenden Nebenperson abgegeben . Als dieselbe aber einmal aufgetreten war , wollte sie sich bei ihrer angebornen jüdischen Zudringlichkeit nicht so schnell abfertigen lassen , und noch jetzt , nach gefaßtem Entschluß , werden wir ds Teufels Mühe haben , sie uns vom Leibe zu halten . Ulis Stillschweigen und ruhiges Verhalten war den alten Eheleuten sehr sonderbar , indessen nicht unangenehm vorgekommen . Es wollte ihnen scheinen , als hätten sie das Verhältnis zwischen Elisi und Uli zu ernsthaft genommen und dieser sei froh , daß es gelöst sei , so daß er weiters nichts daraus machen , sondern dableiben werde . Sie hatten aber nicht Zeit , während dem Hochzeitstrudel das Nähere zu erforschen , sondern nahmen getrost das Bessere an . Als die Geschichte aber versurret hatte , mahnte die Mutter Joggeli , daß er Uli doch frage , was er gedenke ; sie hätte alle gute Hoffnung , er werde bleiben . Joggeli meinte , wenn er nicht bleibe , so sei sie daran schuld . Ein Besserer wäre wohl zu bekommen , der Tochtermann hätte ihnen ja einen versprochen , aber man sei jetzt an Uli gewohnt , daher sei es ihm recht , wenn er bleibe ; aber hängen wolle er sich nicht , wenn er gehe . » Du bist immer der gleiche Löhl , « sagte die Frau und ging zur Stube aus . Als Uli einmal grasete , trappete Joggeli zu ihm und sagte : Sie werden es , denke er , wohl haben wie gewöhnlich ; einmal er sei nicht anders gesinnet , als daß Uli bleibe . » Nein , Meister , « sagte Uli , » ich will fort , Ihr müßt für einen Andern sehen . « » Was kömmt dich an ? « sagte Joggeli , » hast du schon wieder zu wenig Lohn oder hat dich der Johannes mir abgestohlen ? « » Keins von beiden « , sagte Uli . » Aber warum willst du dann fort ? « » Ho , man kann nicht immer an einem Orte sein « , sagte Uli . » Und wenn ich dir noch vier Kronen hinzumache ? « » Um hundert bliebe ich nicht . Es ist mir erleidet , und wenn es mir einmal erleidet ist , so behält mich kein Geld . « Mißmutig stöffelte Joggeli dem Stübli zu und sagte seiner Frau : » Da hast du es jetzt , Uli will nicht bleiben ; gehe und suche jetzt einen Andern , ich will nichts damit zu tun haben . « Wie auch die Frau fragte : » Warum ? Was hat er gesagt ? « , so antwortete Joggeli nichts darauf als ; » Frag ihn selbst . « Und als sie fragte : » Was fangen wir jetzt an ? « , so sagte er auch : » Da siehe du zu , ich habe von Anfang gesagt , das komme so . « Weiteres brachte sie auf ihre Fragen nicht heraus . Da ging sie hinaus in die Küche , wo Vreneli waltete , die ihre Vertraute war in allen häuslichen Angelegenheiten , und sagte : » Denk o , Uli will fort , weißt du warum ? « » Aparti nicht , « sagte Vreneli , » aber ds Elisi hat es ihm wüst gemacht und er wird denken , er wolle nicht da den Leuten zum Gespött sein und dazu sein Lebtag für Andere werchen , wenn man es ihm am Ende so macht . « » Aber was sollen wir jetzt auch anfangen ? « sagte die Mutter , » so einen kriegen wir nicht wieder . Er ist manierlich , fromm , arbeitsam , es ist allen wohl dabei , man hat nichts von Streit gehört , und wenn er fortgeht , so ist alles anders ; ich darf gar nicht daran denken . « » Es geht mir gleich « , sagte Vreneli . » So , wie es vorher gegangen ist , mag ich nicht mehr dabeisein . Es ist mir leid , Base , aber ich muß Euch bei diesem Anlaß auch sagen , daß ich nicht mehr dableiben kann , ich will auch fort . « » Was , du ? Was hab ich denn dir zuleid getan ? Uli und du werden es abgeredet haben « » Nein , Base , « sagte Vreneli , » Uli und ich haben nichts miteinander abgeredet , wir haben nichts miteinander . Ihr habt mir auch nichts zuleid getan , Base , Ihr seid immer eine Mutter an mir gewesen , und wenn alles auf mir gewesen ist , so habt Ihr Euch meiner angenommen ; ich werde Euch das nie vergessen , solange ich lebe , und solange ich bete , werde ich für Euch beten , daß der liebe Gott Euch vergelten wolle , was Ihr an mir getan . « Und Vreneli weinte und längte der Base die Hand , welcher auch wieder große Tropfen über die roten Backen rollten . » Aber warum , du wüests Meitli , willst dann fort , wann du mich lieb hast und ich dir nichts zuleid getan ? « fragte diese . » Ich bin an dich gewohnt , du hast mir alles zuvorgetan . Wenn ich etwas habe machen wollen , so war es gemacht ; wie soll ich jetzt , wo ich alle Tage älter werde , bald nichts mehr mit mir ist , die schwere Haushaltung machen ? « » Base , es ist mir leid , aber ich muß fort ; ich habe mich verredet , ich wolle mir von Elisi nicht allemal wüst sagen lassen , wenn es mit seinem Mann kömmt . Allemal hält es mir vor , ich wolle ihm den Mann verführen , und halt mir alle Suppenbröckli vor , die ich hier gegessen . So kann ich nicht länger dabeisein . Wenn mich sein Schminggel einmal anrührte , ich schabte mir die Haut bis auf das Bein ab , so gruset es mir ab ihm . Ich habe ihm gesagt , ich wolle ihm aus dem Wege und wolle mir nicht alles vorhalten lassen , ich sei jetzt nicht mehr dr Gottswille da . « » Ach , « sagte die Mutter , » du mußt dich des Elisis nichts achten , du kennst es ja , es ist immer ein Wüstes gewesen , und was es sagt , hat nichts zu bedeuten . Warum läßt du mich entgelten , was es dir sagt ? « » Dafür kann ich weiß Gott nichts « , sagte Vreneli . » Warum kann Elisin niemand in Zucht und Ordnung halten ? Ich muß ihm aus dem Wege . Dann ist noch eins , aber ich will es nur Euch gesagt haben . Sein Mann ist allerdings mehr hinter mir drein , als nötig ist , das wüst Böckli ! Aber habe er nur Sorge : kömmt er mir zu nahe , so überschlage ich ihn , daß er mit den Beinen am Himmel bhanget . Ach , Base , das geht jedenfalls nicht mehr gut hier , ich könnte ohne , hin so nicht mehr dabeisein ; der Tochtermann macht schon jetzt , als ob nur er zu befehlen hätte und schon alles sein wäre . « Daran war etwas Wahres . Die reiche Fülle , welche bei der üblichen Sparsamkeit in der Haushaltung herrschte , wo es auf eine Maß Milch , ein Pfund Anken , ein Brot mehr oder weniger nicht ankam , über die Eier keine Rechnung geführt , Arme , ohne sie zu zählen , gespiesen wurden , hatte er aufs Korn genommen . Manchmal schon in der kurzen Zeit hatte er dem Joggeli vorgerechnet , wie viel er eigentlich sollte verkaufen können , jetzt trage ihm das Gut nicht einmal zwei Prozente ab . Wenn er das Geld für das Gut in seinem Geschäft hätte , so wollte er wenigstens acht Prozent daraus ziehen . Allemal darauf hatte dann Joggeli gemuckelt , über den vielen Verbrauch mit seiner Frau gebalget und gemeint , sie sollte da oder dort abbrechen . Als man ihn in Spycher und Gaden herumgeführt , in Tröge und Schäfte hatte blicken lassen , erstaunte er über die reichen Vorräte . Das trage doch gar nichts ab , sagte er , das verliege ja . In den Sachen liege ein bedeutend Kapital , das nicht nur kein Prozent abtrage , sondern sich am Ende selbst aufzehre . Wenn sie nur das Überflüssigste verkaufen wollten , und gerade jetzt sei ein günstiger Moment , so garantiere er ihnen : wenigstens dreitausend Pfund wollte er lösen . Aber er würde es nicht den Unterhändlern hier verkaufen , die gewöhnlich fünfzig Prozent Gewinn nähmten , sondern direkt den ersten Abnehmern . So hatte er ihnen Garn , Flachs , Tücher , Schnitze , Korn , Kirschenwasser abgeschwatzt , bedeutend Kisten und Kasten ernüchtert , daß der guten Mutter das Herz blutete und sie sich des Weinens fast nicht enthalten konnte . Sövli use , sagte sie , syg si nit gsi , sit si heyge afa huse . » Bhüetis Gott vor ere türe Zyt , was fieng ih a , ih dörft niene warte . « Er hatte Nachricht gebracht , daß er alles vortrefflich verkauft , aber kein Geld . Er habe es gegeben , wie es im Handel üblich sei , auf halbjährigen Kredit , hatte er flüchtig gesagt . Das wollte Joggeli eben auch nicht am besten gefallen . Vierundzwanzigstes Kapitel Von einer andern Fahrt , welche durch keine Rechnung fährt , sondern unerwartet eine schließt Das fiel der guten Mutter alles bei und