und sagte , daß er von Paulinen komme . Franzens Augen leuchteten : » Begreifst Du nun , wie Alles kommen mußte ? « fragte er traurig . Andere Arbeiter gingen vorüber , machten böse Gesichter und murmelten mit einander : » Habt Ihr gesehen - was er für einen Bruder hat , sieht aus , wie was Rechtes . « » Der bringt ihm vielleicht noch den Verstand zu Recht , das ist so Einer , die ' s mit dem Volke halten , wenn ' s der Franz auch nicht zugeben will - ich weiß es besser ! Er kommt aus der Schweiz , wo die armen Leute viel aufgeklärter sind als hier und besser zusammenhalten - und wo auch Leute , die fein angezogen gehen wie er , mit denen zusammenkommen , die in schlechten Blousen und geflickten Lumpen gehen wie wir ! « sagte Anton . » Was Du nicht immer wissen willst ! « meinte ein Anderer . » Wißt Ihr ' s , zischelte ein Dritter , » der Alte ist heute verreist , und wenn die Kaße nicht zu Hause ist - nun da wißt Ihr schon . « » Bleibt er über Nacht weg ? « » Nein - das nicht . « » Nun , da ist auch Nichts - die Mäuse können nur die Nacht tanzen und pfeifen - die Nacht muß es losgehen ! « » Ja , die Nacht ! Und mag der alte Kater selber das Zusehen umsonst haben ! « » Pst , Brüder , pst ! « ermahnte Wilhelm . » Wenn Jemand Euch hört - und wenn Ihr auch murmelt - jetzt , hat jedes Steinchen im Wege ein Ohr . « Die Burschen gingen ruhiger vorüber . Jetzt fuhr der Wagen vor und Pauline stieg ein - der ältere Thalheim kehrte um und setzte sich zu ihr . Franz blieb am Wege stehen , bis der Wagen vorbeifuhr . Seit jenem Abend , wo sie von ihrem Gefühl überwältigt an seine Brust gesunken war , hatte er noch weniger als vorher gewagt , sich ihr wieder zu nähern - aber jetzt in dieser Entfernung , in diesem Moment konnte er es schon wagen , ihr einen Blick zuzuwerfen , in dem seine ganze Seele lag und sie erwiderte ihn mit einem gleichen . Dann besprachen die Beiden noch Manches , das sie einander nur immer werther machte und näher brachte . So kamen sie gerade kurze Zeit nach Aarens im Schloß an . Man sagte ihnen , daß der Graf und die Gräfin im Augenblick nicht zu sprechen wären , die Comtesse aber sei in der Rotunde . Dorthin eilte Pauline mit dem Lehrer . V. Ein Blick hinter die Coulissen » Ich will Euch sagen was in ' s Ohr : Die Hungersnoth ist vor dem Thor , Die Leute klagen nicht , sie jodeln und scherzen , Und das ist schlimm ! Ich kenne die Menschenherzen . Wollt ihr , daß noch zu dieser Noth Ein Glaubenskrieg mit überreizten Nerven In stille Hütten mag den Pechkranz werfen ? « K. Beck . Schreiben des Pater Xaver an den Pater Valentinus . » Gesegnet sei der heilige Loyola ! Er läßt die Seinen niemals sinken und die Seinen niemals ihn . Verleugnen müssen wir ihn zuweilen - aber dafür straft er uns nicht - das vergilt er uns tausendfach . Du in Deiner glücklichen Einsamkeit , welche Dir gestattet , in friedlicher Stille den Pflichten unsers heiligen Ordens zu leben , Deinen frommen Wandel mit einen freudigen Gehorsam fortzusetzen , der keine Selbstverleugnung von Dir fordert , da Alles , was er Dir auferlegt , als natürlich von Dir übernommen werden kann - wirst Dir kaum einen Begriff machen können von all den künstlichen Mitteln und mühevollen Combinationen , zu welchen unser Orden oft greifen muß , um sich seine Weltherrschaft nicht entreißen zu lassen . Du in einem glücklichen , gesegneten Lande lebend , das wir als unsere Heimath betrachten dürfen und in dem Alles still , gläubig , fromm und friedlich zugeht , wirst Dir auch davon keinen Begriff machen können , wie unser Leben in einem Lande ist , in dem das verderbliche Licht der Aufklärung täglich größere Fortschritte macht , in einem Lande , in dem der größere Theil der Einwohner aus Ketzern besteht ! Hier war der Spruch unsers Heiligen schon eingetroffen : sie hatten uns verjagt wie Wölfe , aber wir hatten uns verjüngt wie Adler . Schon wagten wir es wieder die Länder siegesbewußt in unsere Klauen zu fassen , schattend unsere weitreichenden Flügel über die Völker auszubreiten , daß es Nacht ward bei ihnen - schon dachten wir , es sei die Zeit gekommen , daß wir zugreifen könnten , uns unserer Beute zu versichern , sie zu zerfleischen , ihr das Herz zu entreißen , das doch ein Mal unwillig und aufrührerisch gegen uns schlagen könnte . Aber wir hatten uns getäuscht , schrecklich getäuscht ! Wir erlebten nur einen kurzen Triumpf und dann eine um so schmerzlichere Niederlage . Die Franzosen hatten ein entsetzliches Buch gegen uns geschrieben - das in das verführerische Gewand eines Romans gekleidet , berechnet war , unsern heiligen Namen auf ' s Neue vor aller Welt zu brandmarken . Das war schon entsetzlich ! Und auf den Namen Eugen Sue ward der tausendstimmige , einhellige Fluch unsrer ganzen Brüderschaft für alle Zeiten geworfen ! - Ach , ein Fluch , der leider ohnmächtig abgeprallt ist , denn er hat uns vorher verflucht und alle Welt mit ihm . Vor den Büchern der Deutschen fürchteten wir uns nicht , obwohl sie wie eine große Schneelawine über uns hereinbrachen ! - Es begann damit förmlich in Deutschland ein ganz besonderer Zweig der Literatur zu grünen und zu blühen , den man höhnisch geradezu » Jesuitenliteratur « nannte - als ob unser heiliger Orden selbst solche gotteslästerliche Bücher verfaßt hätte , oder als ob sie recht für ihn allein bestimmt gewesen wären ! Nun , wir dachten die deutschen Bücher sind ja immer so ziemlich unschädlich gemacht - wir fürchten diese guten Deutschen nicht , die theils aus Schwärmerei , theils aus Speculation der Buchhändler so viel abscheuliche Bücher zur Welt bringen ! Wir ließen sie schreiben und phantasieren . Aber wer hätte das diesem Büchervolke zugetraut ? Die Franzosen hatten nur ein Buch gegen uns gehabt - die Deutschen hatten diesmal gar eine That . Es war entsetzlich - an allen Ecken und Enden brannte es plötzlich lichterloh . - - Das wenigstens weißt Du - die Kunde von diesem plötzlichen Unheil ist auch bis in Deine glückliche Abgeschiedenheit gedrungen , wiewohl das schöne Land , in dem Du lebst , von ihren traurigen Folgen unberührt geblieben ist . Ich wiederhole Dir nicht erst das allgemein Bekannte . Wär ' es ein Ketzer gewesen , der sich so gegen uns empört hätte ! Man ist ihr Zetergeschrei schon gewohnt , es macht keinen Eindruck auf das Herz der heiligen Mutterkirche ! Aber es war ein Priester unsers Glaubens , ein Priester von Rom geweiht , ein Kind und Diener unsrer Kirche , der das Herz der Mutter und Herrin mit dem weitreichenden Speer seines Wortes traf . Das war ' s. Das Kind entlief der Amme und sagte , es sei mündig . Wie dies Alles geschah , sahen wir nur eine Aussicht , die uns reizte und lockte - es gab Gährung in den Gemüthern - der Bruder fing schon an wider den Bruder zu murren - das Volk blickte mit ängstlicher Spannung zu seinen Fürsten . - Das war das Einzige , was wir bei all ' dem , was geschehen war , mit Jubel sahen . Vielleicht - riefen wir - vielleicht kann das zu Etwas führen . Bürgerkrieg ! Religionskrieg ! Worte , vor denen die andern Menschen schaudern - unsern Ohren haben sie immer wie Musik geklungen ! Ja , das war immer unser Element ; wenn es jetzt über die Lande hereinbräche , so würden wir uns dabei wohl befinden und bei der allgemeinen Verwirrung wieder im Trüben fischen können - vielleicht in blutiger Weise beides : Seelen und Geld . Die Hauptsache ist , auf alle Dinge gefaßt zu sein . Betrachtet man die Gegenwart mit klarem , ruhigem Blick , so kann man sich eigentlich keine Aussicht auf einen Bürgerkrieg und Religionskrieg machen - die Civilisation und die Begriffe der Menschenwürde sind dazu zu weit vorgeschritten . Man liebt den Frieden . Man glaubt an die friedliche Entwicklung aller Dinge . Auch sogar diejenigen Regierungen , welche dem Zeitgeist nur die allergeringsten Concessionen machen , suchen wenigstens immer den Schein zu bewahren , als wären sie dem Fortschritt hold - und überall geht es so , wenn auch ziemlich unmerklich , gleich dem Wachsthum der Eiche allmählich vorwärts . An diese friedliche Erfüllung ihrer Wünsche , einer Entfaltung segensreicher Zustände gleichsam von innen heraus glauben die meisten politischen Parteien in Deutschland - und von ihrem Standpunkt aus die Sache besehen , muß man es mit glauben - und so sind , wie gesagt , gar keine Aussichten zu blutigen Kriegesscenen im deutschen Lande , wie man sie früher erlebt hat . So scheint für uns denn die Zeit gekommen , wo wir auch in unsrer Macht uns bedroht sehen , wo diese zu wanken scheint , wie die ganze alte Zeit selbst , auf welche wir sie gründen . So müssen wir uns denn neue Stützen suchen für unsre Macht , da die alten morsch werden und zu zerfallen drohen , trotz all ' unsrer Bemühungen ihnen eine ewige Dauer zu sichern . Wir wollen zusehen , wie weit wir mit unserm alten Systeme noch kommen - mit dem Systeme , wonach wir durch Krummstäbe , Kronen , Thronen und Scepter die Welt regierten . Aber daneben wollen wir noch ein neues System verfolgen , das wir sofort in Bereitschaft haben , wenn das alte uns keine guten Dienste mehr thun will . Diesem Systeme gemäß wollen wir es mit dem Volke halten . Jenes alte System gründet sich auf die alte Zeit - unser neues System wird sich auf die neue Zeit gründen . Wenn dann der Tag käme , wo die Freunde des Fortschrittes und Lichtes in Deutschland meinten , gesiegt zu haben , und nun jubelnd die alte Zeit zu Grabe trügen , so würden wir doch der allgemeinen Vernichtung entgangen sein - wir würden unerkannt der Siegesfahne der neuen Zeit folgen - wir würden unerkannt hinter dem Sarge der alten Zeit hergehen - und nicht etwa als Leidtragende , sondern als lachende Erben . Und wenn man uns jetzt vertreiben will als Wölfe , so werden wir uns dennoch wieder einschleichen wie Lämmer und verjüngt wiederkommen wie Adler . Es war von jeher eine unsrer bewährtesten Ordensregeln : divide et impera . Halten wir daran fest . Es könnte doch sein , daß die neue Zeit , von welcher jetzt die Radicalen nur so viel in fieberhafter Aufregung träumen und schwärmen , einst doch vielleicht von diesen Radicalen heraufgeführt und zur Wirklichkeit werden könnte . Nun denn , wohlan ! Wir wollen gemeinschaftliche Sache mit diesen Radicalen machen ! Ich sehe meine Brüder erschrocken zurückfahren . - Gemeinschaftliche Sache mit dieser Partei , welche mit ihrer verwegnen Leuchte all ' unser Thun der Welt gezeigt hat , durch deren Bestrebungen es so hell geworden ist , daß wir - wenn dieses Licht noch heller und strahlender brennt , kaum noch einen dunklen Schlupfwinkel finden werden , in den wir uns verkriechen können und aus dem wir uns doch niemals wieder werden heraus wagen dürfen , um in unserm eignen Interesse zu wirken ? Ihr Kurzsichtigen , ihr Kleinmüthigen ! . Wißt Ihr denn nicht , daß man aus einer Leuchte eine Brandfackel machen kann , die mit rother , unheimlicher Gluth Alles niederbrennt und verwüstet ? Und solche zerstörende Gluth , wobei es viel schwarzen Rauch , graue Wolken und erstickenden Dunst giebt - ist denn nicht sie auch gerade unser Element ? So wollen wir es machen mit dem Lichte der Aufklärung der Radicalen und sie sollen , ohne daß sie selbst es bemerken , uns noch dazu vortrefflich in die Hände arbeiten . Also : divide et impera ! Reform ! ist jetzt das allgemeine Loosungswort des Tages geworden . Alle , die dem Fortschritte huldigen , verlangen Reform - darin sind die Parteien einig - aber höchst uneinig sind sie über die Begriffe , welche sich mit diesem allgemeinen Ausdruck verbinden lassen . « Die Liberalen wollen Volksvertretung , den sogenannten constitutionellen Fortschritt - sie wollen neben einer Reform des Staates auch eine Reform der Kirche . Die Radicalen wollen Volksherrschaft - Glaubensfreiheit - nach der Kirche fragen sie weiter nicht . Die Sozialen wollen Reform der Gesellschaft - und die Eifrigsten unter ihnen nicht erst Reform , sondern Aufhebung des Staates und der Kirche - allgemeine Gleichheit . Das sind die Communisten . Mit den Communisten müssen wir es halten . In den Communisten müssen wir unsere Helfershelfer suchen , die unsere Sache am Besten fördern helfen - es giebt keine andere Partei , von welcher wir gleiche für uns segensreiche Dienste erwarten könnten . Gelingt ihr Werk , so ist auch das unsere gelungen - so ist die Zeit nicht fern , da wir uns abermals verjüngen werden wie Adler . Gerade unter diesen Menschen , welche als unsre fürchterlichsten Gegner erscheinen , indem sie die heilige Kirche selbst , in der ja bisher all ' unser Heil und der Grund unserer Herrschaft und Macht ruhte , nicht erst bekämpfen - sondern auf eine gotteslästerliche , abscheuliche Weise geradezu negiren und deshalb aufheben wollen - gerade unter diesen werden wir unsere Erretter suchen und finden - man denke an das alte Wort : daß die Extreme sich berühren . Diese Communisten gehen damit um , die Ordnung der bestehenden Dinge umzukehren . Nun ! Bielleicht ist auch für uns die Zeit gekommen , wo wir dies wünschen müssen - wo es mit all unsrer Kraft ein vergebliches Bemühen ist , den Rossen der Zeit , die wir so lange glücklich zurückhielten , noch länger in die Zügel zu fallen und ihren Lauf und den Fortschritt aufzuhalten . Trotz unseres unermüdlichen Widerstandes sind sie dennoch unmerklich vorwärts gegangen und haben uns selbst mit nahe bis an einen Abgrund gezogen . Nun denn ! Man muß sich in Alles zu schicken wissen . Wollen die Rosse nicht wieder zurück , wollen sie nicht sich wieder einfangen lassen , um noch länger still zu stehen - : so hetzen wir sie selbst nur um desto schneller vorwärts , daß sie wilde Sprünge machen , Alles zerschlagen und zerstampfen und , das rechte Ziel verfehlend , endlich todtmüde niederstürzen - dann sind wir wieder schnell und dienstfertig bei der Hand , die gestürzten Rosse aufzurichten und zu ewigem Stillstand wieder zurückzuführen in den alten Stall . Um nun auf das Nähere und auf Thatsachen überzugehen : der Communismus predigt das Himmelreich auf Erden . Und mit dieser Predigt wendet er sich an alle Diejenigen , welchen freilich bis jetzt die Erde nichts weniger sein kann als ein Himmel ! An die Armen , Niedriggeborenen , Unerzogenen , Entsittlichten wendet man sich zuvörderst mit dieser neuen Lehre - mit einem Wort an die niedrigsten Classen , an die untersten Schichten der Gesellschaft , deren Hefe : die Proletarier , den Pöbel . Also an die Mehrzahl der Menschen - an den großen Haufen . Und an den Orten , wo sich dieser in der tiefsten Erniedrigung , Verwahrlosung , Rohheit und Unwissenheit befindet , wird es am leichtesten sein , ihn zu alle den Dingen aufzureizen , welche endlich - wenn auch auf langen Umwegen - zu uns führen . Wir haben bisher unsere Herrschaft doch meist auf die Macht und den Glanz der Hochgestellten gebaut - jetzt müssen wir sie neu gründen , auf das Elend , auf den Schlamm der in Gemeinheit und Erniedrigung Versunkenen . Einzelne passende Werkzeuge für unsere Zwecke mußten wir uns immer unter ihnen wählen - aber jetzt gilt es mehr , jetzt gilt es nicht bloß Einzelne passend zu verwenden , jetzt gilt es , sich der Menschen zu bemächtigen , durch die Massen zu wirken . Es ist keine Frage : die Massen leiden - Alles Unglück macht die Menschen zu Verbrechen fähig , von denen sie im Glück sich nimmer Etwas träumen ließen - der Hunger aber vollends macht die Menschen zu reißenden Thieren . Trachten wir also uns allen Reformen zu widersetzen - gleichviel , ob sie von weisen Regierungen oder von schwärmerischen Oppositionsparteien ausgehen - welche sich damit beschäftigen , den Nothstand der armen Arbeiter zu lindern und durch Volkserziehung und eben so milde als weise Gesetze auf eine allmähliche Hebung der untern Classen hinzuwirken . Führen wir in der Stille Krieg mit diesen Regierungen , mit dieser Opposition und halten wir es nur mit einer Partei - mit den Communisten . Aber diese dürfen nicht ahnen , daß wir ihre Freunde sind , so wenig als jene , daß wir ihre Feinde . Es gilt , sich jetzt mehr als jemals in undurchdringliches Dunkel zu hüllen . So groß als die Communisten sie schildern wollen , ist die allgemeine Noth nicht - besonders sind die Massen noch gar nicht zum Bewußtsein ihres Elendes gekommen . Wir müssen also streben , sowohl sie dahin zu bringen , als auch die allgemeine Noth der Armen und Arbeitenden selbst noch in der Wirklichkeit zu vergrößern . Der Communismus predigt das Himmelreich auf Erden . Er will es in seinem Wahnsinn dadurch verwirklichen , daß er Staat und Kirche als von ihm unmenschlich und unnatürlich genannte Einrichtungen aufhebt , daß er Politik , Religion , Volkssitte , Vaterlandsliebe - alle diese Dinge , für welche Jahrtausende lang die Menschen aller Zonen und Zeiten lebten und starben - als Trugschlüsse verwirrter Menschengeister erklärt , aus denen endlich die ganze zu Verstande gekommene Menschheit wieder heraus müsse , wenn sie nicht länger ein sinnloses Treiben fortsetzen und darüber zu Grunde gehen wolle . Der Communismus will das Himmelreich auf Erden verwirklichen , indem er ferner Gütergemeinschaft verlangt , Aufhebung des Capitals , Abschaffung des Geldes , jenes wesenlosen Dinges , welches nach ihrer Meinung als ein entseeltes Gespenst , das vergebens nach seinem Leibe jagt , ( denn es hat eigentlich Beides : Seele und Körper - und doch auch wieder Beides nicht ! ) und die Menschen von einander trennt , indem es ihre Verbindung vermitteln will . So sollen künftig diese verbrüderten Menschen ( was , nebenbei gesagt , unendlich langweilig sein muß ! ) zusammen wohnen in schönen bequemen Palästen , wo Niemand mehr zu hungern und zu frieren braucht , sondern für Alle das Haus geheizt und der Tisch gedeckt ist . Ihr ganzes Leben soll Genuß sein , Genuß der freien Liebe und aller andern sinnlichen Freuden , und dafür soll ein Jeder nur täglich zwei Stunden arbeiten - und diese Arbeit ihm selbst ein Genuß sein . Das ist das Ideal der Communisten . Trachten wir danach , dieses Ideal verwirklichen zu helfen , oder lassen wir vielmehr sie mit ihrem redlichen Willen und ihrem verblendeten Verstand danach streben - denn sobald sie terra rasa gemacht haben für die ganze Menschheit , sobald sie die Millionen friedlich eingepfercht haben in die großen Ställe , in welchen sie ausruhen und sich nähren können von der gleichen Weide zu gleichem Theil - alsbald werden sie auch des Hirten wieder bedürfen , die Heerde in Ordnung zu halten . Damit diese Gleichheit in Arbeit und Genuß niemals gestört werde , wird eine so organisirte Gesellschaft einer Beaufsichtigung , einer Bewachung bedürfen , wie sie bisher ohne Beispiel gewesen in der ganzen Welt - denn die ganze Weltgeschichte weiß nichts Aehnliches ! - Und dann werden wir an unserm Platz sein . Wir werden dann diese Aufsichtsführungen uns zu verschaffen wissen - und dann wird die Zeit unsrer glänzendsten Herrschaft kommen . Lange Jahrhunderte hindurch haben wir die menschliche Gesellschaft über uns zu täuschen gewußt - so wird es uns auch nicht an Mitteln fehlen , diese neue Gesellschaft zu täuschen . Wir werden das Regiment über sie in unsere Hände bringen , ohne daß sie ahnt , in welchen Händen es ist . Und wenn sie gleich auf einige Zeit unsere Kirche abgeschafft haben , so werden wir sie doch in Kurzem wieder herrlich aufbauen . Denn das bezeugt die Geschichte und alle Erfahrung : es wohnt tief in jeder Menschenbrust ein religiöses Bedürfniß . Ein Bedürfniß , für sich selbst ein höheres Wesen zu fühlen und zugleich ein verwandtes Höchstes über sich anzuerkennen . Dieses Bedürfniß wird auch in dieser Gesellschaft wieder erwachen , denn der Mensch von heute ist immer noch gleich dem Menschen von Jahrtausenden und bei aller Fähigkeit zu Vervollkommnung ist doch die Menschennatur an sich keiner Veränderung fähig . Wenn nun dieses religiöse Bedürfniß wieder erwachen , sich zur Geltung bringen und seine alten Rechte fordern wird - um so ungestümer und brünstiger als man sie ihm ganz nehmen wollte und genommen hatte - und hier berühren die Extreme sich wieder - dann werden wir unsere Masken und Mäntel von uns werfen können ! Dann werden wir wieder vor der sehnsüchtigen Menge erscheinen und werden wieder zu ihr reden : Sehet da die Herrlichkeit des Herrn , seiner Diener und seiner Kirche - wir sind bei Euch gewesen allezeit , auch da Ihr es nicht ahntet und werden bei Euch bleiben bis an der Welt Ende ! - Und wir werden erzählen , wie man den jetzigen Zustand der Dinge uns allein verdanke und es wird leicht sein , ihnen weiß zu machen : Jesus sei der erste Communist gewesen - denn wir haben uns ja niemals gescheut , diesen heiligen Namen zu manchen frevelhaft scheinenden Dingen zu gebrauchen , welche aber eben durch seinen Namen geheiligt wurden - und wir werden uns als seine treuesten Diener bekennen und sagen , es sei gleich , ob wir nun Jesuiten oder Communisten hießen . Wir thätten ja schon seit Jahrhunderten Gütergleichheit gehabt und gleiche Arbeit in unsrer Gemeinschaft , damals habe die Welt , die böse Welt , die ja eben damals in so großer Unordnung befangen gewesen , uns dafür oft verfolgt - wir wären längst die Märtyrer für den Communismus gewesen - nun aber mit seiner Verwirklichung habe unser System gesiegt . Und man wird uns glauben und zujauchzen , man wird sich wieder betrügen lassen , wie vordem , und mit Freuden das Regiment unsern geweihten Haiden übergeben . Dann werden wir unser Ziel erreicht haben ! Vieler Selbstverleugnung wird es bis dahin bedürfen - aber sie wird uns herrlich vergolten werden und der heilige Loyola wird seine treuen Diener nicht verlassen . Wir werden siegen in diesem Zeichen . Jetzt gilt es also , auf dieses große Ziel hinzuwirken . Ueber den Blick in diese große Zukunft dürfen wir das Nächste nicht übersehen . Wir müssen die Parteien wider einander aufstacheln . Wir müssen den Communismus überall in der Stille ausbreiten helfen - und wo er noch gar nicht da ist , da müssen wir den Teufel an die Wand malen , damit er komme . Dies ist eine Maxime , eben so schön und bewährt , als es das Sprichwort selbst ist . Um zu zeigen , wie man dies machen muß und wie nützlich für unsern Zweck dies Verfahren ist , will ich unter Hunderten nur ein kleines Beispiel aus einem deutschen Staate anführen , in dem wir jenes Verfahren kürzlich mit viel Glück in Anwendung brachten . Wir wußten gleichzeitig durch anonyme Briefe , welche wir ganz und gar nur mit Stellen aus communistischen Büchern von den entschiedensten Verfechtern dieser Doctrinen ausfüllten - damit man sie um so weniger für ein Werk unsers frommen und rechtgläubigen Ordens halte - Eisenbahnarbeiter und Fabrikarbeiter aufzuhetzen , ihnen communistische Lehren beizubringen , ihr eignes Elend vorzuhalten und sie wider die bestehenden Verhältnisse aufzureizen . Die Eisenbahnarbeiter waren für unsere Lehren ziemlich zugänglich , es waren Ausländer unter ihnen , denen diese Dinge bereits nichts Neues waren - und welche , wenn sie auch an der Möglichkeit ihrer Ausführung zweifelten , doch die Inländischen mit aufreizen halfen - und so kam es , daß sie jüngst aufstanden , ihre Arbeiten einstellten und einen höhern Lohn verlangten . Mittlerweile hatten wir unter den Arbeitern der nahen Fabrik eines Herrn Felchner auf einen der jüngern Arbeiter unser Augenmerk geworfen . Dieser , Franz Thalheim , besitzt , eine ungewöhnliche Intelligenz für seinen Stand bei einem schwärmerischen aufopfrungsfähigen Herzen . Er hatte einige keine Schriften geschrieben , welche , allerdings weit entfernt von communistischen Tendenzen , doch die Rechte des armen Volkes vertreten und sein Elend zur Sprache bringen . Wir glaubten , es sei leicht , aus ihm einen Verbreiter des Communismus zu machen , wie wir ihn nur wünschen konnten . Leider scheint es , daß wir gerade in ihm uns verrechnet haben - er hat ein zu strenges Rechtsgefühl , um einer Auflehnung gegen das gesetzlich Bestehende fähig zu sein , um Etwas auf anderen als gesetzlichen Wegen erringen zu wollen , auch hat er zu Viel gesunden und unverblendeten Menschenverstand , um von einem im Augenblick noch unpraktischen System sonderlich Notiz zu nehmen . Auf ihn also - das haben wir erkannt - werden wir schwerlich zählen dürfen - desto leichter ging durch ihn einer seiner vertrautesten Kameraden in die Falle . Jetzt haben wir in dieser Fabrik Alles in die beste Gährung gebracht und zwar durch die verschiedenartigsten Mittel . Zuerst wußten wir - auf unserm gewöhnlichen Wege - einigen Regierungsbeamten zuzuflüstern , daß in jener Fabrik - als sich noch nicht das geringste Verdächtige dort zeigte - gefährliche Verbindungen bestünden und daß dort sich von einem Menschen , der sich auf derartige Sachen verstände , ein staatsgefährliches Complott entdecken ließe . Begierig , diese Entdeckung zu machen , setzte sofort der geheime Polizeirath Schuhmacher alle seine geheimen Maschinerien in Bewegung , um durch Entdeckung dieser gefahrdrohenden Zustände sich Ansprüche auf den Dank seiner Regierung zu erwerben . Er scheute kein Mittel , um zu seinem Ziele zu gelangen . Vortrefflich arbeitete er uns in die Hände . Einer seiner Helfershelfer mußte - worüber wir besonders frohlocken - den Fabrikherrn selbst warnen und zu größerer Beaufsichtigung seiner Leute auffordern . Dies geschah - und nun werden wir es bald erleben , daß diese Strenge und Vorsicht bewerkstelligt , was unserm Zureden und Vorspiegeln allein nicht gelungen wäre : - die Fabrikarbeiter werden sich empören , und wenn sie gleich damit Nichts thun , als blind in ihr Unglück rennen - so ist es doch von da an eine beglaubigte Wahrheit : der Communismus spukt in Deutschland und greift schon zu praktischen Mitteln - und dadurch ist für uns schon Viel erreicht : wir können von da an den Communismus als Popanz brauchen ! - Als Popanz zuerst für die Regierenden , damit sie hinter freien Regungen überhaupt gleich Communismus vermuthen - und deßhalb sich um so weniger zu Zugeständnissen verleiten lassen ; - für die Besitzenden , damit sie gegen die armen und arbeitenden Classen desto härter verfahren und durch Druck und Härte sie um so eher dem Communismus in die Arme führen , damit die Schwergedrückten endlich gar dem blinden Glauben der Verzweifelten sich hingeben : es gebe für sie kein anders Heil und keine Bestimmung , als Blut und Leben einzusetzen für die Verwirklichung des Communismus ; - endlich auch als Schreckbild für die Liberalen , damit sie , weil sie nun nach zwei Seiten hin zu kämpfen haben , um so leichter ermüden , und damit sie , um nicht auch als Communisten verschrieen zu werden , vorsichtiger und zurückhaltender werden in Tadeln und Fordern . Damit ist schon Viel gewonnen . Zugleich sind auch in den Verdächtigungsnetzen des Polizeirath Schuhmacher , zwei Liberale mit gefangen worden : Graf Jaromir von Szariny und Gustav Thalheim , zwei Schriftsteller für uns von der gefährlichsten Sorte . Man wird sie der Regierung als Theilnehmer an communistischen Comploten bezeichnen , da sie mit den aufsässigen Fabrikarbeitern in Berührung gekommen sind - man wird sich entweder ihrer bemächtigen , oder doch wenigstens ihre Schriften verbieten - obgleich diese radical und Nichts weniger als communistisch sind - oder sie des Landes verweisen , ihnen ihre literarische Thätigkeit erschweren , und so werden wir mit guter Manier zwei unsrer gefährlichsten Gegner los - indem sie entweder ganz unschädlich gemacht oder vielleicht aus Rache und Erbitterung das werden , für was man sie bisher nur hielt und als was sie nun einmal verdammt und gebrandmarkt sind : Communisten . So ist es zugleich mit gelungen , der schlechten Presse die Schuld an den Arbeiteraufständen mit zuzuschreiben - auch davon werden die guten Folgen nicht ausbleiben . So müssen uns alle Dinge zum Besten dienen . Das ist immer unsere Ordensregel gewesen . Und so habe ich denn in der Kürze versucht , mein frommer Bruder , Dir anzudeuten , welche schwierige Stellung wir hier haben - wie wir aber trotzdem nicht verzagen , sondern bereits auf eine neue Aera uns vorbereiten - damit auf alle Fälle unser heiliger Orden selbst dann nicht untergeht , wenn man alle bestehende Ordnung der Dinge umkehrt . Gesegnet sei der heilige Loyola , der die Seinen schützt ! Grüsse alle unsere Brüder . Pater Xaver . « VI. Auf dem Schlosse » Der Bund , der sich auf Treue gründet , Hat Schild und Schwert zu Schutz und Wehr ; Die Flamme , die im Herzen zündet , Durchstrahlt die Nacht als Feuermeer . « K. Haltaus . Als Pauline mit dem Doctor Thalheim in die Rotunde in Hohenthal ging , in welcher sie Elisabeth treffen sollte , hörte sie leises Geflüster und sagte deshalb zu Thalheim