eine tiefe Baßstimme von der Gartenpforte her , wie sie den Knaben schalkhaft von sich stieß . Es war Herr Spazzo . » Schönen Dank ! « sprach Praxedis unbetrübt . » Ihr kommt gerade recht , Herr Kämmerer , um bei Aufrichtung des Zelttuchs zu helfen . Mit dem törichten Knaben bring ' ich ' s heut nicht mehr zustand . « » So scheint es ! « sprach Herr Spazzo mit einem dreischneidigen Blick auf den Klosterschüler . Der hatte Angst vor des Kämmerers grimm gestrichenem Schnurrbart und drehte sich einem Rosengebüsch zu . Astronomie und Metrik , Aristoteles in der Ursprache und rote Frauenlippen schwebten in tanzendem Durcheinander durch das fünfzehnjährige Gemüt . » Gibt ' s keine besseren Leute zu küssen im Hohentwieler Burgfrieden , Jungfräulein ? « fragte Herr Spazzo . » Wenn man je eine Sehnsucht hätte « , war Praxedis ' Antwort , » so sind die besseren Leute ausgeritten und fahren in Nacht und Nebel herum und kommen erst am hellen Tag in einem Aussehen wieder heim , daß man meinen könnt ' , sie hätten Irrlichter einfangen wollen . « Da hatte Herr Spazzo seinen Teil . Er hatte aber ein Gelübde getan , von seinem nächtlichen Ritt samt Kuckucksruf und » Vince luna « kein Wörtlein zu verplaudern . » Wozu soll ich Euch helfen ? « fragte er demütig . » Eine Laube herrichten ! « sprach Praxedis . » In abendlicher Sommerkühle will die Herzogin hier Hof halten - es sollen Geschichten erzählt werden , alte Geschichten , Herr Kämmerer , je wunderbarer desto besser ! Unsere Herrin hat das Lateinische satt bekommen , sie will was anderes , Ungeschriebenes , Einheimisches ... Ihr müßt auch Euer Scherflein beitragen . « » Gott sei meiner Seele gnädig ! « sprach Herr Spazzo , » wenn unter einer Frauen Herrschaftsführung nicht alles wunderbar herginge , so möcht ' man sich noch verwundern . Gibt ' s keine fahrenden Sänger und Saitenspieler mehr , die um einen Helm voll Weines und eine Hirschkeule die Kehle heiser singen von derlei Mären ? Da steigen wir hoch im Wert ! Landflüchtige Possenreißer , Barden und derlei müßige Gesellschaft soll man mit Ruten aushauen , und wenn sie drum klagen , sei ihnen der Schatten eines Mannes an der Wand234 verabreicht als Entgelt . Ich dank ' für die Ehre . « » Ihr werdet tun , was befohlen wird , als getreuer Dienstmann , der noch Rechenschaft schuldig ist über gewisse Geschäftsführungen beim klösterlichen Weinkrug « , sprach Praxedis . » Es ist doch lustiger , als Latein buchstabieren . Habt Ihr keine Lust , den gelehrten Herrn Ekkehard auszustechen ? « Der Wink leuchtete dem Kämmerer ziemlich ein . » Gebt mir den Tuchzipfel « , sprach er , » daß wir das Zeltdach spannen . « Er stieg zum Ahorn auf und festigte die Enden im Geäst . Gegenüber waren hohe Stangen eingeschlagen , von blauer Bohnenblüte umrankt , dahin trug Praxedis das Getüch an seinen andern Enden ; in kurzem hing die schattige Decke über den luftigen Raum , die grauweiße Leinwand schimmerte anmutig zum Gelbgrün der Blätter und Ranken , es war eine lustige Gartenfrische . » Der Vesperwein möchte sich anmutig hier trinken lassen « , sagte Herr Spazzo halb betrübt über das , was bevorstand . Praxedis aber ordnete Tisch und Sitze ; der Herzogin Polsterstuhl mit dem durchbrochenen Schnitzwerk lehnte sie an den Stamm des Ahorns , niedrige Schemel für die andern , ihre Laute holte sie herunter und legte sie auf den Tisch , Burkard aber mußte einen großen Blumenstrauß binden , der ward vor den Herzogssitz gestellt . Dann band die Griechin einen roten Seidenfaden um den Baumstamm , zog ihn bis zur Bohnenhecke hinüber und von dort zur Mauer , so daß nur ein schmaler Durchgang frei blieb . » So ! « sprach sie vergnügt , » jetzt ist unser Plaudersaal umgrenzt und umfriedet , wie König Laurins Rosengarten235 , die Mauern sind wohlfeil herzustellen . « Die Herzogin freute sich ihres Einfalls und schmückte sich mit einer gewissen Absicht . Es war noch früh am Abend , da stieg sie zur Laube hinab . Blendend rauschte die stolze Erscheinung einher , sie hatte ein weites Gewand umgetan , Saum und Ärmel mit schimmerndem Gold durchstickt , ein stahlgrauer mantelartiger Überwurf wallte bis zum Boden herab , von edelsteinbesetzten Agraffen gehalten ; übers Haupt trug sie ein schleierartig Gewebe , licht und durchsichtig , von güldenem Stirnband anschmiegend zusammengefaltet . Sie griff eine Rose aus Burkards Strauß und heftete sie zwischen Band und Schleier . Der Klosterschüler , der schon nahe daran war , Klassiker und freie Künste zu vergessen , hatte sich die Gnade erbeten , der Herzogin Schleppe zu tragen , und ihr zu Ehren ein Paar abenteuerliche Schnabelschuhe , an beiden Seiten mit Ohren versehen , angelegt236 und machte sich verschiedene Gedanken über das Glück , einer solchen Gebieterin als frommer Edelknabe zu dienen . Praxedis und Herr Spazzo traten mit ein . Die Herzogin schaute sich flüchtig um : » Ist Meister Ekkehard , zu dessen Belehrung wir den Abend geordnet , unsichtbar ? « Er war nicht erschienen . » Mein Oheim muß krank sein « , sprach Burkard . » Er ist gestern abend mit großen Schritten in seiner Turmstube auf und nieder gegangen , und wie ich ihm die Sternbilder vor dem Fenster erklären wollt ' , den Bär und Orion und den mattschimmernden Fleck der Plejaden , hat er mir keine Antwort gegeben . Dann hat er sich angekleidet aufs Lager geworfen und im Schlaf gesprochen . « » Was hat er gesprochen ? « fragte die Herzogin . » Meine Taube , hat er gesagt die du in den Spalten der Felsen dich verbirgst und den Ritzen des Gesteines , zeig ' mir dein Angesicht , laß deine Stimme klingen in meine Ohren , denn die Stimme ist süß und dein Angesicht schön , und ein andermal hat er gesagt : Warum küssest du den Knaben vor meinen Augen ? was hoff ' ich und säum ' ich noch in libyschen Landen ? « » Da schaut ' s gut aus « , flüsterte Herr Spazzo der Griechin zu , » habt Ihr das auf dem Gewissen ? « Die Herzogin aber sprach zu Burkard : » Du wirst selber geträumt haben . Spring ' hinauf und such ' deinen Ohm , daß er heruntersteige , wo wir seiner warten . « Sie ließ sich anmutig auf dem thronartigen Sitz nieder . Da kam Ekkehard mit dem Klosterschüler in den Garten . Er sah blaß aus ; sein Blick war unstet und trüb . Er neigte sich stumm und setzte sich an des Tisches entgegengesetzt Ende . Burkard wollte seinen Schemel zu Füßen der Herzogin rücken wie gestern , da sie Virgil lasen , aber Ekkehard stund auf und zog ihn an der Hand zu sich herüber . » Hierher ! « sprach er . Die Herzogin ließ ihn gewähren . Sie schaute in die Runde . » Wir haben gestern behauptet « , sprach sie , » daß wir in unsern deutschen Sagen und Geschichten so viel schöne Gelegenheit zu Kurzweil besitzen , als weiland die Römer in ihrem Heldenlied vom Äneas . Und sicher weiß ein jedes von uns etwas von schneller Helden Fechten und fester Burgen Brechen , von treuer Liebsten Scheidung und reicher Könige Zergängnis ; des Menschen Herz ist mannigfach geartet , was der eine seitab liegen läßt , mutet den andern an . Darum haben wir die heutige Tagfahrt geordnet , daß von jedem unserer Getreuen , wie das Los entscheidet , ein anmutig Stück erzählt werde , und behalten uns vor , dem liebreizendsten einen Preis auszusetzen . Siegt einer von euch Männern , so mög ' er das uralte Trinkhorn gewinnen , das aus König Dagoberts Zeiten her droben im großen Saal hängt ; siegt meine treue Praxedis , so wird ein Schmuckstück ihrer harren . Halmzug bestimme den Anfang ! « Praxedis hatte vier Grashalme von verschiedener Länge geordnet und reichte sie der Herzogin . » Soll ich für den jungen Verskünstler auch ein Hälmlein beifügen ? « fragte sie . Aber Burkard sprach mit weinerlicher Stimme : » Ich bitt ' Euch , verschonet mich . Denn wenn meine Lehrer in Sankt Gallen erfahren möchten , daß ich mich wiederum an unnützen Mären ergötzt , so würd ' ich gestraft wie damals , als wir auf Romeias ' Wächterstube die Geschichte vom alten Hildebrand und seinem Sohn Hadubrand aufführten . Der Wächter hat immer seine Freude dran gehabt und hat uns selber die hölzernen Rosse geschnitzt und die langen dreieckigen Schilde ; ich bin der Sohn Hadubrand gewesen und mein Mitschüler Notker machte den alten Hildebrand , weil er eine so große Unterlippe hat wie ein alter Mann . Und wir sind aufeinand ' eingeritten , daß eine Staubwolke zu des Romeias Fenster hinauswirbelte ; just hatte Notker den Armring losgelöst und mir als Gabe gereicht , wie das Lied es vorschreibt237 , und ich sprach zu ihm : Du scheinst mir , alter Heune , doch allzu schlau ; lockest mich mit deinen Worten , willst mich mit deinem Speere werfen ; bist du so zum Alter gekommen , daß du immer trogest ? mir kündeten Seefahrende westlich über den Wendelsee : hinweg nahm ihn der Krieg , tot ist Hildebrand , Heribrands Erzeugter ! - Da kam Herr Ratolt , unser Lehrer der Rhetorika , heraufgeschlichen und fuhr mit seiner großen Rute so grimmig zwischen uns , daß Roß und Schild und Schwert den Händen entfielen : den Romeias schalt er einen altväterischen Bärenhäuter , der uns von nützlichem Studium ablenke , und mein Kamerad Notker und ich sind drei Tage bei Wasser und Brot eingesperrt gesessen und haben zur Strafe fürs Hildebrandspiel jeder hundertundfünfzig lateinische Hexameter zu Ehren des heiligen Othmar anfertigen müssen ... « Die Herzogin lächelte . » Da sei Gott für , daß wir dich wiederum zu solcher Sünde verleiten « , sprach sie . Sie faßte die Halme in der Rechten zusammen und reichte sie anmutig den andern zum Ziehen . Ekkehards Augen hafteten unverrückt auf der Rose am Stirnband , wie er vor sie trat . Sie mußte ihn zweimal auffordern , bis er zog . » Mord und Brand und Weltende ! « wollte Herr Spazzo herausfahren ; er hatte den kürzesten Halm gegriffen . Aber er wußte , daß keine Ausrede ihn loswinden könne , und schaute betrüblich über die steile Felswand hinunter ins Tal , als ob sich von dort ein Ausweg auftun müsse . Praxedis hatte die Laute gestimmt und spielte ein Präludium , das klang lieblich zum Rauschen der alten Ahornwipfel . » Unser Herr Kämmerer hat keine Strafen zu fürchten wie der Klosterzögling , wenn er uns etwas Schönes bringt « , sprach die Herzogin . » Nun denn ! « Da neigte sich Herr Spazzo vorwärts , stellte sein Schwert mit dem breiten Griff vor sich , so daß er seine Arme drauf stemmen konnte , strich seinen Bart und hub an : » Wiewohl ich an alten Geschichten keine absonderliche Freude gewonnen und es lieber höre , wenn zwei Schwerter aufeinanderklirren oder ein Hahnen ins volle Faß geschlagen wird , so hab ' ich doch einmal eine schöne Mär aufgelesen . Mußte dereinst in jungen Tagen ins Welschland hinunterreiten , da ging mein Weg durchs Tirol und über den Brennerberg , und war ein rauher , steiniger Saumpfad , der über Kluft und Gefelse zog , also daß mein Roß ein Hufeisen einbüßte . Und war Abend worden , so kam ich an ein Dörflein , heißt Gothensaß oder Gloggensachsen , so aus den Zeiten Herrn Dietrichs von Bern dort inmitten alter Lärchenwälder wie im Versteck steht . An Rücken des Berges gelehnt war zu äußerst ein burgartig Haus , davor lagen viel Eisenschlacken und sprühte ein Feuer drinnen und ward stark gehämmert . Da rief ich den Schmied herfür , daß er mein Roß beschlage , und wie sich niemand rührte , tat ich einen Lanzenstoß nach der Tür , daß sie sperrweit auffuhr , und tat dazu einen starken Fluch mit Mord und Brand und allem Bösen : so stund plötzlich ein Mann vor mir mit zottigem Haar und schwarzem Schurzfell , und war ich sein kaum ansichtig , so war auch schon meine Lanze niedergeschlagen , daß sie zersplitterte wie sprödes Glas , und eine Eisenstange über meinem Haupt geschwungen , und an des Mannes nackten Armen sprangen Sehnen herfür , als könnt ' er einen Amboß sechzehn Klafter tief in die Erde hineinschmettern . Da vermeinte ich , unter solchen Umständen möcht ' ein höflich Wort nicht vom Übel sein , und sprach daher : Ich wollt ' Euch nur um die Gewogenheit ersuchen , daß Ihr mein Roß beschlaget . Drauf stieß der Schmied seine Stange in den Erdboden und sprach : Das lautet anders und schafft Euch Rat . Aber Grobheit gilt nichts in Welands Schmiede , das mögt Ihr in Eurer Heimat weiter sagen . Er beschlug mein Roß und ich sah , daß er ein ehrenwerter Schmied war , und ward ihm gut befreundet und ließ das Rößlein in seinem Stall stehen und blieb bei ihm in der Nachtherberge . Und wir tranken scharf bis in die Nacht hinein , der Wein hieß Terlaner und er schenkte ihn aus einem Schlauche . In währendem Trinken befrug ich den rußigen Gastfreund um Gelegenheit und Namen seiner Schmiede . Da lachte er hell auf und erzählte die Geschichte vom Schmied Weland . Fein war sie nicht , aber schön . « Herr Spazzo hielt eine Weile an und warf einen Blick auf den Tisch , wie einer , der sich nach einem Trunk Weines umschaut , trockene Lippen zu feuchten . Aber es war keiner zur Hand und man verstand den Blick nicht . Da fuhr er fort : » Woher der Weland gekommen , sprach der Mann von Gothensaß damals zu mir , ist hierlands nicht bekannt . Sie sagen , in nordischen Meeren , im Land Schonen sei der Riese Vade sein Vater gewesen , seine Großmutter aber eine Meerfrau , die kam aus der Tiefe , wie er geboren ward , und saß eine lange Nacht auf der Klippe und harfte : jung Weland muß ein Schmied werden ! Da brachte Vade den Jungen zu Mimer , dem Schmiedungsverständigen , der hauste im dunkeln Tann zwanzig Meilen hinter Toledo und lehrte ihn viel mannigfache Kunst . Wie er aber sein erst Schwert geschmiedet , hieß ihn Mimer selber weiter ziehen , auf daß er die letzte Meisterschaft bei den Zwergen erringe . Und Weland ging zu den Zwergen und gewann viel Ruhm . Da brachen die Riesen ins Zwergenland , daß Weland weichen mußte , und blieb ihm nichts als sein breites Schwert Mimung , das schnallte er über den Rücken und kam ins Land Tirol . Zwischen Eisack , Etsch und Inn aber saß dazumal der König Elberich , der nahm den Weland freundlich auf und wies ihm die Waldschmiede zu am Brenner , und Eisen und Erz und was sonst in des Gebirges Adern verborgen ruht , sollte all des Weland sein . Und dem Weland ward ' s wohl und fröhlich ums Herz in den Tiroler Bergen ; die Wildwasser rauschten zu ihm heran und trieben das Radwerk , der Sturm blies ihm das Herdfeuer an und die Sterne sprachen : wir müssen uns anstrengen , sonst glänzen die Funken , die Weland schlägt , heller denn wir . So gedieh Welands Arbeit wohl . Schildesrand und Schwert , Messer und Pokal und was an Kleinod eines Königs Hofburg ziert , wirkte der Sinnige , und war kein Schmied , so weit die Sonne auf Alpenschnee glänzt , sich mit Weland zu messen . Elberich aber hatte viel böse Feinde , die einten sich und setzten den einäugigen Amilias zu ihrem Führer und brachen ins Land ein . Und Elberich trug großes Herzeleid und sprach : » Wer mir des Amilias Haupt brächte , mein einzig Töchterlein sollt ' ihn dafür küssen als Ehgemahl ! « Da löschte Weland sein Schmiedfeuer , schnallte sein breites Schwert Mimung um und zog aus gegen Elberichs Widersacher . Und das Schwert war brav und schlug dem Amilias das Haupt ab , daß aller Feind über Joch und Klausen heimlief . Weland aber brachte seinem König das Haupt . Da sprach der zürnend : » Was ich von meiner Tochter angelobet , das hat der Wind verweht ; ein Schmied kann nicht mein Sohn sein , des würden meine Hände rußig , wenn er den Gruß mir bieten wollt ' . Aber als Lohn sollst du drei Goldpfennige haben , dafür kann ein Mann turnieren und stechen , reigen und tanzen , zieren und pflanzen und eine Dirne sich kaufen am Markt . « Weland warf ihm die drei Goldpfennige vor die Füße , daß sie unter den Thron rollten , und sprach : » Behüt ' Euch Gott , auf Nimmerwiedersehen ! « und wandte sich , aus dem Lande zu gehen . Der König aber wollte den Schmied nicht missen , darum ließ er ihn niederwerfen und die Sehnen am Fuß durchschneiden , daß er hinkend ward und ungemut und des Fliehens vergessen mußt ' . Und Weland schleppte sich traurig in die Waldschmiede heim und zündete sein Feuer wieder an , aber er pfiff und sang nimmer , wenn er mit schwerem Hammer das Eisen schlug , und sein Gemüt ward ingrimmig . Da kam einsmals des Königs Sohn , der war ein rotwangiger Knab ' und war allein in den Wald gezogen und sprach : » Weland , ich will dir zuschauen . « Da sprach der Schmied tückisch : » Stell ' dich an Amboß , so schaust du alles am besten « , - und zog die glühende Eisenstange aus den Flammen und stieß sie dem Königsknaben durchs Herz . Sein Gebein bleichte er und goß um die Knochen viel Erz und Silber , daß sie zu Säulen der Leuchter wurden , um den Schädel aber fügte er einen Goldrand , da ward der Schädel zum Becher . All dies aber sandte Weland dem Elberich , und wie die Boten geritten kamen und nach dem Knaben fragten , sprach er : » Ich sah ihn nimmer , er ist zu Wald gerannt . « Zu selber Zeit erging sich des Königs Tochter in ihrem Garten , die war so schön , daß sich die Lilien vor ihr neigten . Am Zeigefinger trug sie einen Ring von Gold , gestaltet wie eine Schlange , und ein Karfunkel blitzte im Schlangenhaupt , den hatte Elberich selbst eingefügt und hielt den Ring teurer als ein Königreich und schenkte ihn seiner Tochter nur , weil sie in ihrer Schöne ihm über alles lieb war . Dieweil sie aber eine Rose pflückte , sprang der Ring von der Jungfrau Finger und hüpfte mit hellem Schein über das Gestein und zerbrach ; und der Karfunkel fiel aus der güldenen Fassung , daß die Maid die Hände rang und bitterlich wehklagte und sich nicht traute heimzugehen , denn sie fürchtete ihres Vaters Zorn . Da sprachen die dienenden Frauen : » Geh ' heimlich zum Schmied Weland , der weiß Rat dafür . « So trat die Königstochter in Welands Schmiede und klagte ihre Not . Der nahm den Ring und fügte ihn zusammen und schmolz Gold und Erz und der Karfunkel blitzte wieder im Schlangenhaupt . Aber Welands Stirn war tief gefurcht , und wie die Jungfrau ihm freundlich zulachte und gehen wollt ' , da sprach er : » Hei ! wie kommst du mir geschlichen ! « und warf die feste Tür ins Schloß und legte Riegel vor und griff die Königstochter mit starker Hand und trug sie in die Kammer , wo Moos und Farrenkraut geschichtet lag . Und wie sie von dannen ging , weinte sie und raufte ihr seidenweich Haar ... « Ein Geräusch unterbrach Herrn Spazzo . Praxedis hatte zur Herzogin aufgeschaut , ob sie nicht etwa errötend aufspringen und Herrn Spazzo den Mund schließen solle ; doch aus dem strengen Antlitz war nichts zu lesen . Darum trommelte sie ungeduldig mit den Fingern auf ihrer Laute . » ... und es war eine Gewalttat geschehen « , fuhr Herr Spazzo unbeirrt fort . Da hub Weland ein Singen und Jodeln an , wie die Waldschmiede es nimmer gehört , seit ihm die Sehnen zerschnitten worden . Dann ließ er Schwerter und Schilde unvollendet und schmiedete Tag und Nacht und schmiedete zwei große Flügel und war kaum fertig , so kam Elberich mit Heeresmacht den Brenner herabgeritten . Da band sich Weland die Flügel an und hing sein Schwert Mimung um und trat auf die Zinne , daß die Leute riefen : » Sehet , der Weland ist ein Vogel worden ! « Er aber rief mit starker Stimme vom Turm : » Behüt ' Euch Gott , König Elberich ! Ihr werdet des Schmiedes gedenken . Den Sohn hat er erschlagen , die Tochter trägt ein Kind von ihm . Ade , ich lass ' sie grüßen ! « rief ' s und seine ehernen Flügel hoben sich und rauschten wie Sturmwind , und er fuhr durch die Lüfte . Der König griff seinen Bogen und alle Ritter spannten in grimmer Eil ' , wie ein Heer fliegender Drachen schossen die Pfeile ihm nach , doch Weland hob die Schwingen , kein Eisen traf ihn nicht , und flog heim nach Schonen auf seines Vaters Schloß und ward nicht mehr gesehen . Und Elberich hat seiner Tochter den Gruß nicht ausgerichtet . Sie aber genas noch in demselben Jahrgang eines Knaben , der hieß Wittich und ward ein starker Held , wie sein Vater . » Das ist der Mär ' von Weland Ende238 ! « Herr Spazzo lehnte sich zurück und tat einen langen behaglichen Atemzug . Ein zweites Mal werden sie mich in Ruhe lassen , dachte er . Der Eindruck des Erzählten war verschieden . Die Herzogin sprach sich lobend aus , des Schmiedes Rache mutete sie an ; Praxedis schalt , es sei eine rechte Grobschmiedsgeschichte , man sollte dem Kämmerer verbieten , sich noch vor Frauen sehen zu lassen . Ekkehard sprach : » Ich weiß nicht , mir ist , als hätt ' ich Ähnliches gehört , aber da hieß der König Nidung und die Schmiedwerkstätte stand am Kaukasus . « Da rief der Kämmerer zürnend : » Wenn Euch der Kaukasus vornehmer ist wie Gloggensachsen , so mögt Ihr ' s dorthin verlegen ; ich weiß noch recht wohl , wie mir mein Tiroler Freund den Ort genau gewiesen239 . Über der Kammertür war eine geknickte Rose von Erz geschmiedet und auf dem Turm ein eiserner Adlerflügel , und stand eingegraben : Hie flog der Schmied von dannen . Dann und wann kommen Leute hinabgewallfahrtet und beten und glauben , der Weland sei ein großer Heiliger gewesen240 . « » Lasset sehen , wer Herrn Spazzo den Preis jetzt streitig machen soll « , sprach die Herzogin und mischte die Lose . Sie zogen . Der kleinste Halm blieb in Praxedis ' Hand . Die tat weder verlegen , noch bat sie um Nachsicht ; sie fuhr mit der weißen Hand über die dunkeln Haarflechten und begann : » Mir haben zwar die Ammen keine Wiegenlieder von alten Recken gesungen und in Waldschmieden bin ich , Gott sei es gedankt , niemalen eingekehrt , aber selbst in Konstantinopel geht die Rede von solcherlei Abenteuer . Und wie ich am Kaiserhof unterwiesen ward in allen Künsten , die dienenden Maiden wohl anstehen , da war eine alte Schlüsselverwahrerin , die hieß Glycerium , die sprach oft zu uns : Höret , Mägdlein , so ihr je einer Prinzessin dienet , und ihr Herz ist in heimlicher Minne entbrannt , und sie kann den nicht sehen , den sie begehrt , so müsset ihr schlau sein und bedachtsam wie die Kammerfrau Herlindis , da der König Rother um des Kaiser Konstantinus Tochter geworben . Und wenn wir im Frauensaal beisammensaßen , da ward gewispert und geflüstert , bis Glycerium , die Alte , erzählte vom König Rother . « » Vor alten Zeiten saß in der Meerburg am Bosporus der Kaiser Konstantinus , der hatte eine wunderbar schöne Tochter , und die Leute sprachen von ihr , sie sei strahlend wie der Abendstern und leuchte unter allen Maiden wie der Goldfaden in der Seiden . Da kam eines Tages ein Schiff gefahren , daraus stiegen zwölf edle Grafen und zwölf Ritter und ritten in Konstantinus ' Hof ein , und einer ritt voran , der hieß Lupolt . Und alles Volk der Hauptstadt staunte über sie , denn Mäntel und Gewande waren schwer von Edelstein und JachantenA1 besetzt , und an den Sätteln der Rosse klang ' s von goldenen Schellen . Das waren die Boten des Königs Rother von Wikingland , und Lupolt sprang vom Roß und sprach zum Kaiser : Uns schickt unser König , geheißen Rother , der ist der schönste Mann , der je vom Weibe kam , ihm dienen die besten Helden und an seinem Hof ist Ball und Schall und Federspiel , so viel das Herz begehrt . Er aber ist unbeweibt und sein Herz steht einsam : Ihr solltet ihm Eure Tochter geben ! « Konstantinus aber war ein zornmütiger Herr ; grimm warf er seinen Reichsapfel zu Boden und sprach : » Um meine Tochter hat noch keiner geworben , der nicht den Kopf verloren , was bringt Ihr mir solchen Schimpf über das Meer ? Ihr seid alle gefangen ! « Und ließ sie in einen Kerker werfen , da schien weder Sonne noch Mond drein , und bekamen nur Wasser , sich zu laben , und weinten sehr . Wie die Kunde zum König Rother kam , da ward ihm sein Herz sehr traurig und er saß auf einem Stein und sprach zu niemand . Dann faßte er den Entschluß , in Reckenweise über Meer zu fahren , um seinen getreuen Sendboten beizuspringen . Und er war verwarnt vor den Griechen , daß man dort die Wahrheit übergülden müsse , so man etwas beschaffen wolle , darum hieß er seine Recken eidlich angeloben , daß sie alle vorgäben , er heiße nicht Rother , sondern Dietrich , und sei landflüchtig vor dem König Rother und gehre Hilfe bei dem Griechenkaiser . Also fuhren sie über Meer . Und Rother nahm seine Harfe an Schiffes Bord , denn bevor seine zwölf Gesandten die Anker gelichtet , war er mit der Harfe an den Strand gekommen und hatte drei Singweisen gegriffen , das sollte ihnen ein Angedenken sein : und kommet ihr je in Not und höret die Weisen erklingen , so ist Rother helfend euch nah ! Es war ein Ostertag und der Kaiser Konstantin war nach dem Hippodrom ausgeritten , da hielt Rother seinen Einzug . Und alle Bürgersleute von Konstantinopel liefen zusammen ; das war noch nie erschaut , denn Rother brachte auch seine Riesen mit sich : der erste hieß Asprian und trug eine Stahlstange , die war vierundzwanzig Ellen lang , der zweite hieß Widolt und war so wildwütig , daß sie ihn in Ketten mitführen mußten , der dritte hieß Abendrot . Und viel tapfere Degen kamen mit Rother geritten , und zwölf Wagen mit Schätzen fuhren an , und war solche Pracht , daß die Kaiserin sprach : » O weh , wie dumm sind , wir gewesen , daß wir unsere Tochter dem König Rother versagten ; was muß der für ein Mann sein , der solche Helden vertreibt über die Meere ! « König Rother trug einen güldenen Harnisch und einen purpurnen Waffenrock und zwei Reihen schöner Ringe am Arm und beugte sein Knie vor dem Griechenkaiser und sprach : » Mich Fürsten Dietrich hat ein König in Acht getan , der heißt Rother , nun ist alles , was ich gearbeitet , zu meinem Schaden . Ich biet ' Euch meine Dienste an « . Da lud Konstantinus die Helden alle zum Hippodromushof und hielt sie in hohen Ehren und hieß sie zu Tisch sitzen . Es lief aber da ein zahmer Löwe herum , der gewohnt war , den Knechten das Brot wegzufressen . Der kam auch an Asprians Teller , ihn aufzulecken . Da griff Asprian den Löwen an der Mähne und warf ihn an des Saales Wand , daß er zerbrach . And die Kämmerer sprachen zueinand ' : » Wer nicht an die Wand fliegen will , lasse dieses Mannes Teller unberührt « . König Rother aber teilte den Griechen viel schöne Geschenke aus ; jedem , der ihn auf der Herberge besuchte , hieß er einen Mantel verehren oder ein Stück Gewaffen . Es kam auch ein landflüchtiger Grafe daher , dem schenkte er tausend Mark Silber und nahm ihn in Dienst , also daß viel hundert Ritter in sein Gefolge traten . So war in aller Munde des vermeinten Dietrichs Preis , und unter den Frauen hob sich ein Wispern und Raunen , es war keine Kemenate , daß die Wände nicht Herrn Dietrich rühmen hörten . Da sprach die goldlockige Kaiserstochter zu Herlindis , ihrer Kammerfrau : » O weh mir ! wie soll ich es anfangen , daß ich desselben Herren ansichtig werde , den sie alle preisen ? « Herlindis aber entgegnete : » Nun bitte deinen Vater , daß er ein Freudenfest gebe am Hofe und den Helden dazu lade , so magst du ihn am besten ersehen « . Die Kaiserstochter tat nach Herlindis ' Rat und Konstantinus nickte ihr zu und entbot seine Herzoge und Grafen zum Hippodromushofe und die fremden Helden dazu . All '