dem Entsetzlichen . Wir hätten in diesem unruhevollen Leben keinen ruhigen Augenblick . Geharnischt müßte ich mich auf mein Lager werfen , und wenn ich aufspränge , das Richtschwert zücken ! Wohlthätiger Nebel , den er über unsre Augen goß , nur so viel Licht uns schenkend , als wir ertragen mögen ! Ja was die Sterne uns vertrauen , das ist wahr . Darin zu lesen vergönnte er aber nur Wenigen und Weniges . Das andere ist Spiel ! Ich haßte das Spiel , und doch - ich wollte , daß es mehr Spiel gäbe , mehr süße liebliche Täuschung , nur auf Augenblicke die Wirklichkeit zu vergessen . « Die ungeputzten Kerzen brannten nur dunkel . Es war todtenstill . Von den Thürmen schlug es Mitternacht . Der Fürst lag zurückgelehnt in seinem Stuhle . » Es ist zu spät , es ist geschehen , « murmelten seine Lippen sein Auge schloß sich , aber vor dem inneren traten die Gestalten auf , die ihn allnächtlich heimsuchten . Seine Brust bebte , sein Arm hob sich etwas , die Hand preßte sich krampfhaft zusammen . Er sah den Geist des Ritters , die Wendeltreppe kam er herauf , er schritt durch den langen Gang . » Warum , warum immer mit den hohlen Augen , Lindenberg ! Klagst du die Raben an oder mich ? Dein Auge war so glänzend . Ich riß es dir ja nicht aus . Was schleichst du wie auf Diebessohlen ! Was stehst du an der Thür ? « Die Erscheinung verschwand nicht . Es war ein etwas Mehr als die Vision , die aufgeregten Sinne wurden thätig . Er hob sich , auf die Armlehne gestützt , wie ein Lauschender . Plötzlich ein Schrei , er sprang auf : » Maria Joseph , was ist das ? « Joachim riß die Augen auf . Er hörte deutlich einen streichenden Ton an der Thür , ein Kratzen ; dann ein Fall , wie ein leichter Körper auf den Fliesen des Bodens ; dann Tritte , wie eines hastig Forteilenden . Er wollte nach der Klingelschnur greifen , das wäre zu spät worden . Den Armleuchter ergreifend , stürzte er nach der Thür und riß sie auf . Am Ende des langen Corridors verschwand die dunkle Gestalt . » Mörder ! « wollte der Fürst rufen , die Stimme versagte ihm . - Das Licht der Kerzen beleuchtete etwas Weißes an der Nußbaumthür . Die Kreide , mit der die Schrift geschrieben , lag am Boden . An der Thüre standen die Worte : Joachimken ! Joachimken hüte Di ! Kriegen wi Di , so hangen wi Di ! Unten stampfte ein Roß . Hufschlag durch das Portal . Er stürzte in das Zimmer zurück an ' s Fenster . Ueber die lange Brücke sprengten zwei Reiter . Von drüben kam eine fröhliche Gesellschaft von einem Schmause zurück . Bei dem Schein der Fackeln konnte er die Umrisse der einen Gestalt erkennen . Die Reiter mußten große Eil haben . So preschten sie durch die Gäste . Er hörte ihre Hufschläge klappern , die Oderberger Gasse entlang . Wenn der Kurfürst jetzt , da er nach der Schnur zur großen Glocke eilte , in den Spiegel gesehen , an dem er vorüberging , hätte er auch vor einem Gespenst erschrecken mögen . Ein so blasses Gesicht sah ihn mit starren Augen aus dem Glase an . Als die Glocke stürmte , durchschauerte es ihn bang . Seine Miene schien zu sprechen : » Wen wird sie rufen ? Steh ich doch schon vielleicht allein ? « - Die Edelknaben schliefen . Hatte man sogar vergessen die Wächter auf den Gang auszustellen , - Waren die Tritte , die jetzt den Corridor hastend herankamen , schon die Tritte der Mörder ? Seine Hand griff unwillkürlich an der Rechten nach dem Dolch , aber schnell ließ er die Hand wieder sinken , als schäme er sich der Bewegung . Er hatte andere Waffen . Die Kammerherren , die hereinstürzten , erschraken , wie er , auf die Stuhllehne gestützt , da stand und sie anschaute . » Wer hatte die Wacht im Schlosse ? « » Der Ritter von Otterstädt . « » Wo ist Otterstädt ? « Was wollte der Fürst mit dem strengen , irren Blicke ? Als verlange er die Antwort nicht mehr , machte er eine abwehrende Bewegung , welche sie gehen hieß . Der Geheimrat von Schlieben ward angemeldet . Zählte der Fürst auch dessen graue Haare ? forschte er , ob der Verrath darunter verborgen sei ? Er saß , wie erschöpft im Armstuhl , und sein strenger Blick hieß den alten Diener an der Schwelle weilen . » Durchlauchtigster Herr , ich komme zur ungewohnten Zeit - « » Aber Du findest mich wach . Das werden sie Alle , sag ' s ihnen . « » So wüßte mein gnädigster Herr schon - « » Otterstädt ist ausgestrichen , wie aus meinen Diensten , aus dem Buche meiner Gnade . Man soll ihn fahnden , wo man ihn trifft . Man setze ihm nach auf der Stelle ! Ich will ihn finden , wo er sich verberge , einen Preis auf seinen Kopf ! Ich sage Euch , er soll es büßen , schwer , furchtbar , entsetzlich . Joachim läßt nicht mit sich spielen . Wehe dem , der sich erdreistet , mich für einen Knaben zu halten . « » Wie , mein gnädigster Herr , was ich eben erst - « » Zauderst Du ? Gehörst Du auch zu ihnen ? - Ja , Du zitterst . « » Den Otterstädt holen wir nicht mehr ein . Er flieht mit unterlegten Rossen nach der Lausitz zu seinen Verwandten , den Minckwitzen . « » Die Rosse bestelltest Du ihm . - O , auch ich kann Verwunderung heucheln . Wer noch ! Ich frage lieber : wer nicht ? Deine Hände auf ! Sind sie nicht auch weiß von Kreide ? « » Ich stehe hier und spreche , weil es meine Pflicht ist , weil mein Schwur , als meines Kurfürsten Diener es mir gebietet . Erst in dieser Stunde ward ich von den schweren Dingen unterrichtet . Mißvergnügte hatten eine Anklage versucht gegen Euer kurfürstliche Durchlaucht , was ich ein Erfrechen nenne , bei dem Freigericht . Die Sache blieb geheim bis diesen Abend , wo der Jähzorn Einiger der Mißvergnügten über den Fehlschlag ihrer Hoffnung sie zu tollen , gefährlichen Reden verführte , die mir von Getreuen hinterbracht sind . « » Das Freigericht will mich nicht richten ? « » Es soll sich erklärt haben für nicht competent . « Joachim lachte häßlich auf : » Ich will mich für competent erklären zu richten , wen und wer es sei , der in meinen Landen ein ander Gericht anruft , das nicht von mir Macht und Vollmacht erhielt ; Jeder und männiglich und das Gericht auch , wie es heißt und was es sei , das nicht vom Kaiser selbst Vollmacht und Freibrief hat . - Wollen sie mich nicht auch bei Kaiser und Reich verklagen ? « » Ich kenne nicht die Absichten der Mißvergnügten . « » Aber sie selbst . Wer sind die Mißvergnügten ? Nenne sie . « Der Geheimrath zuckte die Achseln . » Und das Deine Pflicht , das Dein Schwur ! Damit soll ich zufrieden sein ! « Joachim war aufgesprungen . » Lindenberg ' s Hinrichtung hat viel Schmerz bereitet . « » Ist das Alles ? Hier siehst Du Einen , der an diesem Schmerze nagt . « » Mehr als Schmerz . Daß ich mich unterstehe es meinem durchlauchtigsten Herrn zu sagen , Viele haben es mißbilligt , sehr mißbilligt , die Zahl der Mißvergnügten wurde sehr groß . « » Heute erst ! Warum wagtest Du nicht früher , es auszusprechen ? Der stiehlt und raubt fast an meiner Seite , die lassen zu , daß ein ehrlicher Mann darum fälschlich angeklagt wird ; der kritzelt mit seiner verruchten , majestätsverbrecherischen Hand an die Thür meines Schlafgemachs eine Todesdrohung , und Du , mein erster Rath , geschworen , mir treu zu dienen , erprobst die Treue , daß Du mir verschweigst , was mir zu wissen vor Allem Noth that . Verantworte Dich , Herr von Schlieben ! « » Wenn alle gestraft würden , gnädigster Herr , welche anstehen , ihrem Fürsten zu berichten , was ihm unangenehm zu hören ist , hätten die Fürsten keinen Hof mehr , keine Räthe und keine Minister . « » Und doch , wie bereitwillig seid Ihr Alle , zu hinterbringen , wenn es Dritte gilt . Welch Gaudium Eurer Seelen , Verdacht auszustreuen , wo Ihr zu ernten hofft . Nur diesmal Alle einig , weil Jeder die Schuld des Andern trägt und verbirgt . Dieser Mann ist mir lieb , dieser Otterstädt . Er hat doch was gewagt . Die wüste Tollheit seines verbrecherischen Hirns brach wie die Flamme , heraus , die sich nicht mehr zügeln läßt . Wenn sein Kopf auf der Stange steckt , werde ich ihm zunicken . Ich liebe warmblutige Menschen . Ihr andern seid der stille Brand , der fortglüht unter der Asche . Man kann nicht überall die Augen , nicht überall Acht haben , wo er helle Lohe schlägt . Vor mir , da bin ich sicher ; aber wer schützt mich vor Denen hinter meinem Rücken ! « Der Geheimerath verneigte sich tief ; er sprach die Bitte aus , da sein gnädigster Herr sein Vertrauen von ihm abwende , ihn seiner Dienste zu entlassen , und einen würdigeren Rath zu wählen . Ein böses Lächeln schwebte um Joachims Lippen : » Wo ich hingreife , ist ' s derselbe Stoff . Ein Todter sagt ' s , hörst Du , die Todten lügen nicht . Es lohnt sich nicht ändern , wo man nicht bessern kann . Du bleibst . Wer ritt mit Otterstädt ? « » Man rieth auf den und jenen . Bestimmtes weiß Niemand . « » Der und jener - man räth - Niemand ! - Ich will diesen Niemand finden , diesen Rathenden ein Räthsel aufgeben . - Wer bezog die Schloßwache ? « » Konrad Burgsdorf . « » Wenn er Brandbriefe an die Mauer schreibt , soll er Handschuhe anziehen . Die Kreide an seinen Finger könnte ihn verrathen . « » Mein Gott , was soll daraus werden ! « entfuhr es dem von Schlieben . So in krankhafter Aufregung hatte er seinen Fürsten noch nie gesehen . » Nur ein Hochgericht , Schlieben ! Wenn meine Mannen und Diener zu verschlafen sind , einem Verbrecher nachzusehen , wird Gott andere Rächer einem beleidigten Fürsten erwecken . Es giebt Gerichte auch drüben in Sachsen . Nicht rasten will ich , noch ruhen , bis Otterstädts Haupt auf einer Stange über dem Thore von Berlin schwebt . Ich bin ' s mir , ich bin ' s einem andern schuldig , der mir lieber war . Zur Warnung Euch allen , so hoch der Verbrecher stehe , so stark sein Arm ist , so viele Freunde für ihn sprechen . « » Gnädigster Herr ! welche entsetzliche Wahnbilder beunruhigen Euer Durchlaucht . Euer Volk , ich darf es sagen , ist ein gutes und treues Volk , und wenn unter Eurem Adel Mißvergnügte sind - « » So sind sie ' s mit Recht . Nun bist Du auf guter Fährte . Sprich Dich aus , gieß aus den verhaltenen Unmuth , so liebe ich ' s. Klage mich offen , herzhaft an . Auf dieser Stelle sprach so ein anderer Mann zu mir . Er hielt mich nicht mehr für ein Kind , als der Tod vor seiner Thür stand . Mann gegen Mann hat er mich angeklagt , und ich hörte ihm mit Lust zu . Seine Lippen sind nun bleich , sein Athem ist ihm vergangen , sein Herz ist kalt . Der kann nicht mehr sprechen . Nun trittst Du für ihn auf , Du setze fort die Rede . Sprich wie ein Anwalt , dessen Mund , ein Vulkan , Feuer sprüht , zeihe mich der Grausamkeit , der Eigenmacht , des Leichtsinns , vertheidige den Adel gegen Deinen Fürsten , beschwöre aus den Grüften die unverjährbaren Rechte , die ich brechen , zertreten will , überzeuge mich von meinem Unrecht . Dir soll kein Haar gekrümmt werden , wenn Du Deinen Groll in tausend Verwünschungen gegen mich ausschüttest ; nein , ich will auf jedes Deiner Worte lauschen , wie ein Liebender auf das Geflüster seiner Geliebten . « » Herr ! allerdurchlauchtigster Kurfürst , mein gnädigster Gebieter , möge die Zunge erstarren , die sich dessen erfrecht . Ich bin fern davon - « Höhnisch lachte der Fürst auf : » Warum stehst Du dann noch da ? Geh nach Haus . ' S ist späte Nachtzeit . Sieh in der Kinderstube nach , ob das Deckbett nicht von den Kleinen gerutscht ist . Die Nacht wird kalt . « » Er redet im Fieber , « sagte der Geheimerath , als er das Zimmer verließ . » Man muß nach dem Leibphysikus senden , daß er in der Nähe des Zimmers wacht . « Aber Joachim sandte nicht nach dem Leibphysikus , sondern bald nachdem der Minister gegangen , stand Hans Jürgen von Bredow in seinem Zimmer und schien auf einen Auftrag zu harren , während der Fürst an seinem Tische schrieb . Die Briefe waren geschrieben , versiegelt und ruhten in der ledernen Tasche auf der Brust des Edelknappen . Er hatte aufmerksam und ehrerbietig den Aufträgen des Fürsten zugehört . Da legte Joachim die Hand auf seine Schulter : » Du dienst nicht gern ? « » Ich war frei . « » Auch das Dienen , « sprach Joachim , » wird zur Lust , mein ich , wenn man wirklich frei wird . Davon ein ander Mal , wenn wir uns näher kennen . Aber nicht wahr , im Grund des Herzens grollst Du mir eigentlich noch ? « » Wär ' ein Schelm , wenn ich lüge . « » Mehr wollt ich nicht . Nun reite , Hans Jürgen . Aber eile , daß Du wiederkommst , denn ich brauche Dich in meiner Nähe . « Als er fort war , sah ihm der Fürst nach : » Gebenedeite Himmelskönigin , ein Fürst ist nicht verloren , der noch einen wirklichen Menschen um sich weiß . Die Klugen sind alle Verräther , ich will ' s nun mit - mit dem will ich ' s versuchen ! « Zweiundzwanzigstes Kapitel . Du sollst nicht stehlen . Es war Nacht in Hohen-Ziatz . Die gute Frau von Bredow stand im Dunkel an den Pfosten gelehnt und sah dem Knecht Kaspar zu , der in der kleinen Burgschmiede glühte , hämmerte und putzte . Er sah sie nicht , er hörte auch nicht , wie ihr Herz bang schlug , und wie sie in gedankenlosem Spiel die Finger rieb . Es ist was los ! flüsterten sie damals , als der Herr von Lindenberg ausritt . Es ist wieder was los und was schlimmeres ! hatten sie heut geflüstert . Der guten Frau von Bredow war es noch nie so schlimm ergangen in ihrem eigenen Hause . Was war in ihren Herrn gefahren die Tage über ! Er sah in das Glas und trank es nicht aus . Er war brummig , wie allezeit , aber wenn die Eva ihm um den Bart kraute , lachte er nicht , wie , er doch sonst gethan . So schön hatte sie noch nie den Hirsebrei zugerichtet , mit Zimmt und Butter und Zwiebeln , die dampften . Er griff hinein , er aß und - seufzte . Was hatte ihr Herr zu seufzen ? Wenn er recht brummig gewesen , dann ward er nachher immer freundlich , und war , wie um den Finger zu wickeln . Und Geheimes , das mußte sie ihm nachrühmen , Geheimes hatte Herr Götz nie vor seiner Frau gehabt . Aber er ritt allein in den Wald , und letzthin zum Besuch , sie wußte nicht wo ; er saß allein in der Stube , den Kopf im Arm gestützt , und dachte , sie wußte nicht was . Reiter kamen und sprachen mit ihm unter vier Augen , und er schickte Kaspar auf Botschaft aus , sie erfuhr nicht wohin . Gestern aber waren spät noch Gäste gekommen , als sie auf Besuch ausgewesen . Reiter , die von einer Jagd im Schloß abgestiegen , hieß es , aber die Leute im Schloß kannten die wenigsten . Einige hatten sich ganz verhüllt . Dann hatten sie in der Halle gezecht , wie guter Leute Art ist , aber die Thüren waren verschlossen worden vor dem Gesinde , Kaspar hatte aufgewartet , kein Anderer war hineingelassen worden . Man hatte Becherklang , dumpfes Flüstern und wilde Verwünschungen gehört . Als Frau Brigitte und ihre Tochter spät nach Hause kehrten , waren die Gäste schon fort , ihr Herr lag in seinem Bette . Aber es war Schweres zurückgeblieben . Sind Sorgen nicht schwer ? Und ist das keine , wenn eine Hausfrau fühlt , daß sie nicht mehr allein Herrin im Hause ist , wo sie ' s zwanzig Jahre gewesen ? Frau Brigitte wußte schon mehr , als sie wissen sollte . Drüben in Golzow hatte sie manches munkeln gehört , auf dem Rückweg hatten dem Knecht Ruprecht , der sie fuhr , die Dohlen und Krähen wunderbare Liedlein in ' s Ohr gesungen und als der Wagen in die Lichtung fuhr , hatten sie noch die Gäste ausreiten gesehen ; die gefielen ihr gar nicht . Auch im Dorfkruge sah sie durch ' s helle Fenster einige Burschen zechen , und sie sprachen wirre Dinge , solche Bauernburschen , die ihr Herr vom Pfluge nahm , wo es was galt . Auch mit Andern waren sie wohl ausgeritten ; um ein Handgeld oder auch nicht , die Leute sprachen nicht gern davon . Aber woher kamen die klingenden Guldenstücke in die Tasche der Büdnerssöhne ? Der Kaspar sang , als er den Helmsturz auf dem Ambos festklopfte , ein Spottlied , was sie damals sangen auf Herzog Hans von Sagan , der landflüchtig war und kaum in der Mark ein Unterkommen gefunden : Wer bürgerlichen Krieg anstift , Denselben das Unglück wieder trifft , Und muß das Sein mit dem Rücken ansehn , Wie Herzog Hansen ist geschehen . » Was singst Du für ein häßlich Gassenlied , Kaspar ? « sprach die gnädige Frau . Er erschrak etwas , aber nicht sehr : » Einer stimmt an , der Andere singt nach , Gestrenge . « » Wer muß Alles nachplärren , was die Gassenjungen vorsingen ! - Hat ' s solche Eil ' , Kaspar ? « Der Knecht sah sie seitwärts an und nickte . » Morgen schon , Kaspar ? « Er bedachte sich und nickte wieder . » Kaspar , Du bist ein treuer Knecht ; aber ein treuer Knecht muß Alles thun , daß sein Herr nicht zu Schaden kommt . « » Ein Knecht muß thun , was sein Herr will . « » Wenn der Herr aber - « sie hielt inne . » Der Herr ist anders worden , als er war . « Er nickte . » Wenn ' s nun zum Schlimmen ginge , wenn er auf schlimme Leute gehört hätte , wenn sie ihn wieder fingen ! Kaspar , was würde aus Dir , was würde aus uns Allen ! Das Liedlein vom Herzog Hansen , wenn sie ' s nun auf uns sängen ? « Der Knecht legte den Helm weg und nahm ein Schulterstück , aber das legte er auch weg . Es ging auch in ihm was vor : » Gestrenge , es ist schon wahr , aber wir ändern ' s nicht , es muß sein . « » Warum muß es denn sein ? Kaspar , Du weißt was . « » Ja , Gestrenge . « » Daß es gegen den Kurfürsten losgeht , das darfst Du nicht sagen ? « » Nein , eben das darf ich nicht sagen . « » Auch nicht , daß mein Herr bei ist ? « » Auch nicht , daß er sich versprochen hat und nun nicht los kann . « » Kaspar ! ' S wird nicht , wie damals . Damals war er unschuldig wie ein Lamm im Mutterleib . Kaspar , wer ihn abhalten thäte , der verdiente sich einen Gotteslohn . « Kaspar fuhr mit dem Eisen in die Kohlen , daß die Funken umher flogen . » Ach , Gestrenge , das ist ' s eben . Der Brei ist zu weit eingerührt , nun muß er über ' s Feuer . Was mußten wir ihn auch allein in ' s Havelland reiten lassen - « Die gute Frau zupfte ihn am Hemdsärmel : » Kaspar , wir ziehen ihn wohl noch raus . « » Der Stier rennt gradaus , wenn er ' nen Schlag hat . « » Du und ich ? « » Ich nicht , Gestrenge . « » Ein bischen wirst Du mir schon helfen . « » Nein ! Bin ihm geschworen . « » Kaspar ! ' S ist gottlos , mein ' ich , gegen den Landesherrn ; aber wenn ' s geht , i nu , da drückt Gott schon ein Auge zu . ' S ist ja der liebe Gott . « Der Knecht schüttelte den Kopf : » ' S wird gehen wie dazumalen . Er ist stärker . « » Da muß er in den Thurm , und aus dem Thurm - Unser Haus reißen sie niede , oder schießen ' s nieder , und wir , wir müssen in ' s Elend , die Eva und ich . « Kaspar wischte sich mit dem Aermel über das Auge : » Ich werd ' s nicht mit ansehen . Wenn sie die Herren köpfen , hängen sie die Knechte . « Er ging wieder an die Arbeit , als wollte er die Gedanken forthämmern . Aber Frau Brigitten kamen unter den Hammerschlägen Gedanken . » Du bist ein guter und treuer Knecht , « sprach sie . » An Deiner Stelle thät ich auch wie Du . Aber ich bin seine Frau , ich muß für ihn sorgen , dazu sind wir am Altar geschworen , daß einer das Unglück vom Andern abwendet . Aber was Du weißt , das mußt Du mir sagen , ich bin Deine Frau und kann ' s Dir befehlen ; nämlich , was er Dir nicht verboten hat . Und was Du denkst , damit mußt Du auch nicht hinterm Berge halten , wenn ich Dich frage , denn ein Knecht darf nur für seine Herrschaft denken . « » Freilich , « sagte der Knecht Kaspar . » Morgen früh schon reitet er aus ? « Der Knecht sah sie zweifelhaft an : » Das weiß ich nicht , ob ich das sagen darf . « » Darum frag ich Dich auch nicht . Aber das mußt Du mir sagen : Bleibt mein Herr morgen daheim ? « » Ja das hat er mir nicht verboten . Nein er bleibt nicht daheim . « » Und kommt auch morgen und übermorgen nicht zurück ? « » Das weiß Keiner , wenn er zurückkehrt . « » Nimmt Dich mit , und den Wenzel , und aus dem Dorf den Jürgen , den Stephan , den Hans und die beiden Zwillinge ? « » Nun , so Ihr das wißt , Gestrenge , da braucht Ihr mich ja nicht zu fragen . « » Und in der Rüstkammer hängen schon die Eisenhemden , Koller , Schirme , Hauben , die Spieße und Aexte , die Ihr anziehen werdet . « » Das wißt Ihr also auch ? « » Was dächtest Du nun , Kaspar , wenn ich den Ruprecht und noch ein paar gute Bursche nähme , und ließe die ganze Rüstkammer raustragen ganz sacht , daß es Keiner merkt , und die Rosse aus dem Stall ziehen ; wir packten Alles was scharf ist und von Eisen auf die Leiterwagen , und damit führen wir in der Nacht nach Golzow . Die Rochow ' s sind mir gut . Heuer wollen sie nicht mit . Bis er aufwachte , wären wir längst über alle Berge , und dann könnte er doch nicht ausreiten . Du sollst nicht dabei sein , Du sollst nur sagen , was Du dazu denkst . « » Straf mich Gott , Gestrenge , da müßt ich ja dabei sein . Wenn ich ' s merken thäte , da sprüng ' ich auf den Hof , und bis Ihr nur halb fertig wär ' t mit Aufpacken , riß ich das Fallgitter nieder und schrie aus Leibeskräften , bis er aufwachen thäte . « » Schreien würdest Du ? Dann müßten wir Dich also knebeln . « » Würde mich aber verflucht wehren . « » Dann müßte man Dich einsperren . « » Ich schriee durch ; ' s ist ja für meinen Herrn . « » Nun , wenn ' s hier unten wäre in der Schmiede , da könntest Du Dir die Lunge ausschreien , bis er ' s hörte . « » ' S hülfe Euch auch nichts , Gestrenge ! Er hat sich in den Handschuh gebissen und geschworen , das kann ich schon sagen vom Handschuh nämlich , das hat er mir nicht verboten . Da muß er ' s thun . Wenn er aufwacht , und die Bescheerung sähe , sobald er nur in den Hosen sitzt , springt er über die Mauer , wenn ' s nicht anders ist . Im Dorfe trifft er Pferde und die liederlichen Kerle da , denn ' s ganze Dorf könnt Ihr doch nicht mitnehmen nach Golzow . Er reitet fort , wie er ist , ich kenne ja meinen Herrn . « » Wie er ist , « wiederholte nachdrücklich die Frau . » Wie ist er denn , Kaspar ? Hat er ' nen guten Rausch ? « » I nu , die Treppe stieg er noch halbwege rauf . Nur auf den letzten Stufen mußte ich ihn unterfassen . « » Hat er noch viel gesprochen ? « » Na ! Nicht wie der Bischof von Brandenburg , wenn er einen guten Rausch hat , aber ' s hörte sich doch so an1 . « » Als Du ihn verließest , schlief er ? « » Wie ein Maulwurf . « » Und wann meinst Du , daß er aufwacht ? « Der Knecht blickte verlegen : » Wenn ihn die Sonne nicht aufweckt , dann - ich weiß nicht , ob ich das sagen darf - « » Dann sollst Du ihn aufwecken . Vergiß das nicht , Kaspar . Aber ist das Deines Herrn Gebot , daß Du hier mit mir plauderst ? Frisch , frisch an die Arbeit . Nicht aufgesehen , hast viel nachzuholen , bis Du ihn wecken gehst . Deine Frau befiehlt ' s ! « Als der Knecht gehorsam die Kohlen schürte und hämmerte , hörte er hinter sich einen Krach , drauf einen schweren Riegel rasseln . » Dacht ' ich mir ' s doch gleich , sie sperrt mich ein . « Schnell war Helm und Hammer fortgelegt , und er kletterte nach dem kleinen Fenster hinauf , das von draußen zu ebener Erde war . Aber auch hier begegnete ihm schon das Gesicht der Burgfrau , welche die schwere Eichenklappe darüber fallen ließ , und die Krammen an der Wand befestigte . » Hast Du zu essen bei Dir ? « fragte sie ihn durch das kleine Lugloch . » Das hab ' ich schon , Gestrenge ; Rettig , Käse und Brod im Kober . « » Dann spar ' s Dir auf , damit Du nicht hungerst . « » Aber schreien , Gestrenge , thu ' ich doch ; ' s ist meine Schuldigkeit . « » Erst arbeiten und dann schreien , « antwortete ihm ihre Stimme , und sie warf ein paar Bund Stroh vor das Loch , und wälzte mit nicht geringer Anstrengung einen großen Stein davor . Die dicke schwere Thür würde er nicht erbrechen ; dessen war sie sicher . In der Nacht war die Frau von Bredow wieder Herrin im Haus , und wehe dem Knecht , der ihr nicht gehorchen wollte . Und wer sich etwa vorhin gefreut , mit auszuziehen mit dem Herrn , der konnte sich jetzt auch freuen , er zog mit der Frau aus . Und wer weiß , ob der Herr so gut hätte einschenken lassen , wie die Frau that , daß sie Muth und Lust kriegten . Bald war es auch , wie ein Fest , wie ein Fastelabendsspaß , wo es Jeder dem Andern wollte zuvorthun in Hurtigkeit und Stille . So schoben sie nicht , nein sie trugen den Wagen aus dem Schuppen ; aus der Rüstkammer und der Halle holten sie die Schilde , Helme , Rüstungen , Spieße und Aexte , daß es keinen Klang gab . Stroh und Decken wurden dazwischen gepackt ; und selbst die Rosse schienen zu merken , was es galt : so sächtchen ließen sie sich aus dem Stall zieh ' n und vor die Wagen spannen und satteln . Kurz , es ging Alles still und schnell ab , wie in einem Mährchen . Nur die Katzen heulten , und dann und wann hörte man Herrn Gottfried vom Giebel schnarchen . Zwar schrie auch