, erwiderte Georg lächelnd ; » Barett und Federn , Mantel und Wams , alles aufs schönste zubereitet , aber Gott weiß , ich habe noch nicht daran gedacht , daß ich dieses Flitterwerk an mich hängen solle . Dies Wams ist mir lieber als jedes schöne neue . Ich habe es in schweren , aber dennoch glücklichen Tagen getragen . « » Ja , ja ! ich kenne es wohl ; das habt Ihr bei mir in Ulm getragen , und es ist mir noch wohl erinnerlich , wie Euch Berta in diesem blauen Kleid abschilderte , daß ich recht eifersüchtig ward . Aber Flitterwerk nennt Ihr die Kleider da ? Ei , der Tausend ! Hätte ich nur mein Leben lang solche Flitter . Ha , das weiße Gewand mit Gold gestickt , und der blaue Mantel von Samt ! Kann man was Schöneres sehen ? Wahrlich Ihr habt mit Umsicht ausgewählt , das mag trefflich stehen zu Euren braunen Haaren . « » Der Herzog hat mir es zugeschickt « , antwortete Georg , indem er sich ankleidete , » mir wäre alles zu kostbar gewesen . « » Ist doch ein prächtiger Herr , der Herzog , und jetzt erst , seit ich einige Zeit hier bin , sehe ich ein , daß man ihm bei uns in Ulm zuviel getan hat . An einem solchen Hofe ist es doch was anderes als in den Städten ; und Herzog von Württemberg klingt auch schöner als Bürgermeister von Ulm . Und doch möcht ich nicht in seiner Haut stecken ; Ihr werdet sehen , Vetter , es geht noch einmal bergab mit ihm . « » Das ist Euer altes Lied , Herr Dieterich ; erinnert Ihr Euch noch , wie Ihr damals in Ulm großtatet mit Eurer Politika und wie Ihr regieren wolltet in Württemberg ? Wie ist es denn jetzt ? « » Ist nicht alles eingetroffen « , erwiderte der Ratsschreiber mit weiser Miene ; » weiß noch wie heute , daß ich prophezeite die Schweizer ziehen heim , die Landschaft werden wir für uns gewinnen , und die Burgen werden wir einnehmen . « » Ja , ja ! Ihr habt sie erobern helfen « , lachte Georg , » seid ja in einer Sänfte zu Feld getragen worden ; aber damals sagtet Ihr auch , der Herzog werde nie zurückkehren , und jetzt sitzt er ganz warm und ruhig hier . « » Nicht so ruhig als Ihr glaubt . Zwar ich wollte ihm und Euch wünschen , er behielte sein Land ; uns hat es doch nichts genützt , die großen Herren nehmen alles für sich , an unsereinen kam nichts als etwa die Ehre für den Bund geköpft zu werden ; möchte es ihm wohl gönnen ; aber - glaubet mir , es sieht nicht so ruhig aus , als man hier meint . Die vertriebenen Räte haben von Eßlingen aus an den Kaiser und das Reich geschrieben und geklagt , der Bund ist wieder auf den Beinen ; bei Ulm steht schon wieder ein neues Heer . « » Gerede , nichts weiter ; ich weiß gewiß , daß der Herzog sich mit Bayern versöhnen wird . « » Ja will , aber nicht versöhnen wird . Das hat noch manchen Haken . Aber was sehe ich ; Ihr werdet doch nicht den alten Fetzen von einer Feldbinde zu dem stattlichen Hochzeitschmuck anlegen wollen ? Pfui , das paßt nicht zusammen , lieber Vetter . « Der Bräutigam betrachtete die Schärpe mit inniger Liebe . » Das verstehet Ihr nicht « , sagte er , » wie gut sich dies zum Hochzeitgewande schickt . Es ist ihr erstes Geschenk ; sie flocht sie heimlich bei Nacht auf ihrem Kämmerlein , als ihr die Kunde kam , daß sie bald scheiden müsse . Sie hat manche Träne hineingewoben , hat das Gewebe oft an die Lippen gedrückt , drum ward es mir eine Zauberbinde , und meinen Augen ein Trost , wenn ich im Unglück auf die Brust herniedersah . Sie darf nicht fehlen diese Binde , hat sie die Not mit mir getragen , so sei sie mir ein heiliger Schmuck am Tage des Glückes . « » Nun , wie Ihr wollt , hängt sie in Gottes Namen um , jetzt noch das Barett aufgesetzt und schnell den Mantel umgehängt , sie läuten schon das erste drüben in der Kirche . Sputet Euch , lasset das Bräutlein nicht so lange warten ! « Der Ratsschreiber stellte sich noch einmal vor den jungen Mann , und musterte mit strengen Kenneraugen seinen Anzug . Er zog dort eine Spange schärfer an , er verwischte dort eine Falte , steckte hier eine Feder höher , und immer zufriedener wurden seine Blicke . Er gestand sich , daß der große , schlanke junge Mann , sein schöner Kopf , die klaren mutigen Augen ganz des lieblichen Bäschens würdig sei . » Weiß Gott « , sagte er , » Ihr sehet aus , Vetter , als wäret Ihr von unserem Herrgott gerade zum Hochzeiter erschaffen worden . Es ist mir lieb , daß Euch heute Berta nicht sehen kann , es möchte ihr wieder auf acht Tage schwindelnd werden , dem armen Kind ! - Kommt , kommt ; ich fühle mich stolz , Euer Geselle zu sein ; wenn ich auch vierzehn Tage zu spät nach Ulm zurückkehre . « - Georgs Wangen röteten sich , sein Herz pochte , als er sein Gemach verließ . Die Freude , die Erwartung , die Erfüllung jahrelanger Wünsche bestürmten seine Sinne , und wie trunken ging er neben Herrn Dieterich durch die Galerien . Die Türe ging auf , und Marie im Glanze ihrer Schönheit stand umgeben von vielen Frauen und Fräulein , die vom Herzog eingeladen , heute ihre Begleitung bilden sollten . Marie errötete , als sie den Geliebten sah , sie betrachtete ihn staunend , als seien seine Züge heute mit einem neuen Glanze übergossen , sie schlug die Augen nieder , als sie seinen freudetrunkenen Blicken begegnete . Was hätte Georg dafür gegeben , die Geliebte an sein Herz ziehen , den Morgengruß der Liebe auf ihre Lippen drücken zu dürfen , aber die strenge Sitte der Zeit trennte an diesem Tage durch eine weite Kluft , was sich sonst schon längst gefunden hätte . Dem Bräutigam war es nicht erlaubt , die Hand der Braut zu berühren , ehe sie der Priester in die seinige legte , und der Braut wurde es übel aufgenommen , wenn sie den Bräutigam gar zuviel und gar zu lange ansah . Züchtig , ehrbar , die Augen auf den Boden geheftet , die Hände unter der Brust gefaltet , mußte sie stehen - so wollt es die Sitte . Bei mancher andern möchte diese Stellung erzwungen und steif erschienen sein , doch , wie die Natur über ihre lieblichsten Töchter in jeder Lage , in Trauer und Freude , den Zauber der Schönheit ausgießt , so war auch diese unnatürliche Haltung der Braut , bei Marien zum gelungensten Bild geworden ; die zarte Röte , die alle Augenblicke auf ihren Wangen wechselte , der süße Mund , in dessen Winkeln ein Lächeln aufzukeimen schien , der feine weiche Vorhang der gesenkten Lider , die zarten Fransen der dunkeln Wimpern , durch welche die blauen glänzenden Augen wie eine aufgehende Sonne kaum sichtbar durchschimmerten , sie gaben ein Bild holder verschämter Liebe , die dem Geliebten die Arme öffnen , die seinen Namen mit den süßesten Tönen aussprechen , die die Augen aufschlagen möchte , um ihm durch einen Blick ihre Wünsche zu verkünden ; doch die mächtigere Natur , das verwirrende Gefühl der Beschämung windet ihr die Hände nur noch fester zusammen , schlägt die zarte Hülle der Wimpern vor das glühende Auge herab , und verschließt den Mund , daß er nur heimlich und stille lächelt , aber das Geheimnis der Liebenden nicht ausspricht . Verschwunden war die erhabene Haltung Mariens , verschwunden die Majestät ihrer Stirne und jener gebietende ernste Blick , der auch den Kühnsten gefesselt hätte ; aber man war versucht , jene erhabeneren Schönheiten nicht zurückzuwünschen ; lag doch in diesem verschämten Bekenntnis , durch einen Blick des Geliebten überwunden zu sein , ein höherer Reiz , als wenn das stolze Auge frei um sich geblickt , und dieser geschlossene Mund das Geständnis der Liebe laut und offen ausgesprochen hätte . So hatte die Natur Marien an diesem Tage einen neuen Zauber verliehen , der so mächtig wirkte , daß Georg einige Momente seine Braut verwunderungsvoll betrachtete und sein Herz sich stolzer hob , im Gefühle dieses liebliche Kind sein nennen zu dürfen . Jetzt kam auch der Herzog , der den Ritter von Lichtenstein an der Hand führte . Er musterte mit schnellen Blicken den reichen Kreis der Damen , und auch er schien sich zu gestehen , daß Marie die schönste sei . » Sturmfeder ! « sagte er , indem er den Glücklichen auf die Seite führte , » dies ist der Tag , der dich für vieles belohnt . Gedenkst du noch der Nacht , wo du mich in der Höhle besuchtest und nicht erkanntest ? Damals brachte Hanns , der Pfeifer , einen guten Trinkspruch aus : Dem Fräulein von Lichtenstein ! möge sie blühen für Euch . - Jetzt ist sie dein , und was nicht minder schön ist , auch dein Trinkspruch ist erfüllt ; Wir sind wieder eingezogen in die Burg Unserer Väter . « » Mögen Euer Durchlaucht dieses Glück so lange genießen , als ich an Mariens Seite glücklich zu sein hoffe . Aber Eurer Huld und Gnade habe ich diesen schönen Tag zu verdanken , ohne Euch wäre vielleicht der Vater - « » Ehre um Ehre , du hast Uns treulich beigestanden , als Wir Unser Land wiedererobern wollten , drum gebührte es sich , daß auch Wir dir beistanden , um sie zu besitzen . - Wir stellen heute deinen Vater vor , und als solchem wirst du Uns schon erlauben , nach der Kirche deine schöne Frau auf die Stirne zu küssen . « Georg gedachte jener Nacht , als der Herzog unter dem Tor von Lichtenstein sich auf diesen Tag vertröstete , unwillkürlich mußte er lächeln , wenn er der Würde und Hoheit gedachte , mit welcher die Geliebte den Mann der Höhle damals zurückgewiesen hatte . » Immerhin , Herr Herzog , auch auf den Mund ; Ihr habt es längst verdient durch Eure großmütige Fürsprache ; ich denke , auch Marie wird sich nicht wieder sträuben , wie damals unter der Halle . « » Wie ? « rief Ulerich errötend ; » hat dir das Fräulein etwas gesagt ? « » Kein Wort , Herr ! aber ich stand hinter der Türe und sah zu , wie Ihr so herablassend gegen des Ritters Töchterlein waret . « » Bei Sankt Hubertus « , entgegnete der Herzog lachend , » du bist ein eifersüchtiger Kauz . Das mußt du dir abgewöhnen , sonst hast du keine ruhige Stunde . « » Freilich , wenn Euer Durchlaucht mir dies raten , so werde ich nie mehr eifersüchtig werden . « Der Ton dieser Antwort , der einen leisen Spott zu verraten schien , erinnerte den Herzog , daß auch er einst diese Empfindung gehegt , daß sie ihn zu einer blutigen Rache angetrieben habe ; er brach schnell ab , denn er liebte solche Erinnerungen nicht . » Laß es gut sein « , sagte er , » es ist Zeit in die Kirche zu gehen . Wer sind deine Gesellen , die dich zum Altar geleiten ? « » Marx Stumpf und der Ulmer Ratsschreiber , ein Vetter von Lichtenstein . « » Wie , das feine Männlein , den mein Kanzler köpfen lassen wollte ? Da hast du links den zierlichsten , und rechts den tapfersten Mann des Schwabenlandes . Glück zu junger Herr , doch will ich dir raten , mehr rechts zu halten als links , dann kann es dir nie fehlen auf Erden , und wärst du so eifersüchtig als ein Türke . Sieh , sieh , da kommt ja der Rechte ; sieh , wie seine breite kurze Gestalt sich wunderlich ausnimmt unter den Frauenzimmern . Und wie er sich stattlich angetan hat ! Den verschossenen grünen Mantel trug er schon Anno eilf , auf Unserer Hochzeit mit Frau Sabina Lobesan . « » Kann mich nicht viel mit dem Anzug befassen « , erwiderte der tapfere Ritter von Schweinsberg , der die letzten Worte noch gehört hatte ; » auch mit dem Tanzen will es nicht recht gehen , Ihr werdet mich entschuldigen ; will aber heute abend im Ritterspiel der neue Eheherr eine Lanze mit mir brechen , so - « » So willst du ihm aus lauter Zärtlichkeit und Höflichkeit ein paar Rippen einstoßen ! « lachte der Herzog ; » das heiße ich einen Bräutigamsgesellen von echter Art. Nein , da rate ich dir , Georg , dich lieber links zu halten , der Ulmer wird dir nicht wehe tun « Die Flügeltüren öffneten sich jetzt , und man sah auf der breiten Galerie das Hofgesinde des Herzogs in Ordnung aufgestellt . An diese schlossen sich die Edelknaben an , welche brennende Kerzen trugen ; dann folgte der glänzende Zug der Fräulein und Edelfrauen , die sich zu diesem Feste eingefunden hatten . Sie waren in reiche , mit Gold und Silber durchwirkte Stoffe gekleidet , und jede hatte einen Blumenstrauß und eine Zitrone in der Hand . Die Braut wurde von Georg von Hewen und Reinhardt von Gemmingen geführt . Viele Ritter und Edelleute schlossen sich an diese an , in ihrer Mitte ging Georg von Sturmfeder ; Marx Stumpf zu seiner Rechten , der Ratsschreiber Dieterich Kraft zu seiner Linken . Sein ganzes Wesen schien von einer würdigen Freude gehoben , seine Augen blinkten freudig , sein Gang war der Gang eines Siegers . Er ragte mit dem wallenden Haar , mit den wehenden Federn des Baretts weit über seine Gesellen hervor . Die Leute betrachteten ihn staunend , die Männer lobten laut seine hohe , männliche Gestalt , seine edle Haltung , aber die Mädchen flüsterten leise und priesen seine schönen Züge und das freie , glänzende Auge . So ging der Zug aus dem Tore des Schlosses nach der Kirche , die nur durch einen breiten Platz von ihm getrennt war . Kopf an Kopf standen die schönen Mädchen und die redseligen Frauen , sie musterten die Anzüge der Fräulein , strengten die Blicke an , als die schöne Braut vorbeiging , und waren voll Lobes über den Bräutigam . Unter den zahlreichen Zuschauern sah man auch eine rüstige , runde Bauersfrau mit ihrem Töchterlein stehen . Diese Frau verneigte sich immerwährend zu großer Belustigung der Städtler umher , die nur der Braut und dem Herzog diese Aufmerksamkeit bewiesen . Sie unterhielt sich dabei eifrig mit ihrer Tochter . Das schöne Kind an ihrer Seite schien aber wenig auf ihre Reden zu achten ; sie übersah den glänzenden Zug der Fräulein , ihre hellen Augen waren nur immer auf die nahende Braut gerichtet . Je näher diese kam , desto röter färbten sich die Wangen des Mädchens , das rote Mieder hob und senkte sich ungestüm , und das pochende Herz schien die silbernen Ketten , womit es eingeschnürt war , zersprengen zu wollen . Sie sah Marien fest und durchdringend an , die hohe Schönheit der jungen Braut schien sie zu überraschen , ein wehmütiges Lächeln zuckte um ihren kleinen Mund : » Sie ist ' s ! « rief sie unwillkürlich aus , und verbarg dann schnell ihr Gesicht hinter dem Rücken ihrer Mutter , denn die Umstehenden sahen verwundert nach ihr hin . » Jo , dia ist ' s , Bärbele ! dia ist grausig schö ! « flüsterte die runde Frau , und neigte sich tief . » Jetzt wellet mer uf da Junker bassa . « Das Mädchen schien diesen Rat nicht erst zu bedürfen , denn sie blickte längst hinüber nach jener Seite , woher er kommen mußte . » Er kommt , er kommt « , hörte sie ihre Nachbarn flüstern , » der ist ' s in dem weißen Kleid , mit dem blauen Mantel , er geht gerade vor dem Herzog . « Sie sah ihn , nur einen Blick warf sie nach ihm hin , und wagte dann nicht mehr aufzublicken ; die tiefe Röte ihrer Wangen verschwand , als er vorüberging , sie zitterte , eine Träne fiel herab auf das rote Mieder ; - jetzt war er vorüber , jetzt hob sie das Köpfchen wieder ein wenig auf , und sandte ihm einen Blick nach , der mehr auszudrücken schien , als die reine Bewunderung oder das Staunen der Neugierde . Als der Zug vorüber war , drängten sich die Zuschauer mit Ungestüm zu den Kirchtüren , und in einem Augenblick war der Platz , der noch kurz zuvor den Anblick einer bunten wogenden Menge dargeboten hatte , wie ausgestorben . Die runde Frau blickte noch immer staunend den schönen geputzten Stadtjungfern nach , welche mit ihren brokatenen Hauben und goldgestickten Miedern , mit ihren feinen langen Röcken , an welchen man nur um Hals und Busen den Zeug allzusehr gespart zu haben schien , in der Bauersfrau mächtige Sehnsucht nach solcher Pracht und Herrlichkeit erweckt hatten . Als sie sich umwandte , erschrak sie nicht wenig , denn ihr holdes Kind hatte das blühende Gesichtchen in die Hände verborgen und weinte . Sie konnte nicht begreifen was dem Mädchen begegnet sein könne , sie faßte ihre Hand , zog sie herab von den Augen - sie weinte bitterlich . » Was hoscht denn , Bärbele « , fragte sie halb unmutig , doch nicht ohne Teilnahme , » was heulscht denn ? Hoscht ' s denn et gseha ? Gang , ' s ist jo a Schand ! wenn ' s jo ebber sieht ; so sag no worum da heulscht ? « » I wois et , Muater ! « flüsterte sie , indem sie vergeblich ihre Tränen zu bezwingen suchte ; » es ist mer so weh im Herz drin , i woiß et worum . « » Laß jetzt bleiba , sag e ! Komm , sonst kommemer z ' spot in d ' Kirch . Hairsch , wie se musizieret und singet ? komm , sonst seha mer nix mai ! « Die Frau zog bei diesen Worten das Mädchen nach der Kirche . Bärbele folgte , sie bedeckte die Augen mit der weißen Schürze , um nicht den Stadtleuten zum Gespött zu werden , aber die tiefen Seufzer , die sich aus ihrer Brust heraufstahlen , ließen ahnen , daß sie einen tiefen Schmerz vergeblich zu unterdrücken suche . Die Orgel schwieg , der Chorgesang verstummte , als sie an der Kirchtüre anlangten ; die Einsegnung des schönen Paares mußte in diesem Augenblick beginnen . Aber vergebens suchte die runde Frau durch die dichten Reihen zu dringen , welche die Türe füllten , sie wurde , sooft sie sich in einen freien Raum zu schieben suchte , unwillig und mit Scheltworten zurückgestoßen . » Komm , Muater ! « sprach das Mädchen , » mer wellet hoim ; mer sent arme Leut , uns lasset se et in d ' Kirch ; komm hoim . « » Was ? d ' Kircha sind für älle Leut erschaffa ; au für d ' arme . Wia , ihr Herra , lent es e bisle do nei . Mer sehet jo gar nix . « » Waz ! « sprach der Mann , an den sie sich gewendet hatte , und kehrte ihr ein rotbraunes Gesicht mit schrecklichem Bart zu . » Waz ? packt Euch fort , wir lassen niemand durch ; wir zind die allergnädigsten herzoglichen Landsknechte wir , und nach dem Zanktus , hat der Hauptmann befohlen , darf keine Zeele mehr durch ; Mordblei ! tut mir leid , wenn ich in der Kirche fluche , aber ich zag , weg da ! « » Die Olte muß weg , sogen wer , ober das Dienderl dorf rein ; komm Schätzerl ! Do konnst ' s recht gut sehen ! schaut ' s , jetzt stecht ihr der Probst den Ring on , jetzt legt er ihne die Händ zusommen - gib mir en Schmatzerl , dann darfst sehn . « Der Kasperle von Wien streckte bei diesen Worten seine tapfere Hand nach dem Mädchen aus , doch diese schrie laut auf , und entfloh weinend ; die runde Frau aber verwünschte die Stadtleute , die Stadtkirchen und die unanständigen Landsknechte , und folgte ihrer Tochter . VII So hab ich endlich dich gerettet Mir aus der Menge wilden Reihn Du bist in meinen Arm gekettet , Du bist nun mein , nun einzig mein . Es schlummert alles diese Stunde , Nur wir noch leben auf der Welt ; Wie in der Wasser stillem Grunde Der Meergott seine Göttin hält . L. Uhland Herzog Ulerich von Württemberg liebte eine gute Tafel , und wenn in guter Gesellschaft die Becher kreisten , pflegte er nicht so bald das Zeichen zum Aufbruch zu geben . Auch am Hochzeitfeste Mariens von Lichtenstein blieb er seiner Gewohnheit treu . Man war , als die heilige Handlung in der Kirche vorüber war , in den Lustgarten am Schloß gezogen ; dort hatten sich in den Laubgängen und künstlich verschlungenen Wegen die Hochzeitgäste ergangen , oder an den zahmen Hirschen und Rehen im Gehege , oder an den Bären die in einem der Gräben des Schlosses umherwandelten , sich ergötzt . Um zwölf Uhr hatten die Trompeten zur Tafel gerufen . Sie wurde in der Tyrnitz gehalten , einer weiten hohen Halle , die viele hundert Gäste faßte . Diese Halle war die Zierde des Schlosses zu Stuttgart . Sie maß wohl hundert Schritte in der Länge ; die eine Seite , die gegen den Garten des Schlosses lag , war von vielen breiten Fenstern unterbrochen , und der freundliche Tag ergoß sich durch die vielfarbigen Scheiben , und erhellte überall das ungeheure Gemach , das mit seinen Wölbungen und Säulen mehr einer Kirche als einem Tummelplatz der Freude glich . Um die drei übrigen Seiten liefen Galerien mit Teppichen reich behängt , sie waren für die Geiger und Trompeter und für die Zuschauer bei einem fürstlichen Mahle bestimmt , oft aber dienten sie den Damen und Kampfrichtern zu Tribünen , wenn nicht der Klang der Becher , sondern Schwerthiebe , das Krachen der Lanzen , das Sausen der Speere , und das Gelächter und Geschrei der Kämpfer beim freien Waffenspiel in der Halle erscholl . Aber heute sah man hier einen gemischten Kreis schöner Frauen und fröhlicher Männer um reichbesetzte Tafeln sitzen . Auf den Galerien schwangen die Geiger lustig ihre Fiedelbogen , die Zinkenisten bliesen ihre Backen auf , die Trommler schlugen kräftig auf die Felle , und mit Jauchzen und Hallo ! stimmte die Volksmenge , die man auf den übrigen Teilen der Galerien zugelassen hatte , ein , wenn die Herren unten einen Trinkspruch ausgebracht hatten . Am oberen Ende der Halle , saß unter einem Thronhimmel der Herzog . Er hatte seinen Hut weit aus der Stirne gerückt , schaute fröhlich um sich , und sprach dem Becher fleißig zu . Zu seiner Rechten , an der Seite des Tisches , saß Marie ; jetzt wollte die Sitte nicht mehr , daß sie die Augen niederschlug , und sechs Schritte von dem Geliebten entfernt bleibe . Ein fröhliches Leben war in ihre Augen , um ihren Mund eingezogen ; sie blickte oft nach ihrem neuen Gemahl , der ihr gegenüber saß , es war ihr oft , als müsse sie sich überzeugen , daß dies alles kein Traum , daß sie wirklich eine Hausfrau sei , und den Namen , den sie achtzehn Jahre getragen , gegen den Namen Sturmfeder vertauscht habe ; sie lächelte , sooft sie ihn ansah , denn es kam ihr vor , als gebe er sich , seit er aus der Kirche kam , eine gewisse Würde . » Er ist mein Haupt « , sagte sie lächelnd zu sich ; » mein Herr , mein Gebieter , o der gute Herr ! das liebe Haupt ! « Und es war so wie Marie zu bemerken glaubte ; Georg fühlte sich gehobener , mit einer neuen Würde umgeben ; es schien ihm , als zeigen ihm die Junker mehr Ehrfurcht , als ziehen ihn die älteren Ritter freundlicher zu sich heran , seit er nicht mehr allein in der Welt stand , sondern wie sie , ein Hausvater , vielleicht der Stifter eines glänzenden Geschlechtes geworden war . Denn in den guten alten Zeiten waren die Begriffe noch anders als heutzutag , und man dachte sich den Edelmann und den Bürger nicht anders , als mit Weib und Kindern und überließ das Zölibat den Mönchen . In die Nähe des Herzogs war der Ritter von Lichtenstein , Marx Stumpf von Schweinsberg und der Kanzler gezogen worden , und auch der Ratsschreiber von Ulm saß nicht ferne , weil er heute als Geselle des Bräutigams diesen Ehrenplatz sich erworben hatte . Der Wein begann schon den Männern aus den Augen zu leuchten und den Frauen die Wangen höher zu färben , als der Herzog seinem Küchenmeister ein Zeichen gab . Die Speisen wurden weggenommen , und im Schloßhof unter die Armen verteilt ; auf die Tafel kamen jetzt Kuchen und schöne Früchte , und die Weinkannen wurden für die Männer mit besseren Sorten gefüllt ; den Frauen brachte man kleine silberne Becher mit spanischem , süßem Weine . Sie behaupteten zwar keinen Tropfen mehr trinken zu können , doch nippten und nippten sie von dem süßen Nektar immer wieder , bis man die Nagelprobe hätte machen können . Jetzt war der Augenblick gekommen , wo nach der Sitte der Zeit dem neuen Ehepaar Geschenke überbracht wurden . Man stellte Körbe neben Marien auf , und als die Geiger und Pfeifer von neuem gestimmt hatten und aufzuspielen anfingen , bewegte sich ein langer glänzender Zug in die Halle . Voran gingen die Edelknaben des fürstlichen Hofes , sie trugen goldene Deckelkrüge , Schaumünzen , Schmuck von edlen Steinen als ein Geschenk des Herzogs . » Mögen euch diese Becher , wenn sie bei den Hochzeiten eurer Kinder , bei den Taufen eurer Enkel kreisen , mögen sie euch an einen Mann erinnern , dem ihr beide im Unglück Liebe und Treue bewiesen , an einen Fürsten , der im Glück euch immer gewogen und zugetan ist . « Georg war überrascht von dem Reichtum der Geschenke ; » Euer Durchlaucht beschämen uns « , rief er , » wollet Ihr Liebe und Treue belohnen , so wird sie nur zu bald um Lohn feil sein . « » Ich habe sie selten rein gefunden « , erwiderte Ulerich , indem er einen unmutigen Blick über die lange Tafel hinschickte , und dem jungen Mann die Hand drückte , » noch seltener , Freund Sturmfeder , hat sie mir Probe gehalten , drum ist es billig , daß wir die reine Treue mit reinem Golde , und edle Liebe mit edlen Steinen zu belohnen suchen . Doch wie , Eure schöne Frau vergießt Tränen ? Ich weiß die Quelle dieses klaren Taues , es ist die Erinnerung an unser bitteres Geschick , die wir selbst heraufbeschworen haben . Hinweg mit diesen Tränen , schöne Frau . Am Hochzeittag ist es kein gutes Zeichen . Doch mit Verlaub Eures Eheherrn will ich jetzt eine alte Schuld einziehen , Ihr wißt noch welche ? « Marie errötete , und warf einen forschenden Blick nach Georg hinüber , als fürchte sie , jenes alte Übel , das sie oft kaum zu beschwören vermochte , möchte wiederkehren . Georg wußte recht wohl , was der Herzog meine , denn jene Szene , die er hinter der Türe belauschte , war ihm noch immer im Gedächtnis ; doch er fand Gefallen daran , den Herzog und Marien zu necken , und antwortete als diese noch immer schwieg : » Herr Herzog , wir sind jetzt zusammen ein Leib und eine Seele , wenn also meine Frau in früheren Zeiten Schulden gemacht hat , so steht es mir zu sie zu bezahlen . « » Ihr seid zwar ein hübscher Junge « , entgegnete Ulerich mit Laune , » und manche unserer Fräuleins hier am Tische möchte vielleicht gerne einen solchen Schuldbrief an Euren schönen Mund einzufordern haben ; mir aber kann dies nicht frommen , denn meine Urkunde lautet auf die roten Lippen Eurer Frau . « Der Herzog stand bei diesen Worten auf und näherte sich Marien , die bald errötend bald erbleichend ängstlich auf Georg herübersah ; » Herr Herzog « , flüsterte sie , indem sie den schönen Nacken zurückbog , » es war nur Scherz ; - ich bitte Euch . « Doch Ulerich ließ sich nicht irremachen , sondern zog die Schuld samt Zinsen von ihren schönen Lippen ein . Der alte Herr von Lichtenstein sah bei dieser Szene finster bald auf den Herzog , bald auf seine Tochter , vielleicht mochte ihm Ulerich von Hutten beifallen , denn seine Blicke streiften auch ängstlich auf seinen Schwiegersohn . Der Kanzler Ambrosius Volland aber schaute mit höhnischer Schadenfreude aus den grünen Äuglein auf den jungen Mann ; » Hi , hi « , rief er ihm zu ; » ich leere meinen Becher auf gutes Wohlsein . Eine schöne Frau ist eine gute Bittschrift in aller Not ; wünsche Glück , liebster , wertgeschätzter Herr ; hi ! hi ! ' s ist ja auch was Unschuldiges , solange es vor den Augen des Ehemanns