sich schläfrig aus dem Bette wälzte , in den Haaren kratzte und nach dem Kaffee schrie . Als der Kaffee kam , frug es : » Wo ist er « » Weiß nicht ! « sagte die Magd . Als der Kaffee getrunken war , ging Elisi nach seinen Kisten und Kasten , aber wo sie am Abend gestanden , stunden sie nicht mehr , stunden nirgends mehr , wohin es auch sehen mochte . » Tüfel , wo sind sie ? « schrie Elisi der Magd zu . » Weiß nicht ! « antwortete diese . Ja , jetzt gabs Lärm ! » Wo sind meine Sachen , wo sind meine Sachen ! « erscholl es durch Stadt und Land . Unerschütterlich blieb die Magd bei der Antwort : » Weiß nicht ! « Die Leute lächelten hinter den Fenstern , verschwanden aber , wenn das Geschrei : » Wo sind meine Sachen , wo sind meine Sachen ? « in ihre Nähe kam . Endlich kriegte es eine Frau Nachbarin satt und erschien dem schreienden Elisi unter der Türe und sagte : » Schweiget doch und brüllt nicht das Land voll , hilft Euch doch nichts ; diesen Morgen in aller Früh ist Euer Mann damit fort , herbeibrüllen werdet Ihr sie nicht mehr , und solltet Ihr brüllen bis zum jüngsten Tag und noch zehnmal so laut . « So sprach sie und verschwand . Ja , jetzt war Elisi nicht mehr zu helfen , es wurde wirklich in allem Ernste fast gar ohnmächtig . » O meine Sachen , meine Sachen ! O Mutter , o Mutter ! « Und : » Der verfluchte Schelm ! « Und usw. Ja , das ging schrecklich , ein Schloßhund ist dagegen nur ein Anfänger . Aber es ging , wie die Nachbarin sagte : Elisi brüllte die Sachen nicht herbei , und wenn es gebrüllt hätte wie zehntausend Ochsen . Der liebe Gemahl war allerdings damit fort auf Nimmerwiedersehen , das heißt der Sachen , er selbst wartete noch auf fettere Beute ; er war in immerwährender , immer engerer Geldklemme , in welcher er sich jedoch mit großer Gewandtheit zu bewegen wußte , indessen trotz derselben hätten ihn die Gläubiger längst über Bord geworfen , wenn nicht der reiche Schwiegervater im Hintergrunde gewesen wäre . Trieben sie ihn zum Geltstag oder Konkurs , so war zehn gegen eins zu wetten , daß er nichts erbte , sondern das ganze Erbe seinen Kindern zugestellt wurde , was gesetzlich zulässig war , dann hauen die Gläubiger das blinde Nachsehen . Man schenkte ihm also so gleichsam wie die Katze der Maus mit aufgehobener Tatze das Leben , vertraute ihm jedoch so wenig als möglich Neues an . Das brachte den Herrn in große Geldnot und setzte ihn fast vor die Geschäfte hinaus . Der Nachlaß der Mutter selig war für ihn ein prächtiger Fang , der ihn wieder Hott machte für eine Zeit . Er machte sich keinen Augenblick ein Gewissen daraus , die Hand darüber zu schlagen , ihn zu versilbern , so gut er konnte , so was verstund er und kannte die Gelegenheit . Er löste eine beträchtliche Summe , ließ Elisi kaltblütig heulen und schreien und fuhr herum wie ein Fischlein , welches vom Trocknen wieder ins Wasser gekommen . Elisi hintersinnete sich fast , aber was half ihm das ? Es war wirklich in einer sehr traurigen Lage . Vom Manne war es verraten und verkauft , auf der ganzen Welt hatte es keinen Menschen , der sich seiner annahm , und wenn der Bruder und seine Frau es vernahmen , wie es ihm ergangen , so lachten sie sich den Buckel voll , das wußte es . So in der Welt zu stehen , ist wirklich trostlos , und Mancher wurde ein Narr darob . Aber Elisi hatte keine so spröde , sondern eine zähere Natur ; viel Heulens mochte es ertragen , und wenn es einmal zu einem frischen weißen Brötchen kam , einigen Cotelettes oder einigen Batzen , welche es dem Manne stehlen konnte , so fand es darin großen Trost für manchen Tag . Achtzehntes Kapitel Ein Gericht und zwei Sprüche Unterdessen war Ulis Prozeßlein fortgelaufen , hatte sich ausgesponnen auf wunderbare Weise zu einem langen , langen Faden . Wenn er meinte , er packe das Ende , husch , war es ihm entronnen und weit weg wie dem Kinde das Fischlein , nach welchem es hastig gegriffen . Schon tüchtig war Uli durch seinen Agenten angepumpt worden , als es endlich hieß , an dem und dem Tage werde , wenn nichts dazwischenkomme , abgesprochen , Uli müsse dabei sein , müsse auch einmal wissen , wie dies gehe , und sehen , wie der Gegner ein Gesicht mache , wenn er verspiele , er werde sich verwundern . Es machte indessen Uli doch angst auf diesen Tag , es fiel ihm ein , es wäre noch immer möglich , daß er verliere , dann könnte es ihn ärgern und der Andere zusehen ; er habe schon gehört , es gehe bei den Abstimmungen oft verflucht ungerecht zu und der beste Handel könne verloren gehen , denn die meisten Richter verständen nichts vom Recht und die übrigen seien sonst nicht sauber im Nierenstück , dachte er . Bekanntlich müssen die Richter immer als Sündenböcke der Advokaten vor dem Volke paradieren . Die Nacht vor dem Abspruch konnte er wenig schlafen , er wäre zu einem ziemlichen Opfer bereit gewesen , wenn er den Prozeß hätte ungeschehen machen können . » Das soll mir eine Warnung sein , « sagte er mehr als einmal halblaut , » ist der mal aus , fange ich mein Lebtag keinen neuen an , wenn es nicht sein muß . « Er war früh auf , und Vreneli versäumte ihn nicht mit dem Frühstück , war freundlich , aber vom Prozeß redete es nicht . Da war ein wunder Fleck in seinem Herzen , der nicht heilen wollte und schmerzte , so oft er berührt ward . Es war ein heißer , schwüler Sommertag , kurz vor der Ernte ; der Roggen beugte bereits seinen philisterhaften Rücken und neigte sein Haupt wie ein alter Professor , wenn er sich der Höflichkeit befleißt . Das Korn hatte verblüht , stand keck gradauf wie junge Fähndriche , welche Generale werden möchten . Uli dachte , in acht Tagen muß der Roggen ab , in drei Wochen das Korn , überschlug seinen Ertrag , machte Preise , handelte , daß er darüber fast den Prozeß vergaß und an Ort und Stelle war , ehe er es sich versah . Es war noch ziemlich stille , die Stunde des Gerichts noch nicht da , und bekanntlich gehören die Advokaten , welche früh zur Stelle sind , entweder zu den Ausnahmen oder zu den Anfängern . Wer des Abends zu viel Wein im Munde hat , frägt dem Golde , welches die Morgenstunde im Munde hat , nicht mehr viel nach . Nach und nach trappeten die Parteien an oder fuhren wohl auch , stunden ums Schloß , wo das Gericht saß oder sitzen sollte , oder bewegten sich der Gaststube des Wirtshauses zu , um an einem Schnaps oder einem halben Schoppen Wein sich für die Operationen der Gerechtigkeit zu stärken . Auch seinen Gegner sah Uli herantrappen an einem langen Stock , gelb und mager sah unter dem breiten Rande des schwarzen niedern Wollhutes das Gesicht hervor . Der ging nicht dem Wirtshause zu , sondern dem Schlosse , sah sich erst lange bedächtig um , lehnte sich dann noch lange an seinen Stock , endlich saß er auf eine Bank ab , nachdem er sich sorgfältigst überzeugt hatte , daß er am rechten Orte sei und sich nicht verfehle , wenn er sich da setze . Endlich , als das Volk sich gehäuft hatte , die übliche Stunde längst geschlagen , kamen sie daher , die Helden des Tages , die Agenten und Fürsprecher , wie Divisionärs und Brigadiers auch erst kommen , wenn die Bataillone aufmarschiert sind und oft schon lange stehn . In wunderlichen Kleidungen , in Kopfbedeckungen von allen Sorten kamen sie dahergefahren , drei kamen sogar geritten . Eben ritterlich sahen sie nicht aus , einer von ihnen saß auf seiner Rosinante wie eine junge Laus auf einem alten Spittler . Wenige Agenten kamen zu Fuß ; was ihnen dadurch an Ansehen abging , suchten sie zu er , setzen durch die Majestät , mit welcher sie ihre Pfeife hielten , den Stock handhabten oder den Kopf trugen . Sie alle gingen der innern Stube des Wirtshauses zu , sammelten da ihre Gedanken bei einem Glase Roten oder stärkten ihre Stimme mit Schinken oder Braten , stellten sich zuweilen in die Mitteltüre groß und breit und schauten hinaus in des niedern Volkes , welches sich in der Gaststube gesammelt hatte , lautes Gesumme . Mit Schauer und Respekt sah das Volk auf die Helden hin , welche die Gerechtigkeit in den Händen hatten wie der Töpfer den Lehm , um sie zu drehen nach Belieben . » Sieh , dort ist der Meine , « sagte einer und wies mit seinem langen Stock auf eine Figur , welche unter offenem Fenster stund . » Dort der Meine , « sagte ein Anderer , zog seinen Hut und machte dem Seinen einen tiefen Bückling mit langem Scharwenzel , doch umsonst , derselbe hatte ein kurzes Gesicht und eben seine Brille in den Händen , um ihr den Morgentau auszuwischen . Ganz verblüfft und verwundert über dieses kalte Benehmen , sagte der Klient : » Das letztemal , als ich bei ihm war , war er nicht da , heim , und hat ihm vielleicht seine Frau vergessen zu sagen , die Fische seien von mir . Ich sagte ihr meinen Namen dreimal , vergessen wird sie ihn doch nicht haben . « » Ich bringe nichts mehr , « sagte ein Anderer , » sie führen einem die Sache zu stark aus , man weiß nicht mehr , was ihnen recht ist . Letzt , hin brachte ich meinem Fürsprecher zwei Hasen , verflucht brave , da sagte die Frau , sie wolle nur einen , der andere stinke . Sonst hat man geschenkten Rossen nicht ins Maul gesehen . « » Warte hier , muß doch noch ein Wörtlein mit dem Meinen reden , « sagte ein Anderer , » und ihn mahnen , daß er nur ja den und den Punkt nicht vergesse und die Satzung , welche darauf sich schickt , es ist die und die . Solche Herren sind oft gar schrecklich vergeßlich , besonders wenn sie vom Dischinieren kommen . So einer hat so viel Händel , daß er um den einen oder den andern nicht die Hand umdreht ; verliere ich den , he nun so dann , so gewinne ich einen andern , spekuliert er . Unsereiner , der nur einen Handel hat , kann es minder leicht nehmen , gewinnt oder verliert er ihn . « So sieht man Manchen an der Tür sich drehen , um seinem Fürsprecher abzupassen , ihm noch ein vertraut Wort zu sagen , vielleicht mitzuteilen , was man selbst Schlagendes gedacht oder gesinnt . Der Eine oder der Andere flucht in einer Ecke , wenn er seinen Advokaten mit dem des Gegners vertraut unter einem Fenster reden sieht , denn er hatte geglaubt , sie Beide sollten sich mit dem gleichen Hasse hassen , mit welchem er und sein Gegner einander hassen . » Da werden sie mit einander abreden , wer gewinnen und wer verlieren soll , wie die Schwinger am Ostermontage in Bern . Es ist doch von denen Hagle keinem was zu trauen , es ist ein Schelm wie der andere , wenn man es sagen dürfte , und Unterschied ist keiner , weder daß der eine um etwas der Schlimmere und der andere um etwas der Dümmere ist , « so wird geurteilt . Endlich wird das Publikum ungeduldig , Einige steigen voran , Einige schimpfen über das Zögern , sie hätten weit heim und seien nicht zweispännig hergefahren , und es dünke sie , die Herren sollten an Hunger und Durst auch etwas sparen für den Mittag , sonst möchten sie da nichts mehr . Endlich kömmt der Gerichtsweibel und sagt den Herren des Tages : Die Richter säßen schon lange und verlangten nach den Herren , wenn man erst mittags anfange , so finde man den Feier , abend nie . Indessen ist der Herr Gerichtsweibel nicht halb so pressiert , daß er nicht mit einem oder zwei Gläsern Wein Bescheid tun kann . Hätten sie drüben schon so lange gewartet , so würden sie noch um einer kleinen Weile willen nicht aus der Haut fahren , kalkuliert er , und gewöhnlich ganz richtig , denn sein Kalkul gründet sich auf Erfahrung . Endlich muß doch aufgebrochen werden , denn unter all den Helden ist denn doch kein Josua , der die Sonne stellen kann , und nach Sonnenuntergang sind Gerichtshandlungen nicht mehr gültig . Vor Gericht beginnt die Schlacht mit Plädieren und Replizieren und endlichem Judizieren . Partei um Partei treten vor und treten ab , und reiche Studien macht , wer die Wirkungen beobachtet , welche Gewinnen und Verlieren auf den Gesichtern hervorbringen , und bemerkt manch Gesicht , dem man es durchaus nicht anzusehen vermag , ob ihns ein günstig oder ungünstig Urteil getroffen . Uli war einer der Letzten , welche vorkamen , ihm war ungefähr wie einem , der gehängt werden soll , aber erst noch einige Andere zu seiner Stärkung und Erquickung muß hängen sehen ; wer dies erlebt hat , weiß , wie es ihm war . Endlich wurden sie vorkommandiert . Seines Gegners Agent eröffnete das Feuer , und zwar so scharf , daß es Uli fast schwarz ward vor den Augen . Der wusch ihm den Pelz , daß er glaubte , er könne sein Lebtag keinem Menschen mehr ins Gesicht sehen , daß er viel Geld gegeben hätte , nicht bloß , wenn er den Handel nie angefangen , sondern wenn er nur nie hergekommen wäre , denn fortan werde jedes Kind , wo er sich zeige , mit Fingern auf ihn weisen und sagen : » Seht da den Betrüger , den verlogenen Kuhhändler ! « , und daß was an dem Gerede wäre , das sagte Uli was unter dem Brustlatz . He nun , so ists , dachte er , gut für einmal ! Ich merke jetzt , wie es die Leute meinen ; hätte ich der Frau geglaubt , so wäre es mir nicht so gegangen . Nun trat auch sein Anwalt auf . Wenn der nur schweigen oder die Sache ganz kurz machen würde , daß sie bald vorbei wäre , dachte Uli , aber dem Lumpenhund wolle er es doch einmal sagen , wie er ihn hineingeführt , denn mit Schein laute das Gesetz ganz das Gegenteil , als der Hagel es ihm angegeben . So gehe es , wenn man von der Sache nichts verstehe , sich bloß müsse brichten lassen und noch dazu von solchen Beinschabern . Nun aber kam sein Anwalt nach einigen Präliminarien auch in Fluß der Rede . Potz Himmel , wie tat Uli erst das Maul auf und wie fing es ihm dann zu wohlen an , das Ding kam heraus wie ein umgekehrter Handschuh und Uli mußte immer denken : Persche , ja so ! Kuh , was ich bin , daß ich das nicht gedacht ! Er fing an zu wachsen , mit souveräner Verachtung auf den andern Anwalt und das Lumpenmannli , das heißt seinen Gegner , herabzusehen , der zuweilen das Maul auftat , als ob er reden , eine Bewegung machte , als ob er auf den Redner einspringen wolle und ihn traktieren mit seiner Faust , die er immer geballt hatte und mehr oder weniger vorstreckte , je nach dem Siedpunkte seines Zorns . Uli kam sich fast vor , als sei er eins von den Gespenstern , von denen man erzählt , daß sie sichtlich wachsen und wachsen , bis ihr Kopf in den Wolken ist , während sie mit den Beinen noch auf Erden stehen . Man hätte glauben sollen , im ganzen Bernbiet sei kein ehrlicherer Mann und noblerer Staatsbürger als Uli . Und wirklich hatte selbst Uli nie daran gedacht , daß er so einer sei , und fürchtete fast , er könne künftig vor lauter Rechtschaffenheit , Tugend , Vaterlandsliebe und entschiedenem Fortschritt sich nicht vor den Leuten sehen lassen , dieweil die Einen aus Neid zerspringen , die Andern aus Begierde , so einen zu sehen , ihn erdrücken könnten ; recht hätte er , und ohne Laterne sehe man es , und wenn die Richter nicht Schelme seien , so müsse er gewinnen , und daß sein Agent so reden könne , als wäre er schon im Himmel gewesen , das hätte er ihm sein Lebtag nie angesehen , weder hinten noch vornen , weder im Wirtshaus , wenn er die Andern im Spiel betrog , noch daheim , wenn er die Frau prügelte . Das Gewinnen hätte er bar , so dachte Uli , und so war es auch . Als sie nach kurzer Beratung des Gerichtes wieder hinein , gerufen wurden , war sein Gegner mit seiner Klage abgewiesen und in die Kosten verurteilt . Das Mannli ward blaß , sein langer Stab tanzte auf dem Boden , und weit , weit streckte er seine Faust vor , und es war , als wolle er sich ducken zum Sprunge auf die Richter ; dumpfe Laute quollen über seine Lippen , wahrscheinlich drückten sie nicht den größten Respekt aus , denn sein Agent , welcher ihm am nächsten stund , fand sich veranlaßt , ihn mit möglichster Schnelligkeit vor sich her aus dem Gerichtssaale zu schieben . Uli wars wie einem , der , in eine Dornenhecke gefallen , gefürchtet hatte , er komme nur zerfetzt und wie ein gerupftes Schaf mit Hinterlassung aller Wolle daraus , plötzlich auf freien Fußen steht mit heiler Haut , oder wie dem Daniel , als er ungefressen aus der Löwengrube kam , die Bestien ihn nicht angetastet , und waren doch im Gerichtshofe acht Anwalte , sechs Agenten und Geschäftsmänner in ungezählter Menge und alle trotz asiatischen und afrikanischen Bestien ( amerikanische sollen weniger wild und grausam sein ) mit Hunger und Durst behaftet . Also gewonnen , gewonnen ! Was wird die Frau sagen ? Es ist doch gut , daß man andern Leuten auch glaubt als nur den Weibern , aber so leichtlich bringt mich nicht mehr jeder zu einem Prozeß . Es ist allweg eine verteufelte Plag , man wäre leichter eine kleine Weile gichtisch oder sonst krank , so dachte Uli . So war er , ohne daß er es merkte , hinter das Mannli und seinen Agenten gekommen und hörte , wie der Erstere zum Letzteren sagte : » Machet , was Ihr wollt , aber einen solchen Handel zu verspielen , muß man ein Esel oder Schelm sein . Ich habe recht vor Gott und Menschen in aller Ewigkeit , die Ochsen da oben mögen erkennen , was sie wollen . Macht jetzt was Ihr wollt , ich habe kein Geld , habe nichts als ein mager Höflein , Kinder und Schulden , und wenn Ihr die wollt , könnt Ihr sie haben , welche Stunde Ihr wollt , ich will sie Euch noch vors Haus bringen unentgeltlich . Vor und nach kann ich vielleicht was zahlen , aber überstürzt Ihr mich , werfe ich den Schlegel , rufe den Konkurs an . Die Kinder können betteln gehen und ich will stehlen , bis ich an obrigkeitliche Kost komme . « Da sagte Ulis Agent : » Mit Reden zahlt man niemand , das wäre bequem , ich habe auch noch eine Rechnung , und die wird müssen bezahlt sein ; es hat schon Mancher , der nichts haben wollte , gezahlt , wenn man ihn recht angefaßt hat . « Da drehte sich das Bäuerlein um , sah Uli , stund still und sagte : » So , du bist auch da ! Hast mich betrogen und jetzt noch den Handel gewonnen , und ich werde mit Weib und Kind dem heiligen Almosen nach müssen ! Mein Lebtag hat mich doch kein Mensch so verführt ! Meinte , du seiest ein ehrlicher Mann , den Halunken sah ich dir nicht an ! Aber ist ein gerechter Gott im Himmel , so treibt er dir dein Schelmenstück zehnfach ein und bald oder Läßt es dich bis zum Galgen bringen und jagt dich dann dem Teufel zu , besser verdienst du es nicht ! « Als er das gesagt hatte , drehte er sich um , ging rasch seines Weges . Es war Uli , als sehe er ihn mit dem Ärmel über die Augen fahren . Die Agenten lachten sehr über den Zorn des Bäuerleins und lebten noch manchen Tag wohl daran , ungefähr wie Buben , welche sich am Zappeln von Maikäfern ergötzen , die sie an Faden gebunden haben und denen sie allgemach Flügel und Beine ausreißen . Auf Uli dagegen machte die Rede Eindruck ; es lag ein Fluch darin , und solche Worte hielt er nicht für gleichgültig , besonders da sich in seinem Herzen etwas rührte , welches sich mit dem Troste , daß , hätte er nicht recht gehabt , die Richter ihm nicht recht gegeben , durchaus nicht beschwichtigen lassen wollte . Anlügen ist anlügen , ein Gericht mag sagen , was es will . Es ist eine wunderbare Sache um die Macht des Wortes , nicht umsonst hat so mancher Aberglaube sich damit vermischt ; daß zum Beispiel das Wort des Menschen Macht habe über Gott , so daß er müsse töten oder wettern , je nachdem , das Wort die Macht habe , aus den Gräbern die Toten zu rufen und zu öffnen die Schatzkammern der Erde . Aber ein fromm vertrauensvolles Wort zum Vater im Himmel , eine Bitte aus innigem Herzen , was hat sie nicht vermacht und wie oft hat nicht ein Wort geschlagen in das Herz des Sünders wie der Blitzstrahl aus einer Donnerwolke ! Wie oft nicht ein Wort das Andenken großer Verstorbenen herbei , gerufen , neues Leben geweckt in den Herzen der Enkel ! Wie oft ist nicht das Wort in Herzen gedrungen , hat Steine von den Gräbern gesprengt , unter welchen die edelsten Kräfte begraben lagen , und ein junger , schöner Frühling erblühte , wo früher Öde war und totes Gestein ! Wie oft ward das Wort nicht zur feurigen Röte , welche den Bösewicht unstät jagte über die Erde ! Das Wort ist unendlich mächtiger als das Schwert , und wer es zu führen weiß in starker , weiser Hand , ist viel mächtiger als der mächtigste der Könige . Wenn die Hand erstirbt , welche das Schwert geführt , wird das Schwert mit der Hand begraben , und wie die Hand in Staub zerfällt , so wird vom Rost das Schwert verzehrt . Aber wenn im Tode der Mund sich schließt , aus dem das Wort gegangen , bleibt frei und lebendig das Wort ; über dasselbe hat der Tod keine Macht , ins Grab kann es nicht verschlossen werden , und wie man die Knechte Gottes schlagen mag in Banden und Ketten , frei bleibt das Wort Gottes , welches aus ihrem Munde gegangen . Aber auch mächtiger als Dolch und Gift ist das böse Wort , das durch die Herzen fährt und in die Seelen schleicht oder schlüpft . Schlangen und Banditen sind greuliche , scheußliche Dinger , aber viel scheußlicher sind glattzüngige Verführer , welche Gift träufeln in arglose Herzen , sind viele Wortführer des Tages , falsche Propheten des Lügengeistes , der im Paradiese sein heillos Amt begann . Es war lange über Mittag , als sie zum Wirtshaus kamen ; heiß war es zum Ersticken , kein Lüftlein regte sich , zum Himmel heraus hingen schwarze Wolken , Trauerfahnen , welche Gottes Hand heraushängt , wenn er seine Gerichte bereitet . Uli begab sich ins große Gastzimmer ; in die innere Stube , wohin die Agenten gingen , wo auch die Richter er , wartet werden , gehören die Laien nicht . Er ließ sich etwas zu Mittag geben , er meinte , er sei sehr hungrig , aber der Appetit fehlte ihm , als er begann zu essen . Der Wirt munterte ihn zum Essen auf : » Es ist alles frisch und sauber , « sagte er , » und lange her , seit du etwas im Magen gehabt haben wirst . « Eben das mache es , sagte Uli , daß er nicht essen möge ; wenn es über die gewohnte Zeit gehe , so vergehe der Hunger . Dem war aber nicht so , das Wort des armen Mannli hatte Uli ins Gemüt geschlagen , gärte dort , verdarb ihm den Appetit . Was er auch anderes denken wollte , es stund ihm immer vor der Seele , und wie er auch zum Zorn sich stacheln wollte gegen das Lumpenmannli , welches solche Reden führe , die Rede löschte immer den Zorn , und Bangen war da . Bah , sagte er , solchen Worten müsse man sich nicht achten ; Recht sei Recht , und wer recht habe , hätten die Richter gesagt , die sollten es wissen ! So tröstete sich Uli , und der Trost hielt doch nicht . Solche Worte sollte man verbieten beim Hängen , zu bedeuten hätten sie nichts , das wisse ja jedes Kind , aber man höre sie doch nicht gerne ; alles Fluchen sei ja schon von Gott verboten , und wenn er das daheim forttreibe , vielleicht noch mit seinen Kindern , so könnte ihnen allen das an der Seele schaden , und es wäre doch schrecklich , wenn sich die Kinder dessen entgelten müßten . Man sieht , Uli hatte bereits viel von den Agenten gelernt . Der Wirt fragte : » Du wirst doch gewonnen haben ? Was hast für einen Handel gehabt ? « Uli erzählte . » Da hast gewinnen müssen , « sagte der Wirt , » jedes Kind auf der Gasse kanns ja begreifen ; aber ich kenne das Mannli , das ist nicht das richtigste , ein böses Tüfelsmannli ist das , es hat auch den Ruhm dafür . Es ist gut , daß der einmal an den Rechten gekommen ist ; gerade recht hast du es ihm gemacht , er besinnt sich dann ein andermal , ob er die Leute plagen soll . Brandschatzen hat er dich wollen , und gerade so sollte es allen gehen . « Aber die Worte , welche er ihm hätte drin zugemessen , hätte er doch ungern ; er möchte nicht , daß jemand meine , er hätte sie verdient , entgegnete Uli . » Dessen mußt du dich gar nichts achten , « sagte der Wirt , » solche Worte haben gar nichts zu bedeuten ; Worte sind Worte und sonst nichts , um einen guten Schoppen will ich dir abnehmen alles , was dir dein Lebtag angewünscht wird . Was meinst , wie bös wäre ein Wirt daran , wenn solche Worte was zu achten wären ? Jedes Hagels Bäuerlein , wenn es meint , ich habe an einem Kalb zu viel Profit gehabt oder an einem Leichenmahl zu viel Wein angerechnet , wo es doch gewiß nicht ist , sagt gleich , der Tüfel solle den Wirt holen , und ich habe ihn noch nie gesehen . « So tröstete der Wirt , und der Trost eines Wirts ist auch gut , warum nicht ? Er währt wenigstens so lange als seine Schoppen , und dies ist auch schon was . Durch die ins andere Zimmer einbrechenden Gerichtsmänner wurde der Wirt in seinem Troste unterbrochen , denn wenn Priester und Krieger der Gerechtigkeit einem Wirte zuhanden kommen , gilt so ein Uli nichts mehr , und wenn er Trost noch so nötig hätte . Es war bereits über vier Uhr , als Uli sich auf den Heimweg machte , er förderte rasch seinen Schritt . Der Wein , des Wirts Worte , das Gefühl , gewonnen zu haben , drängten den empfangenen Eindruck in den Hintergrund , machten ihn guten Muts . Es sei schon viel geschwatzt worden in der Welt , dachte er , und habe nicht viel zu bedeuten gehabt . Schwarz stund im Westen ein Wetter , aber es bewegte sich nicht ; in kurzen Flügen flatterten die Schwalben um Bäume und Häuser , still und matt hingen die Blätter an den Zweigen . In den Wiesen sah man in breiten schwarzen Hüten und hohen Holzschuhen die eingefleischten Wässerbauern stehen und den zu erwartenden Wassern die Wege bereiten , denn das Wasser bei Gewitterregen , welches die Straßen fegt und die nicht wohlbewahrten Düngerhaufen umspült , ist für einen rechten Wässerbauer oder vielmehr seine Wiesen das beste Labsal . Wer bei solchen Umständen den Andern am besten um dieses köstliche Labsal betrügen kann , der geht mit den erhabensten Gefühlen , mit dem gehobensten Selbstbewußtsein heim . Das hat wohl auch zu der Sage Anlaß gegeben , daß wer ein Fronfastenkind sei , vor dem Ausbruch der heftigsten Gewitter alte , längst verstorbene Wässerbauern , welche sich gegenseitig ums Wasser betrogen , in den Wiesen wässern sehe , Graben auftun , Bretter einschlagen , dann stehen hinter diesem oder jenem Strauch oder Baume , Feuer schlagend und ihr Pfeifchen rauchend . Man denkt dabei nicht an die Sitte der rechten Wässerbauern , die alten , hundertjährigen , währschaften Röcke ihrer Großväter anzuziehen und uralte Hüte aufzusetzen , da modernes Zeug ins Wasser hinaus