Vetter sind grad so dumm wie du ! Die wären um deinetwegen ins Feuer gesprungen . Denen hab ich Fuß machen müssen . « Malimmes tat einen tiefen Atemzug . » Aber du , Mensch ? Wo kommst denn du jetzt her ? Und so ? « Der Söldner guckte an sich hinunter . » Ich bin gewesen , wo man die Gäns rupft . Und hab gemeint , daß Ihr Kundschaft braucht . Die hab ich geholt . In dritthalb Stunden sind die Salzburger beim Hallturm . Ich schätz dreihundert Roß und fünfhundert Spieß , dazu vier Hauptbüchsen , die einen Zentner schießen . Hauptmann ist der Hochenecher . Den kenn ich vom ungrischen Handel her . Ist ein Scharfer ! Aber sein Profos ist ein Schöps . Bei den Salzburgern sind die Gadnischen , die sich gesammelt haben . Und Ingolstädtische müssen dabeisein . Ich hab Gäul gesehen , die den Loys mit der Herzogskron als Brand auf dem Hintern haben . « Herr Grans war ernst geworden . » Teufel ! Das ist mehr , als der Seipelstorfer weiß . « Er wollte davongehen , sah den Malimmes an , trat auf ihn zu und rührte mit dem Finger an den bläulichen Strich , den der Söldner rings um den Hals hatte . » Mensch ? « Jetzt lachte Malimmes . Und weil er wußte , daß dem Hauptmann die Geschichten vom ungefährlichen Hanfsamen bekannt waren , sagte er : » Der von heut , das ist der sechste gewesen . Kann auch sein , erst der fünfte . Ich weiß nimmer recht . Aber mein Hals will verdienen . Vergeßt nit auf meinen Botenlohn ! Heut bin ich Kirchenmaus geworden . Ich brauch Gewand und eine neue Wehr . « » Sollst alles haben . « » Und einen Mann , der mich zu meinem Herren führt . « Der Hauptmann winkte einen der Knechte herbei . » So erzähl doch , Mensch ! « » Ein andermal , Herr ! « Malimmes nahm den Zügel des Ingolstädter Gaules , dessen Fell in der warmen Sonne schon zu trocknen begann . » Heut wird ' s mit der Zeit ein lützel knapp . « Er sah über die Schulter gegen die Hallturmer Mauer . » Ich hätt mir in Berchtesgaden gern die Haar stutzen lassen . Aber der Bader ist mir mit der Scher unter die Haut gekommen . Jetzt wart ich lieber bis übermorgen . « Malimmes sah scharf den Hauptmann an und sagte langsam : » In Burghausen gibt ' s doch gute Haarstutzer ? Nit ? « Herr Grans wollte etwas erwidern , drehte sich aber plötzlich um , klirrte davon und schrie : » Der Seipelstorfer ? Wo ist der Seipelstorfer ? « Den Gaul am Zügel führend , ging Malimmes hinter dem Knechte her , der ihn zum Runotter führen sollte . In dem schmalen Waldtal war eine dichte Zeltstadt aus dem Boden gewachsen . Söldner , Schützen und Harnischer lagen neben den Reihen der angepflöckten Gäule bei den Feuerstätten , würfelten um Beutestücke , verzechten das Berchtesgadnische Raubgeld und scherzten mit den Troßweibern . Fast am Ende des Gelägers , bei einer Quelle unter alten Bäumen , stand das große Zelt , das man dem Runotter und den Seinen zugewiesen hatte . Der Falbe , der Schimmel und die zwei erbeuteten Gäule der Knechte waren angepflöckt und zupften den Hasenklee aus dem Moose . Heiner putzte das Sattelzeug . Als er den Malimmes kommen sah , sprang er auf . » Gott sei Lob ! « Er rückte vergnügt den Stirnverband , als wär ' s ein Hütl . » Der Bub , unser Bauer und das narrische Mensch sind fast verzweifelt vor Angst um dich ! « » Wer noch ? « fragte Malimmes . » Die Traudi . Wirst doch wissen - « Malimmes sah ein bißchen wunderlich drein . » Die ist auch noch da ? « Und während er seinen Gaul anpflöckte , murrte er vor sich hin . » Es ist doch ein Elend mit den Weibsleuten . Haben kann man sie flink . Los wird man sie niemals wieder . « Den Altknecht machte die mangelhafte Bekleidung des Söldners neugierig . » Da ist die Hitz dran schuld . Gebadet hab ich , wider das Schwitzen , weißt . Und da ist mir so pudelwohl geworden , daß ich das ganze Gelumpert beim Wasser hab liegenlassen . « Malimmes lachte über die verdutzten Augen der beiden Knechte , ging auf das Zelt zu und sah in den dämmerigen Raum . » Wo ist denn - - Höi ! Wo der Bauer ist , frag ich ? « » Da drunt , wo man Ausschau hat über das Haller Tal . Die meinen doch , du kämst durch den Schwarzenbach von der Ramsau her . « » Spring , Heiner ! Sag dem Bauer , daß ich daheim bin . « Der Bursch rannte davon . Und Malimmes befahl dem Altknecht : » Hol mir den Feldscher ! Und schau , daß du einen Krug Wein auftreibst . Einen festen ! « Als er allein war , taumelte er auf den Waldboden hin . Eine Weile blieb er liegen , wie leblos . Dann stemmte er sich mühsam wieder auf und trat in das Zelt . Zwischen anderen Waffenstücken hing da ein zierlicher Helm mit einem Reiherbusch . Malimmes strich mit der Hand über den blanken Stahl , als wär ' s die Wange eines Kindes . Nun ging er zu seinem neuen Gaul , lockerte ihm die Sattelgurten und tätschelte den schlanken Hals des schönen Tieres . » Bald kriegst was ! Erst mußt verschnaufen . « Zwei Knechte des Herrn Grans erschienen mit einem großen Pack . Sie brachten Wehrzeug , Waffen und Kleider . Alles war , Raubgut . Und Hauptmann Seipelstorfer schickte als Dank für die Kundschaft einen schweren Beutel . Malimmes schmunzelte . » So viel ist der Hänfene nit wert gewesen . « Er wollte sich kleiden . Es war reichliche Auswahl da . Nur das Hemd fehlte . Malimmes kramte im Zwerchsack der Knechte . Umsonst . Die hatten nur das Hemd , das sie am Leibe trugen . Im Bündel der Traudi fand er ein langes , grobleinenes Weiberpfaid . Das zog er an . Und lachte , während er so dastand und sich anguckte . Den feuchten Bausch des eigenen , zerfetzten Hemdes stopfte er zwischen die paar Habseligkeiten des Mädels . Mit allem anderen ging ' s flink . Stattlich und doch ein bißchen sonderbar gewandet , wie ein Mischling aus zwei Dritteln Herr und einem Drittel Soldknecht , stand Malimmes vor dem Zelt , als der Feldscher mit seiner Tasche und der Altknecht mit dem Weinkrug kamen . » Gib her ! « Malimmes packte den Krug . » Jetzt duck dich , arme Seel ! Die Sündflut kommt ! « Er soff , daß die zwei anderen zu lachen begannen . Nun saß er auf einer Baumwurzel und hielt unter dem Lichterspiel der Sonne geduldig den Kopf hin , während der Feldscher die kitzlige Arbeit begann . Ein Hautlappen , den man wegschneiden mußte , flog ins Moos . » So ! « sagte Malimmes . » Da kriegen die Mäus was . Der liebe Herrgott teilt ' s allweil so aus , daß jedes Schwänzlein Leben zu seiner Notdurft kommt . « Heiter meinte der Feldscher : » Nit jeder laßt seine Haut so willig wie du ! « » Was liegt an einem Läpplein Haut ? Wer gut durch die Welt kommen will , muß sieben Haut haben . Da schält sich bei jedem Elend eine weg von ihm . Die wo nachwachst , muß allweil die bessere sein . « Ohne Zusammenhang mit diesen klugen Worten lachte Malimmes plötzlich wild hinaus . Dann preßte er den Arm an die Stirn und sagte bekümmert : » Sonst vertrag ich nit wenig . Aber heut - die Hitz halt , weißt - « Er atmete schwer . Der Feldscher nähte mit festem Zwirn , den er zuvor in Essig tauchte . Über die Naht kam das Pflaster . Malimmes griff hinauf . » Jetzt mußt mir noch die Haar über das Pflaster kampeln . Ich mag nit merken lassen , daß ich ein Loch hab , wo keins hingehört . « Über den neuen Scheitel , der ihm angebürstet wurde , zog er eine gesteppte Seidenkappe , die er im Pack des Herrn Grans gefunden . Aus dem Säckel holte er den Dank für den Feldscher heraus : » Vergelt ' s Gott , Mensch ! « Und dem Altknecht befahl er : » Jetzt futter meinen Gaul ! Er hat verschnauft . « Eine freudig schrillende Weiberstimme im tieferen Wald . Malimmes guckte gottergeben drein . Atemlos kam Traudi durch den Wald heraufgewirbelt , vergaß aller Eifersucht und überschüttete den Malimmes mit einer ausreichenden Mahlzeit von Sorge und Zärtlichkeit . Stumm ertrug er ' s , während schon die Wirkung des schweren Trunkes in seinen Augen zu blinkern begann . Daß er anders aussah als sonst , das merkte die Traudi nicht . Der Malimmes war da , war gut zu ihr , und ihr Glück hatte keinen Wunsch mehr . Als ihre Freude sich ausgetobt hatte , faßte er sie am Handgelenk : » Dich hab ich gesucht . Bloß um deintwegen bin ich gekommen . « » Ist ' s wahr ? « Sie glich in diesem Augenblick dem seligsten Geschöpf der Erde . » Aber , Maidl , jetzt mußt du beweisen , daß du mich lieb hast . « » Dir tu ich alles . « » Zu meiner Mutter mußt du , in die Ramsau , jetzt gleich . Die Mutter tut Not leiden . « Er schüttelte den Inhalt des Säckels vor sich hin und schob ein paar Silberstücke in seinen Hosensack : das übrige teilte er nach dem Augenmaß und gab dem Altknecht die eine Hälfte : » Das schieb in des Herren Zwerchsack . Ist für uns alle . « Die andere Hälfte gab er wieder in den Sack . » So , Maidl , das bring der Mutter , jetzt gleich ! Und bei der Mutter bleibst du , bis ich komm . Dein Kind muß ein Heimatl haben , weißt ! « Ihre Augen strahlten . » Wann kommst ? « » So bald wie ' s geht . Hast meinen Goldpfennig noch ? « » Wohl ! An einem Schnürl um den Hals . « » Da laß ihn nur hängen derweil . Jetzt kannst du die Mutter auch grüßen - von mir . Mach weiter ! Das Ding hat Eil . « Sie wagte keinen Widerspruch , sprang in das Zelt , holte ihr Bündel und wollte den Malimmes halsen . Er sagte : » Schon gut ! « Mit Tränen in den Augen sprang die Traudi davon . Er sah ihr nicht nach , sondern starrte vor sich hin auf den Waldboden , und in seinem Gesicht war der Ausdruck eines peinvollen Grams . Mit schweren Schritten ging er ins Zelt und preßte die Lippen , an den zierlichen Helm , wie ein inbrünstiger Beter die Reliquie eines Heiligen küßt . Wieder jenes wilde Lachen . Dann warf er sich auf die Pferdedecken , die in einem Winkel des Zeltes lagen . Noch einmal hörte er die Stimme der Traudi . Das Mädel war dem Runotter und dem Jul begegnet und sprach mit ihnen . Nun kamen die beiden . Jul war ohne Kettenhaube , barhäuptig . Wie ein dickes , schweres Mäntelchen hing das schwarze Haar um das erhitzte Gesicht . Runotter , völlig gewaffnet , schlug den Tuchlappen des Zeltes zurück . » Gott sein Dank ! Da ist er . Mir geht ein Stein von der Seel . « Malimmes lag unbeweglich auf den Decken , mit geschlossenen Augen . Als Jul zu ihm hinspringen wollte , faßte Runotter den Buben am Arm . » Sei fürsichtig ! Der schaut aus wie ein arg Müder . Gönn ihm die Ruh ! Er schlaft . « Lautlos kauerte der Bub sich auf den Boden hin und schmiegte seine Wange an die Faust des Malimmes . Der zuckte leis . Doch er ließ die Faust so liegen , wie sie lag . Mit großen Augen sah Runotter die sonderbare Gewandung des Söldners an und betrachtete die neuen Waffen , die da umherlagen . Draußen bei den Gäulen war ihm das fremde Roß mit dem prächtigen Sattelzeug aufgefallen . Was er mit eigenen Augen sah , und das wirre Geschwätz , das der Heiner gemacht hatte , und das verdrehte Gerede der blonden Leuthausmagd - das alles stimmte nicht zueinander . Über das braune Gesicht des Bauern glitt plötzlich ein fahles Erblassen . Der schwere Küraß , der zu Häupten des Malimme auf dem Boden stand ? War das nicht der Küraß , den der Gadnische Vogt in jener Nacht getragen hatte , als der Jakob auf dem Totenbrett hatte liegen müssen ? Und war ' s nicht der gleiche Küraß , über den bei der Hallturmer Mauer das Blut des Erschlagenen heruntersprudelte , der unter den Streichen des Runotter zusammenbrach ? Wie kam dieser Küraß in das Zelt ? War Malimmes auf dem Greuelfeld des Hallturmer Burghofes zum Raubmann geworden ? Oder gab es Wege , auf denen die Toten ihre bösen Mahnungen zu den Lebenden schicken ? Wortlos , wie von einer drückenden Last gebeugt , ging der Bauer aus dem Zelt . Und draußen befahl er mit rauher Stimme dem Altknecht : » Lauf , Mensch - da liegt ein Krug - bring , was du kriegen kannst ! Mich dürstet nach Ruh . « Der heitere Lärm des Gelägers - diese kreischenden Stimmen , das Gelächter , die johlenden Lieder , das Dullenklopfen auf den Harnischen und Eisenhüten , das Gewieher und Stampfen der Pferde - das alles tönte gleich dem wirren Geplätscher eines Sturzbaches in die dämmerige Stille des Zeltes . Unbeweglich saß der Bub auf der Erde , mit dem Kopf an die Schulter des Malimmes gelehnt . Der lag wie ein toter Klotz . In dem Schlafe , den er geheuchelt hatte , war ihm aus Erschöpfung und Weindunst ein ehrlicher Schlummer auf die Lider gefallen . Manchmal ließ er ein kurzes , drolliges Schnarchen hören - es war wie der röchelnde Laut einer Kehle , der es ein bißchen an Luft gebricht . - - Vor der Mahlstunde des Gelägers , als die Waldluft erfüllt war von den Schmorgerüchen der vielen Feuerstätten , vernahm man immer wieder von der Hallturmer Höhe her ein kurzes , dumpfes Trommelgerassel . Das war der kriegerische Segen , mit dem der heilige Peter seine Toten verspätet dem Schoß der Erde übergab . Jeder von den Troßbuben , die beim Hallturm als Totengräber dienen mußten , hatte sich ein mit Essig getränktes Tuch um Mund und Nase gebunden . Und hohe Feuer loderten , die man mit Stößen von Wacholder nährte . Man trieb da den Teufel mit dem Teufel aus und übertäubte den üblen Geruch des Todes mit einem Gestank des Lebens . Das gemeine Volk , das die Pflichten der Pietät erfüllen und durch die zerbröselte Mauer die für den Sturm auf die feindliche Sperrschanze nötigen Tore brechen mußte , hielt den bayrischen Hauptmann Seipelstorfer für einen großen Esel , weil er sein Pulver sparte , statt die Arbeit bei der Hallturmer Mauer durch einen Hagel von Stein und Blei zu stören . Die Büchsenschanzen auf dem Fuchsenstein waren deutlich zu sehen ; doch über achthundert Schritte konnten die Getreuen des heiligen Peter nicht mehr erkennen , daß die bayrischen Geschütze bereits aus den Schanzen zurückgezogen waren . Unter Bespannung standen die Landshuterin die Hornaussin und die Trommelkanone schon im Wald auf der Straße , wo ihre Räder fest mit Sacklumpen und Filz umwickelt wurden . - Der wehrhafte Häuf des heiligen Peter , dessen Nachhut noch mit einem langen Schwanz die von Berchtesgaden herziehende Straße füllte , wurde außerhalb des Duftbereichs der Hallturmer Mauer aufgestellt . Hinter den vier Hauptbüchsen hatte Hauptmann Hochenecher mit seinen Geleitsherren auf einem grünen Hügel Stand genommen , um die Anordnung des Sturmes zu beraten . Der durfte vor der fünften Morgenstunde nicht beginnen . Es war wohl verabredet , daß der Hinterhalt der Salzburger mit dem Kriegshaufen des Bischofs von Chiemsee und des Kaspar Törring das Saalachtal vor Anbruch der Nacht bei Piding und Marzoll , hinter dem Untersberge , sperren würde . Aber man brauchte den sichtigen Morgen dazu , um den Seipelstorfer von Plaien abzuschneiden und den Feind hinunterzupeitschen in die unentrinnbare Mausfalle an der Saalach . Sooft die Salzburgischen Herren während ihres Kriegsrates zum Fuchsenstein hinüberguckten , fingen sie zu lachen an . Wie ahnungslos die winzigen Käfer da drüben auf und nieder krabbelten an der Sperrschanze ! Und Erde karrten und Bäume schleppten . Um sich einzusperren in einen mörderischen Sack ! Neben den Lachenden stand ein Ernster , der in diesem Kriegsrat kein Wort gesprochen hatte . Die feste Sonnenluft , die über den Hügel hinblies , bewegte die Fasanenflügel auf seinem schimmernden Helm . Als die Herren des Rates auseinandergingen , jeder zu seinem Fähnlein , legte Fürst Pienzenauer seine gepanzerte Hand auf die Schulter dieses Schweigsamen . » Komm ! Ich will reden mit dir . « In Lamperts Augen war eine dürstende Hoffnung . Die beiden gingen zu einer alten Ulme , in deren Schatten der Fürst sich niederließ . Lächelnd betrachtete er den Jungherrn . » Ich habe mir überlegt , was du mir am Morgen sagtest . Auch hast du dir durch den gefahrvollen Ritt nach Ingolstadt einen Dank verdient . « » Ich tat nur meine Pflicht . « » Grund genug für deinen Fürsten , um dir zu danken . Der Menschen , die immer ihre Pflicht tun , gibt es wenige . Sonst hätte das Leben ein anderes Gesicht als jenes üble , das von der Hallturmer Mauer zu uns herguckt und das wir heut in meinem verwüsteten Münster gesehen haben . Ich will es dir nicht vergessen , daß ohne deinen mutigen Ritt die Bayern noch immer in meiner Stube säßen . Oder denkst du auch von Herzog Heinrichs Leuten so gut wie von deinem Ramsauer Schützling ? « » Nein ! « In diesem harten , heiseren Worte zitterte ein leidenschaftlicher Zorn . » Man hat uns schamlos und wider Recht überfallen . Die da drüben haben die eigenen Bauernhöfe auf dem Hirschanger in Brand gesteckt , um einen Vorwand wider uns zu schaffen und die Unseren lügnerisch der Schuld zu bezichtigen . « » Die da drüben erklären das vermutlich als feine Kriegskunst , die nicht Gut und Menschen zählt , nur den nützlichen Vorteil wertet . « » Herr ? « fragte Lampert erschrocken . » Redet Ihr solchen Dingen das Wort ? « » Ich ? Nein . Aber wer das Wesen des Lebens erkennen will , muß es mischen aus zwei Gesichtern . « » Das , Herr , ist eingesichtig : Was Herzog Heinrich um dunkler Zwecke willen gegen uns begann , ist ein Frevel ohnegleichen . « » Da frage den Klugen in Burghausen ! Ich vermute , für ihn ist hell , was du dunkel nennst . « Der Fürst lächelte . » Dein Zorn wider diesen Weisen ließe mich hoffen , daß du morgen gegen seine Farben ein grimmiges Eisen schwingen könntest - wenn nicht diese andere Sache wäre , die deine Kraft bedenklich fesselt . In dir ist mehr als nur die Dankbarkeit für diesen wunderlichen Mann , der die folgenschwere Kurzsichtigkeit meines guten Ruppert mit unglaubwürdiger Menschlichkeit vergalt . In dir ist das stärkste von allen Dingen : ein Glaube . « » Ja , Herr ! Ich glaube an diesen Redlichen . « Herr Pienzenauer nickte . » Du bist auch nicht sein einziger Apostel . Den Söldner , der heut für seinen bäurischen Herrn durch die Salzburger Strickschlinge sprang , möcht ich als Diener haben . Durch zweier Zeugen Mund - das ist ein altes , gutes Wort . Ich bekehre mich zu deinem Glauben . « » Herr ! « stammelte Lampert in Freude . » Ich will , daß meine Gadnischen sich morgen auszeichnen . Auch du ! Da soll dein Arm nicht lahm werden durch die Sorge , daß du morgen diesem Redlichen begegnen könntest , gegen den du nicht schlagen willst , weil er für deinen Glauben das Martyrium eines Gerechten leidet . Es zeugt doch auch deine zerbrochene Stimme für die Kraft deines Glaubens . « » Spottet nicht meines Glaubens , Herr ! Ich bürge mit meinem Kopf - « » Den verwette nicht ! « Wieder lächelte der Fürst . » Er ist mir zu lieb . Obwohl ich Raupen in ihm sehe . Wie in allen Menschenköpfen - leider auch in meinem eigenen . Höre , Lampert ! Ich will alles in deine reinliche Hand legen . Nimm zwei von meinen Leuten , reite mit dem weißen Lappen zur Sperrschanze der Bayrischen hinüber und mache den Versuch , ob sie dich mit dem Ramsauer reden lassen . Gelingt es dir , so laß dir sagen von ihm , wie sich alles in der Ramsau und auf dem Hängmoos zutrug . Ich selber glaube , daß der Richtmann nicht lügen wird . Und waren die Dinge so , daß du seine Lösung auf dein Gewissen nehmen kannst , so hast du Vollmacht von mir , ihm Verzeihung und Urfehd anzutragen . Ich will sein Dach wieder aufbauen und will ihn ungekränkt mit den Seinen hausen lassen im Erbrecht . Bist du zufrieden ? « » Herr ! « Wie in einem Rausch von Freude beugte Lampert die Stirne auf den Eisenhandschuh des Propstes . » Das ist mehr , als ich hoffen durfte . « » So geh ! Und eil dich ! Die bösen Dinge laufen so schnell , daß die guten sich um den Vorsprung tummeln müssen . « Freundlich , doch nicht ohne leisen Spott , sah Herr Pienzenauer dem jungen Manne nach , der im ungeschickten Käfertanz eines Gepanzerten über den Hügel hinuntergaukelte zu seinem Pongauer Rappen . Während der Knecht den angepflöckten Moorle löste , faßte Lampert mit beiden Fäusten das Pferd an den Kiefern und drückte ihm das Gesicht an die Schnauze . » Moorle , Moorle , wir reiten zu einer Freud ! « Die zwei Gadnischen Hofleute , die mit Lampert Someiner durch ein in die Mauer geschlagenes Tor hinausritten , trugen an ihren langen Spießen die weißen Flatterzipfel . Während die drei ihre Rosse durch das zähe Grau des im Winde stäubenden Aschenfeldes waten ließen , tönte ihnen ein sonderbar aufgeregter , ohrbetäubender Gesang entgegen . Hinter der neuen Sperrschanze saßen Herzog Heinrichs Harnischer auf ihren Gäulen , in kleine Haufen geteilt . Jeder Reiterschwarm brüllte ein Lied , jeder ein anderes . Und die hundert Schanzbauern jodelten ihre heimatlichen Weisen . Richtiger Gesang brauchte das nicht zu sein , nur fester Lärm , der den Flinkschritt der unter Martin Grans davonmarschierenden Spießknechte und das dumpfe Gerassel der vom Fuchsenstein abziehenden Geschütze und Troßwagen übertönen sollte . Nahe bei der Sperrschanze , auf welcher Herr Seipelstorfer mit seinem Geleit die Parlamentäre erwartete , waren einem Reiterhaufen auch die fünf Ramsauer zugeteilt . Malimmes , in seiner neuen Tracht und schweren Bewaffnung , war nach einem fünfstündigen Schlaf wieder frisch bei Kräften , sang lustig mit und schwatzte dazwischen allerlei drolliges Zeug gegen Jul und Runotter hin , die still auf ihren Gäulen saßen . Manchmal sahen die beiden den heiteren Söldner verwundert an . Seit er aus dem bleiernen Schlaf erwacht war , hatten sie gemerkt , daß er heute anders war als sonst . Über seinen lustigen Ritt durch Berchtesgaden log er allerlei krauses Zeug zusammen . Dem Runotter mißfiel das ; doch Jul sagte : » Wir verstehen ' s halt nit . Ich weiß : Was er tut , ist ein Nutzen für uns . « Und während da nun dreihundert Kehlen so kräftig sangen , daß von dem Marschlärm hinter dem Fuchsenstein nichts mehr zu hören war , kam ein Trabant des Herrn Seipelstorfer über den Wall heruntergesprungen und winkte dem Runotter : » Kommen sollst du ! Ein Gnadnischer Herr steht vor dem Wall , mit Botschaft für dich . Der Jungherr Someiner . « Der Name wirkte auf die drei wie ein Lanzenstoß . Malimmes warf einen brennenden Blick nach dem Buben , der sich auf eine wunderlich sinnlose Weise plötzlich gegen die Mähne seines Gaules beugte . Runotter , in dessen Augen nach dem schweren Trank dieses Mittags eine dumpfe Ruhe gewesen war , verfärbte sich . Er sagte rauh : » Der soll seine Botschaft dem Hauptmann kundtun ! Nach Zwiesprache mit Gadnischen Herren dürstet mich nit . « Da hob der Bub den schimmernden Helm mit dem Reiherbusch . Ein irres Flehen war in seinen großen Augen . » Red mit ihm ! Der tät nit bringen , was ein Ungutes wär für dich ! « Der Bauer sah den Buben an - und sah dem Trabanten nach , der gegen die Sperrschanze hinauf sprang - und sagte müd : » Ist schon vorbei . « Herr Seipelstorfer winkte vom Wall herunter . Er rief auch etwas . Doch unter diesem brüllenden Gesang verstand man ' s nicht . Ein heißes Drängen : » Vater ! So geh doch , Vater ! « Runotter schien nicht zu hören und war auf seinem Gaul wie eine steinerne Säule . In Zorn schimpfte Malimmes : » Gotts Teufel , so rumpelt doch fürwärts ! « Er versetzte dem Schimmel einen heimtückischen Fußtritt gegen den Hinterbacken . An so grobe Behandlung war das brave Rößlein nicht gewöhnt . Schnaubend surrte es gegen die Sperrschanze hin . Und Malimmes - in einer Aufregung , als ginge es jetzt um Hals und Leben - faßte den Zügel des Falben und hetzte gegen den Fuchsenstein hinauf . » Komm , Bub ! Ich laß meinen Herren nit aus dem Aug . « Nun waren Jul und der Söldner zwischen den Schanzen der verschwundenen Geschütze , sahen den Runotter beim Hauptmann steher und konnten über die Sperrschanze hinausgucken auf das Aschenfeld . Da draußen hielt ein eisgrauer Reiter . » Siehst du ihn ? « tuschelte Malimmes . » Daß er so grau ist , kommt von der fliegenden Äsch da draußen ! « Man sah die grauwehenden Schleier , die der Sonnenwind von dem Aschenfeld emporwirbelte ; sie waren so dicht , daß man die zwei ferner stehenden Gadnischen Hofleute mit den weißen Flatterzipfeln manchmal nur als verschwommene Schemen gewahrte . » Siehst du ihn ? Er ist nit allweil so grau , ist wie ein jungs Bäuml im besten Saft . Und heut in der Früh , da ist er gewesen wie der heilige Jörg , der dem Teufel ins Maul speit und lacht dazu ! « Auch Malimmes wollte lachen . Doch mit gut gespieltem Schreck verstummte er , als das brennende Gesicht des Buben so jäh herumfuhr . » So , jetzt hab ich mich schiech verschnappt . Jetzt muß ich schon alles redlich bekennen . Heut hab ich dich grauslich angelogen . Eine Dummheit gesteht man nit freiwillig ein . Weißt , ich hab wieder eine von meinen Narreteien gemacht , und da haben mich die Salzburger beim Zwickel erwischt . In elenden Todsnöten bin ich gewesen , und es hat mir der Hänfene schon das Zäpfl gedruckt - « » Jesus ! « stammelte der Bub erblassend . » Aber da ist der Jungherr bei mir gewesen wie ein paradiesischer Engel , hat mich herausgehoben aus aller Not , hat mir den hilflosen Buckel gedeckt und hat mich aus dem Tod wieder reiten lassen ins lustige Leben - auf seinem eigenen Gaul ! Guck , Bub ! Das feine Rössel , auf dem ich da hock , das ist des Jungherren Kriegsroß . « Eine zitternde Knabenhand tastete nach Hals und Mähne des schönen Pferdes . » Gelt ! Ein fürnehmes Rössel ! « beteuerte Malimmes . » Hat den Loys mit der Herzogskrone auf der Schattenseit ! « Für dieses Wichtige schien der Bub kein Ohr mehr zu haben . Die mit Stahl geplattete Hand in die Mähne des Ingolstädter Gaules klammernd , beugte er sich im Sattel vor , und seine großen Augen glänzten gegen das Aschenfeld hinaus . Malimmes tat einen schwülen Atemzug . Das war in dem Augenblick , als man auf der Sperrschanze den Runotter an einem Seil hinunterließ über den Steilhang des hohen Walles . Unter dem Gewicht der eisernen Wehr und seines schweren Körpers versank der Bauer bis zu den Waden in die angewehte Asche . Ein paar Schritte machte er noch . Dann blieb er stehen , mit den Fäusten auf dem Schwertknauf . Lampert Someiner trieb seinen grau gewordenen Rappen gegen den Bauern hin . Er beugte sich nieder und bot dem Runotter die Hand . Der nahm sie nicht . » Richtmann - « » Jetzt bin ich Kriegsknecht . « » Sei , was du magst ! Mir bist du immer der gleiche . Ich bin gekommen - « Lampert räusperte sich . Er mußte die kranke Stimme plagen , um bei diesem sonderbaren Liedergebrüll verständlich zu werden . » Ich bringe Frieden , Runotter ! Für dich ! « » Da wird wohl Krieg bleiben ! « sagte der Bauer hart . » Runotter ! Du bist ehrlich - sag mir , wie alles war in der Ramsau . Ich selber weiß , wie es war auf dem Hängmoos - « » Da heißt man ' s jetzt : in der Mordau . « » Gott seis geklagt : Dieser Name hat Wahrheit ! Aber höre mich , Runotter ! Ich habe Vollmacht