größten Heiligtümer sind in ihr . Der deutsche König hat dem heiligen Wenzel einen Arm des heiligen Veit in sie geschenkt . Dann ist der Leib des heiligen Wenzel selber in ihr begraben worden , und es sind dann seit der Zeit viele Wunder geschehen . Und der Leib des heiligen Märtyrers Adalbert ruht in ihr , und seine Meßgewänder sind in ihrer Schatzkammer aufbewahrt , und der Leib des Märtyrers Podiwen , des treuen Dieners des heiligen Wenzel , ist in ihr begraben , und der Leib Radims , des Bruders des heiligen Adalbert . Sie kann die Menge der Menschen gar nicht fassen , wenn das Fest des heiligen Wenzel ist , und auch Kranke um Genesung aus fremden Ländern herbei kommen , und wenn das Fest des heiligen Adalbert gefeiert wird . Diese Kirche ist die heiligste Kirche in dem ganzen Lande Böhmen . Dann ist auch die Kirche des heiligen Georg . Sie ist noch früher gebaut worden als die Kirche des heiligen Veit . Es hat sie schon der Sohn des getauften Herzogs Boriwoy , der Vater des heiligen Wenzel , der Herzog Wratislaw gebaut . Er ist sodann in ihr begraben worden , und der Leib seiner Mutter , der heiligen Märtyrerin Ludmila , ruht auch in ihr . Neben ihr steht das Kloster der frommen Frauen des heiligen Georg , wo jetzt die Verwundeten gepflegt werden . Dann ist der große Begräbnisplatz allhier , wo Priester und Herzoge und Herren liegen , und wohin der Herzog Bretislaw begraben zu werden verlangte , da er in dem Walde von Bürglitz zu Tode gestochen worden ist . Vor der Kirche des heiligen Veit steht unter freiem Himmel der steinerne Stuhl des Herzogs . Er ist tausend Jahre in der Burg Wysehrad gestanden , und ist dann mit sechzehn Pferden und acht Ochsen in die Burg Prag geführt worden . Der Herzog von Böhmen und Mähren legt schlechte Gewänder und die Bastschuhe des Ackermannes Premysl , die in der Kammer der Burg Wysehrad aufbewahrt werden , an , damit er sich seines Ursprungs erinnere , und dann wird er mit schönen Gewändern bekleidet , und auf den steinernen Fürstenstuhl gesetzt , und dadurch wird er erst der Herzog . Darum wollen die von Mähren den Fürstenstuhl gewinnen . Und neben dem Fürstenstuhle steht die Hofburg des Herzoges , darin er in Pracht und Herrlichkeit lebt , und von dem Söller derselben werden Münzen unter das Volk geworfen , wenn der Herzog den Fürstenstuhl besteigt . Und dann ist das Haus des Bischofes , welches der Bischofsturm heißt , und die Häuser des Propstes , der Kirchenherren , der Kirchendechante , und der Priester und der Diener , daß sie den Gottesdienst in Prag , das über alle Länder herrscht , feiern . Dann sind die Häuser des HofZupanes , des Hofrichters , des Hofkämmerers , des Hofkanzlers , des Hofjägers , des Truchsessen , des Marschalles , des Schenken , und mehrerer Herren und Männer , und dann noch viele , in denen die Herren wohnen , und ihre Hausfrauen und die schönen Jungfrauen , die sich zeigen . So erzählten sich die Männer unter einander von den Dingen , die um sie waren . Oft gingen einzelne oder mehrere zu ihren Genossen , die bei den milden Frauen gepflegt wurden , sie zu trösten . Eines Tages verlangte Sebastian , der Schuster von Plan , daß ihm Witiko gestatte , nach Plan zu gehen , um sich notwendige Dinge zu holen , er werde schon zurückkehren , wenn man ihn brauche . Witiko sagte : » Du weißt , daß der Herzog gesagt hat , jeder dürfe gehen , also gehe . « Sebastian ging nun über den Berg hinunter , über die Brücke , durch den Burgflecken , und gegen den Wysehrad hinaus . Nach mehrerer Zeit kam der Späher Wladiwoy , der mit Reitern weit in das Land geritten war , zurück . Der Herzog versammelte die Kriegsherren . Wladiwoy mußte herbei kommen , und seine Nachrichten verkündigen . Er sprach vor der Versammlung . » Hohe Herren ! Wir sind in einem großen Umkreise durch das Land bis gegen Mähren geritten , und auf einem andern Wege wieder zurück . Die Feinde sind von dem Berge Wysoka zurückgegangen , haben aber dann ein Lager befestigt , und haben ihre Männer geordnet und eingeteilt . Sie haben angefangen , Belagerungswerkzeuge aller Art und von allen Orten zusammen zu bringen , und neue zu bauen , dergleichen bisher noch gar nicht zu sehen gewesen sind , deren Zahl noch nie angewendet worden ist , und die schwerere Lasten weiter schleudern , als es bis jetzt im Kriege geschehen ist . Sie senden Abteilungen von Reitern und einzelne Männer durch das ganze Land , um zu werben , und Vorteile zu versprechen , die der neue Herzog gewähren werde ; sie sagen , die reichsten und größten Herren sind bei Konrad , und das Ende kann gar nicht ungewiß sein . Ganze Haufen strömen ihnen täglich zu , und sie vermehren sich beständig . Es sind aber auch Leute in dem Lande für uns , sie sagen , wenn die Fürsten und Herren den Herzog Wladislaw zu Grunde gerichtet hätten , dann würden sie die Macht und Gewalt gegen das Land richten , und alles an sich reißen , und nach ihrem Willen leben . Mancher Zupan , der nicht in Prag ist , hat die reitenden Scharen der Feinde angegriffen , geschlagen und zerstreut , zwischen manchem kleinen Manne und den Fähnlein der Mährer kömmt es zu Kämpfen , und die Streifer , die von Prag ausgesendet wurden , befehden den Feind , wo sie ihn finden . So ist ein zerstückter Krieg schon in großen Strichen des Landes . Und Tagediebe , die zu keinem Herzoge gehören , und nur Beute suchen , ziehen herum , und greifen jede Schar an , der sie überlegen sind , und erklären sich als Freunde jeder , der sie nicht gewachsen sind . Die Felder zwischen den Feinden und Prag sind verödet und die Ortschaften meistens verlassen . « Ipoch , ein anderer Mann , wurde vorgerufen , und er sagte das nämliche . Und ein dritter sprach auch so . Darauf sagte der Herzog : » Es gefalle euch , Herren , morgen , da der siebenzehnte Tag des Monates Mai gekommen ist , mit dem frühesten Tage in dem großen Saale euch zur Beratung zu versammeln . Alle , die da eine Führerschaft haben , sind geladen . « Da der Morgen des nächsten Tages anbrach , kamen alle , die geladen worden waren . Sie reihten sich um den langen Tisch . Da sie geordnet waren , kam der Herzog in einem braunen Gewande und einer dunkelbraunen Haube herein . Seinen Oberkörper zierte ein Waffenhemd , und an seiner Seite hing ein Schwert . Neben ihm ging sein Bruder Diepold . Hinter ihm war das Hofgeleite seiner Krieger . Als die Männer eingetreten waren , schloß sich hinter ihnen die Tür , und das Geleite blieb an derselben stehen . Der Herzog aber ging mit seinem Bruder an das obere Ende des Tisches , und sie setzten sich . Nach einem Augenblicke stand Wladislaw auf , und alle Versammelten erhoben sich . Wladislaw entblößte sein Haupt , grüßte und sprach : » Seid willkommen , Herren des Landes , du , Diepold , der einzige von den Sprossen des Stammes Premysl , welcher hier ist , ihr , Bischöfe , Äbte , Pröpste und Priester , ihr , Lechen , Zupane , Führer , und ihr , meine Kmeten meiner Burgflecken ! Ich bitte , setzet euch nieder ! « Die Männer setzten sich . Der Herzog legte seine Haube auf den Tisch , blieb stehen , und sprach : » Es ist endlich dahin gediehen , daß wir über den Entscheid der Sache , die sich in diesen Reichen erhoben hat , beraten , und zu einem Schlusse kommen , der allen lieb ist , und den alle gerne ausführen werden . Ihr habet die Nachrichten vernommen , die über das Land und über die Feinde eingegangen sind , und werdet über dieselben nachgedacht haben . Ich habe den allmächtigen Gott angefleht , daß er mich erleuchte , das vorschlagen zu können , was am sichersten fromme . Ich habe auch mit vielen der weisen einsichtsvollen und guten Männer , die hier versammelt sind , gesprochen . Ihr werdet ebenfalls euer Gemüt zu Gott erhoben , und mit einander geredet haben . Wir wollen nun zum Ende gelangen . Im Hornung des Jahres 1140 bin ich von einer Versammlung der Herren der Länder Böhmen und Mähren auf dem Wysehrad zum Herzoge dieser Länder erwählt worden . Einige der anwesenden Männer haben mich gewählt , andere nicht , weil sie ihres Versprechens an Sobeslaw gedachten . Sie haben mich aber später anerkannt , und mir gedient . Auch Sobeslaw hat auf seinem Sterbebette seinem Sohne Wladislaw geraten , sich mir zu unterwerfen . So ist das Recht geworden , und so habe ich zwei Jahre ohne Widerrede als Herzog gehandelt . Da hat ein Teil jener Männer , die mich gewählt haben , wieder einen neuen Herzog gewählt . Sie haben eine Kriegsmacht zusammen gebracht , und sind heran gezogen . Wir sind ihnen entgegen gegangen . Auf dem Berge Wysoka konnte es nicht zur Entscheidung kommen , weil sie der Verrat in unseren eigenen Gliedern gehindert hat . Wir sind nach Prag gegangen , und haben uns vor den heiligen Stuhl Premysls gestellt . Sie bauen Geräte aller Art , den Stuhl zu gewinnen . Ich habe gesagt , daß wir mit allen Mitteln , und mit unserer Einsicht und Herzhaftigkeit kämpfen werden , und ihr habt auf dem Berge Wysoka gesagt , daß für das Land der Weg der größten Sicherheit und schnellsten Entscheidung gewählt werden müsse . Ich habe in dieser Stadt gesprochen , daß wir die Mittel beraten werden , wenn wir alles genau wissen . Heute ist nun der Tag , die Mittel zu beraten , und den Weg der größten Sicherheit und schnellsten Entscheidung zu suchen . Schon auf dem Berge Wysoka ist vieles Blut unglücklicher und unschuldiger Leute vergossen worden , jetzt wird vieles Blut in leichtfertigen , freventlichen , unnützen und heftigen Kämpfen vergossen , bis zur Schlacht ist vieles Eigentum vernichtet worden , und wird noch vernichtet . Und es ist gar nicht zu ergründen , was für Elend Wildheit und Zuchtlosigkeit noch kommen kann . Die tapferen und starken Herzen in diesen Mauern werden auf lange Zeit widerstehen , ehe die Feinde in die Stadt kommen . Ja vielleicht müssen die Feinde durch Zeit und Leiden aufgerieben von der Belagerung abstehen , und die Stadt verlassen . Aber der Krieg ist dann nicht beendet , und der Weg der schnellsten Entscheidung ist nicht betreten . Die Zahl der Feinde ist weit größer als die unsrige . Und wie streitbar unsere Schar auch ist , und wenn sie im offenen Felde auch immer siegte , so kann sie schnelle Entscheidung nicht bringen . Mit meinem Bruder Heinrich werden Männer aus dem Lande Budissin kommen ; aber ihre Zahl wird nicht hinreichend sein . Wir können in dem Lande werben ; aber die Feinde werben auch , und die Zeit des Unheils geht indessen immer fort , weil die Werbezeit lange sein muß . Da ist nun mein Gedanke , daß jetzt Hilfe von außen notwendig ist . Mein Schwager Leopold , der Sohn Leopolds , des Markgrafen von Österreich , würde sie bringen , aber ihr wißt , daß er zu Altaich in Baiern nach dem Kriege , den er gegen den Wittelsbacher so herrlich geführt hat , gestorben ist . Sein Bruder Heinrich , mein anderer Schwager , ist wieder im Kriege um das Herzogtum Baiern . Aber da ist mein Nebenschwager , Konrad , der König der Deutschen , der Stiefbruder meiner Gemahlin Gertrud , die mit ihm von Agnes der Tochter des unglücklichen Kaisers Heinrich abstammt . Diesem Kaiser Heinrich ist auch mein Oheim Boriwoy gegen seinen aufrührerischen Sohn Heinrich zu Hilfe gezogen . Ich habe an den König Konrad gesendet . Er will aus Liebe zu seiner Mutter Agnes , aus Liebe zu seiner Schwester Gertrud , aus Liebe zu seinem Großvater , dem gestorbenen Kaiser Heinrich , und aus Dankbarkeit gegen Böhmen Scharen gewähren , die ergiebig sein sollen . Ihr , geliebten Freunde und Kampfgenossen , bleibt in der Stadt , und haltet den Feind von ihren Mauern zurück ; ich gehe mit wenigem Geleite , daß ihr nicht geschwächt werdet , zu Konrad , werbe auf dem Zuge , kehre mit seinen Kriegern und mit denen , die ich aus unserem Lande gezogen habe , zurück , und schlage vor den Mauern hier die Schlacht . Die Feinde können in einigen Tagen vor diesem Berge sein , und unsere Handlungen dürfen nicht zögern . Ich habe gesprochen , und fordere die Herren aus den Ländern auf , ihre Meinung zu sagen . « Nach diesen Worten blieb der Herzog noch einige Augenblicke stehen , dann setzte er seine Haube auf , und ließ sich auf seinen Stuhl nieder . Es war eine kleine Zeit stille . Da erhob sich der Bischof von Prag von seinem Stuhle , und sprach : » Hoher Herr , treuer Sohn der Kirche ! Ich glaube , du hast den kürzesten Weg zum Heile und zur Sicherheit angedeutet , wie wir auf dem Berge nach der Schlacht gesagt haben , daß es der kürzeste sein müsse ; ich glaube , du sollst diesen Weg wandeln , und Gott segne dich , und seine Himmelsscharen geleiten dich . « Und der Bischof setzte sich wieder auf seinen Stuhl nieder . Dann erhob sich Zdik der Bischof von Olmütz , und sprach : » Ich glaube , damit das Unheil vermieden werde , das die früheren Nachfolgekämpfe gebracht haben , sei kein anderes Mittel möglich , als welches der erlauchte Herzog ausgesprochen hat . « Dann setzte er sich wieder nieder . Der Abt von Kladrau sprach : » Möge deine gute Absicht , hoher Herr , eine gedeihliche Vollendung finden . « Der Abt Gezo von Strahow sagte : » Wir hoffen , daß der Freund im hinreichenden Maße eintreten wird . « Der Abt von Brewnow sagte : » Er wird es tun , wie wir ihm ja auch vor drei Jahren gegen die Sachsen Zuzug geleistet haben . « Hierauf sprach kein Priester mehr . » Und was sagt mein Bruder Diepold ? « fragte der Herzog . Diepold erhob sich , und sprach : » Du bist das Haupt unseres Geschlechtes , der Wladyk unseres Stammes , ich unterwerfe mich deinem Willen . « Dann setzte er sich wieder nieder . Der alte Wsebor mit den weißen Haaren hob beide Arme empor , zum Zeichen , daß er reden wolle . Der Herzog wies mit der Hand gegen ihn hin , die Männer sahen auf ihn , man half ihm , sich empor zu richten , und da er stand , sprach er : » Ich tue Einrede . Das Ansinnen ist ein Fehler , das Vorhaben ist nicht gut . Da wir vor zwei Jahren in dem Saale der Burg Wysehrad saßen , und ich noch nicht so alt war wie jetzt , und da wir dich , erlauchter Herr , auf den Fürstenstuhl der Länder Böhmen und Mähren wählten , da sprach ein Mann , der älter war als ich , und dem die Gnade des Himmels erlaubt hat , noch heute unter uns zu sein , ein Mann , der viele Dinge gesehen und erlebt hat , ein Mann , dem weise Gesinnungen in dem Haupte sind , und der das Land und die Leute liebt , dieser Mann sprach , daß wir stets in der Gewohnheit haben , in unsern Streitigkeiten die Fremden zu rufen , daß der Fremde kommt , daß er immer mehr Macht bei uns gewinnt , und daß er eines Tages unsern Fürstenstuhl nehmen wird . Ich habe schon viele Fremde hier gesehen , und habe gesehen , wie sie gewaltet haben . Unser verstorbener ruhmreicher Herzog Sobeslaw hat selbst seinen Knaben Wladislaw von dem deutschen Könige Konrad in Bamberg mit der Fahne von Böhmen und Mähren belehnen lassen , von einem Fremden ; denn Konrad war noch nicht der Kaiser und noch nicht der Schirmvogt der Christenheit . Wir verlieren die Gewalt über uns , und werden bald nichts mehr haben , worüber wir streiten könnten . Deine Weisheit , Herr , und die Weisheit der Räte , die um dich sitzen , wird ein anderes Mittel ersinnen , das uns hilft , und das uns nicht unser eigenes Eigen raubt . « Nach diesen Worten faßte er mit beiden Händen den Rand des Tisches , und ließ sich wieder auf seinen Sitz nieder . Nach ihm erhob sich Bozebor , und sagte : » Ich rede mit Wsebor . Hoher Herr ! ich bin noch dabei gewesen , als vor sechzehn Jahren Veit , der Hofkaplan des Herzogs Sobeslaw , mit Panzer und Helm bei Chlumec die Fahne des heiligen Adalbert auf dem Speere des heiligen Wenzel in die Schlacht trug , und wir haben den ruhmreichsten Sieg gegen Lothar erfochten . Tu desgleichen . Ziehe mit der Fahne von Berg zu Berg , von Tal zu Tal , und sammle die Deinigen . Es ist besser , wenn wir unser eigenes Blut hingeben , wenn wir unsere Habe aufopfern , wenn wir bis zu dem Rande des Unterganges kämpfen , ja wenn wir sogar unsere Rechte lassen müssen , als wenn von außen ein Herr kömmt , der das Land und die Sitten nicht kennt , der schaltet , wie er will , und wie es uns schmerzt , und der vielleicht statt des vielen alles nimmt . « Wecel sprang schnell auf , und rief : » Ich spreche mit Bozebor . « » Ich auch « , rief eine Stimme . » Ich auch « , eine andere , und eine dritte . Und es entstand nun ein Rufen der Männer durcheinander und eine Unruhe . Da streckte Bolemil die Hand über den Tisch , und gab ein Zeichen . Als sich nach und nach die Ruhe herstellte , und er sich erheben wollte , sagte der Herzog : » Bolemil , rede auf deinem Stuhle sitzend . « Bolemil aber antwortete : » Ich bin noch nicht so hinfällig , hoher Herr , daß ich die Gebühr vergesse . « Darauf erhob er sich langsam , und da er mit den weißen Haaren und dem langen weißen Barte vor dem Tische stand , sprach er : » Wenn Wsebor von einem Manne geredet hat , der älter ist als er , und der sich in diesem Saale befindet , so bin ich es ; denn sonst ist niemand hier älter als er . Wenn er aber von weisen Gaben gesagt hat , die in dem Haupte dieses Mannes sind , so bin ich es nicht ; denn in meinem Haupte sind viele Torheiten gewesen , und ich bin nur bestrebt , sie abzulegen . Aber das ist wahr , was er gesagt hat , daß ich viele Dinge erlebt habe . Ich habe viele Dinge erlebt , und habe mir manches gemerkt . Ich habe es erfahren : wenn üble Körner in die Erde gelegt worden sind , so ist eine üble Saat aufgegangen , sie ist uns in unsere Häuser hinein gewachsen , sie ist uns in unsere Kirchen hinein gewachsen , sie ist uns in unsere Kammer und in unsere Schlafstätte hinein gewachsen , und wir haben die bittere Frucht davon weg zehren müssen . Ich habe auch erkennen gelernt , wann es eine böse Saat war , die gelegt worden ist . Und auf dem Herzogschlosse des Wysehrad ist eine solche Saat gesäet worden . Ich habe damals unsern Herzog Wladislaw nicht wählen geholfen , weil es gegen das Recht war , und weil jedes Wählen der Herzoge übel ist ; aber da er dann der Herzog war , und da Wladislaw , der Sohn Sobeslaws , sein Recht weg gegeben hat , so bin ich ihm nach meiner Pflicht gefolgt . Ich habe in der Versammlung gesagt , daß aus dem Wählen die Kämpfe folgen werden , wie sie in den früheren Jahren gefolgt sind . Die Kämpfe sind da , und ich bin wieder in ihnen , wie ich früher in ihnen gewesen bin . Ich habe auch gesagt , daß in Nachfolgekämpfen der Fremde gerufen wird , es ist so gewesen , und muß so sein , entweder ruft ihn der eine Teil oder es ruft ihn der andere , oder er kömmt , wenn die Teile sich bis zum Niedersinken zerfleischt haben , selber . Die Fahne des heiligen Wenzel hilft euch in solchen Streiten nichts , weil er der Heilige beider Teile ist , und jeder auf ihn hofft , und ihn ruft . Aber er hört ihn nicht , und Gott und alle Heiligen wenden sich von solchen Streiten mit Verdammnis ab , weil sie Bruderstreite sind , und wenn Gott in solchen Streiten dem Rechte hilft , so geschieht es durch Bitterkeit und Not , daß wir das Recht in Zukunft vor Leichtfertigkeit sichern . Weil es nun nicht zu vermeiden ist , daß der Fremde komme , so komme er zu uns , nicht zu den Feinden ; damit aber unser Übel kurz daure , komme er bald , und damit er sich nicht an das Land gewöhne , ende er schnell . Dann , hoher Herzog , sage ich in meinem Alter , herrsche fort , und herrsche , wie du begonnen hast . Aber versammle deine Räte , und errichtet mit Langsamkeit und Weisheit ein Gesetz der Fürstenfolge , das mit großer Macht wirkt , die keiner anzutasten wagt , und das die Leiden endet , die ich sonst für alle Zeiten sehe , und denen ich nicht mit diesen weißen Haaren , und nicht mit diesen Worten meines Mundes wehren kann . « Als er dieses geredet hatte , ließ er sich wieder so langsam , wie er aufgestanden war , auf seinen Sitz nieder . Nach ihm meldete sich niemand sogleich , zu sprechen , sondern die Männer redeten wieder mit einander . Da gab Diwis das Zeichen , daß er sprechen wolle , und da es stille geworden war , sprach er : » Ich habe in der Versammlung auf dem Wysehrad für Wladislaw , den Sohn Sobeslaws , gesprochen . Aber Wladislaw hat sein Recht aufgegeben , und Konrad hat gar kein Recht . Wladislaw , der Sohn unsers vorletzten milden Herzoges , ist jetzt der Fürst und im Rechte , und wir kämpfen für das Recht . Und wenn wir auch unser und unserer Angehörigen Blut , und unsere Habe , wie Bozebor gesagt hat , dafür hingeben , so dürfen wir doch nicht das Blut von tausend andern hingeben , die nicht wissen , weshalb gekämpft wird , und es fließet dieses Blut der tausend andern wie von Unschuldigen , ihre Habe wird vertilgt , wie die von Verfolgten , daß sie dem Jammer verfallen , davon sie zeitlebens nicht genesen . Damit das Übel nicht größer werde , und länger daure , gehe der erhabene Herzog zu Konrad , und dieser helfe . Dann aber sage ich wie Bolemil , es werde Vorsicht getroffen , daß die Streite der Söhne Premysls nicht mehr entstehen . « Als er gesprochen hatte , setzte er sich wieder nieder . Nach ihm redete Lubomir , und sprach : » Weil der hohe Herzog durch zwei Meinungen gewählt worden ist , durch die eine Meinung , die das Wohl des Landes zum Ziele hatte , und durch die andere Meinung , deren Ziel war , statt des jungen Herzoges , den sie fröhlich und eitel meinten , schalten und herrschen zu können , so war es unvermeidlich , daß komme , was gekommen ist . Die zwei Meinungen mußten zerfallen . Wir sind bei der besseren Meinung des Wohles des Landes und bei dem Rechte des Herzogs . Wenn die andere Meinung siegte , hätten wir gar keinen Herzog , sondern nur die Macht vieler einzelner , und der Streit wäre unauslöschlich . Darum muß der jetzige ausgestritten werden . Solche Streite kommen wie Gewitter , die Wehe und Unheil bringen , das getragen werden muß . Väter verlieren ihre Söhne , die Kinder verlieren ihren Vater , ein edles Weib wird eine Witwe , eine alte Mutter überlebt den jungen Sohn , und das Geschenk Gottes , die Liebe in den Banden des Blutes wird zerrissen . Ich rede nicht von dem Verluste der Habe ; denn Habe kann wieder zu dem Menschen kommen ; aber das Blut , das verloren ist , bleibt verloren . Damit das Unglück nicht noch unglücklicher werde , und durch den Sieg der Feinde erst recht unglücklich , ergreift zum schnellen Ende jedes christliche Mittel , das geboten wird , dann , sage ich auch , macht ein Nachfolgegesetz . Zu seiner Hilfe aber streuet den heiligen Glauben aus , daß sich die Menschen zähmen , und nicht nach Unrecht trachten . So rede ich wie viele , die gewußt haben , was kommen wird , und sich ihm , da es gekommen ist , gestellt haben . « Er nahm nach diesen Worten seinen Platz wieder ein . Ctibor stand auf , und sprach : » Und wenn sie sollten doch herein kommen , die sich jetzt den Mauern nähern , so werden sie uns erst recht alles nehmen , Weib und Kind und Hab und Gut , und wir sind verloren . Das bedenkt . « Nach ihm erhob sich der Kmete des rechten Burgfleckens , und sagte : » Hoher Herr , ich bin noch dabei gewesen , als der Herzog Boriwoy Prag gegen deinen guten Vater überfiel , da sind viele Menschen desselben Blutes gegen einander gestanden , Dinge unerhörter Art geschehen , so entsetzlich , daß sich die Greise die Haare ausrauften , und die Frauen ihren Leib verfluchten , daß er geboren hat . Gehe zu dem erlauchten Könige Konrad , hoher Herr , wir werden in der Zeit die Stadt mit unserm Leben verteidigen , daß kein Stein in die Hände der Feinde geraten soll . Dann aber erscheine , und rette alles , daß nicht das größte Unglück geschieht . « » Ja , es ist wahr , die großen Unheile dürfen nicht kommen « , » sie dürfen nicht kommen « , riefen mehrere Stimmen . Der Kmete setzte sich wieder auf seinen Platz . Nun erhob sich noch einmal mühsam von seinem Stuhle der alte Wsebor , und sprach : » Ich bin ein alter Mann , und kann nicht mehr viel vollbringen , ich kann auch nicht ansagen , welche Mittel außer den Fremden helfen würden , und weil sie unvermeidlich sind , wie Bolemil gesagt hat , so füge ich mich ; aber ich beklage es . « Er suchte wieder seinen Platz einzunehmen . Da stand auch Bozebor noch einmal auf , und sprach : » Ich beklage es auch ; aber ich füge mich nicht . Wenn das , wovon ihr redet , unvermeidlich ist , so ist es doch schlimm , und ich will nicht helfen , daß das Schlimme geschehe . « » Rufe nicht den Zwiespalt hervor « , schrie Zwest . » Du stiftest Hader « , rief Odolen . » Keine Uneinigkeit « , » nicht Uneinigkeit « , riefen mehrere Stimmen , und ein Teil der Männer sprang von den Sitzen empor . Der Herzog winkte mit seiner Hand . Und als sich die Ruhe wieder nach und nach eingefunden hatte , fragte er , wer weiter sprechen wolle . Es sprach niemand . Nach einer Weile stand er auf , und sagte : » Es hat hier ein jeder die Freiheit , zu reden , wie sein Herz denkt . Es soll nicht gesagt werden , ich höre meine Räte nicht ; aber es soll gesagt werden , daß ich nicht in der Gewalt meiner Räte bin . Wer in unserem jetzigen Streite gerufen wird , ist nicht ein Fremder . Es ist der Bruder , welcher zu der geliebten Schwester , es ist der Schwager und Freund , welcher zu dem Schwager und Freunde kömmt . Es ist bei der Menschheit so , daß der Mensch dem Menschen , der Nachbar dem Nachbar , der Freund dem Freunde hilft . Wessen Haus brennt , dem stehen die bei , die um ihn sind . Und es werden die Zeiten kommen , daß die Völker nicht mehr allein sind , daß sie sind , wie Mensch und Mensch , wie Nachbar und Nachbar , wie Freund und Freund . Und dessen Hilfe ich heute brauche , der braucht die meinige morgen . Es wäre uns besser , wenn wir unser brennendes Haus selber löschen könnten , aber ehe wir mit dem Löschen fertig sind , verbrennt es . Es ist mir in das Herz gegangen , als Bolemil gesagt hatte , daß er in den früheren Kämpfen gewesen ist , und daß er in dem jetzigen wieder ist , als Lubomir gesagt hatte , was getragen werden muß , und als mein Kmete gesagt hatte , was geschehen ist , da mein Vater um den Fürstenstuhl ringen mußte . Ich rufe : es sei Gott vor , daß sich solche Dinge bei mir erneuern . Konrad wird in das Land kommen . Ich werde meine Männer mit den seinigen vereinen , und ich , der Herzog , werde es sein , der die Schlacht schlägt . Er wird sich wieder entfernen ,