Engel findest du halt nicht , mußt schon mit dieser rauhen Welt fürliebnehmen . Wer Soldaten braucht , muß ihre Art gelten lassen . « Nach vielem Für und Wider entschied ich , es sollen nur solche Söldner heraufgebracht werden , die keine Dirnen mit sich führen . Wer aber ein Eheweib habe , dürfe es bringen . Den Verschmähten solle der Laufpaß gegeben und durch den Sold einer Woche versüßet werden . Etliche Tage später kam Segebodo mit sechzig Söldnern , vielen Weibsbildern , auch Werkleuten . Sie geleiteten drei Ochsenwagen , drauf waren Säcke voll Korn und Rauchfleisch , Gewandstoffe , Rüstungen und Waffen , Blei und Pulver , dazu ein Faß Branntewein . Ich teilte die Angeworbenen und bestimmte die größere Hälfte für den Wachstein , dessen Befestigung in Angriff genommen ward . Die andern Leute sollten der Abendburg angehören . Zu ihrem Lagerplatz wählte ich einen Ort , eine halbe Stunde davon auf dem Bergeskamm gelegen . Hier ward aus Fichtenstämmen ein rauhes Obdach hergerichtet , auch für das Vieh ein Stall , und die Vorratskammer . Nun zogen wir um das künftige Burghaus in weitem Bogen einen Graben . Nach innen aufgeworfen , bildete das Erdreich einen Wall , hinter dem gespitzte Pfähle als Brustwehr starrten . Eine Zugbrücke sollte über den Graben führen und durch ein steinern Tor gesichert sein . Mit diesen Anlagen zu beginnen , schien das ratsamste , weil das Gerücht von meinem Golde leicht Beutemacher uns auf den Hals laden konnte . Wie Wall und Graben notdürftig fertig waren , bat mich Segebodo , der als Hauptmann über die Soldaten gesetzt war , ihnen eine Festlichkeit zu gewähren . Ich willigte ein und versprach , selber zum Fest zu kommen . Der zweite Sonntag Junii war ' s , ich hatte im Walde meine Predigt gehalten , unter großem Zulauf aus dem Gebirge , und es umjubelte mich der Haufe . Berthulde war darunter ; blitzenden Auges , Glut auf den Wangen , sprach sie zu den Umstehenden , die beifällig lauschten . Vom Lichtreiche schwärmte sie , das alle teutschen Lande einen solle im Glauben an den Allvater in uns . Wie ich als Mittagsgast zu Oheims Häusel ging , überholte ich die Preislerin , die nebst ihrem Sohne Christiano von der Predigt heimkehrte . Seit Jahren eine Witwe , war sie gealtert , doch immer noch stattlich . Da ich traulich ihre Hand schüttelte , kamen ihr die Tränen . » Ach , Herr Johannes , weiß Er annoch ? wie wir vor zwanzig Jahren zu Warmbrunn mit meiner Elfriede ... « Sie konnte nicht weiter , und auch mich machte die Wehmut wortlos , ich drückte der Mutter Hand und ging . Von Elfrieden hatte sich mein Sinnen zu Thekla gewandt . O daß sie unter den Lebenden , und an meiner Seite weilte ! Sie erst gäbe mir die rechte Freudigkeit und Kraft , deren ich zu meinem Unternehmen bedarf . Wohlan , sprach ich zu mir - sei unermüdlich , ihre Spur auszufinden ! Bist ja nicht mehr der hilflose Eremit , hast Gold wie ein Fürst . Suche , reise , sende hundert Kundschafter aus ! Vielleicht sollst du sie noch in die Arme schließen . Wenn du sie dann heimführst zu deinem Felsennest , magst du strahlen und lachen : » Weiß meine liebste Gräfin noch , wie sie an dieser Stätte zu mir Wag ' s Knab gesprochen ? Nun mach ich das Wort wahr . Der Schatz ist mein , eine Burg ragt in die Lüfte , und ich walte drin als Herr der Berge , die holdseligste Fürstin an meiner Seite ! « - Aufjauchzen wollt ich , doch dann schluchzete ich in mich hinein . Ach , ich war jener Mutter gleich , die das kalte Gold der Abendburg gehoben , ihren Herzensschatz aber verloren hatte . Das zehnte Abenteuer Wie die Goldburg zusammenbrach und einer von neuem geboren ward Nach dem Mittagsmahl ging ich allein , derweilen der Oheim sein Schläfchen tat , zum Lager der Soldateska ; Branntweinstein hatten die Schreiberhauer neuerdings den Platz benamset . Ich fand meine Leute bei Spiel und Tanz , und mancher hatte dem Becher schon weidlich zugesprochen . Im Zelt der Marketender ward mit Knöcheln der Sold vertan , dazu gellte die Pfeife , und aus rauhen Kehlen erschollen Lieder . Unweit auf ebener Matte drehten sich zur Fiedel Soldaten , auch Schreiberhauer Burschen und etliche Dörferinnen . Jauchzen grüßte mich , und gute Miene mußte ich machen zu diesem Treiben , das mir anfangs nicht behagte . Wie ich aber selber einen guten Trunk getan und mit den Leuten mich gemein machte , ward ich ihnen ähnlich und zutunlich . Als die Sonne sank , kam aus dem Walde ein bewaffneter Haufe , voran der Führer in blauem , silberbetreßtem Wams . Grüßend schwenkte er den Federhut und rief : » Juhu , Viktoria ! « - » Ist das nicht Maiwald ? Und Dreßler ? Sie sind ' s ! « meinte die Preislerin , und man stimmte bei : » Wahrhaftig , der Maiwald ! Ei , so schauet doch , wie ein Herr gekleidet ! « Ich ging dem Zuge entgegen und ergriff die Hand , die Maiwald freudestrahlend mir bot : » Viktoria , Johannes , gute Botschaft ! Ich bringe , was wir brauchen ! Da sein zuvörderst dreißig tapfre Schmiedeberger , zwanzig andere hab ich in Dreßlers Auftrage angeworben , als wir über Hirschberg zogen . Was aber das beste , wir han als Kriegsknechte gleich gute Arbeit getan . Drunten bei der Kirche sein drei Wagen und sechs Gäule davor , auch neun Reitpferde . Die haben wir als Beute mitgebracht . Und denke nur , was Kostbarkeit unter den Wagenplanen ! Silbergeschirr , eia , schwere Becher und Kannen , Tafeldecken und Tapezereien mit Bildern darauf , Prachtgewänder , wie ich eins anhabe ; feine Zeuge , Sammet und Seide , Federbüsche und Hüte . Überdies ein paar Fäßlein edlen Weines . Das alles bringen wir heim , mit unsern Waffen erbeutet . Wie wir nämlich zwischen Warmbrunn und Hermannsdorf unsere Straße ziehen , kommt einer von meinen Kundschaftern dahergeloffen und meldet : Vom Kynast nahen drei Planwagen mit zwanzig Reitern . - Mit denen werden wir fertig ! sag ich und lasse alsogleich meine Leute an einen Ort zurückgehen , wo der Weg von Wald umgeben . Hier machen wir unsere Feuerrohre fertig und kauern im Hinterhalt . Wie nun die Wagen kommen , strecken unsere Schüsse gleich fünf Reiter zu Boden , die übrigen schlagen wir nieder . Nur einen Mann haben wir verloren . Leicht ist es freilich nicht gewesen , die Beute herzuschaffen , ohne von der Kynastbesatzung erspäht zu werden . Wir mußten einen Umweg durch Waldung nehmen . Nun aber sind wir hier und möchten unsern Sieg feiern . « » Vivat Maiwald ! « schrien die Leute . » Viktoria ! « Da man mich fragend anblickte , nahm ich das Wort : » Ich danke dir , Dreßler , daß du nach meinem Auftrag getan und im Gebirge verkündet hast , was wir wollen . Auch dir , Maiwald , weil du Soldaten bringest , danke ich . Was aber das Beutemachen anlangt , so kann ich es nicht billigen . Wenn wir ein neues Reich gründen , besser als die alte Haderwelt , dürfen wir nicht mit Mausen beginnen . Merket ihr alle ( und meine Stimme ward scharf ) : daß mir keiner ein Gartbruder werde ! Unrechten Gutes bedürfen wir nicht . Erhaltet ihr nicht reichen Sold ? Und können wir nicht genung Lebensmittel kaufen mit dem Golde , das ich schaffe ? « Maiwald riß vor Überraschung Aug und Maul auf , Murren erhub sich unter den Leuten . Ich aber befahl mit Strenge : » Maiwald , sorge sofort , daß keiner sich an dem Gut vergreife . Das gehört den Kindern unseres armen Herrn Schaffgotsch , den seine Widersacher ausplündern möchten . Morgen soll ein Bote nach Kemnitz zu Herrn Gottwald , ihrem Vormund , und melden , daß wir den Kaiserischen Wagen genommen , die zum Gute der jungen Schaffgotsche gehören . Weil ihr es aber gut vermeinet habt , ihr neuen Soldaten , so gebe ich jedem von euch ein Goldstück , eurem Anführer Maiwald aber zehn . Wohlan , nun ist es gut , lasset uns mitsammen fröhlich sein , ihr seid zum Feste geladen . « So war denn alles begütigt . Dreßler hielt Maiwalds Arm gefaßt und redete auf ihn ein : » Unser Johannes hat ganz recht , aber freilich du bist ein Hauptkerle , ein kecker Fuchs . « Drauf so hub die Musika wieder an , und die Angekommenen nahmen teil am Schwatzen , Trinken und Tanzen . Ich zog Maiwald , der noch immer betreten war , zum Marketender und ließ Wein geben . Bald stimmte er mir bei , und seine Verdrossenheit bezog sich nur darauf , daß er sein prächtig Herrengewand wieder lassen solle . Aber Dreßler meinte : » Was willst du mit dem Pfauenkleid in unsern Bergen ? Mach dir ein Lederwams ! « Mein Aufmerken ward jetzo auf eine Gruppe von Soldaten gelenkt , die einem der mitgebrachten Soldatenweiber lauschten . Von Magdeburg ging das Gerede : » Wie die Magdeburger sollten auch wir ' s machen . Dann kann unsere Burg nicht eingenommen werden . « - » Was sollen wir wie die Magdeburger machen ? « sprach ich hinzutretend . Da eiferte das Weib : » Die Magdeburger haben ein Stadttor uneinnehmbar gemacht . « - » Uneinnehmbar ? « entgegnete ich ; » weiß Sie denn nicht , daß Magdeburg längst über und zerstört ist ? Ich selber bin Magdeburger und hab unter Falkenberg die Stadt verteidigen helfen . « - » Das weiß ich wohl . Mein Mann war ja einer von den Pappenheimern und hat mir gute Beute ins Lager von Neu-Haldensleben gebracht . Aber das Krökentor ist doch beim Sturme festgeblieben , ist nur durch Umzingelung eingenommen ; die Pappenheimer sind durch die Hohe Pforte in die Stadt gedrungen , und da blieb dem Krökentor freilich nichts übrig als zu kapitulieren . « Düster starrte ich drein : » Solch toller Aberglaube darf hier nicht aufkommen . Daß Sie davon fürder schweige ! « Das Weib zuckte die Achsel und murrte frech . Abseits wandte ich mich , lieber bei säuselnden Tannen war ich als bei diesen Menschen ; meine Verdrossenheit galt es zu beschwichtigen . War das ein neues Reich , was also anhub ? Ein Lichtreich , wie es Berthulde nannte ? Durfte es sich gründen auf dieselbigen Mängel und Laster , die es doch bekämpfen wollte ? Waren mir rechte Helfer zur Seite , und war ich selber meines Unternehmens würdig ? Hatte ich nicht mit Gaukelei begonnen und mit meinem Golde dies Gesindel an mich gelockt ? Wo ein Aas ist , da sammeln sich die Raben . Und nun was weiter ? Wie bessere ich das Verfehlte ? » Herr Johannes ! Eine Freudenpost ! Viktoria ! « rief es hinter mir , und zween Männer hasteten herbei ; der eine war Christianus , der Preislerin Sohn , mit einem Papier winkte er , als bringe er wichtige Botschaft . Ich stutzte , und etwas sprach in mir : Wie deine Leute knöcheln , so wirft eine dunkle Hand die Würfel deines Geschickes , und da ist nun wieder ein Wurf geschehen , einstweilen verdeckt durch den Würfelbecher , sogleich aber offenbar ; vielleicht sind die Würfel dir zum schwärzesten Unheil gefallen ... doch nein , wohl eher zum Glück ... Freudig blickt Christianus . » Sie lebt ! « ruft er - und es durchzuckt mich die Hoffnung , Thekla sei gemeint . Vor Beklommenheit kann ich kaum sprechen : » Wer lebt ? « - Nun ist Christianus bei mir und beut mir das Papier : » Hie stehet es geschrieben von ihrer eigenen Hand ! « - Zitternd nehme ich den Brief : » Rede doch , Christian ! Wer denn , wer lebt ? « Da kommt die Antwort , nach der meine Sehnsucht oft flehend verlangt hat : » Sie - Eure Eheliebste - die Gräfin Thekla lebt ! « - Das war zu viel des Glückes so auf einmal ; gelähmt stund ich , wie vom Blitze getroffen , es wankten die Tannen rings und die Berge , es drehte sich alles , ich taumelte . » Halt ihn ! « rief Christianus . Dann saß ich im Beerenkraut , die beiden Männer waren um mich bemüht , aus einer Flasche sollte ich trinken . Ich strich mir über die Stirn . Sie lebt ! ging es mir durch den Sinn . Sagt nicht Christianus also ? Von ihrer eigenen Hand stehe es im Briefe geschrieben ? Da ist ja der Brief ! Hastig entfaltete ich ihn , während Christianus sprach : » Dieser Bote hat ihn vor kurzem meiner Mutter gebracht . « Ich erkannte die Schriftzüge , Theklas Hand , und las : » Liebwerte Preislerin ! Ehrsame Witfraue ! Nachdem ich meinen Johannes verloren und vor wenig Wochen auch noch meine zweite Mutter , die edle Frau Zetteritz , weiß ich niemand sonsten in der kalten Welt , bei dem ich Zuflucht suchen könnte , als meine gütige Preislerin , wofern , sie überhaupt noch am Leben . Denn der Oheim Tobias ist ja wohl verstorben . Wenigstens sind zween Briefel , so ich vor drei und vier Jahren durch Soldaten an Tobias Tielsch gesandt , ohne Antwort geblieben , und mein zweiter Bote hat mir die Kunde gebracht , der alte Tielsch sei tot . Damit Sie aber weiß , liebwerte Preislerin , welche Lebensumstände mich treiben , in Schreiberhau Zuflucht zu suchen , so vermelde ich , daß jetzo , nachdem meine Beschützerin , die edle Frau Zetteritz , verstorben , ihr Sohn , ein kaiserlicher Obrist , mich heuren will , wiewohl ich ihn nicht mag . Da will ich nun heimlich entweichen . Darf ich nach Schreiberhau kommen ? Sollten diese Zeilen an einen andern guten Menschen gelangen , mag der sich mein erbarmen . Wiewohl als Gräfin geboren , bin ich kein müßig Fräulein . Arbeit ist meine Lust ; ich will mich nützlich machen , wie ich kann . Ich weile in Altenhof , einem festen Hause des Ritters Zetteritz , gelegen bei Melnik in Böheim . Mit Zähren trauernder Liebe gedenk ich der Stunden , da ich von meinem Johannes aus der Gefangenschaft zu Euch gebracht ward und an seiner Seite im Schreiberhauer Bergwald hausete . O daß ich wiederkehren dürfte ! Meine Grüße sind so innig wie dieser Wunsch , und ich verbleibe treulich Eure Witfrau Thekla Tilesia , geborene Gräfin Schlick . « Auf sprang ich und lachte laut , den Brief an mein Herze gepreßt . » Sie lebt , sie kehrt wieder , sie ist mein ! « rief ich und überflog von neuem die köstliche Botschaft . Dann griff ich den Boten , der den Brief gebracht hatte , bei den Armen : » Lebt sie wirklich ? Sprich , wie fandest du meine Thekla ! Ich meine sie , die den Brief dir gab . « - » Nun ja doch , « nickte er , » freilich lebt die Witwe Tilesia und ist wohlauf , wie mir scheint . Sonsten weiß ich nichts ; ich sah sie nur das eine Mal . Bin ein Roßhändler , so auf der Reise im Wirtshaus zu Melnik herbergte . Da nun die Witwe Tilesia vernommen , daß ich nach Schlesingen reise , hat sie mir ein gut Stück Geld geboten , wenn ich den Brief besorge . « Ich drückte dem Manne die Hand . » Gehet zum Feste , lasset mich allein ! Christian , gib dem Mann zu essen , zu trinken ! Feiert , freuet euch ! Ich komme bald nach . « Sie gingen , und tief atmend starrte ich ins grüne Dämmern der Tannen . Vor mir schwebte ein Traumgesicht . Wie Flackern war ' s und gaukelte und lockte , daß ich der Flamme folgte . Doch da ich nach ihr haschte , sank mein Fuß in Schlamm und Moder . Zugleich verblaßte die Flamme und zuckte matt , derweilen das Morgenlicht geflutet kam . Kommst du , Sonnenbraut , reine , strahlende ? Bist endlich da , meine Thekla ? Auf die Knie warf ich mich ins Moos und rang vor Jubel die Hände . Dann sprang ich auf und kehrte zum festlichen Treiben froh zurück , begrüßt von einer Gruppe , die soeben von Christian vernommen hatte , welch Heil mir widerfahren . Die meisten Feiernden merkten auf eine Prozession weißgekleideter Jungfern , die jetzo singend von Schreiberhau her aus dem Walde kam . Voran schritt Berthulde , um deren Gewand sich eine Purpurschärpe schlang , während das Haupt mit dem aufgelösten Goldhaar Fichtenzweige krönten . Die anderen Festjungfern waren ebenfalls bekränzt . Ein Schwarm von Kindern , älterem Weibsvolk und Männern gab das Geleite , auch Beate und der Oheim waren dabei . Die Junggesellen auf dem Festplatz krähten vor Lust , lachend bildeten die Jungfern einen Halbkreis , und in dessen Mitte trat Berthulde . Durch einen Baumstumpf erhöht , gebot sie mit winkender Hand Stille und sprach : » Will Mannsvolk Freude ha ' n , so darf das Weibsvolk nicht fehlen . Wir Jungfern sind kommen , mit euch zu feiern . Zur Lust hat uns Allvater geschaffen , und das Lichtreich , das unser Herr der Berge mit uns gründet , es sei ein Garten der Lust . Lasset dieses Gartens Blümelein euch gefallen , ihr Kriegsmannen ! Heiloh ! « Jauchzend stimmte das Mannsvolk zu , Berthulde aber sprach weiter : » Bringet Wein her ! « Sogleich tat man desgleichen . Sie nahm den Becher und erhub ihre Stimme : » Heil der Burg und denen , die sie bauen ! Heil dem Reiche , das wir gründen ! Heil dem Herrn der Berge , unserm König ! « - » Vivat unser König ! « erscholl es unter Hüteschwenken . » Heiloh ! Hoch , hoch ! « Nun trat Berthulde mir entgegen , blickte in mein Auge und tat den Becher an ihre Lippen . Wie sie ihn kredenzt hatte , und ich ihn leerte , rief ein Soldat : » Vivat auch die Königin ! « Und aber schrie man : » Vivat ! « Berthulde warf mir einen Blick voll zärtlichen Feuers zu und schlug die Augen nieder , ihr Busen wogte . Mich indessen überkam Verwirrung , mir war , als solle ich in ihre Arme geführt werden , und widerstrebte doch . Zwar nicht immer hatte ich so widerstrebt ; ich dachte an den Kuß , den ich ihr vor wenigen Tagen gegeben ; hatte der ihr den Kopf verdreht ? Ich schämte mich und beschloß , ohne Verzug die rechte Antwort zu geben auf Berthuldens stummes Bekenntnis , nämlich offen zu verkünden , daß ich meine Eheliebste wiedergefunden . Auf dem Baumstumpf , von wo Berthulde geredet hatte , stund ich , von frohlockenden Menschen umringt , und sprach , die Arme erhoben in Heller Freude : » Vivat auch die Königin ! So hat einer gerufen , und das ist ein Prophet . Erfüllt hat sich sein Spruch ; eure Königin ist da ; die ich verloren glaubte , lebt . Hier ist ein Brief , von ihrer Hand geschrieben , und dorten schmauset der Mann , so vor wenig Tagen sie gesehen hat . Meine liebe Frau ist es , meine Thekla ... « Ich sah , wie Berthulde erblich . Leid tat sie mir . Doch wie unter den verfinsterten Hexenbrauen ein dräuender Blick herfürschoß , zuckte ich die Achsel und sprach weiter , ohne nach ihr zu sehen : » Thekla ist eine Tochter des Grafen Schlick , jenes böhmischen Helden , den die Jesuiter aufs Blutgerüst gebracht haben . Nachdem ich mit ihr aus Böheim gen Magdeburg geflohen , ward sie die Meine in jenen Schreckensstunden , die meine Vaterstadt in Blut und Asche legten . Am zweiten Tage drauf ward mir mein Weib entrissen , und wie ich auch seitdem geforscht , ganz ausgelöscht blieb jede Spur , bis nun auf einmal der Brief .... der Brief .... « Und wie ich ihn ob meinem Haupte schwenkte , schrien die Leute : » Hoch ! « Um zu danken , erhub ich aufs neue die Stimme : » Ihr sollet meine Freude teilen . Morgen reise ich , mir unsre Königin zu holen , und in wenigen Tagen führ ich sie heim . Sintemalen nun nächste Woche Johannis , der Sonne längster Tag , an dem sie triumphieret , so wollen wir alsdann ein ganz groß Festin feiern ; unserm Lichtreich soll es gelten und zugleich unsrer Königin , meinem trauten Weibe . Zum Hochzeitsmahl , zu Spiel und Tanz seid alle geladen . Des Lichtreiches Sonne sei meine Liebste ! « - » Vivat ! Heil dem Goldmacher ! Heil dem Herrn der Berge und seiner Königin ! « Und in der Jauchzenden Arme sank ich , man riß sich um mich mit Lachen , indessen Pfeife und Fiedel gellten . Wie trunken traf ich nun meine Anordnungen . Eine Handvoll Gold gab ich dem Boten und verhieß ihm eine zweite , so er mein Führer nach Altenhof sein wolle . » Auf , Segebodo ! « sprach ich , » laß die Pferde holen , die Maiwald bei der Kirche hat . Wir beide reisen , wenn der Tag graut und nehmen funf gute Reitersleute mit . « Noch eine Weile blieb ich beim Feste . Saß beim Oheim und der alten Beate . Meine Hände hatte ich diesen Getreuen dargereicht , und stumm vor Glück streichelten sie die Hände , wie man einem Kindlein schön tut . Dann trieb es mich vom Getümmel hinweg ; ich sehnte mich nach der Abendburg , nach meiner stillen Klause und dem Gott im Herzen , von dem der Friede kommt . Wie ich einsam mit meinen Hunden heimwärts schritt , war die Nacht hereingebrochen . Doch der ziemlich volle Mond lugte über die Waldberge und streute bläulich Licht auf den Felsenpfad und das Beerenkraut . Der Nadelzweige sachtes Sausen war meinem Herzen frommer Jubelsang , des Mondes Strahlen klangen dazu als heimliche Harfensaiten . Da schlugen die Hunde an , und hinter einem Felsen , wo es zur Linken steil hinuntergeht , trat herfür eine schimmernde Gestalt . Berthulde war ' s im weißen Gewand , und nahe gekommen , sah ich unter dem Fichtenkranz vom Monde beglänzt ein höchst trauervoll Angesicht . Unter den niedergeschlagenen Augen hingen Zähren , die sonst schwellenden Lippen waren zusammengepreßt , matt neigte sich das Haupt , schlaff hingen die Arme . » Was ist mit dir , Berthulde ? « sprach ich bestürzt . Da kam ein Wimmern : » Mir ist so weh ! « Erbarmen trieb mich zu ihr , ich legte die Hand an ihre Schläfe : » Still , mein Kind , gräme dich nicht ! « Sie lehnte die Wange mir an die Brust und weinte leis . Ich enthielt mich nicht , ihr Haupt zu streicheln : » So sprich dich aus . Warum denn ist dir wehe ? Hab ich dich gekränkt ? « Da hing sie schluchzend an meinem Halse , ich fühlte die weichen geschmeidigen Mädchenglieder in meinem Arm , sie zitterte , durchschauert von der Minne Feuer . Oder zitterte sie vor Sorge , ich könne verschmähen , was schmachtend sich mir bot ? Ich spürte wohl , wie Zärtlichkeit mich lockte , doch warnend erhub sich eine Stimme in meines Herzens Kammer : » Was willst du tun ? Laß du das Irrlicht gaukeln und folge nicht . Magst du denn deiner Sonnenbraut vergessen ? « Und ich wand mich aus Berthuldens Arm , sie schlug ihre Hände vors Angesicht , als schäme sie sich . Ihr stummer Gram ging schneidend durch mein Herz , mein Blick mied sie und starrte in den Mond . Da ward an meinem Wams gezerrt , und auf den Knien lag sie wimmernd : » Johannes , bleibe doch , verlaß mich nicht ! « Ich zog sie empor . » Was tust du ? Wer will dich denn verlassen ? « Wild griff sie mit den Händen sich ins Haar , daß ihr der Kranz zu Boden glitt . » Doch , Johannes ! Willst ja die andere holen . Tu es nicht , tu es nicht ! Mich sollst du minnen , mich allein ! Bin ja so heiß entbronnen , dein bin ich ganz . Dir dienen will ich , deine Magd ; will alles tun , gebeut nur ! Schaffen laß mich an deiner Seite , daß dir das Lichtreich gelinge , laß mich helfen mit dieser Herzensglut , helfen mit Lichtvaters Kraft , der mich zu seiner Huldin geweiht , helfen mit meiner Magie . Ich bin dein würdig , Herr der Berge , du mein König , mein Gott ! « Bestürzt machte ich mich los : » Aber Berthulde ! du bist von Sinnen ; komm zu dir ! Wie kann ich der Deine sein ? Sie lebt ja , mein Eheweib lebt ! « Mit einem gräßlichen Schrei sprang Berthulde auf , verzerrt das Angesicht ; wie Krallen spreizten ihre Finger sich , sie griff nach ihrem Halse . Doch wie ich schon glaubte , sie wolle sich würgen , hielt ihre Hand die Kapsel , so ihr Busen trug . Sie starrte darauf hin und knirschte mit den Zähnen : » Verfluchtes Zauberding ! Du hast ihn mir entrissen ! Du scheuchest ihn , daß er sich von mir wendet . Hinweg mit dir ! « Sie riß die Kapsel von der Schnur und warf sie hinter den Felsen , in die Tiefe , man hörte das Ding drunten aufschlagen , und Berthulde zischelte : » Ha , ächze nur , flammarischer Dämon ! Was gilt mir noch dein Dräuen ? Ich spotte dein , du tückischer Betrüger , und wenn du wiederkommst , mir deinen Stachel einzubohren , so triff dies Herze , dies zuckend arme Ding , triff es gleich recht ! Ich mag nicht weiterleben , da mein Liebster mich verschmäht . « Dann spähte die Rasende mit ängstlich aufgerissenen Augen mir ins Angesicht und schrie , den Arm erhoben : » Johannes , kannst du mich verstoßen ? Bringst du es über dich , nun ich dir alles opfere und ledig bin des Zauberdinges , vor dem du Abscheu hast ? Weg ist es - da ! Frei bin ich ; und so es wiederkommen will , weiß ich mir einen Retter , das bist du , ja einzig du ! deine Minne kann mich lösen . Doch freilich , wenn du mich nicht magst , so holt mich der flammarische Dämon in seine Flammen . Denn ich bin der Dreizehnte , so ihn besitzt - habe kein Glück in der Minne - zum drittenmal kein Glück ! « Kläglich waren die letzten Worte gesprochen ; aus meinen Worten und Mienen entnahm sie , daß ich nicht in ihre Arme mochte . Plötzlich greift sie in ihre rote Schärpe , und ein Messer blinkt in der erhobenen Hand , die Augen rollen , daß ich das Weiße sehe , und zurücksinkend , will sie die Schneide in ihren Busen senken , als ich zugreife und ihr den Stahl entwinde , um ihn gleich darauf hinter dem Zauberdinge dreinzuschleudern . Sie blickt mich wie eine reißende Wölfin an , preßt die geballte Faust an ihren fletschenden Mund und knirscht : » Ha warte , Königin - ha warte ! « Nach dieser wütenden Drohung rennt sie weg wie ein gehetztes Wild , fern ein gellender Aufschrei , und nur der Tannen Sausen ist noch zu vernehmen . Jetzo klang dies Sausen bang , als raune die Sorge . » Ein Dämon ! « sprach ich in mich hinein . » Hat denn ein Dämon diese Jungfer besessen ? Zuvor war sie so liebreich , und nun - ! Doch fort damit , fort mit allem Düstern ! Thekla ist ja mein ! Nur etliche Tage noch , und ich halte die Süße umschlungen . « Aufatmend machte ich mich wieder auf den Weg , und weiter ist mir nichts in dieser Nacht begegnet . Nur daß noch ein zweites Mal die Hunde anschlugen , und ich links unten auf der Iserstraße Hufschlag vernahm . Jemand von den Iserbauden , dachte ich , wird vom Feste heimgeritten sein . Die gleiche Meinung sprachen die Soldaten aus , so die Wache bei der Abendburg hatten . In der Morgenfrühe erhub ich mich von kargem , unrastigem Schlummer und stieg , zur Reise gerüstet , den kurzen Pfad hinunter zur Iserstraße , wo Segebodo mit den andern fünf Reitern , die zum Mitreisen beordert waren , sowie dem Boten harrte . Sie hatten mein gesattelt Reisepferd . Ich grüßte meine Leute , in der Morgenfrische beglückt von meinem Vorhaben . Segebodo tat die Meldung , in der Nacht sei eins der Pferde , die Maiwald erbeutet , weggekommen . Nach Einbruch der Nacht sei ein junger Bursch , den man in Schreiberhau nicht erkannt habe , plötzlich in den Sattel gesprungen und spornstreichs hinweggetrabt , in der Richtung nach dem Festplatze . Vermeinend , er begehre noch spät daselbst etwas Freude zu erhaschen , habe man ihn nicht verfolgt . Doch seien Roß und Reiter bisher nicht zurückgekehrt . » Es wird derselbe gewesen sein , « entgegnete ich , » den ich nach der Iserwiese traben hörte . Gewiß ein Junggeselle