diese Verschworenen , so völlig unter seinen Einfluß gebracht . Aber wenn er sie nun hier alle beisammen sah , diese Patrioten , und bedachte , wie den einen die Hoffnung auf einen Titel von Byzanz , den andern plumpe Bestechung , einen dritten Rachsucht wegen irgendeiner Beleidigung oder auch nur die Langeweile oder Schulden oder ein schlechter Streich unter die Unzufriedenen geführt : und wenn er sich nun vorstellte , daß er mit solchen Bundesgenossen den gotischen Heermännern entgegentreten sollte - da erschrak er fast über die Vermessenheit seines Planes . Und eine Erquickung war es ihm , als die helle Stimme des Lucius Licinius seinen Blick auf die Schar der jungen » Ritter « lenkte , denen wirklich kriegerischer Mut und nationale Begeisterung aus den Augen sprühte : so hatte er doch einige verlässige Waffen . - » Gegrüßt , Lucius Licinius , « sprach er , aus dem Dunkel des Ganges hervortretend . » Ei , du bist ja gerüstet und gewaffnet , als ging es von hier gegen die Barbaren . « » Kaum bezwing ich das Herz in der Brust vor Haß und vor Freude , « sagte der schöne Jüngling . » Sieh , alle diese hier hab ' ich für dich , für das Vaterland geworben . « Cethegus blickte grüßend umher : » Auch du hier , Kallistratos - du heitrer Sohn des Friedens ? « » Hellas wird ihre Schwester Italia nicht verlassen in der Stunde der Gefahr , « sagte der Hellene und legte die weiße Hand auf das zierliche Schwert mit dem Griff von Elfenbein . Und Cethegus nickte ihm zu und wandte sich zu den andern : Marcus Licinius , Piso , Massurius , Balbus , die , seit den Floralien ganz von dem Präfekten gewonnen , ihre Brüder , Vettern , Freunde mitgebracht hatten . Prüfend flog sein Blick über die Gruppe , er schien einen aus diesem Kreise zu vermissen . Lucius Licinius erriet seine Gedanken : » Du suchst den schwarzen Korsen , Furius Ahalla ? Auf den kannst du nicht zählen . Ich holte ihn von weitem aus , aber er sprach : Ich bin ein Korse , kein Italier : mein Handel blüht unter gotischem Schutz : laßt mich aus eurem Spiel . Und als ich weiter in ihn drang - denn ich gewönne gern sein kühnes Herz und die vielen Tausende von Armen , über die er gebeut - sprach er kurz abweisend : Ich fechte nicht gegen Totila . « » Die Götter mögen wissen , was den tigerwilden Korsen an jenen Milchbart bindet , « meinte Piso . Cethegus lächelte , aber er furchte die Stirn . » Ich denke , wir Römer genügen , « sprach er laut : und das Herz der Jünglinge schlug . » Eröffne die Versammlung , « mahnte Scävola unwillig den Archidiakon , » du siehst , wie er die jungen Leute beschwatzt ; er wird sie alle gewinnen . Unterbrich ihn : rede . « » Sogleich . Bist du gewiß , daß Albinus kommt ? « » Er kommt ; er erwartet den Boten am appischen Tor . « » Wohlan , « sagte der Priester , » Gott mit uns ! « Und er trat in die Mitte der Rotunde , erhob ein schwarzes Kreuz und begann : » Im Namen des dreieinigen Gottes ! Wieder einmal haben wir uns versammelt im Grauen der Nacht zu den Werken des Lichts . Vielleicht zum letztenmal : denn wunderbar hat der Sohn Gottes , dem die Ketzer die Ehre weigern , unsere Mühen zu seiner Verherrlichung , zur Vernichtung seiner Feinde gesegnet . Nächst Gott dem Herrn aber gebührt der höchste Dank dem edeln Kaiser Justinian und seiner frommen Gemahlin , die mit tätigem Mitleid die Seufzer der leidenden Kirche vernehmen : und endlich hier unsrem Freund und Führer , dem Präfekten , der unablässig für unsres Herrn , des Kaisers Sache , wirkt ... « - » Halt , Priester ! « rief Lucius Licinius dazwischen , » wer nennt den Kaiser von Byzanz hier unsern Herrn ? wir wollen nicht den Griechen dienen statt den Goten ! Frei wollen wir sein ! « - » Frei wollen wir sein , « wiederholte der Chor seiner Freunde . » Frei wollen wir werden ! « fuhr Silverius fort . » Gewiß . Aber das können wir nicht aus eigner Macht , nur mit des Kaisers Hilfe . Glaubt auch nicht , geliebte Jünglinge , der Mann , den ihr als euren Vorkämpfer verehrt , Cethegus , denke hierin anders . Justinian hat ihm einen köstlichen Ring - sein Bild in Karneol - gesendet , zum Zeichen , daß er billige , was der Präfekt für ihn , den Kaiser , tue und der Präfekt hat den Ring angenommen : sehet hier , er trägt ihn am Finger . « Betroffen und unwillig sahen die Jünglinge auf Cethegus . Dieser trat schweigend in die Mitte . Eine peinliche Pause entstand . » Sprich , Feldherr ! « rief Lucius , » widerlege sie ! Es ist nicht wie sie sagen mit dem Ring . « Aber Cethegus zog den Ring kopfnickend ab : » Es ist wie sie sagen : der Ring ist vom Kaiser und ich hab ' ihn angenommen . « Lucius Licinius trat einen Schritt zurück . » Zum Zeichen ? « fragte Silverius . » Zum Zeichen , « sprach Cethegus mit drohender Stimme , » daß ich der herrschsüchtige Selbstling nicht bin , für den mich einige halten , zum Zeichen , daß ich Italien mehr liebe als meinen Ehrgeiz . Ja , ich baute auf Byzanz und wollte dem mächtigen Kaiser die Führerstelle abtreten - darum nahm ich diesen Ring . Ich baue nicht mehr auf Byzanz , das ewig zögert : deshalb hab ' ich diesen Ring heute mitgebracht , ihn dem Kaiser zurückzustellen . Du , Silverius , hast dich als den Vertreter von Byzanz erwiesen : hier , gib deinem Herrn sein Pfand zurück : er säumt zu lang : sag ' ihm , Italien hilft sich selbst . « » Italien hilft sich selbst ! « jubelten die jungen Ritter . » Bedenket , was ihr tut ! « warnte mit verhaltnem Zorn der Priester . » Den heißen Mut der Jünglinge begreif ' ich , - aber daß meines Freundes , des gereiften Mannes , Hand nach dem Unerreichbaren greift , - befremdet mich . Bedenket die Zahl und wilde Kraft der Barbaren ! Bedenket , wie die Männer Italiens seit lange des Schwertes entwöhnt , wie alle Zwingburgen des Landes in der Hand ... « - » Schweig , Priester , « donnerte Cethegus , » das verstehst du nicht ! Wo es die Psalmen zu erklären gilt und die Seele nach dem Himmelreich zu lenken , da rede du : denn solches ist dein Amt ; wo ' s aber Krieg und Kampf der Männer gilt , laß jene reden , die den Krieg verstehen . Wir lassen dir den ganzen Himmel - laß uns nur die Erde . Ihr römischen Jünglinge , ihr habt die Wahl . Wollt ihr abwarten , bis dieses wohlbedächtige Byzanz sich doch vielleicht Italiens noch erbarmt ihr könnt müde Greise werden bis dahin - oder wollt ihr , nach alter Römer Art , die Freiheit mit dem eignen Schwert erkämpfen ? Ihr wollt ' s , ich seh ' s am Feuer eurer Augen . Wie ? man sagt uns , wir sind zu schwach , Italien zu befreien ? Ha , seid ihr nicht die Enkel jener Römer , die den Weltkreis bezwangen ? Wenn ich euch aufrufe , Mann für Mann , da ist kein Name , der nicht klingt wie Heldenruhm : Decius , Corvinus , Cornelius , Valerius , Licinius - wollt ihr mit mir das Vaterland befreien ? « » Wir wollen es ! Führe uns , Cethegus ! « riefen die Jünglinge begeistert . Nach einer Pause begann der Jurist : » Ich heiße Scävola . Wo römische Heldennamen aufgerufen werden , hätte man auch des Geschlechts gedenken mögen in dem das Heldentum der Kälte erblich ist . Ich frage dich , du jugendheißer Held Cethegus , hast du mehr als Träume und Wünsche , wie diese jungen Toren , hast du einen Plan ? « - » Mehr als das , Scävola , ich habe und halte den Sieg . Hier ist die Liste fast aller Festungen Italiens : an den nächsten Iden , in dreißig Tagen also , fallen sie , alle , auf Einen Schlag , in meine Hand . « » Wie ? dreißig Tage sollen wir noch warten ? « fragte Lucius . » Nur so lange , bis die hier Versammelten ihre Städte wieder erreicht , bis meine Eilboten Italien durchflogen haben . Ihr habt über vierzig Jahre warten müssen ! « Aber der ungeduldige Eifer der Jünglinge , den er selbst geschürt , wollte nicht mehr ruhen : sie machten verdroßne Mienen zu dem Aufschub - sie murrten . Blitzschnell ersah der Priester diesen Umschlag der Stimmung . » Nein , Cethegus , « rief er , » solang kann nicht mehr gezögert werden ! Unerträglich ist dem Edeln die Tyrannei : Schmach dem , der sie länger duldet , als er muß . Ich weiß euch bessern Trost , ihr Jünglinge ! Schon in den nächsten Tagen können die Waffen Belisars in Italien blitzen . « » Oder sollen wir vielleicht , « fragte Scävola , » Belisar nicht folgen , weil er nicht Cethegus ist ? « » Ihr sprecht von Wünschen , « lächelte dieser , » nicht von Wirklichem . Landete Belisar , ich wäre der erste , mich ihm anzuschließen . Aber er wird nicht landen . Das ist ' s ja , was mich abgewendet hat von Byzanz : der Kaiser hält nicht Wort . « Cethegus spielte ein sehr kühnes Spiel . Aber er konnte nicht anders . » Du könntest irren und der Kaiser früher sein Wort erfüllen , als du meinst . Belisar liegt bei Sizilien . « » Nicht mehr . Er hat sich nach Afrika , nach Hause gewendet . Hofft nicht mehr auf Belisar . « Da hallten hastige Schritte aus dem Seitengange , und eilfertig stürzte Albinus herein : » Triumph , « rief er , » Freiheit , Freiheit ! « » Was bringst du ? « fragte freudig der Priester . » Den Krieg , die Rettung ! Byzanz hat den Goten den Krieg erklärt . « » Freiheit , Krieg ! « jauchzten die Jünglinge . » Es ist unmöglich ! « sprach Cethegus , tonlos . » Es ist gewiß ! « rief eine andre Stimme vom Gange her - es war Calpurnius , der jenem auf dem Fuß gefolgt - » und mehr als das : der Krieg ist begonnen . Belisar ist gelandet auf Sizilien , bei Catana : Syrakusä , Messana sind ihm zugefallen , Panormus hat er mit der Flotte genommen , er ist übergesetzt nach Italien , von Messana nach Regium , er steht auf unserm Boden . « » Freiheit ! « rief Marcus Licinius . » Überall fällt ihm die Bevölkerung zu . Aus Apulien , aus Calabrien flüchten die überraschten Goten , unaufhaltsam dringt er durch Bruttien und Lucanien gen Neapolis . « » Es ist erlogen , alles erlogen ! « sagte Cethegus mehr zu sich selbst als zu den andern . » Du scheinst nicht sehr erfreut über den Sieg der guten Sache . Aber der Bote ritt drei Pferde zu Tod . Belisar ist gelandet mit dreißigtausend Mann . « - » Ein Verräter , wer noch zweifelt , « sprach Scävola . - » Nun laß sehen , « höhnte Silverius , » ob du dein Wort halten wirst . Wirst du der erste von uns sein , dich Belisar anzuschließen ? « Vor Cethegus Auge versank in dieser Stunde eine ganze Welt , seine Welt . So hatte er denn umsonst , nein , schlimmer als das , für einen verhaßten Feind alles getan , was er getan . Belisar in Italien mit einem starken Heere und er getäuscht , machtlos , überwunden ! Wohl jeder andre hätte jetzt alles weitere Streben ermüdet aufgegeben . In des Präfekten Seele fiel nicht ein Schatten der Entmutigung . Sein ganzer Riesenbau war eingestürzt : noch betäubte der Schlag sein Ohr und schon hatte er beschlossen , im selben Augenblick ihn von neuem zu beginnen : seine Welt war versunken , und er hatte nicht Muße ihr einen Seufzer nachzusenden : denn aller Augen hingen an ihm . Er beschloß , eine zweite zu schaffen . » Nun ! was wirst du tun ? « wiederholte Silverius . Cethegus würdigte ihn keines Blicks . Zu der Versammlung gewendet sprach er mit ruhiger Stimme : » Belisar ist gelandet : Er ist jetzt unser Haupt : ich gehe in sein Lager . « Damit schritt er dem Ausgang zu , gemessenen Ganges , gefaßten Angesichts , an Silverius und dessen Freunden vorüber . Silverius wollte ein Wort des Hohnes flüstern : aber er verstummte , da ihn der Blick des Präfekten traf : » Frohlocke nicht , Priester , « schien er zu sagen , » diese Stunde wird dir vergolten . « Und Silverius , der Sieger , blieb erschrocken stehn . Neuntes Kapitel . Die Landung der Byzantiner war allen , Goten wie Italiern , gleich unerwartet gekommen . Denn die letzte Bewegung Belisars nach Südosten hatte alle Erwartungen von der kaiserlichen Flotte in die Irre gelenkt . Von unsern gotischen Freunden war nur Totila in Unteritalien : vergeblich hatte er als Seegraf von Neapolis die Regierung zu Ravenna gewarnt und um Vollmachten , um Mittel zur Verteidigung Siziliens gebeten . Wir werden sehen , wie ihm alle Mittel genommen wurden , das Ereignis zu verhindern , das sein Volk bedrohte , das gerade in die lichten Kreise seines eignen Lebens zuerst verhängnisvolle Schatten werfen und die Bande des Glückes zerreißen sollte , mit welchen ein freundliches Schicksal diesen Liebling der Götter bisher umwoben hatte . Denn in Bälde war es der unwiderstehlichen Anmut seiner Natur gelungen , das edle , wenn auch strenge Herz des Valerius zu gewinnen . Wir haben gesehen , wie mächtig die Bitten der Tochter , das Andenken an die Scheideworte der Gattin , die Offenheit Totilas schon in jener Stunde der nächtlichen Überraschung auf den würdigen Alten gewirkt . Totila blieb als Gast in der Villa : Julius , mit seiner gewinnenden Güte , wurde von den Liebenden zu Hilfe gerufen und ihren vereinten Einflüssen gab der Sinn des Vaters allmählich nach . Dies war jedoch bei dem strengen Römertum des Alten nur dadurch möglich , daß von allen Goten Totila an Sinnesart , Bildung und Wohlwollen den Römern am nächsten stand , so daß Valerius bald einsah , er könne einen Jüngling nicht » barbarisch « schelten , der besser als mancher Italier die Sprache , die Weisheit und die Schönheit der hellenischen und römischen Literatur kannte und würdigte , und , wie er seine Goten liebte , so die Kultur der alten Welt bewunderte . Dazu kam endlich , daß im politischen Gebiet den alten Römer und den jungen Germanen der gemeinsame Haß gegen die Byzantiner verband . Wenn der offnen Heldenseele Totilas in den tückischen Erbfeinden seiner Nation die Mischung von Heuchelei und Gewaltherrschaft unwillkürlich wie dem Lichte die Nacht verhaßt war , so war für Valerius die ganze Tradition seiner Familie eine Anklage gegen das Imperatorentum und Byzanz . Die Valerier hatten von jeher zu der aristokratisch-republikanischen Opposition wider das Cäsarentum gezählt . Und so mancher der Ahnen hatte schon seit den Tagen des Tiberius die alt-republikanische Gesinnung mit dem Tode gebüßt und besiegelt . Niemals hatten diese Geschlechter im Herzen die Übertragung der Weltherrschaft von der Tiberstadt nach Byzanz anerkannt : in dem byzantinischen Kaisertum erblickte Valerius den Gipfel aller Tyrannei : und um jeden Preis wollte er die Habsucht , den Glaubenszwang , den orientalischen Despotismus dieser Kaiser von seinem Latium fernhalten . Es kam dazu , daß sein Vater und sein Bruder bei einer Handelsreise durch Byzanz von einem Vorgänger Justinians aus Habsucht waren festgehalten und , wegen angeblicher Beteiligung an einer Verschwörung , unter Konfiskation ihrer im Ostreich belegenen Güter , hingerichtet worden , so daß den politischen Haß des Patrioten mit aller Macht persönliche Schmerzen verstärkten . Er hatte , als Cethegus ihn in die Katakombenverschwörung einweihte , eifrig den Gedanken einer Selbstbefreiung Italiens ergriffen , aber alle Annäherungen der kaiserlichen Partei mit den Worten abgewiesen : » lieber den Tod , als Byzanz ! « So vereinten sich die beiden Männer in dem Entschluß , keine Byzantiner in dem schönen Lande zu dulden , das dem Goten kaum minder teuer war als dem Römer . Die Liebenden hüteten sich , den Willen des Alten schon jetzt zu einem bindenden Wort zu drängen ; sie begnügten sich für die Gegenwart mit der Freiheit des Umgangs , die Valerius ihnen beließ , und warteten ruhig ab , bis der Einfluß allmählicher Gewöhnung ihn auch mit dem Gedanken an ihre völlige Vereinigung befreunden würde . So verlebten unsre jungen Freunde goldene Tage . Das Liebespaar hatte neben seinem eigensten Glücke die Freude an der wachsenden Neigung des Vaters zu Totila : und Julius genoß jene weihevolle Erhebung , die für edle Naturen in dem Überwinden eigner Schmerzen um des Glückes geliebter Herzen willen liegt . Seine suchende , von der Weisheit der alten Philosophie nicht befriedigte Seele wandte sich mehr und mehr jener Lehre zu , die den höchsten Frieden im Entsagen findet . Eine sehr entgegengesetzte Natur war Valeria . Sie war der Ausdruck der echt römischen Ideale ihres Vaters , der an der frühe verstorbnen Mutter Stelle ihre ganze Erziehung geleitet und im geistigen und sittlichen Gebiet die Ergebnisse des antiken heidnischen Geistes ihr angeeignet hatte . Das Christentum , dem ihre Seele bei dem Eintritt in das Leben durch eine äußere Nötigung war zugewendet und später ebenso durch ein äußerliches Mittel wieder war entrissen worden , erschien ihr als eine gefürchtete , nicht als eine verstandene und geliebte Macht , die sie gleich wohl nicht aus dem Kreise ihrer Gedanken und Gefühle zu scheiden vermochte . Als echte Römerin sah sie auch nicht mit bangem Zagen , sondern mit freudigem Stolz die kriegerische Begeisterung , die im Gespräch mit ihrem Vater über Byzanz und seine Feldherrn aus der Seele Totilas leuchtete , den künftigen Helden verkündend . Und so trug sie es mit edler Fassung , als den Geliebten seine Kriegerpflicht plötzlich abrief aus den Armen der Liebe und Freundschaft . Denn sowie die Flotte der Byzantiner auf der Höhe von Syrakusä erschienen war , loderte in dem jungen Goten der Gedanke , der Wunsch des Krieges unauslöschlich empor . Als Befehlshaber des unteritalischen Geschwaders lag ihm die Pflicht ob , die Feinde zu beobachten , die Küste zu decken . Er setzte rasch seine Schiffe instand und segelte der griechischen Seemacht entgegen , Erklärung heischend über den Grund ihres Erscheinens in diesen Gewässern . Belisar , der den Auftrag hatte , erst nach einem Ruf von Petros feindlich aufzutreten , gab eine friedliche und unanfechtbare Auskunft , die Unruhen in Afrika und Seeräubereien mauretanischer Schiffe vorschützend . Mit dieser Antwort mußte sich Totila begnügen : aber in seiner Seele stand der Ausbruch des Krieges fest , vielleicht nur deshalb , weil er ihn wünschte . Er traf daher alle Anstalten , schickte warnende Boten nach Ravenna und suchte vor allem , das wichtige Neapolis wenigstens von der Seeseite her zu decken , da die Landbefestigung der Stadt während des langen Friedens vernachlässigt und der alte Uliaris , der Stadtgraf von Neapolis , nicht aus seiner stolzen Sicherheit und Griechenverachtung aufzurütteln war . Die Goten wiegten sich überhaupt in dem gefährlichen Wahn , die Byzantiner würden gar nie wagen , sie anzugreifen : und ihr verräterischer König bestärkte sie gern in diesem Glauben . Die Warnungen Totilas blieben deshalb unbeachtet und es wurde dem eifrigen Seegrafen sogar sein ganzes Geschwader abgenommen und in den Hafen von Ravenna zu angeblicher Ablösung beordert : aber die Schiffe , welche die abgesegelten ersetzen sollten , blieben aus . Und Totila hatte nichts als ein paar kleine Wachtschiffe , mit welchen er , wie er den Freunden erklärte , die Bewegungen der zahlreichen Griechenflotte nicht beobachten , geschweige denn aufhalten konnte . Diese Mitteilungen bewogen den Kaufherrn , die Villa bei Neapolis zu verlassen und seine reichen Besitzungen und Handelsniederlassungen bei Regium , an der Südspitze der Halbinsel , aufzusuchen , um die wertvollste Habe aus dieser Gegend , für die Totila den ersten Angriff der Feinde besorgte , nach Neapolis zu flüchten und überhaupt seine Anordnungen für den Fall eines längeren Krieges zu treffen . Auf dieser Reise sollte Julius ihn begleiten , und auch Valeria war nicht zu bewegen , in der leeren Villa zurückzubleiben : von Gefahr war , wie Totila versichert hatte , für die nächsten Tage nichts zu fürchten . So reisten denn die drei , von einigen Sklaven begleitet , nach der Hauptvilla bei dem Passe Jugum nördlich von Regium ab , die , unmittelbar am Meere gelegen , ja zum Teil mit jenem schon von Horatius gescholtnen Luxus in das Meer selbst » wagend hinausgebaut « war . Valerius traf die Dinge in schlechter Ordnung . Seine Institoren hatten , sicher gemacht durch lange Abwesenheit des Herrn , übel gewirtschaftet : und mit Unwillen erkannte dieser , daß seine prüfende , ordnende , strafende Tätigkeit , nicht tage- , sondern wochenlang in dieser Gegend notwendig sein werde . Unterdessen mehrten sich die drohenden Anzeichen . Totila schickte warnende Winke : aber Valeria erklärte , ihren Vater in der Gefahr nicht verlassen zu können : und dieser verschmähte es , vor den » Griechlein « zu flüchten , die er noch mehr verachtete , als haßte . Da wurden sie eines Tages durch zwei Boote überrascht , die fast gleichzeitig in den kleinen Hafen der Villa einliefen : das eine trug Totila , das andre den Korsen Furius Ahalla . Die Männer begrüßten sich überrascht , doch erfreut als alte Bekannte und wandelten miteinander durch die Taxus- und Lorbeergänge des Gartens zu der Villa hinan . Hier trennten sie sich : Totila gab vor , seinen Freund Julius besuchen zu wollen , indes den Korsen ein Geschäft zu dem Kaufherrn führte , mit dem er seit Jahren in einer für beide Teile gleich vorteilhaften Handelsverbindung stand . Mit Freuden sah daher Valerius den klugen , kühnen und stattlichschönen Seefahrer bei sich eintreten und nach herzlicher Begrüßung wandten sich die beiden Handelsfreunde ihren Büchern und Rechnungen zu . Nach kurzen Erörterungen erhob sich der Korse von den Rechentafeln und sprach : » So siehst du , Valerius , aufs neue hat Mercurius unser Bündnis gesegnet . Meine Schiffe haben dir Purpur und köstlichen Wollstoff aus Phönikien und aus Spanien zugeführt : und deine köstlichen Fabrikate des verflossenen Jahres verführt nach Byzanz und Alexandria , nach Massilia und Antiochia . Ein Centenar Goldes Mehrgewinn gegen das Vorjahr ! Und so wird er steigen und steigen von Jahr zu Jahr , solang die wackern Goten den Frieden schirmen und die Rechtspflege im Abendland . « Er schwieg wie abwartend . » Solang sie schirmen können ! « seufzte Valerius , » solang diese Griechen Frieden halten . Wer steht dafür , daß uns nicht diese Nacht der Seewind die Flotte Belisars an die Küste treibt ! « » Also auch du erwartest den Krieg ? Im Vertrauen : er ist mehr als wahrscheinlich , er ist gewiß . « » Furius , « rief der Römer , » woher weißt du das ? « » Ich komme von Afrika , von Sizilien . Ich habe die Flotte des Kaisers gesehen : so rüstet man nicht gegen Seeräuber . Ich habe die Heerführer Belisars gesprochen : sie träumen Nacht und Tag von den Schätzen Italiens . Sizilien ist zum Abfall reif , sowie die Griechen landen . « Valerius erbleichte vor Aufregung . Furius bemerkte es und fuhr fort : » Und deshalb vor allem bin ich hierher geeilt , dich zu warnen . Der Feind wird in dieser Gegend landen , und ich wußte , daß deine Tochter dich begleitet . « » Valeria ist eine Römerin . « » Ja , aber diese Feinde sind die wildesten Barbaren . Denn Hunnen , Massageten , Skythen , Avaren , Sclavenen und Sarazenen sind es , die dieser Kaiser der Römer losläßt auf Italien . Wehe , wenn dein minervengleiches Kind in ihre Hände fiele . « » Das wird sie nicht ! « sagte Valerius , die Hand am Dolch . » Aber du sprichst wahr - sie muß fort in Sicherheit . « - » Wo ist in Italien Sicherheit ? Bald werden die Wogen dieses Krieges brausend zusammenschlagen über Neapolis , über Rom , und kaum sich an Ravennas Mauern brechen . « - » Denkst du so groß von diesen Griechen ? Hat doch Griechenland nie etwas anderes nach Italien geschickt als Mimen , Seeräuber und Kleiderdiebe ! « - » Belisarius aber ist ein Sohn des Sieges . Jedenfalls entbrennt ein Kampf , dessen Ende so mancher von euch nicht erleben wird ! « - » Von euch , sagst du ? wirst du nicht mit kämpfen ? « » Nein , Valerius ! Du weißt , in meinen Adern fließt nur korsisch Blut , trotz meines römischen Adoptivnamens : ich bin nicht Römer , nicht Grieche , nicht Gote . Ich wünsche den Goten den Sieg , weil sie Zucht und Ordnung halten zu Wasser und zu Land und weil mein Handel blüht unter ihrem Zepter : aber wollt ' ich offen für sie fechten , der Fiskus von Byzanz verschlänge , was irgend von meinen Schiffen und Waren in den Häfen des Ostreichs liegt , drei Viertel all ' meines Guts . Nein , ich gedenke mein Eiland so zu befestigen - du weißt ja , halb Korsika ist mein - , daß keine der kämpfenden Parteien mich viel belästigen wird : meine Insel wird eine Friedensinsel sein , während rings die Länder und Meere vom Krieg erdröhnen . Ich werde dies Asyl beschirmen wie ein König seine Krone , wie ein Bräutigam die Braut und deshalb « - seine Augen funkelten , und seine Stimme bebte vor Erregung » deshalb wollte ich jetzt heute ein Wort aussprechen , das ich seit Jahren auf dem Herzen trage « - Er stockte . Valerius sah voraus , was kommen werde , und sah es mit tiefem Schmerz : seit Jahren hatte er sich in dem Gedanken gefallen , sein Kind dem mächtigen Kaufherrn zu vertrauen , eines alten Freundes Adoptivsohn , dessen Neigung er lange durchschaut . So lieb er in letzter Zeit den jungen Goten gewonnen , er würde doch den langjährigen Handelsgenossen als Eidam vorgezogen haben . Und er kannte den unbändigen Stolz und die zornige Rachsucht des Korsen : er fürchtete im Fall der Weigerung die alte Liebe und Freundschaft alsbald in lodernden Haß umschlagen zu sehen : man erzählte dunkle Geschichten von der jähzornigen Wildheit des Mannes und gern hätte Valerius ihm und sich selbst den Schmerz einer Zurückweisung erspart . Aber jener fuhr fort : » Ich denke , wir beide sind Männer , die Geschäfte geschäftlich abtun . Und ich spreche , nach altem Brauch , gleich mit dem Vater , nicht erst mit der Tochter . Gib mir dein Kind zur Ehe , Valerius : du kennst zum Teil mein Vermögen - nur zum Teil : denn es ist viel größer als du ahnst . Zur Widerlage der Mitgift geb ' ich , wie groß sie sei , das doppelte ... « - » Furius ! « unterbrach der Vater . » Ich glaube wohl ein Mann zu sein , der ein Weib beglücken mag . Jedenfalls kann ich sie beschützen , wie kein andrer in diesen drohenden Zeiten : ich führe sie , wird Korsika bedrängt , auf meinen Schiffen nach Asien , nach Afrika ; an jeder Küste erwartet sie nicht ein Haus , ein Palast . Keine Königin soll sie beneiden . Ich will sie hoch halten : höher als meine Seele . « Er hielt inne , sehr erregt , wie auf rasche Antwort wartend . Valerius schwieg , er suchte nach einem Ausweg : es war nur eine Sekunde : aber der Anschein nur , daß sich der Vater besinne , empörte den Korsen . Sein Blut kochte auf , sein schönes bronzefarbenes Antlitz , eben noch beinahe weich und mild , nahm plötzlich einen furchtbaren Ausdruck an : dunkelrote Glut schoß in die braunen Wangen . » Furius Ahalla , « sprach er rasch und hastig , » ist nicht gewöhnt , zweimal zu bieten . Man pflegt meine Ware aufs erste Angebot mit beiden Händen zu ergreifen - : nun biete ich mich selbst - : ich bin , bei Gott , nicht schlechter als mein Purpur « - » Mein Freund , « hob der Alte an , » wir leben nicht mehr in der Zeit alten , strengen Römerbrauchs : der neue Glaube hat den Vätern fast das Recht genommen , die Töchter zu vergeben . Mein Wille würde sie dir und keinem andern geben , aber ihr Herz ... « - » Sie liebt einen andern ! « knirschte der Korse , » wen ? « Und seine Faust fuhr an den Dolch , als sollte der Nebenbuhler keinen Augenblick mehr atmen . Es lag etwas vom Tiger in dieser Bewegung und im Funkeln des rollenden Auges . Valerius empfand , wie tödlich dieser Haß , und wollte den Namen nicht nennen . - » Wer