belehren , er wollte sicher alles nach ihrem Willen tun . Sie machte ihm nur eine Bedingung , daß er seine alten Kameraden und das Weinhaus nicht wieder besuchen solle ; sie hätte alles , sogar Hunger und Durst von ihm fordern können , er hätte in dem Augenblicke alles versprochen . Bei der Hochzeit waren nur ein paar Verwandte gegenwärtig , viele waren durch das Gerede und durch die Schnelligkeit dieses Übergangs zur zweiten Ehe beleidigt , doch keiner beneidete Anton , in den Besitz eines so ansehnlichen Vermögens zu kommen ; jedermann meinte , wenn es einer hätte sein sollen , so wäre es dem armen Schelm doch eher als einem andern zu gönnen . Der erste Monat war ganz glücklich , Frau Anna war so unerschöpflich in Zärtlichkeiten gegen Anton , daß jeder erstaunte , der sie so kalt gegen ihren ersten Mann gesehen hatte ; Anton durfte keinen Schritt ohne sie aus dem Hause gehen , denn ihre Eifersucht war nach Witwenart sehr groß . Anton hatte nun keine Beschäftigung , als mit ihr zu sprechen ; er fing deswegen an , was er gelobt hatte , zu erfüllen und den Altar in der Kirche , vor welchem er getraut worden , mit einem neuen Bilde des großen Christophels , dem er geweihet war , zu verzieren , und dazu brauchte er sich selbst als Modell sowie er den kleinen Stiefsohn zum Bilde des Jesukindes brauchte , das jenem so viel Mühe machte über das Wasser zu tragen , weil es die Welt in seinen Händchen trug . Diese Malerei machte Frau Annen so stolz auf Mann und Kind , daß sie eines Abends einige alte Freundinnen zu sich bat , um es ihnen zu zeigen , weswegen Anton Erlaubnis erhielt , in der Stadt nach Farben und Pinsel sich umzusehen . Ohne an etwas anders zu denken , ging er vor dem Ratskeller vorbei , vor welchem alle seine alten Trinkgesellen unter einem frischen Dache von abgeschnittenem Weinlaube zechten ; alle grüßten ihn , einer rief ihm , einer sprang auf , faßte ihn beim Arm , er wollte weitergehen , es faßte ihn ein anderer beim zweiten Arm , beide küßten und herzten ihn , fragten , wie er sie so ganz vergessen , ob die Frau ihn unter dem Pantoffel habe ; er schämte sich und folgte ihrem Ziehen und Nötigen mit langsamen Schritten . Bedenklich saß er am Tische und forderte keinen Wein , da trank ihm ein Gerber auf seiner Frauen Gesundheit ein Glas zu ; dem mußte er Bescheid tun , er forderte Wein , trank , er fand ihn besser als bei seiner Frau , die ihn heimlich bis zur Hälfte mit Wasser mischte , ärgerte sich über den Betrug und verlangte einen Schoppen nach dem andern . Da gingen die alten Lieder auf : » Zu Klingenberg am Maine « und vom Muskateller ; sein Baß füllte wieder Keller und Markt , die Frau hörte ihn mit Schrecken bis in ihrem Hause widerklingen . Kaum waren alle recht lustig , so wurde ein Kartenspiel vorgeschlagen ; Sixt war jetzt der reichste von allen , er konnte es nicht ausschlagen , es machte ihm auch viel Spaß , sein Glück zu versuchen . Er gewann erst , dann verlor er und wollte wieder gewinnen , er glühte vor Ungeduld , ob ihm gleich die Zeit so schnell verging , daß der Wächter längst abgerufen , ohne daß er es bemerkt hatte ; das Singen und Toben im ganzen Keller fing eine eigne Welt an , die sich um jene außerhalb nichts bekümmerte , die Kellner liefen mit aufgeschürzten Ärmeln mit Henkelkrügen , Bechern , Seideln , Kühlkesseln dazwischen , die Mägde brachten geräucherten Schinken , Braten ; jeder rief , jeder neckte sich mit ihnen , den stießen sie fort , jenen stießen sie an , besonders aber den schönen Anton , den sie immer am schnellsten und besten bedienten und ihm den Rücken klopften , so oft ihm etwas in die unrechte Kehle war gekommen . Die Wirtin setzte ihm sogar einen Kranz von Weinlaub auf den Kopf und küßte ihn als ihren Bacchus , da schrieen die andern : » Frau Wirtin habt ihr uns nicht gern im Haus , faldrida , so jagt uns nur fein gütlich hinaus , faldrida . Aber zum Sturmwind heißt dies Haus , darum leben wir alle im Saus . Ich muß auch einen kriegen , daß alle Balken biegen ! « - Und der küßte sie alle herzhaft . Da rief einer : » Martialis gefällt unsrer Gnaden , der trank so viel Hochbecher aus , als viel seiner Buhlschaft Name Buchstaben innhielt , so muß mein Buhlschaft Be a er bar , te o to barto , el o lo , tolo Bartolo , em e me , lome , tolo me , Bartolome heißen . Alsdann werd ich ihr des öfter gedenken , je öfter man wird einschenken . O ihr lieben Weiber , wie ein guter Fund für euch , auf diese Weise können die Männer beim Wein euer nicht vergessen , lasset nur tapfer einschenken , heißt eine schon Anne , so sag sie heiß Peternellule . « Bei diesem Ruf konnte Frau Anna , die mit einem Regentuche , als Magd , bedeckt ans offene Kellerfenster geschlichen war um ihren Mann zu belauschen , dessen Stimme sie hatte erschallen hören , sich nicht langer halten , sie rief hinein : » Anton , Anton ! « Und die ganze Gesellschaft rief Frau Annen ein Lebehoch und Segen ; der lustige Wachtmeister , der eben gesungen , sprang hinaus , nahm sie scherzend bei ihrem Arme , achtete ihres Sträubens nicht und zog sie in den Keller hinunter . Durch diese Behandlung war ihre ganze Seele schon aufgebracht , sie mußte sich gegen jemand entladen , und da war niemand mehr geeignet als ihr Anton , der alles das Mißgeschick veranlaßt hatte ; sie trat zu ihm und rief , daß er mit ihr kommen solle , aber er sah eben einen Kreuzbuben fallen , der ihm den Stich nahm und gab nicht acht . Sie trat näher und rief nochmals : » Aber Anton ! « und winkte ihm , er aber schüttelte ärgerlich mit dem Kopfe , weil es nur an einer Karte noch hing , ob er alles Geld , was er bei sich hatte , verloren ; da sangen Seger und Melchior zweistimmig : » Die Weinlein , die wir gießen , die soll man trinken , die Brünnlein , die da fließen , die sollen blinken . Und wer ein steten Buhlen hat , der soll ihm winken : ja winken mit den Augen und treten auf den Fuß , es ist ein harter Orden , der seinen Buhlen meiden muß , und noch viel härter , daß ich dies hohe Glas aussaufen muß . « Während dieses Gesanges war sie dicht an sein Ohr herangetreten und sprach halblaut hinein : » Hörst du nicht , du roter Weinschlauch mit deinem Kranze , ich habe es wohl gesehen , wie dir die Metze den Kranz aufgesetzt hat und einen unehrlichen Kuß dir gegeben , ja lebte noch mein Mann , sie sollte Buße tun ; hörst du noch nicht ? Da siehst du auf Herzdame , statt deine ehrliche Frau anzusehen , die dich erst zu einem Manne gemacht ; was warst du denn , du Tunichtgut , hörst du nicht ? « Bei diesen Worten wollte sie ihm den Kranz abreißen , der ihm übers Ohr hing , zugleich sah Anton , daß er von seiner Frau gestört , die Herzdame zu früh ausgespielt hatte , das Spiel , was er gewonnen hätte , war nun verloren , ungeduldig griff er um sich , um seine Ohren frei zu erhalten und schlug seiner Frau ohne Absicht hinter die Ohren . Da war keine Zeit zum Entschuldigen , schon fiel sie ihm in die Haare , er wußte nicht , wie ihm geschah , und da er nicht sehr empfindlich war und in seinem Haupte ziemlich wankte , so ließ er es mit sich geschehen ; Seger aber sang : » Fröhlich , so will ich singen , schlage dein Weib um den Kopf , ich muß dir diesen bringen , zieh dein Weib bei dem Zopf , das Lied , das will nicht klingen , ich stopf dafür den Kropf . « Anton ließ alles mit sich manchen , umsonst sagten ihm seine Kameraden , er solle es nicht leiden , er habe zu viel angewöhnte Demut gegen sie ; er lachte während ihrer Schimpfreden und Schläge , hob sie endlich , als der Wirt kam und sie beide ermahnte , auf seine Arme und trug sie wie ein Kind die Treppe hinauf nach dem Hause und in ihr Zimmer Hier wirkte der Rausch nach , kaum konnte er sie aufs Bett legen , so taumelte er selbst quer über , das erweckte den Ärger der Frau von neuem , über beide Betten hingesunken , war er eingeschlummert , sie konnte ihn nicht von der Stelle heben und hatte daher nicht einmal ihr eignes Bette frei ; bald faßte sie einen Arm , dann ein Bein , es war unmöglich ; sie begann ihn zu entkleiden , ob er vielleicht von der Nachtkühle erwachen werde , dabei stieß und schlug sie ihn , so oft ihre Galle überlief , aber alles umsonst ; wenn sie ihn eben erweckt zu haben meinte , schlug er unerwartet um sich , daß sie einmal gegen den Kachelofen geworfen wurde , und dann drückte er sich noch fester ins Bette . Sie mußte sich endlich entschließen , ihm eine Decke überzuwerfen und sich selbst gleich ihm quer über beide Betten zu legen , um ihren Gram wenigstens ein paar Stunden zu verschlafen . Anton wachte früh auf , er konnte sich erst nicht besinnen , wo er sei , da fiel ihm denn eins nach dem andern ein , und es reute ihn recht herzlich , er hatte seine Frau ungemein lieb und sah auch Tränen in ihren schlafenden Augen , er küßte ihr die Tränen ab und dann ihren Mund ; sie aber , die von dem Schrecken und Ärger sehr ermüdet war , merkte von dem allen nichts , bis er sie zärtlich umarmte und sie seiner Freundlichkeit nicht mehr widerstehen konnte . » Ja sieh nur , wie glücklich wir sein könnten « , sagte sie ihm , » wenn du keine dumme Streiche machtest ; ich bin doch wahrlich noch hübscher als das freche Wirtsweib und küsse dir gern einen Kranz statt des Kranzes , den sie dir aufsetzt , und Wein geb ich dir , so viel du magst , alle Tage deine neun Maß und Sonntags einen richtigen Ehrentrunk , was kann dir denn dabei fehlen ? « - Der aufrichtige Anton konnte hier nicht unterdrücken , daß er die Wasserverfälschung an dem Weine entdeckt ; das ärgerte die Frau , sie fuhr auf und sagte : » Reinen Wein willst du Tagediebe gib mir Geld dazu ! mein voriger Mann , der so viel verdiente , trank nie andern als den ich dir gebe ; ja , denk nur einer , bald wird dir nichts mehr gut genug sein , und sonst nahmst du mit allem vorlieb . « - Anton , der ein Feind vom Zanken war , beruhigte sie mit Liebkosungen , er war in der schönsten Friedenszeit nie so zärtlich gewesen , wie heute nach dem ersten großen Streit . Das versöhnte die Frau bis zum Nachmittage , wo ihr schon allerlei Gerüchte von dem gestrigen Ereignisse zu Ohren kamen , die sie gar sehr ärgerten . Sie fing von neuem an gegen Anton zu knuttern , der sich zu seinem Altarbilde recht begeistert gesetzt hatte ; sie sagte ihm , wie sie gestern bei dem Bilde , als sie es den Frauen gezeigt , ihn vor allen Männern herausgestrichen habe , wie fleißig , wie ordentlich er geworden , wie er nie mehr zu Wein gehe und mitten in der Unterredung habe sie seine Stimme im Keller gehört , und wie ihr das wehe getan , das könne sie nicht verschmerzen , die Frauen hätten sie angesehen und nicht gewußt , was ihr fehle . Als jene aber weggegangen , da sei sie ihm nachgegangen und habe ihren Jammer im Keller gesehen , und nun fing sie mit allen Vorwürfen und Klagen ihm die Geschichte zu wiederholen an , daß Anton nach ein paar Stunden in heller Verzweiflung aufstand und unter dem Vorwande sich Farben einzukaufen , vor dem Tore in frischer Luft sich zu ergehen beschloß . Er kam auf einen freien Platz mit Bäumen , wo er oft mit seinen Kameraden Ball geschlagen hatte , er dachte sich , mit welcher Ungeduld er sonst dahingeeilt und für alle Quälereien seines Vaters hinlänglichen Ersatz mitten im Staube gefunden , in dem sie sich getummelt , wie sie die Gärten listig beraubt , die Kühe auf der Weide ausgemolken und wie sie sich so vielerlei gedacht , was aus ihnen werden sollte , Ritter und Räte mit goldenen Ketten und Spornen , und wie aus allen so wenig geworden . Er dachte des guten alten Bürgermeisters , wie ihn der in aller ritterlichen Übung unterrichten lassen , und wie ihm alles so wohl angestanden ; er dachte , wie ihm die Welt sonst so weit gewesen und wie er nun Abends nicht über seiner Frauen Kammerschwelle hinausschreiten solle . In dem Augenblicke kam Seger ganz allein den Weg zu ihm heruntergeschritten und fragte scherzweis : » Nun , hat ' s noch viel Schläge von der Frau gesetzt , oder hat sie Euch gar weggejagt ? Hört « , fuhr er fort , » ich rate Euch als Freund , verliert Eure Hosen nicht in den ersten Momenten , Ihr bringt sie sonst niemals wieder ; so einer Witwe müßt Ihr den Daumen aufs Auge setzen , um sie nach der Hand zu ziehen , ich weiß es aus Erfahrung , mein Weib wollt es eben so machen jetzt muß sie kuschen . Ich bin Euch gut , Ihr seid ein Kerl , der überall sein Glück machen kann bei Weibern und bei großen Herren , was wollt Ihr bei dem Weibe verjammern ? Kommt mit in das Jägerhaus , es ist jetzt gut Wildbret und Wein dort , Eure Kameraden , an die Ihr gestern so viel Geld verloren , kommen auch , Ihr müßt es ihnen wieder abnehmen . « Anton war durstig und er schämte sich zu sagen , daß er seiner Frau wegen schon nach Hause müßte ; er schlenderte mit in das Jägerhaus , kegelte erst einen Stamm ab und beredete sich mit dem Jäger zu einer großen Jagd am andern Tage , dann kamen seine Spießgesellen , und er spielte und trank mit ihnen . Das Glück hielt diesmal zwischen ihm und den andern die Waage , es wurde ihm so behaglich , Seger erzählte gute Schwänke aus dem Kriege , wie er mit Sickingen gegen Köln gezogen , wie sie die Mönche geärgert , dabei fluchte er auf den Papst , mit dem man damals aus allerlei Gründen unzufrieden war ; es wurde von Luther erzählt , wie der des Papstes Bullen verbrannt . Anton bewunderte den tapfern Mann und hätte gern sein Bildnis malen mögen . » Seinem Bilde müssen wir folgen « , sprach Seger ; » wahrhaftig , die Geistlichen sollen uns hier nicht mehr mit Beichte und Ablaß martern und abschätzen . « Darüber kam es zum Streit , wobei Anton mit seiner Stärke Frieden stiftete . Erst um zwölf Uhr kam er ziemlich bezecht , doch wohl bei Sinnen in sein Haus zurück , wo alles in der größten Verwirrung durcheinander lief , Frau Anna war auf den Gedanken gekommen , weil sie ihm den Nachmittag so viele Vorwürfe gemacht , er möchte in die weite Welt gelaufen sein , und nun fühlte sie erst recht , wie lieb sie ihn hatte ; mit großer Ungeduld hatte sie Boten auf alle Straßen abgesendet , an alle Tore geschickt , es war ein Lärm in der Stadt geworden , Meister Anton Sixt sei davongelaufen , und alles , was noch im Hause deswegen auf und versammelt geblieben , war verwundert , ihn so fröhlich und ruhig eintreten zu sehen . Die Frau war ganz elend vom Schrecken , sie lag bleich auf einem Ruhebette ; als sie ihn aber so fröhlich ankommen sah , sprang sie doch aus Ärger auf und über ihn her , er aber sah sie groß an , wie ein Adler , der einer Grasmücke die Eier ausgetrunken , die ihm dafür auf den Rücken gesprungen und mit dem Schnabel hackt . Er fragte mit großen Augen , was denn das bedeuten solle , und erfuhr von den Mägden die ganze Geschichte . Diesen öffentlichen Lärmen nahm er ernstlich übel , er schwor , er sei Herr im Hause , und wenn sich noch einer unterstehe , ohne seinen Befehl so etwas zu tun , so werde er ihm Arm und Beine entzwei schlagen . Dabei schlug er so grimmig auf den Tisch , daß die Frau in Angst geriet und ihm gute Worte gab ; sie wollte ihn auch liebkosen , aber er wies sie von sich . Alle waren über Herrn Anton verwundert , der bisher kaum etwas im Hause sich zu erbitten erlaubt hatte ; schon den nächsten Tag sah er die Wirkung seines Ernstes ; während seine Frau noch heftig mit ihm zankte , kam der Hausknecht und fragte ihn , was für Wein er holen solle . Die Frau wollte vor Ärger umkommen , aber er bestellte sich einen teuren Wein und ließ sie toben , daß er ihr alles Geld verschleudere . Wollte sie von nun an ein gutes Wort von ihm haben , so mußte sie ihm Geld geben , so viel er haben wollte , und stillschweigen , wenn er Abends aus den Weinkellern nach Hause kam , nachdem er tagelang mit ihnen auf der Jagd gelegen , die ihm eine unüberwindliche Leidenschaft geworden . Seine Ausgaben überstiegen bald alle ihre Einnahmen , ans Malen hatte er nicht Zeit zu denken , aber ihre Liebe zu ihm nahm immer zu ; sie machte ihm täglich Vorwürfe , auch schlug sie wohl zuweilen , aber das half alles nicht ; sie schickte deswegen die Geistlichen über ihn , daß sie ihm das Abendmahl versagen sollten . Anton merkte bald , woher dies stamme , und ärgerte sich über diese Pfaffenwirtschaft , durch die seine Frau ihn regieren wollte , er besprach sich mit Seger und andern in der Stadt , die heimlich Luther zugetan waren und erklärten , daß sie das Abendmahl künftig nur unter beiderlei Gestalt annehmen wollten . Die Geistlichen betrieben die Sache für jetzt nicht weiter , sie waren unter sich uneinig und sahen , wie viele Anhänger die Kirchenverbesserung unter ihnen gewönne ; Frau Anna hatte an ihnen keine Hülfe in ihrem Grame , insbesondere , als Anton das neue schöne Altarbild in die Kirche geliefert hatte ; sie sagten ihr , daß eine christliche Ehefrau ihrem Manne in allen zeitlichen Angelegenheiten dienen und nachgeben müsse . Das war eine harte Zeit für Frau Anna , insbesondere , da sie sich ihrer zweiten Niederkunft näherte und Anton immer leichtsinniger in allerlei Verschwendung wurde . Sein fröhliches Wesen und gute Lebensart hatte ihn einigen Rittern der Gegend empfohlen , mit denen er jagte , auch ein paarmal zu Fehden mitritt , wobei er sich den Ruf eines sichern unerschrockenen Mannes erwarb . Da er halbe Wochen bei ihnen zugebracht hatte , so besuchten sie ihn wieder in der Stadt , was Frau Anna bei der gewohnten Achtung , die sie im geringen Herkommen gegen den Adel der Gegend hatte , nicht wenig in Verlegenheit setzte . Anton zog sie mit ihrem ängstlichen linkischen Wesen auf , und jedem solchen Besuche folgte ein Strom von Tränen , die sie aus Arger über sich vergoß . Unter solchen Bekümmernissen wurde sie glücklich von einem prächtigen Jungen entbunden , der fröhlich in die Welt lachte und sie zornig anschrie . Das Kind war aber ein Nimmersatt wie ihr Mann , dessen Namen Anton es auch in der Taufe erhielt ; sie gab ihm zwei Ammen . Der große Anton hatte diese Zeit in stetem Jubel verpraßt ; er benutzte ihre Schwäche , um einmal alles im Hause durchzusehen , Kisten und Kasten , um zu wissen , ob ihr Jammer über seine großen Ausgaben wirklich einen Grund hätte . Nun fand er freilich , daß manche große Kiste nichts als unbedeutendes altes Gerät enthielt ; so fand er auch jenen verrosteten Degen und den durchlöcherten Beutel , den ihr Kurt aufgefunden hatte , doch erstaunte er über die Menge Leinen und anderen Vorräte . Als eine törichte Pracht erschienen ihm die alten Pokale von des Bürgermeisters Ahnherren , weil niemals im Hause daraus getrunken wurde . Er nahm im Spaß ein Paar mit auf den Ratskeller und bewirtete seine Freunde . Ein Roßhändler , der gerade durchreiste , bezeigte seine Lust , sie zu kaufen , während er einige seiner schönsten Streithengste vorbeireiten ließ . Da war nun ein Apfelschimmel , der die ganze Neigung Antons auf sich gezogen ; er konnte die Seligkeit kaum überschlagen , so ein Pferd täglich zu reiten , was alle Ritterpferde in der Gegend weit übertraf ; er selbst trat dem Kaufmann mit der Frage entgegen , ob sie tauschen wollten , und der Mann ließ es sich gern gefallen , die Becher anzunehmen , die mit goldenen Denkmünzen bedeckt , den Henkel mit Edelsteinen besetzt , als Hauptschätze des Hauses geachtet wurden . Anton machte diesen Tausch heimlich , so daß keiner seiner Freunde ihn warnen konnte ; er war ganz selig darüber , aber er fürchtete gleich , daß die Geschichte seiner Frau zu Ohren kommen möchte , deswegen beschloß er , ein paar Tage bei dem Ritter von Wieringen , seinem liebsten Jagdfreunde , zuzubringen . Er ritt noch den Abend fort und ließ es seiner Frau durch Segen sagen , die bei dieser Veranlassung in bittre Klagen über ihn ausbrach , daß er ihren Mann verführe . Seger meinte , sie möchte sich nur auch verführen lassen , und ihnen wäre beiden geholfen , worüber die Frau in großem Zorne ihm das Haus verbot . Seger ließ einige drohende Worte fallen und sein Fluch ging noch in derselben Nacht in Erfüllung . Viele haben behauptet , er möchte selbst die Ursache des Unglücks sein : das große Vorwerk vor der Stadt , woher Frau Anna ihre Einnahme zog , brannte bis zum Grunde ab . Sie raufte sich die Haare aus und weinte über ihre unglücklichen Kinder ; endlich sagte sie aber mit Hiob : der Herr hat ' s gegeben , der Herr hat ' s genommen , der Name des Herrn sei gelobet ; doch hätte sie gern ihren Herrn im Hause gehabt , um ihm ihre dringende Ermahnungen vorzutragen . Gegen Mittag kam Anton , aber in welchem Zustande ! Er wurde von einem Bauer mit Ochsen herein gefahren , so gelähmt und zerschunden hatte ihn nach mutiger Gegenwehr ein Haufen reisiger Knechte liegen lassen , denen nach seinem Rosse gelustet , die ihn überfallen und es durch überlegene Zahl nach hartem Kampfe ihm abgenommen hatten ; er glaubte , den Roßkamm unter ihnen bemerkt zu haben . Seiner Hausfrau Bewillkommnung war nicht so milde , wie sein trauriger Zustand erwarten konnte ; kaum sorgte sie für sein notwendigstes Bedürfnis , mit Unwillen gab sie ihm seine gewohnten neun Maße Wein und vier Pfund Rindfleisch , die er zum Mittagessen gebrauchte , und kündigte ihm gleich an , daß er nach dem Brandschaden kein solches Mahl künftig zu erwarten habe . Er war so beschämt , daß er nichts darauf antwortete , sondern seine Frau durch Vorschläge , wie der Schaden zu ersetzen sei , zu zerstreuen suchte ; bald meinte er , ob es besser sei , das Vorwerk jetzt zu verkaufen oder es aufzubauen . Die Frau stimmte aber für das Letztere und meinte , daß dazu die silbernen Pokale und Becher aus des Mannes Erbschaft verkauft werden sollten . Anton wagte die Augen nicht aufzuschlagen , er dachte sich den Lärmen , wenn der Verlust der beiden bedeutendsten Stücke entdeckt würde , und brachte es durch seine Beredsamkeit dahin , sie zum Verkaufe zu überreden . Nach acht Tagen , wo Antons unverwüstliche Gesundheit alle Beschädigung überwunden hatte daran mancher andre gestorben wäre , ging er nach dem Ratskeiler und wurde bei einem Becher Wein mit dem Wirte eines Kaufs einig , der ganz billig war , da Seger sehr lebhaft für Anton gesprochen hatte . Aus Dankbarkeit tat er Seger den Gefallen , ihm das Kapital zu einem gewohnten Zinse auf seine Häuser und Gärten zu leihen , die sehr ansehnlich waren , sowie auch Seger überall für einen wohlhabenden Mann galt . Frau Anna war zwar böse , daß er mit dem schlechten Menschen dadurch in Verbindung bleibe , sie konnte aber das Geschehene nicht ändern ; auch war sie jetzt mit ihrem Kinde sehr beschäftigt , das so außerordentlich zunahm , als wolle es den Vater bald einholen . Anton , im geheimen Bewußtsein der Schuld mit den Bechern , wurde in dieser Zeit so demütig wie in der ersten seines Ehestandes ; doch begegnete sie ihm mit gleicher Härte , die er während der Zeiten seines wüsten Herumlebens in ihr notwendig gemacht hatte . Er dachte auch wieder an die Malerei und verfertigte einen St. Sebastian und einen St. Petrus , die ihm gut bezahlt wurden . Freilich war diese Einnahme immer nur gering gegen die Ausgaben , die ihm solch Bild machte . Um ruhig und ausdauernd zu malen , mußte seine Weinkanne nie leer werden ; es blieb immer nur wenig übrig , um die beiden Becher , wie er sich vorgenommen hatte , früher zu ersetzen , ehe die Frau den Verlust wahrnehmen könne . Aber ein neues Unglück störte diesen Frieden von neuem : Seger lief davon und hinterließ so viele Schulden , daß seine Häuser und Gärten ihnen nur für ein Zehntel Ersatz gaben . Die Nachricht setzte Frau Annen ganz außer sich ; sie schimpfte , sie schlug ihren Mann , wo sie ihn traf , und dieser im Bewußtsein , wie viel mehr er noch verschuldet , ertrug alles geduldig . Sie gab ihm nur noch wenig Wein ; er malte desto fleißiger , und die Geistlichen gaben ihm große Bestellungen . In der Not , worin ihn die Frau erhielt , in der Liebe zu seinem Knaben , die ungemein groß war , fing er an , was er so machte und gemacht hatte in handwerksmäßiger Gewohnheit und besondrer Anlage , näher zu betrachten ; es kam ihm selbst wunderbar vor , was er hervorbringe ; es konnte sich doch nichts von allem in der Gegend damit messen , und seines Vaters Bilder waren neben den seinen kaum zu dulden ; insbesondre konnte er nicht begreifen , woher ihm die frommen stillen Gesichter kämen , da er selbst einem lustigen Landsknecht glich , auch nur mit lustigen Leuten gern umging . Da meinte er , das müsse wohl von seiner Frau ihm so vorschweben , die bei aller Härte gegen ihn doch immer ein sehr mildes heiliges Gesicht bewahrte , auch fleißig betete ; der Gedanke vermehrte seine Achtung gegen sie ; er schlich ihr oft nach , beobachtete sie und fand dann immer , daß seine Marien und andere heilige Frauen natürlicher würden und mehr Beifall erhielten . Als er sich so mit eigner Gesinnung seiner Kunst widmete und aus dem Handwerke hervorstrebte , griff die von Karlstein verbreitete Bilderstürmerei auch bis in diese Gegenden um sich ; der Vorwand , den Götzendienst zu zerstören , brachte eine Menge liederlichen Volkes zusammen , welche die Kirchen beraubte . Mit großer Wut sprach Anton in seiner Stadt gegen die Lehre , ja er verfluchte Luther und alle seine Anhänger , weil durch sie dieser Wahnsinn aufgeregt worden , und wirklich hatte seine Stimme sein körperliches Ansehen die Macht , lange Zeit alle in Ordnung zu halten . Endlich drang aber Seger , als Anton gerade wegen der Überbringung eines Gemäldes abwesend war , mit einer Schar schwärmender Landsknechte in die Stadt und hielt Predigten vom wahren Glauben . Sein Haufe vermehrte sich schnell , und sie wollten eben in die Stadtkirche dringen , die von den Geistlichen stark verriegelt war , als Anton anlangte , von dem Lärmen hörte , sich mit einem Spieße bewaffnete und durch Hülfe der Geistlichen auf geheimen Wegen in die Kirche kam , um sie zu verteidigen . Der Anlauf gegen die Türe ward immer wilder , endlich hob der Haufe ein Stück Bauholz zur Türe und schwang diese wie einen Mauerbrecher dagegen ; die Riegel sprangen und alle , Seger voran , jubelten , daß alles gelungen , als ihnen Anton aus dem Dunkel der Kirche mit donnerndem Fluche und glänzendem Spieße entgegentrat . » Daß eure Augen ausfallen , ihr Frevler ! « rief er mit gräßlicher Stimme und stieß Seger , der nicht weichen wollte , nieder . » Du sollst den Herrn nicht betrüben , wie du mir getan « , rief er weiter , » du sollst noch der Arm seiner Gerechtigkeit werden . « Bei diesen Worten ergriff er ihn beim Fuß und schmetterte mit ihm , wie mit einer gebrochenen Keule , auf die rasenden Stürmer los , die von dieser Riesenkraft erschreckt , sich nach allen Richtungen fortflüchteten . » Ihr Wiedehopfen , die ihr euer eigen Nest besudelt « , rief er ihnen nach , » habt ihr so