t Ihr nicht errathen , wen das E B bedeutet in dem Ring ? « » Darüber habe ich nicht nachgedacht , « antwortete Ulrich . » Ei , was hieße es denn anders , als Elisabeth Behaim ? « schmunzelte der Jude . » Ich will ihr ihn wieder ausliefern und will sagen , daß Ihr ihn gefunden . « » Das ist nicht nöthig , « sagte Ulrich , und im Augenblick mit ganz andern Dingen beschäftigt , fuhr er fort : » Hab ' t Ihr da nicht einen Mantel und ein Sammetbaret in Eurem Bündel ? Wolltet Ihr es mir verkaufen , ohne Jemanden davon zu sagen - so würde ich daran Euren Dank erkennen . « » O , Schweigen gehört zum Geschäft ! « rief Ezechiel . Und Rachel fiel ihm in ' s Wort : » Von verkaufen ist nicht die Rede : wählt Euch aus , was Ihr von den Sachen wünschet - es ist Alles zu Eurem Dienst ; aber Geld nehmen wir nimmer von Euch ! « » Nein , gewiß nicht ! « murmelte der Vater . Ulrich wählte ein Baret und einen langen schwarzen Mantel aus , und bat Rachel , es ihm recht fest in ein weißes Leinentuch zusammen zu wickeln . Er ließ sie ungewiß , ob er sie in der Verkleidung erkannte oder nicht . Sie willfahrte dienstfertig seinem Wunsch . Er gab ihr zum Danke die Hand - sie drückte sie erglühend und demüthig an ihre Lippen ; dann ging er . Er eilte mit dem Päckchen in seine Zelle und verbarg es unter das Stroh seines Lagers . Dann ging er an die Arbeit . Konrad flüsterte ihm zu : » Heute Nacht ! « Er wußte genug ; es war auch die höchste Zeit - denn morgen hatten die Baubrüder ihr Werk vollendet und sollten wieder zurückkehren . Wie das erste Mal gingen Konrad und Ulrich stumm durch die Klosterhallen bis zu den unterirdischen Gewölben . Ulrich trug außer dem Kleiderpäckchen auch die Maurerkelle und Kalk bei sich , den er sich gleichfalls heimlich verschafft . Konrad zündete am Ziele die Lampe an und rief : » Amadeus ! « Niemand antwortete . » Amadeus ! « rief Ulrich lauter . Alles blieb stumm . » O Gott , wenn wir zu spät kommen - wenn er todt ist ! « wehklagte Ulrich . Mit starker Hand griff er in die Oeffnung und riß die nächsten Steine heraus . Es ging leicht - Amadeus mußte sie von innen mit dem Meißel gelockert haben . Bald war das Loch so groß , daß ein Mensch hindurch konnte . Ulrich griff mit der Hand hinein - und fuhr zurück ; etwas Naßkaltes hatte sie berührt - eine Ratte war darüber gesprungen . War es der Schrei , den er dabei ausstieß , oder das Geräusch der fallende Steine , oder die Berührung seiner Hand - jetzt begann Amadeus sich zu regen und zu röcheln . Ulrich beugte sich zu ihm hinein und flößte ihm Wein ein . Nach einer Weile kehrten die halbentschwundenen Lebensgeister zurück . » Amadeus ! « rief Ulrich , » wir kommen Dich zu befreien . Flüchte aus diesem Loch , aus dem Kloster - komm ! « Konrad und Ulrich reichten ihm die Hände - sie zerrten ihn heraus . Der Sohn hielt den Vater in den Armen . » Ulrich ! « rief dieser jetzt , » ich soll wieder leben ? « » Ja , Dein Ulrich ist nicht Dein Mörder , sondern Dein Befreier - aber eile ! wir haben keine Zeit zu verlieren . Konrad geleitet Dich und beredet das Uebrige mit Dir - ich mauere indeß Dein Gefängniß wieder zu . « Konrad zog den halbbewußtlosen Amadeus zur Eile treibend mit sich fort . Indeß mauerte Ulrich die aufgerissenen Steine wieder ein und harrte bei der Arbeit Konrad ' s Rückkehr . Zwölftes Capitel Rückkehr Es war wieder still geworden in Nürnberg . Der Reichstag hatte diesmal nicht viel über einen Monat gedauert . Da man das voraus sah , da nicht alle Stände berufen und auch die berufenen nur höchst unvollzählig erschienen waren , so war diesmal überhaupt das Zuströmen der Fremden geringer gewesen als sonst , und darum war so schnell wie der Schnee auch die Fremdenmenge geschmolzen und dann verschwunden , die sich eine Zeitlang durch Nürnbergs Straßen bewegt hatte . Gerade an dem Tage , an welchem Kaiser Friedrich und König Max aus Nürnberg zogen , kehrten die Baubrüder zurück aus dem Kloster und begegneten noch dem Zug . » Beinah ' ist es , « sagte Hieronymus , » als wären wir , gerade so lange der Reichstag währte , aus Nürnberg verbannt gewesen - vielleicht hätte sonst unser königlicher Baubruder von Dir noch einmal die Wahrheit zu hören bekommen ! « Ulrich schüttelte traurig den Kopf . So lange der alte Kaiser Friedrich noch lebt und des Reiches Haupt ist , der an nichts denkt als an die Vergrößerung der Hausmacht der Habsburger durch eine kleinliche und eigensüchtige Politik , die immer nur rechnet und speculirt , aber niemals offen handelt und entscheidet mit selbstbewußter That , noch weniger aber daran denkt , daß er das deutsche Reich zu einer Macht erheben sollte , sondern nur zusieht , wie Deutschland seiner Familienmacht zu Ansehen verhelfen könne : so lange sind auch Maximilian ' s Hände gebunden . Seit fünf Jahren ist er nun römischer König und sieht sich die deutsche Kaiserwürde gesichert ; er hat nicht nöthig sich erst auszuzeichnen , um ihr Bewerber zu werden . Hätte er sie aber damals gleich mit empfangen , wo er zum römischen König gekrönt ward , und wäre damals gleich das Reich den alten energielosen Kaiser los geworden ; so hätte Max wohl mit frischer ritterlicher Jugendkraft den Scepter ergriffen und eine neue Aera für Deutschland heraufgeführt . Aber er konnte nicht , wie er wollte - daran schon hat sich die feurige Jugendkraft gebrochen und in auswärtigen Händeln abgenutzt . Fast ist er fremd geworden im Reich , und es liegt ihm weniger am Herzen als das flandrische Erbe seiner Kinder . Nun hat er schon in die Politik des Vaters sich finden und fügen lernen , und Habsburgs Hausmacht ist auch seine Loosung . Ich fürchte , nun wird es zu spät , daß er die Hoffnungen rechtfertige , die man auf ihn setzen durfte . « Hieronymus stimmte bei , aber fügte doch hinzu : » So lang ' er wenigstens die Kunst beschützt und ein rechtes Mitglied der freien Maurer bleibt , dürfen wir noch nicht an ihm verzweifeln . Vielleicht , « lächelte er etwas hämisch , » hat auch die Scheurlin ihn wieder mehr für deutsche Art begeistert . « » Du scheinst jetzt immer mehr die Ansicht Deiner Mutter über die edle Frau zu theilen , « sagte Ulrich , » obwohl Du einst der Erste warst , der sie mir als die schönste und gelehrteste Nürnbergerin zeigte . Doch , da wir einmal auf Deine Mutter kommen - grüße sie von mir und sage ihr , wie ich ihr danke für alle Güte und Liebe , die sie mir erzeigt , so lange ich bei ihr wohnte , aber - « » Du denkst doch nicht mehr daran , von mir zu ziehen ? « sagte Hieronymus bestürzt , da inzwischen dieser Punkt gar nicht berührt worden war . » Die Judengeschichte hat sich indeß ja auch erledigt . « Ulrich hatte nämlich im Kloster die Begegnung mit Ezechiel ihm erzählt , der gekommen sei , den Ring wieder zu fordern , den er auf diese Weise los geworden , ohne darum Rachel oder Elisabeth mit in diese Erzählung zu verflechten , wie er auch Hieronymus nichts von Amadeus und seinen Beziehungen zu ihm vertraut . Hieronymus hatte nur etwas eifersüchtig gesehen , daß Ulrich und Konrad in einem vertraulichen Verkehr zusammen gekommen waren , aber er hatte keine Ahnung von der Grundlage desselben und auch weiter kein Interesse danach zu forschen . Seit aber Ulrich bei ihm auf hartnäckig bewahrte Vorurtheile gestoßen war , wollte er ihn um keinen Preis zum Vertrauten des Geheimnisses seiner Geburt machen , noch überhaupt dieses dadurch , daß er es noch einem Menschen mehr wissen ließ , um so eher dem Verrath eines Zufalls , wenn nicht einer Absicht aussetzen . Aber beides war auch um so eher möglich , wenn er mit Hieronymus und seiner Mutter wohnen blieb - einmal sträubte sich sein Stolz dagegen , dann die Furcht vor Entdeckung und vor allem der Vorsatz , in die Gefahren und die Beschimpfungen , die ihm drohen konnten , auf keinen Fall seinen vertrautesten Freund mit zu verwickeln . Er blieb daher jetzt fest bei seiner Erklärung , sich eine Wohnung für sich allein zu suchen , wie sehr auch Hieronymus in ihn drang bei ihm zu bleiben . Er mußte sich endlich darein ergeben und mit Ulrich ' s Versicherung begnügen : daß diese äußere Trennung ja keine innere sei , daß sie auch außer der Bauhütte sich täglich sehen und ihre Sonntage und Freistunden nach wie vor zusammen zubringen würden . - In jener Nacht , wo Ulrich Amadeus aus seiner Gruft befreit und dann dieselbe wieder zugemauert hatte , war er dabei bis zu Konrad ' s Rückkehr aus dem unterirdischen Gange beschäftigt gewesen . Dieser meldete ihm dann , daß er Amadeus glücklich bis in die Kapelle gebracht , hinter deren Altar die Fallthür sich öffnete . Dort aber hatte er nicht bleiben dürfen , weil so schon die äußerste Gefahr war , daß ein rückkehrender Mönch da ihn fände . Er hatte ihn heißen in den Wald fliehen und dann weiter in der Flucht sein Heil versuchen , so erschöpft und elend er auch war . Die andern Sachen schützten ihn wenigstens von Weitem vor Entdeckung ; Lebensmittel auf ein paar Tage hatte er mit bekommen - weiter etwas für ihn zu thun , lag für seine Retter außerhalb der Grenzen der Möglichkeit . Im Kloster verlautete nichts über ihn . Ein paar Tage später sagte Konrad , man spreche davon , daß Amadeus in seinem Kerker verschieden , und habe das Loch , darin er sich befunden , einfach zugemauert . Die Baubrüder hatten nach Vollendung ihres Werkes ihren ausbedungenen Lohn bekommen , und Ulrich erhielt von dem Abt einen Brief zur Uebergabe an den Propst Kreß . Er hätte auch fragen mögen , wie bei jenem Brief , welchen der Propst ihm mit in das Kloster gab : » Ist ' s ein Uriasbrief ? « - aber er widerstand der Versuchung , das Wachssiegel , das sich ohne sichtbare Beschädigung hätte lösen und wieder befestigen lassen , zu heben und einen Blick in die Schrift zu thun . Wie verhängnißvoll sie auch sein mochte - er beeilte sich , sie abzugeben gleich am Tage seiner Ankunft . Der Propst ward bleich vor Schrecken , da er das gelesen , und warf verzweiflungsvolle Blicke tiefsten Mitleids auf Ulrich . Der Abt meldete ihm , daß es ihm leid thue , den einst von dem Propst in ' s Kloster als frühern Freund aufgefundenen Amadeus , der sein Schützling geblieben sei , nicht vor einer verdienten Strafe schützen zu können . Er sei verdächtigt worden , das Tabernakel zertrümmert zu haben - der Abt habe die Sache unterdrücken wollen , da jedoch die fremden Baubrüder , besonders Ulrich von Straßburg , auf strenge Untersuchung gedrungen , sei die Sache durch Amadeus eigenes Geständniß offenkundig geworden , und er habe ihn verurtheilen müssen , als wahnsinnig eingemauert zu werden ; seit ein paar Tagen sei er todt . Der Propst gab Ulrich den Brief zum Lesen und sagte : » Gestehe mir Alles . « Ulrich kniete nieder und neigte demüthig sein Haupt . » Ihr werdet mich eines Verbrechens zeihen , « sagte er , » und mich beschuldigen , daß der Sohn den Vater in ' s Verderben gebracht ; ich beging noch ein zweites Verbrechen : der Baubruder entzog der geistlichen Gerechtigkeit ein Opfer und dem Kloster einen Mönch - ich habe Amadeus zur Flucht geholfen ! « » Weh ' Dir und ihm ! « rief der Propst und verhüllte sein Gesicht . » Ich bin bereit selbst das Opfer zu sein ! « sagte Ulrich ; » überliefert mich als einen Verbrecher dem geistlichen Gericht - laßt mich auch so still einmauern und von der Welt verschwinden ; es erspart mir dann ein Leben der Schande , das vielleicht auf mich wartet . « Der Propst rang die Hände , hatte Thränen in den Augen und seufzte : » Ach , warum mußte ich so schwach sein , seiner Bitte nachzugeben und Dich hinsenden ! Warum seinen Worten trauen - er versprach zu schweigen gegen Dich und gegen Alle . » Klaget ihn nicht an ! « sagte Ulrich ; » ich will Euch Alles beichten , wie es kam , was ich gehört und was ich gethan . « Und er beichtete getreulich Alles , nur Konrad verrieth er nicht , sondern sagte nur , daß ihm ein geistlicher Bruder beigestanden , den er nicht nennen werde und dem seine eigene Sicherheit gebiete für immer zu schweigen . » Und nun , « schloß er , » richte ich an Euch die Frage : » ist meine Mutter Euere Schwester und lebt sie noch ? Der Propst schloß den jungen Mann in seine Arme . » Ich bin Dein Ohm , « sagte er , » und liebe Dich vielleicht mehr als Dein Vater ! aber ich wollte nie , daß Du ein Geheimniß erfuhrest , dessen Entdeckung für Dich gefährlich werden kann . Aber ich hoffe , daß es dennoch bewahrt werde - Du wirst Dich nicht selbst verrathen und unglücklich machen . « » Lebt meine Mutter noch ? « wiederholte Ulrich . » Sie lebt , « antwortete der Propst nach einigem Bedenken , » und ganz in Deiner Nähe , aber für immer von Dir getrennt - sie ist hier und Nonne im Kloster der heiligen Clara ! « » O darum zog es mich so hierher nach Nürnberg ! « rief Ulrich . » Sie weiß nicht , daß Du hier bist ; sie weiß nur , daß Du ein tüchtiger und braver Baubruder geworden , und freut sich , daß Du der Kunst und Gott getreulich dienest , und daß so mehr aus Dir geworden , als wenn sie bei Dir und mit Dir in dem Dorfe geblieben wäre , das für Deine Heimath galt , « antwortete der Propst . » Und wie kam sie hierher ? « forschte Ulrich weiter , » und hat mir Amadeus in Allem die Wahrheit erzählt ? « » Die volle Wahrheit ! « bestätigte der Propst , » und damit Du nicht am unrechten Orte forschest , so will ich seine Geschichte vollenden . - Als er mit Deiner Mutter floh , hatte er nicht den Muth ihr zu gestehen , daß er daheim ein liebendes Weib und Kinder besitze . Ulrike folgte ihm vertrauend nach Frankfurt , wohin er damals im Kriegsdienst mußte , und nur das schmerzte sie und ihn , daß sie Dich nicht bei sich hatten ; allein es tröstete sie , daß sie Dich im Kloster sicher und in guten Händen wußten , bis sie Dich würden können zu sich kommen lassen . Amadeus versprach ihr , sich mit ihr trauen zu lassen , sobald die kirchliche Scheidung von ihrem Mann erfolgt sei - indeß hoffte er auch die seine zu bewerkstelligen . So vergingen Monate . Ein Kriegsbefehl rief ihn nach Würzburg , er nahm sie auch dahin mit ; aber während er sie dort , um im Felde zu dienen , allein zurücklassen mußte , erschien plötzlich seine Gemahlin bei ihr . Ein Gefährte ihres Gatten hatte ihr hinterbracht , daß dieser um eines gemeinen Weibes Willen , das er auf der Landstraße aufgelesen , die Scheidung von ihr fordere , und die liebende Frau wollte jenes selbst sehen und durch Geldanerbietungen von ihm trennen . Für Deine edle Mutter war es genug , den Beweis zu erhalten , daß Amadeus durch andere heilige Pflichten gebunden sei , um zu wissen , was sie zu thun hatte . Mit Stolz wies sie alle Anerbietungen zurück und erklärte , daß sie Amadeus fliehen und für ihn todt sein wolle , ehe er um ihretwillen die Seinen unglücklich mache . Sie hatte inzwischen gehört , daß ich Geistlicher in Nürnberg sei - in der Verzweiflung erschien es ihr als Trost , sich dem Bruder zu vertrauen , bei ihm eine Zuflucht und Schutz zu suchen . So kam sie zu mir . Ich hatte sie als todt beweint , und mit der wiedererstandenen Unglücklichen , die schon so viel gebüßt , rechtete ich nicht über ihre Verirrungen - ich empfing sie als liebender Bruder . Aber bei mir konnte sie nicht bleiben , ich brachte sie in ' s Kloster der heiligen Clara , eine Zufluchtsstätte , die sie selbst ersehnte . Dort ist ihr Leben ein dem Himmel geweihtes und ein stillglückliches gegen das , welches sie einst bei dem rohen Gatten führte . Todt zu sein für die Welt und für Alle , erschien ihr als der beste Trost . In dem Kloster , das Dich aufgenommen , nannte sie mir den Bruder Anselm als den , welchem ich vertrauen könne . Mit ihm setzte ich mich in Verbindung , er allein erfuhr ihr Geschick und berichtete uns über Dich , so lange Du im Kloster warst . Du galtest dort als ehrlicher Sohn des dörflichen Paares , und so hielt man Dich auch nicht ab , als Du in die Bauhütte von Straßburg wolltest , und gab Dir für den Maurerhof mit anderen Zeugnissen auch das Deiner ehrlichen Geburt . Amadeus , als er die Geliebte nicht mehr fand , wo er sie zurückgelassen , suchte sie zum zweiten Male überall vergebens - endlich leitete ihn ihre Spur zu mir . Ich verhehlte ihm die Wahrheit nicht und daß Ulrike eine Braut des Himmels geworden . Ich rechtete nicht mit ihm , ich sprach nicht strafende Worte , ich suchte ihn nur zur Rückkehr zu seiner Gattin zu bewegen , und selbst wenn er das nur als Buße für seine Leidenschaft betrachten sollte . Aber er wollte nichts davon wissen - nur das sagte ich ihm nicht , in welches Kloster Ulrike gegangen . Er schied von mir wie ein Wahnsinniger . Im Walde hatte er einen Versuch gemacht , sich das Leben zu nehmen . Benediktinermönche fanden ihn dort - und das Uebrige weißt Du . « Ulrich weinte an der Brust des theilnehmenden Mannes , der das beste Herz und weichste Gemüth besaß , wenn auch manche Schwachheit sich daran knüpfte . » Halte Du Dich frei von der Leidenschaft , « sagte der Propst theilnehmend , » hüte Dein Herz und Deine Sinne ! Alle , die das nicht thun , die richten nur Unglück an für sich selbst und für Andere . « Und weiter fuhr er fort : » Sage Niemanden ein Geheimniß , das treu bewahrt bleiben soll - auch nicht Deinem besten Freund - Du hast es dann nicht mehr in Deiner Gewalt - verrathe Dich auch Deinem Kameraden Hieronymus nicht . « Ulrich schüttelte das Haupt und sammelte sich endlich so weit , um zu erzählen , daß er eben darum auch nicht dessen Wohnung mehr theilen möge . Der Propst billigte dies und hieß Ulrich diese Nacht mit in der Propstei bleiben , da er noch keine andere Wohnung hatte . So sprachen sie noch lange mit einander von der Vergangenheit und von der möglichen Zukunft . War Amadeus glücklich entkommen ? wer konnte es wissen ? Er war so schwach und hinfällig gewesen von dem martervollen Kerker - wohin konnte er geflohen sein ? War er umgekommen im Walde und fand man ihn lebend oder todt , so konnte eine Untersuchung seiner Flucht vielleicht die verrathen , die ihm dazu geholfen , und dann hatten sie die härteste Strafe zu fürchten . Und war er glücklich weiter entkommen : was würde er nun beginnen ? Mußten sie nicht jeden Tag denken , die Sehnsucht nach dem Sohn und der Wunsch von Ulrike zu hören , werde ihn eines Tages wieder zurückführen nach Nürnberg zu dem Propst oder Ulrich , und er sich selbst und diesen der schrecklichsten Gefahr aussetzen und vielleicht auch Andern in seiner zuweilen doch halbwahnsinnigen Art Alles verrathen ? Aber was halfen diese bangen Fragen , auf die Keiner eine Antwort geben konnte ! - An demselben Tage hatte der Jude Ezechiel bei der Frau von Scheurl , wie sie jetzt hieß , noch einmal Eintritt verlangt , der ihm schon mehrmals verweigert worden . Die Dienerschaft hatte auch jetzt wieder gedroht , ihn hinauszuwerfen . Da entschloß er sich zum Aeußersten . Er gab den Ring einem Diener und ließ sagen : er ließe nur fragen , ob die Herrin den Ring behalten wolle , oder ob er ihn dem Eigenthümer wieder zurückgeben solle . Das wirkte . Sogleich ward er vorgelassen . Elisabeth war ohnehin in schmerzlicher Aufregung . Mit kurzem Abschied war König Max geschieden , und nur Kunz von der Rosen hatte ihr zugeflüstert , daß , wenn es sich einmal treffen solle , daß ein Kaiser oder König einer stolzen Nürnberger Patrizierin doch einen Dienst erweisen könnte , so möge sie sich gleich lieber an den Narren wenden , der habe ein besseres Gedächtniß und wisse närrisch genug , oft sicherer das Ziel zu erreichen . Konrad Celtes war mit dem König gegangen , um wieder ein unstetes Reiseleben zu führen und im Wirken für die humanistischen Studien und dem Streben im deutschen Volke den Sinn für das Vaterland und seine Geschichte zu beleben , sein unruhiges Herz zum Schweigen zu bringen . Er hatte Elisabeth ' s Gebot geehrt und war ihr nicht wieder allein genaht . Aber was half es ihr , daß sie so als tugendhaftes Weib weder dem König noch dem Poeten eine Freiheit verstattet , die sich nicht mit den Pflichten gegen ihren Gemahl vertragen hätte : Ursula selbst , die einzig durch sie Hochbeglückte , fühlte sich verpflichtet ihr zu hinterbringen , wie viel Angriffe auf Elisabeth ' s guten Ruf sie zurückweisen müsse , wie man sie beschuldige , den Poeten , ihren frühern Geliebten wieder rücksichtslos bei sich empfangen zu haben und dem königlichen Gast in jeder Beziehung eine gefällige Wirthin gewesen zu sein . Sie ahnte , daß Streitberg und die Hallerin dies Gift gegen sie verstreut - und sie hatte keine Waffe dagegen , als ihr reines Gewissen und das Zeugniß ihres Gemahls . Das fiel freilich bei den Nürnbergern leicht genug in die Wagschaale ; der hoffärtige Rathsherr war geadelt worden - und damit hieß es , sei er schadlos gehalten , wenn ihm auch ein Schimpf durch sein Weib geschehen . Elisabeth konnte diesen Gerüchten nur erneuten Stolz entgegensetzen , aber sie hätte kein zartfühlendes Weib sein müssen , wäre sie nicht doch davon verwundet worden . Und nun , wo sie hoffte , daß Streitberg , um dessentwillen sie fast nie ihr Haus verlassen , sich wieder aus der Stadt entfernt , sah sie den Ring vor sich , durch den sie sich ihm einst verlobt hatte . Sandte er ihr ihn , oder wie kam er in die Hände des Juden ? Wie auch Vorurtheil und Stolz sich dagegen sträubten , sie mußte selbst und allein mit diesem sprechen . Ezechiel erzählte , daß Ritter Streitberg den Ring bei ihm versetzt , um ihn später wieder einzulösen , daß aber der Steinmetz Ulrich von Straßburg , der den Ring bei ihm gesehen , gesagt habe , er müsse der Frau von Scheurl gehören , der gewiß sehr viel daran gelegen sei , ihn wieder zu erhalten , und daß er somit eigentlich in dessen Auftrag zu ihr komme . Elisabeth erschrak und erröthete nacheinander . Was hatte dieser Ulrich , der christliche Baubruder , mit dem verstoßenen Juden zu thun ? was ging es Ulrich an , ob sie ein Interesse an dem Ringe habe oder nicht ? Sie mochte sich in kein Gespräch mit dem Juden einlassen - sie fragte ihn nur , wie viel er für den Ring fordere ? Ezechiel nannte eine hohe Summe , und Elisabeth ging in ein Nebengemach , um aus einer Schatulle das gewünschte Geld zu holen . Der Jude ward dreister , schilderte , welche Unannehmlichkeiten er haben werde , wenn Streitberg sein Pfand nicht wieder erhalten könne , und wie er nur Ulrich ' s Vorstellungen nachgegeben , und ob die edle Frau nicht dafür an diesen einen Dank zu bestellen habe . Elisabeth sah zürnend auf , dann wandte sie dem Juden den Rücken , hieß ihn sich augenblicklich entfernen , und verschwand in das Nebengemach . Einen Augenblick stand Ezechiel bestürzt - dann sah er sich überall um , und schnell seinen Vortheil wahrnehmend , nahm er ein gedrucktes Buch und riß aus demselben die Titelseite , auf welcher Elisabeth ' s Name stand , und sagte bei sich : Das bring ' ich ihm als von ihr - er wird schon in die Falle gehen , wenn er nicht schon darin sein sollte , und vielleicht wählt er mich zu seinem Liebesboten . Halb und halb hab ' ich ihn ja schon in der Hand , denn die Sachen , die er mir im Kloster abverlangte , hat er zu keinem rechtlichen Zweck gebraucht . Das ist ein Geheimniß , daß ich mich stellen werde zu wissen und auszuplaudern drohen , wenn ich ihn einmal wohin haben will , wo er nicht mag . So bekommt man die Leute an ' s Fädchen . Dritter Band Erstes Capitel Ein Seefahrer Von herrlichem Frühlingswetter begleitet war das Osterfest herangekommen . Die Lerchen wirbelten im Sonnenschein triumphirende Auferstehungslieder , die Zugvögel kehrten zurück und suchten die alten Nester , oder bauten sich neue . Sie fanden an den Giebeln von Nürnberg , wie in den Bäumen seiner Gärten , manch ' ein trauliches Plätzchen , darin sie nisten konnten , wo sie sich zwitschernd als gern gesehene Gäste niederließen . Sie flatterten um die hohen Zinnen der Burg und wiegten sich auf den Zweigen der Linde , welche die Kaiserin Kunigunde im Schloßhof gepflanzt . Auf einem Spaziergange mit ihrem Gemahl hatte Elisabeth diesem Spiele zugesehen , und obwohl dabei heiter lächelnd , doch im Innern schmerzlich bewegt sich gefragt : ob und wann je einmal die Zugvögel wiederkehren würden , die im Winter nur kurze Zeit unter ihrem Dache geweilt : König Max und Kunz von der Rosen , oder Konrad Celtes ? Sie suchte jede heftige Regung in sich zu unterdrücken ; aber sie fühlte sich seitdem wieder so allein und unverstanden an der Seite des ungeliebten und ungebildeten Gatten , der für alle höheren Interessen des Lebens kein Verständniß hatte , und nur aus Eitelkeit den Schein um sich zu verbreiten suchte , als ob Kunst und Wissenschaft in ihm einen Verehrer hätten , während er innerlich ihnen doch ganz fremd blieb . Aber indem Elisabeth so auch wieder heimgekehrt an die Zugvögel unter den Menschen dachte und selbst Leid empfand , nicht zu ihnen zu gehören - kam plötzlich einer von denselben zurück , den sie am wenigsten erwartet hatte . Ihr Bruder Georg trat bei ihr ein , und mit ihm ein älterer Mann in portugiesischer Tracht von schwarzem Sammet , mit gelben Puffen von Atlas in den Aermeln seines Wammses , einen runden Hut mit langer schwarzer Feder , auf seiner Brust ein schimmerndes Ritterkreuz . Er mochte etwa sechzig Jahre zählen und war von mittlerer Größe , aber die Straffheit seiner Haltung war die eines Jünglings . Sein braunes Haar , das die breitgewölbte vorspringende Stirn umspielte , war nur mit wenigen Silberfäden untermischt , ebenso der Bart , der Oberlippe und Kinn bedeckte . Die Stirn zeigte einige Runzeln , aber vorherrschend in der Mitte über der Nase die tiefe Furche des rastlosen Denkens . Seine Gesichtsfarbe schien von einer tropischen Sonne gefärbt zu sein und erhöhte den blitzenden Glanz seiner Augen , die feingebildeten Hände zeigten sich wettergebräunt und hart . Georg begrüßte die Schwester und sagte : » Ich bringe Dir einen Gast , Elisabeth . « Sie verneigte sich mit edlem Anstand , aber einem fragenden Blick auf den Bruder , von dem sie zu erwarten schien , daß er den Fremden ihr vorstelle , und sagte : » Waret Ihr schon bei meinem Gemahl , oder hab ' t Ihr ihn nicht daheim gefunden ? « » Dieser Besuch gilt vor allem Dir und dann erst ihm , « sagte Georg . » So ist es ! « sagte der Fremde , und ließ seine Augen so durchdringend und prüfend auf Elisabeth ' s Antlitz und Gestalt ruhen , daß sie , unwillig diesen Blicken ausweichend , fragend zu Georg sah , als fordere sie von ihm eine Erklärung oder Schutz gegen einen Fremden . Dieser aber ergriff ihre Hand und rief : » Erkennt mich Elisabeth wirklich nicht ? « Da stieß sie einen Schrei aus und mit dem Jubelrufe : » Martin , Du bist ' s ! « sank sie in seine Arme . Er drückte sie fest an seine Brust und sagte : » Ich hätte Dich gleich wieder erkannt , wärest Du mir auch noch so unerwartet begegnet , und bist Du auch in den zwölf Jahren meiner Abwesenheit aus einer zarten Jungfrau ein blühendes Weib geworden ; Deine Augen und Dein Mund sind geblieben , wie sie waren - und die giebt es nicht weiter so auf der Welt . «